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Verbannt

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Brenda Jorge Gallparga Minho Newt OC (Own Character) Thomas
26.09.2015
01.11.2015
50
80.825
14
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21.10.2015 1.692
 
Ich öffnete blinzelnd meine Augen und fand mich in dem Zimmer mit den Sofas wieder. Ich lag auf einer Couch und starrte die graue Decke über mir an. Meine Hand griff zu meinem Kopf. Wo kamen nur diese Kopfschmerzen her?
Langsam, da sich um mich alles drehte setzte ich mich auf und legte die Beine über den Rand der Couch, wobei ich feststellte, dass mein linkes Handgelenk mit Handschellen an der Stehlampe, die am Boden festgeschraubt war, gefesselt war.
Ich klapperte kurz mit den Fesseln, in der Hoffnung, sie wären nicht richtig verschlossen, gab es allerdings sofort wieder auf. Ich seufzte laut.
"Wie geht es dir?", fragte plötzlich jemand und ich riss den Kopf herum zu dem Schaukelstuhl, in dem Thomas saß und mit leicht besorgter Miene zu mir starrte.
"Kopfschmerzen.", murmelte ich und rieb mir den Kopf. Dann sah ich Thomas wieder an. "Was ist passiert? Warum hänge ich an Handschellen?"
"Naja ich weis nicht. Du hast im Schlaf plötzlich geschrien und um dich geschlagen. Jorge wollte dich festhalten und als du dann hyperventiliert hast und Brenda dir ne Tüte angeboten hat bist du halb ausgerastet, hast Jorge ausgenockt und wolltest wegrennen. Brenda hat dich noch rechtzeitig betäubt und wir haben dich zur Sicherheit hier festgemacht, falls du wieder durchdrehst."
Ich biss mir beschämt auf die Unterlippe und schaute zu Boden, als mir das alles wieder einfiel.
"Tut mir leid.", nuschelte ich leise.
"Bei mir brauchst du dich nicht entschuldigen, es war ja schließlich Jorge, den du getreten hast, aber ich denke, der wird das schon wegstecken.", Thomas versuchte sich an einem leichten Lächeln und kam auf mich zu. "Möchtest du was trinken?"
Jetzt erst merkte ich, wie trocken mein Hals war - vermutlich vom Schreien - und was für einen Durst ich hatte und ich nickte.
"Okay, bin gleich wieder da."
Damit verschwand der Junge aus dem Zimmer und ich saß allein im Raum. Ich rüttelte nochmal an den Handschellen, auch wenn ich wusste, dass es nichts brachte und lies mich dann in die Lehne sinken.
Langsam wurde mir auch wieder bewusst, was gestern...oder vorgestern....oder, ach keine Ahnung, wie lange ich bewusstlos war, auf jeden Fall fiel mir wieder ein, was vor meinem Traum passiert war.
Newt war im Crank-Palast. Wir wollten ihn holen, er hat uns weggeschickt. Ich habe ihm meine Gefühle gestanden und er hat nicht darauf reagiert....Autsch! Das tat weh. Er hatte nicht darauf reagiert, sondern stattdessen eine Waffe auf mich gerichtet und mich weggeschickt.
Und mein Traum....Ich hatte Newt gesehen, doch er meinte, er wolle mich nicht und das hatte mir endgültig den Rest gegeben. Ich meine, klar, es war nur ein Traum, aber was wenn etwas wahres dabei war, ich meine, schließlich hat er mich mit einem Granatwerfer bedroht und es schien ihm nicht schwer gefallen zu sein.
Betreten senkte ich den Blick und zwang mich nicht wieder in Tränen auszubrechen. Wenn er mich nicht wollte, wieso sollte ich dann um ihn trauern?
Ich versuchte mir zu sagen, dass er es nicht wert war, doch das stimmte nicht und das wusste ich ganz genau. Newt war es wert zu trauern. Er war jede Träne, die vergossen hatte oder noch vergießen würde wert und warum? Weil ich ihn verdammt nochmal mehr liebte, als irgend jemanden sonst. Er war das Wichtigste in meinem Leben geworden und ich hatte ihn verloren. Ich hatte mein Versprechen gebrochen, ich hatte keine Heilung gefunden. Also ja, Newt war die Tränen wert die ich um ihn vergoss, egal, ob er das gleiche für mich empfand wie ich für ihn oder nicht.
Die Tür schwang auf und Thomas kam wieder in den Raum. In der Hand hielt er ein großes Glas, bis oben gefüllt mit Wasser. Er hielt es mir hin.
"Danke.", sagte ich leise und nahm es entgegen.
"Ist alles in Ordnung?", fragte Thomas, während ich einen großen Schluck nahm und setzte sich neben mich.
Ich senkte das Glas und schaute betreten zu Boden.
"Ich habe versprochen, ich würde eine Lösung finden Newt zu retten und ich habe versagt."
Der Junge neben mir legte mir beruhigend eine Hand aufs Knie.
"Was war das für ein Traum?", wollte er vorsichtig wissen und ich überlegte kurz, ob ich es erzählen sollte, entschied mich dann dafür. Thomas hatte uns ja auch alles über seine ganzen Träume erzählt, also begann ich ihm zu schildern, was ich gesehen hatte. Als ich fertig war herrschte kurz Stille.
"Und du bist dir sicher, dass diese Frau am Anfang von ANGST war?", wollte Thomas schließlich wissen und ich nickte.
"Ja, wieso?"
"Weil uns, als wir dich auf die Couch gelegt haben etwas aufgefallen ist."
Verwirrt sah ich den Braunhaarigen an "Was denn?"
"Du weißt doch, das mit den Tätowierungen, die wir von ANGST bekommen haben, nachdem wir in dieser Herberge angekommen waren, oder?"
Wieder nickte ich.
"Naja, wir haben bei dir im Nacken etwas ähnliches entdeckt."
Verwundert zog ich die Augenbrauen zusammen.
"Was? Was steht da?", fragte ich ungeduldig, strich mir die Haare aus dem Nacken und strich mit den Fingern über die Haut, als könne ich so herausfinden, was dort geschrieben stand.
"Da steht:
Alex Grace, Eigentum von ANGST, Testobjekt 7, Variable B4; Brandwüsten Experimente."
"Was?!", rief ich entsetzt und verrenkte mir den Hals, als könnte ich so sehen was in meinem Nacken steht.
Das konnte ich einfach nicht glauben! Was hatte ich mit ANGST zu tun?
"Hey, du bist wach." Brenda kam zur Tür rein und versuchte sich an einem freundlichen Lächeln. "Wie geht es dir?"
Ich sah mit finsterem Blick die Wand gegenüber an. "Gut, bis auf die Tatsache, dass ich wohl Eigentum von ANGST bin."
"Oh, du....Thomas hat es dir also gesagt."
"Wieso den auch nicht, ich finde, sie hat ein Recht darauf es zu erfahren.", mischte sich Thomas ein und Brenda nickte zustimmend.
Sie zog einen kleinen Schlüssel aus ihrer Hosentasche, ging auf mich zu und schloss die Handschellen auf.
Ich zog mein linkes Handgelenk zu mir und rieb vorsichtig über die wunden Stellen.
"Was bedeutet das, 'Variable B4'", fragte ich an Brenda gewandt. "Weist du etwas? Schließlich hast du...ja mal für ANGST gearbeitet."
"Nein ich weiß wirklich nicht was das bedeuten soll. Vielleicht....", sie sah nachdenklich zur Decke und schüttelte dann den Kopf. "Nein, tut mir leid, wirklich keinen blassen Schimmer."
Ich stand auf und ging zu dem kleinen Spiegel, der neben einer der Türen hing und versuchte einen Blick auf meinen Nacken zu werfen.
"Kann es sein, dass sie das erst gemacht haben, als ich mit euch aus der Brandwüste geflohen bin?", fragte ich und hoffte es inständig auch. Aus irgendeinem Grund schien es mir nichts Gutes zu bedeuten. "Ich meine, es ist mir vorher noch niemals aufgefallen."
"Naja, es ist an einer unauffälligen Stelle.", bemerkte Thomas nachdenklich.
Ich drehte mich wieder zu den beiden.
"Ja, aber meinen Eltern wäre doch was aufgefallen. Meiner Mutter zumindest, mit ihr hab ich drei Jahre in der Brandwüste gelebt."
Meine Stimme klang jetzt höher, verzweifelter, ängstlicher.
"Ich weiß es nicht, aber ich bin mir sicher, dass das jetzt nicht mehr wichtig ist.", versuchte Brenda mich aufzumuntern, was allerdings nicht wirklich klappte.
Trotzdem nickte ich und drehte mich wieder zum Spiegel. Ich sah mich an und meine Laune sackte noch ein Stockwerk tiefer.
Der blaue Fleck unter meinem Auge war kaum noch zu sehen und auch die Platzwunde an meiner Stirn war nur noch ein dünner Kratzer. Keine Ahnung, was Brenda mir da für ein Wundermittel draufgeschmiert hatte, aber es war wohl effektief gewesen.
Doch trotzdem störte mich etwas und das war nichts an meinem Gesicht selber, sondern die Glanzlosigkeit in meinen Augen. Sie waren matt und trüb und bis jetzt hatte ich nicht bemerkt, dass wieder Tränen in ihnen schimmerten.
Warum konnte ich nicht einfach ein normales Leben führen? Wie normale Kinder? In einer normalen Welt? Mit normalen Menschen? Ohne Sonneneruptionen, die die Erde verbrennen. Ohne einen Virus, der die Menschheit langsam aber sicher dahinrafft. Ohne eine bescheuerte Organisation, die behauptet die Menschheit zu retten, aber sich stattdessen einen Spaß daraus macht Jugendliche bis aufs äußerste zu quälen. Ein Leben ohne Liebeskummer. War das denn zu viel verlangt? Ich konnte einfach nicht mehr, ich wollte einfach nicht mehr. Was verlangte man denn von mir? Was musste ich noch alles durchmachen, bis ich endlich meine Ruhe hatte?
Die Hoffnung auf mein Happy-End hatte ich schon in dem Moment aufgegeben, als Newt mir sagte, er habe den Brand, aber war es denn zu viel, wenn man einfach ein ruhiges Leben haben wollte, in dem man nicht täglich um sein Leben und das seiner Freunde kämpfen musste? War das zu viel verlangt?
Offenbar schon, denn bis zu unserem Ende war es noch ein langer Weg. Und den mussten wir erst bestreiten, bevor wir dann endlich,endlich in Frieden leben konnten.
Und trotzdem würde mich das was ich erlebt hatte nie wieder loslassen. Niemals würde ich das Trauma überwinden, dass ich meinen eigenen Vater getötet hatte. Niemals würde ich die Menschen vergessen, die wegen mir ihr Leben ließen. Nie würde ich den Jungen vergessen, der mir nach Jahren des Schmerzes endlich wieder Hoffnung und Sicherheit gab und den ich dann an den Brand verloren hatte. Das allein tat mehr weh, als alles andere zusammen. Dass ich Newt verloren hatte, ihn im Stich gelassen, das würde ich nie vergessen können und das würde mich auch niemals loslassen.
Warum zur Hölle geschah dieser ganze Mist eigentlich? Was hatten wir der Welt nur angetan, dass sie uns so bestrafte?
Auf all diese Fragen gab es keine Antwort. Sicher war nur eins, für ein normales Leben mussten wir verdammt nochmal kämpfen. Und wenn wir dabei draufgingen, dann hatten wir es wenigstens versucht.
Wir mussten kämpfen, für alle die es nicht geschafft hatten. Wir mussten kämpfen.
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