Das Licht am Ende der Nacht

GeschichteDrama, Familie / P16
Peter Caine
01.10.2015
30.03.2017
11
47608
 
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
Vielen, vielen lieben Dank für die beiden Reviews und die Favo- Eintragungen.

Hier nun kommt das zweite Kapi. Drei wurde beendet vir begonnen. Das nächste Kapi, so habe ich beschlossen wird nicht vor Abschluss von Kapitel 5 online gehen bzw. ohne Reviews von euch.
Also lest, postet und wartet gespannt! Eure Komis werden mir nur Ansporn sein und Motivation weiter zu schreiben. ;)

*Süßigkeiten, Knabberkram, Met, Bier, Beerenweine, Weine und Wasser, wie Tee in die Runde schiebt*

LG Nyra


PS: Am Samstag gehts in die Kammgarn Halle zum VERSENGOLD Konzert! Die CD Zeitlos läuft hier seit Tagen schon rauf und runter abgelöst nur von Kung- Fu- im Zeichen des Drachen im TV oder Saltatio Mortis CD Zeitgeist (deren Konzert gibts dann im November!)
*freufreufreu*


----------------------------------------------------------------------------------


KUNG FU

IM ZEICHEN DES DRACHEN



------Wink des Schicksals------


Sie starrte die Decke und die Wand neben sich abwechselnd an, während sie ruhig liegen blieb und sich auf ihren Atem konzentrierte. Irgendwann, lange bevor die Schulschwester kam, die mit jemand anderen beschäftigt gewesen war, begann die Schmerztablette zu wirken und so gab Mae Lin lediglich an das ihr Fußgelenk höllisch schmerze und das Knie inzwischen kaum noch.
Die ältere, rundliche Frau, musterte Fußgelenk und Knie skeptisch, sie tastete beides ab, was Mae Lin zum Anlasss nahm mal direkt zusammen zu zucken. Die Schwester rieb am Ende beides mit Hilfe eines Spatels mit einem kühlenden Gel ein und erklärte, sie solle brav schonen und zum Arzt gehen, habe sie morgen wieder Sport, oder es schmerze weiterhin so sehr.
Mae Lin nickte brav, wollte dann gehen, doch sie wurde zurück gehalten. „Nicht so hastig, junge Dame. Sie sind Fußlahm, sie werden abgeholt.“
„W-was?“
„Ihr Vater holt sie ab. Glaube ich zumindest, dass er es war.“

Mae Lin ließ sich zurück auf die Liege fallen und seufzte. Wunderbar, wird ja immer besser!
Sie verdrehte die Augen.

„Na, wer ist denn da so schnell frustriert? Das ist doch... in ein paar Tagen vergessen. Nur verstaucht denke ich.“

Sie setzte sich ruckartig auf. „Vater!“
„Vater? Ich dachte... Dad?“, er lächelte ihr vergnügt entgegen. „Ich nenne dich wie du willst, nur weg hier.“, bat sie und stand versuchsweise auf. Der Schmerz kehrte fast sofort wieder in ihre Seite zurück, allerdings gedämpfter wie zuvor. Schmerzmittel, dachte sie stumm. Tolle Erfindung diese Dinger!

Peter bemerkte das kaum merkliche Zucken seiner Tochter, ebenso wie er die veränderte Haltung wahrnahm. Spätestens jetzt wäre er wohl in jedem Fall überzeugt gewesen, dass sie ihm Schmerzen verheimlichte. Allerdings hatte er vorhin beim umräumen, ins neue Regal auch eine Packung Schmerzmittel gefunden und da er so etwas seit Jahren nicht mehr im Haus hatte....
Er seufzte, legte ihr einen Arm um und führte sein Mädchen aus der Schule hinaus, zu seinem alten Wagen. „Sonst... war alles klar?“
„Ja.“
„Okay.“

xXx


In der Wohnung beobachtete Peter wie Mae Lin vom Tisch hinüber in ihr Zimmer humpelte und hob wachsam die Brauen. Es ist nicht ihr Fuß. Er warf einen Blick nach hinten, zu seinem Vater. Der Shaolin war erst vor einer halben Stunde passend zum Essen wieder gekommen, nach dem er den Tag über durch die Straßen der Stadt gewandert war, um sich umzusehen. Jetzt sah er ihn mit einer gehobenen Braue und einem Kopfschütteln an. Peter nickte, verließ seinen Arbeitsplatz und ging zum Apothekenschrank. Aus dem Kühlschrank nahm er einen Topf heraus und einen Spatel. Wortlos nahm sein Vater seinen Platz am Arbeitstisch ein und er ging seiner Tochter nach.

Caine schaute seinem Sohn nach. Schon interessant wie sich die Dinge plötzlich völlig verändern. Sonst bin ich dir nach, mein Sohn. Er schmunzelte. Mit ein wenig Sorge begann er sich im nächsten Moment zu fragen, ob sein Sohn etwas erreichen würde.
Sie beide hatten am Vormittag noch ein zweites Gespräch über Mae Lin geführt und Peter hatte ihm seine Sorge darüber mitgeteilt, dass das Mädchen womöglich deshalb eisern über die Schmerzen schwieg, weil sie fürchtete die Tortour bei verschiedenen Ärzten und Therapeuten könnte sich wiederholen. Inzwischen begann der Ältere die Ansichten seines Sohnes zu teilen und versuchte sich daran zu erinnern, welche Kung Fu und Qi Gong Übungen, sein Vater einst bei Meister Dan Zhoun angewandt hatte, konnten sie womöglich helfen?
Er sollt wohl nochmal darüber nachdenken und mit seinem Sohn reden.

Peter stand derweil vor dem Bett seiner Tochter die ihn gerade erst bemerkt hatte, als sein Schatten auf sie fiel. Kaum merklich war das Mädchen zusammen gezuckt und sah ihn nun fragend an. „Ich möchte mir deinen Fuß ansehen und... das Knie.“
„Was? Ich meine... musst du nicht tut auch kaum noch weh.“
Wie zur Bestätigung schlug sie sich mit der flachen Hand auf das Knie und zog dann das Bein an, klopfte auf den Knöchel. „Siehst du?“
Und wie er gesehen hatte, sie hatte fast unsichtbar die Lippen zusammengepresst, als sie das Bein angezogen hatte. Er nickte und hielt ihr den braunen Topf hin. „Ich möchte es mir dennoch ansehen und es eincremen.“
„Ach, das kann ich doch gleich tun und außerdem hat doch die Schwester schon was drauf gemacht.“

Er musterte sie und nickte, stellte den Topf von ihr unbemerkt auf das Nachtschränkchen und schon saß er auf Höhe ihres Knies auf ihrem Bett. Verwundert sah sie auf, musterte ihn argwöhnisch.
„Willst du mir nicht sagen was los ist?“
„Ich...“, sie schwieg und sah auf irgendeinen Punkt auf ihrer Tagesdecke. Peter schlug mit einer schnellen Armbewegung nach oben seinen weiten Ärmel zurück, ehe er die nun freie Hand nutzte, um ihren Kopf anzuheben. „Lass mich den Knöchel ansehen.“
„Nein, das kann ich auch alleine. Danke für die Creme.“

Peter nickte, zog seine Hand zurück und legte sie auf ihre Hände. „Wovor immer du Angst hast. Ich will das du weißt, ich werde nie etwas tun, zu dem du nicht bereit bist, das du... nicht willst.“
Sie nickte und senkte den Kopf noch ein Stückchen mehr. Er unterdrückte ein Seuftzen, ließ seine Hand wo sie war, da Mae Lin mit ihren Fingern nervös mit den Seinen spielte. Einen Moment beobachtete er ihre Hände, dann schlug er mit einer weiteren Armbewegung den weiten Ärmel des zweiten Armes zurück und ehe Mae Lin reagieren konnte, hatte er die Hand gesenkt und sie unter ihren Knöchel geschoben. Sie wollte den Fuß zurückziehen, doch er hielt fest. „Bitte... nicht.“
Sie seufzte und schloss resigniert die Augen, er lächelte und die Finger seiner zweiten Hand strichen über ihren Knöchel, berührten kaum ihre Haut. „Du hast dir deinen Knöchel gar nicht umgeknickt, richtig?“
Sie schwieg.
Peter drückte kurz ihre Hände, stand dann auf, fasste ihren Kopf, zog sie etwas näher und küsste ihre Stirn. „Gute Nacht. Ich lass dir die Creme hier.“
Wortlos ging er raus, auf Höhe der Tür aber bemerkte er ihren Blick. Deutlich spürte er ihren Widerwillen, dann war er aus dem Raum. Sein Blick ging nach rechts zu seinem Vater.
„Und?“
Peter schüttelte den Kopf.

„Soll ich es vielleicht einmal...“
„Nein. Ich habe ihr die Creme dagelassen. Ich rede morgen nochmal mit ihr.“
„Wie du meinst.“
„Danke.“
„Du schläft also... heute Nacht mit mir hier?“
Peter nickte. Caine nickte. „Gut.“

Es war mitten in der Nacht als sie aufwachte und erst als sie sich herumdrehte wusste sie was sie geweckt hatte. AUA! AU! Keuchend rollte sie sich augenblicklich zurück auf den Rücken.
Shitt!
Sie hatte am Abend die Creme ihres Vater benutzt, sie hatte gehofft, das es reichen würde. Aber wie es schien, war der Sturz im Unterricht deutlich zuviel gewesen. Sie rang noch immer nach Atem und spürte ihren Herzschlag bis zum Hals.

x

Peter schreckte hoch. Lauschte. Nichts.
Er sah nach links und ein Stück hoch. Sein Vater schlief ruhig, zumindest soweit Peter das zu sagen vermochte. Sein Atem war gleichmäßig, ruhig und tief.
Aber irgendetwas hatte den jüngeren Shaolin geweckt. Eine Stimme, da war er fast sicher. Hatte er geträumt?
Er setzte sich in den schneidersitzähnlichen Meditationssitz und schloss die Augen. Momente später wurde seine Atmung flacher, sein Herzschlag wurde ruhiger. Gerade als er in die Meditation abtauchen wollte, da hörte er es wieder.

Aaah!

Dad.

MIST!

x

Noch während sie sich zu beruhigen versuchte öffnete sich die Tür und der flackernder Schein einer Kerze fiel in den Raum. Rasch schloss sie die Augen und versuchte ruhig zu atmen. Die Tür schloss sich wieder. Sie atmete aus.

„Ich weiß das du wach bist.“

Sie öffnete die Augen und durchsuchte wachsam die Dunkelheit in ihrem Zimmer. Doch sie sah ihn erst, als er sich über sie beugte. Dad?
Wie... wie ist er... träume ich?

x


Peter spürte das sie wach war. Er löschte das Licht mit einer raschen Handbewegung vor der Kerze und schloss die Tür. Deutlich konnte er hören wie sie ausatmete, sie schien erleichtert wieder alleine zu sein. Doch den Gefallen tat er ihr nicht. Lautlos ging er auf sie zu.
Er sprach sie an. Sie fuhr zusammen, hielt die Luft an.
Er wusste das sie lauschte und ebenso wusste er, sie würde ihn nicht hören. Langsam begriff er, wie sein Vater immer und überall einfach so hatte auftauchen können. Er lächelte, dann sah er mit einem warmen, aber neutralen Blick zu ihr, beugte sich etwas vor. „Ja und du träumst nicht.“
„Wie... wie kannst du...“
„Ich spüre dich.“, antwortete er leise und setzte sich auf Höhe ihres Beckens auf ihre Bettkante. „Deine... Angst, deine.. Sorgen, deine Freude, und... deinen Schmerz.“


Sie zuckte erneut zusammen und er stützte sich mit den Händen rechts und links von ihr ab, beugte sich vor. „Du hast mich vorhin gerufen und aufgeschrien. Da drinnen.“, er tippte sich an die Stirn. Mae Lin schüttelte den Kopf. Peter streckte seine Hand aus und schaltete das Nachtlicht ein. Prüfend musterte er sie und legte dann eine Hand auf ihre Linke Seite, genau an ihre Hüfte und strich mit der flachen Hand locker höher und schräg hinauf bis zu ihrem Becken, er wusste genau das dort die Narbe war. Auf halber Strecke der Narbe hielt er inne und übte leichten Druck aus. „Hier.“
„Aaah, aua!“, stieß sie keuchend hervor und blickte ihn schmerzverzerrt an, dicke Tränen rannen aus ihren Augen. Das sie so starke Schmerzen hatte erschreckte nun wiederrum ihn und rasch legte er beide Hände auf jene Stelle, schloss die Augen schickte seine Energie an dieser Stelle in ihren Körper. Sie starrte ihn an. „Besser?“, fragte er besorgt.
Sie nickte zitternd und mit zusammengepressten Lippen. „Warum... hast du nur nichts gesagt, mmh?“
„Ich... ich will nich wieder ins Krankenhaus, ich...“
„Aber... du kannst dich ja kaum noch bewegen.“
„Erst... seit jetzt. Im... Im Sport... bin ich hingefallen.“
„Auf diese Seite.“, stellte er nickend fest und strich sanft weiter den Weg der Narbe hinauf. „Ich hol dir was gegen die Schmerzen.“ Sie tat ihm Leid, wieviel Angst musste sie nur haben, dass sie lieber so sehr litt. Er löste die Hand von ihrem Becken und wollte aufstehen, als sie zischte. „Uuuh.“

Peter schaute sie zuerst etwas irritiert an. Sie presste ihre Hand auf die Stelle wo zuvor seine gelegen hatte. In ihrem Gesicht spiegelte sich Schmerz. Sanft schob er ihre Hände beiseite und schob seine wieder auf die Mitte der Narbe, sie entspannte sich bereits wieder, ehe er seine Energie auf die Reise schickte. Sanft strich er ihr mit dem Daumen über den Oberschenkel. „Ist gut, Ich bleibe.“
„Nein... die... die Medizin.“
„Vater ist noch da.“, er schloss die Augen. Dad? Paps?
Paps? Hörst du mich?

Kurz spürte er deutlich die Präsens seines Vaters, fragend, wartend. Er nickte und öffnete die Augen, sah ohne die Verbindung zu lösen auf seine Tochter und ihr noch immer von Schmerz sprechendes Gesicht. Deutlich spürte er die warme Präsens seines Vaters und so etwas wie Verständnis. Er lächelte.
„Woher... woher soll Grandpa wisssen was du möchtest? Du...“
„Er weiß es schon.“, er lächelte, als...

Die Zimmertür öffnete und Kwai Chang Caine kam herein, in der Hand eine dampfende Schüssel. „Wie hast du.. wie habt ihr....“
„Er ist meine Vater. Wir sind verbunden wie du ich. Er kann mich spüren, wie ich dich und ihn.“
„Kung Fu?“
„Zu einem kleinen Teil, es ist mehr... ein... Familienerbe.“
„Kann ich das auch?“
„Irgendwann, sicher.“, sagte ihr Großvater beugte sich vor und küsste ihre Stirn. „Wenn du bereit dazu bist, wirst du es verstehen und lernen zu beinflussen.“
Sie nickte und sah ihrem Großvater nach, wie er verschwand. Sie sah zu ihrem Vater. „Ist... ist das schwer?“
Er lächelte breit. „Nicht... wenn du es verstehst. Aber... bis dahin... ist noch ein weiter Weg.“
Sie nickte. Diese Antwort kannte sie schon. Manchmal war sie nervig und frustrierend, aber manchmal da weckte sie auch ihren Ergeiz. Früher einmal. Früher als sie noch Sport geliebt hatte und Kung Fu. Sie senkte jetzt wo sie saß den Blick und presste die Lippen zusammen.
„Was hast du?“
„Ich... ich es ist vorbei, ich werde es nicht lernen. Nie. Ich...“
„Warum denkst du das?“, er hob ihren Kopf an, sah ihr genau in die Augen, sie wollte wegsehen, doch sie konnte nicht. Sein Blick hielt sie gefangen. Sie schloss die Augen. „Weil ich... die Übungen nicht kann, es... tut weh.“

Peter durchströmte ein Gefühl von Erleichterung, ihm war klar, dass er dieses Geständnis gerade mehr ihrer Frustration verdankte, als dem Vertrauen zu ihm, dennoch. Sie hatte es ausgesprochen. „Du kannst lernen und du wirst.“, sagte er leise und bat sie ihn anzusehen, es dauerte etwas, bis sie seiner Bitte nachkam und ihn ansah. Er nickte ihr zu, lächelte und strich ihr über die Wange. „Kung Fu... ist so viel mehr, wie auch die Wege der Shaolin. Und... du wirst wieder Sport machen, vertrau mir. Versuch es.“
„Ich... kann nicht, schon laufen dann...“
„Nicht jetzt sofort. Und ich meinte... versuch mir zu vertrauen.“
Sie sah ihn aus großen Augen an, schluckte und schüttelte traurig den Kopf. „Wie willst du was ändern?“, fragte sie leiser werdend, „ich dachte... es ist gut und ich habe... solange all die Übungen gemacht und alles was die Ärzte wollten und ich... gehe da nicht mehr hin, dann... dann höre ich lieber auf und du... musst mich nicht unterrichten.“

„Ich habe nicht vor, damit aufzuhören.“, sagte er leise und zog sie sanft in seine Arme. „Ich habe auch nicht vor, dich zu jemandem zu schicken. Ich arbeite mit dir, ich werde dir helfen.“
Sie schaute auf, seine Hand blieb an ihrem Hinterkopf. „Du?“
Er lächelte ihrem fragenden Blick entgegen und nickte. „Die chinesische Heilkunde kennt viele Geheimnisse und die Shaolin auch. Lass es uns versuchen. Hab vertrauen, zu dir. Zu mir. Deinem Großvater, mmh?“ Nachdenklich schaute er sie an. „Kannst du das?“
Sie nickte, lehnte sich bei ihm an und hielt seinen Arm fest, zog ihn enger an sich. Peter spürte deutlich ihr Bedürfnis nach seiner Nähe, ihre Angst, die keinen bestimmten Fokus zu haben schien, es war nicht nur der Schmerz und seine Folgen. „Was... was ist... mit Sport?“
„Ich rede mit Dr. Wong und deiner Direktorin.“
Sie nickte.

Peter gab ihr noch eine Weile bis er spürte wie sie ruhiger wurde. Sie veränderte ihre Position und zuckte. Er wusste sofort wieso, nicht nur das er es spürte. Es war ihr anzusehen. „Komm, leg dich hin. Auf den Bauch.“
Kurz sah sie ihn prüfend an. Doch sie nickte und löste sich von ihm, legte sich ins Bett. Sanft und vorsichtig begann er sie zu massieren und dabei die Tinktur in ihre Haut einzureiben, die sein Vater vorhin gebracht hatte. Nach und nach entspannte sie sich und als er sie schließlich zudeckte, war sie längst wieder eingeschlafen. Er sah ihr noch etwas zu, stand schließlich auf und ging nach nebenan, alles wegräumen.

„Peter?“
„Es sind... alte Verletzungen, ihre Narbe an der linken Seite, sie geht von der Hüfte nach hinten hoch bis in den Rücken. Die Muskeln sind verspannt und inzwischen tut ihr fast die ganze Seite weh. Ich... habe ihr gesagt, wir kriegen das hin.“
„Das denke ich auch.“, sagte Kwai Chang Caine. „Das wirst du. Ihr beide.“

x

Am nächsten Morgen war er bereits alleine wie Mae Lin erwachte und zu ihm in den Wohnraum kam. Sie wirkte besorgt und ein wenig aufgeschreckt. „Komm, setz dich zu mir.“, bat er und bedeutete sich zu ihm an den kleinen Tisch zu setzen. Verwirrt blinzelte sie ihm entgegen. „A-aber... es... es ist... schon spät. Ich... werde noch mehr wie die zweite Stunde verpassen.“
„Du wirst heute hier bleiben.“
„Ich...“
Er schüttelte den Kopf und sah sie ernst an. „Ich habe eine Aufgabe für dich, die... wird dich heute genug fordern. Und David Wong wird heute noch vorbei kommen.“

„Nein!“, rief sie aus. Peter aber nickte, legte ihr eine Hand auf den Arm und sah sie ruhig an. „Atme tief durch. Langsam. Gleichmäßig.“, sprach er sehr leise und nahm beruhigt zur Kenntniss, wie sich Mae ein wenig beruhigte und entspannte. „Komm, geb mir jetzt deine Hände.“
Er nahm sie über den Tisch hinweg und umschloss sie sanft mit seinen Fingern. „Spürst du die Wärme?“, fragte er und beobachtete sie kurz, ehe er selbst wieder seine Augen schloss. „Ja. Deine Hände, sie sind....“
„Schscht. Entspann dich! Atme. Atme ruhiger, langsam. Ja... so, gut. Gleichmäßig... ja.“, sprach er ruhig weiter. Sie atmete ruhig und tief weiter. Er tat es ihr gleich. „Spür die Wärme und wie sie wächst, wie sie sich ausbreitet, deine Arme hinauf...“, leitete Peter sie an, „... es wärmt deine Hände und Arme, ganz angenehm und breitet sich immer weiter... immer schneller aus. Bis hoch in deine Haarspitzen und... hinunter in die Zehen. Die Wärme nimmt zu und erfüllt dich ganz.“

Sie zuckte zusammen, als er sie unterbrach und seine Stimme gleich darauf wieder belehrend wurde, als er die Meditation fortführte. Sie begriff, oder glaubte zumindest zu verstehen, was er vorhatte. Es gefiel ihr, dass er sich Zeit für sie nahm. Es war neu für sie, zu spüren wie viel Wärme jemand durch das Qi schicken oder aufnehmen konnte. Aber war es das Qi?
Langsam, öffnete sie die Augen, als die Wärme verging und eine wohlige innere Stärke in ihr zurückließ. Sie schaute zu ihrem Vater, sah ihn direkt an.
„Vater? Was..., nein, wie hast du das gemacht?“
Er lächelte und legte den Kopf ein klein wenig schief. „Das war... einfach.“
„Zeigst du es mir?“
„Noch nicht. Aber... wenn du soweit bist.“
Unwillkürlich verzog sie das Gesicht, ehe sie seufzte und nickte. Fragend blickte sie ihren Vater an und wartete.

„Geh dich jetzt duschen. Danach... zieh dir... über was ich dir ins Bad gelegt habe und warte im Meditationszimmer.“, er stand bereits auf und ging zu seinem Apothekentisch. „Ich soll dich dann also rufen?“, fragte sie. „Nein.“, erwiederte er ihr und schüttelte den Kopf. „Ich werde wissen, wenn du soweit bist.“
„O-okay.“, gab sie etwas unsicher zurück und stand auf. Aus den Augenwinkeln beobachtete er sie dabei und sah genau wie sie zusammenzuckte, kaum das sie aufstehen wollte. Sie verzog das Gesicht, kniff die Lippen zusammen und stand dann deutlich umständlich auf, allerdings ohne die linke Seite groß zu belasten. Sie hat schon wieder starke Schmerzen. Ich hätte sie heute Nacht doch noch einmal wecken sollen. Ein wenig besorgt blickte er ihr nach, seufzte und schüttelte den Kopf. Rede mit mir Mae. Ich bin da.
Er begann damit einige trockene Blätter von ihren Zweigen zu zupfen und in einem Gefäß zu sammeln, als der Boden bedeckt war, nahm er sich die nächsten Pflanzenstiele vor und zupfte die Blüten ab. Danach nahm er von einer anderen Pflanze nur die Blütenblätter.

„Meister Caine?“
Er hob den Kopf und blickte hinüber zur Tür. Eine junge Frau stand in der Tür und richtete ihren Blick bittend auf ihn. Er erkannte sie wieder. Es war die junge Schwangere, der er vor einigen Wochen bereits Linderung verschafft hatte.
Lächelnd trat er ihr entgegen. „Haben... die Kräuter geholfen?“, fragte er, nickte ihr zu und verbeugte sich auf Shaolinart. Sie nickte und rieb sich über den größer gewordenen Bauch. Sie lächelte zurück. „Ja, danke. Aber... ich habe keine mehr. Haben Sie... ich meine... könnte ich wohl...“
„Noch ein paar Kräuter haben? Einen neuen Tee? Ja.“, er nickte und führte sie zum Bett, platzierte sie darauf und ging vor ihr in die Knie. „Wie geht es Ihnen, Maya?“
„Gut, danke.“, sagte sie leise und nickte ihm zu. „Es... geht uns gut.“
„Sicher?“
Sie nickte.
„Warum... sind Sie dann in Sorge Maya?“
Sie wirkte kurz erschrocken, senkte gleich darauf eilig den Kopf und schloss die Augen. Sie schüttelte den Kopf. „Bitte... bitte Meister Caine.“
„Entspannen Sie sich.“, sagte er leise und legte ihr eine Hand auf die Schulter. Sie war deutlich angespannt. Er begann vorsichtig damit ihre Anspannung zu lösen, strich mit seiner Hand dann langsam ihren Rücken hinunter. Als sie ruhiger und lockerer vor ihm saß, legte er eine Hand auf ihren Bauch und er spürte wie die Anspannung zurückkehrte. Er schaute auf, legte ihr eine Hand an die Wange. „Maya... sie sind sehr besorgt. Sie... haben Angst. Warum?“
„Ich... sie sagen... sie sagen, ich werde es verlieren.“

„Wer sagt das?“, fragte er leise und verwundert.
Noch während er auf ihre Antwort wartete, suchte er nach Störungen in ihren Energiebahnen und Zeichen nach Krankheit, doch von ihren Ängsten abgesehen, Trauer und Unruhe konnte er nichts finden. „Maya? Wer sagt das?“
„Der... der Vater ist... tot. Er... wurde getötet, bei... bei der Schießerei vor drei Wochen. Ich... ich hatte Wehen, inzwischen... zweimal und... und...“, sie brach ab, schüttelte den Kopf. „Sie sagen... sie sagen, es kann wieder passieren, ich... ich habe gehört wie sie sagten, es wird passieren, weil ich...“
„Wegen dem Stress.“, er nickte. „Ich gebe Ihnen einen anderen Tee mit und eine Creme, sie entspannt. Ruhen Sie sich viel aus, versuchen Sie zu schlafen und ich... werde Sie besuchen kommen.“
„Und was... soll das....“
„Sie müssen sich schonen, Ruhe finden und entspannen. Ich werde helfen und wenn Sie viel liegen, ich bin sicher, wir kriegen das hin.“
„Wirklich.“
„Wenn Sie sich schonen.“, er nickte.

Als Maya fort war ging er in sein Meditationszimmer, er hatte vorhin schon gehört wie Mae Lin in den Raum hinüber gegangen war. „Entschuldige, ich hatte... noch eine Patientin.“
„Ich habe euch gehört. Ist... okay.“, sie drehte sich zu ihm herum und deutlich sah er ihre Unsicherheit. „Wieso sollte ich diese leichten Seidenhosen und das Hemd anziehen?“
„Damit du dich gut und frei bewegen kannst, bei unseren Übungen und David gleich Problemlos deine Seite ansehen kann.“
„N-nein. Bitte, ich...“
Er ging eilig zu ihr und legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Hat er dir bisher je weh getan? Außer als er die Blut abnehmen und die Spritzen geben musste?“
Sie schüttelte stumm den Kopf, ihre Schultern sackten ein und sie senkte die Augen.
„Ich werde da sein, aber es ist... wichtig das David einen Blick darauf wirft.“
„Warum? Traust du dir nicht?“

Peter hätte aufgelacht, wenn die Begründung seiner Entscheidung nicht einen ernsten und wenig beruhigenden Anlass hatten. Er seufzte, sie würde es wohl ohnehin erfahren. Er hob also ihren Kopf an und suchte einen Moment lang ihren Blick ehe sie ihn ansah. „Deine Großmutter hat Berufung eingelegt und... sie versucht mich mehr denn zuvor als schlechten Vater darzustellen. Das wird sie nicht schaffen. Aber wir... dürfen ihr keinen Grund geben, an deiner ärztlichen Versorgung zu zweifeln.“









Review schreiben