Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

It's a love-hate-thing

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Ashton Irwin Luke Hemmings OC (Own Character)
28.09.2015
04.09.2017
67
249.552
21
Alle Kapitel
126 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
30.06.2016 3.544
 
Hey Brownies! ^^
Falls überhaupt noch irgendwer hier ist und auf das nächste Kapitel wartet ^^'
Es tut mir wirklich Leid, aber ich bin nicht zum Schreiben gekommen, weil ich für meinen Schulabschluss gelernt habe. Die schriftlichen Prüfungen sind jetzt aber endlich vorbei, also solange ich nicht in die mündliche muss, sollte es ganz normal mit den Updates weitergehen.
Das hier ist leider immer noch nicht das langersehnte Kapitel, wegen dem ich die Story auf P18 hochgestellt habe, aber es ist besser als gar nichts oder?
Also, entweder diesen oder nächsten Samstag kommt dann hoffentlich das neue Kapitel, ich muss nur noch ein paar Seiten dazutippen ^^
Ich hoffe diese Zwischenkapitel gefällt euch trotzdem ^.^
lg Schoko <3

~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

Kapitel Zweiundvierzig - „Hör auf mich herumzukommandieren wie ein Hündchen.“


Nachdem Rachel Nora genauestens über den Kuss und die ganze Situation darum herum ausgequetscht hatte, sie jede kleinste Gesichtsregung von Luke analysiert hatten und Nora irgendwann beinahe an die Decke gegangen wäre, hatten sich ihre Gespräche auf ein Minimum beschränkt.
Nora hatte noch am selben Tag irgendwoher die Energie und Motivation aufgebracht, um Julie anzurufen. Das Gespräch hatte etwas länger gedauert, weil die 17-jährige am Telefon besser schwindeln konnte und so darum herumkam, auch Julie von dem Kuss zu erzählen. Wobei sie bezweifelte, dass diese sie ebenso sehr gedrängt hätte, das ganze nochmal durchzukauen. Julie war eher zurückhaltend, sie wartete, bis jemand auf sie zukam.
Statt also über Luke nachzudenken hatte Nora in ihrer Schlafkoje im Bus gelegen und hatte ihrer Freundin in London zugehört wie sie von Logan schwärmte und ließ sich die zwei Dates, die sie seit Noras letztem Stand gehabt hatten, genau schildern.
Sie bemühte sich wirklich zuzuhören, aber nach einer Weile schweiften ihre Gedanken ab und ein wehmütiges Gefühl beschlich sie. Es war dämlich, dass Nora ausgerechnet jetzt daran denken musste, aber sie wollte auch so etwas, was Julie und Logan hatten.
Sie wollte mal wieder einen Freund, einen der ihr zuhörte und für sie da war und nicht nur am Computer hockte und diesen nur fürs Rummachen und für den Sex mit ihr ausschaltete, wie ihr Ex. (Obwohl sie David natürlich zugute halten musste, dass er nicht von Anfang an so war.)
Sie wollte mit jemandem kuscheln und sie wollte für jemanden da sein und ihm das Gefühl geben wichtig zu sein.
Dumm, schimpfte Nora in Gedanken mit sich. Es ist dumm, das zu denken. Damit bin ich nicht besser als diese Mädchen, die genau überlegen, wen sie als Nächstes aufreißen werden.

