Das Licht am Ende der Nacht

GeschichteDrama, Familie / P16
Peter Caine
01.10.2015
30.03.2017
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Hallo, Leute!

Auf vielfachen Wunsch und mit Freude präsentiere ich als Bonbon den Beginn: Prolog von Teil 2 meiner Storyline. Sprich, die Fortsetzung von: Das Mädchen im Regen.
Ich wünsche euch natürlich viel, viel Spaß und mir, dass ihr mir ein paar Reviews schenkt.
Allerdings muss ich sagen, dass ich... noch nicht sehr weit bin und ihr daher mit entschieden längeren Pausen werdet leben müssen, wie bei Teil 1 Das Mädchen im Regen.
Dennoch wünsche ich euch jetzt viel Vergnügen mit dem ersten Kapitel meiner neuen Geschichte,
Das Licht am Ende der Nacht




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Kurzinhalt

>Geh nach Chinatown, frage nach Caine.< diesem Satz folgend hat Mae Lin endlich ihren Vater gefunden und muss wie er nun erkennen, das Vertrauen nicht leicht gegeben wird ist es erst einmal erschüttert. Der zurückkehrende Kwai Chang Caine hingegen findet sein altes Zu Hause völlig verändert vor und begegnet in seiner Enkelin einem Mädchen mit dem er bereits eine Erinnerung teilt, außerdem erkennt er, dass Peter inzwischen seinen Weg und seine Mitte gefunden hat, er ist ein Shaolin und in seine Fußstapfen getreten. Jetzt aber müssen Peter Caine, seine Enkelin und sein Vater lernen sich einzuspielen, eine Familie zu sein und sich neuen Herausforderungen stellen...






Rückblick

Er wusste nicht genau was ihn bewegt hatte seine Reise zu beenden, nur das es ihn gedrängt hatte nach Hause zu kommen. Jetzt freute er sich darauf seinen Sohn wieder zu sehen, das Ende seiner Reise war da --- Vater und Sohn stehen sich nach Jahren der Trennung wieder gegenüber, dieses mal ist es anders wie damals, beide wussten vom anderen. Doch von einem, wissen beide nichts....




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--- Buch 2 --- Das Licht am Ende der Nacht ---



KUNG FU

IM ZEICHEN DES DRACHEN



Prolog


------Heimkehr------

Lautlos betrat er das Gebäude und ging die Treppen hinauf. Von hinten ging er in die Wohnung, er wollte seinen Jungen nicht wecken, denn inzwischen war er sicher, das sein Sohn hier war.
Kurz stutzte der alte Mann, dieser Raum sah nach Baustelle aus und hinter der Tür wartete eine halbhohe masssive Mauer. Er runzelte die Stirn, sprang hinüber und verschloss die Tür wieder. Er durchquerte nachdenklich den Raum und schloss die nächste Tür auf.

Genau ihm gegenüber am Fenster stand er. Langsam drehte sich der jüngere zu ihm um, er trug die traditionelle Shaolin Kleidung in einem weiß- beigen Ton. Ein wenig verwundert musterte der Ältere den Jungen, der sich nun zu ihm herumdrehte. „Hallo Paps. Schön dich zu sehen.“

„Schön auch... dich zu sehen.“
Kwai Chang Caine legte sein Gepäck ab und schaute sich im Raum um. „Du... hast mich erwartet?“
„Noch nicht lange.“
Er nickte und sah sich um. Die Stirn des älteren legte sich in Falten, als er das Bett benutzt vor sich sah, in welches er sich hatte heute legen wollen. Fragend schaute er zu seinem Sohn. Der bedeutete ihm stumm zu folgen. Während der Vater, dem Sohn folgte, dachte er darüber nach wie sehr sich Rollen verkehren konnten. Zuletzt war er es gewesen der dem Sohn geboten hatte. Er lächelte. „Verrätst du mir, wenn du beherbgst Sohn?“

