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It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
21
Alle Kapitel
126 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
17.09.2016 4.402
 
Heya ^^
Sorry, dass ich für das neue Kapitel so lange gebraucht hab, hatte ein bisschen Stress die letzten Tage.
Hoffe euch gefällt das Kapitel trotzdem ^^
lg Schoko <3
P.S.: Vielen, vielen Dank für die Reviews und die Favos ^^

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Kapitel Dreiundfünfzig – Schon wieder.


Erschöpft ließ Nora sich von Ashton in die Hotellobby ziehen und legte die Hand auf ihren knurrenden Magen. Mittlerweile war es fast zwei Uhr nachmittags und der Toast machte einfach nicht lange satt. Aber sie hatten auch keine Zeit mehr gehabt nach dem Stau noch auf einem Rastplatz haltzumachen und irgendwo Essen zu kaufen. Michael und Calum die später aufgestanden waren hatten noch gar nichts gegessen und Nora war ernsthaft beeindruckt, dass sie sich noch nicht beschwert hatten.
„Sagt mal, hast du denn gar keinen Hunger?“, fragte sie Calum, der neben ihr stand, verzweifelt, während Ashton mit einem Bodyguard zur Rezeption ging um die Zimmerschlüssel abzuholen.
Der Bassist schob die Hände in die Hosentaschen und grinste verschmitzt auf sie hinunter. „Ich hab Fettreserven die ich benutzen kann um nicht zu verhungern, keine Sorge.“
Sie lachte auf und pikste in seine harten Bauchmuskeln. „Fettreserven? Wo?“, spottete sie.
„Am Hintern“, erwiderte er ohne eine Miene zu verziehen und sie lachte los.
„Was ist los?“, fragte Luke neugierig, als er sich mit Michael zu ihnen gesellte.
„Oh nichts, wir reden nur über Hinternfett“, erklärte Calum giggelnd.
„So ein Schwachsinn.“ Nora grinste noch immer breit, verzog aber keinen Augenblick später das Gesicht aufgrund ihres laut knurrenden Magens.
„Hast du ein gefräßiges Tier in deinem Bauch?“, frotzelte Luke gespielt entsetzt, aber sie verdrehte nur die Augen und sah sich nach Ashton um.
Ihr bester Freund war eine Art schützende Mauer vor Luke für sie geworden und sie sehnte sich nach seiner Nähe um sich sicherer zu fühlen. Nora überlegte ob es sehr auffällig wäre, wenn sie jetzt zu Ash fliehen würde und warf einen Blick in die Gesichter von Calum und Michael.
Naja, notfalls würde sie sich auch hinter Cal verstecken können, der wusste immerhin von ihrem Vertrauensproblem und würde ihr vielleicht helfen.
„Redest du wieder nicht mit mir?“, fragte Luke und sie sah ihn ohne nachzudenken direkt an, was eine ganz schlechte Entscheidung war, denn es war ein weiterer Stich in ihr geschundenes Herz.
Warum sah er bloß so...verletzt aus? Sie war doch diejenige, die verletzt war.
Aber sie konnte sich einfach nicht zusammenreißen und weiter die Klappe halten, als sie in seine blauen Augen blickte, die diese seltene Verletzlichkeit wieder spiegelten.
„Darauf hattest du keine Antwort verdient“, sagte sie und grinste ihn frech an, bevor sie den Blick hastig auf den Boden senkte und versuchte ihr plötzlich schnell schlagendes Herz wieder zu beruhigen.
Sie sorgte sich um Luke und dafür hätte sie sich in den Hintern treten können. Einerseits war sie wütend auf ihn, aber mit welchem Recht? Ja, er hatte sie oft ziemlich scheiße behandelt, aber sie konnte ihm nicht vorhalten, dass er ihre Gefühle nicht erwiderte. Das war immerhin wirklich nicht seine Schuld und schließlich hatte sie sich auch nicht wirklich gegen seine Annäherungen gewehrt. Sie hatte sich auch nicht darüber beschwert, mit ihm zu schlafen oder sich sonst wie von ihm anfassen zu lassen, bis er ihr so deutlich gemacht hatte, dass sie nur eine von vielen war. Von wie vielen hier die Rede war wollte sie gar nicht so genau wissen, denn allein bei dem Gedanken daran wurde ihr leicht übel.
„Ich geh mal zu Ash, falls es irgendwie Probleme mit meinem Zimmer geben sollte“, informierte Nora die Jungs und lief zu ihrem besten Freund.
Gerade konnte sie eine von Ashtons beschützenden Umarmungen wirklich gut gebrauchen.

Ein Hämmern an Lukes Zimmertür ließ ihn vom Sofa aufstehen und er machte sich auf den Weg zur Tür. Auch fast drei Stunden später knirschte er noch mit den Zähnen wenn er daran dachte, wie Nora sich in Ashtons Arme geworfen hatte und sich auch danach die ganze Zeit an den Drummer geklammert hatte.
Warum bloß wollte ihm das so gar nicht passen?
Die Eifersucht die ihn überfallen hatte war völlig unnatürlich, besonders weil es um Nora und einen seiner besten Freunde ging.
Irgendwie wollte er, dass Nora ihm auch so vertraute und so leichtherzig mit ihm scherzte wie mit Ashton, aber die beiden hatten einfach eine andere Verbindung zueinander. Die Möglichkeit Noras Vertrauen geschenkt zu bekommen hatte er wahrscheinlich längst verspielt.
Ach scheiß drauf, wem wollte er etwas vormachen? Er sah rot bei der Vorstellung Ash würde Nora anfassen, dass sie ihm erlaubte sie zu küssen geschweige denn dass Ashton auch wissen würde, wie unglaublich es war mit Nora zu schlafen. Er sollte seine verdammten Griffel bloß bei sich behalten!
Ja, Luke kochte förmlich vor Eifersucht und er ging Ash lieber aus dem Weg, bevor Luke ihm irgendwann noch ohne Grund seine Faust ins Gesicht rammte. Auch weil er auf Ashtons Faust, die daraufhin in seinem Gesicht landen würde verzichten konnte. Kopfschüttelnd versuchte er die Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben, aber das war schwerer als erwartet.
Das Hämmern stieg an und er riss genervt die Tür auf.
„Was soll der Aufstand?“, fragte er und bemerkte beinahe Calums angespannten Gesichtsausdruck nicht.
„Ist Mikey bei dir?“, fragte er ohne auf weiter auf Luke einzugehen und schob sich an ihm vorbei, um das Hotelzimmer selbst zu durchsuchen.
„Nein, ist er nicht Wieso?“ Luke warf einen kurzen Blick auf den Gang und spannte sich ruckartig an als Ashton mit Nora im Schlepptau aus einem Zimmer kam. Was hatten sie ganz alleine da drin gemacht?
„Er ist nicht in seinem Zimmer und geht auch nicht ans Handy. Und wir haben noch ein Interview vor dem Soundcheck“, rief Calum aus dem Zimmer, aber Luke nahm seine Worte fast nicht wahr.
Stattdessen umklammerte er beinahe brutal die Türklinke und versuchte krampfhaft einigermaßen lässig zu wirken, als Ash und Nora mit besorgten Mienen auf ihn zukamen.
„Hey Luke, Michael-...“
„Ist nicht bei mir“, unterbrach er Ash ein wenig grob und sah ausschließlich Nora an. Er suchte nach irgendwelchen Anzeichen von Schuld oder Verlegenheit, weil er sie und Ash gesehen hatte, wie sie zusammen aus einem Zimmer kamen, aber er fand nichts. Erst dann ließ das unangenehme Gefühl in seinem Inneren ein wenig nach. Er machte wahrscheinlich aus einer Mücke einen Elefanten und die Tatsache, dass Nora daran Schuld war, gefiel ihm überhaupt nicht.