Eine ganze Stunde später erst verabschiedeten Julie und Nora sich voneinander und die Schwarzhaarige legte seufzend das Handy neben sich.
Jetzt befiel sie das schlechte Gewissen, weil sie Rachel so angefahren hatte, als sie einfach nicht aufhören wollte, dieselbe Situation, die sie beinahe zum Heulen gebracht hätte, immer und immer wieder durchzugehen. Nora starrte an die Decke über ihr und versuchte herauszufinden, ob Rachel schon schlief.
Der leise brummende Motor verschluckte den Großteil der Geräusche. Die meisten Mitglieder der Road-Crew lagen schon im Bett und schliefen.
Anfangs war es gewöhnungsbedürftig gewesen im Bus zu schlafen, aber nach einer Weile hatte Nora sich daran gewöhnt. Irgendwie machte es sogar Spaß. Ein bisschen erinnerte sie das Ganze an eine Klassenfahrt.
Müde tippte Nora auch noch eine kurze Nachricht an ihren Dad, dann schaltete sie ihr Handy aus und streckte sich in der Koje aus.
Sie zog den Vorhang zurück und schlich zum Badezimmer um nochmal aufs Klo zu gehen. Dabei erinnerte sie sich an den Tag als die Jungs sie überraschend in London besucht hatten und sie noch nicht wussten, dass Nora mit ihnen auf Tour gehen würde. Da war sie auch nachts noch kurz auf die Toilette gegangen und hatte dann Luke getroffen, den sie mächtig erschrocken hatte. Sie schmunzelte. Allerdings erinnerte sie sich auch, was danach passiert war.
Erst hatten sie wieder miteinander rumgemacht, aber dann hatten sie ein erstaunlich ernstes Gespräch geführt. Ein kleiner Teil von Nora hatte darauf gehofft, dass sie am nächsten Tag besser miteinander klar gekommen wären.
So im Nachhinein betrachtet hatten sie vielleicht auch ganz kleine Fortschritte gemacht. Und vielleicht war das auch der Grund, weswegen sie plötzlich doch etwas für Luke übrig hatte. Obwohl sie ihn anfangs für ein arrogantes Arschloch gehalten hatte. Ihre Meinung hatte sie ja sowieso bald ändern müssen, denn als sie bemerkt hatte, wie er sich den Jungs gegenüber benahm, hätte er ihr beinahe sympathisch sein können.
Seufzend starrte sie ihr eigenes müdes Gesicht aus dem winzigen Spiegel im Bad heraus an. Jetzt dachte sie schon wieder über Luke nach. Er schlich sich andauernd in ihre Gedanken, meistens dann, wenn sie es absolut nicht brauchen konnte.
Über sich selbst den Kopf schüttelnd verließ sie das kleine Badezimmer wieder und schlich zurück zu ihrer Koje.

John Rees hatte es offenbar so organisiert, dass Rachel und Nora sich in jedem Hotel ein Zimmer teilten. Was eigentlich keinen Sinn ergab, weil Ray die Stylistin war und Nora zur Technik-Crew gehörte. Sie konnte allerdings nicht leugnen, dass sie sich lieber mit ihrer besten Freundin ein Zimmer teilte als mit Jocelyn.
„Hey.“
Nora drehte sich zu der Blondine um und sah sie fragend an. „Ja?“
„Bist du mir noch böse?“
„Ob ich dir noch böse bin? Ich hab dich doch angefahren oder nicht?“, erwiderte Nora mit schlechtem Gewissen und legte das Top, das sie in der Hand gehalten hatte, auf ihr Bett ab.
Rachel atmete erleichtert aus und entspannte sich sichtlich. „Naja schon, aber ich hab ja auch keine Ruhe gegeben. Ich hab nicht bemerkt, dass du lieber nicht darüber reden würdest. Und ich nenne mich deine beste Freundin!“
Die Schwarzhaarige setzte sich gegenüber von Rachel auf ihr eigenes Bett. „Ach was. Ich meine, natürlich war ich genervt, als du nicht aufgehört hast, weil...mich die Situation eigentlich ziemlich fertig gemacht hat. Aber du warst nur neugierig und das ist ja etwas, was ich so gerne an dir mag. Außerdem kann ich ja auch nicht über alles Stillschweigen bewahren.“ Nora lächelte ihr zu und die Blondine erwiderte es beinahe schüchtern, was ganz untypisch für sie war.
„Also, alles wieder okay zwischen uns?“
„Klar.“
„Oh puh! Gott sei Dank.“ Rachel sprang von ihrem Bett auf und setzte sich stattdessen neben sie und schlang die Arme um ihre Taille. „Ich hab dich vermisst und war schon ganz eifersüchtig auf Ashton.“
Nora entkam ein Lachen und sie lehnte sich an ihre beste Freundin. „Mit den Jungs hab ich die letzten Tage nicht all zu viel zu tun gehabt. War ja ziemlich stressig.“
„Vermisst du sie?“
„Und wie!“, gestand Nora und grinste dann schief. „Das ist ziemlich dämlich oder?“
Rachel ließ sich auf das Bett zurückfallen. „Ehrlich gesagt finde ich eure Freundschaft schrecklich niedlich. Die Jungs kommen nicht mehr lange ohne dich aus und du umgekehrt nicht ohne sie. Wie lange kennst du sie jetzt nochmal?“
„Uh...drei oder vier Monate? Glaube ich?“ Sie lachte, öffnete ihren Pferdeschwanz und kämmte mit den Fingern durch ihre Haare. „Nicht mal das kann ich mir merken. Es kommt mir einfach schon länger vor.“
„Wie gesagt, ihr seid einfach niedlich. Aber du hast nach wie vor am meisten mit Ashton zu tun? Wenn er schon dein bester Freund ist?“
Nora zuckte mit den Schultern und legte sich neben Rachel. „Wie gesagt, momentan jetzt nicht so. Ich hab sie, seit wir in Dallas waren, nicht mehr so wirklich getroffen, nur kurz backstage auf den Gängen. Aber da war eigentlich nicht mehr als ein kurzes Gespräch drin...“
„Dallas ist jetzt auch schon wieder fast ne Woche her oder?“, murmelte die Blondine.
„Noch hast du mich zwei Monate am Hals“, scherzte Nora, aber ihre Stimme klang kläglich.
„Kannst du nicht die Schule schmeißen und dich hier anstellen lassen?“
Die Schwarzhaarige kicherte. „Sicher! Mein Dad würde mich umbringen. Abgesehen davon, dass sie mich hier bestimmt niemals ohne Bachelor nehmen würden.“
„Wer weiß? John Rees scheint dich ja gern zu haben, also hast du vielleicht genug Pluspunkte um damit durchzukommen“, scherzte Ray.
„Träum weiter.“

Rachel schlief bereits seit mehr als einer Stunde tief und fest, als Nora noch immer hellwach in ihrem Bett lag und an die Decke starrte. Immer wenn sie die Augen zumachte und einzuschlafen versuchte, drängte sich plötzlich die Erinnerung an den Kuss in ihre Gedanken und hielt sie davon ab. Und das raubte ihr den letzten Nerv!
Besonders, weil es Luke bestimmt nicht so erging. Der hatte das wahrscheinlich schon längst beiseite geschoben und vergnügte sich jetzt mit einem Groupie oder so.
Vielleicht konnte er aber auch nicht aufhören daran zu denken?
Ganz vielleicht lag er auch gerade wach und dachte nach?
Oder aber Nora war die Einzige, die verzweifelt genug war, um sich einen zweiten Kuss zu wünschen. Sie sehnte sich nach dem Gefühl seiner Lippen auf ihren und das war wirklich dämlich, nachdem er sie im Schwimmbad nicht einmal mehr ansehen wollte.
Wahrscheinlich hatte sie allen Reiz für ihn verloren. Sie hatte mal irgendwo gelesen, dass ein Kuss entweder die Anziehungskraft noch steigern oder sie völlig zerstören konnte.
Ihr Handy vibrierte neben ihrem Kopf und sie griff danach.

Luke Hemmings / 02:05
Hey Kleines :)

Ihr blieb beinahe der Mund offen stehen. Entweder das war ein sehr komischer Zufall oder Luke Hemmings stalkte sie auf WhatsApp und hatte festgestellt, dass sie zuletzt vor nicht einmal drei Minuten online war. Ersteres war wahrscheinlicher, aber die zweite Möglichkeit fand sie eindeutig amüsanter.

Nora Golden / 02:05
Luke?



Luke Hemmings / 02:06
Kleine Mädchen sollten um die Zeit schon
schlafen.


Nora Golden / 02:06
Wie war das?
Good Girls are Bad Girls... ;D



Es war ungewöhnlich, dass sie so etwas schrieb, aber jetzt hatte sie die Nachricht schon abgeschickt und sie konnte auch nichts mehr dagegen tun. Nervös auf ihrer Unterlippe kauend betrachtete sie die „schreibt...“ Anzeige unter Lukes Profilbild.

Luke Hemmings / 02:06
Du kennst ja doch ein paar unserer Lieder
Ich bin beeindruckt XD


Nora Golden / 02:07
Oh gut, dann kann ich ja meine jämmerlichen
Flirtversuche einstellen, wenn ich dich nicht
mehr beeindrucken muss.



Luke Hemmings / 02:08
Komm hoch

Was? Verwirrt starrte sie auf seine Nachricht und wartete, ob er noch etwas dazuschreiben würde, aber das tat er nicht. Verstand sie das jetzt ganz falsch oder wollte Luke tatsächlich, dass sie in sein Zimmer kam?

Nora Golden / 02:08
Was?



Luke Hemmings / 02:09
Komm rauf in mein Zimmer

Nora Golden / 02:09
Ist der Rest auch da?



Keine Chance, dass sie sich noch einmal alleine seiner Gegenwart aussetzte. Das ging nicht gut aus, wie man ja gesehen hatte...Andererseits, vielleicht würde er sie noch einmal küssen?
Und sie dann wieder nicht mehr ansehen? Nein danke.

Luke Hemmings / 02:10
Traust du dich nicht alleine hoch? :D

So etwas ähnliches hatte sie bis eben gedacht, aber jetzt hatte er ihren Kampfgeist geweckt. Das schaffte er schneller als jeder andere.

Nora Golden / 02:10
Schon mal daran gedacht, dass ich einfach
nicht gerne alleine Zeit mit dir verbringe?



Eine Weile erhielt sie keine Antwort und sie wollte das Handy schon ausschalten und sich endlich schlafen legen, als es wieder in ihrer Hand vibrierte.
Ungläubig starrte sie auf Lukes Nachricht.
Er hatte ihr ernsthaft seine Zimmernummer und Stockwerk geschickt.

Nora Golden / 02:14
Träum weiter, Hemmings



Lächerlich, angesichts der Tatsache, dass sie bereits die Füße aus dem Bett schwang und leise zum Kleiderschrank tapste.

Luke Hemmings / 02:14
Ich warte

Sie schnappte sich ein paar Klamotten und ging ins Bad, zog sich dort hastig um und tuschte ihre Wimpern sogar noch ein bisschen.
Sie kämmte ihre Haare und trug ein bisschen von ihrem Lieblingsparfüm auf, verdrehte dann über sich selbst die Augen und schob das Handy in ihre Hosentasche.
Luke hatte nicht noch einmal geschrieben und das weckte in ihr den Verdacht, dass er seine letzte Nachricht tatsächlich ernst gemeint hatte. Das gefiel ihr nicht besonders, denn es bedeutete, dass er sie bereits gut genug kannte um sie zu durchschauen.
Nora schlich zurück ins Zimmer und zog ihre Schuhe an, darauf bedacht leise genug zu sein, um Rachel nicht zu wecken. Vorsichtig nahm sie ihre Schlüsselkarte für das Apartment vom Nachttisch und schloss die Zimmertür so leise wie möglich.

Der Bewegungsmelder im Gang schaltete das Licht ein, sobald Nora die Tür hinter sich geschlossen hatte. Sie joggte zum Eingang des Treppenhauses und öffnete vorsichtig die Tür.
Hier war kein Bewegungsmelder installiert und sie tastete blind nach dem Lichtschalter, aber ihre Finger fanden nur die kühle Wand.
Sie biss sich auf die Lippe und schloss die Tür hinter sich, dann straffte sie die Schultern und ging die Treppen hinauf. Ihr Herz klopfte schnell in ihrer Brust und sie zuckte bei jedem Geräusch zusammen. Vor was sie Angst hatte wusste sie selbst nicht so genau, aber ihr kamen gerade genügend Berichte von Mädchen, die in einem schäbigen Treppenhaus vergewaltigt wurden, in den Sinn. Lächerlich, da vor dem Hotel Security positioniert, und das Treppenhaus nicht schäbig genug war, um zu dem Szenario in ihrem Kopfkino zu passen.
Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit und sie kam besser mit dem schwachen Licht, das ihr Handy auf den Boden warf, klar. Nora traute sich schneller zu laufen, da sie nun nicht mehr Gefahr lief ständig zu stolpern.
Vor jeder Tür, die auf das nächste Stockwerk führte machte sie halt und leuchtete mit ihrem Handy darauf, um die Ziffer zu erkennen und als sie endlich das Stockwerk betrat, in dem Luke ein Zimmer zugeteilt bekommen hatte, hielt sie inne.
Das war doch eigentlich eine ziemlich blöde Idee oder?
Was erhoffte sie sich denn davon mitten in der Nacht Luke Hemmings, den Kerl, der sie regelmäßig in den Wahnsinn trieb, zu besuchen? Das war schwachsinnig.
Seufzend öffnete sie schließlich die Tür und schlich den Gang entlang, noch immer das Handy als Taschenlampen-Ersatz in der Hand.
Sie betete, dass keiner von den Jungs sie bemerkte, denn es würde verdammt schwierig werden zu erklären, was sie nachts um 02:17 Uhr vor Lukes Zimmertür machte.
Die Schwarzhaarige verglich das Nummernschild auf der Tür vor sich mit dem in Lukes Nachricht. Zweifelnd haderte sie noch einen Moment mit sich, dann hob sie die Hand und klopfte leise, bevor sie weiter darüber nachdenken konnte.
Scheiße, dachte sie, Das ist eine ganz, ganz blöde Idee.
Vielleicht konnte sie noch wegrennen, bevor-...
Die Tür öffnete sich und Luke erschien im Türrahmen.
Verdammt.
Als er sie erkannte formten seine Lippen dieses selbstgerechte Grinsen, dass Nora nicht leiden konnte, aber gleichzeitig auch irgendwie heiß fand. Manchmal vermutete sie, sie hatte eine gespaltene Persönlichkeit im Bezug auf den Leadsänger.
„Nora, was für eine Überraschung“, neckte er sie und trat zur Seite. Mit der anderen Hand hielt er die Tür auf, sodass sie unter seinem Arm hindurch schlüpfen musste, wenn sie ins Zimmer kommen wollte. Und das wollte sie, weil sie immer mehr fürchtete, dass gleich Ashton, Calum oder Michael aus ihrem Zimmer springen würden und mit dem Finger auf sie zeigen würden, weil sie sie bei etwas Verbotenem erwischt hatten.
Oder noch schlimmer, Marcus Livsey oder John Rees wachten auf und kamen auf den Gang.
Nora duckte sich nur leicht unter seinem Arm und schlüpfte ins Zimmer. Er schloss die Tür hinter sich und zog die Schlüsselkarte heraus, was hieß, dass sie jetzt mit ihm eingesperrt war.
Das sollte ihr eigentlich Angst machen, aber stattdessen verursachte es ein Kribbeln in ihrem Bauch.
„Ja, nicht wahr?“, antwortete sie schließlich auf seine Begrüßung. „Ich dachte mir, du freust dich bestimmt, wenn ich dich mal wieder besuche.“
Er grinste und zuckte mit den Schultern. „Immer doch, Kleines. Du kannst mich besuchen, wann du willst.“
Luke ging ein paar Schritte auf sie zu und ihr stockte der Atem, aber sie wich nicht zurück.
„Und...wie geht’s dir so?“
Irritiert blinzelte sie zu ihm hoch und zuckte dann mit den Schultern. „Ähm...gut, denke ich“, gab sie verwirrt zurück. Das hatte sie nicht erwartet. „Und dir?“
„Passt schon. Willst du was trinken?“
„Solange du mich nicht abfüllst, wäre etwas Wasser nett, danke.“
Er grinste und zwinkerte ihr zu. „Ich muss dich nicht abfüllen um dich dazu zu bringen, das zu tun, was ich will.“
Sie zog eine Augenbraue hoch und hob das Kinn etwas an. „Hat dir schon mal jemand gesagt, das Bescheidenheit eine sehr attraktive Eigenschaft ist?“, fragte sie unbeeindruckt.
„Sagt die Richtige. Außerdem, weißt du was, warum sollte ich falsche Bescheidenheit vortäuschen, wenn ich doch weiß, dass es so ist, wie es ist?“
Luke wandte ihr den Rücken zu und ging zu der Minibar, die sich in der rechten Ecke des Raumes befand. Er öffnete den kleinen Kühlschrank und holte eine Flasche Wasser hervor.
„Du meinst das wirklich ernst?“, entkam es ihr verblüfft und sie schüttelte den Kopf. „Wow.“
Er lachte in sich hinein und warf ihr die Flasche zu, die sie gerade so auffing. „Ich weiß, ich bin umwerfend.“
Sie verdrehte die Augen und hob die Flasche ein Stück hoch. „Danke.“ Nachdenklich trank sie ein paar Schlucke und ließ Luke dabei nicht aus den Augen.

