When Love Has To Die: Das Ende einer Liebe

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P18 Slash
Balto Boris Dixie Jenna Star Sylvie
03.10.2015
03.10.2015
4
22.762
1
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
03.10.2015 5.031
 
„Wie findest du das?“. Wie jeden Morgen stand ich vor dem Kleiderschrank und wühlte darin nach einem passenden Outfit herum, während mein Freund Balto neben mir stand und sich jedes Stück, das ich ihm vorlegte, genaustens betrachtete. So wie immer kommentierte er das natürlich mit Bemerkungen wie „Wunderschön“, „Zauberhaft“ oder „Atemberaubend“. Das empfand ich in erster Linie als schmeichelhaft, jedoch half mir das bei meiner Entscheidung natürlich kein Stück weiter. Im Gegenteil: Dadurch wurde mir das Auswählen eines einzelnen Stückes nur noch zusätzlich erschwert. Denn schließlich wollte ich Balto ja gefallen und schön für ihn sein. Auf der anderen Seite musste ich natürlich auch bedenken: Wenn ihm sowieso alles gefiel, was ich an Klamotten zu bieten hatte, war es dann nicht eigentlich völlig egal, was ich anzog? Nein, sagte ich mir. Natürlich war das nicht egal. Schließlich wollte ich nicht nur Balto, sondern auch mir selbst gefallen. Und wenn ich ehrlich war, hatte ich in meinem Schrank Outfits, bei denen ich mich ernsthaft fragte, warum ich sie überhaupt hatte. Ganz ehrlich: Da waren Dinger dabei, die ich nicht einmal tot anziehen würde. Gut, zugegeben, den Großteil dieser – ich nenne sie jetzt einfach mal „Klamotten“, wobei das eine sehr beschönigende Bezeichnung für diese Ansammlung von Stofffetzen ist – hatte Balto mir geschenkt. Und vermutlich lag genau darin der Knackpunkt: Auch wenn ich diese Dinger abgrundtief verabscheute und mir sicher war, dass ich sie nie und nimmer tragen würde, brachte ich es nicht übers Herz, sie wegzuwerfen. Vermutlich deswegen, weil ich Angst hatte, Baltos Gefühle zu verletzen. Er hatte sich bei der Auswahl, mehr oder minder, wirklich Mühe gegeben und sich jedes Mal wahnsinnig gefreut, wenn ich so tat, als würde es mir nichts ausmachen, dass ein Kleidungsstück mit tausend Löchern übersät war und generell so aussah, als hätte man es durch den Reißwolf gejagt. Ich meine, klar, natürlich machte mir das etwas aus. Ich wollte nach außen schließlich so nicht aussehen wie eine billige Schabracke, die notgedrungenermaßen auf alles angewiesen ist, was sie nur kriegen kann. Aber Balto zuliebe spielte ich weiterhin die Begeisterte, auch wenn bei den meisten Dingen das exakte Gegenteil der Fall war. Natürlich ist es albern und ich hätte ihm gerne einmal gesagt, dass alle in seinen Augen „liebevoll ausgesuchten“ Geschenke im Grunde genommen völliger Schrott waren und er sie schnellstmöglich wieder dort vergraben sollte, wo er sie gefunden hatte. Aber ich brachte es einfach nicht fertig. Ich stellte die Tatsache, ihm meine ehrliche Meinung dazu mitzuteilen mit dem Gefühl gleich, ihm ein Messer in den Bauch zu jagen. Ja, ich weiß. Ziemlich kindisch und naiv. Aber so bin ich nun mal. Klar, ich habe schon eine eigene Meinung, aber leider traue ich mich selten, diese auch kundzutun. Woran das genau liegt, weiß ich auch nicht. Wie ich sagte, vermutlich ist die Ursache allen Übels meine meist ziemlich übersteigerte Angst, seine Gefühle zu verletzen. So bin ich einfach. Ich versuche es immer allen Recht zu machen. Dass das unmöglich ist, steht natürlich außer Frage. Aber man kann es doch zumindest versuchen. „Das steht dir ausgezeichnet“, antwortete Balto schließlich und grinste. Ich lächelte zurück, auch wenn mir innerlich davor graute, dieses Kleid anzuziehen. Genauer gesagt handelte es sich um ein grünes Hauskleid, welches auf der rechten Seite einen Riss und am Rücken einen großen Fleck hatte, der so wirkte, als hätte ich mich damit in einer Drecklache gewälzt. Ich atmete tief durch und schlüpfte schließlich guten Willens hinein. Was soll's, sagte ich mir im Stillen. Hauptsache, Balto gefällt es.