Peter nickte und lächelte dann. „Aber erst morgen Früh. Ich finde es nur fair, dann hat keiner von euch beiden einen Vorteil.“, grinste er und wusste den Blick seines Vaters direkt zu deuten. „Tja, ich denke... auch du musst nicht immer gleich alles wissen, alter Mann.“
„Alter Mann?“
Er nickte. „Wenn die Leute heute nach Caine fragen, kommen Sie zu mir. Dich... nennen sie den Alten Mann, und sagen, er sei auf Reise.“
„Sie haben nicht unrecht. Mit beidem denke ich.“
Peter kam zurück aus der Küche und reichte seinem Vater eine Schale Tee. „Nimm das Bett, ich lege mich nach neben an, zu ihr. Auf eine Matte.“
„Ich habe bemerkt das du... umbaust?“
„Morgen, Alter Mann.“, sagte er grinsend und nickte seinem Vater zu.
„Ich beuge mich.“, erwiederte sein Vater scheinbar amüsiert und Peter lächelte, ging zu ihm und sie umarmten einander. „Ich habe dich vermisst.“, flüsterte Peter. Caine nickte. „Ich dich auch mein Sohn, ich dich auch.“

xXx


Sie gähnte, reckte sich und setzte sich im Bett auf. Ihr Blick fiel auf ihren Vater der im typischen, recht unbequem anzusehenden Schneidersitz auf seiner Matte saß. Verwundert schaute sie zu ihm und erhob sich. Er sah nicht auf, zeigte mit keiner Regung, das er sie bemerkt hatte. Doch sie wusste, ihr Vater hatte sie längst bemerkt, vermutlich hatte er schon gewusst dass sie aufwachte, als sie noch halb im Schlaf gewesen war.
Wortlos und nahezu lautlos setzte sie sich ihm gegenüber. Wartete, beobachtete. Dann schloss sie die Augen und begann mit einer Atemtechnik ihre alten Meditationsübungen. Sie spürte wie sie langsam ruhiger wurde, ihr Atem tiefer und gleichmäßiger wurde, ihre Gedanken erst träger und dann scheinbar wacher wurden.

„Gut. Was... hörst du?“

„Ich höre...“, sie lauschte, konzentrierte sich, dann richtete sie die eigenen Gedanken erneut auf ihre Atmung und darauf ihren Körper zu lockern. „... das rascheln meiner Kleidung. Deinen... ruhigen, leisen Atem.... meinen... schnelleren. Uns. Autos, Stimmen, Türen und Fenster....“
Sie spürte wie ihr Geist fast von selbst auf die Suche ging und schließlich lächelte sie, als sie fand, was sie zuvor gestört hatte, weil sie es nicht gesehen hatte. Gehört.
„Den Wind.“, sagte sie leise. „... unter und über den... Markiesen, in... den Blättern und Vorhängen, zwischen den Häusern, es... pfeipft. Vögel.... ich höre Vögel, mindestens... zwei verschiedene Arten. Hunde... oh... eine Katze.“

„Das... war gut.“

Sie lächelte und blickte ihn an. „Habe ich dich... gestört?“
„Nein.“
„Würdest du... es mir sagen, wenn ich dich gestört hätte?“
Er schmunzelte. „Nein.“
„Warum nicht?“
„Weil... du es sicher nicht ohne Grund getan hättest und... dich hier her zu setzen ist auch keine Störung.“, er zuckte mit den Achseln, „vielleicht... eine kleine Ablenkung. Ja. Aber eine Störung? Nein.“
„Ist das wieder... eine Sicht des Betrachters- Sache?“
„Nein. Nicht für mich. Für andere bestimmt.“
„Ich... habe noch etwas gehört.“
„Ja? Was denn?“
„Es ist jemand neben an.“

„Du hast Recht.“, er lauschte ebenfalls, obwohl er es auch längst gehört hatte, sein Vater war wach. Er nickte.
„Wir... haben einen Gast?“
„Es.. ist jemand da, ja. Doch kein... Gast.“
„Nicht?“

„Nein.“ Er stand auf, langsam, wortlos. Ihre Blicke trafen sich, sie erhob sich ebenfalls. „Geh dich duschen und dann komm frühstücken.“, wies er sie lächelnd an. Sie nickte, klaubte ihre Kleidung, wie auch ein neues Handtuch zusammen und lief durch die angrenzenden Räume hinaus.
Einen Moment lang blickte er ihr nach.
Das sie die Vögel und Katzen über den ganzen anderen Lärm noch gehört hatte, das hatte ihn überrascht, er hatte nicht damit gerechnet. Es zeigte jedoch auch, welchen guten Lehrmeister sie gehabt oder, vielleicht war es auch nur Teil ihrer natürlichen Begabung. Es war Peter gleich, er war gerade sehr stolz auf sein Mädchen. Mit diesem Gedanken machte er sich auf den Weg nach neben an, zu seinem Vater. Immerhin... später kann ich ihn mal fragen.

