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It's a love-hate-thing

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
22
Alle Kapitel
126 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
26.11.2016 3.746
 
Heya Brownies,
hier bin ich wieder.
Hat lange genug gedauert, ich weiß, tut mir wirklich total Leid :(
Ich hab nur einfach viel weniger Zeit, seit ich mit der Arbeit angefangen habe und da ich auch nicht immer Lust hatte an JAL weiterzuschreiben sondern auch mal an anderen Geschichten hat es eben länger gedauert. Ganz zu schweigen davon, dass ich eine echte Schreibblockade hatte, weil ich völlig überfordert mit dieser verflixten Schlüsselstelle im nächsten Kapitel - das übrigens gleich im Anschluss kommt, als Entschädigung quasi - war und sehr lange daran herumgetüftelt habe...
Wie auch immer, ich hoffe das Kapitel gefällt euch und es war die lange Wartezeit wert :)
lg Schoko <3 ^^

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Kapitel Sechsundfünfzig - „Wieso? Reiche ich dir etwa nicht?“


Es blieb nicht bei der einen Blume.
In den nächsten drei Tagen wurde sie mit Blumen förmlich überschüttet, nicht nur Rosen sondern alle Arten, die sie sich vorstellen konnte. Ihr ganzes Hotelzimmer roch nach den Blumen die an den unterschiedlichsten Stellen auf sie warteten, aber immer so platziert, dass sie sie gar nicht übersehen konnte.
Es war mehr als seltsam und ein völlig verrückter Gedanke, dass sie alle von Luke kamen.
Sie schaute mit Sicherheit komplett verdattert drein, als Jace ihr bei der Arbeit grinsend einen Blumenstrauß in die Hand drückte, den er ihr weitergeben sollte.
„Ist der etwa auch von Luke?“
„Ich weiß von nichts“, antwortete Jace mystisch und ging rückwärts wieder davon.
Das Komische an der Sache war, dass sie Luke selbst während der ganzen Zeit kein einziges Mal über den Weg lief. Es war, als hätte er alle Hände voll damit zu tun, all die Blumen zu finden und an Orte zu bringen, an denen sie oft war. Sogar in Ashtons Zimmer wartete eine hübsche, rote Geranie auf sie und einmal lag ein kleiner Strauß Gänseblümchen auf ihrem Bett, den Luke wahrscheinlich wieder mit Rachels Hilfe dort hingebracht hatte.
Die Gänseblümchen hatte Luke wahrscheinlich am Straßenrand oder in irgendeinem Park gepflückt und allein die Vorstellung war witzig.
Ihr wurde warm ums Herz bei dem Gedanken, dass er diese – für ihn vermutlich – Peinlichkeit für sie auf sich genommen hatte.
Was er sich von dem Ganzen erhoffte, war ihr allerdings nicht klar. Was brachte es ihm, ihr so viele Blumen zu schenken?
Vielleicht dachte er, sie wäre wütend auf ihn, und er musste sie zuerst irgendwie besänftigen, bevor er ihr wieder unter die Augen treten konnte.
Aber sie war gar nicht wütend auf ihn. Nicht, nachdem er in dieser Nacht so lieb zu ihr gewesen war. Natürlich war sie enttäuscht und verletzt, aber das war ganz allein ihre eigene Schuld.
Wenn sie auf jemanden wütend war, dann auf sich selbst.
„Golden!“
Nora schreckte aus ihren Träumereien hoch und richtete sich gerade auf. „Mr Kanter?“
„Träum nicht herum, wir haben Arbeit zu tun!“
„Ja, Sir.“ Sie zog den Kopf ein und eilte an ihm vorbei.
Der Stress, dem sie kurze Zeit entflohen war, ging wieder weiter und sie ließ sich erneut von der Hektik kurz vor dem Auftritt anstecken. Dazu gesellte sich ihre Nervosität, weil sie Luke gleich wieder gegenüber stehen würde und absolut nicht wusste, wie sie reagieren sollte.
Vielleicht würde er es ihr ja einfach machen und sie einfach ignorieren?
Unwahrscheinlich. Er war immer noch Luke, selbst wenn die Aktion mit den Blumen und sein Verhalten, als sie mit ihm und Ash in der Stadt Mittagessen war, so gar nicht typisch für ihn waren.
Zumindest nicht so, wie sie ihn kennengelernt hatte. Sie wusste ja selber, dass er auch ganz anders sein konnte...
Oh verdammt, jetzt träumte sie schon wieder vor sich hin!
Hastig versuchte sie dem Rest ihrer kleinen Gruppe behilflich zu sein und schließlich schafften sie alles noch rechtzeitig. Jetzt warteten sie nur noch auf die Band.

Sie warteten bereits eine Weile, aber die Jungs schienen sich Zeit zu lassen. Die Techniker und Kameraleute waren ungeduldig und genervt, weil das Kreischen der Fans draußen mit jeder vergangen Minute lauter wurde und ihnen das Trommelfell förmlich zerriss.
„Meine Fresse, ich hatte keine Ahnung, dass man die Tonlage überhaupt in der Lautstärke erreichen kann! Da platzt einem ja das verdammte Trommelfell und das nur wegen der paar kleinen Scheißer die nicht auftauchen“, fluchte Phil Dashwood, ein Kameramann Mitte 20. Er war ähnlich gutaussehend wie Jace, wenn auch auf eine völlig andere Weise. Phil hatte den unvergleichlichen Surfer-Look auf den so viele Frauen standen und das zugehörige charmante Lächeln. Allerdings fluchte er sehr gerne, und das sehr oft und sehr laut.
„Du bist nur drei Jahre älter als der Drummer“, erinnerte Ethan ihn belustigt, verkniff sich das Lachen aber bei dem finsteren Blick, den Phil ihm zuwarf.
Nora fand das ganze ja recht witzig und unterhaltsam, aber auch sie wartete ungeduldig darauf, dass die Band endlich mal aufschlagen würde. Das Kreischen draußen war wirklich schwer zu ertragen, trotz des Headsets, die sie alle trugen.
Laut seufzend lehnte Neil sich an die Wand und steckte die Hände in die Hosentaschen. „Immer diese Scheiß-Promis, die denken sie können sich alles erlauben“, brummte er.
Nora reagierte sofort abwehrend, obwohl er sie gar nicht beleidigt hatte. „Hey, nur weil sie zu spät sind, halten sie sich nicht gleich für was Besseres“, verteidigte sie die Jungs an deren Stelle.
Neil runzelte die Stirn und überlegte kurz, dann hellte seine Miene sich auf. „Achja, du bist ja mit den Bubis befreundet. Hab ich vergessen, sorry.“
Sie verdrehte nur die Augen und wandte ihm wieder den Rücken zu. Es ärgerte sie, dass er so abfällig von ihnen sprach, er kannte sie immerhin nicht!
Er murmelte etwas hinter ihrem Rücken, vermutlich etwas wenig schmeichelhaftes, aber sie ignorierte es.
Just in diesem Moment trampelte Mike lautstark zu ihnen in den kleinen Raum hinter der Bühne.
„Leute, eines der Kabel ist gerissen!“
Jetzt war es nicht mehr nur Phil der in herzhaftes Fluchen verfiel.
„Schnell, schafft sicherheitshalber ein neues Kabel her, wir versuchen das bis dahin so gut es geht irgendwie wieder hinzukriegen.“
„Ich mach das“, meldete Nora sich und schon zischte sie los. Niemals würde sie auf diese Bühne gehen und sich dabei freiwillig noch mehr von dem ohrenbetäubendem Kreischen beschallen lassen.
Sie schlitterte in den nahen Raum, in dem normalerweise alle Ersatzteile aufbewahrt wurden, aber obwohl sie mehrere Verstärker, Mikrofone, Mikrofonständer und sogar ein paar kleine Trommeln für ein Schlagzeug entdeckte, fand sie keine Kabeltrommel, so sehr sie auch danach suchte.
Einen leisen Fluch ausstoßend verließ sie den Raum wieder und schmiss demonstrativ die Tür hinter sich ins Schloss.
Sie hatte keine Zeit zu verlieren, also aktivierte sie ihr Headset.
„Hallo, Nora Golden hier. Es gibt keine Kabeltrommeln in dem kleinen Ersatzteillager, wo soll ich sonst danach suchen?“
„Moment“, hörte sie eine tiefe Stimme brummen, danach folgte ein kurzes, statisches Rauschen.
Sie ging währenddessen recht zügig weiter, weil sie es nicht aushielt noch länger auf einem Fleck zu stehen.
„Es gibt einen anderen Raum hinter den zweiten Toiletten. Weißt du wo das ist?“
„Hinter den zweiten Toiletten? Ach du Scheiße. Ja, ich weiß wo das ist.“ Sie seufzte schwer. Das war ein ganzes Stück zu laufen. „Danke.“
Sie meinte den Mann leise lachen zu hören. „Viel Erfolg.“
Dann unterbrach er die Verbindung und Nora joggte seufzend wieder los. Als sie sich daran erinnerte, unter welchem Zeitdruck sie standen, zog sie das Tempo allerdings wieder an und rannte durch die Gänge. Sie schlitterte um die Ecke und schrie erschrocken auf, als wie aus dem Nichts eine große, dunkel gekleidete Person vor ihr auftauchte, die sie keinen Moment später als Calum erkannte, den sie nur um Haaresbreite verfehlte.
Er gab ein ähnliches Geräusch von sich, aber zumindest blieb er auf beiden Beinen stehen. Nora dagegen taumelte und fiel auf den Hosenboden.
„Nora!“, sagte er überrascht.
Hinter ihm lachten sich seine Bandkollegen nach dem ersten Schock halb tot, aber Nora konnte sich jetzt nicht darum kümmern. Sie rappelte sich hastig auf und nahm dankbar Calums Hand an, die er ihr hinhielt.
„Danke Cal. Tut mir wirklich Leid, aber ich muss ganz, ganz dringend weiter. Wir sehen uns später, Jungs!“
„He, wohin so schnell?“ Völlig unerwartet hielt Lukes Stimme sie auf und sie stolperte beinahe abermals.
„Luke, jetzt nicht, okay?“ Flehend sah sie ihm ins Gesicht und er runzelte besorgt die Stirn.
„Ist was passiert? Alles in Ordnung?“
Das alarmierte natürlich auch den Rest der Jungs und jetzt scharten sie sich um sie wie eine Herde besorgter Mütter, was Nora unter anderen Umständen witzig gefunden hätte. „Ja, ja, es ist alles in Ordnung. Bis darauf, dass Mr Kanter mich umbringt, wenn er erfährt, warum ich so spät dran bin.“
„Wieso, was ist passiert?“, hakte Ashton hartnäckig nach.
Michael und Calum tauschten einen kurzen Blick, sagten aber nichts.
Nora war kurz davor verzweifelt aufzuheulen. „Nichts!“, rief sie aus, schroffer als beabsichtigt. Zerknirscht rieb sie sich über den Nacken. „Sorry, aber uns ist ein Kabel gerissen und ich soll jetzt für ein neues sorgen, allerdings muss ich dafür fast bis ans andere Ende der Halle, also...ich hab nicht gerade viel Zeit, wenn ihr versteht.“
Ohne noch auf eine Antwort zu warten schob sie sich zwischen Luke und Mike, die sie bereitwillig vorbei ließen, hindurch und rannte wieder los. „Bis später! Achja und viel Glück beim Auftritt!“, rief sie ihnen noch zu, dann schlitterte sie mit Schwung um die nächste Ecke.
„Sie wird hinfallen und sich irgendwas brechen“, prophezeite Calum murmelnd, musste dann aber lachen. „Sie hat mich vorhin beinahe umgerannt.“
„Was, bei deinem Gewicht, Alter? Übertreib mal nicht“, schnaubte Michael und knuffte ihm in die Seite.
Ashton schloss sich ihnen an, aber Luke blieb noch einen Moment stehen und sah der jungen Technikerin nach. Nun, so hatte er sich ihr Wiedersehen nach drei Tagen bestimmt nicht vorgestellt.

Völlig erschöpft stieg Nora aus dem Taxi. Der Rest ihrer Gruppe hatte sich aufgeteilt in diejenigen, die sich das Konzert noch anschauen wollten – um sich dann aber kurz vor dem Aufräumen, das diesmal der restliche Teil der Crew übernehmen würde, zu verdrücken – und der andere Teil, der beschlossen hatte, die örtlichen Clubs unsicher zu machen.
Nora war die Einzige, die einfach nur noch ins Bett gewollt hatte. Es war noch nicht einmal besonders spät, aber durch das ständige Fahren im Tourbus und die völlig unterschiedliche Anzahl der Stunden Schlaf, die sie bekam, war sie total übermüdet.
Rachel sprang auf der anderen Seite des Taxis schwungvoll aus der Tür und bezahlte den Fahrer.
Obwohl Nora versucht hatte sie zu überreden, ohne sie feiern zu gehen, hatte Ray darauf bestanden sie zu begleiten. Frierend verschränkte Nora die Arme vor der Brust und wartete ungeduldig am Straßenrand, bis die Blondine ihr Pläuschen mit dem Fahrer beendet hatte.
„Ja, vielen Dank“, sagte sie gerade und lachte dann. „Ihnen auch noch einen wunderschönen Abend, Chris. Viel Spaß! Ja, werden wir haben, danke. Ciao!“ Breit grinsend ging sie um das Taxi herum und auf Nora zu, die schmunzelnd die Augenbrauen hoch zog.
„Was war das denn?“
Ray zuckte unschuldig mit den Schultern und hakte sich bei ihr ein, dann zog sie sie hinter sich her ins Hotel. „Ich hab mich mit ihm unterhalten. Du brauchst mich gar nicht so anzuschauen, ich war bloß nett! Ich hab nichts falsch gemacht!“
Nora kicherte und schüttelte den Kopf. „Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen, Ray. Ist doch nichts passiert.“
Die Blondine schnaubte und stieß dann geräuschvoll die Luft aus, die sie angehalten hatte, als sie sich so aufgeplustert hatte. „Stimmt. Ich war nur nett.“
Nun ein wenig besorgt warf Nora ihr einen Seitenblick zu. „Ray, was ist los?“
„Nichts“, antwortete sie ein bisschen zu schnell. „Was soll denn los sein?“
„Ich weiß nicht, du benimmst dich irgendwie seltsam.“
Plötzlich sackte Rachel in sich zusammen und ließ betrübt den Kopf hängen. „Wirklich? Und dabei dachte ich, ich wäre ziemlich überzeugend.“
Lächelnd schüttelte Nora den Kopf. „Du bist meine beste Freundin, oder nicht? Ich weiß doch, wann du wirklich fröhlich bist und wann nicht. Willst du darüber reden?“
Rachel seufzte und warf ihr einen kurzen Blick zu. „Ach...du weißt es sowieso schon. Es ist wegen Samuel.“
„Ist er etwa immer noch sauer auf dich?“, entkam es Nora entsetzt, während sie die Tür zum Treppenhaus aufdrückte.
Rachel ging seufzend hindurch und Nora folgte ihr auf den Fuß. „Sag schon. Ist es immer noch wegen der Sache mit Calum?“
„Naja, irgendwie schon. Er sagt mir nicht, was los ist“, murmelte Ray und schleppte sich die Stufen hoch.
„Aber du hast doch mit ihm geredet oder? Ich dachte, das hättet ihr geklärt.“
„Das dachte ich auch.“ Rachel bedachte sie mit einem hilflosen Blick und zuckte mit den Schultern. „Wie gesagt, ich weiß nicht, was er hat. Ich weiß nicht was ich tun soll...Das ist schwieriger, übers Handy.“
Nora seufzte schwer. „Naja, da fragst du die Falsche. Meiner Meinung nach soll er sich nicht so anstellen, immerhin liebst du ihn und das weiß er auch. Warum sollte er immer noch eifersüchtig auf Calum sein? Nur weil du ein bisschen mit ihm geflirtet hast und du jetzt wie lange mit ihm zusammen bist?“
„Zwei Jahre“, nuschelte Rachel und seufzte abermals. „Ich glaube auch nicht, dass es daran liegt. Vielleicht wird es wieder besser, wenn wir uns wiedersehen.“
„Hey, das ist doch schon mal ne gute Idee“, ermunterte Nora sie, obwohl sie sich vollkommen dämlich dabei vorkam. Sie war noch nie gut darin gewesen, jemanden zu trösten. „Frag ihn, wann er Zeit hat und ob er dich demnächst treffen kann. Oder du fliegst in der nächsten längeren Pause, die wir haben, zurück nach London?“
„Nora, das kostet alles eine Unmenge an Geld!“, erinnerte Rachel sie und die Schwarzhaarige verlor ihren motivierten Gesichtsausdruck.
„Oh Mann...das ist einfach unfair.“
„Mhm...aber wirklich.“
Die Arme ineinander gehakt stiegen sie die Treppen hinauf und schwiegen einträchtig. Rachel war im Moment schon froh über den kleinen Beistand, den Nora ihr damit gab.
Das mit Samuel würde sie schon irgendwie wieder hinkriegen. Das hatten sie bis jetzt noch immer geschafft.

Es klopfte an der Tür und Nora schlug blinzelnd die Augen auf. Desorientiert blickte sie an die graue Zimmerdecke und hörte einen Moment lang nur das gleichmäßige Atmen neben ihr. Sie drehte den Kopf und musste lächeln, als sie Rachel erblickte, die tief unter die Decke gekuschelt zusammen mit Nora im Bett lag und friedlich vor sich hin schlummerte. Sie hatten noch stundenlang geredet, über die Tour, ihre Arbeit, ihr Zuhause in London was unvermeidlich zum Thema Samuel und dann auch zur Diskussion von Lukes Verhalten geführt hatte. Irgendwann war Nora weg gedämmert und Rachel musste es ähnlich ergangen haben.
Wieder ertönte ein leises Klopfen an der Tür und erinnerte Nora an den Grund, warum sie überhaupt aufgewacht war. Vorsichtig, um Rachel nicht zu wecken, erhob sie sich vom Bett und schlich auf Zehenspitzen zur Tür.
Sie öffnete die Tür ebenfalls so leise wie möglich und blinzelte ein paar Mal verwirrt, als sie auf eine breite, männliche Brust starrte. Langsam ließ sie den Blick nach oben wandern und zuckte zusammen, als sie direkt in Lukes blaue Augen schaute.
„Hey“, begrüßte er sie lächelnd und sie musste erst einmal schlucken, bevor sie etwas erwidern konnte.
„Hey“, flüsterte sie, „Was machst du denn hier?“
„Dich besuchen“, erwiderte er ebenfalls in gedämpfter Lautstärke und runzelte dann die Stirn. „Warum flüstern wir?“
Ihre Mundwinkel zuckten und sie warf einen Blick zurück ins Zimmer. „Rachel schläft. Ich will sie nicht wecken.“
„Achso. Kommst du dann mit hoch?“
Überrascht riss sie den Kopf wieder herum und öffnete bereits den Mund um zu kontern, als sie bemerkte, dass er ihr gar keinen Grund dazu gegeben hatte.
„I-ich...was?“
Grinsend steckte er die Hände in die Hosentaschen und lehnte sich in den Türrahmen, wodurch er ihr näher kam, als sie wollte. Nervös wich sie ein bisschen zurück und rieb sich über die Arme.
Sie trug nur ein Top und eine Leggins und langsam wurde ihr kalt.
„Ob du noch mit hoch kommen willst? Ein bisschen abhängen.“
Das hörte sich eigentlich...gut an. Sie suchte nach einer versteckten Falle, fand aber keine, weder in seinen Worten noch in seinem Tonfall. Aber das machte sie nur noch misstrauischer.
„Komm schon, Nora. Du tust so, als wäre das ein unanständiges Angebot“, zog er sie auf und das konnte sie natürlich nicht auf sich sitzen lassen.
„Halt die Klappe, Luke.“ Sie verdrehte gespielt genervt die Augen und drehte sich um. „Ich hol nur eben meine Zimmerkarte.“
Das tat sie, schrieb dann aber noch zusätzlich eine kleine Notiz an Rachel, dass sie sich keine Sorgen zu machen brauchte und Nora bei den Jungs oben war.
Als kleine Randnotiz kritzelte sie noch dazu: Luke hat mich eingeladen. Wie schräg ist das denn?!
Sie dachte, dass Ray ruhig Bescheid wissen durfte, nachdem sie so ausführlich über das Thema Jungs diskutiert hatten.
„Heute noch?“, ertönte Lukes Stimme in neckender Tonlage und ihre Mundwinkel bogen sich gegen ihren Willen nach oben.
„Psst!“, machte sie lediglich und verließ schließlich das Zimmer. Mit einem letzten Blick auf die noch immer friedlich schlafende Rachel schloss sie leise die Tür und drehte sich dann erwartungsvoll zu Luke um.
Ihr lag die Frage auf der Zunge, ob die Jungs mit von der Partie waren, aber sein herausfordernder Blick hielt sie davon ab. Er hatte irgendeinen Spruch parat, den er ihr reindrücken würde, da war sie sich sicher, und die Genugtuung wollte sie ihm nicht geben.
„Also? Auf was wartest du?“, fragte sie, als er sich noch immer nicht vom Fleck gerührt hatte.
Er zuckte mit den Schultern, drehte sich um und steuerte das Treppenhaus an.
Irgendwie war Nora erleichtert, dass er sich wieder einigermaßen normal verhielt und nicht versuchte so unfassbar nett zu ihr zu sein. Sie hatte überhaupt nicht gewusst, wie sie damit hatte umgehen sollen.
„Und, hast du dann noch ein Kabel gefunden?“, startete er einen Versuch ein Gespräch zu beginnen, sobald die Tür zum Treppenhaus hinter ihnen ins Schloss fiel, und Nora entschied darauf einzugehen.
„Ja, sonst wäre euer Konzert ins Wasser gefallen“, spielte sie die ganze Sache hoch und er warf ihr einen zweifelnden Blick über die Schulter zu.
„Wegen einem einzigen Kabel? Klar.“
Sie lächelte unschuldig und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. „Ja? Das kann manchmal passieren.“
„Mhm...sicher.“
Ihr entkam ein Lachen, aber sie unterdrückte es schnell wieder. Es machte verhängnisvoller Weise viel zu viel Spaß sich so mit Luke zu unterhalten. Sie wusste nicht woran es lag, dass sie seine Bemerkungen plötzlich nicht mehr aufregten. Aber bis jetzt genoss sie es beinahe, Zeit mit ihm zu verbringen.
Andererseits gingen sie gerade mal fünf Minuten nebeneinander her. Der Zeitpunkt, an dem sie ihn am Liebsten über das Treppengeländer schubsen wollte, würde bestimmt noch kommen.
„Ist euer Auftritt gut gelaufen?“, erkundigte sie sich nach einer Weile.
„Hm? Oh, ja. Schätze schon. Warst du etwa gar nicht da um uns zuzuschauen? Ich bin entsetzt.“
Schon wieder wollte ein Lachen ihrer Kehle entkommen, aber sie schaffte es, es bis auf ein Grinsen zu unterdrücken. „Du Armer, ich bin sicher du wirst den Schmerz überleben.“
Luke drückte sich theatralisch die Hand aufs Herz und seufzte. „Nein, ich glaube nicht.“
„Hör auf so rumzublödeln“, erwiderte sie belustigt.
„Ist ja gut.“ Er fuhr sich durch die Haare und ließ die Hand dann wieder fallen. „Und was hast du dann gemacht, wenn du schon nicht unserem wahnsinnig tollen Konzert zugesehen hast?“
„Ich war natürlich auf einem Date“, erwiderte sie trocken, einfach nur um seine Reaktion zu testen.
Zu ihrer Enttäuschung schenkte er ihr nur einen nachsichtigen Blick und ein schiefes Grinsen. „Natürlich. Kein Mann ist vor dir sicher, ich weiß, du Aufreißerin.“
Das sprengte den Rahmen und Nora brach in Lachen aus. „Ja klar, alles was bei drei nicht auf den Bäumen ist...“, setzte sie an und unterbrach sich selbst kopfschüttelnd und kichernd.
„Ja? Beende diesen Satz, Kleines.“ Er blieb eine Stufe über ihr stehen, fest entschlossen ihr den Weg zu versperren.
Nora hatte viel zu gute Laune um deswegen sauer zu werden, stattdessen legte sie den Kopf in den Nacken und sah mit dem Schalk in den Augen zu ihm hoch. „Jeden Mann, der nicht bei drei auf den Bäumen ist, bespringe ich, das weißt du doch.“
Mit todernster Miene nickte er und erwiderte: „Aber du verhütest schon oder?“
Sie prustete los und hielt sich bald den Bauch, der vor Lachen schmerzte. Luke lachte ebenfalls, hatte sich aber noch besser im Griff als Nora.
Er legte einen Arm um ihre Taille und führte sie sie weiter die Treppe hinauf und sie ließ es einfach geschehen, bis sie sich wieder beruhigt hatte.
Aber auch danach ließ Luke sie nicht los und sie wehrte sich nicht dagegen, obwohl es dumm von ihr war. Sie versuchte sich einzureden, dass das nichts Schlimmes war.
Es war sogar weniger als eine Umarmung und Ashton zum Beispiel umarmte sie ständig. Sie und Luke würden nie beste Freunde werden, aber es war ja nichts dabei, wenn er ihr mal einen Arm um die Taille legte. Das war nicht schlimm, nicht verfänglich. Vielleicht konnten sie ja, nachdem sie jetzt einigermaßen normal miteinander reden konnten, sogar so etwas wie Freunde werden?
Sie wollte nicht länger dermaßen mit Luke verfeindet sein, besonders seit sie wusste, wie anders er sein konnte. Sie wollte mehr von diesem Luke, hatte aber Angst, dass ihr das nicht gegönnt sein sollte.
Es ist alles okay, Nora. Solange du deine Gefühle unter Verschluss hältst ist alles gut, kein Grund zur Panik, versuchte sie sich einzureden.
Trotzdem schlug ihr Herz schneller und sie wurde ein bisschen nervös. Zum Glück erreichten sie bald das Stockwerk, in dem die Jungs untergebracht worden waren.
Jetzt würde sie gleich herausfinden, ob sie sich in die Gesellschaft von Ash, Calum und Mikey flüchten könnte – oder auch nur einer von ihnen wäre ihr Recht – oder ob sie sich der Aussicht stellen musste, ganz allein mit Luke in einem Hotelzimmer zu sein.
Aus Erfahrung konnte sie sagen, dass das in der Regel nicht gut endete.

Luke schloss seine Zimmertür auf und öffnete sie einladend, sodass Nora an ihm vorbeigehen konnte.
„Mylady.“
Sie verdrehte die Augen, musste aber lächeln, als sie an ihm vorbei durch die Tür schlüpfte. „Danke.“
„Du kannst die Schuhe einfach dahin schmeißen“, wies er sie an und schloss die Tür hinter sich.
„Ist der Rest auch da?“, fragte Nora, während sie tat wie ihr geheißen.
„Meinst du die Jungs?“
„Äh...ja.“ Nervös richtete Nora sich wieder auf und schickte ein kurzes Stoßgebet an den Himmel, dass er ihre Frage bejahen würde.
Stattdessen warf er ihr auf halben Weg ins Wohnzimmer einen Blick über die Schulter zu und schenkte ihr ein schiefes Grinsen. „Wieso? Reiche ich dir etwa nicht?“
Mist.
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