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It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
21
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15.10.2016 4.402
 
Kapitel Fünfundfünfzig - „Dir hat unser Abschied nicht gefallen?“


Als Nora wenige Stunden später wieder aufwachte, wusste sie einen Moment lang überhaupt nicht wo sie war. Das Zimmer, das sie in dem viel zu hellen Licht nur mit einiger Anstrengung ausmachen konnte, war ihr völlig fremd.
Sie spürte einen warmen Luftzug an ihrem nackten Hals und zuckte erschrocken zusammen, als die Erinnerungen mit einem Mal wieder auf sie einstürzten.
Sie war kaum zwei Minuten wach und schon wurde ihr bewusst, dass sie gestern einen Riesenfehler gemacht hatte. Es war schon blöd genug, sich auf eine zweite Nacht mit Luke einzulassen, aber nie, niemals, hätte sie hierbleiben dürfen. Sie hätte gehen sollen, einfach gehen und am Besten nie wieder kommen. Stattdessen lag sie im Bett des Besitzers des viel zu großen Shirts, das sie trug. Warum war ihr der schwere Arm um ihre Taille auch nicht früher aufgefallen?
Nora kniff die Augen fest zusammen und schalt sich innerlich einen Dummkopf. Sie hatte sich wieder von Luke einwickeln lassen und diese Nacht konnte sie nicht einfach aus ihrer Erinnerung streichen. Nicht nachdem Luke so anders gewesen war.
Besagter regte sich hinter ihr und drückte sie näher an sich. Ihr Herz machte augenblicklich einen Satz und schlug doppelt so schnell weiter. Sie hielt es keine Sekunde länger hier aus.
So vorsichtig wie möglich versuchte sie sich von Luke zu befreien und schob sich langsam, Zentimeter für Zentimeter aus dem Bett. Kurz bevor sie ihr Ziel erreichte machte Luke ihr einen Strich durch die Rechnung und zog sie mit einem leisen Brummen zurück an seine Brust.
Nora stieß die Luft aus, die sie angehalten hatte und pustete sich dabei eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Das fühlte sich viel zu schön an, um es noch länger zu genießen.
Luke war kein Typ der kuschelte, zumindest nicht mit ihr.
Warum war sie nur so blöd gewesen und hatte ohne jeglichen Protest zugestimmt, bei ihm zu schlafen? Ja, sie war in ihn verliebt, aber genau deshalb hätte sie zumindest den Selbsterhaltungswillen haben müssen, nach dem Sex abzuhauen.
Kopfschüttelnd richtete sie sich ein wenig auf und hob Lukes Arm an, um darunter hindurch zu schlüpfen.
Diesmal schaffte sie es und sie wusste nicht, ob sie darüber erleichtert sein sollte oder nicht. Vorsichtig zog sie die Decke wieder zurecht, sodass Luke nichts davon bemerken würde und stand dann von der Bettkante auf. Sie verzog das Gesicht und unterdrückte einen Schmerzenslaut, der sich in ihrer Kehle bildete, als sie einen Schritt machte.
„Oh Gott“, murmelte sie, leise genug, dass nur sie es hörte. Gehen war schmerzhaft, und sie schoss einen anklagenden Blick zu dem schlafenden Verursacher, der aussah, als könnte er kein Wässerchen trüben.
Auf Zehenspitzen schlich Nora durch den Raum um ihre Klamotten einzusammeln, aber an der Tür hielt sie inne und warf einen letzten Blick auf Luke, der seelenruhig in dem großen Bett schlief und statt mit ihr nun mit dem Kissen kuschelte.
Sie schluckte den Kloß der sich plötzlich in ihrem Hals bildete hinunter und wandte sich heftig blinzelnd ab. Leise, um ihn bloß nicht zu wecken, schob Nora sich durch die Tür und schloss sie ebenso lautlos wieder hinter sich. Gott, warum war es so schwer, jetzt nicht zu heulen?
Es war nicht so, dass sie abhauen hatte wollen, während Luke noch schlief, besonders weil er gestern so anders gewesen war, aber sie hatte gehen müssen. Lieber schlich sie sich heimlich und leise davon, während er noch vor sich hin träumte, als dass sie erleben musste, wie er sie wieder wie ein Arschloch behandelte, wenn er sie noch in seinem Bett vorfinden würde.
Seit sie die Jungs kannte hatte sie sich öfter wie eine Schlampe gefühlt als je zuvor in ihrem Leben und das war einzig und allein Lukes Schuld. Okay, und ihre eigene, irgendwie.
Nora biss die Zähne fest zusammen und ging zum Sofa um dort ihr verlorenes Oberteil und ihren BH aufzusammeln.
Seufzend ließ sie die Klamotten, die sie im Schlafzimmer schon mitgenommen hatte ebenfalls auf die Couch fallen, warf einen kurzen Blick zur immer noch fest verschlossenen Tür, hinter der Luke schlief, und zog sich dann das T-Shirt über den Kopf.
Noch einmal atmete sie tief Lukes Geruch ein, dann legte sie das Shirt seufzend beiseite und zog sich hastig ihre eigenen Klamotten über. Ihre Gedanken wirbelten wild in ihrem Kopf umher, sodass sie keinen einzigen davon richtig zu fassen bekam. Stattdessen war sie einfach völlig durcheinander und schaffte es kaum, ihren BH zu schließen.
Nach einer gefühlten Ewigkeit in der sie wegen jedem kleinen Geräusch zusammengezuckt und ihr Blick zur Schlafzimmertür geschossen war, hatte sie den dämlichen Verschluss endlich zu bekommen und zog sich das Top vom Vortag über.
Und plötzlich hatte sie überhaupt keine Eile mehr, faltete Lukes Shirt ordentlich und legte es auf der Couch ab, räumte zwei leere Gläser, die auf dem kleinen Glastisch vor dem Sofa standen, in die Minibar zurück und rückte ein paar Zierkissen gerade.
Seufzend schüttelte sie den Kopf über sich selbst und erinnerte sich dabei daran, dass ihre Haare immer noch offen waren. Sie machte sich nachlässig einen Dutt, nicht besonders ordentlich, aber es war schon schwierig genug ihre ganzen Haare irgendwie zu verstauen. Da hatte sie keine Lust auf eine tolle Frisur.
Auf leisen Sohlen ging sie durch den Wohnzimmer-Bereich in den Flur und zog sich dort ihre Schuhe wieder an.
Und bevor Luke überhaupt etwas ahnen konnte, war sie schon aus dem Zimmer verschwunden und drei Stockwerke unter ihm im Treppenhaus.

Erst als sie sicher war, genügend Abstand zwischen sich und Luke gebracht zu haben, erlaubte Nora sich erleichtert aufzuatmen und ein wenig langsamer zu werden. Und genau in diesem Moment musste natürlich die Tür zum nächsten Stockwerk sich öffnen und niemand anderes als Ashton kam heraus.
Klasse, dachte Nora sarkastisch und fluchte in Gedanken äußerst wortreich.
„Oh, hey Nora“, begrüßte Ash sie überrascht und lächelte sie an, sodass sie seine Grübchen sehen konnte.
„Hey Ash, ich wollte später noch bei dir vorbei schauen“, erwiderte sie und versuchte möglichst überzeugend zurückzulächeln. Alle Gedanken an Luke schob sie in die hinterste Ecke ihres Gehirns, was leider gar nicht so einfach war, aber das wusste sie ja schon länger. Immerhin dachte sie nicht zum ersten Mal über den Leadsänger nach, obwohl sie eigentlich nicht wollte.
„Ah ja, cool. Von wo kommst du überhaupt her?“ Ashton betrachtete ihre Aufmachung stirnrunzelnd, seine Augen blieben einen kleinen Moment länger an ihrem Hals und sie biss sich verschämt auf die Lippe.
