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Das Auge des Teufels

GeschichteFreundschaft, Übernatürlich / P12
Krabat Lyschko OC (Own Character)
23.09.2015
18.11.2019
29
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01.06.2016 1.345
 
Im Dauerlauf kam Madlenka schließlich bei ihren Freundinnen an. „Warum hat das denn so lange gedauert? Und außer Atem bist du ja auch vollkommen“, fragte Konstanca verwundert, als ihre Freundin prustend vor ihr zum stehen kam. „Ich musste meiner Mutter drei Mal hoch und heilig versprechen nur euch anzutreffen. Lasst mich euch sagen, dass es mir gehörig auf den Geist geht.“
Ihre Freundeninnen lächelten.  „Das Misstrauen gegenüber den neuen Burschen ist ganz natürlich- ohne Zweifel, doch frage ich mich, ob deine Mutter nicht etwas übertreibt... Das tut mein Brudere auch von Zeit zu Zeit“ sagte Dory und verdrehte die Augen. Konstanca nickte nur auf diese Bemerkung. „Dein Bruder scheint ja auch ganz genau deine Absichten zu kennen.“ ,neckte die Kantorka zurück.
Jeder wusste mitlerweile, dass Dory alleine wegen Lyschko jeden Tag die Scholtesei besuchte. Sie war leider nicht sonderlich gut darin, so etwas geheim zu halten. Wie viel ihr an etwas lag, war ganz einfach daran zu erkennen, wie viel sie darüber redete und über Lyschko redete sie manchmal eine ganze Menge.
Dory schaute beleidigt, wurde jedoch ein klein wenig rot im Gesicht. Sie mochte es nicht wenn Leute erwähnten, wie viel sie über eine einzelne Person laberte.
„Wir kennen dich, Dory. Diese Phase wird höchstens ein paar Wochen andauern. Dann wirst du deinen Kopf wieder frei kriegen.“  erwiderte Konstanca seufzend. „Ihr beide seid euch dieses Mal wohl sehr einig!“ Das sich Madlenka und Konstanca gegen Dory verbündeten kam so gut wie nie vor. Sonst war es immer sie, die sich mit Konstanca einig war und Madlenka ärgerte.
„Überhaupt hast du dich in letzter Zeit doch ziemlich interissiert daran gezeigt die Burschen persönlich kennen zu lernen!“ „Was redest du für Quatsch!“, entgegnete die Brünette, entwich jedoch ihren Blick. Dory begann zu grinsen. „Wer ist der Glückliche? Wer der Burschen hat dein Interesse geweckt?“ drängend lief sie um ihre Freundin herum. „Sag es mir. Vielleicht kann ich dir helfen.“ „Um Himmels Willen, nein! Alles nur das nicht.“ Dory stemmte ihre Hände in die Taille.„Ich werde es ohnehin herausfinden.“ , sagte sie und Konstanca gab sich geschlagen, denn sie wusste, sie hatte Recht.
„...Hanzo... scheint ganz nett zu sein.“ „Hanzo?“ wiederholte Dory etwas überrascht. „Sagt man ihn nicht nach, er habe ein Herz aus Eis?“ Normalerweise stand ihre Freundin nicht auf Burschen wie ihn. „Ich weiß, dass er kühl erscheint, aber er wirkt so stark und verantwortungfoll. Er war nicht umsonst der Altgeselle unter den zwölf.“
„Ich habe das Gefühl, dass ihr zwei einfach mögt wie die beiden andere abweisen.“ zweifelte Madlenka, doch sie musste zugeben, dass Lyschko und auch Hanzo ziemlich attraktiv waren. Besonders die Eltern dieses Dorfes würden einen starken, jungen Mann wie Hanzo in ihrer Familie willkommen heißen.
Und ein hübsches Mädchen wie Konstanca würde sich an seiner Seite sicher gut machen.
Madlenka war sich sicher, dass sie eines der schönsten Mädchen aus ganz Schwarzkollm war.
Sie hatte eine Figur, die sich zeigen ließ, eine liebliche Persönlichkeit und sowie ihre Freundinnen war sie noch immer ledig.
Nur eines demütigte Madlenka ein wenig: Obwohl Konstanca ein Jahr jünger war, war sie einen ganzen Kopf größer und somit auch größer als Dory. Sie war die kleinste. Ihre Mutter war auch nicht sehr groß und deshalb hatte sie Angst, die beiden könnten ihr davon wachsen.
Ihre Freundinnen waren noch am schwärmen, als sie in die Gegenwart zurück kehrte.
Plötzlich wendete sich Dory ihr zu. „Was macht Krabat eigentlich aus? Was unterscheidet ihn von anderen Burschen?“ total überfordert von der Frage musste sie erst einmal nachdenken. Was machte Krabat besonders? Abgesehen von seinen früheren Bund mit dem Teufel war nichts an ihm Außergewöhnliches. Krabat war halt... Krabat.
„Er fing mich auf, als mir jemand auf den Rocksaum getreten war und ich das Gleichgewicht verlor...“ „Und?“ Madlenka war verwirrt. „Ja nichts und.“ „Er war kein mysteriöser Fremder, dem du nachschautest? Ach nein, du sagtest, er habe sich in Luft aufgelöst.“
Madlenka seufzte. Natürlich war er mysteriös gewesen. Er kam aus dem Nichts und verschwand wieder genau so schnell in der Dunkelheit der Nacht. Doch konnte das doch nicht alles sein, wonach ihre Freundinnen Ausschau hielten. Krabat war nett. Er gab ihr Kraft. Er war weitaus erwachsener als viele der Burschen im Dorf und dafür liebte sie ihn.
Genervt verdrehte sie die Augen.
Es war ja nicht so, dass sie Lyschko und Hanzo nicht ausstehen konnte- im Gegenteil. Lyschko hatte sie immernoch auf eine Weise Krabats Freiheit zu verdanken und Hanzo war, wie Konstanca bereits sagte, verantwortungsvoll und zuverlässig, aber das hatte nichts mit ihren Auftreten zu tun. Sie hörte Krabats Stimme in ihrem Kopf sagen: Wenn du Lyschko erst mal richtig kennst, wirst du ihn genau so hassen!
Das sagte er oft zu ihr. Bis jetzt hasste sie ihn nicht, aber er war schon sehr unhöflich.
Madlenka und Konstanca wechselten einen bedeutsamen Blick und schauten dann zu Dory, die mit etwas hängenden Kopf hinter ihnen her lief. Das alleine bereitete ihnen schon Sorgen.
„He, Dory."
Sie schaute auf.
„Es ist bald Mittag. Das ist doch deine Zeit.", erklärte Madlenka und Konstanca fügte hinzu: „Wir sind ohnehin fast bei der Scholtesei."
Ach Leute." Sie stemmte ihre Hände in die Taille, wie so oft. „Das braucht nicht. Echt nicht. Morgen ist auch noch ein Tag." sagte sie lächelnd, doch ihre Freunde beteuerten: „Das ist wahr. Morgen ist auch noch ein Tag. Morgen können wir uns immer noch treffen."„ Geh schon. Wir wissen, dass es dir viel bedeutet."
„Ihr könnt es wohl kaum erwarten mich los zu werden. Verheimlicht ihr etwas vor mir?", fragte sie neckend und tat so als sei sie beleidigt.
Konstanca verdrehte grinsend die Augen. „Wie du bereits sagtest: Das würdest du ohnehin rausbekommen."

Doch Dorys Schritte führten sie nie zur Scholtesei
Sie bog um die nächste Ecke. Hastik und doch vorsichtig genug, dass keiner Verdacht schöpfen würde. Dort schaute sie ein letztes Mal zurück und vergewisserte sich, dass madlenka und Konstanca ihren eigenen Weg gehen würde.
Mit ihren Rücken gegen die kalte Hauswand gepresst, verweilte sie für mehrere Momente. Sie schüttelte den Kopf.
Etwas in ihr wollte gehen, wollte Lyschko sehen und wissen, ob er mittlerweile wieder erwacht war. Doch jedes Mal würde sich ein anderer Teil weigern. Einer, der ihr sagte, dass er sich nicht freuen würde, sie bei sich zu haben. „Er hasst Mädchen...“ flüsterte sie als wollte sie sich selber überzeugen, nicht zu gehen. Eine Debatte, die sie sofort gewann.
Ihr neuer Weg würde sie in Richtung Wald führen. Es war noch immer eisigkalt, aber das machte ihr nicht viel aus. Wegen eines kleinen Spazierganges würde sie sich nicht den Tod holen.
Sie versuchte nachzudenken über die letzten Geschehnisse.
Versuchte zu verstehen, was passiert war...
Versuchte ihn zu verstehen.
Zu viele Gedanken schwirrten in ihrem Kopf umher, doch die, die von ihm handelten, hoben sich immer von den Rest ab.
Warum hasste er Mädchen nur so sehr? Was hatte man ihm nur angetan? Was lag bitte in der Macht der Frauen, dass er sie auf ewig verachten würde?
Ihr einziger Wunsch war die Zeit mit ihm zu verbringen, ihn kennen zu lernen und ihn zum lachen zu bringen. Lachen war gesund. Es sollte ihm helfen wieder auf die Beine zu kommen...
Dory sah zu Boden, sah wie das vom Frost bedeckte Gas glitzerte und erneut wurde ihr klar, wie kalt die Nächte doch waren.
Ihr wurde auch klar, wie sich Lyschko doch auf die Nacht der Befreiung gefreut hatte, besonders mit ihr an seiner Seite.
Dory hielt inne, als sich diese zwei Gedanken zu einem einzelnen unfassbar schrecklicher Gedanken vermengte. Er kreuzte ihren Verstand wie ein kalter Windzug, der ihr ein kaltes Schaudern durch die Adern jagte.
Und dieser Gedanke wurde lauter und lauter.
Lyschko war bei klarem Verstand gewesen, als er seine Kleidung in jener frostigen Stunde zurück ließ. „Herrjeh. Was ist das für Schwachsinn, den du dir da zusammen reimst“ sagte Dory als sie wieder begann den vereisten Weg hinaus ins freie entlang zu laufen. Sie musste es laut aussprechen, um selber daran zu glauben.
Und doch: Es erschien so einleuchtend.
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