Neue Hoffnung - Teil 7

GeschichteAllgemein / P12
21.09.2015
03.11.2015
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Volt klopfte stolz auf Lizas Schultern. „Herzlichen Glückwunsch, ihr beiden!“ Anerkennend nickte er Ellie zu, die etwas schüchtern an ihrem Sektglas nickte und verstohlen auf den Boden starrte. Sie fühlte sich, nun, da die Aufnahmen beendet waren, in ihrem Aufzug nicht mehr wohl. Sie fühlte sich in ihm an Gel erinnert und musste lachen. Was aus ihr wohl geworden war und vor allem, ob sie noch mit ihrem Liebsten glücklich war? Sie lächelte verschmitzt und stieß auf Lukes sehnsuchtsvollen Blick. „Ihr wart wirklich spitze! Sonst dauert das viel länger, meint unser Kameramann!“, bemerkte der Officer, der neben Ellie stand und gleich seinen Arm freundschaftlich um sie legte.

„Hoffentlich waren wir erfolgreich“, knurrte Liza, gähnte erschöpft, ließ sich aber kaum von den Lorbeeren abhalten. „Das werden wir nach der Ausstrahlung erst wissen“, säuselte Volt diplomatisch. „Lasst uns noch einmal anstoßen!“, Salene lächelte freudig und hob ihr Sektglas in die Höhe: „Auf euch, Freunde!“ Sie machte sich vorzüglich in der Rolle der First Lady, was Ellie nur mit Magenschmerzen wahrnehmen konnte. Salene war eine Meisterin der Anpassung – wie Luke eben auch. Sie seufzte: „Becky und Ved fehlen doch.“

„Die beiden machen sich bestimmt einen lauschigen Spätnachmittag“, kicherte die First Lady Deletes und wirkte um einige Jahre jünger, als sie eigentlich war. „Nicht jeder kann zur Zeit einfach ‚einen lauschigen Mittag‘ machen, Salene!“, murrte Ellie wütend. Von Jay und Hope fehlte jede Spur, Thunder und Bolt waren ebenfalls auf einer fragwürdigen Mission und alles was Salene einfiel, war das Anstoßen auf ihren feierlichen Wohlstand. Ellie schoss mit knallrotem Kopf aus Volts Büro, nachdem sie ihr Glas auf den kleinen Stehtisch geknallt hatte, den einige Technos aufgebaut hatten, bevor das Team rund um die Aufzeichnung feiern sollte. Als sie den Raum verließ, erkannte sie auf dem Gang eine junge Techno, die ein kleines Mädchen mit schwarzen Zöpfen und Mandelaugen auf dem Arm hielt und in Richtung der kleinen Feier lief. Salenes kleines Idyll war also perfekt.

Luke folgte Ellie besorgt, realisierte nur, dass sie sich Richtung Dachterrasse bewegte. In ihrem aufgebrachten Zustand wollte er sie nicht alleine lassen. Auch Salene fühlte sich durch Lukes Aufbrechen beruhigter, sie verstand einfach nicht, was Ellie damit meinte. Sie hatte es doch nur gut gemeint. Liza und Ellie arbeiteten doch beide so hart und hatten sich eine kleine Party verdient. Genau wie Becky und Ved.

Ellie kauerte an der Brüstung der Dachterrasse und ihr Blick flog über die Dächer Deletes, all das, was plötzlich so klein und winzig schien. Sie roch eine leichte Meeresbriese, konnte einige Möwen ausmachen, die gierig ihre Kreise zogen. „Ellie, geht es dir gut?“, ertönte eine Stimme, die Ellie erschrecken ließ. Sie zuckte aufgeregt zusammen und drehte verwirrt ihren Kopf. „Luke“, stammelte sie und betrachtete ihren Ex-Freund, der attraktiv und abstoßend zugleich in seiner Techno-Uniform wirkte. „Ich verstehe deine Sorge, aber Lady Salene meint es gut mit euch“, er tätschelte sanft ihre Schulterblätter.

„Pah, Lady Salene! Wenn ich das schon höre!“, schnaubte sie. „Lass deine Verzweiflung nicht an ihr aus!“, murmelte er. Er wirkte unsicher, als er sie in seine Arme schloss. Körperlichkeit gab es unter Technos nur selten. „Luke, ich habe Angst“, Ellie drückte sich fest in seine Arme und schloss ihre um seine Brust. „Du machst das Richtige, Ellie“, er strich liebevoll ihr langes Haar, das sich langsam aus der kunstvollen Frisur löste. In ihrem Blick lag Dankbarkeit. Sie war so schön und stolz wie eh und je und Luke verspürte den Wunsch, sie zu berühren. Er streichelte sanft ihre Wangen, was Ellie mit einem unsicheren Niederschlagen des Blickes quittierte. Auf die Idee, ihn abzuweisen kam sie nicht. Im Gegenteil, sie genoss die bekannte und doch fremde Nähe, die Wärme seines Körpers und den angenehm herben Duft. Lukes Lippen näherten sich Ellies.