Wahrscheinlich sah sie noch ordentlich „durchgefickt“ aus, so schmerzhaft wie das Treppensteigen war und ihre zerknitterte Kleidung sprach auch nicht unbedingt dagegen.
„Mmm, von oben. Also vom Dach.“
Lässig lehnte Ash sich ihr gegenüber an das Treppengeländer und musterte sie nicht überzeugt. „Was hast du denn da gemacht?“
„Ich war neugierig und mir war langweilig...Antwort genug?“, zog sie ihn lächelnd auf. „Naja, und dann hat mich der Hunger wieder runter getrieben. Ich hab komplett die Zeit aus den Augen verloren, wie spät ist es denn?“
„Das glaub ich sofort“, prustete er los und Nora musste sich zusammenreißen um nicht erleichtert aufzuatmen. Vorerst würde er sich mit dieser lückenhaften Ausrede zufrieden geben. „Es ist schon ein Uhr nachmittags. Wie hast du das nicht mitgekriegt?“
Sie riss die Augen auf und richtete sich gerade auf. „Was, schon so spät? Das erklärt natürlich das unmenschliche Knurren meines Magens.“ Sie seufzte laut auf und schüttelte den Kopf. „Gehst du mit mir essen?“
„Das Management hat das Hotel nur mit Frühstücksbuffet gebucht, tut mir Leid“, enttäuschte Ash sie grinsend und klopfte ihr aufmunternd auf die Schulter.
Frustriert stöhnte sie auf und wollte sich durch die Haare fahren, hinderte sich aber im letzten Moment daran, als ihr wieder einfiel, dass sie sich einen Dutt gemacht hatte. „Na schön, dann geh ich mir halt in der Stadt was kaufen. Hier kann man ja noch nicht mal mit Pfund zahlen oder?“
„Ich hab noch ein paar Dollar Noten, ich kann dir was leihen“, bot Ash ihr hilfsbereit an und sie verzog das Gesicht.
„Ich will dein Geld nicht.“
„Was ist falsch mit meinem Geld?“, neckte er sie, den Geldbeutel bereits in der Hand.
„Nichts, aber ich fühl mich dabei, als wäre ich nur wegen dem Geld mit dir befreundet“, murrte sie, was ihn zum lachen brachte.
„Ich hab nie gesagt, dass ich dir das Geld schenke oder?“
„Oh, stimmt. Entschuldige, ich bin heute irgendwie ein wenig neben der Spur...“, antwortete sie zerknirscht und nahm die paar Dollar Noten dankend entgegen.
„Das hab ich schon gemerkt...wie war's denn auf dem Dach?“
„Äh...ziemlich heiß“, erwiderte sie vage und suchte nach einem Weg, das Gespräch schnell zu beenden.
Grinsend schüttelte Ashton den Kopf. „Süße, warum lügst du mich eigentlich an? Die haben hier keine Dachterasse.“
„Ich-...“ Sie stockte, öffnete wieder den Mund um etwas zu erwidern, aber ihrer Kehle entkam kein Wort. Und mit einem Mal fiel ihr Gesicht in sich zusammen und sie schmiss sich einfach in seine Arme.
Überrascht erwiderte er ihre Umarmung und drückte sie vorsichtig an sich. „Hey, was ist denn los?“
„Ich-...es-...nichts“, nuschelte sie stockend und kämpfte mit den Tränen. Sie konnte Ashton nicht davon erzählen, was zwischen ihr und Luke vorgefallen war. Das würde er niemals gut heißen.
Also, nicht die Tatsache, dass Luke und sie miteinander geschlafen hatten, an sich, sondern das, was es mit Noras Gefühlen anstellte. Er würde sich bloß mit Luke anlegen und Nora wollte nicht, dass wegen ihr Streit zwischen den beiden herrschte. Sie hatte auch so schon genug Unruhe zwischen die zwei gebracht.
„Hat Luke Mist gebaut?“
„Nein, er-...ich will jetzt nicht darüber reden. Er hat nichts falsch gemacht, okay? Dieses Mal ist es meine Schuld.“
„Okay“, meinte Ash zögernd und strich ihr dabei beruhigend über den Rücken.
