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It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
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26.11.2016 3.985
 
Kapitel Siebenundfünfzig - „Mir auch.“


„Wieso? Reiche ich dir etwa nicht?“
Seufzend fuhr Nora sich durch die Haare und folgte Luke schließlich in den Wohnzimmer-Bereich. Es war echt unfair, dass die Bandmitglieder und die Manager immer so große Suiten gebucht bekamen und kleine Fische wie sie sich teilweise in heruntergekommene Zimmer quetschen mussten. Einmal waren sie in einer dieser Abstiegen gelandet, wo sogar die Manager ein mittelmäßiges Zimmer bekommen hatten.
Die Zimmer der Crew konnte man sich dementsprechend vorstellen. Bei dem Gedanken daran schüttelte es Nora immer noch.
„Naja, es ist jetzt nicht unbedingt so, dass wir eine tolle Vorgeschichte haben“, antwortete sie schließlich zögernd auf Lukes eher rhetorisch gemeinte Frage. Jetzt, so allein mit ihm in der Suite, in der sie das letzte Mal mit ihm geschlafen hatte, war sie plötzlich wieder schrecklich nervös.
„Hey, aber wir haben eine Vorgeschichte“, merkte er an, als würde es das wieder rausreißen, und Nora stemmte ein wenig genervt die Hände in die Hüften.
„Ja und die ist ziemlich scheiße. Tut mir Leid dir das so knallhart ins Gesicht sagen zu müssen“, konterte sie mit vor Sarkasmus triefender Stimme.
Er ließ sich aufs Sofa fallen und sah sie solange auffordernd an, bis sie nachgab und sich seufzend neben ihn setzte. Das ganze war ihr nicht geheuer und sie rückte instinktiv von ihm ab.
Ihr Entschluss von vorhin stand, sie wollte nicht länger mit Luke streiten, aber sie würden auch sicher keine besten Freunde werden.
Für den Bruchteil einer Sekunde verfinsterte sich Lukes Gesicht und sie dachte einen Augenblick lang, dass er etwas sagen würde, weil sie peinlich berührt auf Abstand achtete, aber dann wandte er den Blick wieder ab.
„Okay, du hast Recht, unsere Vorgeschichte ist scheiße. Aber genau darüber will ich endlich mal mit dir reden.“
Bei seinen Worten machte ihr Herz einen Satz und gleichzeitig überkam sie Panik. „W-was?“, stotterte sie und erhob sich schnell. „Da gibt es nichts zu reden. Ist doch alles gut so, wie es ist.“
Er schüttelte den Kopf und betrachtete sie stirnrunzelnd. „Ich finde aber schon.“
Sie schluckte schwer und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust, während sie seinem Blick auswich. Das durfte doch alles nicht wahr sein. „Ich glaube, ich sollte doch lieber wieder gehen.“
Aber bevor sie auch nur einen Schritt in Richtung Tür hätte machen können, stand Luke schon vor ihr und griff erstaunlich sanft nach ihren Händen.

„Hast du Angst?“, fragte er leise, provozierend, in dem Versuch sie dazu zu bringen, auf seine Herausforderung einzugehen und zu bleiben.
Nora schnaubte und entzog ihm ihre Hände. „Luke, das hat keinen Sinn. Es gibt nichts zu bereden. Ich will auch gar nicht reden.“
Er seufzte tief. „Du hast Angst.“
„Nein, hab ich nicht!“, fauchte sie und seine Mundwinkel zupften. Das triumphierende Lächeln konnte er sich gerade noch so verkneifen, das hätte sie nämlich zu wütend gemacht.
Sie schüttelte den Kopf um ihre Gedanken wieder zu sammeln und starrte schließlich auf ihre Füße. „Ich will nur nicht darüber reden.“
„Du weißt doch noch nicht mal, was ich sagen wollte“, protestierte er und sie schielte zu ihm nach oben.
„Ich vermute, du wolltest unsere „tolle“ Vorgeschichte ansprechen und darauf hab ich ganz ehrlich keine Lust. Damit hab ich abgeschlossen, Luke. Wir haben beide unsere Fehler gemacht, das sehe ich ein, aber das ist jetzt Vergangenheit.“
Panik überschwemmte ihn mit einem Mal und er musste sich beherrschen um sie nicht zu packen und festzuhalten um sie davon abzuhalten vor ihm zu fliehen.

„Also ziehst du einfach feige den Schwanz ein und läufst weg“, entkam es ihm schroffer als beabsichtigt, aber die Angst schien sein Herz zu zerquetschen.
Noras Gesicht verfinsterte sich und wieder verschränkte sie abwehrend die Arme vor der Brust. „Ich laufe nicht weg.“ Sie betonte jedes einzelne Wort und beinahe wäre er zusammengezuckt. „Ich hab schlicht und ergreifend einfach genug.“
„Genug wovon?“, fragte er schnell, um sie am Reden zu halten. Sein Herz klopfte laut und fast schmerzhaft gegen seinen Brustkorb und er musste den Drang unterdrücken mit der Hand über seine Seite zu fahren.
„Genug davon!“, rief sie aus. „Von dir! Von deinem ganzen, verdammt verwirrenden Verhalten! Ganz ehrlich, was soll ich denn noch tun? Ich hab die Schnauze voll von deinen ständigen Stimmungsschwankungen und ich sag's noch einmal, ich lasse mich nicht wie eine Schlampe behandeln.“
Sie senkte die Stimme bei den letzten Worten wieder, aber es schwang ein scharfer Unterton mit.
Luke verzog das Gesicht. „Ich wollte dir nie das Gefühl geben, du wärst eine Schlampe für mich.“ Er sprach das Wort angeekelt aus, als wäre es völlig abwegig Nora und das Wort in selben Satz zu erwähnen.
„Ach, jetzt tu doch nicht so!“, stieß sie bitter aus. „Wie soll ich mich denn fühlen, wenn du mich normalerweise wie den letzten Dreck behandelst und Scherze auf meine Kosten machst, aber dann-...“
„Aber du reagierst nur bei mir so extrem darauf“, unterbrach er sie aufgebracht. „Wenn Ashton Witze über dich macht, dann lachst du bloß, aber wenn ich ein falsches Wort von mir gebe, fauchst du mich an!“
„Ja, wieso bloß?!“, schrie sie beinahe und sie zuckten beide erschrocken zusammen, über die unerwartete Lautstärke. Nora räusperte sich und senkte die Stimme dann wieder etwas. „Es ist nicht immer was du sagst. Die Art wie du es sagst und wie du mich dabei ansiehst sprechen manchmal für sich.“
Das ließ er sich einen Moment durch den Kopf gehen und seufzte dann.
„Okay, das ist scheiße von mir und es tut mir Leid“, gab er zu, was sie einen Moment sprachlos machte vor Überraschung. „Aber wenn ich versuche nett zu dir zu sein, lässt du es auch nicht zu!“
Halt die Klappe, verdammt, halt einfach die Klappe, redete Luke innerlich mit sich selbst. Das lief ganz anders, als er es geplant hatte und er machte es gerade nur noch schlimmer.
„Wann bist du schon mal nett zu mir?“, schoss sie zurück. „Du bist doch bloß nett zu mir, wenn du irgendwas von mir willst!“
„Ich hab dir Blumen geschenkt“, protestierte er und nahm ihr damit kurzzeitig den Wind aus den Segeln.
„Ja und warum? Was willst du jetzt von mir? Dass ich mich darauf einlasse dein Fuck-Buddy zu werden ohne lange zu meckern?“
„Jetzt redest du Bullshit“, ätzte er und sie schnaubte lediglich, was seine Wut bloß anstachelte. „Nein, stell dir vor, ich wollte tatsächlich einfach mal so nett sein.“

„Luke, niemand verschenkt Blumen ohne irgendeinen Hintergedanken“, erwiderte sie erstaunlich schlicht und trocken.
Frustriert fuhr er sich durch die Haare und fixierte sie dann wieder mit diesen hellen, blauen Augen in denen gerade ein Sturm zu toben schien. „Okay, ich hatte einen Hintergedanken dabei. Ich wollte mich eigentlich bei dir entschuldigen.“
„Damit ich dir, ganz bezaubert von deinem unglaublichen Charme, verzeihe und wir wieder im Bett landen? Wow, das hört sich echt an, als hättest du nur die besten und reinsten Hintergedanken gehabt“, erwiderte sie sarkastisch und hielt seinem Blick stand, auch wenn ihr langsam die Knie zitterten.
Luke schien vor ihren Augen förmlich zu explodieren und sein Kopf lief langsam rot an vor Wut. „Hörst du vielleicht mal auf, darauf herumzureiten?!“, rief er aus. „Ich meine, OKAY, der Sex mit dir ist großartig, aber das ist nicht mein verdammter einziger Grund!“
Von dieser ungewohnten Offenheit blieb ihr einen Moment lang der Mund offen stehen und sie wusste beim besten Willen nicht, was sie darauf erwidern sollte.
Dann schüttelte sie allerdings den Kopf und wandte den Kopf zur Seite. „Alles klar“, antwortete sie schnaubend. Noch einmal würde sie sich nicht von ihm einwickeln lassen.
„Das ist mein Ernst, verdammt!“
„Ja, meiner auch!“, schrie sie zurück und einen Augenblick lang starrten sie sich einfach nur an.
„Was?“, schnauzte sie ihn schließlich an, in einem verzweifelten Versuch ihre Selbstverteidigung aufrecht zu erhalten. „Was verdammt nochmal ist dein beschissener Grund außer Sex? Sag's mir, wenn du mich dann endlich in Ruhe lässt!“
Zu ihrem Entsetzen hatte sie plötzlich einen Kloß im Hals und ihre Augen begannen zu brennen.
Oh Gott, jetzt bloß nicht heulen, sagte sie sich innerlich.
Sie blinzelte mehrmals und schluckte den Kloß hinunter, aber das Bedürfnis in Tränen auszubrechen verschwand nicht. Sie war furchtbar wütend auf Luke, aber gleichzeitig so unglaublich verletzt. Es tat ihr weh, ihm so nahe zu sein, denn das beschwor alle Erinnerungen herauf, die sie verdrängen wollte. Der Tag hatte doch so schön angefangen.
Luke atmete noch ein paar Mal tief durch, dann richtete er sich wieder gerade auf und sah ihr fest in die Augen. „Ich mag dich.“
Wut explodierte mit einem Mal in ihrem Bauch und schoss wie glühende Lava durch ihre Adern. Sie riss den Arm in die Höhe und schlug ihm mit aller Kraft auf die Brust, was Luke überrascht aufkeuchen und nach hinten taumeln ließ.
„Das ist verdammt noch mal nicht lustig, du Arschloch!“, brüllte sie und brach in Tränen aus. Was fiel ihm eigentlich ein, sie so zu verarschen? Sie hasste ihn! Und sie hasste die blöde Hoffnung, dass er die Wahrheit sagte, die sie einfach nicht ersticken konnte und noch viel mehr hasste sie den kleinen, dummen, naiven Teil, der ihm einfach glauben wollte.
„Ich hab auch nicht versucht lustig zu sein“, antwortete er erstaunlich ruhig, von dem unerwarteten Schlag noch immer etwas geschockt.
Nora blinzelte hastig die Tränen beiseite, die ihr Blickfeld verschwimmen ließen und wischte sich dann grob übers Gesicht. „Ja, ist klar“, höhnte sie, musste aber gleichzeitig ein Schluchzen unterdrücken. „Es ist echt krass, dass du dich auf so ein Niveau runter lässt.“
Die Wut begann wieder in ihm zu glühen und er trat so nah vor sie, dass ihre Nasenspitze beinahe seine Brust streifte. Als sie zurückweichen wollte, packte er ihre Handgelenke und zog sie zurück, sodass sie jetzt ohne große Bewegungsfreiheit an ihn gepresst wurde.
„Lass mich los!“, forderte sie wütend und wehrte sich mit Krallen und Zähnen gegen ihn, aber es nutzte nichts.
„Nein, du wirst mir jetzt zuhören, statt immer nur irgendetwas zu interpretieren und mir die Worte im Mund umzudrehen!“, grollte er und sie bedachte ihn mit einen vernichtenden Blick.
„Du hast mir gar nichts zu sagen“, sagte sie mit plötzlich bedrohlich leiser Stimme.
Nicht, dass Luke sich in diesem Moment davon hätte einschüchtern lassen.
Verärgert unterdrückte Nora das Bedürfnis wie ein trotziges Kind um sich zu treten und biss stattdessen die Zähne zusammen.
„Dann fang an“, forderte sie schließlich, nachdem er immer noch nichts gesagt hatte und sie nur stumm beobachtet hatte.
Seufzend ließ er sie los und bedachte sie mit einem skeptischen Blick, so als wäre er sich nicht sicher, ob sie nicht sofort wieder auf ihn einprügeln würde.
Um ehrlich zu sein, das Bedürfnis war immer noch da und zugegeben ziemlich verlockend, aber sie nahm sich zusammen.

Und dann tat er etwas, was sie völlig überrumpelte. Irgendetwas an ihr schien ihn wieder zu besänftigen, denn sein Gesichtsausdruck wurde weicher und er hob die Hände an ihre Wangen und strich mit dem Daumen sanft die Tränen unter ihren Augen weg.
„Nicht“, murmelte er und ihr Mund öffnete sich, bereit ihm irgendetwas entgegen zu schleudern, aber sie schien keine Worte formen zu können.
Und während sie noch versuchte irgendetwas herauszubringen, bekam sie plötzlich Schluckauf.
Schmunzelnd betrachtete Luke sie und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn, dann wich er endlich von ihr zurück, was eine wahre Wohltat für Noras geschundenes Herz war.
Sie hielt sich mit roten Wangen die Hand vor den Mund, aber das ließ den Schluckauf natürlich nicht verschwinden.
„Dann fang schon an zu erklären“, nuschelte sie schließlich und setzte sich mit deutlichem Widerwillen auf die Couch.
Luke ließ sich neben sie fallen und zu ihrer Erleichterung ließ er ihr ein wenig Abstand. Vermutlich ahnte er, dass der Wirbelsturm immer noch im Inneren von ihr wütete und er jederzeit wieder Opfer von einem Schlag werden konnte.
Er atmete einmal tief durch und setzte an, etwas zu sagen, hielt dann aber inne und räusperte sich. Noch einmal holte er Luft und sah ihr kurz in die Augen, dann wich er ihrem Blick wieder aus.
Ungläubig stellte Nora fest, dass er tatsächlich nervös war.
Möglicherweise war das ein Trugschluss, aber seine Nervosität würde bedeuten, dass ihm das alles wirklich...wichtig war.
„Okay, also...ich hab mich seit ich dich kenne ziemlich scheiße verhalten. Hab dich abfällig behandelt, hab mich mit dir gestritten und ein paar Sachen gesagt, die ich hätte nicht sagen sollen.“ Er verzog das Gesicht und fuhr sich durch die Haare, während er sich seine nächsten Worte zurechtlegte.
Noras Herz schlug heftig in ihrer Brust und brachte ihre Hände zum zittern. Sie war aufgeregt und immer noch wütend, aber gleichzeitig hatte sie Angst, was er als Nächstes sagen würde.
„Ich hab allgemein viel Scheiße gebaut und ich-...“ Luke stockte wieder und holte ein weiteres Mal tief Luft. „Ich will mich bei dir entschuldigen.“
Als Nora nichts erwiderte wandte er ihr zögernd wieder den Kopf zu und biss sich auf die Lippe.
Die Schwarzhaarige saß wie erschlagen von seinen Worten auf der Couch und ein wenig panisch bemerkte er, dass sich schon wieder Tränen in ihren Augen sammelten.
„H-hey, nicht weinen“, brachte er heraus und rutschte näher zu ihr. Ein Teil von seiner Anspannung fiel von ihm ab, als er bemerkte, dass sie nicht von ihm zurückwich. Luke legte einen Arm auf die Lehne hinter ihr und nahm eine ihrer zitternden Hände in seine. „Es tut mir Leid, Nora.“
Sie holte Luft um etwas zu sagen, aber dann stockte sie und räusperte sich stattdessen. „Ich-...“
Verärgert zog sie die Brauen zusammen und räusperte sich abermals. „Ich-...“ Ihr entkam ein erstickter Laut und sie schlug sich eine Hand vor den Mund.
Eine eiserne Hand schloss sich um Lukes Herz als er sie so sah und wusste, dass es allein seine Schuld war. Mit einem seltsamen Kloß im Hals zog er Nora zögernd näher an sich und legte die Arme um sie.
„Ich kann dir das nicht glauben“, brachte sie schließlich schniefend heraus und etwas schien seinen Brustkorb zu zerquetschen.
„Es tut mir Leid“, wiederholte er, als würde es das glaubhafter machen, wenn er es einfach nur oft genug wiederholen würde. „Ich hab dir weh getan. Oft. Verdammt, ich war ein Trottel, aber ich werde mich zusammenreißen, versprochen! Gib mir nur eine zweite Chance. Bitte, Nora.“ Er fühlte sich unwohl, weil er sich so verletzlich fühlte.
„Ich-...nein.“
Er spannte sich an und ließ sie zögernd wieder los, räusperte sich verhalten und starrte blicklos an ihr vorbei. Das hatte er wohl erwarten müssen. Natürlich würde sie ihm nicht so einfach verzeihen, Himmel, das war Nora! Und er hatte sich ihr gegenüber lange genug wie ein Arschloch aufgeführt.
Trotzdem, das Atmen fiel ihm plötzlich schwer und der Kloß in seinem Hals wurde größer.
„Luke...“ Nora strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr und biss sich auf die Lippe. Sie schien zu überlegen und er wagte kaum sich zu rühren.
Schließlich richtete sie seufzend den Blick wieder auf ihn und hob zögernd einen Mundwinkel. „Ich meine...ist es das wirklich wert?“
Er schwieg und biss die Zähne fest zusammen, wich weiter ihrem Blick aus.
„Hör mal, ich will dir auch nicht allein alles zu schieben. Du warst immerhin nicht der Einzige, der Mist gebaut hat. Ich hab auch Fehler gemacht und hab mich auch immer darauf eingelassen, wenn du einen Streit provoziert hast. Ich bin auch mit Schuld. Aber...aber du hast mich verletzt. Ich finde du hast verdient, das zu wissen.“
Das trug wirklich nicht dazu bei, dass Luke sich besser fühlte und er war sich auch bewusst, dass das nicht ihre Absicht gewesen war. Sie wollte, dass er wusste, dass er der Grund war, wieso sie jetzt so traurig aussah. Dass es seine eigene Schuld war, dass sie ihm keine zweite Chance geben wollte. „Es tut mir Leid“, sagte er zum dritten Mal, diesmal mit beinahe heiserer Stimme.
Ihr Gesichtsausdruck fiel in sich zusammen und schon wieder glitzerten Tränen in ihren Augen. „Mir auch“, platzte es aus ihr heraus und sie schluchzte auf.
Luke ächzte gequält auf und zog sie in einer fließenden Bewegung wieder an sich. Das konnte er sich nicht länger ansehen.
„Ich mach alles wieder gut, versprochen“, murmelte er und vergrub das Gesicht in ihren Haaren. „Du musst mich nur lassen. Bitte.“
Sie krallte die Finger in sein Shirt und verkrampfte sich, aber er hielt sie weiter fest, bis sie sich in seinen Armen entspannte und sich gegen ihn lehnte. „Ich weiß nicht, ob ich dir vertrauen kann“, flüsterte sie und erinnerte sich an Calums Worte. Vertrauen wurde nicht leicht geschenkt.
„Dann werde ich dir beweisen, dass du mir vertrauen kannst“, antwortete Luke sofort und sie atmete zittrig ein.
Sie schloss die Augen und drückte schwer schluckend ihre Stirn gegen seine Schulter. Sie wollte das Risiko nicht eingehen. Sie wollte so weit wie irgendwie möglich von ihm weg sein und einfach vergessen. All die Kränkungen und verletzten Gefühle vergessen.
Aber gleichzeitig war da dieses warme Versprechen, sich jederzeit in Lukes Arme kuscheln zu können und mit ihm zu reden, ihm nahe zu sein und den Luke, in den sie sich verliebt hatte, endlich kennenzulernen. Nur wusste sie nicht, ob das Versprechen nicht eine Falle war. Ob sie und Luke nicht bei der nächsten Kleinigkeit wieder streiten würden und wieder alles umsonst gewesen war.
„I-Ich hab so oft versucht-...hab mir so oft gesagt, dass es das letzte Mal ist“, begann sie und musste die Tränen unterdrücken, die ihr dabei wieder in die Augen schossen. „Ich will nicht immer wieder einknicken, Luke.“
„Wenn du mir jetzt vertraust, dann schwöre ich dir, dass es nicht umsonst ist. Gib mir nur noch eine Chance“, flüsterte er und sie zog die Schultern hoch.
Konnte sie das wirklich? Sie wollte nicht noch einmal das Gleiche durchmachen wie schon so viele Male davor. Ihre Gefühle waren bis ins Mark verletzt und sie fühlte sich verletzlich und ausgeliefert. Gerade als sie all ihren Mut zusammennahm um Luke zu sagen, dass es zu spät war, kam ihr wieder in den Sinn, wie er sich verhalten hatte, seit sie zum zweiten Mal miteinander geschlafen hatten. Da war nicht er sondern sie das Problem gewesen.
Luke war wirklich...nett zu ihr gewesen. Keine verletzende Bemerkung. Er hatte ihr sogar Blumen geschenkt, so viele, dass ihr ganzes Hotelzimmer förmlich überging, weil sie es nicht übers Herz gebracht hatte, auch nur eine davon wegzuwerfen. Wieder musste sie an das Gespräch mit Calum denken, davon, dass niemand leichtfertig Vertrauen schenkte und man dieses Vertrauen niemals mit Füßen treten sollte. Luke war bereit das bisschen Vertrauen, das sie ihm geben wollte, in Ehren zu halten. Sie sollte das selbe mit dem Vertrauen, das er ihr entgegenbrachte in dem er sie um eine zweite Chance bat, tun.
Sie schluckte schwer und drückte sich schließlich von ihm weg. Er ließ kraftlos die Arme fallen, sodass sie sich widerstandslos wieder aufrichten konnte.
Als sie in seine traurigen Augen blickte setzte ihr Herz einen Schlag aus und schlug dann doppelt so schnell weiter.
Sie öffnete den Mund um etwas zu sagen, aber dann stockte ihr der Atem und ihr Gehirn war wie leergefegt. Was sollte sie sagen?
„O-okay“, stammelte sie schließlich.
Seine Augen weiteten sich und er brauchte einen Augenblick, bis ihre Worte angekommen waren, aber dann hellte sein Gesicht sich auf und er schlang die Arme wieder um sie.
Sie atmeten schwer, als wären sie beide einen Marathon gelaufen, aber während Luke einfach unglaublich erleichtert war musste Nora den Drang zu weinen unterdrücken.
„L-lass mich das nicht bereuen, Luke“, brachte sie schließlich heraus und er vergrub das Gesicht in ihrer Halsbeuge.
„Werde ich nicht. Versprochen.“ Ihr Schluckauf kehrte zurück und er lachte leise auf. „Danke.“
Schweigend schloss sie die Augen und klammerte sich dann eng an ihn.
Sie hoffte und betete, dass es nicht umsonst war und ihre Entscheidung die Richtige war. Mit der Zeit würde es sich schon herausstellen.

Sie verloren jegliches Zeitgefühl während sie eng umschlungen auf dem Sofa saßen und nur ab und zu ein paar Worte austauschten, sonst aber die meiste Zeit schwiegen. Nora fing immer wieder an zu weinen und Luke gab sein Bestes, um sie wieder zum Lachen zu bringen, aber es funktionierte nicht immer so, wie er es sich wünschte.
„Tut mir Leid“, schniefte Nora zum wiederholten Mal und vergrub das Gesicht an seiner Schulter. „Ich bin normalerweise keine solche Heulsuse.“
„Red keinen Quatsch.“ Luke streichelte ihr sanft über den Rücken und lehnte seinen Kopf gegen ihren. „Du musst nicht weinen, Nora. Es ist alles gut, okay?“
„Ich hab nur-...ich-...“
Luke spannte sich unwillkürlich an, als er einen neuen Zusammenbruch erahnte.
„Ich hab nur Angst...irgendwie“, erklärte sie mit dünner Stimme und unterdrückte krampfhaft ein Schluchzen. „Wir haben uns so lange gestritten und-...und ich weiß, dass es dumm ist, aber ich kann einfach nicht aufhören zu weinen.“ Beschämt versteckte sie das Gesicht in seiner Halsbeuge und schmiegte sich an ihn, was Luke das Herz aufgehen ließ.
Sie sagte, sie wusste nicht, ob sie ihm vertrauen konnte. Aber scheinbar vertraute sie ihm genug, um jetzt seine Nähe zu suchen, weil es ihr nicht gut ging.
„Ist schon gut“, murmelte er beruhigend und küsste sie auf den Kopf. Das schien tatsächlich zu helfen, denn sie entspannte sich wieder und atmete tief aus.
Eine Weile schwiegen sie und Luke wiegte sie nur beruhigend hin und her, was ihr ein Lächeln aufs Gesicht zauberte.
Dann löste sie sich etwas von ihm und lachte kurz auf. „Ich könnte ein Taschentuch gebrauchen“, gestand sie verlegen lächelnd und er schüttelte grinsend den Kopf.
„Alles solange du nicht mehr weinst“, versprach er und gab ihr einen Kuss auf die Nasenspitze, was sie überrascht die Luft anhalten ließ.

Kaum dass Luke aufgestanden war um ein Taschentuch für Nora zu holen, wurde plötzlich die Tür aufgeschlossen und öffnete sich weit.
Michael spazierte mit dem Handy in der Hand herein, aber er blieb irritiert stehen, als er Nora auf dem Sofa bemerkte.
Ihre roten Augen und das ständige Schniefen, das sie von sich gab, ebenso wie Luke, der ein wenig zerstreut in den Schubladen nach einem frischen Taschentuch kramte, sprachen wohl für sich.
„Okay, will ich überhaupt wissen, was ich hier verpasst habe?“, gab er schließlich von sich und Luke wirbelte überrascht herum.
„Mike? Seit wann stehst du da schon?“
Nora senkte beschämt den Blick und strich sich die Haare über die Schulter, um ihr verheultes Gesicht ein wenig zu verdecken.
„Äh, seit grade eben.“ Überfordert ließ er sich auf einen freien Sessel Nora gegenüber fallen und sah zwischen den beiden hin und her. „Okay, klärt mich auf. Was ist passiert und warum sieht Nora aus, als wäre ihre Katze überfahren worden?“
„Wir-...“, begann Luke, stockte dann aber. Er warf einen unsicheren Blick zu Nora, weil er nicht wusste, ob sie wollte, dass er den anderen etwas sagte.
Sekunden später nahm sie ihm die Entscheidung ab, indem sie den Kopf hob und Michael anlächelte.
„Luke und ich haben ein paar Sachen geklärt. Und ich weiß auch nicht wieso, irgendwie bin ich recht gefühlsduselig geworden.“
„Ah...Frauen halt“, frotzelte Michael, lächelte sie aber aufmunternd an.
„Halt die Klappe“, gab sie lediglich zurück, lachte dann aber kurz auf. „Ihr seid dafür schwanzgesteuert.“
„Stimmt doch gar nicht!“, erwiderte er empört, was Nora wieder zum Lachen brachte.
Erleichtert, dass sie nicht mehr weinte und hoffentlich auch in nächster Zeit davon absah, ging Luke auf die beiden zu, ein Päckchen Taschentuch nach erfolgreichem Suchen in seiner linken Hand.
„Danke.“ Noras warmes Lächeln, dass sie Luke schenkte, als er ihr ein Taschentuch reichte, war das ganze Drama zuvor wert, stellte er zufrieden fest.
Er blieb hinter der Couch stehen und strich ihr sanft durch die Haare, was sie lächeln ließ, ihnen jedoch einen skeptischen und verwirrten Blick von Michael einbrachte.

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So.
Bam.
Und damit verabschiede ich mich für heute und lasse euch einen weiteren Monat, wenn nicht zwei auf ein neues Kapitel warten ^^
Okay nein...also ich hoffe nicht, aber ich kann nix versprechen xD
lg Schoko <3 ^^
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