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Verbannt

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Brenda Jorge Gallparga Minho Newt OC (Own Character) Thomas
26.09.2015
01.11.2015
50
80.825
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16.10.2015 1.809
 
Ich spritzte mir eine Ladung eiskaltes Wasser ins Gesucht und richtete mich auf. Mein Blick fiel auf mein Spiegelbild. Vor zwanzig Minuten hatten wir entschieden, Newt aus dem so genannten Crank-Palast zu befreien und seit dem, hatte sich etwas an mir verändert. Meine Augen waren nicht mehr von Trauer und Angst getrübt, sondern blickten mir jetzt entschlossen entgegen. Bis auf mein blaues Auge und die Platzwunde an meiner Stirn, wäre man niemals darauf gekommen, was mir nicht mal einen Tag vorher passiert ist.
Ich holte einmal tief Luft und stieß sie zwischen zusammen gebissenen Zähnen wieder aus. Ich trat einen Schritt vom Waschbecken zurück, warf meine Haare einmal nach vorne und wieder nach hinten und band sie mir zu einem langen Pferdeschwanz zusammen. Die Jeans und die weiße Bluse hatte ich gegen praktischere Kleider eingetauscht. Ich trug jetzt enge aber dehnbare schlammgrüne Hosen, einen dünnen beigen Wollpulli und eine braune Jacke.
Je länger ich hier stand und mich betrachtete, desto mehr Zweifel kamen zurück.
Was wenn wir Newt  nicht finden würden? Was wenn er unter der Gewalt von anderen Cranks steht oder sie ihm etwas antun?
Oder aber, die Frage, die mir am meisten Angst machte, was, wenn er gar nicht mit uns zurück kommen wollte? Würden wir ihn überzeugen können? Würde er uns überhaupt noch erkennen? War er noch er selbst? Würde er sich an alles erinnern können, was passiert ist? An uns? An den Kuss?
Ich hatte in dem Moment furchtbare Angst, was uns erwarten würde, wenn wir ihn finden. Sollten wir ihn überhaupt finden. Ich war mir sicher, dass es mir das Herz brechen würde, wenn es nicht alles so lief, wie wir es planten. Ich wollte Newt nicht verlieren. Ich brauchte ihn.
Plötzlich klopfte es an der Tür zum Badezimmer.
"Alex, wir sind da!", hörte ich Minhos Stimme von der anderen Seite rufen.
Ich schüttelte schnell den Kopf, schaute nochmal in den Spiegel, wobei mein Blick kurz auf die Kette um meinen Hals fiel. Ich wusste nicht warum, aber irgendwie gab mir das wieder neue Motivation. Ich wollte nicht zulassen, dass dem Jungen, den ich liebte, das gleiche widerfahren würde, wie meinen Eltern. Das konnte ich nicht.
Ich versteckte noch schnell eine Pistole, die neben mir auf einem Regal lag,an meinem Hosenbund und zog den Pulli darüber. Dann wandte ich mich vom Spiegel ab und ging zur Tür. Als ich sie öffnete, stand Minho mit einer Hand an der Wand abgestützt davor und wartete ungeduldig.
Als ich rauskam, sah er mich fragend an, doch anders als sonst lag keine Arroganz in seinem Blick.
"Bereit?", fragte er und lächelte ermutigend.
Ich erwiderte es und nickte, dann machten wir uns auf zum Frachtraum, wo Thomas, Jorge und Brenda schon warteten.
"Seid ihr soweit, muchachos?", fragte der Pilot und wir bejahten.
Langsam öffnete sich die Ladeluke und wir verließen das Berk. Vor uns erstreckte sich ein ca 50-100 Meter hoher Pfahlzaun, hinter dem sich wohl der Crank-Palast befinden musste. Nicht weit von uns entfernt öffnete sich ein großes Tor und zwei Männer, mit Granatwerfern bewaffnet, traten hinaus.
"Netter Empfang.", murmelte ich leise, als wir langsam und unauffällig auf die Männer zuliefen. Wir wollten nicht irgendwie komisch rüberkommen, weil die zwei ihre Waffen genau auf uns gerichtet hatten.
"Wer seid ihr?", fragte einer der zwei, als wir fast bei ihnen waren und musterte uns abschätzend. "Ihr seht nicht aus wie diese trotteligen Wissenschaftler, die hier sonst so vorbeischauen und unsere Zeit verplempern."
Jorge übernahm für uns das Reden: "Wir sind unangekündigt hier, muchacho. Wir sind von ANGST und suchen jemanden. Ein Freund von uns wurde gefangen genommen und aus Versehen hier her gebracht. Wir wollen ihn abholen."
Ich biss mir auf die Zunge. Eigendlich wiederstrebte es mir, mich als Mitarbeiterin von ANGST auszugeben, aber ich hielt die Klappe. Das hier war unsere einzige Chance Newt zu finden.
Die Männer wirkten genervt.
"Glaubt ihr, wir geben einen Scheiß darauf, ob ihr für ANGST arbeitet und eure tollen Jobs würden uns ineressieren? Ihr seid nicht die ersten arroganten Trottel, die hier her kommen? Ihr wollt mit Cranks abhängen? Na dann, immer hereinspaziert. Ein besonderer Spaß nach dem was in letzter Zeit hier los war. Umtausch und Rückgabe bei dem Verlust eines Armes sind nicht gestattet."
Ich schaute den Mann verwirrt an. Was in letzter Zeit hier los war? Was meinte er damit? Sofort machte ich mir wieder unendliche Sorgen um Newt. Was wenn er....?
Ich schüttelte den Kopf und vertrieb den Gedanken ganz schnell wieder.
"Was soll das heißen: Was in letzter Zeit hier los war?", sprach Thomas meine eigenen Gedanken aus und ich wartete gespannt auf eine Antwort.
"Es ist einfach nicht gerade ein Paradies hier. Mehr braucht ihr nicht zu wissen.", sagte der Mann, der bisher geschwiegen hatte.
"Von mir aus.", Thomas zuckte die Achseln.
Ich wurde ungeduldig und schob mich zwischen Thomas und Minho hindurch nach vorne.
"Wisst ihr, ob in den letzten ein zwei Tagen neue....", ich zögerte, da es mir wiederstrebte, das Wort Cranks auszusprechen. "Leute hier hingebracht wurden? Werden die Neuzugänge registriert?"
Der größere Mann wandte mir seinen Blick zu, welcher auf meinem blauen Auge zu hängen schien. Ich versuchte es weitgehend zu ignorieren, als der andere sich räusperte und ausspukte.
"Sucht ihr einen Er oder eine Sie?", fragte er.
"Nach einem Er.", antwortete Thomas. "Er heißt Newt. Ist ein bisschen größer als ich, blond, halblange Haare. Er hinkt."
Es versetzte mir einen Stich in der Brust, als ich Newt wieder vor mir sah, wie er mich sanft anlächelte. ich musste ihn wiedersehen!
Der Typ spuckte wieder aus. "Vielleicht weis ich was. Aber wissen und sagen sin zwei paar Schuhe. Ihr Kids seht aus, als hättet ihr jede Menge Zaster. Seid ihr bereit zu teilen?"
Ich sah im Augenwinkel, wie sich Thomas hoffnungsvoll zu Jorge umdrehte, der innerlich zu kochen schien. Hatte er Geld? Oh bitte, lass ihn Geld haben!, betete ich.
Minho stöhnte genervt auf. "Wir haben Geld ihr Neppdeppen. Jetzt sagt uns, wo unser Freund steckt!"
Ich stimmte ihm ausnahmsweise mal zu und richtete meine Augen abwartend auf die beiden Männer.
"Zeigt mir eure Geldkarten. Ich will mindestens tausend oder das Gespräch ist beendet."
Jorge zog eine Karte raus und wedelte damit herum. "Ihr müsst mich erschießen, um daran zu kommen und ohne meine Fingerabdrücke funktioniert sie nicht. Du bekommst dein Geld schon, hermano. Jetzt zeig uns den Weg."
"Na schön.", sagte der größere Mann und trat einen Schritt zur Seite. "Folgt mir."
Er drehte um und ging durch das Tor. Etwas zögernd folgten wir.
Ich sah mich um. Nirgendwo konnte ich eine Menschenseele.....oder zumindest einen Menschen sehen. Es war ein trostloser schmutziger Ort. Überall standen Windschiefe Häuser, bei denen die Fenster eingeworfen waren oder zumindest mit großen Rissen überzogen waren. Die Häuser an sich sahen auch nicht mehr unbedingt sicher aus. An manchen Stellen fehlten ganze Wände der heruntergekommenen Holzhäuser und sie wirkten, als würden sie beim kleinsten Windhauch zusammenbrechen.
Doch am schlimmsten waren die Schatten zwischen den Häusern. Ich fürchtete die ganze Zeit, es könne jeden Moment ein verrückter Crank aus dem Schatten springen und sich auf uns stürzen, weshalb mein Blick die ganze Zeit nervös hin und her zuckte. Ich war in dem Moment unglaublich froh, die Pistole dabei zuhaben. Ich bekam nicht mal mit, was der kleinere Mann am Anfang der Gruppe überhaupt erzählte. Irgendwas über Ringe und Kantinen im Zentrum des Dorfes, aber das wars dann auch schon.
Wir waren etwa eine viertel Stunde gelaufen und schon viel weiter in Richtung Zentrum gelangt und ich war immer noch extrem angespannt. Plötzlich funkelten mich zwischen zwei Häusern zwei wahnsinnige Augen an, ich konnte den Umriss eines kauernden gekrümmten Geschöpfes sehen, dass auf etwas rumnagte, dass eine gruselige Ähnlichkeit zu einem menschlichen Arm hatte und ich sprang vor Schreck einen halben Meter zur Seite, sodass ich mit Brenda zusammenstieß.
"Ist alles Okay?", fragte diese überrascht und ich deutete, immer noch geschockt in die Gasse. Doch das Geschöpf war verschwunden.
"Was zum...?", flüsterte ich und Brenda packte mich sachte am Arm.
"Lass uns lieber weiter gehen.", meinte sie und ich konnte mein eigenes Unbehagen aus ihrer Stimme hören, als wir zu den anderen aufschlossen.
Nach weiteren zehn Minuten hielten die Männer an und wandten sich an uns.
"Zwei Straßen weiter ist das Zentrum. Wir suchen euren Freund, ihr wartet hier und wenn wir zurück kommen, kriegen wir unser Geld."
Wir stimmten zu und kauerten uns dicht zusammen in den Schatten einer Hütte.
Minuten vergingen und kamen mir wie Jahre vor. Wieder kamen die Zweifel in mir hoch. Was, wenn er nicht da war? Würden die Männer ihn finden? Würde er mitkommen?
Je länger wir hier saßen, desto ängstlicher wurde ich. Von dem Zentrum her drangen Schreie zu uns durch, die immer lauter wurden.
"Wo bleiben diese Typen nur?", fragte Minho ungeduldig und im selben Moment kamen die zwei Männer um die nächste Ecke auf uns zu. Gespannt stand ich auf, machte einen Schritt auf sie zu und hielt Ausschau nach Newt. Doch Fehlanzeige....Ich konnte ihn nirgendwo sehen. Enttäuscht verzog ich das Gesicht.
"Was habt ihr herausgefunden?", wollte Minho wissen, der auch aufgestanden war.
Die beiden wirkten unbehaglich und wechselten einen Blick.
"Also, ", begann der größere. "Wir haben einen Jungen gesehen, der auf eur Beschreibung passt und er hat auch reagiert, als wir 'Newt' gerufen haben."
Ein kleiner Hoffnungsschimmer regte sich in mir. Er war hier! Er war hier und zum greifen nah! Ich musste mich wirklich zusammenreißen, damit ich nicht an den Wärtern vorbei ins Zentrum rannte und Newt in die Arme fiel.
Ich sah die Männer abwartend an und der Hoffnungsschimmer verflüchtigte sich wieder, als ich ihre Gesichter sah.
"Aber...", stotterte der größere weiter und meinHerz schien vor Aufregung, Angst und Verzweiflung beinahe auszusetzen.
"Was aber?", drängte ich ungeduldig und die Wärter wechselten nochmal einen Blick.
Jetzt war es der kleinere der weiter sprach: "Er hat gesagt - und zwar mit etwas deutlicheren Worten, wenn ich das hinzufügen darf - wir sollen euch ausrichten, ihr sollt euch verpissen."
Ich schnappte kaum merklich nach Luft und meine Augen senkten sich geschockt Richtung Boden.
Es war genau das eingetreten, wovor ich am meisten Angst hatte.
Wir hatten Newt gefunden. Er war am Leben. Er wollte uns nicht sehen.
Und letzteres tat mir so schrecklich weh, dass mir schwindelig wurde und ich das Gefühl hatte zu fallen. Er wollte uns nicht sehen. Er wollte nicht mitkommen. Er hatte sein Schicksal angenommen und wollte unsere Hilfe nicht.
Er wollte sterben.
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