„Ellie! Ellie!“, die aufgekratzte Stimme Lizas ließ Ellie zur Besinnung kommen. Was machte sie hier eigentlich? Doch schnell wich ihre Scham der Verwunderung und Sorge über Lizas Zustand. Völlig aufgelöst rannte die Wissenschaftlerin auf ihren hohen Absätzen über die Dachterrasse und Ellie löste sich panisch aus Lukes Umarmung. „Was ist?!“, entsetzt blickte Ellie zu Liza, schnell zu Luke, der seinen Blick so gesenkt hatte, dass man keine Miene ablesen konnte, dann zurück Liza. Diese musterte Luke eindeutig, weshalb er sich mit einem militärischen Gruß von den beiden abwandte und die Dachterrasse verließ.

„Ved hat soeben Bescheid gegeben. Jules‘ Leiche ist verschwunden!“, keuchte Liza und stützte sich an der Brüstung. Die Seeluft brannte in ihren Lungen. „Was?!“, Ellie griff hilfesuchend wie Liza zu der eisernen Brüstung. „Ja, aus dieser Leichenhalle, aus der er eigentlich heute in mein Labor überführt werden sollte“, japsend stammelte Liza alle Informationen, ihre Augen verschmälerten sich, „der beste Beweis, dass es etwas zu verbergen gibt.“ Ellie brauchte dafür keine Beweise: „Woher wusste Lightning davon?“ Für sie war klar, wer hinter allem steckte, was in Delete passierte. An zwei konkurrierende Bösewichte oder unabhängige Handlungsstränge glaubte sie nicht.

„Wahrscheinlich von dem anderen Security, der mit am Tatort war“, erklärte Liza schulterzuckend, „er betreut wohl diesen Fall.“ Ellie knallte ihre Faust gegen die Eisenstange und wich schmerzverzerrt zurück: „Mist!“ „Kannst du laut sagen“, seufzte Liza. Sie blickte ziellos über die Terrasse. Auch in ihr breitete sich Enttäuschung aus. Sie hatte geglaubt, mit ihren Fähigkeiten einen erheblichen Schritt zur Lösung des Falls bei zu tragen. Doch nun war diese Chance dahin. „Meinst du, wir rennen gegen Windmühlen an?“, völlig abwesend wandte sich Ellie ihrem Blick über den Hafen zu. Liza berührte schüchtern ihre Schultern und weckte Ellies Lebensgeister damit aus ihrer Abwesenheit. „Ellie, ich habe von Salene die abenteuerlichsten Geschichten von euch Mallrats gehört – verzweifel bitte nicht!“, anerkennend nickte die sonst so kritische Wissenschaftlerin. „Salene, das liebste Fähnchen im Wind“, giftete Ellie anstelle der versöhnlichen Geste, die Liza eigentlich damit erreichen wollte. „Du tust ihr Unrecht!“, schob sie nun ein, „klar, Salene kann anstrengend sein. Aber ohne sie würde Volt das nicht schaffen! Mein Cousin ist kein starker Führer wie eure Amber!“ Erneut flackerte Anerkennung in ihr. Oder Bolt, ergänzte sie innerlich mit roten Backen.

„Ich bin nur so enttäuscht, dass es, trotz aller Bemühungen unsererseits, Menschen wie Lightning und Ram immer gelingt, etwas anzustellen. Es verlieren immer die Falschen ihr Leben dabei!“, Ellie verschlang ihre schmalen Arme vor der Brust. Ihr Gesicht war weiß und blass. „Wenn wir aufgeben, haben sie für immer gewonnen“, knurrte Liza und Ellie vermutete, dass so viel Pathetik der Wissenschaftlerin eigentlich gegen den Strich ging. Sie lächelte sie schüchtern an und ergänzte: „Wahrscheinlich hast du Recht.“

„Unsere Sendung heute Abend wird viele Menschen in Delete wach rütteln, Ellie. Wir haben den Menschen klar erklärt, welche schädlichen Substanzen auf dem ‚Schwarzmarkt‘ zu kaufen sind, wo der Unterschied zu geprüfter Ware liegt. Dass es dadurch zu den beobachteten Verhaltensweisen kommen kann“, eindringlich blickte Liza die bleiche Inselreporterin an. „Das ist doch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, oder?“, hoffnungslos spielte Ellie mit den Händen. „Oder der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, ergänzte Liza verschwörerisch und strich mit zähem Lächeln ihre Haare glatt.