Ein Hoch auf Tracy!

von - Leela -
GeschichteAbenteuer / P12
Eddie Futura Jake Prime Evil Scared Stiff Tracy
24.09.2015
24.09.2015
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Eddy und Tasha hatten indes ganz andere Probleme. Mit Entsetzen hatten sie beobachtet, wie sich der Bananendampfer durch die gefährlichen Stromschnellen arbeitete, an die Felsen schrammte, und knirschende Geräusche den Anschein erweckten, große Löcher in den Rumpf zu schlagen.
      „Ist der Kapitän eingeschlafen?“ keuchte Tasha, kurz bevor sie zurückgeworfen wurde und sich gerade so an der Tür zur Kabine abfangen konnte.
      Eddy hatte sich geistesgegenwärtig an die Reling geklammert und es so geschafft, nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Das hatte zur Folge, daß die Welle, die nun über die Reling schwappte, ihn frontal erwischte, und bis auf die Unterwäsche durchnäßte.
      Es dauerte einen Moment, bis Tasha - die einem glücklichen Zufall zufolge im Schutz der Kabine gar nichts von der Welle abbekommen hatte - registrierte, was gerade passiert war. Dann konnte sie nicht mehr an sich halten, zu lachen, zum einen aus Erleichterung, zum anderen bei dem Bild, das Eddy abgab, als er triefend wie ein begossener Pudel dastand. „Oh mein Gott, es tut mir leid.“ brachte sie hervor, als Eddy ein Schmollen zog.
      Der Ghostbuster wrang gerade mißmutig seinen Anzug aus, so gut es ging. Seine Freundin ging mit einem Lächeln zu ihm herüber, und ehe er begriff, was geschah, legte sie die Arme um ihn und zog ihn zu sich heran. „Du siehst süß aus mit nassen Haaren!“
      Er sah sie perplex an. „Hey, du wirst ja auch ganz naß…“
      „Na und? Das ist ausgleichende Gerechtigkeit.“ behauptete sie und zog die Umarmung etwas fester, um ihn dazu zu animieren, es ihr endlich gleichzutun. „Außerdem verzichte ich nicht auf dich, nur wegen so etwas!“ ergänzte sie mit einem tiefen Blick in seine Augen.
      Etwas unbehaglich und steif ging er darauf ein, als mochte er ihr das nicht antun; als sie sich aber schon an ihn schmiegte, blieb ihm keine andere Wahl mehr. Ihr schien es nichts auszumachen, und so genoß auch er die Geste.
      Als Jake, Futura und Tracy atemlos bei ihnen ankamen, stockten sie verblüfft im Schritt. „Was ist denn hier los…?“
      Verlegen schilderten die beiden, was geschehen war. Noch immer trieften Eddys Klamotten, von seiner Krawatte tropfte es auf den Boden, und sein sonst so wuscheliges Haar klebte ihm in dunklen, braunen Strähnen in der Stirn.
      Tashas Sachen waren mittlerweile auch komplett durchweicht.
      „Sachen zum Wechseln hast du wahrscheinlich nicht dabei, oder?“ erkundigte sich Jake.
      Eddy schüttelte den Kopf.
      Der Teamführer atmete durch. „Wir müssen eigentlich etwas wichtiges besprechen.“
      Tracy deutete auf seinen Rucksack. „Uniform?“
      Eddy grinste. „Das wäre großartig, Trace!“
      Tasha entglitten die Gesichtszüge. „Na toll!“ Die frustrierte Bemerkung hatte sie nicht aufhalten können.
      In dem Moment ging Eddy die unglückliche Situation ebenfalls auf, und sah betroffen drein. Gerade für ihre Loyalität mochte er ihr das gerade nicht antun.
      Jake musterte sie eingehend. „Dir müßte eigentlich meine Uniform passen.“ Er sah sie fragend an.
      „Das würdest du tun?“ fragte sie überrascht.
      „Warum nicht? Das ist die einfachste Lösung!“
      Eddy fing Jakes Blick auf. „Weiß sie, was auf sie zukommt?“
      „Naja, zumindest aus euren Erzählungen…“ räumte Tasha ein.