Nachdem ich mich im Badezimmer ausreichend zurechtgemacht und Balto in aller Form seine Begeisterung über mein, wie er sagte, „fabelhaftes“ Aussehen zum Ausdruck gebracht hatte, spekulierten wir, womit wir unseren Tag gestalten konnten. „Wir könnten in die Stadt gehen“, schlug Balto schließlich nach einiger Zeit des Schweigens vor. In die Stadt? Mit diesem Kleid? Nie und nimmer. Wenn ich mich in diesem lächerlichen Aufzug in der Öffentlichkeit zeigte, war ich mit hundertprozentiger Sicherheit für den Rest meines gesamten Lebens blamiert. Natürlich konnte ich mich auch einfach umziehen. Aber wenn ich das tat, würde Balto bestimmt fragen, was mit dem Kleid denn nicht in Ordnung wäre und ich musste ihm die Wahrheit sagen. Gut, um ehrlich zu sein war genau das der entscheidende Punkt: Ich musste ihm die Wahrheit sagen. Schließlich konnte ich nicht jedes Mal ablehnen, wenn er mir anbot auszugehen, nur weil ich mich für mein Outfit in Grund und Boden schämte. Sicher bestand die Angst, seine Gefühle zu verletzen nach wie vor. Aber ich musste verdammt nochmal endlich reinen Tisch machen und dabei in Kauf nehmen, dass er vielleicht enttäuscht darüber war. Obwohl ich selbst eigentlich nicht daran glaubte. Ehrlichkeit war in unserer Beziehung schon immer vorrangig gewesen. Es war uns beiden stets wichtig, offen miteinander umzugehen und dem anderen zu sagen, wenn einem etwas nicht passte. Warum zum Henker stellte ich mich dann eigentlich so an? „Balto...“, setzte ich schließlich an und atmete tief durch. „Es gibt da etwas, das ich dir sagen muss“. „Was denn?“, wollte er wissen und wandte sich mir zu. „Es geht um dieses Kleid“, antwortete ich und blickte angewidert an mir herunter. „Ich weiß, du hast dir große Mühe gegeben, aber...“. Ich unterbrach mich. „Aber was?“, wollte er wissen. „Ich hasse es“, stieß ich schließlich hervor und wartete auf seine Reaktion. „Es gefällt dir nicht?“, fragte er nach. Ich schüttelte den Kopf. „Kein bisschen“, antwortete ich. „Aber warum trägst du es dann?“, fragte er weiter. „Weil ich dir einen Gefallen tun wollte“, erwiderte ich. „Ich weiß, du meinst es gut mit deinen Geschenken und ich bin dir auch unendlich dankbar dafür“. „Aber...?“, wollte er wissen, während er mir geduldig zuhörte. „Aber dein Geschmack und deine Auswahlkunst sind leider unter aller Kanone“, antwortete ich. „Es ist lieb gemeint von dir und das weiß ich auch zu schätzen. Aber ganz ehrlich: Hast du dir die Fetzen angesehen, die in meinem Schrank rumhängen? So gut wie alle haben Risse, Flecke und noch weitaus ekelhafteres“. Er sagte kein Wort, sondern hörte geduldig meinen Worten zu. „Ich bin sehr dankbar, dass du dir solche Mühe für mich gibst“, setzte ich fort. „Aber bitte, wenn du mir zukünftig Geschenke machst, achte bitte darauf, dass sie nicht schon ewig vor sich hin verrotten“. „Was ist mit den anderen Sachen?“, wollte er wissen. Zu meiner Überraschung klang er überhaupt nicht enttäuscht, sondern vielmehr geschmeichelt. „Wenn ich ehrlich sein soll: Die meisten davon sind genauso unbrauchbar wie das hier“, antwortete ich. „Deshalb trage ich die auch nie. Ich wollte dir eben eine Freude damit machen, indem ich so tue, als wäre ich begeistert. Aber in Wahrheit finde ich sie allesamt scheußlich“. „Ach Star“, rief Balto verzückt und grinste. „Das ist total lieb von dir“. „Lieb?“, fragte ich nach. „Ja, sehr sogar“, erwiderte Balto mit einem Lächeln. „Es ist echt süß, dass du so tust, als würden dir die Sachen gefallen, nur um mich nicht zu kränken“. „Wirklich?“, fragte ich verwundert. „Mhm“, antwortete er und nickte zustimmend. „Das ist es. Aber ehrlich, Süße. Du musst nicht so tun, als wärst du begeistert, nur um mich nicht zu verletzen“. Er nahm meine Pfote. „Wenn dir etwas nicht gefällt oder du es sogar widerlich findest, dann sag mir das. Ich werde deshalb nicht beleidigt sein, ganz im Gegenteil: Ich bin froh, wenn du mir klar sagst, was Sache ist, weil ich so ein Gefühl dafür entwickeln kann, was dir persönlich gut gefällt. Wenn du zum allem Ja und Amen sagst, finde ich ja nie heraus, was deinem Geschmack entspricht und was nicht“. „Entschuldige“, antwortete ich verlegen. „Aber wie gesagt, ich wollte dir einfach eine Freude machen“. „Die größte Freude machst du mir, wenn du ehrlich bist“, antwortete er. „Also, sag in Zukunft gleich, wenn du etwas auszusetzen hast. Anders macht das nämlich für uns beide wenig Sinn“. „Okay“, erwiderte ich und wurde rot. Ich schämte mich, weil ich doch allen Ernstes geglaubt hatte, dass Balto die Wahrheit nicht ertragen würde. „Also“, setzte er fort und sprang auf. „Dann lass uns mal ausräumen“. „Ausräumen?“, fragte ich nach. „Was willst du ausräumen?“. „Süße, deinen Schrank natürlich“, antwortete er mit einem Lächeln. „Alles was du scheußlich findest, kommt dorthin zurück, wo ich es hergeholt habe“. „Na gut, wenn du meinst“, stimmte ich zu und erhob mich ebenfalls. „Eines muss ich dir aber noch sagen: Ich kann nicht versprechen, dass nach dem Ausräumen überhaupt noch was übrig bleibt“. „Das macht nichts“, entgegnete er. „Dann besorge ich dir eben was neues. Und zwar ab jetzt nur noch das, was dir auch wirklich gefällt“.

