Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die Suche des Alrik Silberbraue

von Bersy
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
23.09.2015
27.09.2015
2
2.274
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
23.09.2015 1.429
 
Der Anblick nahm mir wie jedes Mal den Atem. Immer, wenn ich in die Säulenhalle von Karaz-a-Karak betrat, erfüllte mich der Stolz, demselben Volk anzugehören, welches diese architektonische Meisterleistung vollbrachte. Ich hätte Stunden, nein Tage, damit verbringen können, mir die einzelnen Säulen, Reliefs und Ornamente anzusehen. Aber mir fiel wieder der Grund ein, weshalb ich überhaupt hier war, in diesem beispiellosen Monument zwergischer Baukunst. Der Hochkönig der Zwerge, Thorgrimm Grollbart höchstselbst, hatte mich vorgeladen.

Schon auf dem Weg zum Thronsaal des ersten aller Zwerge zermarterte ich mir den Kopf, welchem Umstand ich dieses Vergnügen zu verdanken hatte. Hatte ich bei meiner Arbeit als Runenschmied für den Heerbann Karaz-a-Karaks minderwertige Arbeit geleistet? Eifrig musterte ich die Ausrüstung einiger Hammerträger, die ich als meine eigenen Werke wiedererkannte, und suchte sie nach Fehlern ab. Halt, Alrik! sagte ich zu mir selbst. Meister Boreck sagte stets, dass man Vertrauen in seine eigene Arbeit haben muss. Und außerdem wärst du sicher nicht einer der jüngsten Runenmeister in der Geschichte der Dawi, wenn du minderwertige Ware herstellen würdest. War ich vielleicht bei meinen privaten Nachforschungen auf etwas gestoßen, auf das ich nicht hätte stoßen dürfen? Hatte ich unbeabsichtigt ein Geheimnis aufgedeckt, was mich all meine Ehre und Besitztümer kosten würde? Ich wusste, dieser Tag würde kommen, aber so früh? Und vor allem was sollte ich entdeckt haben? Schließlich hatte ich nur Zugang zu Dokumenten, die jedem anderen Zwerg auch offenstehen.    

Schließlich trat ich vor die Stufen, die zum Thron hinaufführten und fiel auf die Knie. „Erhebt euch, Alrik vom Klan der Silberbrauen.“ Als diese Worte den ganzen Raum erfüllten, spürte ich auch die Autorität, die in ihnen mitschwang. Ich sah in die Augen des Hochkönigs und meine Anspannung fiel ab, da ich zumindest keine negativen Regungen in seinen Augen sah. „Wie kann ich euch dienen, Hochkönig?“ fragte ich, und ich hörte immer noch einen Rest Nervosität in meiner Stimme. „Nun, Alrik.“ hob König Thorgrimm an, “Ihr habt mir und dem Karaz Ankor stets gute Dienste geleistet mit eurer Arbeit an dem Amboss. Davon abgesehen verfolge ich auch eure… nennen wir es Freizeitbeschäftigung mit Interesse.“ Ja, meine Nebenbeschäftigung. Ich bin zwar mit Leib und Seele Runenschmied, wie mein Großonkel und Meister Boreck, so folge ich trotzdem dem Vermächtnis des Silberbrauenklans, auch wenn ich das letzte lebende Mitglied bin. Ich beschäftige mich seit jeher neben dem Schmieden mächtiger Runen mit historischen Ereignissen und der Bergung magischer Artefakte, wenn auch bisher mit mäßigem Erfolg. Thorgrimm fuhr fort: “Daher entbinde ich euch ehrenhaft von euren Pflichten als Runenschmied und biete daher folgenden Auftrag: Ich wünsche, dass ihr das Imperium, Bretonia, Kislev und von mir aus auch Norsca nach Artefakten und Hinweisen auf falsche Aufzeichnungen über unsere vergangenen Kriege durchkämmt, aber auch um nach Möglichkeiten zu suchen, die uns Vorteile im Krieg gegen die verfluchten Grünhäute, Skaven oder sogar das Chaos verschaffen. Euch vom Silberbrauenklan ist nämlich eine Eigenschaft zu Eigen, die kein anderer Dawi, nicht einmal ich, besitze: Objektivität. Ihr seid damit in meinen Augen am besten für diese Aufgabe geeignet. Nehmt ihr den Auftrag an?“ Ich ignorierte die Tatsache, dass sein Tonfall zweifelsfrei keinen Widerspruch duldete, beugte sofort das Knie und rief entschlossen wie nie: „Bei meinem Namen, Hochkönig!“  Ein schmales Lächeln umspielte die Lippen des Königs aller Zwerge. „Erhebt euch wieder. Ich möchte euch noch jemanden vorstellen. Borri! Karg! Antreten!“

Aus den Schatten zu meinen Seiten traten zwei Gestalten, die zweifellos erfahrene und ernstzunehmende Krieger waren. Der Eine ganz in Gromril gerüstet, der andere mit einem passablen Kettenhemd, mit einer Armbrust auf dem Rücken und einer schweren Axt auf der Schulter liegend. Wortlos knieten sie vor mir nieder. Als ich fraglos zum Hochkönig aufblickte, lächelte er wieder und stellte mir die beiden als Eisenbart Borri und Schützenmeister Karg vor. Sie und ihre Einheiten würden mich als meine Leibwache begleiten und mich um jeden Preis beschützen. „Steht auf, Jungs.“ Befahl ich freundlich. „Ich erwarte euch beide morgen Abend in meinem Heim um die weiteren Details zu klären. Vielen Dank für diese Chance, Hochkönig.“ Ich nickte meinen neuen Leibwächtern zu und verließ die Halle.          


Ich ging immer noch ein wenig benommen durch die unterirdischen Straßen der Wehrstadt. Ich kann das Vermächtnis meines Klans bewahren, auch wenn meine Blutlinie mit mir zusammen dahin scheiden sollte, so wäre bei einem Erfolg meinerseits unser Name für alle Ewigkeit in die Annalen der Geschichte eingraviert. Ruhig, Alrik! Geduld ist auch eine Kunst, die nicht viele Zwerge besitzen, ich muss es langsam und methodisch angehen. Darüber hinaus muss ich meine ersten Schritte und Ziele planen und auch eine Ausrüstung zu schmieden wäre nicht verkehrt. Aber das sollte ich lieber morgen machen. Ich sah auf meinen Chronometer und brummte nachdenklich. Ich glaube ich gehe noch auf ein Starkbier in die Schenke, zu meinen jetzt wohl ehemaligen Kollegen aus der Runenschmiede.

Wie einem Ritual gleich stand ich wie jedes Mal vor der Taverne, las den Namen, seufzte und schüttelte den Kopf. Unsere Vorfahren haben den Krieg der Vergeltung faktisch gewonnen, kein Grund für uns darauf herumzureiten. Aber so sind wir Zwerge nun einmal. Sehr nachtragend und Stolz auf die Taten unseres Volkes. So trat ich in den ‚Spitzohrspalter‘ und sah sofort unseren Stammtisch. Ich ging zwar hin, zögerte aber mich zu setzen, immerhin war dieser Tisch „nur für die Runenmeister des Hochkönigs“, was ich nun einmal nicht mehr war. Lunn musterte mich und meinte: “Was ist denn nun los, Alrik? Du hattest eine Vorladung bei Thorgrimm höchstpersönlich und wir sterben hier vor Neugier. Außerdem ist dieser Tisch nur für die vier Runenmeister des Hochkönigs, du wirst schon niemandem den Platz wegnehmen.“ Ich ließ mich auf dem Stuhl nieder und meinte ein wenig lustlos: “Drei. Thorgrimm hat nur noch drei Runenmeister in seinem Dienst.“ Gotreks Augen weiteten sich vor Schreck: „Was?! Hat er es heraus gefunden? Ich wollte das nicht! Ihr kennt mich doch. Ich würde so etwas nie tun, es ging alles von ihr aus, ihr glaubt mir doch, oder? ODER?“ „Schnauze, Gotreck!“ brüllte Ralof, weshalb sich jeder im Lokal zu uns umdrehte. Nachdem wir sämtliche Gäste zu dritt nieder gestarrt hatten, schwoll die Lautstärke wieder auf das übliche Niveau an.
„Ich nehme an, du bist nicht mehr im Dienste des Königs?“ fragte mich Lunn. „In der Tat. Aber es ist nicht wie ihr vielleicht denkt. Ich bin ehrenhaft entlassen, und habe die Mission, die Welt der Menschen nach Artefakten abzusuchen, die uns gegen das Chaos behilflich sein sollen.“ Das Erstaunen der drei war glasklar in den Augen zu erkennen, Ralof stieß sogar ein anerkennendes Pfeifen aus. „Und… und wie bezahlst du das alles?“ stotterte Gotrek nach einer Weile. Wie aufs Stichwort tippte mir jemand auf die Schulter. Ich drehte mich um und erblickte einen jungen Hammerträger. Er war fast noch ein Bartling, und da er sehr unsicher war nehme ich an, dass er nur auf Grund seines Namens oder einer großzügigen Schenkung bei der Leibwache des Königs angenommen wurde. Da er aber sowieso nur Botengänge macht, braucht man sich wohl keine Sorgen um ihn machen. Er reicht mir einen Umschlag. „Das… äh… König Grollbart überreicht euch hiermit euer…  ähm…  das Geld zur Vorbereitung eures Auftrages. Bei eurer Abreise erhalte ihr noch einmal denselben Betrag.  Auf Wiedersehen.“ Stammelt er und macht sich schleunigst davon. Ralof zieht an seiner Pfeife und sagt leise: „Diese Rüstung ist mein Werk, eine Schande, dass sie an so einen Flaumbart verschwendet wird.“ „Willst du gar nicht in den Umschlag schauen?“ fragt Lunn mich neugierig. „Mach ich gleich, vorher möchte ich aber wissen, was du über Eisenbart Borri und Schützenmeister Karg weißt?“ Lunn überlegt kurz:“ Also Borri hat mit seinen neun Brüdern Berühmtheit erlangt, als sie das Osttor der unteren Ebenen gegen eine Vielzahl Skaven verteidigt und das Tor befestigt hatten und Karg ist ehemaliger Grenzläufer, der Armbrustschützen ausbildet, seitdem er ein Auge verloren hat. Er hat aber wohl wieder ein Regiment, welches er anführt, das besteht aber fast komplett aus Bartlingen. Und nun Umschlag auf!“
Ich öffnete den Umschlag, sah den Betrag und lachte einfach los. Laut und lange. Somit waren die Augen des gesamten Lokals wieder auf uns gerichtet. Ungeachtet dessen steckte ich den Umschlag zurück in meinen Mantel. Lunn, Gotrek und Ralof sahen mich erwartungsvoll an. „Ihr wisst, was eine Runengromrilrüstung von Ralof kostet?“ Die drei nickten. „Ich kann mich und meine zehn Eisenbrecher damit ausrüsten und hätte immer noch genug Gold für einen deiner Hämmer, Lunn, und einen Schutzring  erster Güte von Gotrek. Na, hat es euch die Sprache verschlagen? He, Schankmaid! Eine Runde Bugman´s Trollbock! Die Runde geht auf mich!“
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast