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It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
21
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03.09.2016 4.085
 
Kapitel Zweiundfünfzig - „So wirklich?“


Am Morgen war Nora die Erste die wach wurde. So hatte sie genügend Zeit noch einen Moment an Luke gekuschelt liegen zu bleiben und sich für einen Moment einbilden, dass jeder ihrer Morgen so aussehen könnte. Dann befreite sie sich widerwillig und äußerst vorsichtig aus dem warmen Käfig, den seine Arme um sie bildeten, und schlich sich zurück in ihr eigenes Bett.
Wenn sie Glück hatte würde Luke sich gar nicht an gestern Nacht erinnern und sie nicht fragen, wieso sie wirklich zu ihm ins Bett gekrochen war. Sie wusste es ja selbst nicht so genau.
Das Bett unter Lukes, das ihr gestern noch so bequem vorgekommen war, empfand sie nun als kalt und steif und sie konnte einfach nicht wieder einschlafen, so sehr sie es auch wollte. Also gab sie seufzend auf und beschloss nach Essen zu suchen. Sie war am verhungern.
Gestern Abend hatte sie zusammen mit den Jungs noch zwei, drei Tüten Chips verdrückt, aber das machte nicht lange satt. Ihr Bauch fühlte sich an, als befände sich ein großes, schwarzes Loch darin.
Sie bemerkte am Rande, dass der Tourbus sich gar nicht vom Fleck bewegte und warf einen verwirrten Blick aus dem Fenster. Sie standen im Stau.
Na, wenigstens hatte sie damit genug Zeit um die Vorräte der Band zu plündern.
Nora ging zu der winzigen Küche und kramte in den Schränken nach etwas Essbarem, während ihr Magen lauter knurrte. Schließlich entdeckte sie eine ganze Packung Toast, die sie glücklich öffnete. Zwar konnte sie keinen Toaster entdecken und es befanden sich auch nur ein Glas Vegemite und Nutella in dem kleinen Kühlschrank, aber sie war völlig zufrieden.
Sie schmierte sich eine dicke Schicht Nutella auf das Toastbrot und biss mit einem glücklichen Seufzen hinein. Den ersten Toast verdrückte sie in vier großen Bissen, für den zweiten ließ sie sich ein bisschen länger Zeit. Währenddessen suchte sie nach einem Glas und füllte es mit dem Orangensaft, den sie ebenfalls im Kühlschrank fand.
„Guten Morgen“, begrüßte Ashton sie gähnend, der in die Küche kam.
„Hey“, erwiderte Nora überrascht. „Du bist schon wach?“
„So halb“, brummte er und ließ sich auf die Sitzecke ihr gegenüber fallen. „Was machst du da?“
„Essen“, antwortete sie und schob sich den letzten Bissen von ihrem Toast in den Mund. Sie trank ihr Glas aus und holte den nächsten Toast aus der Packung. „Ich hoffe es ist okay, dass ich euch eure Sachen weg futtere, aber ich bin am verhungern.“
„Kein Problem, wir kommen bestimmt irgendwann noch an einen Rastplatz, da können wir unsere Vorräte wieder aufstocken...erinnere mich später daran, das Lewis zu sagen.“ Ash gähnte und fuhr sich durch die Haare. „Kannst du mir auch so einen Toast machen?“
„Mhm“, machte sie, da sie den Mund gerade voll hatte, und zog einen weiteren Toast aus der immer leerer werdenden Packung. „Wer ist Lewis?“
„Unser Busfahrer. Warte, haben wir noch Vegemite?“
Sie hielt inne und legte das Messer, das mit Nutella beschmiert war, auf die Arbeitsfläche zurück, dann holte sie das Glas Vegemite aus dem Kühlschrank. „Ist da.“
Er verzog das Gesicht und rappelte sich auf. „Wer hat das denn in den Kühlschrank gestellt?“
Sie zuckte mit den Schultern und ließ zu, dass er ihr das Glas aus der Hand nahm und ein Messer aus einer Schublade kramte. Sie sah ihm zu, wie er seinen Toast bestrich, während sie auf ihrem eigenen Toastbrot kaute.
Einen Augenblick später standen sie einträchtig nebeneinander an den Tresen gelehnt und verdrückten schweigend ihr Frühstück.

Leonie ließ sich erschöpft auf ihr Bett fallen und atmete tief aus. Nachdem sie endlich am Flughafen angekommen war hatte Corey sie abgeholt und sie sofort ausquetschen wollen, aber dafür war Leo viel zu fertig gewesen. Also hatte Corey das Ganze auf den nächsten Tag verschoben und hatte ihre beste Freundin zu ihrer Familie gefahren, die sie mit der gleichen Überschwänglichkeit empfangen hatte.
Und obwohl Leonie sich natürlich darüber gefreut hatte und auch froh war, ihre Familie wiederzusehen, so hatte sie sich trotzdem die ganze Zeit einfach bloß in ihr Bett gewünscht. Jetzt hatte sie endlich ihre Ruhe und einen Moment tief durchzuatmen und dabei auch die ein oder andere Träne zu verdrücken. Sie zog ihr Handy aus ihrer vorderen Hosentasche, da es unbequem war darauf zu liegen und ihr fiel auf, dass sie immer noch den Flug-Modus aktiviert hatte. Mit müden Augen deaktivierte sie ihn und ließ das Handy neben ihren Kopf fallen.
Überrascht öffnete sie die Augen einen Spalt als es klingelte. Seufzend griff sie wieder danach und wischte den Sperrbildschirm beiseite.
Ihr Herz setzte einen Schlag aus und schlug dann doppelt so schnell weiter, als sie den Namen auf der Anzeige erkannte. Michael hatte ihr schon geschrieben?
Sie tippte auf die Benachrichtigung und wartete ungeduldig bis ihr Handy WhatsApp geöffnet hatte.

Michael Clifford / 19:43
Warte komm zurück

Michael Clifford / 20:00
Kannst du nicht nochmal kommen?
Du hast mir die Haare gar nicht
gefärbt!!


Michael Clifford / 20:03
Ich vermisse dich jetzt schon :(

Die erste Nachricht hatte er abgeschickt, kurz nachdem sie im Flieger gesessen hatte. Sie erinnerte sich daran, froh darüber zu sein, keinen Fensterplatz zu haben, weil sie das noch wehmütiger stimmen würde. Aber als sie seine Nachrichten las wurde ihr warm ums Herz und sie lächelte wie eine Blöde ihr Handy an. Dass sie Michael viel bedeutete, war ihr schon klar. Sie wusste nur nicht, ob es genug war. Leonie hatte sich ziemlich in Michael verliebt und ihr war bewusst, dass das nicht besonders klug war. Immerhin tourte er durch die Weltgeschichte und tausende von Mädchen himmelten ihn an, die mit Sicherheit alle nicht besonders erfreut reagieren würden, würde Leonie zu einem dauerhaften Teil von Michaels Leben. Und zudem stand es auf einem völlig anderem Blatt ob Michael das überhaupt wollte. Ihre Gedanken schweiften zu dem Date, das sie und Mikey am Anfang gehabt hatten und sie überlegte, ob sich wohl auch davon Fotos im Internet finden ließen. Sie beschloss später danach zu suchen, jetzt wollte sie erstmal eine Runde schlafen.
Allerdings tippte sie zuvor noch eine kleine Nachricht an Michael zurück.

Leonie Smith / 01:29
Ich vermisse dich auch <3


Als Luke aufwachte wusste er zuerst nicht wieso, denn er konnte sich nicht einmal daran erinnern was er geträumt hatte, nachdem Nora-...
Er stockte und starrte auf den leeren Platz neben sich, den er mit dem Licht das durch den schmalen Spalt zwischen der Wand und dem Vorhang fiel, gerade so ausmachen konnte. Er lag ziemlich weit am Rand und schloss daraus, dass er Nora im Schlaf ziemlich auf die Pelle gerückt sein musste. Nicht dass es ihn kümmerte, immerhin wusste er, dass Nora das nicht störte. Meistens zumindest.
Wenn sie alleine waren hatte sie sich bis vor Kurzem eigentlich nie gewehrt, wenn er sie irgendwie angefasst hatte.
Oh Mann, das hörte sich ja an, als hätte er sie vergewaltigt oder sonst was!
Er schüttelte die Gedanken ab und drehte sich ächzend auf den Rücken, wobei er gegen die Wand stieß. Leise fluchend hielt er sich den Ellbogen und entspannte sich erst, als das Brennen wieder etwas nachließ. Dann starrte er nachdenklich an die Decke und lenkte seine Gedanken zurück zu Nora.
Dass sie sich nicht mehr von ihm anfassen ließ, zumindest nicht, wenn sie bewusst darauf achtete, und auch dass sie noch wütender auf ihn reagierte, das hatte doch angefangen, nachdem sie miteinander geschlafen hatten. Wobei...nein, das war nur am Anfang gewesen und sie hatte ihn nicht so deutlich auf Abstand halten wollen. Wann hatte er es also so richtig verkackt?
Der Klingelton eines Handys unterbrach Lukes Gedanken kurz, aber da es nicht sein Handy war, konzentrierte er sich schnell wieder. Warum ihn das so beschäftigte wusste er selbst nicht so genau – oder wollte es sich zumindest nicht eingestehen.
So richtig ablehnend war Nora doch eigentlich erst heute morgen auf der Bühne gewesen. Aber was hatte er ihr da getan? Gut, er hatte sie noch mehr als gewöhnlich provoziert, aber nur, weil sie sich so gleichgültig gegeben hatte. Im Endeffekt hatte er erreicht was er wollte, denn sie war eingeschnappt und hatte ihn ziemlich wütend angefaucht.
Aber was war davor gewesen? Was hatte ihr Verhalten ausgelöst?
Vielleicht hatte Cal ihr irgendetwas eingeredet, als er sie dazu überredet hat mit auf sein Zimmer zu kommen, nachdem sie vom Dach des Hotels gestürmt war?
Jetzt dämmerte es ihm und Luke hätte sich fast die Hand gegen die Stirn geklatscht. Natürlich, auf der Dachterasse hatte er ein paar blöde Sprüche abgelassen wie über diese fremde Frau, von der er behauptet hatte, er hätte sie über Nacht in seinem Zimmer behalten. Totaler Schwachsinn, die Frau war die reinste Nervensäge gewesen, aber Luke war so darauf fixiert gewesen Nora eins reinzudrücken, dass er einfach gelogen hatte. Und wie schon einmal beschlich ihn dieses unangenehme, flaue Gefühl, dass er wirklich zu weit gegangen war. Als er daran dachte dass Nora ihn vielleicht nie wieder eines Blickes würdigen würde und sich auch weiter weigern würde ihn in ihre Nähe zu lassen, verkrampfte sich sein Magen und er richtete sich bereits halb auf um Nora suchen zu gehen, als er inne hielt.
Warum sollte er das tun? Was würde das für einen Sinn ergeben? Er ließ sich zurück auf die Matratze fallen und rieb sich stirnrunzelnd mit beiden Händen übers Gesicht.
Andererseits hatte Nora gestern doch wieder einen Schritt auf ihn zugemacht. Erst hatte sie ein wenig mit ihm gescherzt und dann hatte sie doch erst diese Nacht in seinem Bett gelegen und hatte zugelassen, dass er sie umarmte und ihr damit vermutlich jegliche Bewegungsfreiheit geraubt hatte. Sie hatte nicht einmal nachgefragt, was mit ihm los war, obwohl sie bestimmt geahnt hatte, dass ihn etwas aufgeregt hatte.
Um nicht länger diesen Gedanken ausgesetzt zu sein und mit der Hoffnung, dass er sie vertreiben konnte, wenn er sich mit Gesellschaft ablenkte, zog er den Vorhang zurück und kletterte aus dem Bett.

Nora seufzte geschafft und klopfte auf ihren vollen Bauch. „Jetzt hab ich mich überfressen.“
„Ja, pass auf dass du nicht fett wirst“, setzte Ashton augenverdrehend zu und mampfte weiter seinen Toast.
Sie stieß ihm gespielt empört den Ellbogen in die Seite und er schlang grinsend einen Arm um ihre Schulter. Er schob sich den letzten Rest seines Toasts in den Mund und zog Nora schwungvoll zu sich, sodass sie gegen seine Brust stolperte. Er legte beide Arme um sie und drückte sie fest, bis sie sich jammernd beschwerte, dass sie sich etwas gequetscht fühlte. Lachend ließ er ein wenig locker, bis sie sich entspannte.
Ein Geräusch aus dem Türrahmen erregte ihre Aufmerksamkeit und sie lösten sich voneinander. Luke stand in einem einfachen T-Shirt und Boxershorts vor ihnen und fuhr sich durch die wild in jede Richtung abstehenden Haare. „Stör ich?“, fragte er genervt mit tiefer, rauer Stimme.
Nora biss sich auf die Unterlippe und sah angestrengt zur Seite um sich davon abzuhalten Luke anzustarren. Ihr Herz schlug ein bisschen schneller und trotzdem spürte sie ein schmerzhaftes Stechen. Es war ein bittersüßes Gefühl das sich in ihr breit machte, sobald sie Luke sah.
„Ja, du störst unser gemeinsames, glamouröses Frühstück. Verzieh dich bitte wieder“, bat Ashton ihn höflich und zog eine pikierte Miene.
Luke lächelte ihn breit an und zeigte ihm ganz charmant den Vogel. Sein Blick fiel auf die fast leere Packung Toast und er zog belustigt eine Augenbraue in die Höhe. „Sieht ja wahnsinnig glamourös aus. Was ist los Kleines, du sagst gar nichts.“
Nora wappnete sich innerlich bevor sie Luke wieder ansah. Ein schöner Anblick war er ja durchaus, nur so furchtbar ablenkend. Sie zuckte mit den Schultern und zwang sich etwas zu sagen, weil Ashton direkt neben ihr stand und ihr Verhalten nicht seltsam finden sollte. Andererseits waren die Jungs seltsames Verhalten von Nora und Luke mittlerweile gewohnt.
„Ich bin noch müde“, behauptete sie schlicht.
„Nicht gut geschlafen?“, hakte Luke mit einem verschlagenen Funkeln in den Augen nach.
Nora dachte einen Moment darüber nach zu erwidern, dass er es war, der wegen seinen Alpträumen nicht alleine einschlafen wollte und sie wach gehalten hatte. Sie wusste selbst nicht wieso, immerhin scherte Luke sich auch einen Dreck um ihre Gefühle, aber sie entschied sich dagegen, etwas zu sagen.
„Doch, ich hab erstaunlich gut geschlafen“, antwortete sie also ehrlich und lehnte sich hilfesuchend an Ashton, der sich aus der Unterhaltung raushielt. Wohl um sich im Falle eines Streits, der sich ja jederzeit anbahnen konnte, schnell verziehen zu können.
Sie schien Luke mit ihrer Antwort unerwartet erwischt zu haben, denn er biss sich auf die Lippe und schwieg. Eigentlich würde sie sich darüber freuen, dass ihm kein Konter einfiel, aber stattdessen klebten ihre Augen auf seinen Lippen und sie erinnerte sich an das Gefühl ihn zu küssen...
Luke kam näher auf sie zu und griff nach der Toast-Packung hinter Ash, was sie schlagartig wieder aus ihren schwärmerischen Gedanken riss.
„Mann, die ist ja fast leer“, beschwerte er sich und sah Ash und Nora anklagend an. „Wisst ihr, ich hab auch Hunger!“
„Du kannst ja Vegemite aus dem Glas löffeln“, schlug Nora sarkastisch vor und löste sich von Ashton.
„Jaja, klar. Nur weil du so gefräßig warst und den ganzen Toast verdrückt hast, soll ich mich jetzt damit zufrieden geben“, brummte Luke.
„Pech gehabt, Hemmings, wärst du eben früher aufgestanden“, erwiderte sie schulterzuckend und grinste ihn an. Sie drehte sich um, bevor sie seine Reaktion sah, stattdessen setzte sie sich auf die Sitzfläche ein wenig von ihnen entfernt und konzentrierte sich auf Ashton. Nur blöd, dass sie Luke nicht so einfach ausblenden konnte.
„Wisst ihr wann wir ungefähr ankommen werden? Wird sich ja wohl verzögern, wenn wir jetzt im Stau stehen...“
„Achja, ich wollte Lewis ja noch wegen dem Rastplatz fragen, gut dass du mich dran erinnerst.“ Ashton stellte sich aufrecht hin und schlenderte aus ihrem Sichtfeld, was Nora ein wenig panisch werden ließ. Sie hatte ganz sicher nicht gewollt, dass Ash sie mit Luke alleine ließ!
Aber bevor sie den Mund aufmachen konnte um Ashton zurückzurufen, fiel schon eine Tür ins Schloss und war alleine mit Luke. Eine Situation die sie unbedingt und um jeden Preis hatte vermeiden wollen. Warum funktionierte nur nie etwas so wie es sollte?

Luke lehnte lässig an dem kleinen Tresen und beobachte Nora amüsiert, wie sie immer unruhiger wurde.
„Was ist?“, blaffte sie ihn an und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust.
Luke zuckte mit den Schultern und biss in das Toastbrot auf das er Vegemite geschmiert hatte. „Ich schau dich gerne an“, sagte er, nachdem er den Großteil des Toasts runter geschluckt hatte.
Noras Herz machte prompt einen Salto rückwärts und sie spürte wie ihr das Blut in die Wangen schoss.
Das kann er doch nicht einfach so sagen? Und wie er das konnte.
Sie räusperte sich und öffnete ihren Pferdeschwanz um ihren Fingern etwas zu tun zu geben.
„Bist du jetzt etwa verlegen?“, prustete Luke los und Noras Wangen färbten sich noch einen Ton dunkler, diesmal aber vor Ärger.
„Normalerweise sagt man sowas nicht einfach so“, verteidigte sie sich, verärgert, dass er sich über sie lustig machte, und fuhr sich unruhig mit den Fingern durch die langen Haare. Die brauchten dringend eine Wäsche, aber damit würde Nora warten müssen, bis sie am Hotel waren.
„Naja, es ist wahr. Außerdem hörst du das bestimmt nicht zum ersten Mal.“
Nora fühlte sich für einen Moment in eine billige Reality-Show hineinversetzt, aber den Gedanken daran schüttelte sie schnell ab. Sie stand auf um sich nicht so unterlegen zu fühlen, wobei das den Größenunterschied zwischen ihnen auch nicht um so viel besser machte.
„Was auch immer. Ich geh mal in diesen Raum mit dem Fernseher, überfriss du dich nicht“, sagte sie so desinteressiert wie möglich, wich aber feige seinem Blick aus.
„Bloß keine Sorge“, spottete Luke, aber sie weigerte sich weiter auf ihn einzugehen.
Das würde doch bloß wieder darin enden, dass er ihr weh tat und davon hatte sie mittlerweile wirklich genug.
„Das wirkt ein wenig als würdest du vor mir flüchten wollen“, rief er ihr hinterher, als sie die Küche verließ und an den Betten vorbeikam. Die Vorhänge vor Calums und Michaels Betten waren zugezogen, vermutlich schliefen die beiden noch.
„Vielleicht will ich das ja“, entkam es Nora lauter als beabsichtigt und sie biss sich auf die Zunge. Hastig huschte sie in den Raum ganz hinten im Bus und zog leise die Tür hinter sich zu. Warum dachte sie eigentlich in Lukes Nähe nie nach, bevor sie den Mund aufmachte?

Seufzend ließ sie sich auf das bequeme Sofa fallen, in dem sie fast versank. Sie griff nach der Fernbedienung, die auf der Armlehne lag und schaltete den Fernseher ein, aber erstens lief nichts, was ihr gefiel, und zweitens hatte sie eigentlich gar keinen Bock darauf. Also senkte sie die Lautstärke soweit, bis sie es nur noch als angenehmes Hintergrundgeräusch empfand und ließ sich der Länge nach auf die Couch fallen.
Sie streckte sich ausgiebig und zog bei jedem Knacksen das ihre Knochen von sich gaben eine Grimasse, auch wenn es eine reine Wohltat war. Mit einem weiteren Seufzer streckte Nora sich auf dem Sofa aus wie eine zufriedene Katze und schloss die Augen.
Eigentlich sollte sie jetzt völlig entspannt sein, denn das Sofa war wirklich wahnsinnig bequem, sie hatte ihre Ruhe und im Grunde genommen Urlaub. Sie musste nicht ihre Koffer in den Bus für die Road-Crew schleppen und musste auch nicht zu unmenschlichen Zeiten aufstehen, stattdessen lag sie hier ganz entspannt im Tourbus der Jungs.
Eigentlich war alles ziemlich cool soweit.
Aber statt dass sie sich entspannte und vielleicht sogar noch ein bisschen schlafen konnte, drehten sich ihre Gedanken mal wieder nur um Luke.
Sie bemerkte gar nicht wirklich wie ihre Mundwinkel nach unten sanken und sie sich ein wenig zusammen krümmte.
Verliebt sein war scheiße, das hatte sie doch geahnt. Oder eigentlich schon gewusst, nach der Beziehung mit Dave.
Aber der hatte sie wenigstens erst nach ihrer Beziehung blöd behandelt, Luke tat das schon davor. Andererseits konnte sie sich auch nicht vorstellen, dass Luke der Typ für längere, ernste Beziehungen war. Und wenn doch, dann war er ganz sicher nicht an einer Beziehung mit Nora interessiert. Er fand sie anziehend und attraktiv und das alles, aber er hatte keine Gefühle für sie, das hatte er ziemlich deutlich gemacht. Und so dumm es auch war, Noras Augen begannen zu brennen, als sie sich das klar machte. Zwar war sie in Luke verliebt – wie auch immer das passiert war – aber sie hatte noch genug Stolz und Ehre übrig, um sich von ihm nicht als Betthäschen hernehmen zu lassen. Damit das nicht passierte, musste sie nur genügend Abstand zu ihm halten, denn Luke war für Nora beinahe unwiderstehlich.
Die Tür öffnete sich leise und Nora richtete sich erschrocken auf, der Meinung es wäre Luke, der irgendwie ihre Gedanken gehört hatte und gekommen war um sie noch mehr zu quälen.
Wie war das mit der billigen Realitiy-Show? Ich gebe eine verdammt gute Hauptdarstellerin ab, dachte sie sarkastisch, als sie Michael erkannte. Sie benahm sich wie die letzte Drama-Queen.

„Hey Mikey“, begrüßte sie ihn müde.
„Hey. Hast du noch Platz für mich?“
Nora ließ sich zurück auf den Rücken fallen und zog die Beine an, sodass Michael sich neben sie setzten konnte. Er rutschte solange hin und her bis er bequem saß, Nora aber immer noch ins Gesicht schauen konnte. Die unterdrückte gerade ein Gähnen und schloss dabei die Augen, also waren seine Bemühungen eigentlich umsonst.
„Hast du gut geschlafen?“, fragte er und spielte unruhig mit dem Handy in seinen Händen. Er brannte darauf sie wegen Leonies Nachricht zu befragen, aber gleichzeitig wollte er auch nicht so damit herausplatzen. Nora sah irgendwie ziemlich fertig aus und als er reingekommen war hatte es so gewirkt, als hätte sie gerade geheult. Vermutlich hatte sie gerade selbst genug Ärger.
„Ja. Ja, ich hab super geschlafen. Was ist mit dir?“
Vielleicht bildete er es sich bloß ein, aber sie klang irgendwie ein wenig bitter. Er beschloss, dass er es sich nur eingebildet hatte, denn keinen Augenblick später lächelte Nora ihn an.
„Ging so. Ich muss die ganze Zeit an Leo denken“, gestand er.
Er konnte den Wandel in Nora förmlich mitansehen. Ihr ganzes Gesicht leuchtete auf und sie rappelte sich sofort etwas hoch, sodass sie ihn ansehen konnte. Sie wirkte weniger traurig und müde, jetzt wo sie sich auf etwas anderes konzentrieren konnte. „Vermisst du sie sehr?“
„Du hast ja keine Ahnung“, brummte Michael und ließ den Kopf in den Nacken fallen. „Ich hab Mist gebaut.“
„Was? Wieso? Was hast du denn gemacht?“, erkundigte sie sich und setzte sich nun ganz auf.
„Die Frage ist eher, was habe ich nicht gemacht“, murmelte er niedergeschlagen und schwieg dann.
„Mann Mikey, lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen! Jetzt sag schon!“
Michael fühlte sich komischerweise an das Gespräch mit Calum am Abend davor erinnert, das ganz ähnlich abgelaufen war.
„Naja...ich hab mich nicht getraut sie zu küssen.“
„Oh“, machte Nora und blieb einen Moment still. „Wolltest du sie denn küssen?“
„Natürlich wollte ich sie küssen!“, erwiderte er heftiger als beabsichtigt und räusperte sich dann peinlich berührt. „Ich...naja, ich hatte irgendwie Angst vor ner Abfuhr“, gestand er schließlich.
„Oh Mikey“, stöhnte Nora und verdrehte die Augen. „Leonie hätte dir nie eine Abfuhr gegeben, sie ist dir immerhin völlig verfallen!“
Schon zum zweiten Mal an diesem Tag biss sie sich auf die Zunge und riss entsetzt die Augen auf. Michael konnte ihr ansehen, dass sie das nicht hatte sagen wollen, aber es war ihm ehrlich gesagt scheißegal, ob sie ihm das nun verraten wollte oder nicht.
Sein Herz schlug fest gegen seinen Brustkorb und er beugte sich zu ihr vor, seine Wangen waren vor Aufregung gerötet. „Meinst du das ernst?“
Seufzend fuhr sie sich durch die Haare und kratzte sich am Hinterkopf. „Natürlich meine ich das ernst. Meinst du, damit würde ich Scherze machen? Aber das geht mich doch gar nichts an, ich wollte mich nicht einmischen...ich dachte ihr kriegt das schon hin. Immerhin wusste ich, dass du Leonie gerne hast und sie hat mir gesagt, dass sie dich auch sehr sehr gern mag. Außerdem hat jeder Depp sehen können, dass ihr wie füreinander gemacht seid. Ich meine, ihr habt sogar beide gefärbte Haare, also wenn das kein Zeichen ist!“ Sie grinste schwach und seufzte dann. „Mann, ich wollte Leo nicht so verraten...“
„Du meinst...also, sie mag mich? So richtig?“, fragte Michael und konnte kaum still sitzen. Sollte Nora ihn jetzt verarschen, dann-...
„So richtig“, bestätigte sie und unterbrach seine nicht besonders freundlichen Gedanken.
„Sie mag mich echt? So wirklich?“ Irgendwie war Michael überrascht. Leonie mochte ihn? Er benahm sich manchmal wie ein kindischer Vollidiot, warum sollte jemand wie Leo ihn mögen? Mittlerweile schlug sein Herz so laut, dass es ihm fast peinlich war, aber andererseits herrschte in seinem Kopf ein viel zu großes Durcheinander um sich darauf konzentrieren zu können.
Nora verdrehte die Augen und lachte, wohl über sein Verhalten. „Michael, sie ist in dich verknallt! Meine Güte!“
Ihm stockte kurz der Atem, aber er fing sich recht schnell wieder. Er spannte seine schwitzigen Hände abwechselnd an und entspannte sie wieder, ihm entkam ein kurzes Lachen und er ließ sich geschafft zurück an die Sofalehne fallen. „Bist du dir sicher?“, fragte er trotzdem nochmal nach, aber es formte sich bereits ein Plan in seinem Kopf wie er das, was er angerichtet hatte, weil er ein elender Feigling war, wiedergutmachen konnte.
Seine Gedanken wurden recht grob unterbrochen, als plötzlich ein Kissen mit ziemlich Wucht in seinem Gesicht landete.
„Frag noch einmal und ich schubse dich vom Sofa“, warnte Nora ihn, ganz klar die Täterin hinter dem fliegenden Kissen.
„Jaja“, brummte er und starrte nachdenklich auf sein Handy, das Kissen lag vergessen auf seinem Bauch. Trotzdem kriegte er das Grinsen einfach nicht aus seinem Gesicht, so sehr er sich auch bemühte.

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Heya Brownies ^^
Ich hoffe, das Kapitel hat ein bisschen Licht in das Lora-Drama gebracht, wenn nicht, dann liegt das einfach daran, dass es Luke und Nora sind und die beiden kann man nicht so leicht verstehen...
Und das Likey-Drama ist bald vorbei, ihr habt es fast geschafft ;D
Ich hoffe das Kapitel hat euch gefallen, ich selbst mag es ziemlich gerne, einfach weil es nochmal zeigt, dass Nora nicht so unnahbar und schwer zu verletzen ist, wie sie sich gibt oder wie man das manchmal vermuten könnte.
Bis nächsten Samstag ^^
lg Schoko <3
P.S.: Achja und wir haben fast 100 Reviews, wow! :D Und momentan genau 100 Favoriteneinträge und 23.414 Zugriffe, vielen Dank dafür! ^^
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