Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Licht am Ende der Nacht

GeschichteDrama, Familie / P16 / Gen
Peter Caine
01.10.2015
30.03.2017
11
36.775
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
07.10.2015 4.389
 
Hey!
Seit gegrüßt ihr alle! Wie ich sehe, habt ihr jetzt scheinbar alle wieder hergefunden und ich hoffe euch wird diese Story so sehr gefalle wie Teil 1, ich ahne jedoch dass ich dieses mal auch "ohh"'s und "Nein" und "aaarg" erneten werde. Wir werden sehen.

Ich hoffe natürlich ihr gebt mir weiterhin eure Meinungen und euer Feedback! Wenns so sein soll auch Kritik.
Ich werde euch wie gehabt antworten.
Eines noch, ich würde mich wirklich richtig mega freuen, wenn ich mit einem der nächsten Kapis vielleicht mal mehr wie 2 Reviews bekäme? *liebschaut* Keine Sorge nur ein frommer Wunsch. Wünschen und Träumen ist ja erlaubt, oder?


So und nun viel Spaß beim Lesen!

LG *winke* eure Nyra

----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


KUNG FU

IM ZEICHEN DES DRACHEN



------Wieder kein Unterricht------


Mae Lin traf ihre Freunde an der Bushaltestelle wie jeden Wochentag, abgesehen von den zwei letzten, an denen sie bei ihrem Vater gewesen war. Ihr Oberkörper fühlte sich seltsam an, Dr. Wong hatte in Absprache mit ihrem Vater entschieden, dass sie ihr einen stützenden Verband verpassen. Die letzten beiden Tage hatte ihr Vater sie drei, oder viermal am Tag mit einer seltsam riechenden Paste eingecremt und den Verband ebenso oft erneuert. Außerdem zierte ihre Narbe ein sehr großzügiges Pflaster bestehend aus Verbandflies, der Paste ihres Vaters und selbstklebenden Pflaster. Jetzt frisch eingecremt hatte war noch die kühlende Wirkung vorherrschend. Doch sie wusste, in kürze würde es unter dem Pflaster und dem Verband recht warm werden und ihre angespannten Muskeln würden sich entspannen. Sie seufzte.

„Hey Mae!“
„Lin!“, Rica Lee sprang auf sie zu und fiel ihr direkt um den Hals. Mae Lin keuchte. Die von ihrem Vater veranschlagten Übungen, samt der Paste halfen zwar. Aber im Moment, nach dem ganzen Sport und ihrem Sturz schmerzte es einfach alles viel zu sehr. Rica ließ sie erschrocken los und musterte sie. „Lin? Alles klar? Was hast du?“
„Ich... bin verletzt.“
„Aber doch nicht vom Sport.“, Dao Shan sah sie zweifelnd an. Mae Lin dachte kurz darüber nach wie viel sie ihren Freunden verraten wollte. Sie war sich nicht wirklich sicher, ob sie wollte, dass sie es wussten, alles. Anderseits... sie schaute auf die Uhr und schloss die Augen.
„Lasst sie, wenn sie es nicht sagen will, ist es okay.“
Mae Lin senkt den Blick. „Also... meine Mutter und ich, wir... wir hatten einen Unfall, ehe sie... krank geworden ist und dabei... wurde ich auch schwer verletzt und... es hat immer irgendwie ein bisschen weh getan, aber seit... seit dem Sport und meinem Sturz, also...“
„Ah, dann war Dr. Wong deswegen bei euch? Er... behandelt dich, also? Er ist ein guter Arzt und...“
„Nein. Also... ja.“, korrigierte Mae Lin sich rasch, „er ist ein guter Arzt, aber... er... mein Vater behandelt mich. Dr. Wong war da weil meine Großmutter wieder Probleme macht und das ganze darum auch ein Arzt sehen sollte.“

