Offene Rechnungen

von Aprilluna
GeschichteKrimi, Romanze / P18
Alexander Mahler Fritz Munro Josephine Klick Karl Amann OC (Own Character)
24.09.2015
28.02.2016
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24.09.2015 1.129
 
„Was ist denn los?“ Die junge Kommissarin war sofort, nachdem sie die Pferde in ihren Boxen untergebracht hatte, mit dem Taxi zurück auf das Revier gerast, wo ihre Kollegen ihr jetzt mit alarmierten Mienen entgegenblickten. Wortlos hielt Fritz ihr eines der per fax gesendeten Bilder entgegen. Bleich betrachtete sie das Bild von sich und Fritz und las den abgeänderten roten Schriftzug:

„Ihr müsst beide noch bezahlen!“

„Erst nur ich und jetzt wir beide? … Verdammt! … Wer…“
Josephine war jetzt völlig auf Fritz fixiert und der auf sie. Im selben Moment riefen beide plötzlich gleichzeitig: „Bremer! Das muss irgendwie mit Bremer zusammenhängen!“
Patrick sah die beiden Kommissare trotz der bedrohlichen Situation amüsiert an: „Habt ihr das einstudiert?“
„Klappe!“, antworteten Fritz und Josephine ein weiteres Mal unisono, was Patrick zum geordneten Rückzug bewog.
„Wir müssen Bremers Familie und Freunde checken!“, begann Josephine jetzt bis unter die Haarspitzen konzentriert.
„Und wir müssen den Absender zurück verfolgen!“, ergänzte Fritz.
„Was, wenn die an die Pferde gehen? Ich muss sofort auf den Hof zurück!“
„Wir müssen auf jeden Fall den Hof beobachten lassen! Und ….“ Fritz kam mit seinen Ausführungen nicht weiter, denn in diesem Augenblick platzte Alex herein. „Sorry, ging nicht schneller! Was wissen wir bis jetzt?“
„Nur das!“ Fritz nahm das oberste Blatt aus dem Stapel der Fotos und reichte es seinem Kollegen.
„OK“, sagte Alex schließlich ruhig, „Bielefeld, du bekommst jetzt Polizeischutz, ob du willst oder nicht. Fritz, du kommst am besten für eine Weile zu uns! Wo steckt eigentlich Patrick?“
„Der organisiert gerade alles. Der Hof wird ab sofort rund um die Uhr überwacht. Wir sind nämlich genau wie du auch von der Polizei und wissen, was zu tun ist“, erklärte Fritz gereizt.
Fritz war trotz des ganzen Chaos‘ von Gefühlen und Bedrohung aufgefallen, dass Alex während der letzten Tage sich ziemlich eigenartig benahm. Zudem war Fritz auch noch ziemlich sauer, dass er sich von seinem Freund zu seiner fatalen Bemerkung über die gemeinsame Nacht mit Bielefeld so hat hinreißen lassen. Auf wen er jetzt wütender war, Alex oder sich selbst, darüber konnte er später noch nachdenken. Über eines aber war er sich völlig im Klaren: „Auf gar keinen Fall werde ich bei euch einziehen. Das wäre viel zu gefährlich für die Kinder und deine Frau.“ Beinahe zufrieden über seine gute Ausrede, deren Wahrheitsgehalt sein Freund kaum bestreiten konnte, sah er Alex an.
„Aber allein kannst du auch nicht bleiben. Wie stellst du dir das also vor?“ Alex sah Fritz genervt an.
„Ich gehe mit auf den Hof und unterstütze die Kollegen“, antwortete Fritz ohne zu überlegen. Mit einem provokanten Gesichtsausdruck schob er seine Kollegin entschlossen nach draußen. „Lass uns gehen, Bielefeld!“
Die ließ sich zwar überrascht von der Entwicklung nach draußen schieben, drehte sich draußen aber erbost um. „Und wo willst du schlafen? Im Stall?“ Der Stachel der Enttäuschung über sein Verhalten saß noch tief.
„Irgendwann werden wir darüber reden. Jetzt gibt es aber wichtigeres zu tun. Also, entweder fährst du jetzt mit mir zurück oder du rufst dir wieder ein Taxi.“ Fritz hatte sich völlig unter Kontrolle und wollte sich unter keinen Umständen ein weiteres Mal von ihr aus der Ruhe bringen lassen.
„Das ist mein Auto!“, fauchte Josephine ihn jetzt an. Seine Ruhe wirkte auf sie alles andere als beruhigend.
„Ja, aber ich hab die Schlüssel! Also, schwing deine Hufe!“ Fritz klimperte mit den Schlüsseln und ließ sie einfach stehen.
Der Kommissarin blieb nichts anderes übrig, als ihm zu folgen.

Als sie auf dem Hof angekommen waren, war die Dämmerung bereits hereingebrochen. Fritz parkte den roten Pick-Up und wollte gerade aussteigen, als Josephine ihn zurückhielt.
„Das Tor zum Stall, das hab ich zugemacht, bevor ich nachgekommen bin“, flüsterte sie.
„Bist du ganz sicher?“
„Ja!“ Wenn sie sich momentan in wenigen Dingen sicher war, hier irrte sie sich nicht.
Leise öffneten sie die Wagentüren und schlichen mit gezogenen Waffen zum Stall. Über Kopfnicken verständigten sie sich, dass jeder eine Seite des Stalls einsehen sollte. Außer den üblichen Geräuschen war jedoch nichts zu hören und trotz der Dämmerung konnte der Stall auch noch gut eingesehen werden. Alles schien unauffällig! Auch die Pferde standen ruhig in ihren Boxen, alle bis auf eines! Als Josephine Wotans Box erreichte, entfuhr ihr ein Aufschrei des Entsetzens. Überall war Blut.
„Ihr müsst beide noch bezahlen!“ stand in roten Buchstaben an der Wand der Pferdebox. Ein Bein ihres Pferdes war sauber verbunden, von dem Täter keine Spur.
„Irgendjemand weiß genau, wann ich hier bin und wann nicht“, krächzte Josephine, bevor ihr die Stimme endgültig zu versagen drohte.
„Verdammt, wenn die das wissen, wissen die auch, wo ich bin. Wer weiß, was die noch alles wissen. … Oh Gott, Ben!“ Nun wurde auch Fritz bleich. „Verdammt, wo bleibt denn die Kavallerie, wenn man sie braucht!“ Nervös zog er sein Handy hervor. „Patrick! Du musst sofort jemanden zu meiner Ex schicken!“ Hastig erklärte Fritz dem Jungkommissar, was geschehen war. „Nein, ich fahre nicht zu meinem Sohn. So würde ich nur die Spur auf ihn lenken, falls die das nicht eh schon wissen. Ich bleibe heute Nacht hier! Aber die Jungs vom Personenschutz sollen verdammt noch mal ihren Arsch ein bisschen zackig in Bewegung setzen! Ist das klar!“ Fritz brüllte jetzt so laut, dass auch die Pferde unruhig wurden, während Josephine ihren Wotan mit zittrigen Händen nach weiteren Verletzungen absuchte.
„Hey, das wird schon alles“, flüsterte Fritz hinter ihr, der sich nur mühsam beruhigen konnte.
„Kannst du mich mal in den Arm nehmen?“, bat Josephine Fritz, der bereits dicht hinter sie getreten war. Im gleichen Augenblick fühlte sie sich auch schon von zwei starken Armen umschlungen. „Danke!“, hauchte sie. Als die Personenschützer und die Spusi kamen, hatten beide sich wieder im Griff. Nach einer Erklärung, wie sie alles vorgefunden hatten, überließen sie aber das weitere Vorgehen den Kollegen.

Unsicher öffnete Josephine die Wohnungstür und sah sich nervös um. Doch nichts ließ auf ein fremdes Eindringen schließen. Als die Tür ins Schloss fiel, zuckte sie aber unwillkürlich zusammen. Ihre Nerven waren gespannt wie Drahtseile, was auch ihrem Kollegen nicht entgehen konnte. „Heute Nacht sollten wir sicher sein“, beruhigte er sie. „Ich bleibe aber trotzdem hier … auf dem Sofa.“ Fritz schien sehr entschlossen.
„Aber…“
„Herrje, Bielefeld, jetzt stell dich nicht so an. Wenn ich nach Hause gehe, muss da ein weiterer Personenschutz aufkreuzen, wenn ich zu Alex gehe auch und dort würde ich außerdem noch seine Familie in Gefahr bringen. Und hier ist der Personenschutz eh, also …“
Da der Kommissarin kein vernünftiges Argument dagegen einfiel, fügte sie sich teils widerwillig, aber auch mit einem Hauch von Erleichterung, und brachte mit einem Blick, der die Hölle hätte einfrieren können, ein Kissen und eine Decke. „Gute Nacht, Fritz!“
„Gute Nacht, Bielefeld!“ Traurig und besorgt sah er ihr nach, wie sie nach oben verschwand, als er plötzlich ein Geräusch aus der Küche vernahm.
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