Wenn der Jasmin erblüht

von Shi-ni
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18
28.09.2015
16.11.2015
5
15824
 
Alle
7 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Hello again!

Da bin ich wieder und nein, leider noch nicht mit der Fortsetzung zu Hello, Mr.Uchiha… Die steht fest auf meinem Plan und ich hab noch immer große Lust sie zu schreiben, aber das Plotbunny zu dieser Geschichte hat sich mir so penetrant aufgedrängt, dass ich nicht anders konnte. Ich hoffe, ihr verzeiht mir und gebt dieser Geschichte eine Chance.

In Wenn der Jasmin erblüht begleiten wir gemeinsam meine OC Matsurika Iburi, die in ihrem noch jungen Leben leider zu oft die falschen Entscheidungen getroffen hat und nun versucht damit klar zu kommen. Die bekannten Naruto-Charaktere werden natürlich nicht zu kurz kommen, auch wenn ich hier (anders als in Hello, Mr. Uchiha) den Fokus weniger auf die Figuren aus Akatsuki legen werde.
Wer bis hierher gelesen hat und sich jetzt denkt “Urgh, schon wieder ‘ne Mary-Sue/SelfInsert-Story mit zu viel Kitsch”, der darf sich hiermit beruhigt fühlen. Meine Beta und ich sind stetig bemüht Matsurika so menschlich und normal wie nur möglich zu gestalten, ihr nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen zu geben und Raum für Charakterentwicklung zu lassen.

Wer mehr über den Schreibprozess wissen will, Fragen hat oder kleine Sneakpeaks sehen möchte, darf mich gerne auf Twitter oder Facebook besuchen.

Das Rating werde ich auf P18 setzen. Gründe dafür sind Tod, Folterszenen, Lemons, sowie harte Sprache.
Updates werden jeden Montagabend kommen.
Ja, es gibt Pairings (natürlich), aber sie werden nicht den Schwerpunkt der Geschichte darstellen und erst im späteren Verlauf eine Rolle spielen.

Ein riesiges Dankeschön noch an die liebe Ai-Sayuri-chan, die meine Beta ist und nicht nur die Kapitel gegenliest, sondern auch oft genug meine unendlichen Ausführungen über neue Ideen über sich ergehen lassen muss. <3



Jetzt schnappt euch eine Tasse Tee, kuschelt euch in eine Decke ein und habt Spaß mit dem ersten Kapitel!
Ich freue mich auf euch. :)


xo,
Shini


~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Kapitel 1
das gefangene Kind




“Das Leben eines Shinobi kennt keine Wahl. Hat ein Ninja seinen Nindō gefunden, folgt er ihm bedingungslos bis in den Tod.
Diesen Weg aber zu finden dauert lange und bedarf vieler Weggabelungen.”
- unbekannter Shinobi, Kaze no Kuni




Otogakure, 12 Jahre n.KA*, 4. Monat, 15. Tag




Es war stickig und die Gänge in Orochimarus Versteck rochen nach vermoderter Erde und abgestandener Luft, etwas, mit dem Matsurika gelernt hatte zu leben. Um genau zu sein, nahm sie den faulen Geruch nach so vielen Jahren nicht mehr wahr. Er war vielmehr zu einem unbeachteten Begleiter geworden, der ihr sogar das Gefühl von Heimat vermittelte. Es war nicht so, dass Matsurika ihr gesamtes Leben in den unterirdischen Bauten des geächteten Sannin verbracht hatte, doch auch vor ihrer Zeit bei Orochimaru hatte sie nur unter der Erde gelebt. Das Kekkei Genkei ihres Clans verbat es diesem die sicheren Höhlen zu verlassen, in denen sie sich eine Heimat aufgebaut hatten. In Matsurikas gesamtem Leben gab es einzig eine Ausnahme von dem unterirdischen Leben, vier Jahre lang hatte sie an der Oberfläche verbracht, hatte in einem Dorf unter ganz normalen Shinobi gelebt und an deren Seite gekämpft.
Die Tatsache, dass Matsurika nun erneut seit mehr als sechs Jahren Orochimarus unterirdische Verstecke ihre Heimat nannte, machte deutlich, dass sie in jenem Dorf nicht nur Angenehmes erlebt hatte. Dennoch, an manchen Tagen konnte Matsurika noch immer die Sonne auf ihrer Haut spüren und das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume hören. Natürlich kam sie oft an die Oberfläche, um Missionen für Orochimaru zu erledigen und dann genoss sie es unter freiem Himmel zu schlafen und nicht in einer Höhle. Dann spürte sie, wie sehr sie ein normales Leben vermisste.
Doch Matsurika bereute nichts, sie bereute es nicht, dem Dorf willentlich den Rücken gekehrt und sich erneut Orochimaru angeschlossen zu haben. Orochimaru mochte ein Wesen sein - denn wahrlich menschlich kam er Matsurika nicht vor - das seine Manien und Verrücktheiten hatte, unter denen es oft genug schwer war zu leben. Nichtsdestotrotz war er ein überaus fähiger Lehrer, der Matsurika in vielen Jahren zu einer lautlosen Assassine mit überragenden Fähigkeiten geformt hatte, obwohl sie einst ein schwaches Mitglied ihres ängstlichen Clans ohne jede Aussicht auf Überleben in der harten Welt der Shinobi oder auch nur außerhalb der schützenden Höhle ihres Clans gewesen war.