„Och nee, deine Nǎinai ist wirklich nicht freundlich.“, stellte Rica fest und umarmte sie erneut, dieses mal jedoch wesentlich umsichtiger. Mae Lin schaute die etwas kleinere Asiatin dankend an und die blickte lächelnd zurück. „Wenigstens muss ich Marvin, Lorcan und Chen nicht mehr länger alleine ertragen.“
„Alleine? Aber was ist mit den 23 anderen?“, grinste Mae Lin zurück. „weißt du... wir sind nämlich nicht alleine in dieser Klasse, also... nicht zu fünft.“
„Léidiàn.“
Blitz und Donner? Ein wenig verwundert schaute sie die Freundin an, die nun grinste. Doch sie kam nicht mehr dazu, Rica oder die anderen beiden zu fragen, denn schon war der Bus da und sie musten einsteigen, wollten sie nicht, das der Bus ohne sie fuhr. Wie üblich bekamen sie keinen Platz mehr zusammen. Aber immerhin schaffte es Tamoe einen Sitz hinter ihr zu landen. Dao Shan schnappte sich hinten den letzten Sitzplatz, gab ihn jedoch seiner Schwester frei und blieb daneben stehen. „Das... muss toll sein.“
„Was? Was muss toll sein?“, Tamoe sah sie fragend an.
„Einen Bruder. Jemanden... der dich beschützt.“
„Und mit dir schimpft? Ein dritter Elternteil ist, der... mit dir streitet? Ehrlich? Glaub mir, soo toll ist das gar nicht immer.“
„Mag ja sein, aber ohne ist auch recht einsam. Also... früher. Hier... ist es anders.“
„Du meinst bei deinem Vater?“
„Auch.“, sie nickt, „Aber... ich meinte eher hier in Chinatown. Kann man... kann man hier überhaupt alleine sein?“
„Glaub mir, das geht ganz gut. Du merkst es nur nicht, weil dich jeder kennt. Weil... deinen Dad jeder kennt.“
Mae Lin nickte nachdenklich und schaute aus dem Fenster. „Ich will hier nicht mehr weg. Jetzt noch weniger wie zuvor, wo mein Großvater jetzt hier ist.“

„Was?! Er ist...“

„Der alte Caine ist hier?“, rief eine der Jugendlichen vor ihr aus und drehte sich zu ihr herum. „Kwai Chang Caine?“
Mae Lin grinste und nickte dann. Die Jugendlichen vor ihr schauten sie skeptisch an. „Woher... willst du das wissen?“
„Er ist schon lange fort. Sein Sohn...“
„Er ist da. Ich lebe mit ihm. Er ist mein Großvater.“
„DU!?“
„Peter Caines Tochter? Er hat keine Tochter! Vater und er kennen sich schon lange. Er hat kein Kind!“, rief das Mädchen.
„Wer seit ihr?“, fragte Mae Lin und beobachtete die beiden Jugendlichen genau.
„Nick und Nicky Elder.“, antwortete der Junge, wirkte dabei ein wenig arrogant. Blond ware sie beide, er trug die Haare etwas kürzer und sie waren deutlich dunkler wie ihre langen, welligen. Während ihre dunkelblauen Augen Mae Lin neugierig musterten, schauten seine blauen Augen sie abschätzend an. Sie entschied sich für Nicky und blickte das Mädchen ruhig an. „Ich bin seine Tochter, aber er kennt mich erst seit ein paar Wochen und wer genau seit ihr beiden?“
„Unser Vater arbeitet als Gerichtsmediziner, Nicholas Elder. Früher hat er oft mit deinem Vater zusammengearbeitet, er war damals noch Polizist.“
„Lass das Nicky, sie ist niemals....“
„Nichole Elder, Nicky und mein Zwilling Nicholai Elder, Nick.“
„Eure Mum beginnt aber nicht mit einem N, oder?“
Nichole lachte, ihr Bruder jedoch verzog das Gesicht, während Mae Lin sich fest vornahm am Nachmittag ihren Vater nach den beiden und diesem Nicholas zu fragen. „Unsere Mum heißt im übrigen Karen. Und deine?“
„Michelle, sie ist tot.“
„Das tut mir Leid.“, erwiederte die Blonde. Mae nickte und sah die andere nachdenklich an. „Hättest du nicht mal Lust mich zu besuchen?“
„Wohnt dein Vater immer noch in Chinatown? In...“

„Geht nach Chinatown, fragt nach Caine.“, erklärte Rica und zog an ihrem Arm. Erst jetzt bemerkte Mae das der Bus angehalten hatte. Die ersten stiegen bereits aus. Sie winkte den Geschwistern zu und drängte sich mit Rica in gewohnter Manier durch die Schülermassen und draußen, vor dem Bus tauchten sie beide gleich wieder zwischen den dutzenden Schülern unter. Keine von ihnen beiden hielt am frühen Morgen viel vom üblichen Smal Talk und sie hatten entdeckt, dass es ein gutes Gegenmittel war sich einfach mit und zwischen den Schülerpulken zu bewegen.
Heute hatte es außerdem den Vorteil, dass sie nicht von allen umzingelt und gefragt werden konnte, was passiert war, das sie die Rest der Woche, vorm Wochenende nicht mehr in der Schule gewesen war. Sie würden es ohnehin noch früh genug bemerken, nämlich beim Sport, in den nächsten Tagen.

xXx


Und da lag sie jetzt also vor ihr: die Sportstunde!

Seufzend bog sie vor der Umkleidkabine ab, schlüpfte aus ihren Schuhen und ging langsam in die Hocke um die Treter aufzuheben. „Hey Chinamädchen!“, rief Frederik und stieß sie kräftig an. Sein neckender Stoß hatte sie genau in die Seite getroffen, in die falsche der brennende Schmerz trieb ihr die Luft aus den Lungen. Er lief feixend an ihr vorbei, während sie keuchend an der Wand, gegen die er sie befördert hatte zu Boden glitt. Heiße Tränen schwammen in ihren Augen, als sie sich die Seite haltend versuchte ihren Atem wieder zu beruhigen.

„Um Gottes Willen!?“

Sie hob den Blick und starrte ins Gesicht einer Lehrerin, sie kannte die Frau nur vom Sehen, glaubte aber das es die Trainerin einer der Sportmannschaften war. Verwirrt blinzelte sie zu der jungen Lehrerin auf. Die aber hatte sich besonnen und beugte sich zu ihr herunter. „Fehlt Ihnen etwas? Ist Ihnen schwinde... ohh Mädchen! Du weinst ja.“, mitfühlend sah die Frau sie an und legte ihr eine Hand an die Schulter. „He, stimmt was nicht? Hast du Schmerzen?“
Mae Lin, die sich in diesem Moment nichts schlimmeres vorstellen konnte, als genau jetzt und verweint vor ihren Jahrgang zu treten nickte und wischte sich mit dem Handrücken über die Augen. „Kannst du aufstehen?“
Sie nickte und nahm die Hand der Trainerin jedoch nicht entgegen. Sie drückte sich mit der linken von der Wand weg und hielt sich mit der rechten die linke Seite. Sie sog scharf die Luft ein, als die Stelle, wo Frederik sie gestoßen hatte erneut schmerzte. „Himmel, was ist denn passiert? Habt ihr... euch geprügelt? Wer war das?“
Sie sah die junge Lehrerin zweifelnd an, öffnete den Mund und schloss ihn wieder, als sie Frederik bleich und erschrocken hinter ihr in der Tür zur Halle entdeckte. „...M-mae Lin ich...“
„Du warst das nicht.“, sagte sie leise und schüttelte den Kopf, ehe sie zum Boden sah und registrierte, dass ihre Schuhe noch immer auf dem Boden standen, oder besser schon wieder.

„Ähm... du bist?“
„Frederik, Frederik Brown. Ich... nun ja...“
„Geh rein und sag eurer Lehrerin, dass es deiner Kameradin nicht gut geht und ich sie mit an die Luft genommen habe. Wie es scheint hat Mae Lin heute ohnehin nicht vorgehabt am Sportunterricht teilzunehmen?“
Mae Lin spürte den fragenden Blick der Lehrerin auf sich, schaute zu ihr hoch und nickte, schüttelte dann den Kopf und zog etwas aus ihrer Tasche, als Frederik schon gehen wollte.
„Oh, warten Sie!“, die Brünette hielt Frederik zurück und bedeutete ihm zu ihr zu sehen.

