Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
22
Alle Kapitel
126 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
29.01.2017 3.885
 
Kapitel Einundsechzig - „Dass wer was weiß?“


Tatsächlich war Nora mal ausnahmsweise pünktlich, was ihr einen gespielt überraschten Blick von Jack Kanter und dann ein langsam Klatschen einbrachte.
„Respekt, Golden. Respekt.“
Das Blut schoss ihr in die Wangen und sie lachte peinlich berührt. „Danke Mr Kanter, aber bitte gewöhnen sie sich nicht daran.“
Sein dröhnendes Lachen klang durch die Eingangshalle, was dazu führte, dass sich einige Köpfe nach ihnen umdrehten. Nora Blick glitt zufällig über eine enge Nische hinweg, in der zwei Menschen standen, die ihr bekannt vorkamen. Sie stutzte und sah genauer hin, aber sie hatte sich nicht getäuscht: Das waren Jocelyn und Neil, die da standen und angeregt über irgendetwas zu diskutieren schienen.
Nora drehte ihnen den Rücken zu, weil sie fand, dass sie das nichts anging und Jocelyn diese Meinung ganz sicher teilte. Die Aufzugtüren glitten auf und ein Schwall Personen drängte heraus, ganz zum Schluss Rachel, die natürlich immer noch super aussah und die zwei schweren Koffern hinter sich herzog.
Wenn Nora von so vielen Leuten irgendwo in die Ecke gedrückt worden wäre, dann würde sie wahrscheinlich ziemlich demoliert aussehen und ihre Frisur wäre mit Sicherheit nicht immer noch perfekt.
Rachel strahlte Nora an und überreichte ihr den Koffer, sobald sie vor ihr stand.
„Hallo Mr Kanter“, begrüßte sie den Älteren freundlich, der ihr grinsend zunickte und dann mit einer Zigarettenpackung in der Hand aus der Eingangshalle schlenderte.
„Also? Wieso hast du denn nun so gute Laune?“, hakte Ray neugierig nach und stupste Nora in die Seite, die sich nervös umsah.
„Später“, murmelte sie und Rachel stöhnte laut auf.
„Du bist schrecklich!“, beschwerte sie sich, was aber nur dazu führte, dass Nora sie auslachte.
„Dankeschön.“
Rachel schwieg für genau zwanzig Sekunden, dann drehte sie sich wieder zur der Jüngeren und raunte: „Hat es etwas mit den speziellen Talenten eines gewissen blonden Leadsängers zu tun oder bin ich völlig auf dem Holzweg?“
Noras Wangen färbten sich rot und sie senkte den Blick auf ihre Füße, während sie nickte. Die Blondine quietschte erfreut auf und schien kurz davor auf und ab zu hüpfen. „Du musst mir alles ganz genau erzählen!“
„Ja, ist ja gut!“, zischte Nora in dem Versuch sie dazu zu bringen, nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sie zu ziehen. „Aber später.“
Rachel seufzte schwer, hielt aber die Klappe.

„Rachel-...Muss das sein-...Au! Das war mein-...Ray!“
„He, das ist meine Hose!“
„Kannst du nicht-...Autsch, ah! Du ziehst an meinen Haaren-...spinnst du?! Rachel, ich schwöre dir-...Uff!“ Nora drückte sich die Hände auf den Bauch und ließ sich zurück in die Kissen fallen.
„Oh.“ Rachel tastete an der Wand nach dem Lichtschalter, der die dunkle Koje nur geringfügig erhellte. Aber es reichte, dass die beiden Mädchen sich ansehen konnten. „Entschuldige?“
„Du hast deinen Fuß in meinen Bauch gerammt“, zischte Nora leise und funkelte sie böse an, dann richtete sie sich ächzend wieder auf. „Musste das jetzt wirklich sein?“
Ray setzte sich ans andere Ende der Koje und verstaute ihre langen Beine neben Noras. „Jap, musste es. Über so was kann man besser sprechen, wenn man sich dabei ins Gesicht schauen kann.“
„Findest du?“, murmelte Nora und fuhr sich verlegen durch die Haare. „Ich rede nicht gerne offen über...sowas.“
Rachel verdrehte belustigt die Augen. „Wenn es dir so peinlich ist, dann können wir das Licht auch wieder ausmachen, Prinzessin. Also? Jetzt erzähl endlich, was dir so unverschämt gute Laune verschafft hat.“ Sie wackelte mit den Augenbrauen und grinste anzüglich. „Oder besser: Wer.“
Wie auf Kommando schoss Nora das Blut in die Wangen und sie schlug seufzend die Augen wieder.
„Aus datenschutzrechtlichen Gründen werde ich jetzt seinen Namen nicht nennen“, begann sie dann und ihre Augen huschten zu dem zugezogenen Vorhang, der alles war, was sie vom Rest der Crew trennte, bevor sie wieder Rachel anschaute, die verständnisvoll nickte. „Aber ich denke du weißt, von wem ich rede.“
Ray grinste breit und nickte eifrig. „Allerdings.“
Die beiden hielten ihre Stimme gesenkt und Nora spitzte zusätzlich die Ohren, ob sie irgendwelche Lauscher auf dem Gang im Tourbus hatten.
Sie brauchte ein paar Anläufe, bis sie die ganze Geschichte wirklich flüssig erzählen konnte ohne ständig rot zu werden und vor Verlegenheit zu stottern, aber irgendwann war es plötzlich ganz einfach. Rachel gab ihr das Gefühl, dass sie wirklich mit ihr darüber reden konnte ohne irgendeinen Kommentar rein gedrückt zu bekommen. Das war...neu. Und irgendwie echt cool.
Es machte ein paar Sachen viel einfacher.
„Und dann bin ich gegangen-...nein, warte. Davor hat er sich noch...bedankt.“ Nora runzelte die Stirn und rieb sich über ihren versteiften Nacken. „Ehrlich gesagt, weiß ich nicht genau wofür. Ich hatte nicht das Gefühl, dass er sich wirklich für den Blowjob bedankt hat und dafür, dass ich ihm das T-Shirt zurückgebracht habe, hat es irgendwie zu wichtig geklungen. Keine Ahnung, was er eigentlich gemeint hat.“
Rachel tippte nachdenklich mit dem Finger gegen ihre Lippen. „Vielleicht war er dankbar, weil du ihn ausnahmsweise mal nicht böse angefaucht hast? Und dass er sich für den Blowjob bedankt hat, finde ich gar nicht so abwegig. Ich meine, komm schon. Er ist immerhin ein Kerl.“
Grinsend zuckte Nora mit den Schultern und schnappte sich das Kissen, an das sie sich dann kuschelte. „Hast auch wieder Recht. Ist ja auch egal, nach seiner Drohung, mich wieder ins Bett zu schleppen, wenn ich nicht bald verschwinden würde, bin ich abgehauen.“
„Wieso?“, entkam es Ray lauter als beabsichtigt und sie zuckten beide gleichermaßen zusammen.
Als nach einigen Minuten immer noch kein Geräusch vom Gang zu hören war, entspannten sie sich wieder.
„Also? Wieso bist du abgehauen?“
Nora verdrehte die Augen und war froh über das Dämmerlicht, in dem man ihre roten Wangen hoffentlich nicht so gut erkennen konnte. „Ich war doch sowieso schon zu spät dran. Ich wusste ja nicht, dass du meinen Koffer für mich packen würdest.“
„Und seid ihr jetzt zusammen?“
Nora zuckte heftig zusammen und starrte sie mit großen Augen an, dann schüttelte sie hastig den Kopf. „Nein. Nein, sind wir nicht.“
Irritiert runzelte Rachel die Stirn und als ihr etwas klar zu werden schien, riss sie ungläubig die Augen auf, bevor ihre Miene immer finsterer wurde. „Jetzt sag mir nicht, ihr habt immer noch nicht darüber geredet. Ihr habt euch einfach so die Klamotten vom Leib gerissen ohne auch nur irgendwas zu klären, was das angeht?“
Unter ihrem Blick wurde Nora immer kleiner und kaute unsicher auf ihrer Lippe herum. Sie traute sich kaum mehr ihr zu widersprechen. „Naja, ich...ich weiß auch nicht. Ich will mir nicht schon wieder um alles so viel Gedanken machen und damit alles kaputt machen.“
„Nora“, redete Rachel eindringlich auf sie ein. „Du kannst dich nicht einfach so von einem Kerl befingern lassen, ohne irgendwas zu klären. Sonst denkt er doch, du stündest jederzeit zur freien Verfügung für sowas!“
„Psssst!“, zischte Nora und sie lauschten beide nach irgendwelchen verdächtigen Geräuschen.
„Okay, tut mir Leid“, erwiderte Ray. „Ich sollte dich unterstützen, schon klar. Ich mache mir nur Sorgen. Irgendwie habe ich das Gefühl, ihr seid keinen Schritt vorangekommen.“
Das war etwas, das Nora erstmal verdauen musste.

Rachel ließ sich kurzerhand neben sie fallen und Nora machte ihr schweigend ein wenig mehr Platz.
„Okay, lass mich das nochmal zusammenfassen“, flüsterte Rachel schließlich, „Er hat dich in dein Zimmer gelockt. Du bist ihm gefolgt. Ihr habt euch mal wieder gestritten, dann hat er eine überraschende Entschuldigung heraus gebracht und ihr habt euch soweit erstmal vertragen. Dann hast du Zeit mit ihm und den Jungs verbracht und ihr habt euch schockierender Weise gut verstanden. Dann hat er dich kurz geküsst-...“
„Das war glaube ich eher eine Kurzschlussreaktion“, unterbrach Nora sie murmelnd und drückte das Kissen fester an sich.
„Nein, das würde ich nicht so herunterspielen“, widersprach Rachel energisch. „Überleg doch mal, wenn es eine Kurzschlussreaktion von ihm ist, dich zu küssen, dann musst du ihm etwas bedeuten.“
„Entweder das oder er mag es einfach mich zu küssen“, antwortete Nora schlicht und unterdrückte ein Seufzen. „Seien wir mal ehrlich, es ist wahrscheinlich Letzteres.“
„Stell dich doch nicht so stur“, schimpfte ihre beste Freundin. „Warum willst du nicht einsehen, dass er dich mag?“
Nora zuckte mit den Schultern und lächelte dann schief. „Ich schätze, ich will mir keine all zu großen Hoffnungen machen. Können wir das Thema nicht einfach lassen?“ Ray konnte noch so sehr versuchen, sie wieder aufzumuntern, Nora hatte trotzdem an ihren Worten von vorhin zu knabbern.
Schwer seufzend, um ihren Unmut deutlich zu machen, wandte Rachel sich wieder ihrer Zusammenfassung des Geschehens zu. „Na schön. Also, er hat dich kurz geküsst, was meiner Meinung durchaus wichtig war, aber lassen wir das. Dann bist du müde geworden und ihr hattet ein bisschen Action im Badezimmer, dann wollte er, dass du sein Shirt zum Schlafen trägst und nicht das seines Kumpels, auf den er ganz klar eifersüchtig ist.“
Nora ließ das unkommentiert, die Blondine ließ sich ja sowieso nicht davon abbringen. Und sie hatte ja selbst den Verdacht, dass Luke tatsächlich ein wenig eifersüchtig auf Ash war.
„Dann hast du ihm sein Shirt zurückgebracht und ihr hattet beinahe Sex, bevor du abgehauen bist. Und er hat sich bedankt.“ Rachel runzelte die Stirn, als würde sie angestrengt nachdenken. „Hast du dich wohl bei ihm gefühlt?“
Als sie Noras irritierten Blick bemerkte, verdrehte sie die Augen. „Sieh mich nicht an wie ein Schaf, jetzt sag schon.“
„Ich, äh...ja, ich denke schon. Ich hab mich in seiner Nähe wohl gefühlt, obwohl er mich nervös gemacht hat...zumindest solange, bis ich wieder vor seiner Zimmertür gestanden bin. Aber es war auch ein seltsames Gefühl, weil da irgendwie keine Wut zwischen uns war.“ Nora verzog das Gesicht bei ihren eigenen Worten, die sich laut ausgesprochen ziemlich dämlich anhörten.
„Und du bist in ihn verliebt. Richtig?“
Trotz Rachels sanfter Stimme zuckte Nora zusammen und rutschte tiefer nach unten, bis sie neben ihrer besten Freundin lag. Sie schloss die Augen und seufzte schwer, nickte zögernd.
Es laut auszusprechen machte es irgendwie so real und sie scheute regelrecht davor zurück.

„Aber ich weiß nicht, ob er mich auch nur annähernd so sehr mag wie ich ihn.“ Sie senkte die Stimme noch weiter, sodass selbst Ray sie kaum verstand. „Ich weiß noch nicht mal, was das überhaupt zu bedeuten hatte. Ich hab Angst, dass er in mir nie mehr sehen wird, als jemanden, den er benutzt, wenn er mal schnell ein bisschen Erleichterung gebraucht. Oh Gott, wir hätten wirklich miteinander reden sollen, statt uns die Klamotten vom Leib zu reißen.“ Nora schlug die Hände vors Gesicht und seufzte schwer, die Verzweiflung war ihr deutlich anzusehen.
„Das ist doch bescheuert. Er hätte sich wohl kaum bei dir entschuldigt und wäre danach so nett zu dir gewesen, wenn du ihm wirklich nicht mehr für ihn wärst als eine Nummer im Bett“, versicherte Rachel ihr, vom schlechten Gewissen geplagt, aber Nora schien das nicht wirklich zu beruhigen.
„Ich weiß nicht. Ich kann ihn beim besten Willen nicht durchschauen, Ray.“ Sie zögerte einen Moment, erwähnte es aber dann doch. „Wobei Luke bis jetzt immer ziemlich sauer geworden ist, wenn ich ihm unterstellt habe, dass er mich wie eine Schlampe behandelt.“
„Na bitte! Siehst du? So aussichtslos, wie du tust, ist es also nicht.“
Nora musste gegen ihren Willen lächeln und verdrehte die Augen. Sie verschwieg Rachel, dass sie nicht besonders glaubwürdig wirkte, wenn sie die Meinung so schnell änderte.

Die Stadtführung war wirklich die blödeste Idee, die irgendjemand haben konnte.
Wie um alles in der Welt kam man denn darauf, dass jemand nach einer ewigen Fahrt mit dem Tourbus auch noch Lust darauf hatte, eine fremde Stadt in der brütenden Hitze zu besichtigen?
Nora seufzte um ihrer schlechten Laune Luft zu machen, was ihr sofort ein amüsiertes Kichern von Ray einbrachte. Die Blondine war unverschämt gut gelaunt und natürlich überhaupt nicht angeschlagen von der langen Nacht.
Allerdings hatte sie wahrscheinlich auch mehr Stunden Schlaf abgekriegt als Nora: nämlich gar keine. Zuerst hatte Luke sie ja nicht schlafen lassen, danach musste sie Rachel alles so genau wie möglich erzählen und als die Blondine endlich ebenfalls müde geworden war und sich in ihr eigenes Bett verzogen hatte, hatten Nora die Gedanken an das Gespräch mit Ray wach gehalten.
Nachdem sie im Hotel eingecheckt hatten – wirklich keine Luxusbude, wenn sie das so sagen durfte – musste Nora erstmal ihre Augenringe überschminken, um sich überhaupt wieder unter die Leute zu trauen. Zu ihrem Leidwesen war die Stadtführung Pflicht für alle Crew-Mitglieder und obwohl Ashton ihr schon sein Mitgefühl über WhatsApp ausgedrückt hatte, wünschte sie sich immer noch in ihr Bett zurück. Wahlweise auch Lukes Bett.
Über sich selbst verärgert knirschte sie mit den Zähnen und marschierte weiter, stur nach vorne blickend.
„Hey komm, jetzt sei doch nicht beleidigt!“, rief Rachel ihr hinterher und Nora blieb stehen, bis die Blondine wieder zu ihr aufgeholt hatte.
„Bin ich gar nicht“, erwiderte sie. „Ich war nur in Gedanken. Sorry.“
„Na, Ladys? Alles klar bei euch, da hinten?“
Noras Gesichtsausdruck hellte sich ein wenig auf und sie winkte Jace lächelnd zu sich. Er ließ sich ganz zu ihnen zurückfallen, bis er zwischen Ray und Nora stand und schlang dann einen Arm um jede von ihnen. „Schmiedet ihr auch schon Pläne, wie ihr am Besten abhauen könnt?“, erkundigte er sich mit verschwörerisch gesenkter Stimme.
„Also Nora auf jeden Fall“, giggelte Rachel und pustete der Jüngeren einen Luftkuss zu, als die ihr einen bösen Blick zuwarf.
„Ja, die fehlende Motivation ist mir aber auch schon aufgefallen“, neckte Jace sie und Nora verdrehte die Augen.

„Was erwartest du? Ich hab heute Nacht kein Auge zugetan und sie haben nichts Besseres zu tun, als uns eine langweilige Stadtführung aufzuzwingen“, brummte sie und seufzte erneut. „Aber vielleicht jammere ich auch einfach zu viel.“
„Vielleicht?!“, prustete Rachel und Jace fiel mit ein, stellte sich damit ganz klar auf die Seite der hübschen Blondine.
Nora setzte an etwas gespielt beleidigtes zu erwidern, als das Klingeln ihres Handys sie unterbrach. Sie sah auf den Bildschirm und plötzlich strahlte sie regelrecht. „Macht es euch was aus, wenn ich kurz-...“, fragte sie und deutete auf das Handy.
„Nein, geh ruhig ran“, versicherte Jace ihr grinsend. „So wie du aussiehst, muss das...wichtig sein.“
„Ist es der, der ich denke, dass es ist?“, hakte Rachel neugierig nach, aber Nora schüttelte bloß den Kopf, bevor sie auf „Annehmen“ tippte und sich das Handy ans Ohr hielt.
„Golden?“, meldete sie sich, auch wenn sie längst wusste, wer am anderen Ende war.
„Hey Nora, altes Haus!“
Sie lachte und ließ sich noch weiter zurückfallen, sodass sie vom Ende der Gruppe ein paar Meter entfernt war. „Hey Mase. Was bringt mich zu der Ehre deines Anrufs?“
Er seufzte übertrieben laut auf und sie unterdrückte ein Lachen. „Ich vermisse meine Lieblingsarbeitskollegin!“, jammerte er mit weinerlicher Stimme. „Es ist niemand mehr da, bei dem ich meine schlechten Anmachsprüche ausprobieren kann!“
„Wenigstens siehst du ein, dass sie schlecht sind“, prustete sie los und einen Moment lang tat er auf beleidigt, aber dann hörte sie sein Lachen durch die Leitung schallen.
„Tja, ich meine, Einsicht ist der erste Weg zu Besserung! Äh, oder so ähnlich.“
Auch nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, blieb das Lächeln auf Noras Lippen. „Ich vermisse dich auch, Mase“, gestand sie und ihre Stimme klang so sanft, dass sie selbst einen Moment irritiert davon war.
Gut, sie wusste, dass sie Mason wirklich lieb gewonnen hatte, in der Zeit, die sie zusammen gearbeitet hatten. Und obwohl ihre Freundschaft über das Arbeitsverhältnis hinausgewachsen war, war sie sich dennoch nicht bewusst gewesen, wie sehr er ihr wirklich fehlte. Mason war ein sehr guter Freund für sie. Nora traute sich nicht, ihn auch noch als besten Freund zu bezeichnen, denn dann hätte sie langsam ziemlich viele. Und Ashton würde sich wieder darüber beschweren, was sie ja ein kleines bisschen amüsant fand.
„Das freut mich, Nora-Schatz.“
Vorbei war es mit der sentimentalen Stimmung und stattdessen brach Nora wieder in Lachen aus.
„Nora-Schatz?! Seit wann bist du so kreativ mit Spitznamen?“, spottet sie lachend.
„Ach, ich dachte, ich probiere mal was Neues aus“, scherzte er. „Und jetzt sag mal, wie geht’s dir denn so, da drüben?“
Schmunzelnd umschrieb sie grob, was sie bisher so erlebt hatte und wie die Arbeit ihr gefiel, wie die Leute hier waren und was sie Neues dazu gelernt hatte. Mason hörte ihr aufmerksam zu und brachte sie mit seinen Kommentaren immer wieder zum Lachen. Als sie schließlich bei der heutigen Stadtführung ankam, wollte sie sich gerade so richtig darüber beschweren, als sie erschrocken bemerkte, dass sie das Ende ihrer Gruppe nirgends mehr entdecken konnte.
„Scheiße“, entkam es ihr erschrocken, dann musste sie über sich selbst lachen.
„Was? Was ist los?“, fragte Mason verwirrt.
„Ach Mase, ich glaube ich hab meine Gruppe verloren“, erklärte sie ihm und beschleunigte ihren Schritt um wieder aufzuholen. „Und da vorne ist eine Kreuzung. Oh Mann, Scheiße!“
Mase lachte sie erstmal aus, wie sich das nun mal so gehörte, dann stand er ihr aber hilfsbereit mit Rat und Tat zur Seite. Wobei, wohl eher nur mit Rat, immerhin saß er irgendwo in London fest und konnte nicht wirklich viel tun.
Dafür googelte er alle möglichen gängigen Touristenattraktionen und versuchte herauszufinden, welche Stadtführung für die Crew gebucht worden war. Während er ihr eifrig irgendwelche Straßennamen und Sehenswürdigkeiten nannte, versuchte Nora verzweifelt die Orientierung wieder zu finden. Ganz ehrlich, wo zur Hölle war sie?
„Hör mal Mase, echt, danke für deine Hilfe. Aber ich glaube ich rufe einfach Ray an, die wird mir schon eher helfen können.“
„Ray?“, hakte er nach. „Ist das nicht diese Hammerblondine, die mal in unserem Laden war?“
Mase hatte die Angewohnheit Technik-Stop als „seinen“, wahlweise auch „unseren“ Laden zu bezeichnen, auch wenn er bloß ein Angestellter dort war.
„Jap, genau. Das ist Rachel“, lachte Nora, aber was er dann sagte, ließ ihr das Lächeln auf dem Gesicht gefrieren.
„Sagtest du nicht, der Kerl der damals mit ihr dort war, war ihr Freund? Sag ihr doch bitte von mir, dass es mir echt Leid tut, was das Arschloch abgezogen hat. Achja und du kannst ja noch erwähnen, dass ich gerade single bin...?“
„Was?“ Irritiert wurde Nora langsamer und blieb schließlich ganz stehen. „Mason, wovon redest du bitte? Sprichst du von Samuel? Was bitte hat er denn abgezogen?“
„Äh...sie hat es dir gar nicht erzählt? Ich dachte, ihr seid so eng.“
„Mase, sag einfach, was passiert ist“, forderte sie ungeduldig.
„Naja, ich hab ihn neulich mal an einer Bar gesehen, wie er mit einem Mädchen rumgeknutscht hat.“
Noras Herz setzte einen Schlag aus und sie schlug sich die Hand vor den Mund. Oh nein, war alles, was ihr durch den Kopf schoss. „Mase, bist du dir sicher, dass das Samuel war?“, hakte sie eindringlich nach und betete innerlich für Rachel, dass er sich getäuscht hatte.
„Hundertprozentig. Du weißt doch, dass ich mir Gesichter generell gut merken kann und ich hab ja sogar noch überlegt, ob ich ihn mal ansprechen sollte – ich dachte nämlich erst, das Mädel, das er da im Arm hatte, wäre seine Freundin. Ich dachte mir, ich könnte diese Rachel ja mal nach dir fragen, weil du dich die letzte Zeit überhaupt nicht gemeldet hast. Dann hat dieser Samuel aber von dem Mädchen abgelassen und hat sie stattdessen mit nach draußen genommen – und ich glaube wir wissen beide, was da abgegangen ist. Jedenfalls hab ich beim Rausgehen ihre Gesichter nochmal von Nahem gesehen und ich schwöre dir Nora, das war Samuel. Und das Mädchen, das sich an ihn geklammert hat, als hinge ihr Leben davon ab, war hundertprozentig nicht Rachel.“
„Oh mein Gott“, hauchte Nora entsetzt. „Er hat sie betrogen? Samuel? Bist du ganz sicher, Mase? Bitte sag, dass du dich getäuscht hast!“
„Hab ich nicht“, erwiderte er traurig. „Das Mädchen meinte beim Rausgehen ja sogar noch: „Samueeel, ich will aber nicht warten!“ Es war echt ekelhaft, besonders weil ich wusste, dass er davor mit einer Hammer-Frau zusammen war.“
„Mason...Samuel hat aber nicht mit Rachel Schluss gemacht.“
Er stockte und schien das kurz zu verarbeiten, dann stieß er zischend die Luft aus, die er angehalten hatte. „Scheiße.“
„Das kannst du laut sagen“, stimmte Nora ihm zu und langsam wurde ihr übel, bei dem Gedanken, wie Rachel reagieren würde. „Oh Gott, Mase...ich glaube nicht, dass sie es weiß.“
„Dass wer was weiß?“
Sie zuckte heftig zusammen und hätte beinahe das Handy fallen gelassen, als die heitere Stimme ihrer besten Freundin direkt hinter ihr ertönte.
„R-Ray!“, rief Nora erschrocken aus und starrte sie mit weit aufgerissenen Augen an.
Rachel lachte bloß und hakte sich bei ihr ein. „Na komm schon, alte Träumerin. Sag Tschüss zu deinem Lover und lass uns endlich die Gruppe wieder aufholen. Ich musste mich davonstehlen, um dich zu suchen. Bevor das jemand bemerkt, sollten wir schon wieder zurück sein, also hopp, hopp!“
„O-okay“, stammelte Nora noch immer völlig überrumpelt. „Mase, ich muss auflegen.“
„Alles klar.“ Er machte eine kurze Pause und seufzte dann. „Wirst du es ihr sagen?“
Sie verzog das Gesicht und das unwohle Gefühl in ihrem Magen setzte sich fest. „Natürlich“, antwortete sie dennoch.
„Okay. Viel Glück, Nora...und meld dich mal wieder.“
„Werde ich“, versprach sie. „Bis bald, Mason.“
„Ciao.“

„Um was ging's denn, dass du so abwesend geworden bist?“, zog Rachel sie auf, sobald Nora das Handy wieder eingesteckt hatte.
Die Schwarzhaarige versuchte ein Lächeln zu Stande zu bringen, aber es ähnelte wohl eher einer Grimasse. „Ich erzähl's dir später, okay?“
Als Ray ihr endlich ins Gesicht schaute, blieb sie stehen und beäugte sie besorgt. „Hey, alles in Ordnung? Du siehst aus, als hättest du einen Geist gesehen.“
Nora biss sich auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf, dann umarmte sie Rachel einfach. „Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, glaube ich“, flüsterte sie. „Ich erzähle es dir später. Bitte sei mir nicht böse.“
Vollkommen verwirrt erwiderte Ray die Umarmung und lachte nervös auf. „Äh...Nora, du benimmst dich echt seltsam. Nichts gegen dich, aber du machst mir gerade irgendwie ein bisschen Angst. Ist es denn etwas Schlimmes?“
Nora löste sich wieder von ihr und schüttelte den Kopf. „Später. Im Hotel, okay?“
„Okay“, erklärte Rachel sich zögernd einverstanden. „Aber dann will ich es sofort wissen, klar? Ich bin nun mal ein neugieriger Mensch!“
Noras ohnehin schon blasse Haut hatte nun fast die Farbe weiß erreicht, als die Übelkeit stärker wurde. Wieso bloß musste Rachel so etwas passieren?
Wieso musste Samuel ihr das antun? Wie konnte er bloß?
Es war ihr noch nie passiert, aber Nora musste die Tränen unterdrücken, um nicht für ihre Freundin zu weinen.
Sie hatte jetzt schon Panik vor dem Gespräch im Hotel.

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Heya  Brownies,
zuerst mal, sorry für das eben.
Ich bin mir selbst nicht wirklich sicher, ob ich das wirklich so lassen werde, das kommt mir nämlich selbst irgendwie ein wenig krass vor...und Rachel tut mir Leid :(
Das ist auch ein Grund, warum das neue Kapitel so lange gedauert hat, auch sorry dafür ^^'
Und außerdem überlege ich, ob ich den Titel der Story zu It's a love-hate-thing umändere.
Nur, damit ihr Bescheid wisst ^^
Ich hoffe, euch hat das Kapitel trotzdem gefallen, auch wenn's kein Lora gab und es schon wieder Drama gibt - wenn euch das zu viel ist, dann lasst es mich bitte wissen :)
Beim Schreiben bin ich leider eine kleine Drama-Queen ^^'
lG Schoko <3 ^^
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast