Unwanted Gift

von xNadzika
GeschichteDrama, Thriller / P16
Ben Eduard Gretel Hänsel Muriel OC (Own Character)
30.09.2015
10.04.2016
9
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Ich schaue sie an - halb überrascht, halb geschockt. Das Mädchen war bildhübsch, aber das totale Gegenteil von Mina.      Ihre langen Haare waren pechschwarz, ihre Augen mit Angst gefüllt. Sie schimmerten in einem wunderschönen blau-grün Ton, den ich außer bei mir, bisher nur ein Mal in meinem Leben gesehen hatte. Ihr Körper sah so zerbrechlich aus, dennoch war sie stark genug gewesen die Hexe in Kleinteile zu zerlegen und zu verbrennen.      Ein bewundernswertes Mädchen - sagte ich Mädchen? Ja, denn älter als vierzehn konnte sie nicht sein.

„Wer bist du?“, flüsterte ich, nachdem ich mich gefangen hatte. Mein Gefühl sagte mir, dass sie weder eine böse, noch eine gute Hexe war. Ja, auch bei Mina hatte ich mir geirrt, doch erst da war ich über gute Hexen aufgeklärt worden. Seit ihrem Tod war ich auch keiner anderen ihrer Art begegnet.    Das Mädchen war mir so fremd und doch schaute sie einer Frau ähnlich, die vor Jahren eine gewisse Rolle in meinem Leben gespielt hatte. „Wie heißt du?“

Sie rührte sich nicht, blickte mich nur an, ohne etwas zu sagen. Im nächsten Moment zog sie ihren Arm weg und erhob sich.

„Warte!“ Ich zwang mich wieder auf die Beine, schnappte meine Tasche und Schusswaffe, deren silberne Verzierung im Mondlicht glitzerte. „Warum hast du mich gerettet?“ Ich war verdammt neugierig. Dieses komische Gefühl im Magen führte dazu, dass ich ihr durch den Wald folgte. Gretel und den Rest unserer Truppe hatte ich bereits vergessen. Die Begierde nach Wissen und nach Bestätigung meiner dunklen Vermutung überwog den Gedanken an rationales Handeln. „Wieso läufst du nun weg?“ Ich beschleunigte mein Tempo, um sie nicht aus den Augen zu verlieren. „Du weißt wer ich bin, oder?“ Ich ließ nicht locker. „Woher weißt du von meiner Zuckerkrankheit?“ Die Unbekannte kletterte über einen umgefallenen Baumstamm, der ihr den Weg versperrte. Ich sprang mit Leichtigkeit über das Hindernis, womit ich sie einholte. Erneut fasste ich ihren Arm, damit sie stehen blieb. Erst jetzt bemerkte ich den Größenunterschied, weshalb ich wohl bedrohlicher erschien, als ich es eigentlich war.    Etwas feuchtes, dunkelfarbiges an ihrem Hals zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ihr Blick war starr auf mich gerichtet, während meine Finger sich langsam ihrem Hals näherte. Ihre Fingernägel bohrten sich in das Fleisch meines rechten Unterarmes. Ich spürte wie sie zusammenzuckte, als ich die Wunde berührte. Dennoch gab sie keinen Laut von sich. „Kannst du überhaupt sprechen?“, fragte ich. Mehrmals schon hatte ich davon gehört, dass Menschen einfach keine Stimme besaßen. Den Grund dafür kannte man nicht, Ärzte wussten die Ursache nicht. Die Kirche sagte, dass es das Werk des Teufels sei,a aber ich glaubte nicht daran,d wenn somit wäre ich mit meiner Zuckerkrankheit auch verflucht, was mich jedoch nicht kümmern würde - ich schiss auf die Kirche - es war nur eine große Verschwörung.
Ich erhielt keine Antwort, nur einen bösen Blick zugeworfen.

„Hänsel?“, die Stimme meiner Schwester war plötzlich ganz nah. „Hänsel wo steckst du?“ Ich fuhr herum. Sollte ich meinen Standort preisgeben oder nicht? Ich wollte unbedingt die Wahrheit über dieses Mädchen erfahren, aber Gretel würde meinen, dass wir besseres zu tun hätten und Ben, der Knirps, würde Gretel bei jedem Wort das sie sprach zustimmen. Für sie würde er von einem Felsen springen oder sich für sie verbrennen lassen - verliebter Idiot. Er war uns zwar eine Unterstützung, doch anfreunden konnte ich mich nicht vollständig mit ihm.
In der Sekunde meiner Unkonzentriertheit, befreite sich das Mädchen, das mir das Leben gerettet at, aus meinem Griff und lief los.

„Hey, warte!“ Schnell folgte ich ihr über eine Grube. Äste und Zweige knirschten unter meinen Stiefeln. Aus dem nassen Laub drohte ich mein Gleichgewicht zu verlieren. Während ich meine Balance zu finden versuche, verlor’ ich sie aus den Augen. Gretels Rufe hinderten mich zusätzlich daran mich nur auf das Mädchen zu konzentrieren.    Ich rannte weiter geradeaus. Augenblicklich stürzte ich zu Boden, rutschte auf dem Rücken den steilen, schlammigen Waldweg hinunter.
Ugh, widerlich.
Blitzartig stand ich auf. Die Umgebung war anders. Ich befand mich auf einer Lichtung. Aus der dichten Wolkendecke strömte noch immer starker Regen. Meine Haare klebten an meiner Stirn, meine Kleidung haftete an mir wie eine zweite Haut.     Dank des Mondes erkannte ich den Umriss einer laufenden Person ein Stück vor mir im hohen Gras.    Ich lief schneller , merkte wie das Mädchen langsamer wurde. Kurz bevor ich dicht hinter ihr war, kam sie zum Stehen und fiel urplötzlich ins Gras. Ich kniete neben ihr nieder, überprüfte ihren Herzschlag. Nur sehr langsam hob und senkte sich ihr Brustkorb. Ihre Lippen waren blau, fast lila. Ich versuchte erst gar nicht Zeit damit zu verschwenden sie wachzurütteln. Vorsichtig nahm ich sie auf die Arme und lief weiter geradeaus, ohne ein Ziel zu kennen. Eigentlich wusste ich nicht mehr, wi genau ich mich befand, aber zu meinem Glück tauchte ein Haus in meinem Blickfeld auf. Rauch stieg aus dem Schornstein - jemand wohnte darin. Es könnte dem Mädchen das Leben retten.
Als ich dem Gebäude näher kam, sah ich ein schwaches Licht durch die Fenster scheinen. Eine Frau saß am Fensterglas. Sie musste mich gesehen haben, denn sie stand bereits im Türrahmen und wartete verwundert, als ich ankam. Nach einem Blick auf den Körper in meinen Armen verschwand ihre Ruhe und sie wurde leicht hektisch, aber nicht panisch.

„Legen Sie sie auf das Bett!“ Sie erlaubte mir einzutreten und zeigte in die Ecke. Ich tat wie sie mir befahl und legte das, ihr bekannte, Mädchen behutsam ab. Dann nahm ich eine dicke Decke vin dem Stuhl im Zimmer und deckte sie damit zu.
Die Frau kam zurück, in der Hand ein kleines Tablett, darauf eine Tasse mit brühend heißem Tee, eine Spritze und ein nasser Lappen. Ohne zu zögern nahm sie die Spritze und stach sie dem Mädchen in den Oberschenkel, um ihr die Medizin zu verabreichen.
Ich beobachtete, wie das Mädchen aufatmete. Ihre Augen blieben geschlossen, aber ihre Lippen erlangten wieder ihre normale Farbe.   Mein Blick fiel zu der Frau, die mit dem Lappen Dreck und Blut aus dem Gesicht des schlafenden Mädchens wusch. Auch sie hatte schwarze lange Haare, sie war ohne Zweifel die Mutter des Mädchens. Ich räusperte mich. Sie schaute zu mir. Ihre blau-grünen Augen trafen meine. Trotz dessen, dass sich meine Vermutung in dem Moment bestätigt hatte, verschwand das flaue Gefühl in meinem Bauch nicht. Sie reichte mir den Becher Tee und eine weitere Decke. „Sie haben meiner Tochter das Leben gerettet. Ruhen Sie sich hier aus.“ Sie schien mich nicht zu erkennen. „Oben ist ein unbenutztes Zimmer. Dort können Sie schlafen.“ Warum nahm sie einen unbekannten Mann einfach so bei sich auf? Wollte sie nicht fragen wie ich hieß? Woher ich ihre Tochter kannte?“

„Danke.“ Das war das Einzige was ich mit schwacher Stimme hervorbrachte. Ich nahm den Tee, die Decke und ging die Treppen hinauf. Auf Anhieb fand ich den angesprochenen Raum und trat hinauf. Das Zimmer war geräumig, ausgestattet mit einem Bett, einem Schrank und zwei Stühlen welche an einen Tisch geschoben waren.
Amalia, der Name der Frau schoss mir durch den Kopf, mit der ich am Längsten zusammen gewesen war, vor langer, sehr langer Zeit. Ich hatte sie unglaublich geliebt, doch auch verlassen um sie zu schützen. Die Frau in deren Haus ich war, ähnelte Amalia stark - ich war mir ziemlich sicher, dass sie es war. Ihre Tochter hatte mich sofort an sie erinnert. Es musste sich um Amalia handeln - ich wollte, dass es so war.
Ich legte meine Tasche und Waffe auf den Tisch. Langsam schälte ich mich aus meinem Mantel und meinem Hemd, bis ich oberkörperfrei im Raum stand. Verdammt, ich musste feststellen, dass meine Tasche nur Geld und Waffen beinhaltete. Die anderen Hemden waren im Beutel den Eduard für mich trug und Eduard war bei Gretel, welche mit Ben auf der Suche nach mir war. Seufzend trat ich zum Fenster. Wieso lag mir noch so viel an Amalia? Diese Beziehung lag schon so lange zurück und ich hatte mich damit abgefunden, genauso wie ich mich mit Minas Tod abgefunden hatte, aber nun wurmte es mich erneut.

„Brauchen Sie noch etwas?“

Ich drehte mich zur Tür, an der die Frau stand. Es schien sie nicht zu stören, dass ich halbnackt war. Stumm schaute ich sie an und kam ihr näher. „Ihre Tochter hat mir zuerst das Leben gerettet.“

„Sie begibt  sich leider viel zu oft in Gefahr“, seufzte sie. „Hat sie wohl vin ihrem Vater.“ Sie guckte mich traurig an, als wolle sie mir damit etwas damit sagen. Das ungute Gefühl stieg in mir.

„Was hat die Spritze zu bedeuten?“, fragte ich weiter, um mehr zu erfahren. „Was für eine Krankheit plagt sie?“ Ich musste es einfach wissen, mein Gewissen beruhigen.

„Sie nennen es Zuckerkrankheit.“ Sie hielt meinem starren Blick stand. Ihre Stimme brach ab, sie drehte sich wieder um zu gehen.

„Amalia“, wisperte ich - ich musste es wenigstens versucht haben. Mein Herz stoppte, als sie es tat. Sie war es wirklich, meine Amalia. Tatsächlich sah ich sie wieder, nach über fünfzehn Jahren. Ich flüsterte ihren Namen erneut und umarmte sie ganz fest. Ihre Arme berührten mich zögernd. „Ich hab’ dich vermisst“, gab ich leise zu, denn das hatte ich wirklich.

„Ich dich auch, Hänsel“, wisperte Amalia mir ins Ohr.

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Hier bin ich wieder, mit Kapitel 2!
Ich bin überrascht über die Anzahl
der Views! :)
Danke sehr!!

LG, Nadz
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