„Sie ist... also wach?“

Peter nickte ihm zu. „Du auch, wie ich sehe.“
„Ich... habe meditiert.“
„Mmh, interessant?“
Kwai Chang Caine folgte seinem Sohn mit den Augen, während er sich einen Tee machte, zwei Schlucke trank und einen weiteren Tee zubereitete. „Was genau ist daran interessant?“
„Nun, sie und ich... haben auch meditiert. Eine... Konzentrationsübung.“
„Du lehrst deinen Gast Meditation? Zu welchem Zweck?“
„Nein.“, antwortete sein Sohn und blickte ihn Sekunden später sehr ernst an. „Ich lehre sie Kung Fu und die Wege der Shaolin.“
„Peter, dies ist kein Tempel, damit... sollte man nicht leichtfertig....“
Er hob die Hand, nickte und wandte sich ab. „Du entschuldigst mich? Ich muss etwas abliefern, ich bin wieder da, ehe... mein Gast zu dir stößt.“

Mit unruhigen Gedanken und besorgtem Blick schaute Kwai Chang Caine seinem Sohn nach. War es das gewesen was ihn zurückgeführt hatte? Die leichtfertige Ausbildung seines Sohnes eines eigenen Schülers?
Er schloss seufzend die Augen.
Caine weigerte sich zu glauben, dass er seinen eignen Sohn und letzten Shaolin- Schüler so schlecht ausgebildet hatte. Tief in Gedanken bekam er gar nicht mit, wie sein Sohn zurückkam. Erst als Peter einen Tonkrug abstellte, fuhr er herum. Argwöhnisch musterte er den jüngeren. „Das war... laut.“
Sein Sohn nickte. „Du... warst eben weit weg.“
„Ja, in der Tat.“, sagte Caine und blieb mit dem Rücken zum Fenster stehen, er hatte eben eine Bewegung aus den Augenwinkeln entdeckt. Jetzt richtete er sein Augenmerk darauf. Durch die Tür zu seinem eigenen, früheren Schlafzimmer war eben einne zierliche Person getreten, sie schloss jetzt gerade die Tür. „Dein... Besuch, Peter.“
Sein Sohn lächelte, schrieb zu Ende und ging ruhig hinüber zu dem Mädchen. Als sie den Kopf hob wurde ihm klar, dass sie noch deutlich jünger zu sein schien, wie gedacht. Also... ein neues Ziehkind. Er stärkt also nur ihr selbstbewusstsein und...

„Komm her, zu mir Mae Lin.“
Caine sah auf. Peter stand noch immer am Küchentisch, wo er gerade die Kräuter ausgebreitet hatte und streckte dem jungen Mädchen nun eine Hand entgegen. Das schwarzhaarige Mädchen ging zu ihm. Peter senkte den Arm jedoch keinesweg, er legte ihn um das Kind. Caine schaute seinen Sohn fragend an, als ihn eine Erinnerung durchfuhr und er das Mädchen nochmal genauer ansah. „Dich, kenne ich.“
Das Kind nickte zögernd. „Die... Bibliothek.“
Er nickte. Peter schaute sie beide verwundert an. „Ihr... seit euch schon begegnet?“
„Einmal, wir stellten einander nicht vor.“, antwortete der Alte ruhig.
Peter nickte und sah von dem Mädchen zu ihm und zurück: „Mae Lin? Das ist Kwai Chang Caine. Vater? Darf ich dir Mae Lin vorstellen? Sie it... meine Tochter.“
Caine sah von dem Mädchen zu seinem Sohn, fragend und begriff....

„Hallo Großvater.“
„Hallo Mae Lin.“, lächelte er. Er hatte sich schon wieder gefangen und trat auf die beiden zu, in der Absicht Mae Lin die Hand zu reichen. Doch das Mädchen, welches er als scheu und zurückhaltend in Erinnerung hatte, mit traurig grünen Augen, fiel ihm bereits strahlend um den Hals.
Überrascht schloss der Shaolin seine Arme um das junge Mädchen und warf seinem Sohn einen Blick zu. Peter zuckte grinsend die Schultern.

„MAE? Mae Lin! Jetzt beeil dich!“

Die beiden Männer wandten die Köpfe um, in Richtung Tür, wo so eben ein Jugendlicher den Kopf in die Wohnung steckte und sie überrascht musterte, er starrte sie an. Mae die an ihrem Großvater vorbei sah, ohne ihn loszulassen grinste. „Oh... Schule! Gleich da!“

Sie sah ihren Großvater dankbar an, löste sich von ihm und trat einen Schritt zurück. Die Hände aneinander verbeugte sie sich wortlos, wartete bis er es ihr gleichgetan hatte und rannte in den Nebenraum. Währenddessen begrüßte der Junge an der Tür den alten Meister. Gleich darauf flog das Mädchen schon regelrecht wieder an ihnen vorbei. „Hey! Hast du nicht was vergessen?“
Das Kind blieb stehen, runzelte die Stirn und schlug sich die Hand an die Stirn. „Na klar! Mein Frühstück!“ Sie drehte sich herum und wollte zurück kommen, doch Peter stand schon am Tisch und hatte die Brottüte seiner Tochter in der Hand. Sie sah ihn abwartend an, ihr Vater lächelte: „Fang auf!“
Sie richtete ihren Blick auf seine Hände. Peter warf und das Mädchen fing geschickt auf, obwohl Peter ziemlich genau einen halben Meter neben sie gezielt hatte. Sie nickte ihm zu und lief zur Tür. „Bis später!“

Caine wartete einen Augenblick und sah dann zu seinem erwachsenen Sohn. „Sie ist... anders, als damals. Wann... kam sie her?“, fragte er ruhig.
„Sie ist jetzt... ein paar Wochen hier. Sie kam... alleine her.“
„Aus... Norfolk?“
Peter nickte.
„Wer... ist ihre Mutter?“
„War.“, antwortete der Jüngere, „Michelle.“
„Oh.“
Peter nickte. „Ja.“
„Ein... Unfall?“
„Irgendwie... ja.“ Peter seufzte, setzte sich auf eines der Kissen, die um den niedrigen Tisch standen und begann ihm von Michelle zu erzählen und über Mae Lins Ankunft. Aufmerksam blickte er anschließend zu seinem Vater auf. „Wie... wie war sie... als... als du sie... getroffen hast?“

Caine sah nachdenklich an seinem Sohn vorbei. Er schloss die Augen und in seinem Geist lief seine Erinnerung an die besagte Begegnung noch einmal ab.

...mitten im Gang steht dieses Mädchen, sie ist vielleicht zwölf... es wirkt als verstecke sie sich zwischen den Regalen, nur vor wem, oder was? Sie wirkt so verloren.
Caine beobachtet eine Weile und durchstreift selber ein wenig die umliegenden Reihen voller Bücher. Als er in besagten Gang zurück kehrt sitzt das Mädchen auf dem Boden und weint leise vor sich hin, die Knie fest an den Körper gezogen und umschlungen.
Wachsam geht Caine neben der Kleinen auf ein Knie. Das Buch neben ihr trägt die Aufschrift: Die Tiere vom Talerwald
Der Shaolin streckte die Hand aus und berührte das Mädchen an der Schulter. „Kann ich... helfen?“, fragt er leise. Das Kind zuckt zusammen, einen langen Moment starrt es ihn an, ehe ihr Blick suchend durch die Gänge geht. Sie schüttelt den Kopf, schnieft. „Nein. Ich... ich muss gehen. Denke ich.“, sie steht auf, hebt das Buch auf und stellt es ins Regal. Es ist nicht der richtige Platz, der Aufschrift nach. Sie ignorieren es beide.
Die Kleine mustert ihn kurz, legt die Hände aneinander und verbeugt sich. „Sie... können mir nicht helfen.“
„Vielleicht... ja doch?“, er zieht leicht die Schulter hoch, sieht sie an. „Wer... weiß?“
„Nein. Ich... ich muss stark sein, ein bisschen noch, dann... ist es vorbei.“
„Was ist vorbei?“
„Alles. Dann... dann kann ich gehen. Danke Euch.“, mit einem tieftraurigen und zugleich scheuen Blick sieht sie ihn an, läuft dann fluchtartig davon. Was bleibt ist das Buch am falschen Platz und ein Shaolin der ihr besorgt nachsieht. Vielleicht würden sie sich ja wiedersehen. Manchmal war das so im Leben.

„Paps?“

„Du sollst mich doch nicht so nennen.“
„Ja, ich weiß.“
„Nein, schon gut. Das... hat mir gefehlt.“
„Tatsächlich?“, die Brauen des Jüngeren heben sich überrascht. Der ältere lacht leise auf und schüttelt den Kopf. „Nein... oder...“, er hebt kurz die Schultern, „...vielleicht.“
Peter lächelt dem Vater ruhig entgegen. „Also?“, fragt er nach, in der Hoffnung die ursprüngliche Frage beantwortet zu bekommen. Der Blick seines Vaters wird beunruhigend ernst, als sich ihre Blicke treffen. „Sie war... traurig. Und sie schien... besorgt, ich hatte... den Eindruck sie würde reden wollen, habe aber... zugleich zu viel Angst.“
Peter nickte und schloss die Augen. „Vermutlich war das auch so. Erinnerst du dich an... Michelles Mutter?“
„Amalia Trachtenberg?“, fragte Caine und nickte mit einem Gesicht das deutlich machte, wie wenig er die Frau gemocht hatte. „Sie lebte am Ende mit Michelle bei dieser Grauenhaften Person, seit... seit dem Unfall.“
„Peter! Menschen können sich ändern.“
„Können, müssen nicht und diese wird es nicht. Ich bin sehr froh, das der Richter alleine mir alle Rechte zugesprochen hat. Du... du hast sie nicht erlebt als sie herkam.“, er stand auf.

„Du... machst dir noch immer Sorgen?“
Peter seufzte und nickte dann. „Ja.“
„Worüber?“
„Mae war mit in diesem Wagen, sie... sie hat schwere Verletzungen davon getragen, am linken Oberschenkl und dem Becken, am Rücken. Seit dem... hat sie Panik vor Ärzten. Sie hatte... vorher mit Kung Fu angefangen, ich denke... sie war richtig gut.“
„Du denkst?“
Er nickte.
„Du sagtest doch, du unterrichtest sie. Solltest du... es dann nicht wissen und ihr Können verbessern?“

Der jüngere Shaolin schüttelte den Kopf und sah besorgt in die Richtung seines Vaters. „Wir sind erst angefangen, gestern und... bis dahin... war ich nicht ganz sicher.“
„Womit?“
„Sie... hat Schmerzen, Paps. Nicht... immer denke ich, aber... bei bestimmten Bewegungen. Sie... verneint es aber. Ich... ich weiß dass sie mir traut aber... sie sagt es nicht und... sie ist wirklich gut darin mich mental abzulenken.“
„Denkst du... sie macht es... bewusst?“
„Nein.“, antwortete er und schüttelte den Kopf. „Ich denke... es ist ihre Angst.“
„Dann... versuche ihre Anspannung zu lösen, sie... von der Angst zu befreien.“
„Wie soll ich das machen?“
„Komm her!“

Peter trat auf seinen Vater zu, sah ihn fragend an. Doch Kwai Chang Caine trat um ihn herum und strich kaum merklich über seinen Rücken. „Wie kann man als Shaolin Meister so verspannt sein?“
„Ich... war zu viel auf Mae Lin konzentriert.“
„Das ist nicht gut. Wenn du ihr helfen willst, musst du im Einklang sein.“

Peter schwieg und besann sich stattdessen auf seine Atmung, während die geschickten Finger seines Vaters begannen ihn zu massieren und die Verspannung zu lösen. Er merkte wie mit der abfließenden Anspannung auch mehr Ruhe in ihn eindrang. „Bist... bist du das?“
„Was?“
„Die... Ruhe.“
„Nein. Die... kommt von alleine, dü fühlst sie bei mir, bist du entspannt und empfänglich.“
„Jetzt verstehe ich.“
„Ja?“
„Ja.“, er nickte. „Wenn sie völlig entspannt ist, dann vermag ich es womöglich zu spüren.“
„Ja.“
„Danke Vater.“
„Nein, ich habe zu danken.“
„Du?“
Caine nickte und sah ihm ruhig entgegen. „Jetzt weiß ich, wieso ich hier bin.“
„Ach ja?“
„Ja. Ich bin hier... weil du mich brauchst, für... sie.“

„Ah und ich dachte du bist hier, um deine Enkeltochter kennen zu lernen. Dumm von mir.“, neckte Peter seinen Vater und trat an den Tisch. Während der Ältere leise lachte, begann Peter die Kräuter zu sortieren. Minuten später, standen Vater und Sohn beide gemeinsam am Tisch und arbeiteten.

xXx


Sie rutschte unruhig auf ihrem Stuhl herum und sah resigniert auf die Uhr. In zehn Minuten war Mathe vorbei und dann stand Sport auf dem Plan. Sie seufzte und stützte den Kopf resigniert in die Hand.
In der letzten Woche hatte sie Sport und Volleyball mitgemacht und recht schnell kapituliert. In Sport hatte sie nach einer knappen halben Stunde und dem ersten Laufspiel vorgetäuscht umzuknicken und beim Volleyball einen Tag später sich das Handgelenk geprellt zu haben. Da sie beides nicht mit Rica und einem der anderen hatte, war sie davon ausgegangen, das es schon klappen würde. Doch vorhin hatten ihr dann Rica und Tamoe Hals und Bein Bruch gewünscht und erklärt sie drückten ihr die Daumen, dass nicht wieder ein Unglück passierte. Was bedeutete, noch einmal konnte sie sich nicht so banal verletzten ohne das ihr Vater und nun auch Großvater etwas mitbekamen. Denn inzwischen war sie mit Rica und vor allem auch ihrem Bruder Dao Shan gut befreundet, sie tauchten unweigerlich hier und da bei ihr zu Hause auf.
Sie seufzte tief.

„He, was ist los yángguāng?“
Ihre Mitschülerin stieß sie kichernd an. „Du siehst aus, als erwarte dich gleich deine Hinrichtung.“
„Mmh.“
Es klingelte und sie starrte verdrossen auf ihren Block. Es war soweit.
„Sag mal Mae Lin geht’s dir nicht gut?“
„Wie?“, sie zuckte zusammen. Die andere lachte leise. „Man, du warst wohl ganz schön weit weg. Ich fragte, ob es dir nicht gut geht.“
„Nicht so, weiß auch nicht.“, erklärte sie ein wenig betreten und sah bewusst weg, räumte dazu rasch ihre Sachen weg. Ganz gelogen war das ja nicht mal, gut ging es ihr nicht, nur dass sie den Grund nicht kannte stimmte eben nicht wirklich. „Ach was soll`s.“, fügte sie rasch hinter her, als sie den eindringlichen Blick der anderen bemerkte und bemühte sich um einen unbeschwerten Gesichtsausdruck, „die zwei Stunden Sport werd ich auch schon noch schaffen. Richtig?“
Noch immer etwas skeptisch nickte das andere Mädchen und deutete den Flur hinunter. „Und ich mein Schwimmen. Na dann, wir sehen uns Morgen Mae.“
„Ja, danke. Bis dann!“

Nachdenklich durchstreifte sie die Korridore und brachte ihre Bücher weg. Nachdem die Bücher gegen den Sportrucksack ausgetauscht waren machte sie sich auf den Weg zur Sporthalle. Mae Lin fühlte sich schrecklich. Mit jedem Schritt hatte sie mehr das Gefühl zu einer Hinrichtung zu gehen. Sie hatte den Sport einmal geliebt, jede Form von Bewegung die Geschick und Körperbeherschung verlangte. Das ganze letzte Jahr, seit ihre Mum ihr von ihrem Vater erzählt hatte, war da die Hoffnung und die Vorfreude gewesen, endlich wieder Sport machen zu können und kung Fu und nun...
So langsam wie es nur irgend ging zog sie sich um und folgte den anderen in die Sporthalle. Was sie dann sah ließ sie böses ahnen. Sie schluckte. Bockspringen! Trampolin!
Seufzend schluckte sie. Dann kam das Kommando der Lehrerin, 5 Runden laufen. Mae Lin fügte sich. Sie blieb bewusst als eine der letzten hinten, dennoch hatte sie schon zu Beginn der Dritten Runde Seitenstiche, die sich dummerweise keineswegs durch irgendeine Atemtechnik wegatmen ließen, da sie sich um ihre Narbe herum fokusiert hatten. Sie ließ sich weiter und weiter zurückfallen. Bis die Lehrerin sie am Ende in der Mitte der letzten Runde zu sich winkte. Mae Lin schluckte.

„Ja?“
„Sie sollten in Ihrer Freizeit laufen, oder Sie könnten am Wochenende in die Bodenturn- Gruppe kommen und wenns nur fürs Lauftraining ist. Sie... müssen besser werden.“
Mae Lin nickte betreten, rieb sich die Seite, nachdem die Lehrerin sie auf die Bank geschickt hatte und das nächste Mädchen zu sich winkte. Missmutig starrte Mae Lin auf ihre Fußspitzen. Noch mehr laufen? Frustriert unterdrückte sie ein Kopfschütteln und auch sonst jedes Zeichen des Ärgers den sie empfand und stand Momente später gemeinsam mit den zwei anderen Mädchen und Michael, den Miss Smith ebenfalls rausgewunken hatte auf. Sie versammelten sich mit den anderen um die Lehrerin und die bestimmte als erstes sie vier zu den Mannschaftsführern, dann mussten sie abwechselnd die Spieler für ihre Mannschaft bestimmen. Mae Lin fragte sich unwillkürlich wie lange sie durch halten konnte, bevor der Schmerz so stark wurde, das jede Bewegung zur Qual wurde.

Sie schluckte und schaute vom Netz hinter sich zu ihrer Mannschaft. Die Mädchen und Damian nickten, sie nickte zurück und sah nach vorne. Die Lehrerin pfiff und das Spiel begann. Nach zehn Minuten hatten sie und Michael aus der anderen Mannschaft den Ball so unsanft abbekommen, das ihrer beider Unterarm aussah, als seien sie einer heißen Herdplatte, oder der Sonne punktuell zu nahe gekommen. Sie rieb sich die gereitzte Haut und verdrängte den aufkommenden Schmerz auf der linken Seite. Warum musste ausgerechnet heute im Sport auch Volleyball dran sein? Das hatte sie doch morgen schon!
Der Ball kam fast genau in ihre Richtung sie machte einen Satz nach links, stieß überaus unsanft mit ihrer Mitschülerin zusammen, kam aus dem Tritt und landete sehr ungalant mit einem Aufschrei am Boden. Ihre ganze linke Seite brannt vor Schmerz, sie schaffte es nur, dank einer Atemtechnik sich zu beherrschen und nahm dankbar Jennifers Hand, die ihr aufhelfen wollte. Doch als sie die linke Seite belastete durchfuhr sie ein unheimlischer Schmerz und fluchend stützte sie sich gegen Jenny.

„Mae Lin?!“, besorgt kam die Lehrerin zu ihr.
Zähneknirschend sah sie die Lehrerin an, dass hatte sie sich irgendwie anders vorgestellt oder? „Mein...“
„Sie hat sich beim fallen das Bein verdreht.“
Mae Lin nickte einfach und vermied es mit der linken Seite aufzutreten. „Jennifer? Sebastian? Sie beide bringen unseren Unglücksraben auf die Krankenstation. Sie haben aber auch ein Pech Mae Lin.“
Sie presste die Lippen zusammen. „Wem sagen Sie das.“, grummelte sie.
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