Balto und ich verbrachten den ganzen Nachmittag damit, meine Klamotten auszumisten und wegzuschaffen. Alle Dinge, die ich nur Balto zuliebe aufgehoben hatte, im Leben aber nicht anziehen würde, flogen raus. Balto machte sich im Anschluss daran, diese Sachen dorthin zu bringen, wo er sie hergeholt hatte, während ich prüfend vor meinem nun mehr oder weniger leeren Kleiderschrank stehenblieb. Lediglich ein paar einzelne Dinge, die nur geringe Beschädigungen aufwiesen, hatten die Sache überlebt. Alles andere wanderte geradewegs zurück in den Müll. Auch mein gesamtes Schuhwerk war bei dieser Aktion draufgegangen. Aber gut, sagte ich mir. Das war nicht so schlimm, schließlich konnte ich mir ja wieder neue besorgen. Und zwar beim nächsten Mal welche, in denen ich mir nicht sämtliche Knochen brechen würde. Ich schloss den Schrank und dachte kurz nach. Dachte an mein Verhalten und meine völlig unbegründeten Sorgen am Vormittag. Wie bescheuert es von mir gewesen war, Balto nicht von vorneherein aufzuklären. Besonders die Tatsache, dass ich allen Ernstes geglaubt hatte, meine ehrliche Meinung würde ihn verletzen, empfand ich jetzt als völlig idiotisch. Hatte ich ernsthaft geglaubt, er würde böse auf mich sein, nur weil wir mal nicht einer Meinung waren? Ich schüttelte verwundert über mich selbst den Kopf und ging dann wieder nach draußen ins Wohnzimmer, um auf Baltos Rückkehr zu warten. Währenddessen überlegte ich mir, womit wir am besten unseren Abend verbringen konnten. Immerhin konnte ich jetzt auch wieder ausgehen, ohne mich dafür schämen zu müssen. Eine weitere Möglichkeit war, dass wir einfach zu Hause blieben und uns über alles mögliche unterhielten, was uns beschäftigte und interessierte. Und dann gab es natürlich noch die Option, uns gegenseitig mal wieder das zu geben, was wir beide schon lange nicht mehr gehabt hatten. Es gab noch die Möglichkeit, ein bisschen miteinander zu spielen. Ein fröhliches Grinsen legte sich auf mein Gesicht, als ich daran dachte. Genau das war es. Das war es, was ich heute wollte. Ich wollte ihn endlich einmal wieder verführen. Ich wollte meinen Plan augenblicklich in die Tat umsetzen und lief zurück ins Schlafzimmer. Nach kurzer Suche in dem jetzt sehr spärlich bestückten Schrank zog ich schließlich mein schwarzes Seidennegligee hervor. Ich wusste genau, dass Balto dem nicht widerstehen konnte und schlüpfte kurzerhand hinein. Denn eines stand definitiv fest: Ich würde nicht eher aufgeben, bis ich von ihm bekommen hatte, was ich mir wünschte. Und ich hatte schon einen ganz genauen Plan, wie mir das gelang.
