Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Licht am Ende der Nacht

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Peter Caine
01.10.2015
30.03.2017
11
36.775
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
16.10.2015 3.856
 
Hallöchen!

Hier gehts weiter. Heute Nachmittag frisch beendet das Kapi fünf und mit sechs begonnen. Irgendwie lief das heute mit Schreiben gut. Bei >Neumond<, steht auch das neue Kapi.

Aber bei euren Reviews hier für >Das Licht am Ende der Nacht< muss man ja Lust bekommen zum Weiterschreiben!
*g*

LG Nyra


----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


KUNG FU

IM ZEICHEN DES DRACHEN



------Eine unruhige Nacht------


Es war Nacht definitiv, verschlafen reckte sie ihrem Vater das Gesicht entgegen. „Mmh?“, brummte sie und rieb sich die Augen. „Komm und steh bitte auf, du musst mir helfen.“
Sie nickte, er verschwand und sie schaltete erst einmal das Licht ein. Ungläubig starrte sie auf die Uhr neben ihrem Bett. 03:13
Sie schüttelte den Kopf, schob sich unter der Decke hervor und warf sich im Gehen den dünnen, jedoch sehr warmen Hausmantel über, den sie aus dem Chinaladen um die Ecke hatte. Sie gähnte ausgiebig als sie in den großen Hauptraum der Wohnung trat und sich irritiert um sah. „Du... packst? Wieso? Wo gehen wir hin?“

Ihr Vater sah sie bedrückt an, war mit wenigen raschen Schritten bei ihr und schüttelte den Kopf. „Nicht wir. Ich.“, sagte er und kam mit raschen Schritten zu ihr, legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Vorhin gab es unten einige Straßen weiter eine Explosion, in... dem alten Chemiewerk. Ich werde gehen und sehen, ob ich helfen kann. Du... bleibst hier und damit meine ich hier im Haus. Ich mache die Tür unten zu. Macht kein Fenster und keine Tür auf. Der Rauch... ist giftig. Verstanden?“
„Ja aber... dann bleib hier, ich will nicht...“
„Ich bin... Apotheker und ein Shaolin, ich kann nicht einfach hier bleiben. Die Leute... unsere Nachbarn brauchen mich vielleicht.“
„Ich brauche dich auch, was wenn du krank wirst? Du... du hast selbst gesagt, der Rauch ist...“
„Sie mich an!“
Mae Lin atmete durch, die warme Hand ihres Vaters strahlte Wärme aus und sie beruhigte sich. Sie ahnte, dass er nachgeholfen hatte, was sie ärgerte, dennoch schaute sie ihn an, bittend. Er lächelte milde. „Du bist jetzt lange genug hier, du kennst inzwischen einige Geschichten von Vater und ein paar von mir. Ich bin Shaolin, so schnell... werde ich nicht krank. Sei unbesorgt. Bleib einfach hier und kümmere dich um Maya, schaffst du das?“

Sie nickte. Sie mochte Maya und sie wusste, dass Maya sich immer freute, wenn sie ihr bei den Schulaufgaben, oder ihrem Vater bei den Kräutern helfen konnte. Sie hasste es nichts zu tun zu haben, in dem Punkt verstand Mae Lin die junge Schwangere. „Was... soll ich ihr sagen?“
„Das ich fort musste, weil ich... gebraucht wurde. Ich bin... bald zurück Mae Lin. Geb ihr den Kräutertee aus unserem Vorratsschrank und wenn sie zu besorgt ist nimm den mit Melisse, Pfefferminz und Lavendel.“
Sie nickte, sie kannte beide Sorten und wusste wo sie standen. Dennoch hielt sie ihren Vater jetzt am Arm zurück als er nach seiner Tasche griff. „Du kommst sicher wieder?“
„Natürlich. Komm her!“, er zog sie an sich und drückte sie, küsste ihr Haar. „Ich weiß nicht wie lange ich gebraucht werde, aber du... wirst mich spüren. Es ist... alles okay, ja?“
„Spüren?“
„Ich weiß das du es kannst, besser wie ich in dem Alter. Ich habe damals als Detectiv Jahrelang nicht bemerkt das Vater in der Nähe ist, bis ich ihn sah. Du weißt es. Und genauso... kannst du mich immer spüren.“, er hob ihr Kinn an und nickte. „Ich hab dich lieb Mae Lin und mir passiert nichts. Euch auch nicht. Bleibt nur hier und haltet die Türen, wie Fenster geschlossen.“
Sie nickte, er nahm ein Tuch vom Tisch, auf das er etwas träufelte, nickte ihr noch einmal zu und nahm den Weg über die Terrasse, wobei er sich das Tuch fest vor mund und Nase band. Mae Lin folgte ihm und verriegelte die Tür. Als sie in den Hausflur oben trat konnte sie hören wie ihr Vater erst die Zugangstür zu den Wohnräumen nach oben verschloss und dann das Studio. Sie presste besorgt die Lippen aufeinander. Irgendetwas hatte er ihr verschwiegen, er sperrte sonst nie ab.

„Wohin ist er gegangen? Und wieso... hat er alles abgeschlossen?“
Sie zuckte unwillkürlich zusammen und drehte sich zu Maya herum. „Er... wird gebraucht.“
„Ist etwas passiert?“
Maya nickte und erzählte es ihr. Sie wollte zurück ins warme Zimmer aber zugleich fürchtete sie dann nicht mitzubekommen wenn jemand versuchte herauf zu kommen. Auch wenn sie sich zugleich fragte, wer das schon versuchen sollte. „Komm, lass uns einen Tee trinken und dann wieder schlafen gehen, mmh? Ich bin sicher er ist bald zurück.“
Mae Lin teilte den Optimismus des Gastes nicht so ganz, dennoch nickte sie und ließ sich von Maya zurück in den Wohnraum führen. Dort stellte Maya direkt den Wasserkocher an und sah sich um. Wie war das noch? Ich soll mich um sie kümmern, Vater? Das läuft... aber irgendwie gerade anders. „Der Tee ist oben im Schrank, neben den Tassen und Tellern, der Beutel mit dem roten Clip.“, sagte sie und folgte Maya in den Küchenbereich.

„Eigentlich... hat er ja gesagt ich soll mich um Sie kümmern.“, sagte sie etwas später als sie beide mit dampfenden Schalen am Esstisch saßen. Maya grinste. „Wir müssen es ihm ja nicht sagen? Außerdem... hast du ein wenig verloren ausgesehen. Du hast... Angst nicht wahr?“
Sie wollte es nicht zugeben, aber sie mochte Maya und nickte.
„Ich kenne das Gefühl, ich war jünger als du, da starben meine Eltern. Mein Bruder kümmerte sich um mich und irgendwann... da war er immer öfter weg und eines Tages blieb er fort, als die Polizei kam erfuhr ich wieso. Er würde eine ganze Weile nicht kommen, er war im Gefängnis und ich kam hier her zu meiner Großmutter, da war ich... dann dreizehn glaube ich. Ich hatte immer wieder Nagst sie käme nicht wieder. Doch sie kam immer zurück und Caine wird auch zurückkommen.“
„Ich weiß. Es ist nur...“
„Dieses Gefühl ja ich weiß.“
Mae Lin seufzte und hob ihre Trinkschale hoch an ihre Lippen. Stumm trank sie den Tee und langsam aber sicher spürte sie die Müdigkeit zurückkehren. Gerade als sie mit Maya alles wieder aufräumte, erklang von draußen eine Durchsage, durchs Megafon. Sie sah automatisch zur Uhr, an der Wand. 04:57 Uhr.

Die Polizei mahnte alle darum drinnen zu bleiben, Türen und Fenster verschlossen zu halten und nicht auf die Straße zu gehen. Sie warnten davor sich selbst gegen etwaige Einbrecher in benachbarte Geschäfte zu stellen. Mae Lin spürte wie ihr heiß und kalt wurde. Das ihr die Schale aus der Hand geglitten war, bemerkte sie erst, als diese scheppernd auf dem Boden zu ihren Füßen zerbarst. Erschrocken starrte sie auf die Scherben.

„Mae Lin! Ist okay. Hab doch keine Angst, hier ist nichts zu holen. Im Studio unten nicht und auch nicht in der Wäscherei.“
Sie starrte die junge Frau vor sich entgeistert an und schüttelte den Kopf. Daran hatte sie gar nicht gedacht. Es war viel mehr die Tatsache, dass wenn was immer in der Fabrik geschehen war, ernst genug war, um durch derartige Polizeimaßnahmen mitten in der Nacht publik gemacht wurde, dann würde es sicherlich auch ihre...
Das Telefon klingelte und sie zuckte zusammen. Gebannt, wie furchtsam starrte sie auf das altmodische Gerät ihres Vaters. „Nein. Nein, bitte... bitte nicht.“
„Mae, wir sollten dran gehen, womöglich... ist es dein Vater.“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein. Er ist ruhig. Er... ruft nicht an. Dort wird kein Telefon sein, keine Zeit.“
„Dann sollten wir erst Recht...“
Sie schüttelte den Kopf.
„Mae Lin.“
Das Klingeln erstarb, sie atmete erleichtert aus.

„Wovor... fürchtest du dich?“
„Sie... wird es wissen und sie... darf nicht wissen, dass ich jetzt alleine bin. Sie...“, Maya schüttelte den Kopf und blickt furchtsam auf die Uhr. 5:03

Maya sah dem Mädchen dabei zu, wie sie die Scherben aufsammelte, furh sich über den Bauch und begann dann damit zielstrebig, von Fenster zu Fenster zu gehen und die Vorhänge, wie auch die Papierwände vorzuschieben.
„Was... tust du da?“
„Uns vor dem da draußen abschirmen. Dein Vater sagt immer Ruhe beginnt im Kopf und der Frieden im Geist, aber beides lässt sich nicht finden, wenn...“
„... der Geist besorgt und aufgewühlt, der Kopf voller Fragen und Rastlosigkeit ist.“ Mae Lin nickte als sie den Satz zu Ende führte. „Ich denke... mein Vater würde jetzt sagen, dass sie eine... gute und aufmerksame Schülerin sind. Er... sagt das nicht oft.“
Maya schwieg und machte weiter die Fenster zuzuziehen. Mae Lin schüttete die Scherben in den Müll und half der anderen dann, anschließend huschte sie in ihr Zimmer, das neue angrenzende Bad und das zweite Zimmer hinter ihrem. Als sie zurück kam, saß Maya wieder am Esstisch und schaute sie abwartend an. Verwundert blickte Mae Lin zurück. „Stimmt... irgendetwas nicht?“
Maya verneinte ihre Frage und sah ruhig durch den Raum, ehe sie auf die Haupttür zeigte. „Ich habe sie auch abgeriegelt, irgendwo unten auf der Straße sind Scheiben eingeschlagen worden.“
Mae Lin nickte, sie hatte vorhin gemeint so etwas gehört zu haben und sich sofort eingeredet, das Maya sicherlich nur etwas zu Bruch gegangen war. Jetzt aber warf sie einen besorgten Blick auf die Tür.

Einem spontanen Einfall folgend ging sie in die Apothekenecke ihres Vaters, kletterte auf seinen erhöhten Behandlungstisch dort und hob mit Hilfe eines seiner Stäbe das Windspiel vom Haken an der Decke. Sie kletterte wieder herunter, holte die Leite aus der Ecke mit und baute sie vor der Tür auf. Dort oben war ein Haken, ihr Vater hatte dort ein anderes, viel leiseres Windspiel hängen gehabt als sie zu ihm gekommen war, er hatte es abgehängt, nachdem die Tür unten fertig geworden war. Da er dort unten nun eine Klingel besaß war es unnötig geworden jemandem in seinem Haus anzukündigen das jemand anderes eintrat. Jetzt aber hängte sie das große und helle Windspiel wieder auf, dessen Stangen und Stäbe glockenhell klingelten als sie es anstieß.
„Das wars.“, sagte sie, lehnte die Leiter dann an die große Terrassentür an und blickte hinüber zu Maya. „Ich beziehe Ihnen Vaters Bett neu und dann...“
„Waren bei dir nicht zwei?“
„Nein, eines. Aber ich kann Vaters Matte nehmen und sie mein Bett. Ich mag diese altertümliche Art der Betten, Vater hat versprochen eines mit mir zu machen. Ich beziehe das Bett rasch.“
Sie lief los und holte Maya wenig später nach.

