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It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
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30.07.2016 3.590
 
Kapitel Siebenundvierzig - „Ah, so kennen wir dich doch.“


„Wo willst du jetzt wieder hin?“, rief Luke Nora hinterher, die ohne ihn zu beachten weiter durch die Gasse stapfte – so hoheitsvoll und elegant wie möglich – und um die nächste Ecke bog.
„Antwortest du mir vielleicht mal? Hey!“
Mehr als angepisst wirbelte Luke sie zu sich herum, sobald er Noras Handgelenk zu fassen bekam.
„Was ist?“, pampte sie ihn an und sein Gesicht verfinsterte sich.
„Du rennst einfach davon, ohne dich hier irgendwie zurecht finden zu können! Ich wette, dass du die Gegend nicht mal im Geringsten kennst!“
„Na und, du kennst dich hier bestimmt auch nicht viel besser aus! Und überhaupt: was kümmert dich das?“, schoss sie zurück und funkelte ihn an.
„Was mich das kümmert?“, wiederholte er ihre Worte und hob wütend die Stimme. „Was zur Hölle ist eigentlich los mit dir?! Ja, wir verstehen uns nicht besonders gut, aber deswegen will ich noch Lange nicht, dass du in irgendeiner Sackgasse landest und einem dreckigen Kerl in die Arme läufst, der dich in irgendeiner Ecke vergewaltigt! Was ist daran so schwer zu verstehen?!“
„Ach komm schon, wie unwahrscheinlich ist das denn bitte?“, erwiderte sie in der selben Lautstärke.
„Keine Ahnung!“, brüllte er und sie zuckte erschrocken zusammen. Er senkte die Stimme wieder und sah sich kurz um, ob er die Aufmerksamkeit irgendwelcher Passanten erregt hatte. Aber sie waren immer noch alleine in der engen Gasse.
Nora unterdrückte den Drang von ihm fort zu rücken, aber sie entzog ihm trotzdem ihr Handgelenk. Der Körperkontakt zu Luke machte sie immer noch unruhig, sei er auch noch so unbedeutend.
Sein Blick schoss zu ihr zurück und schien sie auf der Stelle festzunageln.
„Du denkst also, ich ende vergewaltigt irgendwo in einer Ecke, wenn ich alleine weitergehe“, fasste sie zusammen und sah ihn so spöttisch wie möglich an. „Luke, wir sind hier-...“
„In einer Großstadt in der sowas mit Sicherheit schon viel zu oft passiert ist“, unterbrach er sie scharf und trat einen Schritt auf sie zu, den sie augenblicklich zurückwich.
In seinen Augen blitzte etwas auf, so schnell, dass Nora es keinem Gefühl zuordnen konnte.
„Was ist los mit dir?“, verlangte er mit mühsam unterdrückter Stimme zu wissen.
Nora kam der seltsame Gedanke, dass er versuchte seine Wut im Griff zu halten um sie nicht noch mehr zu verschrecken und irgendwie besänftigte sie das.
„Was soll mit mir los sein?“, fragte sie ruhiger und gefasst, nicht aufmüpfig. Sie achtete extra darauf keinen Spott in ihre Stimme zu legen um ihn nicht zu reizen. Das war ein komischer Moment in mitten eines Streits, diese plötzliche Ruhe, die sie beide überkam. Das Auge des Sturms, ein surrealer Augenblick, und trotzdem hatte Nora Angst, dass dieser zu schnell vorbei sein würde.
„Du hast Angst vor mir“, vermutete Luke schließlich und seine Stimme klang beinahe verletzt, als würde ihm das ganz und gar nicht gefallen.
Nora schüttelte langsam den Kopf, löste dabei aber nicht den Blick von seinen Augen. Sie hatte keine Angst vor ihm, sie war verletzt. Die Erkenntnis, dass nicht nur ihr Stolz sondern tatsächlich auch ihre Gefühle verletzt waren, schockierte sie, aber sie versuchte sich nichts ankennen zu lassen um diesen Moment nicht zu zerstören. „Ich habe keine Angst vor dir. Wie kommst du darauf?“
„Du weichst mir aus. Du lässt nicht zu, dass ich dich berühre, obwohl wir-...obwohl...“ Er verlor den Faden und Nora spannte sich leicht an, als sie spürte, wie sie das Auge des Sturms zu verlassen drohten.
„Ich sehe keinen Grund, warum ich dir erlauben sollte, mich anzufassen, Luke“, erwiderte sie dennoch sanft, versuchte das Unvermeidliche abzuwenden. Sie wollte nicht schon wieder streiten. Das hielt sie nicht aus, sie fühlte bereits das drohende Stechen an dem Punkt über ihrem Herzen.
„Wieso nicht?“ Er klang nun nicht mehr wie ein erwachsener Mann sondern viel mehr wie ein kleiner Schuljunge und Nora musste das enorme Bedürfnis ihn zu trösten, das plötzlich in ihr aufkam, unterdrücken. Er griff vorsichtig nach ihrem Handgelenk, bedacht darauf ihr nicht wehzutun.
Sie ließ es zu, obwohl das Stechen zwischen ihren Rippen zunahm und der Kloß in ihrem Hals anschwoll.
„Es tut mir Leid“, murmelte er.

Mit einer Wucht, die sie beinahe zum stolpern brachte, verließ sie das Auge des Sturms und war plötzlich wieder dem reißenden, rücksichtslosen Sturm ihrer Gefühle ausgesetzt. Sie wusste nicht wie, aber irgendwie schien Luke zu ahnen, das der seltsamer Moment zwischen ihnen vorbei war und Nora ihren Schutzwall wieder hochzog. Also tat er dasselbe und alle beide verdrängten sie das leise Verlustgefühl.
Er ließ ihr Handgelenk los, als hätte er sich verbrannt, und wandte sich leicht von Nora ab, sie spiegelte seine Bewegung ohne es wirklich zu bemerken.
„Komm mit, Ash und Calum warten irgendwo dahinten“, brummte er, auf die abweisende Art, die Nora schon so gewohnt war, aber die sie nach dem verletzlichen Ton, den er wenige Sekunden zuvor angeschlagen hatte, umso härter traf. Sie rieb sich über ihre Seite, aber der Schmerz wurde nicht besser.
Es dauerte nicht so lange, wie sie gedacht hatte, bis sie wieder in ihr altes Verhaltensmuster zurück fiel und genau wie Luke so tun konnte, als wäre nichts geschehen.

„Ash wird dich wahrscheinlich erstmal in einer Umarmung ersticken, zumindest hat er das behauptet. Ich soll dich schon mal warnen“, merkte Luke an, drehte sich aber nicht zu ihr um, nachdem sie bereits zehn Minuten geschwiegen hatten.
„Mmm...hab ich nichts dagegen“, erwiderte sie abwesend, während sie versuchte herauszufinden, in welchem Teil der Stadt sie sich gerade befanden. Und ob sie Luke vertrauen konnte, dass er den richtigen Weg fand.
Ihre Antwort brachte Luke allerdings dazu abrupt stehen zu bleiben und er wirbelte zu ihr herum. „Ach, Ash darf dich umarmen, ja?“, ätzte er. „Wahrscheinlich knutscht ihr dann auch noch rum, denn Ashton darf das natürlich!“
Nora blieb gezwungenermaßen ebenfalls stehen. Sie zog betont spöttisch einen Mundwinkel nach oben und stemmte eine Hand in die Hüfte.
„Eifersüchtig, Hemmings?“
„Ein bisschen arrogant von dir, das zu behaupten, Golden.“ Luke trat einen Schritt auf sie zu und griff nach ihrem Unterarm, sein Griff diesmal grob, nicht sanft.
Sie keuchte überrascht auf und plötzlich änderte sich seine Haltung und Verlangen flackerte in seinen Augen auf. Nora erschauerte ungewollt und senkte hastig den Blick.
„Oder darf Ash das doch nicht?“, murmelte er leise und strich mit seiner freien Hand langsam ihren linken Arm nach oben, was ihr einen Schauer nach dem anderen über den Rücken laufen ließ.
„Kann dir doch egal sein. Du darfst es jedenfalls nicht“, sagte sie in einem Versuch ihn abzuschrecken oder zumindest zu verärgern.
„Ach wirklich?“
Er neigte den Kopf und sie hielt den Atem an, ihr Herz schlug so laut, dass er es eigentlich hören musste. Was hatte er vor? Und wie waren sie jetzt schon wieder in so eine Situation geraten? Plötzlich spürte sie Lukes Lippen auf ihrem Schlüsselbein und seine rauen Bartstoppeln, die über die weiche Haut an ihrem Hals kratzten.
Einen Augenblick lang hätte sie beinahe dem Reflex nachgegeben den Kopf zur Seite zu legen, damit er einen besseren Zugang hatte, aber dann erwachte sie ruckartig aus der Art Trance, in die Luke sie versetzt zu scheinen hatte.
Sie stieß ihn mit so viel Kraft, wie sie in diesem Moment aufbringen konnte, von sich und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust.
„Lass das gefälligst“, forderte sie wütend, auf ihn und auf sich selbst, weil ihre Knie weich waren und ihre Stimme zitterte.

„Hab ich's dir doch gesagt, da sind sie!“, rief eine Stimme und ließ Nora und Luke erschrocken herumwirbeln.
„Einfach immer den streitenden Stimmen nach“, erklärte Ashton Calum gerade breit grinsend über seine Schulter blickend. Dann wandte er den Kopf wieder nach vorne und sah kurz zwischen Luke und Nora hin und her, als würde er die Lage überprüfen.
„Hey Süße“, begrüßte er die Schwarzhaarige lächelnd.
Nora bemerkte aus dem Augenwinkel wie Luke sich anspannte, fast nicht wahrzunehmen. Sie bemerkte es nur, weil ärgerlicher Weise ein Teil ihrer Aufmerksamkeit ständig auf ihn gerichtet war. Zum Teil um Luke zu ärgern, aber auch weil sie Ashton wirklich vermisst hatte, lief Nora ihrem besten Freund entgegen und sprang in seine Arme, die er für sie ausgebreitet hatte.
„Ihr seid schlimmer als ein frisch verliebtes Pärchen“, grummelte Calum, als er sich an ihnen vorbei schob. „Ihr habt euch vor ein paar Tagen das letzte mal gesehen, tut nicht so als wären es Wochen gewesen! Hey Nora.“ Er klopfte dem Mädchen im Vorbeigehen auf den Rücken und leistete dann Luke Gesellschaft, der die beiden beobachtete und unbewusst mit dem Kiefer mahlte.
„Soll ich Ash Bescheid geben, dass er sich in Sicherheit bringen soll?“, fragte Calum den Blonden leise.
Luke riss seinen Blick von dem viel zu innigen Wiedersehen los und sah stattdessen Calum an. „Wieso das denn?“, fragte er, um einen lässigen Tonfall bemüht.
Calum hob spöttisch eine Augenbraue und ließ seinen Blick zwischen Luke und den beiden besten Freunden, die sich nun angeregt miteinander unterhielten, hin und her wandern. „Ernsthaft? Du hast Ashton gerade noch mit Blicken aufgespießt. Wenn du Besitzansprüche an Nora geltend machen willst, musst du schon ein bisschen mehr unternehmen. Sie wird’s dir nicht leicht machen und Ash mit Sicherheit auch nicht.“
„Ich will überhaupt keine Besitzansprüche an Nora“, widersprach Luke ihm und stellte sich innerlich im selben Moment die Frage: „Ashton will immer noch was von Nora?“
„Wer will die schon?“, fügte er hinzu.
Calum schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn und stöhnte leise auf.
Luke ahnte es bereits, aber er zuckte trotzdem etwas zusammen, als er nach rechts schielte und Nora und Ash in seine Richtung starren sah.
Er räusperte sich unangenehm berührt und wandte sich ihnen zu. Er wusste nicht was er sagen sollte, aber anscheinend musste er das auch überhaupt nicht. Nora hob nämlich einfach die Hand und zeigte ihm den Mittelfinger. Darüber musste er beinahe grinsen.
Damit schien die Sache für Nora abgeschlossen zu sein und sie widmete sich wieder Ashton, auf den sie davor schon eingeredet haben musste. Der Drummer fixierte Luke noch einen Augenblick und schüttelte leicht genervt den Kopf, dann konzentrierte er sich wieder auf seine beste Freundin.
„Wow. Ehrlich Luke, du hast es wirklich wie kein anderer drauf sie gegen dich aufzubringen.“ Calum schüttelte den Kopf, als wäre Luke ein hoffnungsloser Fall und seufzte schwer.

„Ash, du kannst mich nicht jedesmal wenn du gerade Lust darauf hast, einfach zu dir holen“, protestierte Nora im selben Moment. Aus dem Augenwinkel bemerkte sie, wie Calum und Luke näher auf sie zu kamen und sich leise unterhielten. Lukes Aussage von wegen „Wer will die schon?“ hatte sie nicht wirklich getroffen. Immerhin wusste sie, dass er gelogen hatte, sonst wäre er wohl kaum Minuten vorher noch an ihrem Hals geklebt. Er wollte sie also sehr wohl.
„Tut mir Leid“, brummte Ashton und rieb sich über den Nacken.
„Wirklich!“, beteuerte er, als sie bereits ansetzte zu antworten. „Ich wusste nicht, dass das wirklich ein Date war, Luke hat das ein bisschen anders verstanden, er hat gesagt, du wärst mit ein paar Freunden unterwegs...und ich dachte, du würdest vielleicht auch mal gerne wieder was mit uns machen.“
Er sah sie aus seinen großen, treuen Hundeaugen an und sie musste den Blick senken um nicht einzuknicken.
„Natürlich mache ich gerne was mit euch, aber verdammt Ash, du hast Luke darauf angesetzt, mich zu entführen! Außerdem war das kein Treffen mit ein paar Freunden sondern ein Date mit einem Jungen.“
„Den sie nicht mag“, ergänzte Luke, der sich zu ihnen gesellte.
„Du magst den Typ nicht?“, fragte Calum irritiert. „Warum hattet ihr dann ein Date?“
„Natürlich mag ich ihn!“, widersprach sie heftig, aber als sie Lukes herausfordernden Blick bemerkte, knickte sie doch ein. „Nur eben nicht...auf diese Weise.“
„Warum hatte ihr dann ein Date?“, wiederholte Calum seine Frage.
„Weil...er nett ist und ein lieber Kerl...und ich ihn gerne besser kennenlernen wollte um herauszufinden, ob ich ihn nicht doch ganz toll finde.“ Sie betonte die Wörter „ganz toll“ und funkelte Luke dabei an, was ihn schadenfroh grinsen ließ.
„Was schaust du mich so an? Ich wollte dem Armen bloß helfen. Er sah so verunsichert aus.“
„Oh, wie selbstlos von dir“, spottete sie.
„Leute ernsthaft, hört auf zu streiten“, mischte Calum sich ein, schien aber von dem Gespräch deutlich amüsiert.
„Wir streiten nicht“, behauptete Nora und verschränkte die Arme vor der Brust, als wäre sie ein kleines Kind.
„Wir erörtern Tatsachen“, ergänzte Luke und ahmte ihre Haltung nach.
Sie funkelte ihn böse an und ließ ihre Arme wieder fallen. „Mach dich nicht über mich lustig!“, fauchte sie.
Er unterdrückte sein Lachen solange er konnte, aber als er ihr ins Gesicht schaute prustete er los. „Du machst es mir aber verdammt schwer, es nicht zu tun“, kicherte er.
Noras Handflächen kribbelten, so stark war das Bedürfnis auf ihn einzuschlagen.
„Ignorier den Idioten einfach“, warf Ashton ein und legte in weiser Voraussicht einen Arm um Nora, wohl um sie davon abzuhalten Luke an die Gurgel zu gehen. „Also, tut uns ehrlich Leid, dass wir dein Date unterbrochen haben. Wirklich. Wenn wir es gewusst hätten, dann hätten wir euch natürlich in Ruhe gelassen.“
Nora seufzte und beruhigte sich wieder etwas, ihre Schultern sanken in einen entspannteren Zustand nach unten. „Schon gut. Ich muss das nur eben mit Matt abklären, der macht sich wahrscheinlich schon Sorgen.“
„Okay.“
Calum klopfte Luke auf den Rücken und verkniff sich selbst das Lachen. „Alles klar, Kumpel?“
Der Blonde hatte sich mittlerweile wieder eingekriegt und nickte noch immer grinsend.
Nora ignorierte die beiden und ging ein paar Schritte zur Seite, wo sie dann ihr Handy aus der Hosentasche zog und Matthews Nummer eintippte, um ihm das Ganze zumindest im Gespräch zu erklären und ihm nicht nur eine Nachricht zu schreiben.

Matt hatte die Sache erstaunlich schnell abgeschlossen und ließ sich geduldig die Situation von Nora erklären, sobald sie ihm versichert hatte, dass es ihr gut ging. Er benahm sich nicht gekränkt oder irgendwie beleidigt und wünschte ihr sogar noch viel Spaß mit ihren Freunden.
„Hat der Junge Probleme gemacht?“, erkundigte Calum sich, als sie sich wieder zu ihnen gesellte und einen verwirrten Eindruck machte.
„Nein, überhaupt nicht. Das ist es ja gerade. Wenn mich jemand so stehen gelassen hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht so verständnisvoll.“
„Tut mir Leid, Kleines, aber es ist nun mal nicht jeder in dich verschossen, damit musst du klar kommen“, versuchte Luke sie zu reizen, aber sie schnaubte bloß.
„Danke für die Erinnerung, Luke. Du hältst mich wirklich am Boden, ich bin dir ja so dankbar“, erwiderte sie trocken, aber mit vor Sarkasmus triefender Stimme.
„Vielleicht hat der Junge auch einfach nur kapiert, dass du ihn nicht auf diese Weise magst?“, mischte Ashton sich nachdenklich ein und Nora wurde blass.
„Denkst du? Gott, der Arme...das hab ich überhaupt nicht bemerkt“, sagte sie leise, mehr zu sich selbst als zu den Jungs.
Luke verdrehte die Augen. „Jetzt tu nicht so, als würde er nie drüber hinweg kommen, so toll bist du ja nun wirklich nicht-...Au!“ Anklagend sah er Calum an und öffnete bereits den Mund um zu protestieren, als dieser ihm einen warnenden Blick zu warf und den Kopf schüttelte. Beleidigt hielt Luke die Klappe und schob die Hände in seine Hosentaschen.
„So hab ich das gar nicht gemeint“, verteidigte Nora sich. „Aber ich bin immerhin nicht völlig verblödet und Matt hat es jetzt nicht wirklich gut versteckt, dass er mich gerne hat. Und dann hab ich ihm Hoffnungen gemacht und jetzt-...“
„Hat er etwas bestätigt bekommen, was er sowieso schon davor geahnt hat“, unterbrach Luke sie, der es wohl mal wieder einfach nicht lassen konnte. Calum überlegte bereits, ob er ihn noch einmal treten sollte, aber dem Leadsänger schien es dieses Mal ernst zu sein.
„So viel ich von dem Typ mitgekriegt habe, war der doch auch nicht dumm. Er wird schon kapiert haben, dass du ihn nicht gerade anschmachtest, Kleines. Und jetzt hör auf so ein Drama draus zu machen.“
Nora seufzte, ließ es aber tatsächlich darauf beruhen. „Ist ja gut.“
Ashton und Calum wechselten einen erstaunten Blick hinter dem Rücken der beiden. Hatten sie es gerade wirklich geschafft sich auf etwas zu einigen, ohne dass das ganze in einen Streit eskalierte? Vielleicht änderte sich ja doch endlich mal etwas.

Am anderen Ende der Gasse ertönte plötzlich ein Kreischen und sie zuckten alle gleichermaßen erschrocken zusammen. Ashton reagierte geistesgegenwärtig, als er die drei jungen Mädchen sah die aufgeregt in ihre Richtung zeigten und ihre Handys aus den Taschen holten, und schob Nora beiseite.
Überrumpelt starrte Nora ihn an und war jetzt doch etwas verletzt. Er war also ihr bester Freund, schob sie aber schnell auf die Seite, wenn er ein paar Fans entdeckte?
Erst als die Fans näher auf die Gruppe zukamen und Nora dabei freundlich anlächelten, verstand sie langsam, was Ash damit bewirkt hatte.
Da sie nun etwas weiter von den Jungs entfernt stand, sah es nicht so aus, als würde sie zu ihrer Gruppe gehören und so würden diese Mädchen sie auch für einen Fan halten. Also konnten gar keine lästigen Gerüchte entstehen.
Nora verkniff sich das dankbare Lächeln, dass sie Ashton zuwerfen wollte und entschied sich dazu, sich später bei ihm zu bedanken. Stattdessen zog sie ihr Handy aus der Hosentasche, als würde sie gerade überlegen, wie sie die Jungs am Besten um ein Foto bitten konnte. Eines der Mädchen stellte sich neben sie, während die anderen zwei aufgeregt auf die drei jungen Männer einredeten.
„Hey, hast du deine Fotos schon?“, fragte sie. „Ist echt der Wahnsinn, dass wir sie hier treffen oder?“
„Ja, Wahnsinn“, erwiderte Nora lahm.
„Ich und meine Freundinnen sind auch schon gestern Nachmittag durch die Stadt gelaufen um sie vielleicht irgendwo zu treffen, als wir erfahren haben, dass sie in der Stadt sind. Du etwa auch?“
„Uhm, nein, bei mir war's totaler Zufall. Ich hab mich ehrlich gesagt ein bisschen verlaufen...“
„Also hattest du sozusagen Glück im Unglück, was?“, scherzte sie und Nora musste lächeln.
„Kann man so sagen.“
„Oh, ich will auch noch ein Foto. Ach ja, ich bin Madison, aber du kannst mich Maddy nennen. Ich bin gleich wieder da, Alicia und Gracey reden bestimmt auch noch mit dir.“
Maddy hüpfte auf die Jungs zu und fragte sie etwas, vermutlich ob sie ein Foto mit ihr machen würden. Die beiden anderen Mädchen bemerkten Nora nun auch und tuschelten kurz miteinander, dann winkten sie Nora zu sich. Lächelnd ging die Schwarzhaarige auf sie zu, damit sie sich nicht ganz so blöd vorkam, während sie alleine in der Ecke stand.
„Hey ich bin Alicia“, begrüßte sie eine. „Wie heißt du?“
„Nora. Dann bist du Gracey?“, fragte sie das dritte Mädchen, das schüchterner zu sein schien, als die beiden anderen.
„Oh, Maddy hat schon geplaudert“, erwiderte sie schlicht und Nora unterdrückte ihr Lachen.
„Wer ist dein Liebling?“, fragte Alicia gerade heraus und ohne Graceys Aussage zu berücksichtigen. Sie deutete auf die Jungs, als Nora sie nur verständnislos anstarrte.
„Oh, äh...“ Plötzlich war sie sich bewusst, dass die Jungs nun nahe genug waren um jedes ihrer Worte zu verstehen. „Ich...hab eigentlich keinen Liebling, ich mag alle von ihnen gerne. Wen mögt ihr am Liebsten?“ Sie kam sich ziemlich seltsam dabei vor, so ein Gespräch zu führen und irgendwie verarschte sie diese Mädchen gerade auch, wodurch sie sich ziemlich schlecht fühlte.
„Meiner ist Calum“, flüsterte Gracey und schielte kurz zu den Jungs, die aber immer noch mit Maddy beschäftigt waren.
„Ich liebe Ashton und Maddys Liebling ist Luke.“
„Was ist mit Michael?“, fragte Nora.
„Oh, Mikey ist natürlich auch mein Liebling.“ Alicia wechselte einen Blick mit Gracey und kicherte dann los. „Weißt du, wir können uns nie entscheiden, wen wir am Liebsten mögen. Ich hätte aber schwören können, dass du ein Luke-Girl bist. Als wir dich von dahinten gesehen haben, hast du dich überwiegend auf ihn konzentriert.“
Nora hätte schwören können ein unterdrücktes Lachen von den Jungs gehört zu haben, aber sie straffte die Schultern und blendete es aus. „Ja, ähm...Luke ist...toll“, presste sie hervor und musste ein Zähneknirschen unterdrücken. „Egal, warum redet-...wir eigentlich nicht auch noch mit den Jungs?“ Sie betete, dass die beiden Mädchen ihren kleinen Patzer nicht bemerkt hatten. Es war ungewohnt für Nora, sich selbst zu den Fans der Jungs zu zählen.
„Maddy redet mit ihnen, da hätten wir sowieso keine Chance“, erwiderte Gracey, als wäre das die einzig logische Erklärung.
„Okay, bye Jungs“, verabschiedete Maddy sich just in diesem Moment von der Band und riss die Mädchen aus ihrem Gespräch, als sie sich zu ihnen gesellte. „Wenn du willst, kannst du mit uns mitkommen. Wir kennen uns hier aus“, bot sie Nora im selben Atemzug an.
„Oh, ähm...danke, aber nicht nötig. Ich hab schon...meinen Bruder angerufen, der holt mich hier irgendwo um die Ecke ab. Kein Problem. War schön euch kennengelernt zu haben.“
„Ja, seh ich auch so“, stimmte Alicia ihr zu und winkte ihr lächelnd.

Nora ging gezwungenermaßen um eine Hausecke um ihre Lüge aufrecht zu behalten, blieb dann aber stehen. Sie wartete zwei Minuten, dann lugte sie wieder um die Ecke. Die Jungs kamen ihr entgegen, sichtlich amüsiert von ihrer Aufführung.
„Du findest Luke also toll, ja?“, neckte Ash sie, sobald sie sie erreicht hatten.
„Sag ich doch, ich wusste es“, fügte Luke hinzu.
„Haltet die Klappe“, murrte sie und kam aus ihrem Versteck hervor. „Ich musste mir irgendeine Notlüge einfallen lassen.“
„Ah, so kennen wir dich doch“, lachte Calum und klopfte ihr auf die Schulter.
„Können wir das Thema jetzt bitte fallen lassen?“
Die drei lachten los und sie ahnte, dass sie sich das noch öfter würde anhören müssen.
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