Nachdem ich mich noch etwas zurechtgemacht hatte, damit der Verführung auch garantiert nichts im Wege stand, setzte – oder besser gesagt: legte – ich mich in meiner verführerischsten Pose aufs Sofa und wartete darauf, dass er zurückkam. Ich malte mir in Gedanken aus, wie er wohl darauf reagieren würde. Würde er überrascht sein? Rechnete er damit, dass ich heute noch etwas derartiges mit ihm vorhatte? Bestimmt nicht, sagte ich mir und grinste selbstzufrieden. Vermutlich dachte er, dass ich immer noch meinen fast leeren Schrank begutachten und mir Gedanken über neue Anschaffungen machen würde. Dass ich etwas ganz anderes im Sinn hatte, würde ihn sicher überraschen. Und anmachen. Ich grinste noch breiter. Ich wusste ganz genau, dass er mir in solchen Augenblicken nicht widerstehen konnte, das hatte er mir im Laufe unserer Beziehung schon oft genug bewiesen. Somit stand unserer aufregenden Liebesnacht also nichts im Wege. Ich überlegte, was er wohl als erstes sagen würde, wenn er nach Hause kam und mich so vorfand. Würde er überhaupt etwas sagen? Oder würden unsere Blicke dazu genügen? Wir werden sehen, sagte ich mir mit einem Grinsen. Egal wie auch immer er reagierte, widerstehen würde er mir nicht. Ich wusste genau, was ich zu tun hatte, um ihn entsprechend anzuheizen, falls er nicht sofort darauf ansprang. Denn wenn ich etwas konnte, dann verführen, das hatte er selbst einmal zu mir gesagt. Eilig nahm ich meine Pose ein, als ich seine Schritte vor der Tür hören konnte. Ich legte ein leicht verruchtes Lächeln auf und war mehr als gespannt auf seine Reaktion. „Süße, ich bin wieder da“, rief er gedankenversunken. „Hey“, antwortete ich und versuchte, so sinnlich wie möglich zu klingen. „Hey Sü...“. Er unterbrach sich, als sein Blick auf mich fiel. Ich zwinkerte ihm zu, was ihn dazu veranlasste, überrascht zu keuchen. Er blieb für einen kurzen Moment stehen und starrte mich an. Vermutlich kann er nicht fassen, was er gerade sieht, sagte ich mir und kicherte innerlich. „Star...“, sagte er schließlich und kam langsam zu mir herüber. „Na Balto, gefällt dir was du siehst?“, fragte ich ihn so betörend wie möglich. Er stieß ein lang gezogenes „Wow“ aus und setzte sich schließlich zu mir. „Ich habe mir gedacht, wir beide machen uns noch einen schönen Abend“, sagte ich und setzte mich auf. Noch ehe er etwas antworten konnte, stieß ich ihn sanft rückwärts und fing an, ihn zu streicheln. „Entspann dich“, forderte ich ihn zärtlich auf. „Und lass mich nur machen“. Mit diesen Worten begann ich damit, ihn von oben nach unten zu küssen, woraufhin er erneut keuchte. Das spornte mich dazu an, ihn langsam mit meiner Pfote zu streicheln. Während ich mich vorsichtig über ihn setzte und mit meinen Streicheleinheiten fortfuhr, streifte er mir langsam die Träger meines Negligees von den Schultern. Als er mir dieses dann mit einem kurzen Ruck über den Kopf zog, konnte und wollte ich mich einfach nicht mehr beherrschen. Ich fiel über ihn her. Wild und entschlossen.

Nachdem wir am vorangegangen Abend erst ziemlich spät zur Ruhe gekommen waren, schliefen wir am nächsten Tag bis Mittag durch. Naja, besser gesagt: er schlief bis Mittag durch. Ich war schon seit einer knappen halben Stunde wach und ließ den letzten Abend noch einmal gedanklich Revue passieren. Dabei musste ich unentwegt grinsen, denn es war wie jedes Mal fantastisch gewesen. Balto hatte seine Sache unglaublich gut gemacht – und zwar gleich dreifach. Und das ohne Pause. Ich hatte nach dem zweiten Mal zwar gemeint, dass es in Ordnung wäre, wenn wir aufhören, aber er hatte unbedingt auf ein drittes Mal bestanden. Und er war erfolgreich. Sehr erfolgreich sogar. Während ich meine Gedanken noch weiter umherschweifen ließ, wachte Balto langsam auf. Verschlafen blinzelte er mich an und ich grinste ihm glücklich entgegen. „Hey“, flüsterte ich ihm zu und setzte mich auf. Er gähnte und rappelte sich ebenfalls langsam hoch. „Mann, ich fühle mich wie gerädert“, stöhnte er und streckte sich. Das brachte mich zum Kichern. „Kein Wunder“, antwortete ich mit breitem Grinsen. „Du hast dich ja auch ziemlich ausgepowert letzte Nacht“. „Du meinst wohl, du hast mich letzte Nacht ziemlich ausgepowert“. Ich lachte. „Wer? Ich?“, fragte ich mit Unschuldsmiene. „Exakt“, antwortete er. „Und du warst fantastisch“. Ich grinste noch breiter. „Danke“, erwiderte ich schließlich. „Das kann ich nur zurückgeben“. „Ja, fandest du?“, fragte er und fing ebenfalls an, wie verrückt zu grinsen. „Allerdings. Du warst unglaublich. Drei Mal sogar“. Er lächelte teils stolz, teils verlegen. „Dankeschön“, sagte er schließlich und stand auf. „Und jetzt? Was möchtest du frühstücken, Süße?“. „Was immer du willst“, antwortete ich. „Ich lass mich einfach überraschen“.