      „Das kriegt sie schon hin!“ war Jake sich sicher.
      Tracy reagierte sofort und baute die Umkleidekammer auf.
      Tasha atmete durch. Nie hätte sie gedacht, daß sie einmal in den »Genuß« der Umkleidestrecke kommen würde. Sie wechselte einen Blick mit Eddy, und gemeinsam liefen die beiden in den Skelevator.
      Indes nahm Futura Jake beiseite. „Meinst du, daß das so klug ist? Wenn wir es hier mit Prime Evil zu tun haben, wirst du deine Uniform selber brauchen.“
      „Ach, alles was ich benötige, kriege ich auch in meinem Anzug unter! Unsere Dads hatten früher auch keine Uniformen.“ argumentierte Jake.
      Wenig später gesellten sich Eddy und Tasha frisch umgezogen wieder zu ihnen. Jake musterte seine Cousine anerkennend. „Steht dir gut!“
      Auch Tracy betrachtete sie beeindruckt. „Oki Doki!“
      Tasha errötete verlegen. „Danke!“
      „Schaut mal, wir sind wieder in ruhigerem Gewässer!“ fiel Futura auf.
      Tatsächlich hatten sie die gefährlichen Stromschnellen mittlerweile hinter sich gelassen. Die Gruppe atmete kollektiv auf.
      „Hast das Schiff denn Schaden erlitten?“ fragte Jake.
      „Kann ich mir nicht vorstellen!“ sinnierte Futura. „Dann würden wir sinken!“
      Eddy zuckte unwillkürlich zusammen. Tracy nahm das mit besorgter Miene zum Anlaß, einen Check zu machen.
      „Was machen wir jetzt wegen Prime Evil?“ erinnerte Futura.
      „Prime Evil?“ riefen Eddy und Tasha wie aus einem Mund. Das erinnerte die beiden daran, daß das zweite Pärchen noch gar nicht wußte, was auf dem Boot vor sich ging.
      Jake räusperte sich. „Prime Evil steuert das Boot!“
      In die geschockten Mienen von Eddy und Tasha hinein stahl sich ein Lächeln auf die Lippen der Studentin. „Ja, klar!“
      Futura fühlte sich wie in einem Déjà Vu. Gewisse Dinge mußten in der Familie liegen. Sie und ihr Freund zogen mißmutige Mienen. „Leider ist es tatsächlich so.“ erklärte die Dunkelhaarige. „Deswegen wollten wir ja mit euch sprechen!“
      „Wir haben versucht, ihm mit einer Kombination aus Minidematerialisator und Multigem zu dematerialisieren, aber der Führerstand scheint durch ein Kraftfeld geschützt zu sein.“ erklärte Jake weiter.
      Tasha und Eddy schwiegen einen Moment verblüfft. „Aber was macht Prime Evil hier?“ entfuhr es Tasha schließlich.
      Jake machte eine hilflose Geste. „Wenn wir das wüßten!“
      Tasha fing Jakes Blick ein. „Willst du lieber deine Uniform haben…?“
      Doch der Teamführer schüttelte den Kopf. „Gib mir nur bitte mal den Dematerialisator.“
      Die junge Frau griff hinter sich, kramte einen Moment in dem Ghostpack und gab ihrem Cousin die Waffe.
      Jake verstaute den Dematerialisator in seinem Jackett.
      Gerade kam Tracy wieder zu ihnen. „Alles Oki Doki!“ erklärte er zu der Erleichterung der Gruppe. Nichtsdestotrotz blieben viele Fragezeichen…

Die fünf Freunde standen an der Reling des Dampfers, der nun wieder ruhig im Wasser lag, und sahen sich um. Im großen und ganzen sah es hier auch nicht anders aus, als auf ihrer bisherigen Fahrt: An den Ufern zu beiden Seiten säumten grüne Wälder den Fluß und tauchten alles in eine idyllische Atmosphäre. Und doch war etwas anders. Durch die Bäume meinten die Freunde, Geister huschen zu sehen, und einmal waren sie sich sicher, Scared Stiff gesehen zu haben. Die Teammitglieder wußten nicht, ob sie fasziniert oder befremdet sein sollten.