Mae Lin reichte dem Mitschüler einen Umschlag. „Meine Sportentschuldigung.“
„O-okay.“, er nickte und lief schnell wieder zurück. Mae Lin sah derweil zurück zu der Lehrerin. „Wir kennen uns glaube ich gar nicht, oder? Ich bin Sarah Whiteman. Ich trainiere die Handball- und Basketballmannschaft der Mädchen.“, lächelnd reichte sie ihr die Hand.
Die junge Caine nahm die Hand kurz entgegen und nickte dann. Besorgt schaute sie zur Tür, durch welche Frederik eben verschwunden war.
„Na, komm. Du bist ehrlich blass. Sonne und Luft können Wunder wirken.“
Unsicher folgte sie der Trainerin Whiteman und fragte sich unwillkürlich, was diese am Vormittag in der Sporthalle suchen könnte. Draußen folgte sie der Frau bis zu einer Bank und setzte sich auf die zweite Bank, rechts der Lehrerin. Sie saß damit an der Kopfseite des offenen U, das die drei Bänke bildeten, die Lehrerin auf einem der Schenkel der U- Form.
„Du bist also... Mae Lin Caine?“
„Ä-ähm ja-a?“, fragte sie zurück und musterte die Trainerin. Die nickte. „Dann bin ich wohl heute umsonst hergekommen, mmh?“
„Wie bitte? Ich verstehe nicht.“
Die Trainerin grinste breit und nickte. „Denke ich mir. Ich war hier um dich beim Volleyball zu beobachten und dem Handball, was Miss Smith heute mit euch spielen wollte. Sie dachte, du wärest eine Bereicherung für unsere Handballmannschaft oder vielleicht auch für die Hobby- Volleyball- Gruppe der Mädchen, die ich betreue.“
„Oh.“, Mae Lin schaute betrübt zu Boden, sie hätte wirklich Lust dazu gehabt, wäre da nicht...

„Ich... ich fürchte... da werden Sie... eine... eine ganze Weile nicht mehr kommen brauchen.“, sagte sie leise und versuchte ehrlich an die Worte ihres Vaters zu glauben, dass sie wieder Sport würde treiben können, in Zukunft. Sie seufzte ungewollt und schüttelte kaum merklich den Kopf.
„Du bist also verletzt? Wie... ist das passiert? Doch nicht hier?“
Mae Lin schüttelte den Kopf. Sie hatte keine Ahnung woran es lag, aber irgendwie hatte sie das deutliche Gefühl, dass sie mit dieser Person neben sich reden konnte. Anders wie bei Frau Smith, der ihr Vater alles ganz genau aufgeschrieben hatte und die er ebenfalls in seinem Brief bat, nicht mit ihr über ihre Probleme zu reden, sondern sich bei Bedarf an ihn zu wenden.
„Hey, Mae Lin? Du... musst nicht darüber reden. Ist okay.“
Verwundert schaute sie sich um, es war so merkwürdig, wenn erwachsene das sagten, nachdem sie eine Frage gestellt hatten. Miss Smith hätte jetzt wohl eher auf eine Antwort bestanden, ihre Großmutter, wäre sie hier, hätte wohl mal wieder gesagt, sie solle sich nicht so anstellen und Zähne zusammenbeißen. Sie schüttelte den Kopf und musterte die Trainerin.
„Du bist ganz neu an der Schule nicht?“
Sie nickte. „Ja. Ich... ich bin in New York aufgewachsen.“, sie verzog das Gesicht und schluckte. „Wenn... wenn es nach meiner Großmutter geht, komme ich auch dahin zurück, auf eine teure Privatschule und darf mir anhören, ich solle mich nicht so anstellen und Sport, außer Tennis vielleicht sei ja eh nur unnötiger Sport.“, sie seufzte.