Nach dem Frühstück beschlossen Balto und ich kurzerhand, uns noch ein bisschen hinzulegen und einfach nur zu kuscheln. Er wusste, dass ich die stillen Augenblicke mit ihm sehr genoss. Momente, in denen wir einfach mal gar nichts taten. In denen wir einfach nur zusammen dalagen. Unsere gegenseitige Nähe spürten. Aber mehr brauchten wir auch nicht. Denn ein stiller Moment, den ich mit Balto teilte, sagte oft mehr als tausend Worte. Ich liebte es, mich sanft an ihn zu schmiegen, dem Rhythmus seines Herzschlags zuzuhören. Seinen Atem auf der Haut zu spüren. Es gab mir stets ein Gefühl von Sicherheit und Halt. Meist passierte es dann, dass mich die sanfte Stille, die uns umgab, einschlummern ließ. Aber heute wollte ich nicht einschlafen, sondern die Zeit mit Balto so lange es ging genießen. Ich spürte, wie er mir seine Pfote auf den Bauch legte und lächelte. „Ach Balto“, flüsterte ich sanft und schmiegte mein Gesicht dicht an seines. „Möchtest du ein wenig schlafen?“, fragte er und küsste mich. Ich schüttelte verneinend den Kopf und setzte mich langsam auf. „Lass uns ein bisschen reden“, antwortete ich. „Sicher“, entgegnete er. „Worüber möchtest du denn reden?“. „Über letzte Nacht“, antwortete ich und fing an zu grinsen. „Könnten wir das heute vielleicht wiederholen?“. Balto schaute mich verwundert an. Vermutlich hatte er mit allem gerechnet, nur nicht damit. „Du möchtest es wiederholen?“, fragte er schließlich und lächelte ebenfalls. „Und ob“, antwortete ich und kuschelte mich nah zu ihm. „Es war nämlich einfach unglaublich“. „Da stimme ich dir zu“, sagte er. „Vor allem du warst unglaublich“. Ich lachte geschmeichelt. „Vielen Dank, du aber auch“, entgegnete ich. „Hast dich gut gehalten“. Ich konnte nicht anders, ich brach in lautes Lachen aus. „Das ist nicht sehr anständig, Süße“, sagte er mit breitem Grinsen. „Wer sagt denn, dass ich anständig bin?“, antwortete ich und zwinkerte. „Ach Star“, flüsterte er und knuddelte mich. „So bin ich eben“, erwiderte ich schulterzuckend. „Ehrlich und direkt“. „So kann man es auch sagen“, meinte Balto und grinste. „Worauf hättest du jetzt Lust?“, fragte er nach kurzer Pause. „Hm, ich wüsste da etwas“, antwortete ich und legte wieder mein verführerisches Lächeln auf. „Jetzt?“, wollte er irritiert wissen. „Warum nicht?“, entgegnete ich seine Frage. „Wer sagt denn, das das nur nachts erlaubt ist?“. „Tut mir Leid, Süße“, lehnte er ab. „Aber ich habe jetzt wirklich keine Lust dazu“. „Macht doch nichts“, erwiderte ich. „Dann vielleicht später?“. „Ja“, antwortete Balto. „Vielleicht“.

Drei Wochen später

An diesem Morgen war ich ungewöhnlich früh auf den Beinen, was aber auch einen wesentlichen Grund hatte: Heute war nicht irgendein x-beliebiger Tag, sondern ein ganz besonderes Ereignis für uns beide: Unser Jahrestag. Heute vor genau fünf Jahren waren wir zusammengekommen. Heute vor fünf Jahren hatte unsere Liebe angefangen. Ich konnte es eigentlich gar nicht richtig glauben. Fünf Jahre. Fünf wunderschöne, glückliche Jahre durfte ich nun schon mit ihm teilen. Deshalb wollte ich ihn mit etwas ganz besonderem überraschen. Lange hatte ich hin- und herüberlegt, welches Geschenk sich zum fünften Jahrestag wohl am besten eignete. Ich hatte so manche Idee, die ich direkt wieder verwarf, da sie entweder zu oberflächlich oder zu einfallslos war. Balto hatte jedes Jahr aufs Neue ein fantastisches Geschenk für mich und dachte sich stets neue Dinge aus, um mich zu überraschen. Mit seinen wirklich atemberaubenden Ideen und Präsenten konnte ich bei weitem nicht mithalten. Aber dieses Jahr sollte es anders sein. Dieses Jahr wollte ich ihm endlich einmal etwas schenken, das ihn sprachlos machte. Natürlich hatte er mir auch die Jahre zuvor versichert, dass meine Geschenke sehr liebevoll und kreativ waren. Aber ich wusste natürlich, dass er das nur sagte, damit ich mich nicht gekränkt fühlte. Deshalb musste ich dieses Jahr etwas finden, das ihn nicht nur begeisterte, sondern ihm regelrecht den Atem raubte. Ich brauchte etwas, das ihm für alle Zeit vor Augen führte, wie unendlich glücklich er mich machte. Etwas, das ihn spüren ließ, wie sehr ich ihn liebte und brauchte. Das ihm ohne Worte klarmachte, wie wichtig er mir war. Die Frage war nur, was.
Ich zerbrach mir noch lange den Kopf darüber, was ich Balto am besten schenken konnte und worüber er sich wohl am meisten freute. Dabei kam ich schließlich der Überlegung, dass ein Geschenk nicht immer etwas materielles sein musste. Ich musste ihm nicht zwangsläufig irgendein Ding besorgen, von dem ich glaubte, es könne ihm gefallen. Im Gegenteil: Wenn ich ihm irgendetwas besorgte, nur weil ich annahm, dass er es gebrauchen konnte, kam das mit absoluter Sicherheit total unpersönlich rüber und erweckte womöglich den Eindruck, dass unser Jahrestag mir nicht wichtig war. Doch genau das war er. Und mit meinem Geschenk wollte ich Balto ebendiese Botschaft vermitteln: Dass er mir wichtig war. Und womit konnte man eine Botschaft am besten vermitteln? Ganz klar mit Worten. Ich beschloss, ihm einmal in aller Ausführlichkeit zu sagen, warum ich ihn liebte. Wofür ich ihn liebte. Was der Grund war, dass ich mich in ihn verliebt hatte. Warum ich die Zeit mit ihm so sehr genoss. Welche Eigenschaften ihn für mich so einmalig machten. Denn das hatte ich bisher noch nie getan. Sicher sagte ich ihm jeden Tag aufs Neue, dass ich ihn liebte und ich bin sicher, dass er es auch ohne Worte wusste. Aber ich hatte ihm noch niemals ausführlich gesagt, was genau ihn für mich so einzigartig machte. Unsere tägliche Liebesbekundung beschränkte sich im weitesten Sinne nur auf ein kurzes „Ich liebe dich“. Das allein war zwar schon mehr als genug, da wir uns gegenseitig spüren ließen, wie sehr wir einander liebten, so oft es nur ging. Trotzdem wollte ich ihm einmal ausführlich offenlegen, warum er mir so wichtig war. Denn ihm das einmal in aller Ausführlichkeit zu sagen erschien mir sinnvoller als jedes noch so ausgefallene materielle Geschenk der Welt. Ich eilte rasch ins Bad, um mich einigermaßen zurechtzumachen und studierte währenddessen schon einmal meine Ansprache für Balto ein. Was genau wollte ich ihm sagen? Womit sollte ich anfangen? Wie sollte ich überhaupt anfangen? Ich spekulierte lange hin und her und legte mir gedanklich schon einmal alles zurecht. Prinzipiell konnte ich die Rede auf einen einzigen Satz beschränken: „Du bist der Beste“. Aber ohne ausführliche Erklärungen, warum ich überhaupt so empfand, kam das unserer alltäglichen Liebesbekundung gleich. Und ich wollte ihm ja nicht das sagen, was er ohnehin schon wusste, sondern ihm genau begründen, warum das denn so war. Warum er das Beste war, das mir in meinem Leben passieren konnte. Warum ich ihn so sehr liebte und bewunderte. Das war es, was ich ihm sagen wollte. Und zwar möglichst ausführlich. So fing ich also an zu üben. Wie ich am besten anfing, was ich an welcher Stelle sagte und auf welchen zentralen Punkten ich am besten aufbaute. Ich wollte es ihm zwar detailliert erklären, ihn aber nicht für den Rest unseres Lebens zuquatschen. Denn so lange brauchte ich mit Sicherheit, wenn ich vom Tag unseres Beziehungsstarts vor fünf Jahren bis heute alle Dinge nannte, die für mich besonders wichtig waren. Ich musste mich auf das Wesentliche konzentrieren, ohne dabei die besondere Bedeutung einzelner Ereignisse zu vernachlässigen. Und das war bei weitem keine einfache Aufgabe, da es unzählige Ereignisse gab, die ich als wichtig und nennenswert empfand. Ich ging mehrmals laut alles durch, bis ich schließlich mit meiner Ansprache zufrieden war. Dann machte ich mich daran, das Frühstück vorzubereiten. Nachdem ich auch das erledigt hatte, setzte ich mich aufs Sofa und wartete, bis Balto endlich aufstand. Ich war sehr gespannt, was er mir wohl dieses Jahr schenken würde. Und noch gespannter war ich natürlich, was er von meinem Geschenk halten würde. Nach einiger Zeit des Wartens hörte ich schließlich Geräusche im Schlafzimmer und die Tür schwang auf. Ich legte wieder ein verführerisches Lächeln auf, welches er verschlafen erwiderte. „Guten Morgen, Süße“, sagte er und gähnte. „Na, gut geschlafen?