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Die Liebe einer Schwester

von meme-chan
Kurzbeschreibung
GeschichteSchmerz/Trost, Übernatürlich / P16 / Gen
Gai Tsutsugami
28.09.2015
07.08.2017
4
7.643
 
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15.10.2015 2.484
 
Sie saß gelangweilt auf ihrem Bett und kritzelte auf einem Block herum. Seit gestern durfte sie die Krankenstation verlassen und sich frei im Gebäude von Funeral Parlor bewegen. Mittlerweile kannte sie fast das ganze Gebäude auswendig. In der ganzen Zeit hatte sie sich unzähligen Fragen und misstrauischen Blicken hingeben müssen, wogegen sie sich nicht hatte wehren können.
„Warum ist er da aufgetaucht? Sie sollten das nicht wissen.“ Zum Glück hatte er nicht sofort alles verraten, aber immer noch genug um all diese Fragen auszulösen. Ihr Telefon vibrierte, was aufgrund der Stille in ihrem Zimmer deutlich zu hören war. Ihr Blick wanderte auf das Handy, das auf dem Tisch neben ihrem Bett lag. Seufzend nahm sie es in die Hand und rief den Sperrbildschirm auf. „Eine Nachricht von Lans Smith.“, zeigte es an. Ihre Augen weiteten sich und sie begann gedanklich zu schreien während sie die Nachricht las. „Nein, nein, nein!“, murmelte sie vor sich und nahm dabei ihre Jacke, die unordentlich wie sie war vor ihrem Bett lag, und stand auf. Sie ging zur Tür und schaute vorsichtig in den Flur hinein. Freie Bahn! Sie eilte fast geräuschlos zum nächsten Seitenausgang. Es gelang ihr die schwere Metalltür leise zu öffnen. Das schließen gelang ihr allerdings wegen eines starken Luftzuges nicht und so fiel die Tür mi einem lautem Knall ins Schloss. Sie drehte sich um und rannte los um möglichst weit vom Gebäude weg zu kommen bevor jemand ihr Fehlen bemerkte. Sie blickte noch einmal zurück. „Es tut mir leid Gai… Es geht nicht anders.“ Eine Träne rollte ihre Wange hinunter bevor sie sich abwand und zur Adresse ging, die sie kurz zuvor erhalten hatte.

Er kam erschöpft von der Mission zurück. Diesmal hatte es keine Probleme gegeben und Inori war nichts zugestoßen, während Shu ihr Void hatte. „Hatte es an Yumi gelegen, dass sie Inori und sie gefunden hatten?“, überlegte er. Seit der Begegnung mit Lans hatte er kaum noch mit Yumi gesprochen. Sie hatte sich stark zurück gezogen. Sie war immerhin seine Schwester, oder? Er erinnerte sich nur noch an sehr wenige Dinge aus seiner Kindheit bei seinen richtigen Eltern. Ab und zu hatte er mit Yumi gesprochen und sie hatte ihm Dinge erzählt an die sie sich erinnerte. Aber sobald er die Experimente ansprach die Lans erwähnt hatte, war sie schweigsam geworden. Sie schien ihm nur die schönen Dinge aus seiner Kindheit zu erzählen, was er eigentlich nicht schlimm fand. Allerdings wollte er auch wissen, was es mit diesen neuen Void Genoms auf sich hatte. Er hatte die Tür von Yumi erreicht und klopfte an. Er hatte ihr versprochen sie zu besuchen und ihr von der Mission zu erzählen an der sie aufgrund ihrer Verletzung nicht hatte teilnehmen dürfen. Er klopfte erneut. „Schläfst du schon?“ Keine Antwort…. Er öffnete leise die Tür um sie nicht zu wecken falls sie schon schlief. Er fand aber statt einer schlafenden Yumi ein leeres Zimmer mit unbenutztem Bett vor. Er betrat das Zimmer und entdeckte ihren Zeichenblock, der aufgeschlagen auf ihrem Bett lag. Das aufgeschlagene Blatt zeigte eine halbfertige  Bleistiftzeichnung von Gai, Shu, Inori und Ayase.  Die Gesichter von allen waren bereits fertiggestellt. Es fehlten jedoch einige Schatten und Details an den Beinen der gezeichneten. Sein Blick blieb auf einem kurzen Schriftzug unter der Zeichnung hängen. „Es tut mir leid!“ stand dort in einer Schrift, die darauf deutete, dass sie schnell geschrieben hatte. Er stand geschockt und überrascht in ihrem Zimmer und starrte auf diesen Satz.
„Du auch hier?“, kam es von hinten. Er drehte sich um und sah Ayase die im Türrahmen saß und auch ihn zu kam, „Wo ist Yumi?“ Er brachte kein Wort heraus sondern reichte ihr einfach den Block. Ayase nahm diesen leicht verwirrt an und schaute sich die Seite an. Ihre Augen weiteten sich und füllten sich mit Tränen, was bedeutete, dass sie den Satz gelesen hatte. „Was soll das heisen? Gai?“, fragte sie mit einer zitternden Stimme. „Sicher weiß ich es nicht!“, kam die Antwort, „aber wahrscheinlich ist sie gegangen!“ „Aber sie hat sich doch so eingelebt. Ich hab sie richtig lieb gehabt, weil sie immer so lieb war.“ „Wahrscheinlich liegt es daran, dass sie seit der letzten Mission so viele Probleme hatte. Sie hat ja kaum noch ihr Zimmer verlassen!“ Er verließ das Zimmer „Wir sollten es den anderen sagen.“ Ayase folgte ihm.

Sie fingen Shu und Inori ab, die sich grade auf den Weg zu Shus Zuhause machen wollten. „Hey wartet mal kurz!“, rief Gai ihnen entgegen. Die beiden drehten sich um und schauten Gai und Ayase, die beide nicht sehr glücklich aussahen, fragend an. „Was ist passiert?“, fragte Shu, als sie zusammen trafen. Für einen kurzen Moment antwortete keiner bis Ayase sich zusammen riss und den Beiden die Situation erklärte: „Yumi ist gegangen!“ „Was!?“kam es von Shu, „Warum sollte sie ohne etwas zu sagen gehen. Seid ihr euch sicher, dass sie weg ist und sich nicht nur die Beine vertritt?“ Ayase reichte ihnen den Zeichenblock von Yumi. „Dreh den Block um!“, forderte Inori Shu auf und deutete auf eine Stelle wo am Schrift durchdrücken sah. Er wendete das Blatt, auf das jetzt auf Gai und Ayase schauten, und fand dort einen kurzen Text ebenfalls in Yumis Handschrift. „Ich muss für ein paar Experimente ins Labor. Es dauert nur ein paar Tage. Es tut mir leid, dass ich euch nicht vorher Bescheid gesagt habe.“ Alle schwiegen bis Inori etwas sagte: „Sie kommt wieder und dann können wir sie fragen was los war.“
Yumi war schon seit 4 Tagen fort. Gai lag auf seinem Bett und blickte durch die Dunkelheit an die Decke. „Was sind das für Experimente? Hoffentlich erklärt sie es mir, wenn sie zurück kommt.“

Er schloss die Augen, als plötzlich Bilder vor seinen Augen auf blitzen:
Ein kleines Mädchen saß vor dort. Sie zitterte und schien sich vor etwas zu fürchten.
„Gai. Ich hab Angst“ „Brauchst du nicht ich bin doch bei dir!“ Die Person aus dessen Sicht er sah umarmte das Mädchen sanft und drückte sie an sich. „Ich beschütze dich. Niemand wird dir etwas Böses tun.“ „Aber das tut so weh.“, jammerte sein Gegenüber. „Wenn du die Augen zu machst und an etwas Schönes denkst dann tut es nicht mehr so doll weh!“ „Wirklich?“ „Ja, Indianer Ehrenwort! Als hör auf zu zittern und lächel!“ Sie lächelte ihn glücklich an und umarmte ihn zurück. „Du bist der beste Bruder den es gibt!“ „Und du die beste Schwester, Yumi!“
Er fand sich in einem Zimmer wieder. Er trug einen Schlafanzug und war eingekuschelt in eine Decke. Etwas quietschte und eine Gestalt war am Ende seines Bettes aufgetaucht. „Bist du noch wach?“ „ja was ist denn?“ er richtete sich in seinem Bett auf. „Ich kann nicht schlafen. Kannst du mir was vorlesen?“ Sie schaute ihn bittend an. „Ok komm her!“Er knipste eine Lampe an, die neben ihm an der Wand hing. „Was willst du denn hören?“ „Das hier!“ sie hielt ihm ein Buch mit der Aufschrift: „Im Land der Zauberwesen“ hin. „Wie du willst!“
Seine Schwester, die gebeugt über ihm stand und ihm eine Klinge an den Hals hielt. Sie hatte statt ihrer Arme zwei Klingen. Er fühlte wie er, sein früheres Ich, zitterte und flehte: „Hör auf, hör bitte auf Yumi!“ Sein gegenüber blickte ihn mit kalten mordlustigen Augen an und sprach mit einer magerschütternden Stimme: „Du wolltest doch, dass das hier auf hört. Ich kann dich davon befreien. „Komm zu dir Yumi!“, schrie er verzweifelt und versuchte sie von sich weg zu drücken. Seine Hand leuchtete auf und Yumi wurde von ihm weg geschleudert. Er blickte erschrocken auf seine Hand, die wieder ganz normal aus sah. Vor ihm lag Yumi, deren Arme ebenfalls wieder normal waren, und starrte ihn mit panischen Augen an „Gai, wer bin ich geworden?“
Das Bild verschwand und mehrere Bilder huschten vor seinen Augen vorbei.
Ein schreiendes Mädchen in einer Glaskuppel. Blutüberströmt.
Ein Mann, der sich über ihn beugte, eine Spritze in der Hand hält und sich über ihn beugt.
Ein leuchtendes Licht, das aus der Brust seiner Schwester drang. Sie schrie laut auf und er sah einen Gegenstand aus ihr heraus kommen. „Was siehst du?“, fragte eine unbekannte Stimme.
Ein weinendes Mädchen, Yumi, das von zwei Leuten zurück gehalten wird und laut seinen Namen ruft. „Bitte last ihn! Ihr bringt ihn noch um!“

Er schreckte hoch und war erfreut wieder die Wand seines Zimmers zu sehen. „Was zum Teufel war das? Sind das meine Erinnerungen an früher?“, dachte er. „Alles in Ordnung?“, kam es von einer unerwarteten Stimme. Er blickte sich um und sah, dass seine Tür einen Spalt offen war und ein Kopf da durch gesteckt war und ihn fragend anblickte. Er knipste das Licht an und erkannte wen er vor sich hatte. „Yumi!“ „Ich wollte eigentlich nur sagen, dass die Experimente vorbei sind und ich gerne wieder hier seinen würde. Tut mir leid, wenn ich dich geweckt habe.“ „Nein, nein. Ich bin von selbst aufgewacht.“ Er schüttelte den Kopf um seine Gedanken zu ordnen. „Sicher, dass alles in Ordnung ist?“, kam es von Yumi, die mittlerweile ins Zimmer gekommen war und die Tür hinter sich schloss. Aufgrund ihres besorgten Blickes antwortete er ihr: „Ich hab mich glaub ich wieder an Sachen erinnert.“ „Das ist doch gut.“ „Auch an die unschönen Dinge!“ Yumi schaute beschämt weg. „Warum erzählst du mir nichts davon? Und diese Experimente was ist das?“ „Ich hab gehört, was dir passiert ist während wir getrennt waren und ich möchte nicht, dass du noch mehr schreckliche Erinnerungen hast.“ „Ich bin kein kleines Kind mehr! Ich halte sowas aus auch wenn es schlimm ist!“ Sie schaute ihn immer noch unsicher an. „Bitte!“ „Du hast doch keine Ahnung was du damals erlebt hast. Anstatt dass du glücklich bist, dass du dich nicht mehr an diese Dinge erinnern kannst versuchst du krampfhaft dich daran zu erinnern! Wenn du nichts weist, dann sei leise.“, schrie sie ihm entgegen. „Yumi was…?“, begann Gai, wurde aber von Yumi unterbrochen. „Bitte frag mich nie wieder danach!“ „Wie du willst…“, willigte Gai ein, „geht’s dir gut?“ „Naja, es ist schon in Ordnung. Ist es ok, wenn ich in mein Zimmer gehe und etwas schlafe?“ „Ja geh.“Sie verließ schnell das Zimmer und rannte fast zu ihrem Zimmer. „Hey Yumi du bist wieder da.“, wurde sie von Ayase begrüßt, die sie auf halben Weg traf. „Hi.“, bekam sie als kurze Antwort, bevor Yumi in ihrem Zimmer verschwand.