      „Was hat das alles zu bedeuten?“ fragte Tasha in den Raum. „Warum ist Prime Evil hier? Hat er uns noch gar nicht bemerkt? Oder ist das alles Teil eines großen Plans?“
      „Also, wenn ich mir das hier so ansehe…“ Eddy zeigte auf die Seiten des Geisterflußarmes. „… dann ist das alles Berechnung!“
      Jake lief hinter seinen Kameraden, die auf der Reling lehnten, auf und ab. „Die Frage ist doch eher, wie kommen wir Prime Evil bei?“
      „Ich finde die Frage, was er vorhat, schon wichtig!“ setzte Tasha dagegen. „Wir müssen ja wissen, was auf uns zukommt, mal ganz zu schweigen davon, daß wir uns hier in einem Teil der Welt bewegen, der auf keiner Karte verzeichnet ist!“
      Plötzlich begann Tracy aufgeregt auf- und abzuspringen und nach vorne zu zeigen. Als sich die Kameraden wieder der Flußseite zuwandten, sahen sie, was den Gorilla in Aufruhr versetzte: Einige Alligatoren schwammen ihrem Schiff entgegen. Ein Schock wie ein elektrischer Schlag zog sich durch die Körper der Gruppe, als die, zuerst  baumstammgleichen, Leiber aus dem Wasser auftauchten und ihnen ein Duzend Augenpaare entgegensahen.
      Jake fröstelte. Er konnte sich nicht helfen, er meinte, der vorderste Alligator würde sie hämisch angrinsen.
      Jetzt erhoben sich die Alligatoren vollends aus dem Wasser und präsentierten ihre klaffenden Mäuler.
      „Oh mein Gott, was machen wir denn jetzt?“ rief Tasha aufgeschreckt.
      Tracy war bereits in Alarmbereitschaft und scheuchte seine vier menschlichen Kameraden hinter seinen breiten Rücken, was insbesondere Eddy auch gerne annahm.
      „Hey, schaut mal!“ rief Futura plötzlich. „Das sind Geister-Alligatoren!“ Sie zeigte nach vorne, und jetzt erkannten die anderen es auch: Die Körper der mächtigen Tiere schimmerten durch!
      „Das heißt, wir können sie dematerialisieren!“ Jake reagierte sofort, zückte den Dematerialisator und ging nach vorne. Mutig durch das neue Wissen stellte er sich den Tieren mit der Waffe entgegen. Es war ein ungewohnter Anblick, Jake im Dienst in seinem Anzug zu sehen, der Teamchef ließ sich aber gar nicht beirren, nahm den vordersten Geistgator in’s Visier und schoß. Zur Erleichterung aller ging der Plan auf; der Geister-Alligator löste sich in Wohlgefallen auf.
      Nun kamen aber dessen Gefährten in Aktion und stürzten auf das Boot zu.
      Jetzt reagierten auch Eddy, Tracy und Futura. Eddy schnappte sich ebenfalls seinen Dematerialisator, Tracy kämpfte mit Geistergranaten und Futura setzte ihr Multigem ein.
      Tasha stand wie erstarrt. Mittlerweile wurden noch mehr Alligatoren sichtbar, die urplötzlich aus dem Wasser auftauchten.
      Jake  trat zwei Schritte zurück an Tashas Seite. „Das Ghostpack, Tasha!“
      Erst jetzt löste sich die Blonde aus der Starre und kramte zwischen dem Ghostpack-Equipment, bis sie eine Dose zu fassen bekam. Beruhigt stellte sie fest, daß es das Geisterentfernerspray war. Jetzt etwas sicherer schaltete sie sich auch in den Kampf ein und übernahm die Alligatoren, die dem Boot zu nahe kamen.
      Das Zählen hatten alle schnell aufgegeben, doch es mußten um die zwanzig Alligatoren gewesen sein, bis alle erledigt waren und sich das Wasser endlich wieder beruhigte.
      Die Ruhephase begrüßten alle aus dem Team. Tasha steckte das Geisterentfernerspray wieder ein und ärgerte sich über sich selbst. Jetzt trug sie schon Jakes Uniform, und stellte sich trotzdem hilflos wie ein Laie an. Dafür waren ihre Mitstreiter einfach routinierter, versuchte sie, sich zu sagen. Obwohl es stimmte, fühlte sie sich aber nur wenig besser dadurch.
      Futura atmete durch. „Was wohl als nächstes kommt…“
      Jake ließ den Blick aufmerksam über die Umgebung schweifen. Den Dematerialisator hatte er vorsichtshalber einen Moment in der Hand behalten, steckte ihn nun aber wieder in das Jackett.
      „Wir müssen unbedingt Prime Evil erwischen!“ brachte es Futura auf den Punkt. „Wenn er die ganzen Geistererscheinungen hervorruft, kommen wir sonst nie dagegen an!“
      Tasha hielt mit einem Mal elektrisiert inne. „Um Himmels Willen!“ entfuhr es ihr. „Wir dürfen auf keinen Fall etwas gegen Prime Evil unternehmen!“
      Jake und Futura sahen sie an, als hätte sie den Verstand verloren. „Äh, hast du eben nicht zugehört?“ fragte Jake vorsichtig nach.
      „Doch! Und genau das ist der Punkt!“ erklärte Tasha aufgewühlt. „Wenn Prime Evil für das ganze Szenario hier verantwortlich ist, dann ist er auch für diesen Geisterflußarm zuständig! Versteht ihr? Wenn das hier ein Szenario von Prime Evil ist, dann wird das alles verschwinden, wenn wir Prime Evil erledigen, inklusive des Geisterflußarmes! Weiß irgend jemand von euch, wo wir dann landen?“
      Als die letzten Worte ihre Lippen verließen, konnte sie sehen, wie Jake und Futura schauderten.
      „Sie hat Recht!“ bemerkte Tracy.
      „Na großartig!“ murmelte Jake.

Nach den Geisteralligatoren verlief die Fahrt für einen Moment unerwartet ruhig. Nach Tashas durchschlagenden Argumenten waren alle übereingekommen, nichts gegen Prime Evil zu unternehmen, bevor sie mehr über dessen Motive herausgefunden hatten. In der Zwischenzeit versuchten sie, die Fahrt trotzdem weiterhin zu genießen, auch wenn alle ein merkwürdiges Gefühl dabei hatten.
      Eddy und Jake standen gemeinsam an der Reling und schauten über das Wasser. Jake konnte schließlich nicht mehr an sich halten. „Sag‘ mal, Eddy… Kann ich dir mal eine persönliche Frage stellen?“
      Überrascht sah der Fülligere ihn an. „Ja, sicher!“
      Jake spürte, wie er jetzt schon errötete, doch die Frage interessierte ihn auch persönlich. „Als du da so klitschnaß in den Skelevator gelaufen bist und den Anzug gegen die Uniform gewechselt hast… Ich meine…“ Er biß sich auf die Unterlippe, als er versuchte, den richtigen Dreh für seine Frage zu finden. „… ähm… waren deine Shorts da anschließend noch naß?“
      Eddy grinste. „Du wirst lachen, in dem Energienetz werden deine Sachen getrocknet. Die Haare übrigens auch. Keine Sorge, ich bin nicht die ganze Zeit in nassen Boxershorts rumgelaufen!“
      Jake atmete durch. „Das beruhigt mich!“ – ‚Gut zu wissen!‘ fügte er in Gedanken an. Man konnte ja nie wissen, zu welchen Gelegenheiten man das mal brauchen konnte. Er spürte den amüsierten Blick seines Partners auf sich ruhen und wandte sich verlegen wieder der Flußseite zu.
      Tasha hatte sich indessen nach drinnen zurückgezogen und an einen bananendekorierten Tisch gesetzt. Tracy bemerkte es besorgt und setzte sich zu ihr. „Alles Oki Doki?“
      Als sie dem Gorilla in die Augen blickte, wußte sie, daß sie ihm nichts vorzumachen brauchte. Niedergeschlagen wandte sie den Blick wieder auf die bananenübersähte Tischdecke. „Ich werde Jakes Uniform nicht gerecht.“ Sie warf einen Bierdeckel mit dem Aufdruck von »King’s gutem Bananenbier« lustlos von sich. „Ich brauche mir gar nichts vorzumachen. Gegen die Jungs gebe ich ein Bild ab, als wäre ich nichts weiter als eine bessere Praktikantin. Ach was, eine simple Aushilfskraft, allenfalls.“
      Tracy sah die junge Frau erstaunt an. So kannte er die sonst so selbstbewußte Frau gar nicht. Beruhigend legte er einen Arm um sie. „Hast nicht so viel Erfahrung. Ist nur natürlich, daß du nicht so gut bist. Noch nicht.“
      „Ja… Das sehe ich ja auch ein.“ sagte sie müde, während sie sich in Tracys Fell lehnte. „Aber vorhin… Ich wußte ja nicht einmal, was ich tun soll, bis Jake mich auf das Ghostpack aufmerksam gemacht hat. Ich habe einfach dagestanden, das Ghostpack auf meinen Rücken, und ich wußte nicht, was ich tun soll, so als hätte ich heute zum ersten Mal vom Ghostbusting gehört.“
      „Ist nicht dein Spezialgebiet!“ brachte Tracy es auf den Punkt. „Hast dafür andere Qualitäten. Zum Beispiel weißt du viel, wie dein Hinweis über die Zusammenhänge von Prime Evil und das von ihm erschaffene Szenario. War sehr wertvoll!“
      „Das war nicht mehr als Zufall…“ behauptete sie, während sie betrübt vor sich hinsah.
      Tracy sah sie überrascht an. „Geister erforschen ist dein Fachgebiet! Nicht Ghostbusting! Dafür hast du dich entschieden! Und machst deine Sache ebenso gut, wie die Jungs und Futura in ihrem!“
      Tasha sah noch nicht ganz überzeugt aus. „Aber was nützt mir das? Ich meine, du hast Recht, Tracy. Im Grunde halte ich nicht viel vom Ghostbusting, weil ich lieber die Geisterwelt erforschen möchte. Aber manchmal ist es notwendig, das weiß ich auch, und dann möchte ich eine echte Hilfe sein. Und nicht… unnütz.“
      „Möchtest glänzen, vor Eddy, und Jake, hm?“
      Tasha schlug den Gorilla spielerisch frustriert. „Darum geht es gar nicht!“
      „Darum geht es auch!“ ließ ihr Freund nicht locker. „Willst sie beeindrucken.“ Mit einer sanften Geste zwang er sie, ihn anzusehen. „Das tust du! Weder Eddy, noch Jake, noch Futura… noch ich! sind auf die Gefahr aufmerksam geworden, die du erkannt hast! Deine Aufgabe ist nicht das Ghostbusting. Deine Aufgabe ist es, uns auf andere Weise zu schützen. Du bist alles andere als unnütz! Du bist unser Schutzengel.“
      Tasha konnte nicht anders, als zu lächeln und kuschelte sich ein wenig mehr in Tracys Fell. „Danke!“ brachte sie tonlos hervor.
      Hinter ihnen machte Tracy eine Bewegung aus und bemerkte Futura, die sich gerade von der anderen Seite zu ihnen setzte. „Hey, alles okay bei euch?“ fragte sie besorgt.
      „Tasha glaubt, sie sei unnütz.“ erzählte Tracy. Tasha hätte den Gorilla hauen mögen.
      „Was?“ entfuhr es Futura entsetzt. „So ein Blödsinn! Wie kommst du denn auf den Quatsch?“
      „Ach…“ Langsam setzte Tasha sich wieder auf. „Ich hatte vorhin nur den Eindruck, euch bei den Geistergatoren nur im Weg zu sein. Wenn man vier professionelle Ghostbusters um sich herum hat, und selber nicht mal auf die Idee kommt, mal zu gucken, was das Ghostpack hergibt, kommt man sich schon ein bißchen… nutzlos vor.“
      Futura mußte erst einmal vor Überraschung ihre Sprache wiederfinden. „Tasha, was für ein Unsinn! Wir wurden richtig darauf ausgebildet! Du lernst doch etwas ganz anderes, und wir alle sind dankbar, daß du mit deinem Studium sogar in unsere Fachrichtung gehst, und uns so sogar effektiv unterstützen kannst. Mit deinem Wissen übertriffst du uns alle, weil das manchmal viel mehr wert ist, als einen Dematerialisator bedienen zu können! Das ist ein Joker, niemand anderes könnte das.“
      „Das hat Tracy auch schon gesagt…“ Tasha schmunzelte leicht.
      „Siehste,“ bemerkte der Gorilla mit einer kameradschaftlichen Geste. „Ich hatte Recht!“
      „Natürlich hat er Recht!“ bekräftigte Futura. „Und noch etwas…“ fügte sie an, und fing Tashas Blick ernst ein. „Du lernst Geisterwissenschaften. Geister erforschen und Geister schützen. Und ich weiß, daß du das tust, weil du mit voller Seele dahinterstehst. Es ist nicht selbstverständlich, daß du für’s Ghostbusting so viel Toleranz zeigst, mal ganz abgesehen davon, daß wir hier von deiner Familie reden, die es betreibt. Daß du dir so viel Mühe gibst, es selber lernen zu wollen, um uns darin auch noch unterstützen zu können, wenn es notwendig wird, ist etwas, das wir alle dir ganz hoch anrechnen. Insbesondere Jake, das weiß ich. Er weiß, daß es dir manchmal schwerfällt zu akzeptieren, daß wir nicht alle Geister schützen und erforschen können. Daß du es uns nicht ausredest, ist eine Sache. Eine andere, selbst zur Waffe zu greifen. Und allein deswegen hast du meinen ganzen Respekt, und ich denke, ich spreche da für uns alle!“
      Tracy nickte zustimmend.
      Tasha schwieg als sie den Blicken der beiden auswich, doch sie lächelte.
      Futura nahm aufmunternd die Hand ihrer Freundin. „Und jetzt hör auf, dich mit solchem Schwachsinn zu beschäftigen. Es gibt da noch jemanden, der dich braucht und bestimmt schon schmerzlich vermißt.“ Sie zwinkerte Tasha zu und wandte den Blick zur Kabine heraus.
      Tasha folgte ihrem Blick und lächelte. Eddy lehnte noch immer auf dem Geländer am Bug und sah über das Wasser.

Das Gespräch mit Tracy hatte ihr sehr gut getan. Und auch wenn sie den Gorilla am liebsten dem Erdboden gleichgemacht hätte, als er Futura die ganze Misere auch noch erzählt hatte, war sie im Nachhinein nicht ganz undankbar darum, denn auch das Feedback ihrer Freundin war sehr wertvoll für sie gewesen, wichtiger, als sie zuerst gedacht hatte. Sie war nur froh, daß die beiden ihr dabei geholfen hatten, mit sich in’s Reine zu kommen, denn dies war etwas gewesen, womit sie nicht gerne Eddy hätte konfrontieren wollen. Dafür war sie nun zu ihm nach draußen gegangen, und sein strahlendes Lächeln traf sie einmal mehr bis tief in die Seele.
      Das Wasser verlor an Priorität, als er sich ihr zuwandte und ihre Hände nahm. „Hey! Ich habe dich vermißt!“
      Sie lächelte ihn an und legte die Arme um ihn.
      Jake stand etwas abseits und musterte seine Cousine in seiner Uniform, als sie in Umarmung mit Eddy stand. „Das ist jetzt wirklich ungewohnt für mich!“ sinnierte er.
      Und nicht nur ihm ging es so. Insbesondere Eddy konnte ein merkwürdiges Gefühl nicht unterdrücken, als seine Hände auf dem Uniformstoff ruhten. Er versuchte, sein klopfendes Herz zu beruhigen. „Weißt du eigentlich, daß ich im ersten Moment immer erst mal denke, daß es Jake ist, wenn ich dich sehe?“
      „Jake ist größer als ich. Außerdem kann er besser mit dem Dematerialisator umgehen!“ frotzelte sie.
      „Ich meine ja auch nur im ersten Moment! Wegen der Uniform!“
      Sie grinste herzlich. „Schon klar!“
      „Das ist ein ganz komisches Gefühl.“ gestand er.
      Tasha sah ihm seelentief in die Augen. „Und wenn schon!“ erwiderte sie, zog ihn näher zu sich und küßte ihn fast schon demonstrativ.
      In dem Moment konnte er sich gegen ihre Initiative schon gar nicht mehr wehren, schloß die Augen und erwiderte den Kuß sehnsüchtig.
      Futura beobachtete die Szene lächelnd. „Wie gut, daß sie nicht Tracys Fell trägt. Wie merkwürdig müßte das erst für Eddy sein?“
      Hinter sich hörte sie ein neckisch empörtes Wettern. Tracy gab ihr zu verstehen, daß er sein Fell nicht ausleihen würde!
      Jake und Futura lachten herzlich. Der Blonde umfaßte seine Freundin und bemerkte tiefgründig: „Ich hoffe nur, der Anzug überzeugt dich genug, daß du dich nicht noch vertust!“
      Sie sah ihm bedeutungsvoll in die Augen. „Und riskieren, daß ich mich mit Eddy anlege? No way, Sonnyboy!“
      Jake quittierte es mit einem Grinsen.
      Auf einmal schrie Eddy aufgeschreckt auf. Als die anderen seinem Blick folgten, sahen sie, was den jungen Ghostbuster so in Aufruhr versetzte: Sie steuerten direkt auf einen Wasserfall zu, der ein Stück vor ihnen in die Tiefe führte! Den Freunden stockte synchron das Herz.
      „Was machen wir jetzt?“ rief Futura. „Den Wasserfall können wir nicht dematerialisieren!“
      „Tracy, Tracy, Tracy…“
      Der Gorilla stand erstarrt auf dem Deck und überlegte fieberhaft, doch er war wie blockiert. Da halfen auch Jakes panischen Rufe nichts.
      Eddy hatte sich auf den Boden fallen lassen und zu einer zitternden Kugel zusammengerollt, während Tasha hektisch auf dem Deck auf und ablief. „Macht es Sinn, wenn wir in die Kabine gehen?“
      Der Gorilla schüttelte vehement den Kopf. „Kommen da im Zweifel nicht aus!“ Er ließ bereits den Blick ans Ufer schweifen als suche er nach einer Möglichkeit, an Land zu kommen.
      „Zu spät…“ hauchte Futura. Sie waren dem Wasserfall zu nah, und wurden nun von der Strömung zu einer rasanten Fahrt erfaßt, die das Boot immer schneller werden ließ.
      Als das Boot kippte, schreckte ein kollektiver Schrei die Vögel in der Umgebung auf. Der Fall dauerte nur ein paar Sekunden lang, bis das Boot das Ende des Wasserfalles erreicht hatte.
      Wasser brach über dem Schiff herein und drohte, es in die Tiefe zu ziehen. Das Boot drehte sich, und die fünf Gäste stellten sich drauf ein, daß das das Ende war. Nach einem Moment jedoch beruhigte sich die Lage, und der Dampfer lag wieder waagerecht auf dem Wasser.
      Tracy stand auf und schimpfte. Sein ganzes Fell war durchnäßt.
      So wie ihm ging es auch den anderen, doch jeder von ihnen war erst mal froh, daß er lebte.
      „Großartig!“ fluchte Jake. Diesmal stand er wie ein begossener Pudel an Deck, während es aus allen Fasern seines Anzuges tropfte.
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