“, erwiderte ich. Er nickte. „Danke, ich hoffe du auch“, antwortete er und setzte sich zu mir. „Immer doch“, sagte ich und legte ihm die Pfote um die Schultern. „Hm, ist heute was besonderes?“, fragte er schließlich, als er einen Blick auf den reichlich gedeckten Tisch warf. „Allerdings“, antwortete ich. „Heute ist ein ganz besonderer Tag“. „Ein besonderer Tag?“, fragte er nach und sah mir verwirrt in die Augen. „Komm, jetzt tu nicht so“, erwiderte ich, da ich genau wusste, dass er mich nur auf den Arm nahm. Das machte er jedes Jahr. Er tat so, als hätte er keine Ahnung, damit ich mich über sein Geschenk umso mehr freute. „Du weißt doch genau, was heute ist“. Zu meiner Überraschung blickte er mich immer noch völlig irritiert an. „Was ist heute?“, wollte er wissen. „Wenn ich mich nicht irre, Dienstag“. „So meinte ich das jetzt nicht“, erwiderte ich, da ich immer noch der Überzeugung war, dass er mich lediglich veräppelte. „Heute vor genau fünf Jahren ist etwas ganz besonderes passiert“, setzte ich schließlich hinzu und lächelte. „Hä?“, fragte er. „Was soll passiert sein? Könntest du vielleicht aufhören, in Rätseln zu sprechen, Star?“. Langsam machte ich mir Sorgen. Nahm Balto mich wirklich nur auf den Arm? Oder hatte er unseren Jahrestag wirklich vergessen? „Also für mich ist heute ein Tag wie jeder andere auch“, fügte er schließlich hinzu und stand auf. „Ich verschwinde dann mal eben im Badezimmer, okay?“. „Okay“, antwortete ich, noch immer mit der Hoffnung, dass er lediglich schauspielerte, um mich ein bisschen auf die Folter zu spannen. Er weiß ganz genau, was heute für ein Tag ist, sagte ich mir. Er konnte unseren Jahrestag doch nicht vergessen haben. Oder doch?
Bis zum Nachmittag machte Balto keinerlei Anstalten, mir anzudeuten, um welchen besonderen Tag es sich heute handelte. Ich war fest davon überzeugt, dass er mich dieses Jahr besonders lange auf die Folter spannen würde, um meine Geduld zu testen. Deswegen ließ ich mir auch nichts anmerken und etwas gutes hatte die Sache ja auch: So konnte ich in aller Ruhe noch ein paar Mal meine Ansprache üben und überarbeiten. Am Abend saßen wir zusammengekuschelt auf dem Sofa und genossen wie üblich die friedliche Stille. Es fiel mir wirklich unendlich schwer, mich zurückzuhalten und nicht mit meiner Rede herauszuplatzen, aber ich wollte ihn testen. Ich wollte sehen, ob er mich tatsächlich nur auf die Folter spannte oder unseren Jahrestag tatsächlich vergessen hatte. Obwohl ich es mir bei weitem nicht vorstellen konnte, denn schließlich nahm er solche Anlässe immer sehr genau. „Du, Star“, begann er schließlich, nachdem wir einige Zeit ohne ein Wort dagesessen hatten. Das brachte mich zum Lächeln. Jetzt war es mit Sicherheit soweit. Er würde mir sagen, dass er mich nur auf die Folter gespannt hatte und mir sein Geschenk überreichen, was auch immer es sein mochte. „Ja, Balto?“, antwortete ich und grinste ihn voller Vorfreude an. „Süße, macht es dir was aus, wenn ich jetzt schon ins Bett gehe?“, fragte er. „Ich bin ziemlich müde“. Mein Lächeln verschwand augenblicklich. Er wollte ins Bett gehen? Hatte er unseren Tag wirklich vergessen? „Ins Bett?“, fragte ich nach. „Mhm“, antwortete er und gähnte. „Ich bin echt geschafft heute“. „Nein, natürlich nicht“, antwortete ich. „Geh nur“. „Du kannst ruhig noch wach bleiben“, setzte er hinzu. „Oder du kommst gleich mit, wie du magst“. Dabei lächelte er. „Hm, ich glaube, ich komme gleich mit“, antwortete ich und lächelte ebenfalls. Ich war mir sicher, dass er im Schlafzimmer eine Überraschung versteckt hatte. Er hatte bewusst alles so eingefädelt, dass ich glaubte, er hätte es vergessen. Nur um meine Geduld zu testen. Das machte er schließlich immer, allerdings hatte er es noch nie so lange hinausgezögert wie dieses Jahr. „Dann komm, Süße“, flüsterte er lächelnd und nahm meine Pfote. Eilig und gespannt folgte ich ihm. Wir kuschelten uns zusammen ins Bett und ich wartete, was er als nächstes sagte oder vorhatte. „Und was wollen wir jetzt tun?“, fragte ich aufgeregt, um ihn endlich dazu zu bewegen, sein Spiel zu beenden. „Schlafen“, antwortete er und kicherte. „Gute Nacht, Süße“. Dann legte er sich hin und wollte das Licht ausknipsen, doch ich hielt ihn sanft zurück. „Gute Nacht?“, fragte ich ihn und lächelte. „Nichts weiter?“. „Was weiter?“, entgegnete er meine Frage und blickte mich verwundert an. „Süße, bei aller Liebe, aber ich habe heute wirklich keine Lust dazu“. Nicht das, du Schussel, dachte ich, ließ mir aber nichts anmerken. „Das hab ich nicht gemeint“, erwiderte ich. „Ich meinte, hast du heute nicht irgendetwas vergessen? Etwas besonderes vielleicht?“. Er sah mich wieder genauso verwirrt an wie am Vormittag. „Star, was hast du heute immer mit deinem „besonders“?“, wollte er wissen. „Was ist denn heute so besonderes?“. Oh nein, dachte ich. Er hatte es tatsächlich vergessen. Er hatte trotz zahlreicher Hinweise meinerseits noch immer keine Ahnung, was heute für ein Tag war. „Du musst schon etwas genauer werden“, setzte er hinzu. „Was soll heute so besonderes sein? Ist doch schließlich ein Tag wie jeder andere auch“. „Ach, ist schon gut“, antwortete ich deprimiert. „Nicht so wichtig. Wenn du mich entschuldigst, ich gehe noch ein bisschen rüber. Ich kann jetzt sowieso noch nicht schlafen“. Mit diesen Worten erhob ich mich und marschierte zurück ins Wohnzimmer. Dort ließ ich mich auf das Sofa sinken und vergrub meinen Kopf in einem Kissen. Balto hatte es vergessen. Er hatte es tatsächlich vergessen. Zum ersten Mal, seit wir zusammengekommen waren, hatte er unseren Jahrestag vergessen. Ich versuchte vergeblich, mich zusammenzureißen und bloß nicht loszuflennen, aber ich schaffte es nicht. Ich setzte mich auf, vergrub den Kopf in den Pfoten und winselte. In diesem Moment kam Balto aus dem Schlafzimmer. „Süße?“, rief er und kam zu mir herüber. „Hey Star, was ist denn los mit dir?“. Er wollte mich in den Arm nehmen, doch ich stieß ihn weg. „Du hast es vergessen!“, rief ich, deprimiert und wütend zugleich. „Was habe ich vergessen, Süße?“, fragte Balto, der natürlich keine Ahnung hatte, weshalb ich mich jetzt so aufregte. „Verdammt, unseren Jahrestag!“, keifte ich aufgebracht. Er keuchte erschrocken auf. „Unser Jahrestag!“, stieß er schließlich hervor. „War das etwa heute?“. „Ja, verdammt!“, rief ich wütend und wehrte einen weiteren Umarmungsversuch von ihm ab. „Oh Star, das tut mir so Leid“, entschuldigte er sich und legte einen reumütigen Blick auf. „Daran habe ich gar nicht mehr gedacht“. „Du weißt doch, dass mir dieser Tag sehr wichtig ist“, erwiderte ich, immer noch etwas verletzt. „Ich weiß“, antwortete er und setzte zu einer erneuten Umarmung an. Dieses Mal wehrte ich ihn nicht ab, da ich merkte, dass es ihm ernsthaft Leid tat. „Ich habe wirklich nicht mehr dran gedacht“, flüsterte er mir ins Ohr. Ich konnte ihm nicht wirklich böse sein, schon gar nicht, wenn er sich so süß bei mir entschuldigte. „Schon in Ordnung“, antwortete ich und lächelte. „Kann ich das denn irgendwie wiedergutmachen?“, wollte er wissen und schaute mich beschämt an. Das brachte mich wiederum zum Grinsen. „Ich denke schon“, antwortete ich. „Und ich glaube, du weißt auch ganz genau, wie“.
Review schreiben