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Das Auge des Teufels

GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P12
Krabat Lyschko OC (Own Character)
23.09.2015
18.11.2019
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11.11.2015 1.582
 
Arm in Arm liefen Krabat und die Kantorka den Weg lang nach Schwarzkollm. Vor ihnen war das Lachen und Grölen der Müllerburschen zu hören und hinter ihnen, weit in der Ferne, vernahm man noch das leise Knistern der brennenden Mühle. Und das alles dank der Kantorka. Sie hatte heute alle gerettet.
Verzweifelt versuchte Krabat den Gesprächsfaden aufzunehmen. Es bestand kein Zweifel mehr, dass sie sich wahrlich liebten, doch kennen taten sie sich noch lange nicht. „Also...“ Er überlegte. Es gab so viel was er die Kantorka fragen wollte. „Wie ist eigentlich dein Name?“ „Madlenka.“ „Ein sehr schöner Name und wie alt bist du?“ „Hmmmmm...“ sie schien zu überlegen, was ziemlich merkwürdig war. Wusste sie nicht wie alt sie ist? „Sag du dein Alter als erstes.“ „Warum das denn?“ Krabat war verwirrt. „Ich wollte schon die ganze Zeit über wissen wie alt genau du bist. Bis jetzt konnte ich ja nur schätzen. Meine Freundeninnen waren auch keine große Hilfe. Da ich ihnen nicht sagen wollte, haben sie mich geneckt, dass du bestimmt ein Mann im mittleren Alter bist.“ Sie kicherte kurz und schaute dann hoch zu Krabat, der sie bereits entschuldigend anschaute. „Natürlich meinten sie es nicht ernst.“ „Du hättest mich einfach fragen können.“ Sie schüttelte den Kopf. „Ich konnte spühren, dass du mir Dinge verheimlichst und wollte dich nicht mit Fragen belästigen. Ich habe dir einfach vertraut...“
Krabat konnte fühlen, wie Madlenkas Worte sein Herz erwärmten. Sie einfach so verständnisvoll und gutmütig. Womit hatte er ein so wunderfalles Mädchen wie sie verdient? „Na dann wollen wir das Geheimnis mal lüften. Ich bin 23 Jahre alt.“ „Ups“ war das einzige was Madlenka dazu sagte. „Was heißt hier ups, bist du etwa älter?“ „Nein, im Gegenteil, ich bin 17 und habe dich auf höchstens 20 geschätzt.“
Sie fing zu kichern an, als Krabat nichts antwortete. „Meine Güte, nimm es doch nicht so schwer. Immerhin habe ich dich nicht älter geschätzt, das wäre peinlich gewesen! Sieh es als Kompliment“ Nun musste auch Krabat lachen. „Dann sehe ich ja doch nicht so alt aus wie ich morgens nach dem Aufstehen immer denke.“ So gingen sie weiter, ohne das sie genau wussten wohin. Liefen sie überhaupt noch hinter den anderen her? Es interessierte Krabat nicht, alles was jetzt wichtig war, war die Kantorka und das, was sie ihm erzählte, denn hatte sie erst einmal angefangen zu reden, hörte sie nicht wieder auf. So kam es, dass Krabat sehr viel über sie erfuhr. Sie wohnt in einem kleinen Bauernhäuschen in der Straße rechts vom nördlichen Brunnen. Sie war für die Hühner und Gänse zuständig, erledigte aber auch oft Sachen wie: Holz holen und Feuer machen oder Wäsche waschen. Außerdem versorgte sie ihren Kater Mieze noch, der oft nachts über, wenn sie schlief, bei ihr auf der Bettdecke lag. Es war ein feiner Kater in einem seltenen orange. Ihre Mutter hieß Anja und ihr Vater Gerard. Eine Schwester hat sie auch, jedoch war diese bereits ausgezogen und wohnte ein Dorf weiter in Bröthen. Nach einiger Zeit fing sie sogar an ihm zu erzählen was für Blumen sie im Garten stehen haben, wovon einige echt schön waren.
Irgendwann hörte sie jedoch auf zu sprechen und Krabat sah, dass sie zitterte. „Soll ich dir meinen Schal leihen? Er ist schön warm.“ sagte er deshalb zu ihr. Sie dankte ab, doch Krabat bestand darauf das sie ihn sich um tat. Letztendlich war der Schal lang genug dass sie beide ihn tragen konnten. „Und wo geht es lang? Ich habe nämlich nicht den leisesten Schimmer wo wir sind.“ Sie sah ihn nur stumm an, ein Lächeln ohne Schuld.
Der leuchtende Vollmond legte seinen weißen Mantel über die Landschaft. Vor ihnen, nicht weit entfernt, war die Scholtesei im Schnee, der so fein schien, wie das Mehl, was sie erst vor kurzen noch gemalt hatten. Allerdings war nichts aus dem Hause zu hören. Kein Gesinge, kein Gegröle und auch kein Krüge anstoßen. Alles lag still da. Neugierig lauschte Krabat an der Tür, auch, wenn er sich dabei überhaupt nicht wohlfühlte in seiner Haut.
Geschockt hörte er wie Juro anfing zu Brüllen und mit der Hand auf dem Tisch zu schlagen. Noch nie hatte Krabat ihn so wütend erlebt. „Warum konntest du nicht einfach dein freches Maul aufreißen! Hm? Da kommt doch sonst auch genug Mist raus! Dieses Mal wäre es zumindest nützlich gewesen! Ich meine ja nur: Ich habe oft genug gefragt!“ „Reg dich ab, die sind bestimmt bald wieder-“ sagte eine leicht genervte Stimme, jedoch konnte Krabat sie nicht zuordnen, da sie im nächsten Augenblick wieder unterbrochen wurde. „Dies ist das dritte Mal, dass du das sagst! Und ich warne dich, wenn die beiden nicht bald kommen, richte ich dir deine Fresse so zu, dass du nie wieder sprechen kannst!“ Durch einen Spalt in der Tür konnte Krabat erkennen wie Lyschko die Arme vor der Brust verschrenkte, mit einem Gesicht, das die Definition von beleidigt war. Was brachte Juro dazu, dass er den Blonden so anbrüllte?
“Der Meister ist tot, es gibt keinen Grund zur Sorge. Was ist dein Problem?“ „Du bist mein Problem.“, gab Juro zurück, der gerade noch im Kreis gelaufen war. „Vielleicht ist der Meister tot, der Zauber, der auf uns lastet, bleibt jedoch weitere 12 Tage bestehen...“ „Das nützt dem Meister auch nichts mehr.“ Wieder blieb Juro stehen. „Sieh mal, was würde wohl passieren, würde der Teufl den Zauber anwenden, den der Meister immer benutzt hat, um uns davon abzuhalten die Mühle zu verlassen? Bei diesen Temperaturen würden sich die Zwei ja den Tod holen!“ Lyschko legte verwirrt die Stirn in Falten. Der Sarkasmus war kaum zu überhören, als er fragte, warum der Teufel so etwas tun solle.
„ Mal abgesehen davon wird die Kantorka wohl nicht so dumm sein, sich in ihrer eigenen Heimat zu verlaufen.“ „Das sagt der richtige! Wäre Jako nicht gewesen, wären wir dich schon längst los geworden! Zu schade, dass er mit jemanden wie dir befreundet war. Sonst wäre er jetzt bestimmt noch am Leben! Aber nein, er musste ja unbedingt seiner Nächstenliebe folgen, statt einmal nachzudenken!“
An dieser Stelle riss wohl der Geduldsfaden, denn wenn Blicke töten könnten wäre es jetzt passiert. Wäre Krabat an Juros Stelle gewesen hätte er jetzt wahrscheinlich seine Beine in die Hand genommen und das ohne auch nur einen Hauch von Magie. Noch nie hatte er Lyschko so angepisst gesehen. „Ach, sieh mal, wer jetzt doch an unserem Gespräch interessiert ist...“  Juro hatte wohl gewusst, dass dieser Bursche namens Jako ein heikles Thema war. „Sag noch einmal so einen Mist über ihn und ich werde dich so zurichten, dass keiner jemals erkennen wird, dass du es warst.“ sagte Lyschko, seine Stimme war ruhig, aber beißend zugleich „Für wen hälst du dich überhaupt wahllos Leute zu beschuldigen? Bist du nicht Derjenige, der immer andere voraus schickt, damit irgendwann ein Vollidiot, der dir vertraut, dich rettet? Ist es dir nicht vollkommen egal gewesen was aus Krabat und der Kantorka wird? Wie viele Menschen hast du schon auf dem Gewissen? Wer sagt mir denn, dass DU Jako nicht eingeredet hast, er könne dem Meister mit einem dummen Mädchen entfliehen?!“
Und damit war es still, zu still. Krabat fühlte sich unwohl. Er wechselte einen Blick mit Madlenka, die bedrückt zurück schaute. Was würde jetzt wohl passieren? Sein Herz sank ihm in die Hose als die Tür aufgerissen wurde und Lyschko  ihm finster entgegen blickte. „Oh schau nur Juro. Dein Freund braucht doch keine Amme.“ sein Lächeln machte ihm Angst. Es war eines dieser aufgezuwungenen, bei der wohl mal der ein oder andere Muskel zucken konnte.
„Kommt rein.“ wandte er sich an die beiden, als von Juro keine Antwort kam. „Ihr seht aus wie Schneemänner, die blau angestrichen wurden.“ verwundert schaute Krabat an sich hinunter und musste feststellen, dass er Recht hatte. Kein Fleck an ihren Kleidern gab es, an dem kein Schnee hing. Keinen Fleck auf ihrer Haut gab es, der nicht blau vom Frost war. Seine Hände und Füße waren taub gefroren. Draußen war es eisig kalt und der Wind war auch stärker geworden. Madlenkas Kichern holte ihn aus seinen Gedanken. Eine Zeit lang hörte man nur ihr Lachen, dann meldete sich auch Andrusch zu Wort: „Mach dir nichts d´raus. Wenn du so bei den Adligen aufkreuzt, finden die bestimmt Ideen für ihre neuste Mode!“
Nun grinsten auch einige der Müllerburschen, bis mit einem Mal ein älteres Ehepaar von weitem zu hören war: Madlenka Statnik!“ Sofort verging der genannten das Lachen. „Vater! Mutter! Was macht ihr denn hier?“ „Das gleiche könnte ich dich fragen! Um diese Uhrzeit...“  Mit kaltem Blick schaute sich ihr Vater in der Runde um „...ich will gar nicht erst wissen wer diese Leute sind!“ „Wie siehst du überhaupt aus?“ meldete sich jetzt auch ihre Mutter zu Wort. „Du Kommst jetzt mit nach Hause!“ und das sagte sie auf eine Art und Weise, bei der es kein Wenn und Aber gibt. Die Art und Weise, die er schon von Madlenka selber kannte. Entnervt schaute sich das Mädchen nach Krabat um und stieß stumme Hilferufe aus. Auch wenn er an ihren Grinsen sah, dass sie es nicht ernst meinte, er hätte ihr gerne geholfen.
Den Rest der Nacht feierten die Burschen ordentlich durch. So, dass kein Auge trocken Blieb. Sogar die Frau des Scholta setzte sich ein paar Mal zu ihnen und hörte gespannt Andruschs Witzen zu. Irgendwann schien Krabat dann doch einzuschlafen. Und während er langsam einnickte dachte er noch an Madlenka. Dies alles schien wie ein wundervoller Traum, aus dem er nicht mehr erwachen wollte.
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