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Das Licht am Ende der Nacht

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Peter Caine
01.10.2015
30.03.2017
11
36.775
 
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22.10.2015 2.432
 
KUNG FU

IM ZEICHEN DES DRACHEN



------Guten Morgen------



„Magst... magst du meinen Vater?“, fragte sie noch leiser und sah nun doch auf, es war der Schwangeren sichtlich unangenehm. Doch Mae Lin hatte diese Frage jetzt einfach stellen müssen. Denn während sie darüber nachgedacht hatte, wie sehr Maya teil ihres Alltags geworden war. Da hatte sie sich auch eigenstehen müssen, das sie doch irgendwie mehr war wie ein einfacher Gast. Und langsam wurde ihr auch klar, dass Maya ihren Vater womöglich ganz anders sah, nicht einfach nur als helfender Apotheker. Ihr Lächeln jedenfalls hatte sich ihm gegenüber sehr verändert, ihr ganzes Verhalten.

„Ich... ich bin mir nicht... sicher.“, antwortete Maya nach einer Weile und schaute auf ihren Bauch. „Ich... das Kleine... hatte einen guten Vater und ich... ich weiß nicht. Dein Vater... er ist... kompliziert, auf eine... Art, die..., ich weiß nie wer gerade vor mir steht. Caine der Priester, oder... dein Vater.“
Mae Lin nickte. Sie kannte dieses Gefühl. „Wenn... du ihn beobachtest weißt du es.“
„Ja, ich weiß, denke ich....?“
„Ich mag dich.“
„Danke Mae.“
„Nein ich meine... naja, wenn du... am Ende hier bleiben würdest...“
„Mae! Dein Vater ist ein Priester, er ist der Apotheker hier und er... nein, das geht nicht und vorallem... ich bin schwanger, Mae. Schwangere... sind... voller Hormone und Gefühle... sind stärker, ganz anders wie sonst.“
„Ich bin sicher, dass ist ihm auch klar.“, sagte sie ging zurück zum Tisch und goss ihnen beiden Tee nach. Dann setzte sie sich wieder und schaute in ihre Tasse, ihr war als wäre Maya nicht ganz wohl dabei von ihr beobachtet zu werden. Schließlich stand sie auf und setzte sich auf eines der Sitzkissen. Sie zog sich die Füße näher, setzte sich in den Schneidersitz und schloss die Augen. Tief atmete sie durch, einmal... zweimal...

„Mae Lin? Ist alles... in Ordnung?“

Bei der besorgt klingenden Stimme von Maya blickte sie rasch auf und nickte. „Ja. Mir geht es gut. Mir fehlt nichts. Ich... naja, ich dachte nur ich meditiere ein wenig. Brauchst du was?“
„Nein.“, Maya lächelte und setzte sich in einen der anderen Stühle. „Stört es dich wenn ich mir etwas zum zeichnen hole und dann hier hinsetze?“
„Ja.“, Mae Lin sprang auf, lächelte die leicht erschrockende Maya an und deutete hinter sich. „Du solltest nicht in den Flur. In der Eile sind nicht alle Fenster dort geschlossen worden, am Türfenster oben ist Feuchtigkeit. Lass mich was aus meinem Zimmer holen.“
„Danke Mae Lin.“
„Natürlich. Bin gleich zurück!“, rief sie. Im Nu eilte sie nach neben an und kam mit Zeichenwerkzeug, wie Kohlestift und zwei Blöcken zurück. „Normales Papier und Aquarellpapier. Such dir aus, was dir mehr liegt.“ Maya bedankte sich herzlich und Mae saß Augenblicke später wieder auf dem Kissen, begann mit einer neuen Meditation.

Ein Klingeln riss sie aus den Gedanken, dabei bemerkte sie, das Maya auf dem Bett ihres Vaters wohl scheinbar eingeschlafen war, bis eben gerade. Maya schien erschrocken, aber sie warf ihr nur einen ruhigen Blick zu, was war auch schon dabei? Sie nahm den Hörer des Telefons mit mulmigen Gefühl ab und meldete sich. „Caine?“