Ihr langer Umhang wehte leicht hinter ihr, als sie zum ersten Mal die Laborräume betrat, seit sie dort selbst ein Objekt von Orochimarus Experimenten gewesen war. Seither war ihre Anwesenheit dort weder erforderlich noch gefragt gewesen und insgeheim hatte Matsurika dies für gut befunden. Sie war hier um stärker zu werden, um zu lernen wie man kämpfte, und vermutlich auch um eine Art Heimat zu haben, nachdem ihre eigene sie verkauft hatte als besäße sie nicht mehr Wert als ein Stück Stoff. Es lag nicht in dem Interesse der jungen Kunoichi Orochimaru in seinen Experimenten zu stören, denn erstens hatten ihr selbst die Experimente dazu verholfen ein annähernd normales Leben zu führen und zweitens wusste sie tief in ihrem Inneren, dass ihr nicht gefallen würde, was sie in diesem Teil des Verstecks sehen würde. Matsurika wusste, dass viele derer an denen die Experimente durchgeführt wurden, genau wie sie selbst zu Beginn, nicht freiwillig hier waren und die meisten die Experimente auch nicht überleben würden. Sie hatte bisher bewusst die Augen vor diesen Gräueltaten ihres Lehrmeisters verschlossen, schließlich zählte für sie schlicht und ergreifend ihr Ziel so stark wie nur möglich zu werden.

Dennoch war es nun unausweichlich erneut jenen Trakt des Versteckes zu betreten, der ihr sowohl das größte Geschenk, als auch die schlimmsten Schmerzen beschert hatte. Ihre Mission lautete seltene Gerätschaften aus einem kleinen Dorf in Kaze no Kuni zu stehlen und diese umgehend zu Kabuto in das Labor zu bringen, da dieser sie anscheinend ausgesprochen dringend für eines von Orochimarus Experimente brauchte.
In dem Moment, in dem Matsurika die sonst gut versiegelte Tür ins Labor öffnete, schlug ihr der unverwechselbar metallische Geruch von Blut entgegen. Wäre sie diesen als Kunoichi nicht bereits gewohnt, so hätte sie wohl gewürgt. Sie erlaubte sich ein unter ihrer Maske nicht sichtbares Verziehen ihres Mundes, ehe sie den Gang weiter ging, der sich an die Tür anschloss, bis sie an einer weiteren Tür angekommen war. Bevor Matsurika diese aber öffnete, warf sie einen letzten Blick auf die gut verpackten Geräte in ihren Händen, deren Funktionsweise sich der Kunoichi nicht erschlossen. Dann betrat sie das Labor.

Augenblicklich nahm sie die leichte Veränderung im Luftdruck wahr, als mehrere Nadeln auf sie zu schnellten, nur um ohne Schaden anzurichten durch ihren Körper hindurch flogen und in der Tür stecken blieben. Matsurika materialisierte die Teile ihres Körpers, die sich in Rauch aufgelöst hatten um die Nadeln hindurch zu lassen, ehe sie sich umdrehte und die acht Nadeln betrachtete, die sanft von dem Gift, in das sie offenbar getränkt worden waren, glänzten.
“Du hast eine ausgesprochen nette Art Menschen zu begrüßen, die dir wichtige Dinge vorbei bringen.” Der Sarkasmus troff nur so aus Matsurikas Stimme, als sie sich erneut umdrehte und einen jungen Shinobi mit silber-grauem Haar mit ihrem Blick fixierte, der wenige Meter von ihr entfernt an einem Holztisch stand.
“Orochimaru-sama hat nicht erwähnt, dass du Zutritt hast.” Der Medizin-Ninja zuckte mit den Schultern, aber ein boshaftes Grinsen hatte sich auf sein Gesicht geschlichen. Mit einer fließenden Bewegung warf Matsurika Kabuto die Geräte zu, welcher sie geschickt auffing und sofort mit einem vorfreudigen Glitzern in den Augen auspackte. Matsurika nahm sich unterdessen die Zeit, um ihre, für ihr Seelenheil vermutlich unangebrachte, Neugierde zu befriedigen und den Raum zu betrachten.

An den durch ein Erd-Jutsu erschaffenen Wänden waren mehrere Fackeln befestigt, die den Raum in genug Licht hüllten, sodass Kabuto Orochimarus Experimente auf den langen Tischen, die sowohl zwei Wände, als auch die Mitte des Raumes einnahmen, ohne Probleme vorbereiten konnte. Die verbliebenen zwei Wände waren von mannshohen Regalen gesäumt, in denen sich die Schriftrollen stapelten und insgeheim fragte sich Matsurika, mit welchen Schrecken sie sich wohl beschäftigten. Andererseits wollte sie ihrer Neugierde lieber nicht nachgeben, es lebte sich ganz gut unter Orochimaru, so lange man nicht zu sehr nachdachte und seine Emotionen außen vor ließ. Und darin war Matsurika mittlerweile eine Meisterin, zumindest meistens.
“Du kannst gehen und dich ausruhen, Rika.” Kabutos Stimme holte Matsurika aus ihren Überlegungen. “Du siehst aus, als wäre deine Mission anstrengend gewesen.” Etwas unangenehm berührt stellte Matsurika fest, dass Kabutos sonst so nichtssagender Ausdruck sanfter geworden war. Kabuto und sie hatten in die letzten zwei Jahre praktisch ausschließlich zusammen gearbeitet und auch wenn Matsurika stets das Gefühl hatte, dass sie bei ihm auf der Hut sein musste, so war es nicht zu verhindern gewesen, dass die beiden Gleichaltrigen zumindest halbwegs miteinander auskamen. Der silberhaarige Shinobi hatte dabei allerdings schon immer einer ausgeprägtere Schwäche für Matsurika gehabt, darüber, wie sich diese überhaupt erst zu entwickeln begann, wollte Matsurika jedoch lieber nicht nachdenken. Mit einem schlichten Nicken verließ Matsurika den Raum, froh endlich aus den Laboren heraus zu kommen.

Als die Kunoichi auf dem Rückweg in angenehmere Bereich des Verstecks war, erweckte ein anderer Gang ihre Aufmerksamkeit, den sie auf ihrem Weg zu Kabuto nicht beachtet hatte. Es war ein schlichter Torbogen ohne jede Tür, der in einen weiteren Gang führte. Kurz schaute sich Matsurika zögernd um, dann beschloss sie ihrer Neugierde doch nachzugeben und betrat den Gang. Er zog sich eine Weile, ohne  Tür oder Abzweigung, ehe er einen scharfen Knick machte und sich zu Matsurikas größtem Entsetzen nun statt soliden Erdwänden  eine Zelle an die andere reihte. Sie hatte gewusst, dass es diese Zellen gab, schließlich hatte sie lange genug selbst in einer gesessen. Doch die Kerker jetzt so völlig unvorbereitet erneut zu sehen, das jagte Matsurika eiskalte Schauer den Rücken hinunter. Als sie dennoch lautlosen Schrittes durch den Gang aus Zellen ging, konnte sie im Halbdunkel der wenigen Fackeln erkennen, wie die meist noch blutjungen Insassen der Zellen schreckerfüllt vor ihr zurück wichen.
Verständlich, schließlich trug Matsurika noch immer die Kleidung, in der sie auf Missionen ging; hohe Shinobi-Stiefel, enge schwarze Hosen, ein ebenfalls nachtschwarzes, langärmliges Shirt, das in eine Maske überging, die sich bis hoch über ihre Nase erstreckte, ihren aus leichtem, aber schützendem Leder gefertigten Brustpanzer, sowie eine eng anliegende Kapuze, die gemeinsam mit der Maske lediglich ihre honigbraunen, pupillenlosen Augen und die Augenbrauen zeigte. Darüber hatte sie noch immer ihren dunkelbraunen Umhang, den sie für lange Reisen in kältere Länder  mitnahm. Ganz zu schweigen von den Shuriken und Kunai, die sich in den Taschen um ihre Hüfte befanden oder das Katana und das Wakizashi**, die auf ihrem Rücken griffbereit befestigt waren. Die lange, bereits verblasste Narbe, welche sich knapp unterhalb ihres rechten Auges von ihrer Schläfe bis fast zu ihrer Nase quer über ihre Wange zog, ehe sie unter der Maske verschwand, tat sicherlich auch sein Übriges. Ja, Matsurika verstand, warum die Kinder vor ihr zurückwichen. Im Moment war sie eine Assassine, bei der man gut daran tat sie zu fürchten.
Mitten in ihren Gedanken stoppend, bemerkte Matsurika, dass eine der Gefangenen nicht in den Schatten der Zelle vergeblich Schutz suchte, sondern im Gegenteil näher an das Gitter heran kroch, als sie vorbei lief. Es war ein junges Mädchen, Matsurika schätzte sie auf vielleicht acht Jahre, das verschmutze, einst sicherlich hübsche, blonde Haare hatte und ein seltsam erfreutes Lächeln auf den Lippen trug.
“Du”, krächzte das Mädchen mit rauer Stimme, “wirst mich befreien.”

Erschreckt über diese unvorhergesehene Wendung der Dinge, blieb Matsurika abrupt vor der Zelle des Mädchen stehen und schaute ihr direkt in die Augen, die einen unnatürlichen weißen Schleier über ihrer grünen Farbe hatten.
“Was?”, keuchte die Kunoichi, in ihrer Stimme sowohl ungläubige Überraschung, als auch kalte Schärfe. Ein schwaches Lächeln schlich sich auf das Gesicht des Mädchens, das dadurch noch mehr einer wächsernen Maske ähnelte als dem gesunden Antlitz eines Kindes.
“Ich sehe Dinge”, flüsterte das Mädchen, die Stimme angestrengt. Es schien, als würde sie das erste Mal seit einer langen Zeit wieder sprechen. Sie deutete mit einer dreckigen Hand auf ihre verschleierten Augen.
“Ich weiß Dinge”, fuhr sie fort und damit hatte sie Matsurika in neugieriger Faszination gefangen. In einer lautlosen, fließenden Bewegung ließ sich die junge Kunoichi mit überkreuzten Beinen auf dem staubigen Boden des Ganges nieder, den Blick auf das Mädchen gerichtet.
“Wer bist du?”, wollte Matsurika wissen, neugierig, wen sie hier in der Folterkammer ihres Lehrmeisters gefunden hatte.
“Yuri”, antwortete das Mädchen und kurz schien es, als müsste sie nachdenken, “Yuri …Yamanaka.”
“Hat er dir das angetan?”, fragte Matsurika, wobei sie eine unbestimmte Geste in Richtung der Augen des Mädchens machte. Es nickte lediglich als Antwort und bestätigte Matsurika damit, dass Yuris Augen scheinbar das Ergebnis eines von Orochimaurs Experimenten war.
“Wie lange bist du hier?” Langsam kroch das Entsetzen über die Taten ihres Lehrers in Matsurikas Venen und vergifteten ihren Willen, für die Macht die Orochimaru ihr versprach über all dies hinweg zu sehen.
“Ich weiß es nicht mehr”, gab Yuri zurück, bevor ihr Blick in weite Ferne zu schweifen schien. Schmerzliche Erinnerungen drängten in Matsurikas Unterbewusstsein an die Oberfläche, wollten gesehen und beachtet werden, doch die Kunoichi bekämpfte vehement das Gefühl in Verzweiflung zu ertrinken, in dem sie sich von ihren Emotionen zu befreien versuchte. Dennoch konnte sie nicht umhin, sich selbst in Yuri zu sehen.

“Aber ich erinnere mich noch an meine Familie”, riss Yuris krächzende Stimme Matsurika aus ihrem inneren Kampf. Ein unerwartet sanfter Ausdruck trat in Matsurikas bernsteinfarbene Augen.
“Erzähl mir von ihr”, forderte sie Yuri auf.
“Wir sind ein stolzer Clan”, begann Yuri zu erzählen. Ihr Gesicht erhellte sich bei den Erinnerungen und erschien beinahe menschlich. “Meine Eltern sind Zivilisten, sie haben gemeinsam mit meiner Tante einen Blumenladen. Ich war nie auf der Shinobi-Akademie, aber mein Onkel und meine Cousine sind starke Kämpfer, die unser Dorf beschützen. Mein Papa wollte nicht, dass ich kämpfen lerne, er meinte, dass Kinder Kinder sein sollten und keine Soldaten, die man in den Krieg schickt. Er hat sich deswegen oft mit meinem Onkel gestritten, aber lieb gehabt haben sie sich trotzdem. Wenn das Blumenfest in Konoha war, dann hat sogar mein Onkel mitgeholfen, alles hübsch zu machen und unsere Blumen an die Bewohner zu verkaufen. Wir haben den besten Blumenladen in ganz Konoha und ich wollte ihn so gerne einmal selber führen.” Der Stolz und das Glück, das sich während ihrer Erzählung auf Yuris Gesicht gezeigt hatte, verblasste und hinterließ nichts als Verzweiflung.
“Du wirst Konoha und deine Familie wiedersehen”, flüsterte Matsurika, welche die Bitterkeit auf ihrer Zunge schmecken konnte, als sie das Mädchen betrachtete. Wohin hatte der Wahnsinn Orochimaru nur geführt? Und wie konnte sie, wo sie doch selbst ein gebranntes Kind war, wegsehen? Vielleicht lag ja etwas Wahres darin, wenn man sagte, dass diejenigen, die Folter erlebt hatten zu noch schrecklicherer Folter fähig waren. Yuris Willen aber war im Gegensatz zu dem der anderen Kinder noch nicht gebrochen, das konnte Matsurika sehen. Aber wie lange würde das kleine Mädchen die Torturen der Experimente noch überstehen ohne zu brechen?
Ein Geräusch ließ Matsurika aufhorchen. Sie durfte hier nicht entdeckt werden.
“Ich komme morgen wieder”, flüsterte sie Yuri zu, bevor sie vollkommen lautlos verschwunden war.
“Ich weiß”, krächzte Yuri und lehnte ihren Kopf an die Gitterstäbe, “Ich weiß.”


~*~



Bis auf zwei Fackeln war der große Saal, in dem Orochimaru sich des Öfteren aufzuhalten pflegte, vollkommen in Dunkelheit gehüllt, als Kabuto seinen Weg dorthin gefunden hatte.
“Was weißt du zu berichten?”, zischelte Orochimarus Stimme, die sich leise durch die gesamte Halle ausbreitete.
“Mit den Geräten, die Ri- Matsurika gebracht hat, gehen die Experimente schneller voran”, antwortete Kabuto, während er näher an den Thron heran trat, auf dem Orochimaru saß, “Nummer 17 aus Experiment Hiyō*** war jedoch fehlerhaft und musste aus der Testreihe entfernt werden. Nummer 4 aus Experiment Mirai o miru**** scheint die DNA der Augen anzunehmen, aber die Kooperationsbereitschaft dieses Exemplars ist…problematisch.” Orochimaru nickte, während er über die Informationen nachdachte.
“Wir brauchen mehr Testexemplare für Hiyō, kümmere dich darum”, gab er schließlich seine Befehle, “Nummer 4 soll mehr Freiheit bekommen, damit sie sich mit den anderen Testobjekten anfreunden kann.”
“Orochimaru-sama?”, hakte Kabuto verwirrt nach.
“Gib ihr Hoffnung und was sie braucht, bevor du ihr alles auf einmal weg nimmst. Lass sie zunächst Freunde finden, bevor du sie vor ihren Augen tötest. Nummer 4 muss gebrochen werden.” Orochimaru erhob sich, doch er schien schwerfälliger zu sein, als man es von dem legendären Sannin gedacht hätte. Nachdenklich begann Orochimaru seine Finger zu bewegen, formte probehalber einige Fingerzeichen, ehe er Kabuto direkt ansah.
“Es wird Zeit”, war alles, was Orochimaru sagte, und ohne zu Zögern nickte Kabuto.