Nora wand sich unangenehm berührt unter seinem Blick, aber sah ihm wenig später widerstrebend in die Augen. „Und du hast auch keine Ahnung wo Mikey sein könnte?“
Ashton gesellte sich zu Calum ins Zimmer und als Nora ihm einen sehnsüchtigen Blick nach warf, richtete Luke sich auf und bewegte sich so, dass er ihr den Blick auf den Raum hinter ihm versperrte. Er entspannte sich ein wenig, als sie ihn ansah und nun konnte er sich auch endlich auf den Verbleib von Michael konzentrieren.
Luke runzelte nachdenklich die Stirn und verschränkte die Arme vor der Brust. „Habt ihr in der Lobby unten nachgeschaut?“
„Nein, wir haben erstmal hier oben gesucht...warte, er könnte eigentlich auch auf der Dachterasse sein, wenn die hier sowas haben?“
„Wir können mal nach schauen“, bot er an und ging bereits einen Schritt auf sie zu, bereit das jetzt sofort hinter sich zu bringen.
„Ja, später“, wehrte sie ihn ab und trat unruhig von einem Fuß auf den anderen.
„Kommt ihr jetzt mal rein?“, rief Calum von drinnen.
Nora wartete bis Luke wieder in den Raum hinein trat und ihr die Tür aufhielt, was sie zu überraschen  schien, aber sie sagte nichts. Stattdessen joggte sie an Luke vorbei in den Wohnzimmerbereich und stellte sich zu Ashton und Calum, die vor dem Sofa standen.
„Luke meinte, Michael könnte auch in der Lobby oder auf der Dachterasse sein und mir ist eben eingefallen, dass er vielleicht einfach in der Stadt unterwegs ist und Pokemon GO spielt“, erzählte sie den beiden.
Luke schloss die Zimmertür und gesellte sich zu seinen Freunden. „Aber dann würde er an sein Handy gehen oder?“, warf er zweifelnd ein.
„Auch nicht unbedingt“, hielt Ash dagegen.
„Ich probier's nochmal bei ihm“, meinte Calum und zog sein Handy aus der Hosentasche um Michael anzurufen.
Nora warf einen gehetzten Blick auf ihr Handy, steckte es dann weg und fuhr sich schnell durch die Haare, die ihr ausnahmsweise mal offen über die Schultern fielen. „Es tut mir wirklich Leid, aber ich muss jetzt dringend zur Arbeit!“, entschuldigte sie sich.
„Kein Problem, ich geb dir Bescheid wenn wir wissen wo Mikey steckt“, beruhigte Ashton sie und umarmte sie zum Abschied.
Luke kniff die Augen etwas zusammen und versuchte zu ignorieren dass die Eifersucht in ihm brodelte. Aber als Nora sich auf die Zehenspitzen stellte und Ash einen Kuss auf die Wange drückte war sein Verlangen auf etwas einzuschlagen plötzlich so groß, dass er die Hände zu Fäusten ballen musste und ein seltsames Grollen seiner Kehle entkam.
Ashton warf Luke einen deutlich belustigten Blick zu, während Nora Calum mit Handzeichen signalisierte dass sie gehen musste, und zuckte mit den Schultern, als würde er sagen wollen: „Hey, was soll man machen?“
Das trug nicht unbedingt zur Besserung von Lukes Laune bei. Wo kam diese extreme Eifersucht so plötzlich er? Gut, davor hatte es ihm auch nicht gefallen, wenn Nora sich an Ashton gekuschelt hatte, aber so schlimm war es nie gewesen.
Als Nora an Luke vorbeiging schaltete er überraschend schnell und folgte ihr. „Ich bring dich zur Tür.“
„Da finde ich auch selbst hin, Luke“, sagte sie und seufzte.
Es gefiel Luke irgendwie, dass sie sich keine Mühe mehr machte ihm Desinteresse vorzuspielen.
Als sie sich im Türrahmen noch einmal umdrehte ergriff er die Chance und schlang die Arme um sie.
Völlig überrumpelt ließ sie es geschehen und ein überraschter Laut entkam ihr.
„Wir finden Mikey schon, so weit kann er nicht sein. Mach du dir keinen Kopf darum und geh arbeiten.“
„Okay“, murmelte sie zögernd und für einen ganz kurzen Moment erwiderte sie die Umarmung. Dann löste sie sich hastig von Luke, winkte ihm kurz zerstreut und lief den Gang hinab um noch pünktlich zu sein. Luke sah ihr nach bis sie im Treppenhaus verschwand, dann schloss er die Tür wieder und ging zurück zu seinen Bandkollegen, um sich ganz darauf zu konzentrieren wo Michael stecken konnte.

„Ich fass es nicht, dass wir das jetzt alles wieder abbauen können!“, zeterte Jocelyn vor sich hin und stemmte empört die Hände in die Hüften.
„Joce, das hätten wir doch sowieso“, erinnerte Neil die Blondine grinsend und legte einen Arm um ihre Taille.
Sofort schien die Spannung aus Jocelyns Körper zu weichen und der verärgerte Ausdruck auf ihrem Gesicht verschwand. „Trotzdem. Hätten sie uns das nicht früher sagen können?“
Nora verdrehte die Augen und drehte den beiden den Rücken zu, konnte aber ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Sie wollte es nicht zugeben, aber irgendwie war es schon süß wie Jocelyn auf Neil reagierte. Ob er wusste, dass sie ihn so gern hatte? Bestimmt, das war ja unübersehbar.
Nora seufzte leise und rollte eines der vielen Kabel auf. Das war nicht ihr Bier, sie hatte andere Probleme als das Liebesleben einer Zicke. Sie musste erstmal ihr eigenes wieder auf die Reihe kriegen, was gar nicht so einfach war, da sie Luke fast jeden Tag begegnete. Und bei der Erinnerung an gestern Nacht, wo sie neben ihm in dem engen Bett geschlafen hatte und er sie als Kuscheltier benutzt hatte, wurde ihr ganz warm und ihr Herz schlug einen Takt schneller. Scheinbar konnte sie sich nicht von Luke fernhalten, obwohl es mit Sicherheit gesünder wäre. Es gab ihr das Gefühl abhängig von ihm zu sein und das machte ihr Angst.
Energisch schüttelte sie die Gedanken daran ab und dachte angestrengt an etwas anderes. Zum Beispiel an den Haufen Arbeit, der noch vor ihr lag. Da Michael nämlich noch immer nicht aufgetaucht war hatte das Management beschlossen, das Konzert kurzerhand zu verschieben.
Sie stieß einen überraschten Schrei aus, als sie gegen etwas stieß und nach hinten stolperte.
„Oha, Vorsicht!“ Jace griff nach Noras Arm und hielt sie fest, damit sie nicht fiel.
„Sorry, ich hab nicht aufgepasst. Danke.“ Seufzend bückte sie sich und sammelte das Kabeldesaster, das sie zuvor so ordentlich aufgerollt hatte, vom Boden auf. „Tja, scheiße.“
Jace kicherte leise und tätschelte ihre Schulter. „Ich glaub fest an dich.“
„Danke für deinen Beistand“, erwiderte sie trocken und begann damit, das Kabel wieder aufzurollen.
Da ein mehrtägiger Aufenthalt in der Stadt geplant war, war es zumindest kein Problem, das Konzert zu verschieben. Naja, es sollte kein Problem sein.
Nora war gespannt auf die Erklärung der Jungs, falls sie denn schon eine hatten. Wo war Mikey nur abgeblieben? Sie machte sich Sorgen um ihn und gleichzeitig war sie sauer, weil er niemandem Bescheid gegeben hatte.
Jetzt mussten sie all das, was sie kurz vorher auf der Bühne aufgebaut hatten, mühsam wieder abbauen. Es war nicht so, dass sie Jocelyns Ärger nicht hätte verstehen können, aber Neil hatte auch Recht. Sie hätten es so oder so wieder abbauen müssen. Blöd war nur, dass sie es sich dieses Mal hätten sparen können.

„Haben wir sonst noch was?“, fragte Matt und drehte sich einmal um die eigene Achse um die leere Bühne zu überblicken.
„Nein, wir sind fertig“, antwortete Neil, der wieder einen Arm um Jocelyn gelegt hatte, ihm gähnend. „Mann, ich bin heute echt zu früh aufgestanden.“
„Ja, echt blöd, dass wir nicht schon früher hergefahren sind, sodass wir nicht um vier Uhr morgens aus den Betten mussten“, stimmte Jace ihm zu und lächelte eine hübsche Technikerin an, die gerade eben die Bühne über den Backstage-Bereich verließ. Die erwiderte das Lächeln geschmeichelt und nickte leicht Richtung backstage, dann verschwand sie von der Bühne.
„Ich muss dann mal weg, Leute“, sagte Jace, der es plötzlich eilig zu haben schien, ohne den Blick von der Stelle zu nehmen, an dem die Frau verschwunden war. „Bis später, wir sehen uns.“
Jocelyn schnaubte abfällig als der attraktive Mann mit großen Schritten der Frau folgte.
„Männer“, stieß sie aus und schüttelte sie den Kopf.
„Was ist? Hast du was gegen uns?“, zog Neil sie auf und drückte sie näher an sich.
„Nein, natürlich nicht. Ihr seid einfach nur schwanzgesteuert, das ist alles.“
„Überschlag dich bloß nicht mit deinen Komplimenten, Joce“, lachte er, ließ sich aber nicht von ihren harschen Aussagen beeindrucken.
„Ich geh dann auch mal“, informierte Matt die beiden. Er warf einen kurzen Blick Richtung backstage und verzog das Gesicht. „Aber ich geh nach da.“
Er drehte sich um und verließ die Bühne in die entgegengesetzte Richtung, in die Jace vorhin mit der Frau verschwunden war.
„Bis dann, Kumpel. Joce und ich verziehen uns auch.“
Neil und Jocelyn verließen die Bühne, auf der nur noch ein paar wenige Schlepper tätig waren, die die richtig schweren Sachen weg trugen, ebenfalls auf einem anderen Weg.

„Hey Nora, machst du nicht Feierabend?“
Nora unterbrach ihr Gespräch mit Mike und warf einen Blick über die Schulter. Sie entdeckte Neil und Jocelyn auf der anderen Seite der Bühne und winkte flüchtig.
„Gleich!“, rief sie zurück und wandte den beiden wieder den Rücken zu. Immerhin hatten sie und Jocelyn einen Deal, den sie unbedingt einhalten musste. Kein allzu großer Kontakt zu Neil, am Besten gar keinen.
Auch wenn zwischen Nora und Luke nichts mehr laufen würde, ihre gemeinsame Vergangenheit war vielleicht Grund genug um sie rauszuwerfen. Dann wäre es zwar einfacher Luke aus dem Weg zu gehen, aber dafür machte ihr die Arbeit zu viel Spaß und außerdem war sie zu stolz um so offensichtlich vor ihm zu fliehen.
Mike, einer der Schlepper, hob einen Verstärker hoch und trug ihn von der Bühne und damit war auch Noras Gesprächspartner weg.
Mr Kanter hatte ihr zuvor einen kleinen Vortrag gehalten, dass sie zuverlässiger sein sollte und ein wenig organisierter. Sie sei zwar nicht die einzige, die mal ab und zu etwas in den Sand setzte, aber bei ihr käme es schon sehr häufig vor, dass sie mal wieder nicht pünktlich kam. Mr Kanter hatte ihre Entschuldigung abgewunken und gemeint, als Wiedergutmachung würde ihm schon reichen, wenn sie beim Abräumen der Bühne kräftig mithelfen würde. Das hieß im Klartext, dass sie nicht schon Feierabend machen durfte, wenn die schweren Sachen noch auf der Bühne standen und von den Schleppern weg transportiert wurden, sondern mithelfen sollte.
Darüber hatte sie sich auch eben mit Mike unterhalten, der das ganze recht witzig gefunden hatte.
Er hatte behauptet, so ein kleines Persönchen wie sie würde sowieso nichts schleppen können.
Seufzend stemmte Nora die Arme in die Hüften und sah sich um. Es wurde langsam empfindlich kühl, aber sie hatte keine Jacke mitgenommen, weil es nachmittags mal wieder brütend warm gewesen war.
Na bitte, da hinten stand ein Verstärker, der gar nicht mal so schwer aussah. Vielleicht würde sie den zumindest aus der Ecke da rauskriegen, damit Mike und die anderen ihn leichter tragen konnten. Sie gab schon zu, dass sie für den Job als Schlepper ungeeignet war, aber sie tat bloß, was Mr Kanter ihr aufgetragen hatte, auch wenn sie langsam den Verdacht bekam, dass er das zu seiner eigenen Belustigung getan hatte.
Vermutlich hatte er geahnt, dass sie sich nicht wirklich behaupten konnte, gegen diese Schränke von Männern. Entschlossen marschierte sie zu dem Verstärker, den sie zuvor entdeckt hatte, aber je näher sie kam, desto unsicherer wurde sie.
Also von nahem war der gar nicht mehr so klein...
Sie zögerte einen Moment und überlegte, wie sie das Ding am Besten anpacken musste, um es vom Fleck zu bewegen. Nach einer Weile legte sie einfach die Hände an die Seiten und zog, aber nichts passierte. Sie bewegte ihre Hände, um einen festeren Griff zu bekommen und lehnte sich in die Bewegung hinein, um den Verstärker irgendwie zu bewegen, aber das Ding rührte sich nicht das kleinste Bisschen.
„Nora, was machst du denn da, Schätzchen?“, fragte Mike, der wieder auf die Bühne gekommen war, halb ergeben, halb belustigt.
„Ich krieg das hin“, antwortete sie verbissen und zog mit ihrem ganzen Gewicht an dem Verstärker.
„Nora-...“
„Ich schaff das“, unterbrach sie ihn und ließ kurz von dem Ding ab um zu schauen, ob dahinter genug Platz war, um den Verstärker schieben zu können. Das wäre vielleicht einfacher als ihn ohne irgendeinen Griff zu ziehen.
„Nora, wirklich, das-...“
„Warum glaubst du nicht, dass ich das schaffe?“, fuhr sie ihn an und wirbelte frustriert, das er Recht hatte, zu ihm herum.
Seine Mundwinkel zuckten und er hob beinahe ergeben die Arme. „Weil der Verstärker gar nicht zu uns gehört und am Boden festgeschraubt ist.“
Ihr fiel die Kinnlade auf den Boden und sie sackte ein wenig in sich zusammen. „Ist das dein Ernst?“, murmelte sie verlegen.
„Tut mir Leid“, prustete Mike los. „Ich wollte es dir ja sagen, aber du hast mich einfach nicht ausreden lassen.“
Seufzend rieb sie sich mit beiden Händen über das Gesicht und fuhr sich dann durch die Haare. „Ich bin echt doof, was?“, fragte sie und lachte dann selbst.
„Du hast so entschlossen ausgesehen, das wollte ich dir nicht verderben“, giggelte er, was sich mit seiner tiefen Bass-Stimme seltsam anhörte.
„Hey, ich wollte bloß helfen“, protestierte sie und lachte wieder los.
„Überlass das helfen lieber uns, Kleines“, grinste er und hob ein anderes Ding hoch, das ziemlich schwer zu sein schien, aber bei Mike sah es aus als würde er einen Picknickkorb tragen.
Noras gute Laune war mit einem Schlag vorbei, kaum dass er das letzte Wort ausgesprochen hatte.
Luke nannte sie oft „Kleines“ und es ärgerte sie, dass sie sofort an ihn denken musste.
„Du kannst jetzt wirklich Feierabend machen, kleine Britin“, sagte Lewis mit seinem starken amerikanischem Akzent. Die drei Mal die sie bisher mit ihm geredet hatte, hatte er sich jedesmal über ihren britischen Akzent lustig gemacht.
„Willst du nicht noch zum Tee vorbeikommen?“, spielte sie mit und klimperte zuckersüß lächelnd mit den Wimpern.
Er schüttelte lachend den Kopf und zog schwungvoll einen schwarzen Koffer aus einer Ecke, in dem auch irgendetwas gelagert sein musste, dass vermutlich ebenfalls zu schwer für Nora zu tragen wäre. „Ich habe die Befürchtung, dass diese Teestunde damit enden würde, dass du mir den Tee ins Gesicht kippst.“
„Solange du mir nichts tust, passiert dir auch nichts“, antwortete sie schlicht und er verließ lachend die Bühne.
„Viel Spaß noch, kleine Britin.“
„Dir auch.“

Nora lief über die Bühne und verschwand im Backstage-Bereich. Sie stand den Männern auch nur im Weg und half nicht wirklich dazu bei, dass das Abbauen schneller voran ging. Sie verzögerte es eher noch.
Sie kam an einer Tür vorbei aus der seltsame Geräusche zu hören waren und jemand haute von innen in regelmäßigen Abständen gegen die Tür.
Als lautes Stöhnen aus dem Raum erklang begriff sie endlich, was da drinnen vor sich ging und ging schnell weiter. Wer auch immer das war, konnten die das denn nicht in einem Hotelzimmer machen? Was wenn da jetzt irgendwer ahnungslos reinmarschierte?
Schwungvoll bog sie um die Ecke und stoppte abrupt, als sie Luke am anderen Ende des Gangs sah.
Er saß auf dem Boden an die Wand gelehnt und starrte auf sein Handy, sodass er ihr Auftauchen gar nicht bemerkt hatte.
Was machte er da? Guten Handyempfang konnte er nicht gesucht haben, der war hier hinten nämlich regelrecht beschissen.
Vielleicht wartete er auf jemanden?
Es kostete sie ein wenig Überwindung, aber dann ging sie auf ihn zu, da sie sowieso in diese Richtung gemusst hätte.
„Luke, was machst du da?“, fragte sie, als sie näher auf ihn zukam.
Er hob den Blick und ein schiefes Grinsen legte sich auf seine Lippen. Er stand auf und schob das Handy in seine Hosentasche, dann zuckte er mit den Schultern. „Ich hab auf dich gewartet.“
„Haha, wer's glaubt“, erwiderte sie und hoffte, dass er den leicht bitteren Unterton in ihrer Stimme nicht bemerkt hatte. „Ist Mikey schon wieder aufgetaucht?“
Er schüttelte den Kopf und schnaubte. „Nein, und das wird er auch so bald nicht.“
„Was? Wo ist er?“ Besorgt ging sie die letzten paar Meter auf ihn zu und stoppte näher an ihm, als beabsichtigt.
„In Sydney, bei dieser Leonie.“
Ihr blieb der Mund einen Moment lang offen stehen, dann lachte sie auf. „Süß“, kommentierte sie und schüttelte den Kopf. „Ich hätte es noch besser gefunden, wenn er wenigstens jemandem Bescheid gegeben hätte.“
„Ja, ich auch“, stimmte Luke ihr zu und sie seufzte.
„Na, kann man jetzt auch nichts mehr machen. Bis dann, Luke.“
„Ich glaub du hast nicht ganz verstanden, dass ich wegen dir hier bin“, meinte er und hielt mühelos mit ihr Schritt.
Sie verdrehte genervt die Augen und mied den Blick zur Seite. „Das ist nicht besonders lustig, weißt du?“
„Was? Dass ich wegen dir hier bin?“ Er runzelte die Stirn und versperrte ihr den Weg, sodass sie ihn ansehen musste. „Ich hab auch nicht versucht lustig zu sein.“
Unwohl wich sie einen Schritt zurück, um ihm nicht so nah zu sein, aber er verringerte den Abstand sofort wieder.
Sie verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust und sah unruhig an ihm vorbei, auf der Suche nach einem möglichen Fluchtweg. „Vergiss es einfach. Wir wissen doch beide, dass das gelogen ist.“
„Warum glaubst du mir eigentlich nie irgendwas, wenn ich nett zu dir sein will?“, brauste er auf, plötzlich wütend. „Wäre ich Ashton, würde es dir nichts ausmachen!“
„Wärst du das, dann ja, vielleicht!“, fauchte sie zurück und sie konnte förmlich mitansehen, wie seine Augen sich verdunkelten.
Sie wich zurück, als er auf sie zukam, bis sie die Wand in ihrem Rücken spürte. Verdammt, warum waren die Gänge hier hinten auch nicht breiter? Sie wollte schnell ein wenig Abstand zwischen sich und die Wand bringen, aber da stand Luke schon direkt vor ihr und stützte die Hände neben ihr ab, sodass sie zwischen ihm und der Wand gefangen war.
Genau diese Situation hatte sie vermeiden wollen.
„Was zur Hölle hat Ash, was ich nicht habe?“, fragte er wütend. „Küsst er besser oder was?“
Sie schnaubte und ihre Mundwinkel bogen sich gegen ihren Willen nach oben. „Das kann ich nicht bestreiten“, behauptete sie. Das war glatt gelogen, denn sie wusste selbst nur zu gut, dass sie in Sachen Küssen Luke jederzeit vorziehen würde.
„Also knutscht ihr immer noch rum oder was?“ Das schien ihn wirklich aufzuregen und Nora spürte den Triumph darüber, etwas gefunden zu haben, das Luke störte, in sich aufsteigen.
„Das geht dich gar nichts an.“
„Was wenn ich aber nicht will, dass Ashton dich küsst?“, fragte er grollend.
„Was, wenn ich es aber verdammt gut finde, dass Ash mich küsst?“, schoss Nora zurück und Luke grinste verbissen, dann rückte er plötzlich noch näher an sie, sodass ihre Nasenspitzen sich fast berührten. Er stützte sich jetzt mit denn Unterarmen neben ihrem Kopf ab und sie presste sich gegen die Wand um seiner Nähe zu entkommen.
„Weil ich dich vergessen lassen könnte, wie Irwin dich küsst.“
„Klarer Fall von Selbstüberschätzung, Hemmings“, spottete die Schwarzhaarige und hob störrisch das Kinn, auch wenn er völlig Recht hatte.
Im selben Moment wurde ihr klar, dass sie das Falsche gesagt hatte, denn für Luke war das nur eine weitere Herausforderung.
„Denkst du das, ja?“
Sie öffnete den Mund um ihn zu stoppen, aber kaum dass der erste Ton ihre Kehle verließ, legte er seine Lippen auf ihre. Sie versuchte ihn wegzuschieben, aber ihre Hände waren seltsam schwach und außerdem zitterten ihr die Knie.
Oh Gott. Ihre Augen fielen zu und das Feuerwerk das in ihrem Bauch explodierte schickte das Kribbeln in ihrem Bauch an jedes Nervenende. Sie hielt sich an seinen Oberarmen fest, weil sie Angst hatte sonst zu fallen. Sie hätte ihm die Zunge abbeißen sollen und vermutlich hätte sie das sogar versucht, wenn sie ihn wirklich nicht hätte küssen wollen. Luke drückte sie fester an die Wand und legte eine Hand auf ihre Taille. Sie merkte, wie auch er immer mehr Gefallen an dem Kuss fand und ein kleiner Teil ihres Gehirns fragte sich, wie das weitergehen sollte.
Und dann rückte Luke plötzlich wieder von ihr ab und der Kuss war so abrupt zu Ende, wie er begonnen hatte.
Die Erkenntnis, dass sie schon wieder auf Luke hereingefallen war, stürzte auf sie ein und ihr wurde ganz kalt. Ohne auf ihn zu achten lehnte sie den Kopf an die Wand hinter ihr und schloss die Augen. Sie durfte jetzt nicht heulen und die Genugtuung wollte sie Luke auch gar nicht geben.
Aber alles was sie denken konnte war Schon wieder. Die zwei Wörter hallten laut in ihrem Kopf wieder, immer wieder, und bereiteten ihr Kopfschmerzen. Sie war so dumm.
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