Der gefallene Engel

von -Rhea-
GeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P18 Slash
20.09.2015
29.07.2018
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Hallo :)
Schön, dass ihr meine Geschichte lest. Bin schon am weiterschreiben, denke ich lade in den nächsten Tagen das zweite Kapitel hoch, das wird dann auch länger ;)
Die Figuren sind Meine, hab sie nirgendwo rausgenommen.
Viel Spaß beim Lesen:)
Rhea

Ach ja, den Liedtext hab ich aus Shazam, wusste nicht, ob man das dazuschreiben muss, also dachte ich ich machs mal besser. Ist eines meiner Lieblingslieder und passt, glaube ich, ganz gut:)
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Saltatio Mortis - Satans Fall

Ich war der Sohn der Morgenröte,
der Glanzstern an Gottes Firmament.
Ich war Cherubin,
ein Wächter des Himmels,
der, den man heute nur Satan nennt.

Doch bin ich gefallen
mit flammenden Schwingen,
ein brennender Stern am Himmelszelt.
Verstoßen vom Vater
hüte ich heute
die mächtigen Pforten der Unterwelt.

Ich war der erste Engel,
Gottes treuester Vasall.
Am Anfang stand mein Hochmut
und am Ende kam der Fall.
Ich griff nach seinen Sternen,
doch Gestirne brennen heiß.
Jedes Paradies hat Dornen
und jede Tat hat ihren Preis.

Ich war die Macht hinter der Schlange,
der Fehltritt in Gottes Paradies.
Ich war Advokat
von sündigen Seelen,
bis Gott mich hinabstieß in mein
Verließ.

Glaube und Hoffnung
sind in mir erloschen
und keine Liebe wärmt mein Blut.
So weinte ich Tränen
aus flüssigem Feuer
voll loderndem Hass und kalter Wut.

Ich war der erste Engel,
Gottes treuester Vasall.
Am Anfang stand mein Hochmut
und am Ende kam der Fall.
Ich griff nach seinen Sternen,
doch Gestirne brennen heiß.
Jedes Paradies hat Dornen
und jede Tat hat ihren Preis.

Ich griff nach deinen Sternen,
Gestirne brennen heiß.
Dein Paradies hat Dornen
und jede Tat hat ihren Preis.

Ich war der erste Engel,
der, den man nur Satan nennt.

Ich war der erste Engel,
Gottes treuester Vasall.
Am Anfang stand mein Hochmut
und am Ende kam der Fall.
Ich griff nach seinen Sternen,
doch Gestirne brennen heiß.
Jedes Paradies hat Dornen
und jede Tat hat ihren Preis.....

Jede Tat hat ihren Preis.
Nach Hochmut kommt der Fall.
Jedes Paradies hat Dornen.
Und jede Tat hat ihren Preis.....


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Mit zitternden Knien umklammerte Hijan den Griff seines Schwertes. Es war heiß hier unten, glühend heiß. Er bereute es, den Auftrag angenommen zu haben, doch wie oft wurde man schon vom König persönlich losgeschickt? Es war eine Ehre, die man nicht ablehnen konnte. Eine Würdigung. Man konnte dann sagen, man wäre ein persönlicher Krieger des Herrschers.
Mit größter Anstrengung zog sich Hijan hoch auf einen Felsvorsprung und knallte heftig gegen die Decke. Seine Augen begannen zu tränen.
Ja, welch eine Ehre, welch eine Freude.

„DU bist einer meiner besten Krieger, Hijan“, hatte er gesagt und ihn mit ernsten Augen angesehen.
„Danke, mein König“, hatte Hijan geantwortet, doch in die Augen gesehen hatte er König Karlon nicht. Er war ein guter Krieger, ja, doch keineswegs der Beste.

„Nun, ich würde dir gerne deinen Auftrag erklären, Hijan. Es geht um Folgendes. Vor sehr langer Zeit wurde ein Teil des königlichen Schatzes am Fuß des Grenzgebirges vergraben. Tief unten, in den Höhlen. Dort hinzukommen ist so beschwerlich, dass niemand je nachgeprüft hat, ob der Schatz dort noch liegt. Doch durch die Kriege hat das Land viel Geld verloren, weshalb ich vor einigen Wochen vier meiner Männer dort hinuntergeschickt habe. Sie kamen gestern zurück, doch der Schatz war verschwunden. Und ich weiß auch, wer ihn hat.“
An dieser Stelle hatte er kurz innegehalten und Hijan hatte aufgeschaut.
„Wer war es, mein König?“, fragte er leise.
„Anji’ho.“ Die Antwort kam knapp und scharf. Es war nur ein Name, doch die Art, wie der König ihn aussprach,  ließ Hijan erschaudern.
„Anji’ho? Der gefallene Engel?“
Karlon schnaubte abfällig. Auf einmal wirkte er gar nicht mehr so edel und majestätisch. Verwirrt blickte Hijan ihn an.
„Paah, nennen wir ihn beim Namen!“, fauchte Karlon, „ Satan! Teufel! Wie auch immer. Ich möchte dass du gehst und den Schatz zurückholst. Er hat ihn genommen. Gestohlen, er stand ihm nicht zu! Ein elender Dieb, ein Verräter, aber das war er ja früher schon! Geh, Hijan, hole den Schatz zurück. Du bekommst deine Ausrüstung vom Wächter der Waffenkammer, er weiß Bescheid.“
Er zögerte kurz, dann fügte er sanfter hinzu: „Ich hoffe du kehrst wieder zurück.“

Im Nachhinein betrachtet, hätte er vielleicht doch besser abgesagt. Die Reise war furchtbar gewesen, lang und beschwerlich. Den Chroniken der Elfen nach lebte Anji’ho seit seiner Verbannung  in den Tiefen des Vulkans Loji. Vermutlich kamen daher die Legenden über das Feuer der Unterwelt. Vor seiner Reise hatte Hijan alles was er über ihn hatte finden können gelesen. Und gefunden hatte er eine Menge. In den Legenden des Königreiches stand viel über den Verrat, den er begannen hatte. Durch seine Intrigen waren alle drei Könige der alten Welt ums Leben gekommen.
Interessant war auch die Auffassung der Bibel gewesen, dem Religionsbuch der christlichen Menschen. Dort wurde er als gefallener Engel beschrieben, der aus der Gunst Gottes gefallen war, hinab in die Verbannung. Diese Beschreibung hatte Hijan gefallen.
Doch in einem älteren Teil der Elfenchroniken fand er eine Version, die Mitgefühl in ihm geweckt hatte. Sie meinte, er wäre unsterblich verliebt gewesen und hätte die Intrige nur deshalb ins Rollen gebracht, um mit seiner Geliebten zusammen sein zu können.
Tatsächlich war das auch die Version, die Hijan gerne glauben würde, doch vielleicht auch nur, weil er selbst von den Elfen abstammte.
Jetzt quetschte Hijan sich durch einen schmalen Spalt zwischen zwei massiven Felsen. Seit drei Tagen stieg er nun schon nach unten in die Höhlen. Es war sehr beschwerlich und vor allem wurde es immer wärmer. Das schlimmste jedoch war, dass der Elf sich fortwährend beobachtet fühlte. Das war idiotisch, das wusste er, denn nichts lebte hier unten, selbst die Flechten auf den Felsen hielten die Hitze nicht aus.
Der letzte Ausbruch des Loji war zwanzig Jahre her, doch der Vulkan war noch immer aktiv.
Hijan war erst zwei Jahre alt gewesen, doch er erinnerte sich noch gut an das fliegende Feuer. Das war etwas, was selbst ein Säugling als gefährlich wahrnahm.
In Gedanken an diese Tage versunken, strich er mit seinen langen, weißen Fingern über eine verschmorte Flechte an der Wand vor ihm. Sie hatte der Vulkan auch vernichtet, genau wie sein Dorf. Wie traurig, wieder daran zu denken….
Etwas raschelte hinter ihm. Erschrocken zog er sein Schwert aus der Scheide und hielt es schützend vor sich. Doch da war nichts, außer nackter Felswand. Etwas beunruhigt ging er weiter. Es konnte nicht mehr sehr weit sein, doch der Weg kam ihm ewig vor. Die Felsspalten wurden schmaler und die Temperatur stieg noch weiter. Der Schweiß rann in Strömen über das schmale Gesicht des Elfen, das lange, rabenschwarze Haar klebte an seinem Gesicht. Schwer atmend hielt er inne und spähte durch eine Felsspalte. Es schien, als wäre er am Ziel.

Dort war eine große Halle. Sie war kuppelförmig ausgehauen und scheinbar bemalt. Er zwängte sich durch den Spalt und sah sich um. Die schwarzen Linien der Zeichnungen waren sehr fein gezogen, offenbar mit Kohle. An der Wand ihm direkt gegenüber sah Hijan das Portrait eines Mannes. Er war zweifelsohne ein Elf, von hoher Statur. Seine Haare reichten ihm bis zum Gürtel, an dem ein Schwert steckte. Seine langen Finger hielten einen Bogen, er zielte direkt auf den Betrachter des Portraits. Jetzt wo er sich umsah, erkannte er den Mann auf fast allen Zeichnungen, doch das mit dem Bogen war das größte von allen. Staunend durchquerte Hijan die Felsenhalle, seine Augen hingen an den Gemälden ringsherum. Dass er sich in den Hallen des „Satans“, des „Verräters“, des „Teufels“ befand, hatte er vollkommen vergessen. Er war in den Anblick des Elfen versunken, der wohl auf einem Teppich saß und ein Buch las. Er wusste nun, an wen ihn der Mann erinnerte. Er hatte Bilder von seinem Großvater gesehen, als er noch jung gewesen war. Hijan sah ihm so ähnlich, dass er gelacht hatte, als er die Bilder sah. Seine Mutter hatte ihm immer gesagt, er wäre sein Großvater in jung. Das gleiche Gesicht, die gleiche Haarfarbe, die gleiche Figur und die gleichen, sanften Charakterzüge. Es war merkwürdig, ihn hier unten zu sehen, fast so, als hätte er eine Zeitreise gemacht. Doch was tat er hier? Geistesabwesend legte Hijan seine Hand auf die des Gezeichneten.
„Großvater?“, flüsterte er, „Was machst du denn hier?“
Auf einmal überkam ihn die Sehnsucht. Er hätte ihn so gerne kennengelernt, doch der Vulkanausbruch hatte ihn getötet. Wie hunderte seiner Artgenossen. Er war in den Lavaflutwellen verbrannt. Hijan spürte Tränen auf seinem Gesicht. Er strich sanft über den Fels und sah hoch in das schöne Gesicht des Elfen.
„Du fehlst mir, Großvater“, sagte er.
Er ließ sich auf den warmen Boden sinken. Hier zu sein bereitete ihm Freude, seinen Großvater endlich bei sich zu haben und mit ihm zu sprechen, auch wenn er nicht antwortete.

Er hatte vergessen, warum er hier war.
Er hatte den Auftrag seines Königs vergessen.
Er war hier, ganz alleine und er war glücklich.
Es sei denn….

„Ich würde eins gerne wissen: Wie genau verirrt sich ein Elf der Bergregion in die Höhlen der Unterwelt?“, fragte eine dunkle, ruhige Stimme.
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