>Hi, Mae Lin? Wie geht es dir?<
„Dad!“, sie drehte sich zu Maya herum und lächelte. „Gut. Mir geht es gut, was ist mit dir? Ist bei euch alles... naja... okay?“, fragte sie unsicher, irgendwie fand sie keine Frage die ihr passend schien, immerhin war es wohl kaum okay zwischen lauter Menschen zu stehen, denen es nicht gut ging.
>Hier ist alles in Ordnung. Die Lage beuhigt sich und jetzt, wo hier auch die letzten Fenster richtig dicht sind geht es auch den Leuten besser. Was ist mit Maya?<
„Ihr geht es gut. Sie... ruht sich aus, wir reden und bleiben im Haus.“
>Mae Lin? Ich weiß das vor ein paar Stunden irgendetwas geschehen ist. Willst du... darüber reden?<
„Nein ich...“, ihr begegnete Mayas Blick also nickte sie und seufzte, „Grandma hat angerufen und wollte mich holen.“
>Sie will dich holen? Wann? Ich schicke...<
„Ich denke nicht das sie jemanden schickt. Aber womöglich... es könnte sein, dass sie glaubt du hast eine Freundin?“

>Maya war am Telefon.<, stellte ihr Vater fest.
„Ja. Ich wollte mich beschweren, ich... konnte nicht, sie war so... dann hat Maya mit ihr geschimpft und aufgelegt, seit dem ist... Ruhe.“
Sie hörte ihren Vater seuftzen, ehe er antwortete: >Ich bin im Laufe des Abends, oder spätestens der Nacht zurück.<
„Dad, du musst dich nicht...“
>Es ist alles erledigt bis dahin und vermutlich können dann auch alle wieder hinaus und in ihre Häuser.<
„Wir warten auf dich.“, sagte sie und verabschiedete sich von ihrem Vater. Als sie sich herumdrehte sah sie sich Maya gegenüber, die ihr zulächelte und nickte.

x


Peter hob den Kopf als der Wecker seiner Tochter schrillte. Es war spät gewesen, bis er in der Nacht zurückgekehrt war. Ziemlich spät, weit nach Null Uhr. Er hatte Mae Lin nicht geweckt, aber er hatte in ihrem Zimmer nachgesehen und dabei entdeckt, dass seine Tochter die Schlafmatte benutzt hatte, um Maya ihr Bett zu überlassen, die Wohnungstür war fest verriegelt gewesen. Er lächelte, als sein Mädchen fünfzehn Minuten später aus ihrem Zimmer kam, noch das Handtuch auf dem Kopf, um die nassen Haare gewickelt. Sie lächelte freudig und lief in seine Arme. „Wann bist du wieder gekommen?“, fragte sie überrascht und hob den Kopf, während er sie dicht vor sich hielt.
„Nach Mitternacht. Du hast heute Schule und so habe ich dich nicht mehr geweckt.“
„Das ist gut. Maya brauchte den Schlaf, das Baby hat sie lange wach gehalten, auch gestern.“
„Woher... weißt du das?“, fragte er seine Tochter aufmerksam.
„Ich habe es gesehen und wir darüber gesprochen.“
Sie setzte sich hin, nahm sich Brot und Marmelade und schaute ihn forschend an, wie ihm auffiel. „Dad? Ist es... draußen wirklich wieder ungefährlich?“

Peter nickte und warf einen Blick auf die Dachterrasse. „Ich werde allerdings einige Pflanzen neu aussähen müssen.“
Sie nickte kaute auf ihrem Brot herum und schaute dann hinter sich, als Maya aus dem Jugendzimmer heraus kam, wie es schien hatte auch sie Mae Lins Bad benutzt, ihre schwarzen Haare waren in einem nassen Pferdeschwanz zusammen gebunden. Sie gesellte sich mit einem munteren Morgen zu ihnen und kaum hatte sie sich ihr Brot geschmiert, da stand seine Tochter bereits auf und verabschiedete sich für die Schule. An der Tür aber sah sie sich nochmal um. „Den Spaziergang Maya, holen wir den später nach?“
„Gerne.“
Das Mädchen nickte und lief munter davon. Peter bekam den deutlichen Eindruck etwas nicht mitbekommen zu haben und schaute hinüber zu seinem Dauergast. „Mae Lin sagte, euch geht es gut?“
„Ja. Sie ist... ein gutes Mädchen.“
Peter nickte, kam jedoch nicht dazu zu atworten....

„Wohl wahr und darum will ihre Großmutter auch, dass die Kleine unverzüglich zu ihr überführt wird. Privatdetektiv Banner.“

Peter musterte den Mann, bedeutete Maya sitzen zu bleiben. Er war mit wenigen Schritten um den Esstisch herum getreten, womit er zwischen ihr und dem Fremden stand. Er schüttelte den Kopf. „Ich muss wiedersprechen das Gericht hat mir meine Tochter zugesprochen und Mrs. Trachtenberg nicht einmal ein Besuchsrecht überlassen.“, sagte er, konzentrierte jedoch seinen Geist und rief nach seinem Vater, er war zu sicher, das Mae Lin ihn nicht hören würde, oder aber zumindest nicht verstehen. Noch nicht. Er spürte die Präsens seines Vaters und konzentrierte sich auf Mae Lin, dann brach er die Verbindung ab und sah aufmerksam zurück auf den Mann, der mit einem breiten Grinsen nähergekommen war.
„Ich weiß ja nicht wie Sie das Gericht überzeugt haben, aber dies hier... und Sie... ein leichtgläubiger Priester und Möchtegernmönch, was wollen Sie schon...“, mit einem selbstgefälligen Grinsen trat der Mann näher, „...dem Kind bieten? Sie haben sie alleine gelassen, während die Stadt voller Gift war und ich nicht mal mit Atemmaske bis hier her kam!“
„Alleine? Sie war niemals alleine. Maya hier war bei ihr. Und sie waren sicher, die Türen haben Schlößer sind Nachts und in meiner Abwesenheit geschlossen. Ich fordere Sie und ihrem Helfer im Flur auf jetzt zu gehen.“
Deutlich war dem anderen die Überraschung anzusehen, doch nur für Sekunden, dann griff er ihn an. Peter wich aus, seufzte und entledigte sich seines Gegners. Der Helfer kam herein gestürzt, Maya schrie erschrocken auf. Peter schaltete den Angreifer mit gezielten Schlägen auf den Brustkorb aus, fesselte dann zuerst den wiederaufstehenden Dedektiv, dann seinen Helfer und ging zum Telefon.

„Hi, Kermit. Hier ist Peter.... ja, ja Caine...nein, nein, he! HE! Pass mal auf, ich brauch dich hier. Nur dich! Ich habe hier zwei Angreifer der Art wie sie besser das System bestraft.“
Er nickte, bejahte dem alten Freund und Kollegen noch zweimal, dann legte er auf und sah zu Maya. „Alles in Ordnung mit dir?“
„Ja, ähm... ich hatte mich zuerst nur so sehr erschrocken.“
Er nickte und begleitete sie anschließend hinaus vor die Tür, wo sie auf einige Nachbarn trafen. Die Frauen nahmen Maya sogleich in ihre Mitte und luden sie auf Tee und Gebäck ein. Sie nahm ein wenig scheu, aber dankbar an. Unterdessen kehrte Peter nach oben zurück, schlug dort dem Handlanger, das vom Tisch gestoßene Messer aus der Hand und warf ihn zurück auf den Boden.
Wenig später erschien Kermit mit zwei Police Officers übergab den Männern die Gefesselten und befahl ihnen sie nicht frei zu lassen, bis er sie befragt habe. Dann wartete der, bis die Männer fort waren.
„Also Peter?“
„Die Typen, der eine ist Privatdetektiv, sagt er. Banner. Wurden von der Großmutter meiner Tochter geschickt um...“
„Mo-moment... deiner... du hast... seit wann?“
Peter seufzte, senkte kurz den Blick und nickte dem anderen dann entschuldigend zu.
„Seit vierzehn Jahren, aber... ich weiß es erst seit einigen Wochen. Sie heißt Mae Lin Caine, auch wenn ihre Großmutter anderes behauptet und Mrs. Trachtenberg hat nicht einmal mehr Besuchsrecht, so hat das Gericht entschieden.“

„Das klingt, wie als wäre diese Frau genau das richtige für eine gemütliche Kaffeerunde.“, bemerkte Kermit. Er nickte dem ehemaligen Kollegen zustimmend zu und schaute dann auf seine Tür. Er schüttelte den Kopf. Sie redeten noch eine Weile zusammen, dann verabschiedete sich Kermit mit dem Versprechen sich zu melden. Kurz nachdem er fort war kam Maya zurück. Sie wirkte zufrieden und nach einem gemeinsamen essen zog sie sich in ihr eigenes kleines Zimmer zurück.
Er ließ ihr die Ruhe kümmerte sich stattdessen um die Pflanzen auf seiner Terrasse.

x


„Hey! Lin!“
„Mae!“

Sie kicherte, grinste dann breit und umarmte ihre beiden Freundinnen. Schon Momente später waren die drei Mädchen kichernd und giggelnd in einem Gespräch vertieft. Sie alle drei hatten die Tage zuvor völlig anders verbracht.
Tamoe war mit ihrer Familie auf der Rückfahrt von Verwandten gar nicht nach Chinatown zurückgekommen und hatten so einen unfreiwilligen Hoteltag verbracht ohne weitere frische Kleidung, ohne wirklich so etwas wie einem Spiel, um sich zu beschäftigen. Nur den TV, auf dem die Eltern unbedingt fortwährend die Nachrichten hatten verfolgen wollen.
Rica und Dao Shan hingegen hatten sich bei ihrer Großmutter aufgehalten die mit ihnen gebacken hatte und schließlich irgendwo ganz alte Spiele ausgegraben hatte. Sie hätten gerne noch einen Tag bei der Alten Dame verbracht, während die Eltern stetig angerufen hatten, um sicherzugehen, dass sie auch ja die Nerven der Großmutter nicht überstrapazierten.
Mae berichtete davon alleine mit Maya, ihrem Gast gewesen zu sein und auch vom deutlich unerfreulicherem Anruf der Großmutter, ohne genauere Details zu nennen. Zum einen wollte sie es nicht, zum anderen erklangen in diesem Augenblick die Schulglocken. Viel zu früh für ihren Geschmack, wie Mae Lin fand.

Sie hatte English gefolgt von Geschichte, was wieder unendlich langweilig war und zugleich doch auch ein wenig Interessant. Sie würde niemals verstehen, wie ein Thema beides sein konnte, auch wenn ihr die Schule eins, ums andere mal genau das gekonnt demonstrierte. Sie seufzte und freute sich schon jetzt auf den Nachmittag, wenn sie ihren Vater oder Großvater bitten konnte es ihr nocheinmal zu erzählen. Sprach ihr Großvater schien es beinahe als würde die Geschichte vor ihrem Auge lebendig und seine Gleichungen erzeugten bei ihr das Gefühl die Geschichte auch auf die Gegenwart ummünzen zu können. Ihr Vater jedoch, der verstand es auch ohne diese Bilder in ihrem Geist, ihr die Geschichte gleich viel spannender erscheinen zu lassen.
Sie seufzte erneut und stand grummelnd auf, als der Unterricht schließlich zu Ende war.
Es folgten Sozialkunde und Musik. Danach würde sie für heute gehen können, da sie am Sport am Nachmittag ja nach wie vor nicht teilnehmen konnte.
Vor der Sporthalle blieb sie stehen und verbrachte die Pause dort mit ihren Freunden. Sie drückte Rica und Tamoe fest an sich, sie verabredeten sich für den nächsten Nachmittag, unten im Teehaus.
Damit ließ sie die beide Freundinnen mit dem Klingeln der Glocken stehen und machte sich auf den Weg zur Bushaltestelle.

Sie musste eine halbe Stunde auf den Bus warten, da ihr ihrer genau vor der Nase weggefahren war. Daher wunderte es sie wenig das ihr Vater mit der ersten Frage wissen wollte, wo sie gewesen war.
„Ich habe die Pause noch mit meinen Freundinnen verbracht, bis zum Schellen und damit habe ich dann den Bus verpasst.“
„So und was hattet ihr wichtiges zu besprechen?“
„Wann wir uns treffen?“
„So viel ich weiß, ist die Schule auch noch morgen und übermorgen auf?“
Sie kicherte bei der leichten Frage ihres Vaters die eher wie eine Feststellung klang. Dennoch nickte sie und ihr Blick traf den ihres Vaters. „Vermutlich, ja.“, sagte sie leise, „aber wir wollen uns schon morgen nach dem Schultag treffen, so gegen 17 Uhr, unten an der Straße im Teehaus.“
„Im... Teehaus?“, fragte er verwundert und hob die Brauen.
Sie nickte und ging zu ihm, abwartend schaute sie ihn an: „Findest du es nicht in Ordnung?“
„Doch, nur... überraschend.“, antwortete er, sah sie genau an. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns in der Jugend in soetwas wie einem Teehaus getroffen haben.“
Sie grinste breit. „Es ist das Teehaus, weil uns dort wohl kein Klassenkamerad ärgern wird. Wir... sind dann dort einfach... alleine. Nur... wir drei und ein paar Alte.“

Peter nickte und schob seiner Tochter eine Schale Eintopf hin. „Guten Appetit.“
„Isst du nichts mit? Was ist... mit Maya?“
„Die ist schon hier.“, erklang es von hinten, gefolgt von einem, „es... riecht gut.“
Mae Lin schaute hinter sich, lächelte und beobachtete wie ihr Vater noch zwei Schalen auf den Tisch stellte. Es wurde ein ruhiges, gemütliches mal, mit ein wenig Smal Talk. Mae Lin behielt die ganze Zeit die beiden Erwachsenen im Auge, auch dann noch, als sie sicher war, das ihrem Vater aufgefallen war, dass sie ihn und Maya beobachtete.
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