Matsurika unterdessen saß in ihrem Zimmer auf dem Bett und starrte an die leere Wand gegenüber. Ihre Gedanken wirbelten wild umher, ergaben eine Mischung aus den unterschiedlichsten Emotionen, Erinnerungen und Fetzen ihres Gesprächs mit Yuri. Matsurika war bemüht das Chaos in ihrem Inneren unter Kontrolle zu bringen. Nur mit eiserner Kontrolle über ihre Emotionen und einem ebenso kalten Griff um ihr viel zu sanftes Herz, hatte es Matsurika geschafft die letzten 14 Jahre zu überleben. Ansonsten wäre sie vermutlich ob dem gesehenen und erlebten Schrecken wahnsinnig geworden.
Obwohl sie sich stark bemühte, ihre Emotionen zurück in die Kiste ihres Unterbewusstseins zu drängen, die normalerweise sorgfältig verschlossen war, konnte Matsurika die Begegnung mit Yuri nicht vergessen. Das Mädchen hatte eine Saite in Matsurika zum Schwingen gebracht, von der sie angenommen hatte, dass sie für immer verstummt war, in anderen Worten, sehr zu Matsurikas größtem Entsetzen, hatte Yuri in ihr den Wunsch geweckt, das kleine Mädchen zu beschützen.
Matsurika atmete langsam und bewusst ein und wieder aus. Ein. Aus. Ein Aus. Ein. Sie hielt ihren Atem an…ehe sie erneut langsam ausatmete. Mit jedem Ausatmen, drängte sie ihre Emotionen ein Stück dorthin zurück, wo sie ausgebrochen waren. Langsam gewann sie wieder die Kontrolle über sich, auch wenn Yuri ihre Gedanken nicht gänzlich verließ. Noch immer unzufrieden damit, ließ sich Matsurika auf ihr Bett fallen, verschränkte die Arme hinter ihrem Kopf und starrte nun die Decke an.

Ein leises Seufzen entwich ihren Lippen, als sie feststellte, dass sie noch immer ihre Kampfkleidung trug, woraufhin sie sich aufrichtete und langsam die Maske von ihrem Gesicht zog. Auf die Maske folgte die Kapuze, sodass ihre sorgfältig geflochtenen, rabenschwarzen Haare zum Vorschein kamen. Sie fuhr sich mit den Händen erschöpft durch die Zöpfe, wodurch sie ihre Frisur so lange lockerte, bis sich ihre Haare in schulterblattlangen, lockigen Kaskaden über ihren Rücken ergossen. Mit einem leichten Brummen stellte Matsurika fest, dass es wohl Zeit war zu duschen, denn dafür hatte sie während der letzten fünf Tage keine Zeit gehabt. Plötzlich unglaublich müde und erschöpft erhob sie sich von ihrem Bett und schlurfte für eine Kunoichi recht ungraziös in das Badezimmer, das sich auf der anderen Seite des Ganges, an den ihr eigenes Zimmer grenzte, befand. Erst das warme Wasser der Dusche ließ sie erkennen, wie verkrampft ihre Muskeln waren und mit einem erleichterten Stöhnen begann sie diese zu lockern.
Zu diesem Zeitpunkt konnte Matsurika nicht ahnen, dass ihr gesamtes Leben in wenigen Tagen erneut zerschmettert sein würde und sie ein weiteres Mal alles Bekannte hinter sich zurück lassen musste.






~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~



Nindō = der Weg eines Shinobi, so etwas wie sein Lebensmotto bzw. seine Philosophie
Matsurika bedeutet im Japanischen Jasmin

* n.KA = nach Kyūbis Angriff - In Naruto wurde (meines Wissens nach) nie eine richtige Zeitrechnung eingeführt. Und die Menschen rechnen sicherlich nicht in Jahren vor oder nach dem Beginn des Mangas/Animes, wie in manchen einschlägigen Wikis. Daher war ich so frei und habe für diese Geschichte eine Zeitrechnung rund um die Attacke des Kyūbis verwendet.
** Das Wakizashi ist ein japanisches Kurzschwert, das wie ein abgeschnittenes Katana aussieht und nur etwa halb so lang ist.
***Hiyō = bedeutet “Fliegen, der Flug” und soll hier das Experiment bezeichnen, mit dem Orochimaru versucht jemanden ohne Jutsu zum Fliegen zu bringen
****Mirai o miru = bedeutet “in die Zukunft blicken” und soll hier das Experiment bezeichnen, mit dem Orochimaru versucht Gene eines verstorbenen Sehers zu implantieren und zu nutzen. Yuri hat dieses Experiment überlebt und kann daher durch ihre genetisch veränderten Augen die Zukunft sehen.