„Also“, begann er nach einer Weile, in der sie einfach nur so dagestanden hatten, „Wie sieht's aus? Gehen wir in der Stadt was essen?“
Einen Moment antwortete Nora überhaupt nicht, dann wich sie ein wenig zurück und lächelte ihn verlegen an. „Das wär toll.“
„Klasse, dann haben wir ein Date.“ Er zwinkerte ihr zu und sie lachte auf.
„Okay, aber ich muss mich noch ein bisschen hübsch machen. So will ich nicht in die Stadt.“
Er hielt sich mit seiner Meinung großzügig zurück und sagte lediglich: „Wenn du meinst.“
„Halt die Klappe, ich weiß genau, dass du auch findest, dass ich scheiße aussehe“, schimpfte sie lachend und boxte ihm leicht gegen den Arm.
„Das hast du jetzt gesagt“, giggelte er und floh vor ihr, bevor sie ihn nochmal schlagen konnte. „Ich hol dich in zehn Minuten ab!“
„10 Minuten!“, rief Nora aus, wirbelte herum und begann schon mal zu laufen. „Gib mir wenigstens 15!“
„Na meinetwegen“, schallte es zurück und leise kichernd lief sie weiter.
Ashton lenkte sie ab. Jetzt musste sie es nur noch an Rachel vorbeischaffen, dann stand einem Nachmittag mit ihrem besten Freund nichts mehr im Weg. Sie wollte nicht über Luke und ihre eigene Dummheit nachdenken müssen.
Sie hatte sich versprochen, dass sie heute damit abschließen würde, aber vorerst erschien ihr Verdrängen auch eine gute Methode.

Als Luke aufwachte, war die andere Seite des Betts schon lange leer und kalt. Er richtete sich verschlafen auf die Ellbogen auf und sah sich im Zimmer um, aber Nora war nirgends zu sehen. Aus dem Bad kamen auch keine Geräusche und als er gähnend ins Wohnzimmer ging, war er auch dort allein.
Unwohl rieb Luke sich mit der flachen Hand über die Brust, als sich eine kalte Hand um sein Herz zu schließen schien. Auf dem Sofa lag das T-Shirt, das er Nora gestern zum Anziehen gegeben hatte und er hob es hoch.
Obwohl er sich ziemlich dämlich dabei vorkam hob er das Shirt an seine Nase und roch daran. Tatsächlich roch es noch nach Nora und einen Moment lang versuchte er mal wieder ihren Geruch zu entschlüsseln. Aber der Geruch würde genauso schnell verfliegen, wie Nora abgehauen war.
Plötzlich wütend schmiss er das T-Shirt zurück auf die Couch und ging in das Schlafzimmer zurück. Unter der Dusche verschwand die Wut langsam und er bekam wieder einen klaren Kopf. Er begann zu überlegen, wirklich zu überlegen und nicht wie immer alle Gedanken die ihm nicht passten oder nicht ganz geheuer waren verdrängen.
Er mochte Nora, das gestand er sich zähneknirschend ein.
Nicht nur, weil sie heiß war oder gut im Bett, wie er versucht hatte sich einzureden. Er mochte ihre Kontersprüche, er zog sie gerne auf und komischerweise stritt er sich manchmal auch gerne mit ihr. Aus dem ziemlich primitiven Grund, dass sie wirklich heiß aussah, wenn sie wütend war. Er mochte das Funkeln in ihren Augen und die unzähligen Geräusche die sie in verschiedenen Situationen von sich gab, er mochte ihr Lachen, aber er mochte auch das gespielt unschuldige Lächeln dass sie aufsetzte, wenn sie kurz davor war die Zähne zu fletschen und Luke die Augen auszukratzen.
Es war irgendwie ziemlich schräg, dass er sogar das an ihr mochte.
Allerdings konnte Nora auch verdammt zickig sein, ganz besonders ihm gegenüber, aber da hatte er vermutlich auch selbst Schuld daran. Es nervte ihn, dass er sie nie scherzhaft aufziehen durfte, so wie die anderen Jungs, weil er immer sofort böse angefaucht wurde.
Seufzend rubbelte er sich durch die Haare und streckte das Gesicht dem Wasser entgegen. Er musste wohl oder übel in Betracht ziehen, dass er sich bei Nora entschuldigen musste, wenn er das ändern wollte.
Und das wollteer. Es war seltsam, aber heute war Luke klar geworden, wie gerne er mit Nora im Arm aufgewacht wäre.
Nicht, um gleich an die Nacht davor anzuhängen und wieder mit ihr zu schlafen – auch wenn das ein sehr reizvoller Gedanke war – sondern einfach um sie eine Weile umarmen zu können, sie zu küssen, einfach mit ihr zu reden, was schon viel zu sehr in Richtung Beziehung ging.
Luke stellte das Wasser ab, stieg aus der Dusche und griff nach einem großen Handtuch, mit dem er sich abtrocknete. Dann band er sich das Handtuch um die Hüfte, setzte sich auf den Badewannenrand und stützte den Kopf auf den Händen ab.
Das war doch alles scheiße.
Jetzt, wo er Nora schon so lange versuchte zu vergraulen, jetztbemerkte er, dass er sie eigentlich sehr gerne bei sich haben würde? Schöne Scheiße.
Frustriert fuhr er sich durch die nassen Haare, die sich zu Locken kringelten, je mehr sie trockneten.
Statt dass er also irgendetwas mit Nora hatte klären können, waren sie wieder miteinander im Bett gelandet und jetzt war sie vermutlich irgendwo mit Ashton unterwegs.
Er ballte die Hände zu Fäusten und stand mit grimmigen Gesichtsausdruck auf. Er war eifersüchtig auf seinen Bandkollegen und das war ihm noch nie passiert, zumindest bevor sie Nora kannten.
Aber er würde einen Teufel tun und dabei zusehen, wie Ash Nora wieder um seinen kleinen Finger wickelte. Luke wusste selbst, dass es nicht so einfach werden würde sich bei Nora zu entschuldigen und zwar so, dass sie ihm wirklich glaubte und ihm im besten Fall auch verzieh.
Luke hatte sich nun selbst ein Ziel gesetzt und er war so darauf fixiert, dass er keinen weiteren Gedanken daran verschwendete, was danach passieren würde. Er wollte Nora für sich allein haben, auch wenn das dämlich und egoistisch war.
Erstmal musste er sich bei ihr entschuldigen, dann würde er weitersehen. Mit dem Gedanken verließ er das Badezimmer um sich Klamotten anzuziehen und dann Nora suchen zu gehen.

Leonie und Michael bekamen von dem ganzen Drama drüben in Amerika nichts mit und vermutlich würde es sie auch nicht besonders interessieren, wenn sie es wüssten, dazu waren sie viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Leonie strich Michael lächelnd durch die Haare und er schloss die Augen und rückte näher an sie heran.
„Ich kann es immer noch nicht fassen, dass du wirklich hergekommen bist“, flüsterte sie und er legte einen Arm um ihre Taille, um sie an sich zu drücken.
Sie lagen zusammen auf Leonies Bett, nach der überstürzten, aber erfreuten Begrüßung mit der Leonies Familie Michael willkommen geheißen hatte.
Dank der Hilfe von Corey, Leos bester Freundin, die ihm die Adresse gegeben hatte, war er relativ problemlos vom Flughafen zu Leonies Zuhause gekommen.
Dort hatte er zunehmend nervös an der Tür geklingelt und eine Frau, die eine solche Ähnlichkeit mit Leonie hatte, dass sie nur ihre Mutter sein konnte, hatte ihm geöffnet.
Er hatte recht flüchtig erklärt, dass er Michael Clifford war und wegen Leonie hier war. Ohne großartig weitere Fragen zu stellen hatte Mrs Smith ihn zum Zimmer ihrer Tochter geführt und ihm aufmunternd auf die Schulter geklopft, dann war sie wieder gegangen.
Von diesem Verhalten war Michael ein wenig verwirrt, aber er konnte sich keine Gedanken darüber machen, weil ihn die Nervosität mit voller Wucht wieder einholte. Mit schwitzigen, zitternden Händen klopfte er an der Tür und wartete, bis Leonie „Komm rein“ rief, in der Annahme es sei Corey, mit der sie fälschlicherweise glaubte verabredet zu sein, aber das gehörte alles zum Plan von Michael und Corey. Er schuldete ihr definitiv etwas.
Als er dann ins Zimmer kam, blickte Leonie zuerst gar nicht auf.
„Hey Corey, seit wann klopfst du de-...Michael?!“
„Ähm...hey Leo.“ Er konnte nur nervös lächeln und alle Worte, die er sich bereit gelegt hatte, waren mit einem Mal verschwunden. Als er die Tür hinter sich schloss und so die Geräusche, die von unten ins Zimmer gedrungen waren aussperrte, drückte ihm die plötzliche Stille laut auf die Ohren und er hörte seinen eigenen Herzschlag in seinen Ohren widerhallen.
Leonie sprang vom Bett auf und sah ihn ungläubig an. „Was-...was machst du denn hier?“
„Naja, ich...ich hab dich vermisst. Und mir hat unser Abschied nicht gefallen.“ Er musste schwer schlucken und versuchte sich seine Nervosität nicht anmerken zu lassen. Himmel, das war noch schwerer, als er gedacht hatte.
Leonie ging ein paar Schritte auf ihn zu, verschränkte dann aber die Arme vor der Brust und runzelte die Stirn. „Dir hat unser Abschied nicht gefallen?“
Er schüttelte den Kopf und ging langsam einen Schritt auf sie zu, sodass sie jetzt direkt voreinander standen. „Ich wollte etwas machen...und hab mich dann doch nicht getraut. Also hab ich den nächsten Flug gebucht und bin hergekommen, ohne irgendwem Bescheid zu sagen, was sich im Nachhinein als keine so gute Idee entpuppt hat, aber ist ja jetzt egal. Ich bin hergekommen um das zu tun, was ich schon ne ganze Weile tun wollte.“
Ihre Abwehrhaltung löste sich etwas und sie hob das Kinn etwas an, sodass sie ihm direkt in die Augen sah. „Und was wirst du jetzt tun?“
Mit schnell klopfendem Herzen legte Michael eine Hand an ihre Wange und beugte sich dann langsam zu ihr herab, um sie nicht zu verschrecken und um sicher zu gehen, dass sie ihm später keine Ohrfeige geben würde. Aber Leonie hielt ganz still und er hörte, wie sie scharf die Luft einzog, als sie bemerkte, was er vorhatte.
Er hielt einen Moment inne um ihr Zeit zu geben, ihn von sich zu stoßen, aber stattdessen kam sie einen winzigen Schritt auf ihn zu und legte eine Hand an seinen Oberarm, um sich festzuhalten.
Michael überbrückte den letzten Abstand und legte seine Lippen auf ihre.
Genau wie jetzt, wo er völlig entspannt mit Leo auf ihrem Bett lag und sie sich so glücklich lächelnd an ihn schmiegte, dass er gar nicht anders konnte, als sie zu küssen.
„Ist selbstverständlich, dass ich herkomme, wenn ich es davor schon nicht hingekriegt hab, dich zu fragen, ob du meine Freundin sein willst“, sagte er dann und küsste sie nochmal, auf die Stirn.
Lächelnd schloss Leo die Augen und seufzte tief. „Ich bin froh, dass du's jetzt getan hast.“
„Ich bin froh, dass du ja gesagt hast.“
Kichernd schüttelte sie den Kopf und drückte ihm einen Kuss auf das stoppelige Kinn. „Ich glaube du bist der Einzige, der nicht geschnallt hat, wie sehr ich in dich verknallt bin.“
„Ist man in solchen Sachen nicht immer irgendwie blind gegenüber den Gefühlen des anderen? Oder warst du dir so sicher, dass ich in dich verliebt bin?“
„Touché“, erwiderte sie schmunzelnd und schmiegte sich wieder an ihn.

Als Michael zwei Tage später Marcus Livsey über WhatsApp schrieb, dass er vom Flughafen abgeholt werden konnte, brach das reinste Chaos aus. Die Manager bekamen einen halben Herzinfarkt, weil Michael ja von irgendwelchen Fans oder noch schlimmer, von neugierigen Paparazzo entdeckt werden könnte und das schlechte Publicity war, weil gerätselt werden würde, warum man ihn allein am Flughafen vorfand und so weiter.
Nora verstand das ganze Drama nicht und da war sie nicht die Einzige. Der ganze Aufwand war völlig übertrieben, aber sie mischte sich nicht ein. Auch nicht, als drei Bodyguards losgeschickt wurden und Michael in einem großen Van mit verdunkelten Scheiben abholten.
Sie dachte so lange und intensiv wie möglich darüber nach, um sich von ihrem eigenen Leben abzulenken, das sie gerade völlig schaffte. Natürlich freute sie sich, dass Mikey wieder auftauchte und auch, dass die Tour endlich weitergehen konnte, aber es war nicht das erste Mal, dass Luke sie so durcheinander brachte, dass sie sich nicht richtig konzentrieren konnte.
Noch am selben Tag an dem sie aus seinem Bett gekrochen und mit Ashton in die Stadt geflüchtet war, hatte Luke sie aufgesucht und hatte sich ihr und Ash einfach angeschlossen. Vorbei war es mit der lockeren, entspannten Atmosphäre und stattdessen traute Nora sich nicht auch nur einen einzigen Muskel zu entspannen, was zur Folge hatte, dass sie am Ende des Ausflugs völlig erschöpft war. Sie verstand nicht, was Luke sich dabei gedacht hatte.
Die ganze Zeit hatte er mit ihr gesprochen, ihr Fragen gestellt und auch ein paar Witze gemacht, noch nicht einmal auf ihre Kosten. Das war einfach schräg! Es war, als wäre er wie ausgewechselt und Nora traute diesem plötzlichen Sinneswandel nicht.
Ashton eilte ihr so gut es ging zu Hilfe und versuchte Luke in ein Gespräch zu verwickeln und ihn ein bisschen von Nora abzulenken, aber seine Versuche hatten eine eher niedrige Erfolgsquote.
Luke war so nett, dass es schon fast surreal war. Sie wollte ihm ins Gesicht sagen, dass er sich nicht um sie bemühen musste, aber die Wahrheit war, dass es ihr durchaus gefiel, dass er sich plötzlich um ihre Gefühle zu kümmern schien. Er wirkte beinahe peinlich darauf bedacht, bloß nirgends anzuecken und sie irgendwie zu verletzen, was sie fast schon wieder lustig fand. Aber nach außen gab sie die Unnahbare, denn sie hatte ja beschlossen, damit abzuschließen und deshalb musste sie Luke auf Abstand halten.
Blöd nur, dass Luke gegen sie arbeitete und immer wieder beiläufig über ihren Arm strich oder zuließ, dass ihre Hände sich kurz berührten. Und obwohl Nora vor ihm zurückwich, schien ihn das nicht abzuschrecken, eher im Gegenteil. Ashton setzte sich beim Essen neben Nora um ihr aus der Patsche zu helfen, aber da Luke sich gegenüber von ihnen an den Tisch setzte und er der Schwarzhaarigen so direkt in die Augen schauen konnte, half ihr das nicht wirklich weiter.
Sie brachten das Essen recht schnell hinter sich und gingen auch zügig wieder zurück zum Hotel, ohne sich damit aufzuhalten durch die Stadt zu bummeln. Nora war recht froh darum, denn sie konnte sich immer noch nicht entspannen und außerdem rückte Luke ihr nach wie vor auf die Pelle und verwirrte sie. Sie verstand ihn einfach nicht, was war in ihn gefahren?
Sie verabschiedeten sich in der Lobby voneinander und Ash umarmte Nora kurz, dann wartete er ungeduldig auf Luke, der das Mädchen ebenfalls in die Arme schloss und sie fest hielt, als hätte er alle Zeit der Welt. Noras Herz klopfte schnell in ihrer Brust und sie wartete nervös darauf, dass er sie wieder los ließ, legte die Hände nachlässig auf seinen Rücken und erwiderte die Umarmung nur halbherzig.
Und dann hatte Luke ihr etwas ins Ohr geflüstert, dass ihr das Herz einen Moment stehen bleiben ließ.
„Ich mach's wieder gut, versprochen.“
„Was?“
Er gab sie frei, wich aber nur geringfügig von ihr zurück. „Ich hab's dir schon mal gesagt: Ich bin noch nicht fertig mit dir.“
Sie riss die Augen auf und setzte an, ihm etwas entgegenzuschleudern, aber ihr fiel bei dem sanften Ausdruck in seinen Augen nichts ein, stattdessen schlug ihr Herz noch schneller und ihr schoss das Blut in die Wangen.
Mit einem zufriedenen Lächeln strich Luke kurz mit der Hand über ihre Wange, dann wandte er sich ab und zog Ash zu den Aufzügen, eine vollkommen verwirrte Nora zurücklassend.

Am nächsten Tag bekam sie die erste Blume.
Sie lag einfach auf ihrem Nachttisch, ohne irgendeine Nachricht oder einen beigelegten Zettel oder dass sie überhaupt bemerkt hatte, dass jemand sie dort hingelegt hätte.
Als sie eingeschlafen war, lag die Blume noch nicht da, aber sie war das erste was Nora sah, als sie aufwachte.
Verwirrt richtete sie sie sich auf und nahm die Blume an sich. Es war eine weiße Rose, die noch nicht in voller Blüte stand, aber Nora fand sie wunderschön.
„Hübsch, nicht?“
Erschrocken blickte sie auf und entdeckte Rachel, die lässig im Türrahmen zum Badezimmer lehnte und sie lächelnd betrachtete.
„Gott, hast du mich erschrocken“, erwiderte Nora und entspannte sich wieder. „Hast du mir die hergelegt?“
„Ich? Nee.“ Schmunzelnd schüttelte Ray den Kopf und ging zu dem Koffer vor ihrem Bett um sich frische Klamotten herauszusuchen. „Die hast du von deinem Verehrer bekommen.“
Nora runzelte die Stirn und beobachtete sie verwirrt. „Von wem redest du?“
„Deinem neuen Verehrer.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Hemmings, wer sonst? Der ist neuerdings anscheinend ganz in dich vernarrt.“
Luke?!“
Ray lachte auf. „Denk nicht zu viel darüber nach, Nora. Lass es einfach auf dich zukommen. Ich weiß, er hat eine Menge Mist gebracht, aber er versucht jetzt wirklich etwas zu verändern. Mach es ihm nicht zu schwer, ja?“
Und so schnell war ihre beste Freundin Lukes Komplizin geworden.

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Hey Brownies ^^
Erstmal sorry, dass ich schon wieder so lange für das neue Kapitel gebraucht habe, aber ich war einfach überhaupt nicht zufrieden damit...
Ich hab den Anfang drei mal umgeschrieben, weil ich einfach nicht wusste, was Nora und Luke nach dieser Nacht tun würden bzw. nicht damit zufrieden war, wie ich es geschrieben habe. Hab mich schließlich für diese Version entschieden ^^
Was haltet ihr von Lukes plötzlichem Sinneswandel? Gut, schlecht, verwirrend?
Likey sind zusammen gekommen! Hab euch doch versprochen, dass das Drama hier nicht so lange dauern wird ;D
Ich hoffe euch hat das Kapitel gefallen ^^
lg Schoko <3
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