05:49

Zeigte ihr, der Wecker als sie zum letzten mal darauf sah, ehe sie die Augen schloss, in Gedanken bei ihrem Vater. Dennoch schlief sie wirklich wieder ein und wesentlich entspannter und friedlicher als sie geglaubt hatte.

xXx


Etwas hatte sie geweckt.
Ganz automatisch schlug sie auf den Wecker, doch der Ton blieb bestehen. Nur langsam wurde sie sich der Tatsache bewusst, dass sie das nervtötende Geräusch sehr wohl zuordnen konnte. Sie stöhnte. Sah auf die Uhr und stand auf.

06: 48

Im Wonbereich der zugezogen war aber kam ihre Erinnerung zurück und sie hielt mit der Hand über dem Telefon inne. Dann aber dachte sie an das Versprechen an ihren Vater und nahm ab. „Caine?“

>CAINE!? Du heißt TRACHTENBERG KIND! Du...<

„Ich heiße Mae Lin Caine.“, widersprach sie ihre Großmutter mit jenem kühlen Tonfall, mit dem sie wie sie feststellte erschreckend nach ihrem Vater klang. Doch während ihre Großmutter das nach Luft schnappen ließ, erwachte mit dieser Erkenntnis auch Mae Lins Kampfgeist. Ihr war eben wieder klar geworden, das die ihr verhasste Verwandte ihr nichts mehr zu sagen hatte und viele Hundert Kilometer entfernt war.
„Ich...“
Sie kam nicht dazu ihren Satz zu beenden, ihre Großmutter begann mit ihrer herrischen und schneidenden Stimme über ihre Mutter herzufallen und dann wieder ihren Vater zu beschimpfen. Ohne Luft zu holen verkündete die Frau ihr dann, dass sie jemanden geschickt habe, sie sofort dort weg zu holen und plötzlich war ihr Kampfgeist verflogen, Angst und Wut stritten nun um die Oberhand, während sie sich wieder unendlich klein und hilflos vorkam. Dad, dachte sie besorgt, sie kannte ihre Großmutter zu gut, um die letzte Drohung für leere Worte zu halten. Sie hielt den Hörer entsetzt in der Hand, starrte darauf und...
...hörte das Gezeter ihrer Großmutter, die ihrem Vater nun vorwarf keinerlei Verantwortungsgefühl zu haben. Sie spürte heiße Tränen auf ihren Wangen.

xXx


Peter erhob sich ein weiteres mal, rieb sich den Schweiß von der Stirn und schaute durch die Halle. Er entdeckte seinen Vater. Ihre Blicke begegneten sich und sie trafen sich Momente später in der Mitte der Turnhalle. „Es... sind so viele.“, erklang neben ihnen eine Stimme, es war Nicholas Elder.
„Nick, wir müssen uns nicht um alle kümmern, nur um die, welche uns wirklich brauchen.“
Zweifelnd schaute sein alter Freund ihn an, schaute durch die Halle und erneut zu ihm. „Ach.“, bemerkte der jüngere und schüttelte den Kopf. „Woran soll ich Mensch, dass sehen?“
„Sie müssen...“, Peter sah seinen Vater an, bedeutete ihm mit einem Blick zu Schweigen und der ältere nickte, bedeutete ihm, dass er sich wieder um die Leute kümmern würde und kniete sich einige Meter weiter neben eine Mutter und ein Kind, die neben einem Alten knieten.

„Du musst die Menschen ansehen, Nick. Richtig ansehen, ja es geht allen hier nicht gut. Aber... beobachte wie sie atmen, sieh in ihre Augen.“
„Ich kann doch nicht nur die behandeln, die...“
„Sieh dich um Nick, kannst du... sie alle behandeln?“
„Hier, jetzt? Nein, ich...“
„Dann entscheide dich und fange an.“, riet Peter, er wollte eben weiter als...
Dad.
Geschockt hielt er inne, suchte seine Mitte und konzentrierte sich einen Moment lang auf seine Tochter, ihr Schrecken wich Panik, wich Angst, dann Verwunderung und sie wurde wieder ruhiger.
Er atmete es.

„Peter!“

Nick, packte den Arm seines alten Freundes und früheren Polizisten, doch entgegen seiner Befürchtung stand der weiterhin sehr fest auf dem Boden. Sein eben erschrockener Blick wandelte sich und Sekunden später sprach alles in der Mimik seines Freundes wieder von dieser seltsamen tiefen Ruhe, die er nun schon seit Jahren austrahlte, wie es sein Vater auch tat. Es war ihm noch immer ein Rätsel wie der Freund das anstellte.
„Peter?“, fragte er nach.
Peter schüttelte lässig seine Hand ab. „Mir... geht es gut. Ich... dachte nur, ich hätte etwas gespürt. Entschuldige mich.“ Nick seufzte, ließ den anderen gehen und ahnte doch, dass er gleich verschwinden würde, doch er täuschte sich, Caine tauchte nicht gleich wieder ab.

x


Peter ging hinüber zu Meister Ying Hu, ihr müsst für mich nach Hause gehen. Beschützt meine Tochter und meinen Gast. Hier, nehmt das mit. Ich nahm ihr Wort niemanden herein zu lassen.“
Der junge Shaolin Mönch verbeugte sich vor ihm und nickte. „Seit unbesorgt Meister Caine.“
Er wollte gehen, doch Peter hielt ihn noch mal zurück. „Geht zu meinem Vater, bittet den Ehrwürdigen Euch etwas zum Schutz vor dem Qualm und Rauch zu geben.“
Ying Hu nickte und tauchte in der Menge unter, während Peter sich einem Geräusch zuwandte. Das Kind, welches er gehört hatte, saß im Arm seiner Mutter, hustete, keuchte. Die Mutter versuchte verzweifelt dem Kind mit einem Inhalationsspray Erleichterung zu verschaffen. Doch das Kind bekam nicht mehr ausreichend Luft. Peter war mit zwei großen Schritten da, nahm der Frau das Kind ab und lief los. „Vater! Ehrwürdiger!“
Er blieb vor seinem Vater stehen, die aufgeregte Mutter wurde derweil irgendwo hinter ihm von Nick und einem Passanten aufgehalten. „Ich brauche...“, begann Peter. Doch ein Vater griff bereits in seine Tasche und reichte ihm ein winziges Töpfchen, ehe er dem Kind einige Tropfen von irgendetwas auf die Stirn und unter die Nase träufelte, dann begann er den Kleinen einzucremen. Das Kind wurde ruhiger und Peter nickte seinem Vater zu. „Danke.“
„Wo ist dein...“
„Aufgebraucht.“
Caine schaute sich um und nickte. „Ich werde die zwei Jünglinge rausschicken mehr zu besorgen.“
„Hältst du das...“
„Wer sollte sonst gehen?“
Peter nickte sein Vater hatte ja Recht. Er brachte das Kind zurück zu seiner Mutter, reichte es ihr und drückte ihr auch das winzige Töpfchen in die Hand. „Was... ist das?“
„Gegen die Luftnot, etwas auf die Nase und die Stirn aber nur... sehr, sehr wenig. Das hilft besser, wie das Spray. Auf wiedersehen, mein Kleiner.“, Peter strich dem Jungen über das Haar. Der vielleicht dreijährige griff nach seiner Hand und nickte. Peter lächelte und huschte weiter.

Aus den Augenwinkeln sah er wie neue Ärzte in die Halle strömten und Erleichterung breitete sich unter den Anwesenden aus. Peter schüttelte den Kopf. Vier Stunden?! Das war alles was er sich dachte und dann weiterarbeitete. Er wusste was so lange gedauert hatte, vermutete es zumindest. Die fünf Ärzte und die Handvoll Pflegekräfte die bisher hier in der Halle gewesen waren, lebten wie er in Chinatown. Die neuen jedoch kamen aus dem nächsten Krankenhaus, es lag vor Chinatown und vermutlich war keiner von ihnen losgefahren, ehe es ohne Atemmaske relativ unbedenklich gewesen war. Er schaute hinüber zu Nick. Der warf gerade einem neuhinzugekommenen Mediziner ungläubige Blicke zu und zeigte ihm schließlich einen Vogel, ehe er den jüüngeren stehen ließ. Unwillkürlich fragte sich der Shaolin was da eben geschehen war. Seit Nick Vater war, geriet er eigentlich nicht mehr so rasch und heftig in Rage, seine Zwillinge hatten ihn früh gelehrt, was Peter selbst nie geschafft hatte, Ruhe und Geduld.

xXx


Maya setzte sich müde auf und stand kaum im Wohnraum, da konnte sie schon hören, wie Caines Tochter am Telefon zusammengeschrien wurde. Sie verstand nicht wirklich etwas, bis auf ein Wort, das aber genügte ihr, um zu ahnen, wer da sprach, oder eher brüllte. Sie näherte sich und wartete denn zuerst sah es danach aus, als käme Mae Lin gut alleine zu Recht. Aber schon in der nächsten Sekunde ließ das Mädchen den Hörer sinken, starrte ihn an, als sei er ein Ungetüm.
Maya trat vor, nahm dem Mädchen das Telefon ab und führte es mit einigem Abstand an ihr Ohr...

>...unnd jetzt wo alles AMOK läuft ist er nicht mal da?! Gib ihn mir und... oh ich sagte es ja! Ich lasse dich holen! In Fünfzehn Minuten sind sie da und...<

„Niemanden werden sie hier abholen lassen. Mae Lin ist hier weder alleine, noch in Gefahr. Es liegt auch nicht an Ihnen sie, oder ihren Vater zu überwachen. Und sollten SIE es noch einmal wagen, die Kleine derart anzuschreien, oder mitten in der Nacht hier alle zu wecken, dann gute Frau lernen sie mich kennen! Schwanger Frauen, reitzt man nicht!“, fauchte Maya in den Hörer legte auf und strich Mae Lin über den Oberarm. „Lass dich von ihr nicht ängstigen, sie...“

Mae Lin nahm erst wahr, dass sie nicht mehr alleine war und das ihr jemand den Hörer abgenommen hatte, als Mayas klare Stimme fest und mahnend hinter ihr erklang. Sie wirbelte herum und starrte Maya ungläubig an. Sie stand völlig ruhig da, doch ihre Stimme sprach von Wut.
Dann legte sie einfach auf und zog den Stecker aus der Wand. In der nächsten Sekunde sah Maya sie an und strich ihr über den Oberarm: „Lass dich von ihr nicht ängstigen, sie ist nur eine garstige alte Frau Mae.“
„Was... war... das?“
„Eine aufgeweckte und genervte Schwanger.“, antwortete Maya ihr und rieb sich den Bauch. „Versuch du mal zu schlafen, während dadrinnen jemand Fußball spielt.“
„Ne, lass mal. Denke ich.“
Maya lachte leise auf. „Ja ich denke auch, du solltest dir damit noch einige Jahre Zeit lassen. Ich glaube nicht, das dein Vater schon bereit ist Großvater zu werden.“

Mae Lin blickte von Maya auf ein Bild ihres Vaters und schüttelte den Kopf. „Das... denke ich auch. Er würde es aber vermutlich besser aufnehmen wie die Eltern der fünfzehnjährigen an meiner Schule. Sie... sie haben sie rausgeworfen, die Schlüssel während der Schule ausgetauscht und ihre Sachen in den Flur gestellt. Sie sei... eine Schande. Was... die Leute denken sollten, sie sei die Brut des Teufels.“
Mae Lin schüttelte den Kopf und setzte neuen Tee auf. „Wie kann jemand so furchtbar zu seinem eigenen... oh... ja man kann.“, sie nickte.
„Deine Großmutter?“, fragte die junge Frau sie. Mae Lin nickte. „Wie... wie kann jemand... seinem Kind... ich... ich verstehe das nicht.“, flüsterte sie und sah auf den Bauch von Maya. Die kam zu ihr, nahm ihre Hand und legte sie sich an den Bauch. Überrascht hielt sie inne, deutlich konnte sie die Bewegungen des Babys spüren. „Fühlst du es?“
Sie nickte. „W-wow.“
„Ja.“, Maya strahlte und nickte ihr zu. Eine Hand lag an ihrem Bauch, die zweite legte Maya ihr an die Wange. „Jetzt wo ich es spüre, verstehe ich noch weniger wie je zuvor, wie man einem Kind, noch dazu... sein Kind etwas antun kann. Es tut mir Leid, was du erfahren hast, deine Mum muss aber ein wunderbarer Mensch gewesen sein.“

„Wieso... wieso sagst du das?“, fragte Mae Lin und bemerkte nicht einmal, das sie das Sie vergessen hatte. Maya jedoch war es aufgefallen und es freute sie. „Weil du sonst unmöglich ein so warmherziges und großartiges Wesen geworden wärest.“, sagte sie und beugte sich vor, küsste Mae Lins Stirn. „Ich hoffe, ich werde auch eine so gute Mum.“
„Ganz bestimmt.“, hauchte die Kleine, noch etwas überrumpelt.
Maya nickte und sah sie ernst an. „Denkst du... denkst du, du und ich könnten Freundinnen werden?“, fragte sie und schaute das Mädchen ruhig an, das noch immer zwischen der Anrichte und der Kochzeile stand, während sie sich setzte. Ruhig strich sie sich den Bauch. Das Mädchen machte große Augen und sah sie ungläubig an. „Aber du... bist erwachsen.“
Maya zuckte die Achseln. „Daran ist nichts verbotenes. Ich wäre gerne deine Freundin, du kannst kommen und mich jederzeit mit Fragen löchern, die... du vielleicht lieber nicht mit deinem Vater wirst besprechen wollen, zum Beispiel... wo wir dir, die Tage eigene Binden her holen können?“
„Du... hast es schon... gemerkt? T-tut mir Leid ich... ich wollte morgen neue...“
„Nein, nein ist schon gut Mae Lin, ich freue mich, dass ich hier bin und du sie gefunden hast und ich... brauche sie ja auch im Moment nicht, sie... waren nur noch in meiner Reisetasche.“, sie lächelte.
„Was... was hättest du aber davon?“
„Jemanden, der mich daran erinnert, wie es war ein Kind zu sein und... vielleicht jemanden, zu dem mein Kleines aufsehen kann?“
„Zu... mir?“
„Warum nicht? Was ist verkehrt an dir? Mmh?“

Mae Lin sah Maya nachdenklich an. Sie war nun seit einigen Wochen hier und ihr war durchaus aufgefallen, dass sich etwas geändert hatte. Bis eben, hatten sie beide, wie auch ihr Vater und Maya sich stets mit Sie angesprochen. Aber dennoch... es war mit der Zeit anders geworden. Maya war Bestandteil dessen geworden, was die Zeit zwischen ihr und ihrem Vater aufgebaut hatte, einem Zusammenleben. Maya war es, die am Morgen ihr Müsli auf den Tisch stellte und ihr Nachmittags das Essen aufwärmte. Maya war es, die ihr bei den Hausaufgaben half und sie war es die mit Maya einkaufen ging, die ihr allzu oft Gesellschaft leistete.
Mae Lin hielt beim Einschenken des Teewassers inne und beobachtete Maya einen Moment lang. Dann stellte sie nachdenklich den Wasserkocher wieder weg. Sie war fast sicher, das auch Maya und ihr Vater inzwischen vertrauter miteinander waren, auf eine Art die sie bisher wenig beachtet hatte.
„Maya?“, fragte sie leise und schaute die junge Frau dabei nicht an.
„Ja?“
„Magst... magst du meinen Vater?“
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast