Der größte Streich

GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
der Schlüsselmeister Edna Konrad Harvey
27.09.2015
30.01.2016
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27.09.2015 1.609
 
Der Wind wehte durch das alte Gemäuer, durch kaputte Fenster und alle möglichen Ritzen und Schlitze, sorgte damit für eine unheimliche Stimmung. Es heulte und knarzte überall, Blätter wurden aufgewirbelt und Staub von einer Ecke in die nächste getrieben. Draußen bellte in der Ferne ein Hund und immer mal wieder hörte man Polizei Sirenen und andere Verkehrsgeräusche. Ein Uhu saß draußen auf einem Baum und trug seinen Teil zu den Geräuschen der Nacht bei.
Es war eine ruhige normale Nacht in dem kleinen Örtchen Findel. Dieser Ort war sicher nichts besonderes, aber für jemanden der seine Ruhe wollte war er genau das richtige. Unten im Dorf am Fuße des Berges war eine Bar die wie immer einige Besucher zu sich zog selbst zu dieser späten Stunde. Es wurde getrunken und gelacht, Poker gespielt und Pfeife geraucht.
Draußen waren sicher einige Liebespaare unterwegs, hielten Händchen oder knutschten im  Hinterhof der Polizei herum.
Alles normal eben. Eigentlich.

Denn in dieser Nacht war nicht alles wie immer. Doch davon wussten die Dorfbewohner ja nichts - jedenfalls noch nicht. Nicht bis zum nächsten Morgen in dem sicher ein Artikel in der Zeitung auftauchen würde, neben dem neuen Captain Unbrauchbar Comic, der heißen würde:
„Insassen der Anstalt entflohen!“

Ihre Atmung durchbrach die Stille die im Haus lag. In der Hand hielt sie den blauen Stoff Hasen den sie nun langsam immer fester an sich drückte. Zitternd biss sie sich auf die Unterlippe und kniff die Augen zusammen. Der Schrei des Mannes hallte in ihrem Kopf immer wieder auf. Manchmal wurde er durch den Schrei eines kleinen Jungen ersetzt.
Die dunkelhaarige fiel auf die Knie und spürte wie langsam Tränen über ihre Wangen kullerten.
„Was habe ich getan...?“ flüsterte sie auf einmal.
Sie nahm den Hasen und sah in seine Stoffaugen. Sie suchte nach einer Antwort in ihnen, aber dieses mal fand sie keine.
„Harvey- ich habe den Doktor...“
Die junge Frau schluckte. „Ich habe es wieder getan... All das hier... es ist meine Schuld...!“
sie wartete einen Moment auf eine Antwort. Aber diese blieb aus.
„Harvey...!“
„Tut mir leid!“ erklang endlich die quitschende Stimme des Stoffhasen.
„Ich … muss das alles erst einmal verarbeiten. Mach dir keine Vorwürfe Edna. Er hätte mich dir weggenommen! Und wir sind doch beste Freunde- wir können doch nicht getrennt werden!“ Edna seufzte zitternd. „Harvey... ich habe Alfred umgebracht... und nun Doktor Marcel... Ich bin nicht besser als eine Irre...! Ich bin wirklich wahnsinnig... ich war nicht grundlos eingesperrt... alles ist meine Schuld...“ sie schluchzte und der kleine Stoffhase fiel zu Boden.
Doch Harvey stand wieder auf und rüttelte an ihrem Knie.
„Edna...! Es ist nicht deine Schuld... der doofe Alfred … es war doch nur ein Unfall! Du wolltest ihn nicht umbringen... damals warst du doch auch noch ein Kind! Solche Unfälle passieren...“
„Aber jetzt bin ich kein Kind mehr Harv!“ Edna wurde ungewollt lauter und sah daraufhin verschämt zur Seite.
„Tut mir leid kleiner Kumpel...“
„Ist schon okay...“ meinte Harvey und schüttelte den Kopf.

Edna sah vorsichtig über den Rand der Treppe hinweg und erkannte unten zuerst die verdrehten Beine des Doktors. Erschrocken wendete sie den Blick wieder ab und bereute es überhaupt einen Blick darauf geworfen zu haben. Erneut schniefte sie und wischte sich über die Augen. Mithilfe ihres Nachthemds trocknete sie die Tränen.
„Ich bin eine Mörderin... Ich-Ich wollte das doch nicht... oder doch?“
Harvey lief zum Rand der Treppe und sah hinunter, drehte sich dann aber um. „Es war Notwehr Edna... er hätte dich sicher zurück zur Anstalt genommen und dich völlig verändert! Sicher hätte er dich Alfredine genannt und dich dazu gezwungen Aufräumen und Waschen zu lieben!“ er schauderte. „ughhh... waschen.... sauber....“
Erinnerungen an die gruselige Waschmaschine kamen in Edna hoch. Kurz huschte ein schmunzeln über ihre Lippen.
„Bestimmt....“ meinte sie dann noch. „Ich weiß ich bin nicht ganz dicht Harv, aber dieses hier- es ist so real... und so ernst...“
In der Anstalt war alles viel lustiger gewesen dachte Edna. Es war einfacher gewesen... sie hatte ihre Freunde, Alu und den Bienenmann, ihren Favoriten Droggelbecher und natürlich alle anderen auch. Zugegeben sie mochte vielleicht nicht alle, aber Spaß hatte es dennoch gemacht.

„Harvey... was soll ich denn jetzt nur tun...? Wenn das hier die Freiheit sein soll- dann will ich sie gar nicht!“
„Edna!“ rief Harvey entsetzt. Das Mädchen schluchzte erneut. Sie wünschte sich ihre Kindheit zurück. Mit Mattis. Ihrem Vater. Mit all den lustigen Sachen und Streichen die sie gespielt hatte. Und ja, sie wünschte sich sogar Alfred zurück. Er war zwar ein Kaktütenhirnkomaschwanzäugigerkackfressender Voll-Honko aber sie vermisste ihn trotzdem.
Seinen Verlust- sie hatte ihn nicht mal richtig verarbeiten können. Auch der Tod ihres Vaters wurde ihr erst jetzt wieder bewusst.
Er war wegen ihr gestorben. Hatte die Todesstrafe still akzeptiert. Wissend, dass sie es vielleicht niemals erfahren würde. Sie vermisste ihren Vater. Er war streng ja, aber immer gutmütig zu ihr gewesen und geduldig. Ein super Vater wie sie fand. Den besten den man sich nur wünschen konnte. Nun war er tot. Und sie allein mit Harvey. Wen hatte sie denn jetzt noch? Und vor allem:
Wohin nun?

Als könnte Harvey ihre Gedanken lesen fing er wieder an zu sprechen und tapste dabei etwas wackelig auf seinen flausch Beinen auf sie zu.“Mattis hat es für dich getan Edna. Weil er dich geliebt hat... und wenn du ihn auch liebst solltest du jetzt schleunigst abhauen! Wir fangen nochmal neu an- irgendwo, wo uns niemand finden kann! Rio de Janeiro!“ grinste er und hüpfte auf und ab.

„Ach Harvey!“ Edna musste etwas lachen. Ihr Freund schaffte es doch immer sie aufzumuntern. Langsam stand sie auf und atmete tief durch. „Du hast ja Recht... es fällt mir im Augenblick nur schwer daran zu glauben...“ sie hob ihren Freund hoch und ging rüber zum Bad. Sie wollte sich erst einmal frisch machen bevor sie sich wieder auf den Weg machte. In wie Fern es in so einem Haus noch möglich war sich „frisch“ zu machen.

Während Edna ihre Haare kämmte dachte sie nach. Es stimmte. Die Morde waren beide Unfälle gewesen - nicht wirklich gewollt. Sie wollte Alfred nicht töten. Verstümmeln sicher aber nicht umbringen. Und mit Doktor Marcel? Wollte sie ihn töten? Sie hatte nur auf Harvey gehört...
War Harvey die Schuld zu zuschieben an den Morden? Immerhin hatte er auch beim ersten Mal gesagt, dass sie Alfred schubsen soll.
Aber Harvey war ihr Unterbewusstsein und nicht wirklich real. Für sie schon, aber für außenstehende nicht.
War es also ihr Unterbewusstsein das ihr sagte sie solle töten? War sie auch gefährlich? So wie...

Nachdem sie ihre Haare durchgekämmt hatte suchte sie nach Kleidung. Sie musste jedoch schnell feststellen das ihr nichts mehr davon passte. Sie war ja auch erst acht gewesen. Also suchte sie sich Sachen von Mattis heraus. Eine schwarze Hose und Schnür-Stiefel mit einem lilanen Hemd, das mussten erst einmal genügen. Als sie hinaus auf den Flur trat viel ihr Blick auf den leblosen Körper von Dr. Marcel. Edna schluckte schwer.
„... Es tut mir leid... ich wollte niemals... dass irgendwas von dem hier passiert...“ Harvey hing über ihrer Schulter und sah sie mitfühlend an.
„Edna... ich … kann ja verstehen das es dir schwer fällt. Mir ja auch...! Ich wollte nicht das er stirbt... nur verkrüppelt wird bis an sein armseliges Lebensende! Aber … nicht tot...“

„Ist schon okay Harvey... wir … können es nicht mehr ändern. Wir müssen hier weg.“ Genau in diesem Moment vernahm sie Polizeisirenen. Erst leise. Dann lauter. Mist! Dachte Edna, die kommen hier her!
„Los Harvey wir müssen abhauen!“
„Jaja, schnell die Bullen kommen!“
„Die Herren in grün!“
„Trachtengruppe!“
„Freund und Helfer!“
„Weiße Mäuse!“
„Weiße was?“ Edna zog eine Augenbraue hoch. Harvey stotterte. „Eeeehm eh doch doch! Die nennt man so! Ich hätte auch Kolrabiritter auf Lager gehabt...“
Sie musste lachen. „Erzähl mir alles wenn wir erst mal weg sind. Ich erinnere mich an ein altes Baumhaus im Wald. Das hat Alfred gehört weißt du noch? Er wollte mich nie oben mit spielen lassen...“
„Und dann hast du Stinkbomben hinauf geworfen...“
„Er hat zwei Wochen lang nach vergammelten Eiern gestunken...“ Sie seufzte.

Schnell griff sie noch nach einem Rucksack bevor sie in den Keller flitzte und von dort in den Garten durch das alte Kellerfenster entfloh. Draußen angekommen griff die Kälte der Nacht sie quasi an. Sie atmete die feucht-kühle Luft ein und sah sich um. Hier lag sie vor ihr. Die Freiheit. Ab hier gab es wohl kein zurück mehr...
Edna tat den ersten Schritt und durchquerte den alten Garten, vorbei an den zerstörten Zwergen bis sie über den Zaun kletterte und in den Wald joggte. Keine Minute zu früh denn darauf hielt ein Polizeiwagen direkt vor ihrem Haus in das sie nie wieder zurück wollte.

„Hey, Harry seh dir das mal an!“ sie hörte die rauchigen Stimmen der Wachmeister und entfernte sich noch etwas schneller. „Jaja, ich komme Hannek! So was ist hier das Problem? Ist der Doktor schon da?“
Edna lief hinein in den dunklen Wald, ihr einziges Licht war das Mondlicht und ihr einziger Begleiter Harvey. Hinein lief sie in die dunkle Nacht, hinein in die Freiheit.

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Vielen Dank für's lesen ich hoffe es hat euch gefallen und ich hoffe ihr habt Lust auf mehr! :) Dieses Kapitel war nur eine Einführung und auch ein Test für mich ob ich das FF schreiben noch beherrsche...

Die nächsten Kapitel werden auf jeden Fall spannender versprochen! So wie dieses Kapitel fingen ja auch andere Edna bricht aus FF's an :'D Wenn ihr wünsche habt, Szenen im kopf habt die ihr unbedingt mal lesen wollt in einer FF dann lasst es mich bitte wissen! Ich bin offen für alles!
Gruß Racoonie :)
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