Sarah Whiteman, war noch nicht lange Trainerin der Mädchensportmannschaften an dieser Schule, oder überhaupt. Ihr Studium hatte sie erst im Frühjahr beendet. In dieser Zeit aber hatte sie mit den knapp dreiundzwanzig Mädchen schon das ein oder andere erlebt, Beziehungs Hoch und Tiefs, die sich in der Leistung der Mädchen widerspiegelten, Sorge wegen schlechter Noten und Freude über Erfolge. Ängste über Verletzungen und die verunfallte Kameradin im Sommer. Inzwischen nahm Kim am Muskelaufbautraining teilweise wieder teil und war beim Training anwesend, eine Motivation für alle.
Aber mit diesem Mädchen, auf dass sie nach den Erzählungen der Sportlehrerin tatsächlich schon gehofft hatte war es anders. Sie kannte diese Kleine noch gar nicht und doch waren da diese scheuen Augen, der Schmerz und die versteckte Qual, die sicherlich nichts mit dem ersteren zu tun hatte. In gewisserweise erinnerte die Kleine sie an ihre Halbschwester Viviane. Sie atmete tief durch und schaute das Mädchen, das nun von New York und ihrer Großmutter sprach besorgt an. Sie war plötzlich festentschlossen zu versuchen der Kleinen zu helfen, wo sie Viviane gegenüber schon nicht mehr sein konnte als mentale Stütze, sie war so weit weg. Vielleicht konnte sie aber hier etwas tun, hoffte sie nicht auch ständig das ihrer Schwester jemand helfen würde?
„Du willst also nicht zurück?“
„Nein. Nie mehr.“
„Und deine Eltern?“, fragte sie vorsichtig, legte dem Mädchen locker eine Hand auf das Knie.
Mae Lin hatte die Augen inzwischen geschlossen und presste nun die Lippen zusammen, blickte dann nach vorne, ohne die Mimik zu ändern. „Ich lebe jetzt bei meinem Vater. Ich will bei ihm bleiben.“
Nachdenklich musterte sie das Mädchen, sie schien ehrlich Angst zu haben, dass sich etwas ändern könnte. „Wo hast du vorher gelebt? Bei deiner Großmutter?“

„Mit Mum.“, flüsterte Mae Lin, sie blickte hinab auf ihre Finger, die unruhig miteinander spielten, doch sie konnte sie nicht ruhig halten. Sie hatte es bis eben versucht, auch mit zwei verschiedenen Kung Fu Techniken es... ging nicht. „Mum... Mum ist tot. Ich... ich bin dann abgehauen und zu meinem Vater gereist. Alleine, einfach... so.“
Sie kaute unsicher auf ihrer Unterlippe herum, verstand noch immer nicht, wieso es ihr so richtg erschien gerade mit dieser, ihr eigentlich doch Fremden darüber zu reden. Doch auf seltsame Weise erschien es ihr richtig, es fiel ihr sogar leichter, wie mit der Psychologin zu reden. Sie runzelte kurz die Stirn, ehe sie flüchtig mit einem Seitenblick die Trainerin musterte.

Sarah war sich in diesem Augenblick seltsam sicher, dass das junge Mädchen neben ihr, gerade dabei war, mit ihr über Dinge zu reden, die sie nicht jedem mitteilte. Ebenso sicher war sie sich, dass der Vater, dieser Kleinen vermutlich sehr überrascht gewesen war, seine Tochter vor sich stehen gehabt zu haben. „Wann war das?“
Mae Lin zuckte die Achseln. „Das... das ist... keine drei Monate her.“
„Und seit her bist du bei ihm gewesen?“
Das Mädchen nickte: „Ja.“
„Es gefällt dir dort?“
Das Mädchen nickte stumm.
„Die Privatschule vermisst du nicht?“
„Nein.“
„Gar nicht? Ich meine... die haben doch auch Vorteile. Jeder trägt das Gleiche, die Klassen sind kleiner und...“
„Alle sind eingebildet, der Unterricht ist entweder langweilig, oder jeder betrügt. Sport gibt es nur ein Minimum und das, was die Eltern als sinnvoll erachten. Jeder redet nur über Luxusurlaub und Luxusleben. Das... das ist alles so falsch, wie die Idyllen, in denen dort alle leben.“
Jap eindeutig, sie war auf einer sehr elitären Privatschule, willkommen im Club Kleine. Ich habe die auch gehasst. Sie lächelte verstehend. „Du wohnst also hier in Chinatown mit deinem Vater. Ist das nicht... nun ja, im Gegensatz zu vorher eine ganz schöne Umstellung?“

„Ja. Aber ich liebe Chinatown und ich wollte auf diese Schule.“
„Was genau magst du an Chinatown?“
„Den Zusammenhalt. Das jeder, auf jeden achtet und die meisten Nachbarn einander kennen. Ich weiß, dass es bei mir noch mal was anderes ist wie bei vielen anderen, weil jeder meinen Vater kennt. Aber trotzdem. Ich will hier nicht mehr weg. Außerdem....“, sie schüttelte den Kopf und schwieg.
„Außerdem?“, fragte die Trainerin sie leise. Und die Ruhe in ihrer Stimme erinnerte Mae seltsam an ihren Vater.
„Deine Verletzungen, die... kommen nicht von hier, nicht wahr?“
Sie nickte. „Das... das war ein Betrunkener der Mum und mir ins Auto gefahren ist. Es... war ein Wunder, dass wir da lebend rauskamen. Aber dann... wurde sie krank, wir mussten zu Grandma und sie... jetzt ist sie tot.“, Mae Lin wischte sich die Tränen weg und schniefte. „Ich... mag keine Ärzte mehr und musste immer wieder zu anderen, irgendwann... irgendwann... habe ich gesagt, es ist alles okay und ich möge keinen Kampfsport mehr, keinen Mannschaftssport.“, sie zuckte mit den Achseln.

„Und das ist jetzt anders? Ich meine... du hast Volleyball gewählt, oder nicht?“, fragte Sarah ruhig, sie hatte sehr genau beobachten können, wie die Kleine eben mit sich gekämpft hatte. Sie nickte. „Ja. Aber... es geht nicht. Es tat immer schneller weh und dann... dann bin ich gestürzt seitdem...“, sie schüttelte den Kopf.
„Und jetzt? Geht dein Vater mit dir wohin?“
„Nirgends. Er... er....“

Es klingelte und die erste Sportstunde wurde damit beendet. Sie atmete tief durch und wollet schon weiterreden, als plötzlich eine bekannte Stimme nach ihr rief. Es war Maria aus ihrem Sportkurs. Sie stand auf, winkte und Maria kam zu ihnen. „Miss Smith sagt, du darfst nach Hause gehen, oder zusehen wie du möchtest. Du... sollst deinen Vater grüßen? Kennt sie den?“
Mae Lin zuckte die Achseln. „Kann sein. Weiß ich nicht.“, antwortete sie. Maria winkte und jagte zurück in die Turnhalle, Mae Lin aber überlegte, ob ihr Vater Miss Smith wohl wirklich kannte, immerhin war er definitiv sehr bekannt in und um Chinatown. Sie blickte entschuldigend hinunter zu der Trainerin: „Ich... ich denke ich gehe nach Hause. Ich... sollte mir einen neuen Verband machen lassen. Dann... wird es besser sein. Danke.“

„Mae Lin? Was für einen Verband? Du hast doch gesagt, ihr geht nicht zu einem Arzt.“, besorgt musterte sie die Kleine. Ihre eigenen Eltern und Vivianes Mutter hatten auf einen Quacksalber gehört, wesewegen sie selbst keinen Leistungssport mehr betreiben hatte können und Viviane im Rollstuhl saß. Eigenbehandlung und Heiler, sowas ließ sie aufhorchen.
„Mir geht es gut. Dad weiß was er tut.“
Ja. Ja, das dachte ich auch mal. Sie seufzte und schüttelte den Kopf. Ich sollte einen alten Freund besuchen gehen und um Hilfe für die Kleine bitten. Er kennt die Leute hier.
Nachdenklich blickte sie der Kleinen nach.

xXx


Peter schaute auf, als er ein Geräusch aus dem Vorraum hörte und wartete, bis sich die Tür öffnete, zwei Sekunden später wurde die Tür stürmisch aufgerissen. „Meister CAINE! Meister Caine!“
Es war ein Jugendlicher der hereingestürmt kam. Peter lief dem vielleicht sechzehnjährigen eilig entgegen und ignorierte, dass er Junge wohl um diese Zeit eher in der Schule hätte sein können. „Was ist passiert?“
„Eine... eine Frau... unsere Nachbarin, sie... sie ist gestürzt, sagt Mum, sie ist schwanger und... sie weint und ich weiß nicht, Mum hat gesagt ich soll sie holen, sie ist... Chinesin... bitte Meister Caine, kommen Sie! Schnell!“
„Warte. Nicht zu hastig. Erst... muss ich ein paar Dinge einpacken.“
„Ja aber....“
Während Peter begann eilig einige Kräuter und zwei Tinkturen in einen Lederbeutel zu räumen, schaute er kurz zu dem Jungen. „Es ist nie ratsam, unvorbereitet, kopflos, könnte man sagen loszustürmen, weißt du auch warum?“
„Ähm...nein?“, verständnislos sah der Junge ihn an. Peter stand inzwischen wieder neben ihm, lächelte und legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Komm mit. Ich erkläre es dir auf dem Weg.“

Ruhig, aber schnellen Schrittes liefen sie um die drei Häuserblöcke und der Jugendliche war deutlich verblüfft, dass er ohne aus der Puste zu kommen in der Lage war, seine Ruhe zuvor zu Hause zu begründen. „... wenn du einfach so losräumst, ohne Werkzeug, oder... benötigte Hilfmittel einzupacken, wie willt du dann jenen helfen, zu denen du eilst um sie... zu befreien? Oder... versorgen?“
„Ich... weiß nicht? Irgend....- irgendwie?“
„Das ist... keine gute Antwort, wenn du am Ende vor dem Hilfesuchenden stehst. Und auch der Grund, warum jemand wie du, um diese Zeit in der Schule lernen sollte.“
„Erst ab Montag, wir sind umgezogen, wir haben vorher in der City gelebt und jetzt bei Mums Freund Jason Young.“, der Jugendliche bekam deutlich Probleme mit ihm mitzuhalten und musterte ihn mit deutlichem argwohn. Peter lächelte. Er ahnte was dem Jugendlichen durch den Kopf ging, er wusste noch zu genau was ihm allzu oft beim Anblick seines Vaters durch den Kopf gegangen war. Plötzlich erinnerte er sich daran, dass Mae bald heimkam und dachte in Gedanken fest an seinen Vater, er hoffte Kwai Chang würde ihn hören und seine Sorge um Mae Lin spüren, er hatte noch nie versucht ganz direkt und zum mitteilen einer bestimmten Sache mit seinem Vater Kontakt aufzunehmen. Bisher war es immer nur gewesen, um ihn zu spüren.
Dann waren sie da und Peter konzentrierte sich ganz auf das, was vor ihm lag. Der Junge führte ihn in der erste Etage an drei Wohnungen vorbei und deutete dann nach links auf die fünfte Tür im Flur, hinter ihm lag Nummer vier, als er eintrat. „Hallo?“, fragte er in die Wohnung, der Junge blieb draußen.

„Hier! Sie ist hier, Meister Caine!“

Er ging durch den Raum und blieb im offenen Durchbruch zum Nebenraum stehen, als er jedoch die junge Schwangere erkannte, überbrückte er eilig die letzten Meter und ging vor ihr auf ein Knie. „Maya!“
Die weinende junge Frau sah ihn an und schüttelte den Kopf. „Ich... ich bin nicht gestürzt, wirklich, ich... ich bin nur... es ist... Nǎinai.“
„Was ist mit ihrer Großmutter?“, fragte er ruhig, eine seiner Hände umschließt im gleichen Moment die Linke von Maya, während sich die andere auf ihren Bauch legte. Ohne dass sie es bemerkte, ließ er bereits Energien fließen, um sie zu beruhigen. Weinend sah sie ihn an und schüttelte den Kopf: „Detective Grayer, sagte am... am Telefon, dass... das sie... sie ist Tot, sie... was... was mache ich denn nun nur? Ich....“
„Jetzt?“, fragte er völlig ruhig zurück, „jetzt... ruhen Sie sich ersteinmal aus und schlafen.“ Er hatte sie beim Sprechen losgelassen, die Hand nach ihrer Stirn ausgestreckt und griff an ihre Stirn. Sie seufzte leise auf und sackte weg. Peter fing ihren angehobenen Kopf ab und ließ ihn vorsichtig auf das Kissen sinken. Dann drehte er sich herum und sah die Mutter des Jungen an. „Sie wissen wo der Ehrwürdige wohnt?“
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, tut mir Leid, es... es war Zufall, dass wir von Ihnen wussten.“
Er nickte. „Rufen Sie bitte ihren Jungen her.“ Sie nickte, ließ ihn kurz alleine und er untersuchte die ruhig schlafende Schwanger. Es schien soweit alles in Ordnung zu sein. Erleichtert atmete er durch.

„Meister Caine?“
Er stand auf, drehte sich herum. Wortlos ging er an Mutter und Sohn vorbei in den Wohnraum. „Sie könnten mir bitte etwas Wasser kochen und dann unten aus dem Kräuterladen getrockneten und frischen Lavendel besorgen, aber sagen sie Chang, dass sie es für mich benötigen und er mich erzürnt, gibt er Ihnen nicht die Guten. Er wird es verstehen. Du... du gehst zurück zu meiner Wohnung, aber die Straße vorher biegst du rechts ab und fragst nach dem Ehrwürdigen. Mein Vater ist dort, du musst ihm was von mir geben. Bekommst du das hin?“
Der Jugendliche nickte. „Ich gehe den Weg zurück und eine Straße vor der, in der sie wohnen, biege ich rechts ab, dort nach dem Ehrwürdigen fragen. Wer... ist das?“
„Geh! Finde es heraus!“, sagte Peter und reichte dem Jungen, einen eilig geschriebenen und rasch mit Wachs versiegeltem Brief.
„W-wie haben Sie... die Kerze angemacht und der Wachs....“
„Geh jetzt! Später.“, sagte Peter. Der Junge nickte, wandte sich ab und randte los, kaum das er auf dem Korridor war. Seine Mutter schaute ihn fragend an. „Wieviel Geld werde ich brauchen?“
„Keines, Sie holen die Kräuter ja für mich.“, sagte er und wandte sich ab, ging zurück zu Maya.

xXx


Es klopfte und Caine blickte auf, Lo Si's kleine Urenkelin kam herein. „Mama sagt, du kommst.“, sagte die Kleine und musterte ihn aus großen fragenden Augen. Der Shaolin lächelte, nickte und strich ihr über das Haar. „Bleibst du bei deinem Großvater?“
„Ja.“
„Geh nur Caine, ich... schlafe... gleich wieder...“
„Ich dachte, das tätest du schon längst, Alter Mann.“, sagte Caine, während er aufstand und dem kranken Alten einen langen Blick zuwarf. Lo Si nickte. „U-und du... Ailin? Schläfst du mit mir?“
„Ja.“, das Kind nickte und schaute nachdenklich zu ihm auf, er lächelte.
Caine blieb an der Tür stehen, wandte sich wieder um und hob die dreijährige zu ihrem Ur-Großvater ins Bett. „Bis später, ihr beiden.“, sagte er und ließ sie alleine.

„Wo ist Ailin?“
„Beim Alten, sie schlafen sicher gleich zusammen.“
„Es ist aufgewacht?“
„Nein, offenbar hat er es mal wieder geschafft mich zu täuschen und schlief gar nicht.“
Lo Si`s jüngste Enkelin sah ihn kopfschüttelnd an und nickte dann. „Sollte ich sie dort lassen?“
Caine nickte. „Was wolltest du von mir?“
„Ich nichts, dein Sohn schickte einen Jungen.“
„Ah.“
„Er wartet in der Küche.“
„Danke Yasmina.“

Caine ging nachdenklich in die Küche, wieso schickte Peter ihm noch einen Boten? Er hatte seinen Sohn gehört und verstanden, auf seine Enkelin wartete Yasminas Mann Aron. Er würde das Mädchen hier her bringen. „Ich bin Caine. Du wurdest zu mir geschickt?“
Der Jugendliche nickte. „Ich bin Lukas, ähm... Pollard. Ihr... Ihr Sohn schickt mich, er ist bei Maya, einer... Schwangeren.“
„Danke. Warte bitte, vielleicht... gebe ich dir etwas mit zurück.“, er öffnete den Brief und las die wenigen Zeilen seines Sohnes, dann nickte er. „Komm mit mir!“, bat er und verließ mit dem Jungen die Wohnung, des Ehrwürdigen.

xXx
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast