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a moment you'll never forget

von -bamboo
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
Bilbo Beutlin Thorin Eichenschild
22.09.2015
22.09.2015
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Happy Birthday, Bilbo!

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Grummelnd packte er die Krücken, die an seinem Tisch lehnten, und stemmte sich mit ihnen vom Stuhl hoch. Seine Ärzte meinten, er solle seinen Fuß bloß nicht stark belasten, und natürlich musste er gehorchen, um sich nicht ihren Groll einzuhandeln.
Dies behinderte ihn in fast allen Sachen, die er gerne machte, doch er kämpfte sich durch alle Aktivitäten, so gut es ging.
So wie heute in der Bücherei, in welcher er Ahnenforschung betrieb und zu dem Zeitpunkt seines Unfalls auf einer heißen Spur gewesen war, die er nur durch einen kaputten Knöchel nicht so einfach verlieren wollte. Er packte nun seine Sachen zusammen, da er in seinem Haus noch Sachen für seine Verwandten vorbereiten musste, die Nachmittags kommen würden.
Er klemmte eine Krücke unter seinen Arm, als er nach dem alten Buch griff, welches der Bibliothekar ihm zur Verfügung gestellt hat, in dem er seit Monaten Spuren auf Wurzeln seiner in der Vergangenheit scheinbar sehr tätigen Familie verfolgte. Es erfüllte ihn immer wieder mit Stolz, solche Sachen über seine Familie lesen zu können und wissen zu können, dass er Teil davon war.

Das erste Problem trat er auf, als er das Buch nach vorne zu Ori, dem jungen Bibliothekar, bringen wollte, doch keine Hand frei hatte, da er die Krücken halten musste und dort nun einmal kein Platz für ein Buch war. Er zögerte kurz, bevor er das Buch sanft zurück auf den Tisch legte und mit seinen Krücken nach vorne zur Theke humpelte, an der Ori in ein Buch vertieft auf seinem mit Kissen gepolsterten Stuhl saß.
„Ori? Ich musste das Buch auf meinem üblichen Platz liegen lassen...“, informierte Bilbo den gleichaltrigen Mann und lächelte ihn entschuldigend an. Ori hob seine braunen Augen von den faszinierenden Buchstaben des Buches und räusperte sich zärtlich, bevor er verständnisvoll nickte und sagte, dass das aufgrund den Umständen kein Problem sei.
Bilbo blinzelte dankend und humpelte dann mit einem zufriedenen Winken aus der warmen Bibliothek in die kühle Luft. Draußen hatte es stark geregnet, typisches Wetter für den Herbst, und die Wege waren so nass, dass fast schon Rutschgefahr herrschte.

Seine Stiefel, die weit genug waren, dass sein geschienter Fuß in sie passte, waren nach wenigen humpelnden Schritten nass und rutschten auf dem nassen Boden weg, und auch seine Krücken griffen nicht mehr richtig auf dem Boden und rutschten leicht, als er sich bei jedem Schritt auf sie stützte.
Keuchend vor Angst und Erschöpfung erreichte er die Bushaltestelle und lehnte sich gegen die Wand der Haltestelle. Hinsetzen wollte er sich nicht, da das Aufstehen zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde und der Busfahrer denken könnte, dass er nicht einsteigen will.
Seine zitternden, kühlen Finger griffen in seine Hosentasche und suchten schon einmal das Kleingeld zusammen, welches er für das Ticket benötigen würde.

Vielleicht wäre ja wieder der heiße Busfahrer hinter dem Steuer.
Er war schon sehr oft Dienstags mit dieser Linie gefahren, und es schienen sich immer zwei Männer diese Tagesschicht zu teilen – ein Glatzköpfiger und ein Mann mit schwarzen Haaren, Bart und blauen Augen, die zum in ihnen Versinken einluden. Der glatzköpfige Mann war furchteinflößend mit seinen Tattoos, doch der Busfahrer mit den schwarzen Haaren...er fand ihn sehr ansprechend.
Eine leichte Röte schlich sich auf Bilbos Wangen und ein verträumtes Lächeln schlich sich auf sein Gesicht, als er an den Busfahrer dachte. Zwar würde er nie wirklich mit ihm in Kontakt kommen, aber träumen durfte man doch wohl, nicht wahr?

Der Bus kam mit schnurrenden Motor angefahren, und Bilbo registrierte ihn erst, als sich die Türen mit einem Schnaufen genau vor seiner Nase öffnete. Er packte seine Krücken und konzentrierte sich darauf, ohne Stolpern in den Bus zu humpeln. Seine Augenbrauen waren in seiner Konzentration zusammengezogen und er hatte seinen Mund zusammenkniffen, als er in leichter Panik bemerkte, wie seine Schuhe kaum Halt auf dem Boden des Busses fanden und immer ein wenig rutschten.
Er schaute auf und legte das Geld in die Handfläche des wartenden Busfahrers, der ihn mit leuchtend blauen Augen und einem leichten Lächeln anschaute. Bilbo errötete leicht und lächelte zurück, während seine Finger noch leicht über die Handfläche des Busfahrers strichen, als er die letzte Münze fallen ließ.

Der hübsche Mann nahm das Geld an, sortierte es und druckte Bilbo währenddessen sein Ticket aus. Bilbo murmelte ein leises Danke, nahm seine Krücken wieder auf und humpelte in den Bus hinein.
Dabei kam er an dem Glatzkopf vorbei, der scheinbar fertig mit seiner Arbeit war und nun von oder mit seinem Kollegen nach Hause fuhr. Der Mann schaute ihn mit einem schrägen Grinsen an und Bilbo sackte ein wenig unter diesem seltsamen, ungewohnt warmen Blick des anderen Busfahrers zusammen.

Im Bus an sich saßen nur zwei junge Mädchen, die laut Musik auf ihren Kopfhörern hörten und schmatzend Kaugummi kauten und ein älterer Mann, der zur Seite gefallen war und mit seinem Kopf an der Scheibe lag und scheinbar eingeschlafen war.
Bilbo entschied sich für einen Sitz nahe der Tür, damit er beim Aussteigen schnell auf die Krücken kam und nicht so lange durch den gesamten Bus humpeln musste. Gerade, als er sich hinsetzen wollte, machte der bisher stehende Bus einen Ruck nach vorne und natürlich musste es kommen, dass ausgerechnet bei dieser unerwarteten Bewegungen seine nassen Schuhsohlen den Halt verloren und wegrutschten.

Mit einem leisen Krachen und Klappern stürzten er und seine Krücken zu Boden und er schlug mit seinem verletzten Knöchel hart auf den Boden auf, was ihn zischen ließ vor Schmerz.
Er hörte von dem attraktiven Busfahrer nur ein 'Oh, verdammt' und das Quietschen der abrupten Bremsen und von dem glatzköpfigen Busfahrer ein grollendes 'Du Idiot', wenn er sich denn nicht verhört hatte. Benommen blinzelte Bilbo und schaute sich in dem Bus um.
Die beiden Mädchen schauten ihn nur genervt an und kauten weiterhin laut ihre Kaugummis, während der alte Mann durch den Krach anscheinend wach geworden war. Niemand eilte ihm zur Hilfe und er wusste nicht, wie er jetzt mit diesem pochenden Knöchel aufstehen sollte.

„Es tut mir so verdammt leid.“, ertönte plötzlich eine angenehme Stimme neben ihm und er schaute auf zu dem hübschen Busfahrer, der seine Krücken einsammelte und ihm dann seine helfende Hand anbot. Bilbo ergriff sie nur zu gerne und keuchte auf, als er seinen Knöchel zu sehr belastete und nach vorne fiel, dem Busfahrer genau gegen die Brust. Instinktiv schlang der Busfahrer einen Arm um Bilbos schmale Hüfte, um ihn zu stützen.
„Sorry...“, murmelte er beschämt und ergriff eine Stange des Busses, an welche er sich abstützen konnte und Abstand von dem Busfahrer gewinnen konnte. Die einfache, ungewollte Berührung hatte ein Kribbeln durch seinen Körper geschickt, und er konnte die Röte in seinem Gesicht nicht verhindern.
„Ich habe nicht gesehen, dass du noch nicht sitzt.“, entschuldigte sich der Busfahrer erneut und Bilbo schenkte ihm ein ruhiges Lächeln.
„Es ist doch nichts passiert.“, meinte er mit ungewöhnlich warmer Stimme, die kaum Anzeichen von den Schmerzen zeigte, die er gerade hatte. Als er jedoch sein Gewicht verlagerte, verzog er das Gesicht kurz vor Schmerzen und der Busfahrer hob eine Augenbraue und schaute ihn zweifelnd an.

„Kann ich irgendetwas tun, um das wieder gut bei dir zu machen?“, fragte der Busfahrer. Bilbo schloss seine Augen und als er sie wieder öffnete, war die Unsicherheit deutlich zu erkennen.
„Du könntest heute Abend einfach auf einen Kaffee bei mir vorbei kommen, deine Anwesenheit wäre mir angenehm.“

Als ihm bewusst wurde, was er gerade gesagt hatte, wurde er furchtbar rot und als er die Überraschung in dem Gesicht des Busfahrers erkennen konnte, schaute er auf den Boden und wünschte sich nur noch, dass der Boden ihn sofort verschlucken könnte.
„Liebend gerne.“
Bilbo keuchte bei der leisen Antwort auf und schaute ungläubig auf zu den warmen Augen, die auf ihn hinab schauten.
„Aber nur, wenn du mir deinen Namen verrätst.“, meinte sein Gegenüber mit einem frechen Unterton unter der tiefen, warmen Stimme.

„B-bilbo.“, hauchte er, überwältigt von der gesamten Situation.
„Bilbo. Schön dich kennenzulernen. Ich bin Thorin. Wo wohnst du genau?“

Thorin.
Was ein schöner Name.

Er sagte Thorin seine Adresse, dann ging der Mann zurück hinters Steuer (nicht ohne einmal von seinem Kollegen angestoßen und mit wackelnden Augenbrauen breit angegrinst zu werden) und als Bilbo den Bus nach zehn Minuten verließ, trug er ein dümmliches, glückliches Grinsen auf dem Gesicht.
Der Mann, von dem er schon so lange geschwärmt hatte, würde heute Abend zu seinem Geburtstag kommen, während seine langweiligen Verwandten ihn nerven würden. Zwar wusste Thorin nichts von dem, aber er würde Bilbos Abend um so einiges verbessern.

Lächelnd humpelte er zu seinem Haus.
Der Schmerz in seinem Fuß durch den Sturz war völlig vergessen.
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