Close by your side

von Enem
GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P16
23.09.2015
27.10.2016
11
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Dieses Kapitel
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Kann es sein, ich breche hier irgendein Tabu von dem ich nichts weiß? :D Dann ist es so - und wer mag: Viel Spaß beim Lesen.
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Close by your side


eins




Jim besaß Vieles, taktisches Geschick, Intuition und vor allem ein Selbstbewusstsein, das ihn mindestens um Haupteslänge überragte. Er konnte Menschen führen, inspirieren, begünstigt durch ein Charisma, um das ihn sicher viele beneideten. Darüber hinaus war er unleugbar ein attraktiver Mann und – um der Liste doch noch einen Kritikpunkt zu verpassen - er wusste das ganz genau.

Damit war für Nyota auch schon das Wichtigste gesagt, denn einen Mann, der sich seiner Wirkung bewusst war, konnte man getrost als Strafe für alle Frauen betrachten. Zumindest wenn es Jim Kirk war. Jim war arrogant und gleichzeitig doch sympathisch, eine verheerende Mischung, wie Nyota fand, denn eine gewisse Arroganz bei Männern fand sie durchaus attraktiv. Die Kerle sollten wissen, was sie wollten. Sie selbst wusste es ja auch und Jim war definitiv nicht das, was sie suchte.

Er war süß, witzig, charmant und vogelfrei. Perfekt für einen One Night Stand, der pure Horror für eine feste Beziehung. Das Problem war nur, dass Jim über all seine Eigenschaften hinweg auch über genügend Entschlossenheit verfügte, ein Nein als solches zu akzeptieren und trotzdem nicht aufzugeben. Niederlagen waren eben nicht sein Ding und seit er erfahren hatte, dass ihre Beziehung zu Spock beendet war – wer auch immer ihm das gesteckt haben mochte! – hatte er seine Waffen geschärft. Nicht etwa, dass er sie bereits darauf angesprochen hätte, irgendetwas direktes, das wäre dann doch zu plump und gar nicht Kirk-Style gewesen. Aber sie hatte seine Aufmerksamkeit, eindeutig.

Eigentlich war es amüsant, denn seit ihrem ersten Aufeinandertreffen in dieser Bar war Nyota klar, dass sie sich niemals auf ihn einlassen würde. Seine Beharrlichkeit, sie umstimmen zu wollen – etwas, das sie an jedem anderen Kerl sicherlich genervt hätte – war an ihm schon wieder beeindruckend. Immerhin kannten sie sich seit Jahren, waren Freunde und für eine ganze Weile hatte Jim alles darüber hinaus als selbstverständliches Tabu hingenommen. Das war jetzt vorbei.

Aber er machte es ja gut, das musste man ihm lassen. Er bedrängte sie nicht, traf sie – mal hier mal dort – zufällig, wechselte ein paar Worte mit ihr, scherzte und war ganz Gentlemen. Nichts anderes hätte Nyota erwartet. Im Gegenzug hatte sie zweimal zugestimmt, ihn zum Essen zu begleiten, was in seiner Gesellschaft jetzt auch keine Strafe war. Abgesehen davon waren beide Male weitere Mitglieder der Brückencrew zu ihnen gestoßen und die Zeit, die sie wirklich allein verbracht hatten, war kaum nennenswert gewesen.

Heute hatte es sich ganz ähnlich verhalten. Ihre Schicht war längst zu Ende, trotzdem hatte sie beschlossen, ihm die Übersetzungen noch zu bringen, um die er gebeten hatte. Sie fand ihn im Besprechungsraum, wo nur die Überreste von Gläsern und Tassen an ansonsten leeren Plätzen darauf hinwiesen, dass er bis vor kurzem noch Gesellschaft gehabt hatte. Jetzt war er allein, strich sich müde durch die Haare und lächelte schief, als sie eintrat.

„Die Übersetzungen, Captain“, erklärte Nyota, reichte ihm die Datentafel und schmunzelte dabei. „Sie sollten eine Pause machen.“

„Sollten Sie auch“, gab er zurück, sah dabei auf den Chronometer und murmelte „wow“, bevor er das PADD entgegennahm und sich bedankte. „Machen Sie Schluss für heute, Lieutenant.“

Ein leichtes Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Hatte ich vor. Abgesehen davon bin ich bereits außer Dienst.“

„Na dann.“ Jim wackelte mit dem PADD und schmunzelte als er zu ihr hochblinzelte. „Danke nochmal.“

„Keine Ursache“, meinte Nyota leichthin, drehte sich schwungvoll um und war schon fast an der Tür, als er ihr hinterherrief: „Haben Sie schon zu Abend gegessen?“

Schmunzelnd wandte sich Nyota zu ihm um, schwieg aber. Jim lächelte. „Würden Sie mir dann vielleicht Gesellschaft leisten, Lieutenant?“

Er verwendete absichtlich ihren Titel, das war Nyota schon klar. Es war eine Sache des Respekts und natürlich wahrte er damit die nötige Distanz.

„Sie geben nicht auf, oder?“ Nyota schmunzelte immer noch.

„Nein“, gab Jim unumwunden zu. „Es sei denn – womöglich – wenn Sie mir sagen, dass es absolut zwecklos ist.“

Beinahe hätte sie gelacht, konnte es gerade noch so unterdrücken und nickte stattdessen ernsthaft. „Es ist absolut zwecklos, Captain.“

Jim nickte langsam und wandte sich wieder dem PADD zu. „Sie haben recht“, murmelte er dabei, „ich gebe nicht auf und wenn Sie ehrlich sind – Sie wären enttäuscht, wenn doch.“

Jetzt musste Nyota doch lachen, schüttelte dabei den Kopf und seufzte schließlich leise. „20 Uhr.“ Es war ein Essen, mehr nicht, sagte sie sich.

„Offiziersmesse?“

Dass er es als Vorschlag formulierte, irritierte sie einen Moment lang und damit spielte ihm ihre Frage direkt in die Hände. „Gibt es denn Alternativen?“

Schmunzelnd zuckte Jim die Schultern. „Mein Quartier.“

Verdammt. Nyota lachte laut auf und schüttelte den Kopf über seine Dreistigkeit. Ein Punkt für den Captain. „Offiziersmesse“, sagte sie entschieden und schritt endgültig zur Tür.

„Sie wären enttäuscht gewesen, wenn ich es nicht versucht hätte“, wiederholte er, aber Nyota sah sich nicht mehr um, schmunzelnd verließ sie den Besprechungsraum.

Zurück in ihrem eigenen Quartier streifte ihr Blick flüchtig den Chronometer, um sich zu vergewissern, wie viel Zeit ihr noch blieb, dann ließ Nyota sich mit einem Seufzen auf ihr Bett fallen. Auf keinen Fall würde sie sich für dieses Essen auffällig zurechtmachen, es reichte schon, dass er sie überhaupt kalt erwischt hatte.

Dinner! – ausgerechnet. Das war dann doch etwas anderes, als ein schneller Lunch während der Schicht, oder? Nun, wie auch immer. Mochte sich Jim davon versprechen, was immer er im Sinn hatte, sie würde ihn ganz sicher eines Besseren belehren.

Die Augen geschlossen, strich sich Nyota über die Stirn und murmelte: „Computer – irgendwelche persönlichen Nachrichten?“

„Negativ“, bekam sie zur Antwort und blinzelte seufzend. Sie hatte Carol geschrieben und das schon vor zwei Tagen. Eigentlich hatte sie gehofft die Nachricht würde schneller ankommen. Der Austausch mit ihrer Freundin fehlte ihr, seit Carol nicht mehr an Bord war. Natürlich gab es auf der Enterprise genügend Leute, mit denen sie reden konnte, die sie selbst als Freunde bezeichnete und trotzdem war das Verhältnis zwischen Carol und ihr was Besonderes gewesen, vielleicht weil sie in einem ähnlichen Dilemma feststeckten. Nur, dass Carol schlauer gewesen war und sich erst gar nicht darauf eingelassen hatte. Beziehungen an Bord eines Raumschiffs waren immer schwierig, die Beziehung zu einem Vulkanier hingegen war... Nyota rollte mit den Augen. Vielleicht wäre es tatsächlich leichter gewesen, wären sie auf getrennten Schiffen stationiert gewesen. Nein, schalt sie sich gleich darauf, es lag schlicht daran, dass sie ganz unterschiedliche Vorstellung davon gehabt hatten, was eine funktionierende Beziehung ausmachte und sie zweifelte auch nicht mehr daran, dass Spock sie geliebt hatte – so sehr er es eben vermochte – gereicht hatte es trotz allem nicht. Die Trennung war schmerzhaft gewesen, auf beiden Seiten, aber auch das war jetzt lange genug her, dass sie einen wesentlich objektiveren Blick darauf hatte. Im Großen und Ganzen funktionierten Spock und sie auch wieder reibungslos nebeneinander und das anfängliche Unbehagen hatte sich längst auf einzelne, unbedeutende Momente reduziert. In dieser Zeit war Carol ihre einzige moralische Stütze gewesen, ohne ihre Freundin wäre sie womöglich in einem Tränenmeer versunken, weil die Erkenntnis, dass man etwas verlor, das man sich so sehr gewünscht hatte, eben viel mehr schmerzte, wenn man wusste, dass man keinen Fehler gemacht hatte und schlicht gescheitert war. Diesen Wesenszug hatte sie wohl mit ihrem Captain gemein.

Sie dachte wieder an Jim, an das bevorstehende Essen und überlegte, ob es ihr unangenehm war. Nein, entschied Nyota dann und schmunzelte ein wenig, sie konnte Carols tadelnden Blick förmlich vor sich sehen, als sie sich seinerzeit über Jim unterhalten hatten.

„Und? Gehst du mit ihm aus?“

Carol hatte gelacht, ihre Augen vergnügt gefunkelt. „Mit Jim? Nicht in diesem Leben.“

Nyota hatte ebenfalls geschmunzelt. „Aber ich dachte, du magst ihn?“

„Tu ich auch“, hatte Carol offen zugegeben. „Exakt der Punkt, warum ich auf keinen Fall mit ihm ausgehen werde. Mein Bedarf an Liebeskummer ist nachhaltig gedeckt, dafür hat Thomas gesorgt. Noch so ein Kerl – das würde an Selbstzerstörung grenzen.“ Sie hatte Nyota verschwörerisch zugezwinkert und diese gegrinst. „Also?“

„Also stürze ich mich in die Arbeit.“ Die beiden Frauen hatten gelacht.

„Braves Mädchen.“

Mit einem Seufzen setzte sich Nyota wieder auf und warf erneut einen Blick auf den Chronometer. Noch dreißig Minuten.

Am Ende sprang sie doch noch unter die Dusche, verflucht sich dafür, so lange gezögert zu haben und bürstete energisch ihre Haare während sie sich im Spiegel selbst Grimassen schnitt. Half alles nichts. Mit einem weiteren Murren band sie ihre Haare dann doch wieder zusammen, weil alles andere viel zu gewollt ausgesehen hätte und stürzte aus der Tür. Den Gang hinab rannte sie beinahe, sie war viel zu spät dran.

Zu allem Überfluss traf sie im Turbolift auf Spock, der sie sekundenlang still musterte, bevor er sie mit einem kaum hörbaren „Lieutenant“ begrüßte und Nyota fluchte in Gedanken schon wieder. Das waren genau die Momente, die ihr immer noch so zu schaffen machten, wenn sie allein auf ihn traf, unvermutet, und das Gefühl bekam, dass die Spannungen zwischen ihnen immer noch zu deutlich waren. Dinge die Spock nicht verstand, weil es nicht in seiner Natur lag – es nicht logisch war – Verlegenheit zu empfinden. Nyota sah das anders, vor allem jetzt gerade. Unruhig strich sie sich über die Haare, fixierte dabei nervös die Anzeige des Lifts und atmete auf, als die Türen sich öffneten.

Sie nickte ihm lediglich zu, zwang sich zu einem knappen Lächeln und sah rasch wieder weg. „Entschuldigen Sie Commander, ich bin spät dran“, murmelte sie dann doch noch und drückte sich rasch aus der Tür. Die zivile Aufmachung, die Tatsache, dass sie im Laufschritt den Gang entlang zur Offiziersmesse jagte, sprach sicherlich für sich – Spock war doch nicht dumm! Verdammtes Timing!

Kurz bevor sie die Messe erreichte, zügelte sie ihr Tempo doch noch, mühte sich, ihre Atmung zu kontrollieren und setzte ein nichtssagendes Lächeln auf, bevor sie durch die Tür trat. Er musste ja nicht gleich mitbekommen, dass sie gerade völlig durcheinander war. Wie würde er das wohl interpretieren und erklären wollte sie sich ganz sicher nicht.

Wie zu erwarten war Jim bereits anwesend, sah jetzt auf und lächelte. Er erwähnte nicht, dass sie zu spät war, überging das einfach und bedachte sie dafür mit einem spitzbübischen Grinsen. „Hunger?“ Seine Augen leuchteten auf.

Nyota behielt ihr Lächeln bei, ignorierte die sanfte Berührung an ihrem Arm, mit der er sie weiter dirigierte und sah sich stattdessen um. Niemand war hier.

„Sind wir etwa allein?“ Nyota warf ihm einen raschen Blick zu und sah ihn grinsen.

„Allein ist eine Sache der Definition, oder? Es sind 416 weitere Crewmitglieder an Bord, auf diesem Schiff ist man niemals allein.“

Dafür bedachte ihn Nyota mit einem strafenden Blick und Jim lenkte leise lachend ein. „Ich habe niemanden bestochen, früher zu gehen, wenn Sie das meinen.“

„Aber vielleicht, gar nicht erst herzukommen“, schlug sie vor.

Jim wiegte den Kopf. „Nah... vielleicht...“, gab er ausweichend zurück und grinste dabei schon wieder so schelmisch, dass Nyota beschloss, nicht weiter nachzuhaken. Auch ein Dinner ganz allein mit ihm würde sie wohl kaum aus der Bahn werfen.

Sie setzten sich an einen Tisch nahe eines der großen Fenster, obwohl außer endloser Schwärze und vereinzelten Sternen ohnehin kaum etwas zu sehen war und Jim orderte Wein. Auch das überging Nyota einfach, beschäftigte sich eine Weile mit der Auswahl des Essens, bevor sie sich zurücklehnte und von ihrem Glas nippte. Sie wies auf die Dunkelheit hinter dem Fenster. „Das erinnert mich an ein nettes italienisches Restaurant in San Francisco. Terrasse zum Meer hin und wenn es keinen Wolken gibt, sieht der Nachthimmel fast genauso aus.“ Ihr Blick traf seinen und sie schmunzelte. „Es fehlen die karierten Tischdecken und Lichtergirlanden.“

Jim sah sich um. Die Offiziersmesse war zwar gemütlich gestaltet, trotzdem natürlich relativ nüchtern und eher praktisch in der Einrichtung. „Ich werde das nächste Mal daran denken“, erwiderte er. „Sofern ich eine Erklärung für Mr. Scott finde, warum ich Energie verbrauche, um karierte Tischdecken zu replizieren.“

„Eine Herausforderung.“

„Allerdings.“

Nyota lachte und scheuchte ihn hoch, das Essen zu holen.

Während des Essens unterhielten sie sich dann allerdings hauptsächlich über die Arbeit, zumindest zu Beginn. Und es war Jim, der ihr Gespräch geschickt in andere Bahnen lenkte, privater, auf eine anregende und leichte Weise, sodass Nyota es zwar durchaus wahrnahm, es sie jedoch auch nicht weiter störte. Er war angenehme Gesellschaft, das hatte sie nie bezweifelt. Dass ihre Gedanken wohl ausgeprägt auf ihrem Gesicht zu lesen waren, während sie still vor sich hin schmunzelte und an ihrem Wein nippte, wurde Nyota bewusst, als er das vorübergehende Schweigen zwischen ihnen wieder brach. Seine Stimme war leise.

„Es ist schön, Sie wieder lachen zu sehen, Lieutenant.“

Etwas überrascht begegnete sie seinem Blick. Das war nun doch weitaus intimer, als sie es hatte zulassen wollen. Entsprechend schwieg sie auch dazu und sah rasch wieder weg. Ihr gegenüber richtete sich Jim ein wenig auf. „Es tut mir leid“, sagte er jetzt. „Ich wollte Ihnen nicht zu nahe treten. Eigentlich... wollte ich nur wissen, ob es Ihnen gut geht.“

Nyota atmete tief durch. Sie wusste um die besondere Freundschaft zwischen Spock und ihm, das machte die Sache nicht wirklich einfacher. Jetzt rang sie sich ein Lächeln ab. „Es geht mir gut“, versicherte sie. „Und Sie müssen sich nicht entschuldigen, es ist – okay.“

Das war die Wahrheit und auch nicht, denn dass da jetzt irgendetwas zwischen ihnen stand, was die bisherige Leichtigkeit verdrängt hatte, war für Nyota deutlich zu spüren. Sicher merkte Jim das auch, seine plötzliche Zurückhaltung sprach dafür. Das freche Glitzern in seinen Augen fehlte, auch wenn er schwach lächelte. Aber es wäre nicht Jim gewesen, wenn er nicht auch diese Situation gemeistert hätte.

„Ich glaube, wir brauchen mehr Wein“, sagte er gerade trocken und als sie ihn ansah, zuckte er gelassen mit den Schultern. „Ich habe den Karren soeben mit Anlauf an die Wand gefahren, wenn Sie irgendeinen Möglichkeit sehen, das aufzulösen, ohne mehr Wein ins Spiel zu bringen geben Sie mir bitte einen dezenten Hinweis.“

Zwei Sekunden lang starrte Nyota ihn einfach nur an. Jim Kirk machte also doch Fehler und konnte sie auch zugeben? Sie begann gegen ihren Willen zu lachen, schob das Weinglas von sich und nickte dann. „Bourbon.“

„Bourbon?“, wiederholte Jim ungläubig. „So schlimm?“ und als sie lachend nickte, grinste er schief.

„Autsch“. Trotzdem gab er die Bestellung ein und schob ihr das Glas seufzend über den Tisch hinweg zu.

„Sie sind die erste Frau, Lieutenant, die mir ins Gesicht sagt, dass ich nur mit Bourbon zu ertragen bin, vielen Dank für Ihre Ehrlichkeit.“ Glas klirrte an Glas, Eiswürfel klimperten und Nyota lachte schon wieder.

„Das habe ich nie gesagt“, wehrte sie das in gespielter Empörung ab.

„Aber gemeint.“

„Noch nicht mal das, Sie haben eine sehr schlechte Meinung von mir und eine noch schlechtere von sich selbst, woran liegt es?“

„Traumatische Kindheitsgeschichte, möchten Sie sie hören?“, gab Jim prompt zurück, lachte dabei auch noch, doch bevor Nyota dazu etwas sagen konnte, fiepte sein Kommunikator leise.

Mit einem Seufzen griff Jim nach dem Gerät. „Entschuldigen Sie“, murmelte er und warf ihr einen Blick zu, das Lächeln dazu war geradezu umwerfend und jagte einen Schauer über Nyotas Rücken. „Merken Sie sich, was Sie sagen wollten“, er wandte sich halb ab und aktivierte das Gerät. “Ja? Kirk hier.“

„Eine persönliche Nachricht für Sie, Captain“, drang es aus dem Lautsprecher. „Verschlüsselt. Dringlichkeitsstufe 1.“ Jim runzelte die Stirn, sah kurz zu ihr hin und machte ein zerknirschtes Gesicht. „Einen Moment bitte.“

Nyota nickte stumm, winkte ab, da stand er auf und wandte sich ab. „Schicken Sie es als Textnachricht auf meinen privaten Kanal.“ Das wurde bestätigt und mit dem nächsten leisen Fiepen sah Nyota neugierig auf. Schwierigkeiten vielleicht? Das Hauptquartier? Plötzlich fühlte sie sich nervös und angespannt und wusste gar nicht warum.

Nur kurze Zeit später wurde ihr allerdings klar warum: Es lag an ihm. Die Art wie er immer noch an derselben Stelle stand, reglos, wie eingefroren. Die Erkenntnis traf sie schlagartig – irgendetwas war passiert. Langsam stand Nyota auf.

„Captain?“, murmelte sie, machte einen Schritt und blieb dann doch wieder stehen. „Ist alles in Ordnung?“

Jim schien wie in Trance. Zuerst nickte er abwesend, doch als sie ihn umrundete und in sein Blickfeld trat, war es, als würde er sich erst jetzt wieder an ihre Anwesenheit erinnern. Langsam schüttelte er den Kopf, hielt sie mit einer schwachen Geste zurück, als sie näherkommen wollte und machte ein paar unsichere Schritte zur Tür, bevor er sich doch wieder umwandte.

„Wenn Sie mich entschuldigen würden, Lieutenant, es gab... einen Trauerfall in der Familie.“

„Was?!“, entfuhr es Nyota. Jim blinzelte unruhig.

„Meine Mutter...“, murmelte er rau.

„Um Himmels willen!“ Nyota schlug sich entsetzt die Hand vor den Mund, bevor sie näher herantrat und sanft seinen Arm berührte. „Es tut mir so leid... Jim?“

Er nickte, trat noch einen Schritt zurück, sodass ihre Hand wieder von seinem Arm rutschte und wich ihrem Blick aus. „Ich fürchte, ich muss...“, damit wies er in einer schwachen Geste auf die Tür und machte einen weiteren unsicheren Schritt.

„Natürlich!“

Jim atmete bebend ein. „Ich bitte um Verzeihung.“

Irritiert runzelte Nyota die Stirn. „Bitte? Nein!“ Sie schüttelte nachdrücklich den Kopf. „Gehen Sie! Und wenn ich etwas für Sie tun kann...“

„Danke.“ Es war das erste Mal, dass er sie wieder direkt ansah, aber sein Blick schien dabei einfach durch sie hindurchzugehen. Dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und hastete aus der Tür. Nyota blieb allein zurück und schlang fröstelnd die Arme um ihren Körper.

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