„Okay...also, wieso hast du mich hoch beordert?“, wollte Nora schließlich wissen.
Luke zuckte mit den Schultern und ließ sich auf die Couch fallen. Tja, das wusste er selbst nicht so genau. Er wusste nur, dass er diesen verdammten Kuss in Dallas nicht aus dem Kopf bekam, egal was er auch versuchte. Also waren seine Möglichkeiten begrenzt: Entweder er würde mit Nora darüber reden oder er würde sie solange küssen, wie er wollte – nicht bis sie unterbrochen wurden oder Nora zurückschreckte.
Nora räusperte sich um seine Aufmerksamkeit wieder auf sich zu lenken und er blickte auf. Sie sah ein bisschen verloren aus, wie sie da stand, mit der Wasserflasche in beiden Händen und ihre eisblauen Augen auf ihn gerichtet. Bevor er weiter darüber nachdachte hob Luke den Arm und winkte sie zu sich her.
Im ersten Moment sah er etwas in ihren Augen aufflackern, das er nicht ganz zuordnen konnte, aber dann verengte sie diese zu Schlitzen. „Hör auf mich herumzukommandieren, wie ein Hündchen.“
Genervt verdrehte er die Augen. „Hör du doch mal auf so zickig zu sein. Das ist wirklich lästig.“
Nora stieß ein hartes Lachen aus und sie trat mehrere Schritte auf ihn zu. Vor dem Blonden blieb sie stehen, griff die Wasserflasche mit einer Hand und stemmte die andere in ihre Hüfte. „Ich bin dir lästig? Du kannst mich mal, Luke! Erst sagst du, ich soll hochkommen, jetzt nerve ich dich. Entscheid dich doch einfach mal für irgendwas. Ich hab jedenfalls keinen Bock mehr darauf.“
Sie sah ihn fast angewidert an, wirbelte herum und knallte die Flasche auf den Tisch, der vor dem Sofa stand.
Luke hatte sich unter ihrem Blick angespannt und jetzt verengte sich seine Brust plötzlich. Sie wollte jetzt einfach so abhauen? Verdammt, nein!
„He, warte doch mal“, forderte er und sprang auf, ihr hinterher.
Die Schwarzhaarige schüttelte den Kopf und steuerte die Tür an, aber er griff nach ihrer Hand und wirbelte sie zu sich herum.
„Luke“, schimpfte sie und schlug gegen seine Brust. Er griff auch nach ihrem zweiten Handgelenk und sie funkelte ihn böse an.
„Du hast keinen Bock mehr worauf?“, fragte er, einfach um sie noch irgendwie hier zu halten. Er würde sie jetzt ganz sicher nicht einfach weglaufen lassen!
„Auf diese verdammten Heiß-und-Kalt-Spielchen!“; fauchte sie. „Mir reicht's, ich bin doch keine verdammte Schlampe, die du zum rummachen benützen darfst, wenn's dir gerade passt!“
„Das hab ich auch nie gesagt“, bemerkte er scharf und festigte seinen Griff. Sie machte ihn wütend, wenn sie ihm mal wieder unter die Nase rieb, dass er sich in ihrer Nähe die meiste Zeit wie ein Arschloch benahm.
„Aber gedacht! Luke, ich bin doch nicht blöd, verdammt! Du behandelst mich wie den letzten Dreck!“
„Halt die Klappe, das ist doch Bullshit!“, fuhr er sie an. Die Wut begann in ihm zu brodeln, aber er riss sich zusammen, um ihr durch seinen Griff um ihre Handgelenke nicht weh zu tun. Das Letzte was er war, war ein Frauenschläger.
„Ach ja?“, fauchte sie und einen Moment lang dachte er, sie würde ihm ins Gesicht spucken. „Dann denk doch mal genau drüber nach! Schau, ich mach's dir sogar leichter.“
Der beißende Sarkasmus in ihrer Stimme machte ihn noch wütender.
„Wir konnten uns von Anfang an nicht leiden, aber dann haben wir angefangen miteinander rumzumachen. Danach haben wir uns wieder angefahren, dann wieder miteinander rummachen, anzicken, rummachen, anzicken und wieder rummachen. Und dann hast du verdammter Vollidiot nichts besseres zu tun, als mich einfach zu küssen und mich danach keines Blickes mehr zu würdigen!“ Mittlerweile schrie sie beinahe, aber jetzt erinnerte sie sich daran, dass es mitten in der Nacht war und der Großteil der Leute im Hotel schon schliefen. Mit gesenkter Stimme fragte sie: „Weißt du eigentlich wie verdammt scheiße man sich da fühlt?“
„Du denkst also, ich hätte dich nicht mehr angesehen, weil ich...es bereut habe? Oder enttäuscht von dem Kuss war?“ Ungläubig sah Luke die Schwarzhaarige an, die er eigentlich für cleverer gehalten hätte. Als sie stur nickte, stieg die Wut über sie, über sich selbst und über die dämliche Aktion, so schnell in ihm hoch, dass er einer Kurzschlussreaktion nachgab.
Luke ließ ihre Handgelenke los, legte eine Hand an ihre Taille und die andere in ihren Nacken und zog sie an sich, bevor er grob seine Lippen auf ihre presste.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast