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Verbannt

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Brenda Jorge Gallparga Minho Newt OC (Own Character) Thomas
26.09.2015
01.11.2015
50
80.825
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31.10.2015 2.028
 
Ich saß mit angezogenen Beinen auf dem Boden und starrte konzentriert den Boden an, während die Gedanken nur so durch meinen Kopf wirbelten. Ich wusste nicht warum, aber mir war nicht nach weinen. Es war nicht dieser Schockzustand in den ich gefallen war nachdem ich erfahren hatte, dass Newt...den Brand hatte. Nein, es war einfach diese tiefe und ruhige Gelassenheit, die in mir herrschte. Als gäbe es nichts mehr, was mich aus der Fassung bringen könnte und ganz ehrlich. Der Anblick von Newt in dieser Verfassung wie im Crank-Palast und das Wissen ihn nie wieder sehen zu können, ließ alles andere dagegen einfach nur lächerlich harmlos wirken, sogar den Verrat meiner eigenen Mutter.
Das Schlimmste, was mir bis jetzt jemals passiert ist und mit Sicherheit noch passieren wird, ist Newt zu verlieren. Ich wusste nicht mal, ob er noch lebte. Einerseits hoffte ich es, anderer seits fürchtete ich mich vor dem Gedanken, wie er jetzt womöglich aussehen mochte.
Minho ging vor mir in die Hocke und sah mich prüfend an.
"Ist alles in Ordnung?", fragte er leise, dass die anderen ihn nicht hören konnten und ich blickte ruckartig auf.
Ich nickte gleichgültig und auch, wenn ich mein Gesicht in diesem Moment nicht sehen konnte, wusste ich doch, das darin keine Trauer mehr zu sehen war, sondern nur noch Entschlossenheit.
Wenn das alles hier vorbei war, sagte ich mir, dann könnte ich gerne zusammenbrechen und alles über mich ergehen lassen, aber solange ANGST noch existierte musste ich stark sein.
Ich ließ mich von Minho hoch auf die Füße ziehen, in dem Moment kam Gally mit Thomas zur Tür herein gerannt. Überrascht und zugleich erleichtert blinzelte ich. Thomas. Er hatte es geschafft.
Minho ging sofort auf seinen Freund zu und schloss ihn in die Arme, dann taten es ihm die anderen gleich. Auch ich umarmte ihn, da er mir in der kurzen Zeit zu einem wirklich guten Freund geworden war und ich mir ernsthafte Sorgen um ihn gemacht hatte.
Nachdem sich der Junge auch aus der letzten ausführlichen Umarmung mit Brenda gelöst hatte begann er hektisch zu sprechen: "Ich kann euch jetzt nicht alles erzählen, wir müssen die Immunen befreien und dann die Hintertür zum Flat Trans finden, von der ich erfahren habe - wir müssen uns beeilen, bevor hier alles in die Luft fliegt."
Ich forschte verwirrt die Brauen. Flat Trans besaßen doch nur die ganz großen Tiere in der Regierung und die, die die Kohle hatten, wo sollte denn hier für uns eines versteckt sein?
"Wo sind die Immunen denn?", fragte Brenda und rückte damit die eingendlich wichtigere Frage in den Vordergrund.
"Ja, was hast du raus gefunden?", fügte Minho hinzu.
Bei seinem letzten Satz erstarrte ich für den Bruchteil einer Sekunde. "Wir müssen zurück ins Labyrinth."
Ich sah den Jungen entgeistert an, als er einen zerknitterten Zettel aus der Tasche zog, auf der sich eine Nachricht und eine Karte befand.
Schnell überflog ich den Brief, in dem von dem Flat Trans, einer Flucht und dem Beginn eines neuen Lebens für die Immunen die Rede war und Hoffnung keimte in mir auf.
Thomas zeigte uns die Karte, die zu den Labyrinthen - offenbar lagen sie unter der Erde - und zu der Hintertür mit dem Flat Trans führte. Wir brauchten nicht mal groß darüber abstimmen und hatten uns schnell geeinigt, die Immunen zu holen und dann endgültig von hier zu verschwinden. Das Ende war zum greifen nah.
Ohne noch lange rum zufackeln machten wir uns auf den Weg - Gally kam offenbar auch mit - und liefen zurück in den Raum, wo wir von Vince und den anderen angebrüllt wurden und für verrückt und so gut wie tot erklärt wurden.
Ich blendete alles auf, folgte Thomas und Co geduckt und klaubte beim laufen noch schnell ein langes Messer vom Boden auf. Das könnte ich noch gebrauchen.
Thomas rannte in den Gang und schien es eher auf Schnelligkeit, als auf Vorsicht anzusetzen. Brenda schien den Weg zu kennen und führte uns durch das ANGST Hauptquartier. Ich hatte schnell die Orientierung verloren, bei den ganzen Abzweigungen und Treppen. Im Labyrinth wäre ich vermutlich völlig aufgeschmissen gewesen.
Wir hielten ein schnelles Tempo bei und schienen immer tiefer unter die Erdoberfläche zu kommen. Auch das Licht war hier gedämmter und als wir um die nächste Ecke bogen stürzte sich plötzlich ein Brocken von einem Mann von der Seite auf mich und riss mich zu Boden.
Er wollte auf mein Gesicht einschlagen, doch ich wich den Schlägen aus, versuchte seine Handgelenke zu packen und von mir wegzudrücken, aber lange würde ich das nicht durchhalten. Als ich kurz vor dem Aufgeben war, nahm ich nochmal meine letzte Kraft zusammen und trat dem Mann mit dem Knie so fest ich konnte zwischen die Beine. Jaulend rollte er sich von mir runter und griff sich in den Schritt. Mit einem Gefühl der Genugtuung rappelte ich mich auf und trat noch ein paar mal auf den Mann ein, bevor ich mich nach den anderen umsah, die ebenfalls außer Atem dastanden und die sich am Boden wie Würmer krümmenden Wachen verachtend ansahen.
Schnaufend gab ins Thomas das Zeichen weiterzugehen und weiter ging es.
Meine Lungen brannten und mein Herz hämmerte wie verrückt gegen meine Brust, doch ich machte nicht langsamer, folgte den anderen noch eine Treppe hinunter, bis sie schließlich in einen Raum kamen, in dem Thomas plötzlich wie erstarrt stehen blieb. Auch alle anderen schienen diesen Ort verstörend zu finden, außer Jorge, Brenda und...mir. Wir waren ja nicht im Labyrinth gewesen und wussten nicht, was hier wohl geschehen sein mochte.
Ich erinnerte mich an das, was mir die Lichter erzählt hatten und dass der kleine Chuck hier drin gestorben war. Eine leichte Welle der Trauer durchfuhr mich, auch wenn ich ihn nicht gekannt hatte. Er war auch ein weiteres unschuldiges Opfer, das ANGST ermordet hatte.
Ich lief mit den anderen langsam durch den Raum und sah mich um. In den Wänden waren überall Fenster eingelassen, die allesamt zersplittert waren und auch die Computer wirkten ziemlich zerstört. In einem Teil des Raumes standen merkwürdige Kapseln, ähnlich denen, aus denen diese gruseligen Gestalten am sicheren Hafen gekrochen waren und ich fragte mich, ob da wohl diese Diwer...Miewer....nein, Griewer, Griewer hießen sie - ob aus diesen Kapseln diese Griewer herausgekommen sein mochten.
Am anderen Ende befand sich eine Leiter, die weit nach oben in die Erde zu führen schien.
"Geht es da rauf zum Labyrinth?", fragte ich, mit aus irgendeinem Grund gedämpfter Stimme.
Brenda nickte.
"Wo sind denn hier die Wachen, wenn die Menschen da eingesperrt sind?", wollte Minho skeptisch wissen und blickte sich hektisch um, als erwartete er, dass gleich eine ganze Horde Wachen über sie herfallen würde.
"Wieso sollten sie hier Wachen postieren, wenn das Labyrinth die Leute davon abhält zu fliehen?", erwiderte Thomas und Minho zuckte mit den Schultern.
Der Braunhaarige begann die Leiter hinauf zuklettern und bald kamen wir in einen weiteren Raum. Hier war es dunkler.
Minho deutete auf ein rundes Loch über unseren Köpfen, wodurch ich graue Mauern erkennen konnte und ich sah sie ehrfürchtig an. Oh mein Gott.
Unter dem Loch stand eine kleine Trittleiter und nacheinander kletterten wir hoch. Ich ging nach Aris und als ich aus dem Loch krabbelte und über einen provisorischen Stek aus Brettern zu dem sicheren Steinboden marschierte.
Ich hob den Kopf und besah mir die gigantischen Mauern um mich herum. Du meine Güte!
Mir wurde leicht schwindelig, wenn ich da hinauf blickte, also senkte ich den Blick wieder. Plötzlich erschien mir meine kleine alte Matratze in der Brandwüste irgendwie wieder ganz bequem und einladend. Hier würde ich wirklich keine zwei Jahre verbringen wollen, wie Newt und Minho es mussten und ich bekam Mitleid.
Wie furchtbar.
Über uns war es einfach grau, als würde die Decke über uns leicht beleuchtet werden, aber eben in einem fahlen gräulichen Licht und es wirkte alles noch trostloser.
"Gab es hier jemals Sonne?", fragte ich in die Runde, als Thomas und Minho uns allen voran durch die Gänge liefen.
"Ja, die gab es, bis....", Thomas brach ab und Teresa beendete seinen Satz für ihn: "Bis ich kam."
Ich zog kurz die Augenbrauen zusammen, konzentrierte mich dann allerdings aufs laufen. Wir bogen rechts ab, links, dann wieder rechts, rechts, links, rechts,....Ich kam nicht mehr mit.
Wie fand Minho sich hier nur zurecht? Ich meine, klar, er war hier zwei Jahre lang durch gerannt, aber ich war mir sicher, ich hätte mir den Weg nicht mal nach fünf eingeprägt.
Nach einer Weile konnte ich vor uns am Ende des Ganges sehen, dass es sozusagen heller wurde. Der Gang endete dort wohl, das musste die Lichtung sein.
Wir rannten aus dem Gang und ich trat auf fades abgestorbenes Gras, als ich auf die Lichtung kam.
Entsetzt riss ich die Augen auf. Also so viele waren hier mit Sicherheit auch nicht zur Zeit der Lichter dringewesen. Das mussten mindestens 200 sein und unter ihnen konnte ich auch Babys und Kleinkinder entdecken. Das konnte doch wohl nicht wahr sein!
Ich sah mich weiter um. In einer Ecke der großen Lichtung sah ich außer Menschen noch einen Wald, in einer anderen eine windschiefe Hütte, dann noch ehemalige Gärten und Zäune, hinter denen wohl einmal Tiere gehalten worden waren.
Ich hörte halb erfreute Rufe aus einer Richtung hören und sah ein paar bekannte Gesichter auf uns zu rennen. Ich war erleichtert, als ich unter ihnen Bratpfanne und Clint entdeckte. Außerdem waren Sonya und Harriet und ein paar andere Mädchen aus Gruppe B dabei und hielten auf uns zu.
"Hey, wie schön, dass es euch auch noch gibt.", sagte Bratpfanne und schlug Thomas leicht auf die Schulter, als sie bei uns angekommen waren. "Die haben mich doch allen ernstes hierher zurückgeschickt und lassen mich jetzt noch nicht einmal kochen."
"Hey, Alex.", sagte plötzlich eine freundliche Stimme neben mir und ich sah zu Clint, der mich breit angrinste. "Du lebst ja noch. Wie gehts dem Bein?"
Er sah zu meinem ehemals verletzten Bein hinunter und ich lachte leicht, auch wenn in meinem Lachen immer noch Verbitterung mitschwang.
"Dem gehts ganz gut.", meinte ich. "Das haben die ziemlich gut wieder zusammengeflickt. Immerhin etwas was ANGST gut gemacht hat."
Irgendwie wiederstrebte es mir, dieses Wort noch in den Mund zu nehmen, es kam mir so falsch vor. So schmutzig, wie ein böser Fluch.
"Ich bin froh, dich zu sehen. Und Bratpfanne.", sagte ich ehrlich und Clint schenkte mir ein Lächeln.
"Ich bin auch froh, dich noch am leben zu sehen." Er klopfte mir freundschaftlich auf den Oberarm und meine Mundwinkel zuckten kurz.
Wir wandten uns wieder Thomas zu und er begann den Plan zu erklären: "Also, wir teilen sie in Gruppen ein. Das sind 4- oder 500 Leute, also immer fünfzig. Einer von uns, oder einer aus Gruppe B übernimmt immer eine Gruppe, da sie den Weg kennen. Teresa, kennst du den Weg zu diesem Wartungsraum?" Er gab ihr seine Karte, sie studierte sie kurz und nickte dann. "Okay, also, du gehst mit Brenda vor, ich helfe euch die Gruppen startklar zu machen. Die anderen übernehmen jeweils eine Gruppe. Bis auf Minho, Jorge und Gally, ihr bildet die Nachhut und gebt uns Rückendeckung. Alex, du gehst auch mit ihnen."
"Klingt gut.", sagte Minho beinahe gelangweilt.
"Wie du meinst, muchacho.", meinte Jorge und Gally und ich nickten bloß.
Zwanzig Minuten verbrachten wir damit, die Gruppen einzuteilen und es war gar nicht so leicht, aber doch leichter, als ich erwartet hatte. Als alle Leute bereit standen und darauf warteten loszumarschieren, erklärte Thomas ihnen noch einmal kurz, was ANGST mit uns vorhatte und wie unser Plan jetzt aussah: Den Flat Trans erreichen und ein neues Leben beginnen.
In dem Moment ertönte ein gewaltiges Krachen und die Erde erbebte. Ich erstarrte vor Schreck und presste mir die Hände gegen das entsetzliche Dröhnen auf die Ohren.
"Was war das?!", brüllte Minho über den Lärm hinweg und ich kannte die Antwort schon, bevor Thomas es aussprach.
"Der Sprengstoff!"
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