Ayase schaute ihr verwirrt nach. Sie begab sich zu Gais Zimmer, ihrem eigentlichem Ziel. *klopf* *klopf* „Bist du wach?“ Als Antwort öffnete sich die Tür und kurz darauf stand Gai vor ihr und schaute sie fragend an. „Hast du vorhin mit Yumi gesprochen? Ich hatte laute Stimmen gehört.“ „Ja, sie war hier.“ „Möchtest du kurz reden?“, fragte sie als sie den betrübten Blick ihres Freundes sah. Sie betrat sein Zimmer fuhr mit ihrem Rollstuhl neben Gais Bett auf dem dieser sich niederlies. „Hat sie dir erzähl warum sie weg war?“ „Nein!“ „Habt ihr euch gestritten?“ Er schaute auf den Boden und nickte kurz. „Möchtest du mir sagen warum?“, fragte sie vorsichtig. „Sie wird immer wütend, wenn ich sie auf meine ganze Vergangenheit anspreche. Sobald ich nach Experimenten frage, antwortet sie mir nicht oder nur sehr kurz!“ „Weist du warum sie das macht?“ „Sie meinet, sie wolle nicht, dass ich mich an sowas erinnere, weil es schlimm wäre. Ich solle mich glücklich schätzen, dass ich es nicht mehr weiß.“ „Das ist doch verständlich. Sie erinnert sich ja an alles und kann demnach auch besser einschätzen wie schrecklich diese Erinnerungen sind. Du solltest ihr mehr vertrauen.“ Gai blickte nur stumm auf einen Punkt und antwortete nicht, weswegen sie erneut das Wort ergriff. „Warum hast du sie bei eurer ersten Begegnung eigentlich so schnell als deine Schwester akzeptiert.“ „Sie kam mir bekannt vor. Schon als ich sie auf ihrer Flucht gesehen habe, dachte ich darüber nach wer sie ist und als sie dann meinte, dass sie meine Schwester wäre habe ich mich an etwas erinnert, was mir gesagt hat, dass sie nicht lügt.“ „Woran hast du dich erinnert?“ „Ich hatte plötzlich das Bild von einem kleinen Mädchen vor meinen Augen. Sie hatte ein Geschenk mit der Aufschrift: „Für Yumi“ auf ihrem Schoß und hielt mir eine Geschenk mit meinem Namen entgegen.“ „Weihnachten. Wahrscheinlich als du noch klein warst.“ Sie lächelte ihn an und freute sich, als er ebenfalls lächelte. „Und jetzt weiß ich, dass das eine der wenigen schönen ist.“ „Das glaube ich nicht!“, erwiderte Ayase, „du erinnerst dich nur noch nicht an alles.“ „Aber du meintest doch dass es nicht gut wäre wenn ich alles weiß!“ „Wenn du dich selbst erinnerst ist es besser, als wenn du Yumi zwingst es dir zu erzählen“ Sie rollte zur Tür und öffnete sie, „Du sollest nochmal mit ihr reden und das klären!“ Mit diesen Worten verließ sie sein Zimmer und rollte den Gang hinunter zu ihrem Zimmer. Gai schaute ihr dankbar hinterher und lächelte sanft.

Es klopfte an der Tür. Sie blickte erschrocken hoch und zog schnell eine Jacke an um ihren Arm zu verstecken. Die Tür öffnete sich und sie sah Ayase, die sie glücklich anblickte. „Komm doch rein.“, bot sie ihr an und hielt die Tür etwas weiter auf, damit Ayase mit ihrem Rollstuhl hindurch passte. Diese bedankte sich und rollte zu Yumis Bett. Yumi setzte sich neben sie und blickte etwas beschämt beiseite. „Tut mir leid, dass ich gestern so schroff war.“ „Schon ok. Du hast dich mit Gai gestritten und warst wütend.“ Yumi schaute weiterhin stumm auf den Boden und schien nicht darauf eingehen zu wollen. „Was hast du da eigentlich gemacht?“ „Hab doch schon allen anderen gesagt. Ich musste für ein paar Experimente weg.“ „Ich möchte dich nicht zwingen, aber würdest du mir erzählen was genau dort passiert ist.“ Sie schüttelte nur den Kopf und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. „Du musst nicht immer die starke sein. Ich weiß wie du dich fühlst. Ich lasse mir auch nicht gerne helfen auch wenn es vernünftig wäre.“ Ein Schlutzen kam von Yumi und sie nahm ihre Hände von ihrem Gesicht, das von Tränen bedeckt war. „Wenn ich das nicht mache, dann nehmen sie Gai  für ihre Experimente und das will ich nicht.“, schluchzte sie. Ayase nahm sie in den Arm und schrak zurück als sie ihre rechte Schulter berührte. „Yumi was ist das an deinem Arm?“ „Vom Experiment…“ „Sowas machen die da mit dir?! Bitte las mich mal sehen.“ „Nein!“ „Warum nicht? Das tut doch sicher weh und du solltest es von jemandem untersuchen lassen.“ „Die können da auch nichts mehr machen!“ „Bitte zeig es mir einmal!“ Widerwillig zog Yumi ihre Jacke aus. Ayase hielt sich die Hand vor den Mund um nicht laut aufzuschreien. „Yumi du…“ Sie brachte kein weiteres Wort heraus, sondern starrte nur entsetzt auf ihren Arm. Der ganze Oberarm war mit einzelnen Stücken übersät. Kleine lila Splitter kamen aus ihrer Haut und glitzerten leicht in der spärlichen Raumbeleuchtung.
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