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Verbannt

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 Slash
Brenda Jorge Gallparga Minho Newt OC (Own Character) Thomas
26.09.2015
01.11.2015
50
80.825
14
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03.10.2015 1.736
 
Ich öffnete flackernd die Augen und musste sie sofort wieder zusammenkneifen, weil mir das gleißende Sonnenlicht bis auf den Sehnerv brannte. Nachdem ich mich langsam an die Helligkeit gewöhnt hatte, versuchte ich mein Glück erneut und schaffte es meine Augen um einen Spalt zu öffnen. Erst sah ich unscharf, doch langsam klärte sich meine Sicht ich konnte meine Augen ganz öffnen und erschrak, als ich schließlich komplett scharf sehen konnte. Plötzlich war mir klar, gegen was, oder besser gesagt wen ich gestern Abend vor dem Einschlafen gestoßen war.
Direkt vor mir lag Newt, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt und seine Augen noch im Schlaf geschlossen.
Ich wollte mich vorsichtig wegrollen, ohne ihn zu wecken, doch ich konnte den Blick nicht von ihm abwenden. Er sah so süß aus wie er da so ruhig und entspannt lag. Seine blonden Haare hingen ihm seitlich über die Stirn und waren vom Schlaf ganz verwuschelt.
Ein Lächeln stahl sich auf meine Lippen und ein angenehmes Kribbeln durchströmte meinen Körper. Plötzlich schlug er die Augen auf, blinzelte kurz gegen das helle Licht an und starrte mich dann erschrocken an. Ich schaute mit dem selben Gesichtsausdruck zurück.
Doch dann legte sich ein breites Grinsen auf Newts Gesicht und seine braunen Augen funkelten belustigt.
"Dir war wohl kalt.", meinte er scherzhaft und seine Stimme klang vom Schlaf noch ganz müde.
Ich spürte, wie mir die Röte in die Wangen stieg, während ich mich zwang den Blick von seinen braunen Augen zu lösen und mich auf zusetzen.
"Ich...also...ich muss wohl im Schlaf etwas zu weit rüber gerollt sein.", stotterte ich und versuchte mich rauszureden. Im Grunde war das ja auch keine Lüge, ich verheimlichte nur, dass ich noch halb wach gewesen war, aber ich wusste ja nicht, dass er es war, gegen den ich gestoßen war. "Tut mir leid."
"Ist schon okay.", lachte Newt und setzte sich auf. "Ich finds schön so aufzuwachen."
Er zwinkerte mir zu und ich zwang mich zu einem peinlich berührten Lächeln und sah ihm in die Augen. Es waren schöne Augen. So warm, freundlich und klar und....Halt! Stopp! Hör auf!, sagte ich mir und schüttelte leicht den Kopf. Was war nur los mit mir?
Ich sah mich um. Die meisten der Lichter schliefen noch. Minho stand an einem Baum und schnitzte an einem langen Stock herum, ich vermutete er wollte sich einen Speer machen, und Jorge und Brenda sprachen etwas abseits leise miteinander.
"Wie gehts deinem Bein?", wollte Newt wissen und riss mich aus meinen Gedanken.
Ja, das war eine gute Frage. Langsam schob ich den Stoff meiner Hose ein wenig hoch, sodass das Loch genau über der Wunde lag und stieß ein überraschtes "Oh." aus, als ich sie sah. Sie sah immer noch tief und böse aus und auch die roten Ränder waren noch zu sehen, allerdings nicht mehr ganz so stark, wie noch am Tag zuvor und der Schnitt sah auch viel sauberer aus. Außerdem waren die Schmerzen nicht mehr so unerträglich, auch wenn sie noch da waren und sich nicht angenehm anfühlten. Clints Beißgras hatte offenbar wahre Wunder bewirkt.
"Besser, würde ich sagen.", antwortete ich nachdem ich die Verletzung gründlich untersucht hatte. "Ich glaub aber ich frag Clint nochmal nach diesem Wundermittel."
Ich versuchte aufzustehen, doch da zeigte sich sofort, dass die Wunde doch noch nicht so gut verheilt war und ich zischte auf und ließ mich wieder auf den Hintern zurückfallen.
Newt neben mir lachte, erhob sich und hielt mir eine Hand hin.
"Ich glaube, so geht das schneller."
Dankbar lächelnd ergriff ich seine Hand und der Blonde zog mich auf die Beine.
"Danke."
Ich schaute mich zwischen den Bäumen um, bis ich Clint gesichtet hatte. Er lehnte an einen Baum in der Nähe von Jorge und Brenda, die Füße angezogen und starrte nachdenklich zu Boden. Gut, das hieß er war wach.
Langsam ging ich auf ihn zu, bis ich genau vor ihm stand.
"Hey, hast du noch was von diesem Zeug?", fragte ich und der Braun-Gelockte zuckte zusammen, da er mich offenbar erst jetzt bemerkte. Erst schaute er etwas verwirrt zu mir hoch, ehe er verstand.
"Achso, ähm, ja, also.....so viel hab ich nicht gefunden. Es ist auch nicht mehr viel da und ich glaub das wird nicht reichen. Wie geht es denn deinem Bein?"
"Naja, besser als gestern, aber die Wirkung von dem Gras lässt langsam nach.", erwiderte ich.
"Oh man, tut mir echt leid Alex, aber ich fürchte das hier wird nicht reichen." Er hob ein kleines Büschel von diesem Beißgras hoch, dass ungefähr aus fünf Halmen bestand und ich stieß enttäuscht die Luft aus.
Na super, jetzt werde ich sie schon wieder aufhalten, dachte ich mir. Vielleicht sollten sie mich einfach hier lassen.
"Vielleicht kann ich dir helfen, hermana.", ertönte plötzlich hinter mir eine Stimme und ich wirbelte herum, wo Jorge stand und mich anlächelte. Seine Augen jedoch konnten den Ernst seiner Worte nicht verbergen.
Ich sah ihn fragend an.
"Das könnte allerdings ziemlich wehtun und eigentlich hätte das früher gemacht werden müssen.", erklärte er und lief auf mich zu.
"Was denn? Viel schlimmer können die Schmerzen ja nicht mehr werden.", meinte ich und sah ihn hoffnungsvoll an.
"Doch, das können sie."

Ich saß an einen Baum gelehnt und übergab Jorge die Packung mit Streichhölzern. Oh man, war ich mir wirklich sicher, dass ich das wollte?
Der Spanier hielt mir einen kurzen daumenbreiten Stock entgegen.
"Draufbeißen.", befahl er und ich tat wie mir geheißen dann wandte er sich an Clint und Newt, die jeweils zu einer Seite neben wir standen und neugierig zusahen. "Haltet sie gut fest." Er stellte sein eines Knie auf meinen unverletzten Oberschenkel und hielt mein anderes Bein mit einer Hand fest am Schienbein gepackt. "Brenda der Stock."
Brenda, die hinter Jorge stand hielt ihm einen Stock hin an dem die Rinde abgeschält war und Jorge zündete ihn an. Eine helle Flamme entfachte an der Spitze und der Mann nahm den Stock.
"Bereit?", fragte er mich und ich nickte und kniff die Augen zusammen.
Ich machte mich auf schreckliche Schmerzen gefasst, doch mit diesem furchtbaren Brennen hatte ich nicht gerechnet und erschrocken riss ich die Augen auf, als Jorge den brennenden Stock tief in meine Wunde drückte.
Ich schrie auf und biss mit aller Kraft auf den Stock, so dass ich ihn schon splittern spürte.
Das Feuer schien mir direkt unter die Haut zu gehen und sich über meinen gesamten Körper zu verteilen. Newt und Clint pressten mit aller Kraft gegen meine Schultern und drückten mich mit dem Rücken gegen den Stamm als ich mich wehrte, während Jorge sein ganzes Gewicht auf meinen Oberschenkel verlagerte.
Mir stiegen die ersten Tränen in die Augen und ich spürte eine meine Wange hinunter kullern, als ich die Augen wieder zusammenkniff. Dann ließ der Schmerz ganz langsam nach, der Druck verschwand aus meiner Wunde und die entsetzliche Hitze verschwand allmählich. Die Jungs ließen meine Schultern los und Jorge nahm sein Knie von meinem Bein.
Ich atmete schwer, spuckte den Stock aus und griff sofort zu meinem Bein.
"Shit, shit, shit, shit, shit! Verdammte Scheiße, tut das weh.", keuchte ich und krümmte meinen Oberkörper, während ich mein linkes Bein an mich ranzog.
"Ich hatte dich vorgewarnt, muchacha.", lachte Jorge und ich warf ihm einen tödlichen Blick zu.
"Wer hätte denn erwartet, dass du mich foltern willst?", zischte ich.
"Na, es hat sich doch gelohnt.", meinte der Spanier und deutete auf mein Bein.
Ich senkte meinen Blick und sah die Wunde an. Sie sah wiederlich aus und geschwärzt von dem Feuer. Auserdem roch es nach verbranntem Fleisch, aber es trat kein Blut mehr aus und dort, wo das Feuer die Wunde ausgebrannt hatte, war eine schwarze Kruste entstanden, die relativ schmutzsicher aussah. Auch wenn es immer noch ziemlich wehtat, musste ich doch zugeben, dass es ganz gut aussah.
"Sieht zumindest mal vielversprechend aus.", meinte ich.
"Wenn es sich infiziert hat, kann ich leider nichts weiter tun, aber so sind jetzt auf jeden Fall weitere Infektionen auszuschließen und der Schmerz sollte in ungefähr einer Stunde nachlassen.", verkündete Jorge und stand auf. "Das Laufen sollte dir auf jeden Fall leichter fallen als gestern."
Ich schaute nochmal zu der Wunde, dann wieder zu Jorge.
"Danke." Ich nickte ihm anerkennend zu und lehnte mich dann zurück an den Stamm, während ich der Sonne dabei zusah, wie sie langsam hinterm Horizont verschwand.
Mittlerweile waren auch die anderen Lichter wach und rotteten sich zusammen. Ich beschloss es ihnen gleich zu tun, erhob mich auf die Füße, wobei ich merkte, dass die Verletzung schon viel weniger Ärger machte, und lief zu den Jungs (und Brenda) rüber.
"Also, wir haben noch drei Tage Zeit und der Weg dürfte nicht mehr all zuweit sein. Wir brechen jetzt auf und wenn die Sonne aufgeht laufen wir trotzdem weiter, bis wir müde werden. Wir sind ja jetzt im Schatten und haben schon genug Zeit verloren.", erklärte Minho unser weiteres Vorgehen und bei den letzten Worten huschten seine Augen kurz zu mir und dann wieder weg. Na super, er ist also der Meinung, ich hätte sie Zeit gekostet. Vielleicht hatte ich das auch, aber dann jetzt auch nicht wirklich soooo viel.
"Also dann, worauf warten wir?", fragte Bratpfanne laut und wir machten uns auf den Weg.
Newt lief neben mir.
"Schaffst du das?", fragte er und ich konnte seinen Blick aus dem Augenwingel sehen.
"Ja. Jorges 'Wärmetherapie' hat wirklich geholfen.", scherzte ich, doch ich meinte es ernst. Hätte er mir die Wunde nicht ausgebrannt, wäre ich sicher nicht weit gekommen. Ich humpelte nur noch leicht und konnte auch wieder alleine laufen. Alles in allem gute Voraussetzungen für eine lange Wanderung.
"Na dann ist ja alles gut. Und wenn es nicht mehr geht, sag mir einfach bescheid.", sagte Newt und wandte seinen Blick wieder nach vorne. Jetzt war ich die die ihn von der Seite ansah und ich lächelte, als ich seinen entschlossenen Blick sah.
Meine Augen richteten sich nach vorne und hefteten sich auf unser Ziel. Hinter die Berge und zum sicheren Hafen.
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