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Offene Rechnungen

von Aprilluna
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Alexander Mahler Fritz Munro Josephine Klick Karl Amann OC (Own Character)
24.09.2015
28.02.2016
14
20.396
4
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25.09.2015 897
 
„Wenn das mal nicht unsere Finnin ist“, stellte Fritz mit gedämpfter Stimme fest.
„Hallo!“, grüßte Anna. „Heute Liebe machen?“
Die kräftige Blondine lachte Fritz mit großen, unschuldigen Augen an. Der hatte mit erfahrenem Blick schnell den Raum abgescannt, konnte jedoch nichts Verdächtiges sehen. „Nein, auch heute keine Liebe machen! Was machen Sie hier noch? Ist doch alles aufgeräumt!“ Fritz wusste nicht warum, aber irgendetwas machte ihn hier misstrauisch.
„Ich hatte Durrrst! Auch ein Bierrr?“
Warum nicht, dachte Fritz. An Schlafen war für ihn im Moment sowieso nicht zu denken. In seinem Kopf herrschte ein fürchterliches Gedankenwirrwarr, also warum dann nicht mit einer Finnin in einer lauen Sommernacht ein Bier trinken?!
„Nach draußen?“, fragte Fritz mit einem Kopfnicken in die entsprechende Richtung.
„Soooo?“ Anna drohten beinahe ihre Augen aus ihrem Kopf zu kugeln, hatte sie doch nur ihren rosa Bademantel über ihr Nachthemd geworfen.
„Klar, außer uns ist hier niemand!“ Die Kleinigkeit des polizeilichen Aufgebots rings um den Hof ließ er großzügigerweise unerwähnt.
„Und die Polizei passt auf!“ Kumpelhaft hakte sie Fritz unter und verließ mit ihm und den zwei Flaschen Bier die Küche.
„Wie soll ich das ver…?“ Fritz blieb abrupt stehen, konnte seine Frage jedoch nicht zu Ende formulieren, denn er sah in diesem Moment genau in die Mündung einer auf ihn gerichteten Pistole.
„OK! Hände hinter den Kopf und auf den Bauch legen!“, hörte er Josephine brüllen. Die hatte in ihrem Schlafzimmer gemeint, von unten Stimmen gehört zu haben. Sie hatte sich nur ihre Jacke übergeworfen und war mit ihrer gezogenen Dienstwaffe leise hinunter geschlichen. Da mittlerweile draußen Dunkelheit herrschte, die nur von dem sanften Mondlicht etwas erhellt wurde, und in der Wohnung kein Licht brannte, hatte sie keine Ahnung von wem die gedämpften Stimmen kamen.
„Josephine, ich bin es nur“, sagte Fritz ruhig und tastete nach dem Lichtschalter.
„Fritz?“
„Ja doch, könntest du jetzt bitte deine Waffe wieder runter nehmen?“
„Was in aller Welt tust hier im Dunkeln? Und mit wem redest du? Oder … ach, ist auch egal!“ Unwirsch wandte sie sich ab, nachdem sie erkannt hatte, dass Anna an seinem Arm hing.
„Anna und ich wollten draußen noch ein Bier trinken. Vielleicht … ich meine … hast du Lust, mitzukommen … Josephine?“ Ganz leise sprach er nach kurzem innehalten ihren Namen aus.
„Na ja, schlafen kann ich eh nicht.“ Etwas in Fritz‘ Stimme ließ sie aufhorchen. Es war eine sonderbare Mischung aus Unsicherheit, Bitte und Warnung zugleich, weshalb sie sofort auf seine Frage eingegangen war und schnell in die Küche verschwand, um sich auch ein Bier zu holen.
„Sicher, dass ihr nicht Liebe machen wollt?“ Verschwörerisch kniff Anna Fritz in den Arm. Durch Josephines schnelle Rückkehr blieb die Frage jedoch unbeantwortet.
„Na dann, Kippis!“
„Kippis!“
„Kip was?“
„Kippis, ist Prrrrost auf finnisch“, klärte Anna den Kommissar auf, indem sie das R noch mehr rollte, als sie es ohnehin tat.

„Sag mal, wollte Viktor nicht heute zurück sein?“, fragte Fritz zu Josephine gewandt.
„Ja, eigentlich schon, aber er ist aufgehalten worden.“
„Weshalb?“
„Keine Ahnung, hab heute Mittag nur ne SMS von ihm bekommen! Warum fragst du?“ Josephine sah darin noch kein Problem. Der Hof war versorgt und sonst wartete hier niemand auf ihn, warum sollte er nicht noch einen Tag dranhängen?!
„Nur so“, antwortete Fritz möglichst gleichgültig. Das Ganze wurde irgendwie immer merkwürdiger. Als sie vorhin gekommen waren, war von Anna nichts zu sehen. Erst vorhin in der Küche stand sie plötzlich wie selbstverständlich in diesem scheußlichen Morgenmantel vor ihm. Und jetzt auch noch das unerklärliche Ausbleiben von Viktor, der sich nur mit einer SMS bei Josephine gemeldet hatte. Diese Nacht würde er wohl kaum Schlaf finden. Hoffentlich war bei Ben noch alles in Ordnung. Ob er … „Entschuldigt mich, ich muss mal telefonieren!“ Mit einem Zug trank er seine Flasche leer und sprang die wenigen Stufen nach unten in den Hof. Als er nicht mal eine Minute später zurückkam, war er wieder viel ruhiger. „Alles in Ordnung. Wo ist Anna?“
„Die wollte noch mal Bier für alle holen. Wen hast du angerufen?“ Das Verhalten ihres Kollegen irritierte sie immer mehr.
„Meine Ex … du entschuldigst mich?“ Ohne auf Antwort zu warten war Fritz dieses Mal die wenigen Stufen nach oben gesprungen und leise in der Wohnung verschwunden. Was er hörte, setzte ihn wieder in höchste Alarmbereitschaft. Leise ging er wieder nach draußen und setzte sich dichter an Josephine, als ihr lieb war. Sein Geruch weckte Erinnerungen, die sie lieber verdrängen wollte. Als er noch seinen Arm um sie legte genau in dem Moment, in dem Anna kurz darauf oben im Türrahmen erschien, zischte sie ein empörtes: „Fritz, was soll das?“
„Schscht, ich glaube, mit Anna stimmt was nicht.“ Fritz‘ heißer Atem strich über ihr Gesicht und ließ Josephine einen wohligen Schauer über den Rücken rieseln.
„Was?“ Entsetzt riss Josephine ihre Augen auf.
„Wir müssen sie in Sicherheit wiegen. Vertraust du mir?“ Unerwartet zärtlich legte er einen Finger unter ihr Kinn, um ihr unbemerkt einen beschwörenden Blick zuwerfen zu können. Josephine nickte nur stumm. „Also, hör zu! Als ich ihr eben gefolgt bin, hat sie mit irgendjemandem leise in einer anderen Sprache telefoniert. Ich sag dir, da stinkt irgendwas gewaltig zum Himmel. Irgendwie müssen wir an ihr Handy kommen. Wenn wir ihr die Verliebten vorspielen, wird sie vielleicht unaufmerksam.“
Da Anna jetzt mit dem kalten Bier bei ihnen war, blieb keine Zeit für weitere Erklärungen, lediglich sein Arm blieb um Josephine gelegt, die sich spürbar versteift hatte.
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