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Ungewöhnlicher Spuk im Legat

GeschichteMystery, Fantasy / P16 / Gen
Catherine Corrigan Derek Rayne Rachel Corrigan
20.09.2015
20.09.2015
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20.09.2015 9.554
 
Kat wachte mitten in der Nacht auf. Es raschelte seltsam. Stimmen flüsterten miteinander. Julien-Noel Dubois war noch nicht eingeschlafen. Er lauschte in die Dunkelheit. Sein Gehör war extrem gut, was vor allem auf seine vom Himmel gesteigerten Sinne zurückzuführen war, die ein Teil von ihm waren, egal ob als Mensch oder als Engel - wobei er letzteres eher selten gewesen war. Er stand auf und ging ins Treppenhaus. "Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!" hörte er eine Teenagerstimme flüstern. Irritiert schüttelte er den Kopf. Das Zitat kam ihm bekannt vor, doch er wusste nicht woher.

Auch Kat war ausgestanden und ins Treppenhaus getreten. Sie erblickte Julien, lächelte ihm zu und bedeutete ihm still zu sein. Beide lauschten sie in die Nacht. Ein "Hier stehe ich! Ich kann nicht anders!" hallte durch das Treppenhaus. Ein sichtlich irritierter Julien murmelte lautlos in Richtung Kat: "Martin Luther?" "Alles,  was nach Ordnung, Maß und Gesetz geschieht, erzeugt Gutes. Das  Untergeordnete und schlecht Eingeleitete ist dagegen an sich schädlich  und löset auch das Wohlgeordnete auf." erklang aus Richtung der Bibliothek. Julien hatte inzwischen Kat erreicht und zog sie in den Arm. "Das ist ein Zitat von Plato..." murmelte er leise. "Ein  Mensch, der sein Ende kennt, spürt das Leid von morgen, aber die Freude von heute. Er schaut zum Himmel und lebt ohne Reue. Er trauert, denn deshalb ist er ein Mensch. Er wird das Herz und die Zunge Gottes. Aus der Sterblichkeit schafft er etwas Unsterbliches." flüsterte es durch die Nacht. Kat überlegte. "Ich glaube, das war aus dem ägyptischen Totenbuch..." murmelte sie. "Es hofft der Beter, das Herz der Welt zu gewinnen." sagte eine Stimme. "Akiba Ben Joseph... ein jüdischer Schriftgelehrter aus dem 6. Jahrhundert... den haben wir gerade irgendwie im Seminar gehabt..." erkannte Julien überrascht. "Ich  sah einen kleinen Jungen, der trug ein Licht. Ich fragte ihn: "Wo ist  denn das Licht her?" Da blies er es aus und fragte zurück: "Kannst du  mir sagen, wo es nun hingegangen ist?"" flüsterte es aus der Bibliothek. "Und das war von Al-Hasan Al-Basri, einem muslimischen Theologen und Koranexegeten..."  Julien klang sichtlich verwirrt.

"Nimm 10 Gramm Fett von einem ungetauften Kinde, notfalls das eines schwarzen Hahnes, 5 Gramm Bilsenkraut - Blüten oder Samen, 2 Gramm Belladonna, 5 Gramm Knoblauch, 3 Gramm Sonnenblumenkerne, 10 Gramm Weizen. Dieses mische in einer Vollmondnacht, besser noch während einer Sonnenfinsternis oder einer Mondfinsternis. In der Sonne musst du es trocknen lassen. Zu einem feinen Pulver zerreiben tue es unter dem Neumond. Mit dem Fett mische es vor dem Gebrauch." zischte es unheimlich. "Flugsalbe, das ist das Rezept für Flugsalbe!" flüsterte Kat erschaudernd. 

"Unsinn! Das Rezept lautet: 100g Menschenfett,  40g  Haschisch, 50g  Bilsenkraut,  20g  Tollkirsche, 260g Indischer Hanf, 50g  Knoblauch, 30g  Sonnenblumenkerne, 250g Klatschmohn, 60g  Callamus, 100g Weizen!" kreischte eine andere Stimme. Kat zuckte zusammen. "Das ist die heftigere Mischung, die "Black Sabbath-Salbe"..." murmelte sie ängstlich. "Ich will nach Paris. Ich muss mit Onkel... Ich glaube... Onkel Belial weiß Rat... ich..." Sie zitterte in Juliens Armen. Die Stimmen verstummten nach und nach. Julien zog Kat in sein Zimmer und schloss sie fest in die Arme. "Wir werden Morgen mit ihm reden. Mal schauen, wo er mit Selvi ist. Ich bin aber jetzt erst einmal da und werde dich fest in den Armen halten. Hab keine Angst, meine süße Seraphe." flüsterte er beruhigend. Kat schlief in seinen Armen ein.

Am nächsten Morgen versuchte Kat ihren Patenonkel Belial zu erreichen. Er war ein wenig ungehalten, da er gerade in Europa - zudem in Venedig war, mit seiner Freundin Selvaggia, einer Venezianerin. Die beiden richteten gerade ihren Palazzo her und auch sonst war bei den beiden gerade viel Trubel. Selvaggia liebte Kinder - genau wie Belial, obwohl der es weniger freimütig zugab. Es sei denn, es handelte sich um die Rayne-Kinder, seine Patenkinder, die er fast abgöttisch liebte und dementsprechend verwöhnte. Gerade waren jedoch wohl auch Nick und Alex mit Samantha zu Besuch, denn Selvaggia hatte sie eingeladen. Samantha liebte ihre Patenonkel Samyaza und Hamaliel - den gefallenen Engel und den einen Fürsten der Dynameis - aber irgendwie hatte die kleine Tochter der Boyles mit ihrem halben Jahr auch einen Narren an Belial gefressen - und an "Tante Selvaggia". In Venedig war es noch spät in der Nacht und obwohl Belial nicht schlafen musste genoss er trotz allem seine Ruhe mit seiner Geliebten.

"Käthchen, was willst du?" fragte er am Telefon und seufzte. "Es ist unheimlich, Onkel Belial, bei uns im Legat spukt es. Julien und ich haben gestern Stimmen gehört - Zitate von allen möglichen Leuten, Philosophen, Theologen, nicht nur christlichen. Und dann waren da zwei Rezepte für Flugsalbe... Es war echt gruselig!" rief Kat. "Stimmen? Zitate? Flugsalbe? Wer hat die außer Julien und dir noch gehört?" fragte Belial nach. "Nur wir... vielleicht die Zwillinge, aber die waren ganz still." "Bitte? Die haben sich schon in so jungen Jahren theologischen Mist anhören müssen?!" meinte Belial. "Selvi und ich kommen heute Abend nach Angel Island. Mach dir nicht zu viele Sorgen und notfalls geh mit Magie der Sache nach! Du bist stark, Käthchen! Pass auf deine Geschwister auf! Ruf notfalls Gabriel und Raphael oder Paymon, Gadreel oder Satanael zur Hilfe!" ordnete er streng an. 

Kat grinste Julien gezwungen an. Noch vor ein paar Monaten wäre Belial gesprungen bei einem solchen "Notruf". Selvaggia machte ihn wesentlich gelassener. Seit einem Monat waren die beiden nun "verheiratet". Nicht kirchlich, aber durch den Segen des Himmlischen Vaters, was selbst in den Augen des Pariser Erzbischofes mehr zählte als der Segen der Kirche. Das kirchliche Oberhaupt von Paris - Pierre Pasquieu - war zudem Juliens Onkel und Julien Kats Freund. 

Als sich Lucifer am nächsten Morgen im Bett Selvaggia in den Arm nehmen wollte war ihre Seite leer. Er zog sich schnell an und begab sich nach unten in die Küche wo Selvaggia bereits damit beschäftigt war Frühstück zu machen. Er trat hinter sie, legte von hinten seine Hände um ihre schlanke Taillie und flüsterte ihr liebevoll ins Ohr: "Einen wunderschönen guten Morgen, meine süße Hexe!" Sie lächelte, sagte aber nichts, drehte sich um und reichte ihm eine große Tasse Kaffee. "Ich mach dir am besten gleich noch eine, die wirst du nachher vielleicht brauchen oder vielleicht eher einen Schnaps." sagte die Hexe anstatt "Guten Morgen" oder "Ich liebe dich auch" , wie sie es eigentlich immer tat. 

Der Fürst der Finsternis starrte sie irritiert an. "Selvi? Was ist denn los?" "Setz dich erst mal." Sie schob ihn zum Tisch, setzte sich ihm gegenüber und holte etwas aus der Tasche ihres seidenen Morgenmantels. Sie legte es vor ihn auf den Tisch sah nach unten und murmelte: "Den habe ich heute Morgen gemacht. Ich... kann mir eigentlich nicht erklären wie, da wir... ich habe ehrlich meine Kräuter nicht vergessen und... ich weiß du wolltest noch nicht so bald... es tut mir leid, Lucifer." flüsterte sie fast entschuldigend. Er starrte auf das Display des digitalen Schwangerschaftstests  - schwanger  10. Woche - . Er schluckte kurz. "Verdammt Vater, ich hatte es ernst gemeint als ich sagte ich will noch nicht sofort ein Kind haben!" sagte er in Gedanken zu seinem himmlischen Vater. "Tja mein Sohn, es gibt Dinge die kannst selbst du nicht beeinflussen, wenn ich es möchte kann ich jede Verhütung unwirksam werden lassen, sei sie noch so gut. Ich freue mich über mein "Enkelkind"."  "Ich wusste dass du das tun würdest! Und DEIN Wille geschehe... wie im Himmel so auf Erden..., wie passend!" beendete er das Gedankengespräch mit seinem himmlischen Vater sarkastisch. 

Die hübsche Frau ihm gegenüber sah ihn erwartungsvoll an, da er bis jetzt keine Gefühlsregung gezeigt hatte. Er atmete heftig aus. 

"Okay. Ich hatte zwar damit gerechnet, dass Vater eingreifen würde, aber nicht so schnell. Patenonkel sein und Vater sein - sind zwei unterschiedliche Dinge. Aber gut, ich freu mich natürlich Selvi und... komm her, mein Herz - in meine Arme." Sie setzte sich auf seinen Schoß. Er legte sanft seine Hand auf ihren Bauch und küsste sie zärtlich. "Da ruht also unser kleiner Luciano Rayne, meine süße Signora Rayne?" flüsterte er, trotz allem von dem kleinen Wunder das sich da ankündigte ergriffen.

"Bin ich froh, dass du nicht böse bist!" seufzte sie erleichtert. "Wieso sollte ich? Du kannst doch nichts dafür! In diesem Fall ist unser himmlischer Vater schuld, er hat eben zugegeben, dass er seine Hände im Spiel hatte. Wenn dann muss ich auf ihn wütend sein." "Meinst du die Engel wissen es schon?" Ich denke mal Sariel und Raphael, ja. Denen wird Vater schon mitgeteilt haben was er gemacht hat und ihnen den Auftrag erteilen dir als Arzt- und Hebammenersatz zur Seite zu stehen, da sie Engel der Heilung sind und dies mit Sicherheit auch können." Sie nickte. "Die Raynes und Boyles wissen es mit Sicherheit noch nicht denke ich..." Er sah hoch zur Decke und fragte leise "Vater?" "Sie wissen es nicht! Bei Sariel und Raphael ist es so wie du schon sagtest und Sandalephon hat mit den beiden geredet, weil er den von dir geforderten Babypflegekurs baldmöglichst absolvieren will. Den restlichen Engeln habe ich noch nichts gesagt, wobei der ein oder andere von denen, die viel Zeit mit euch verbringen, bereits etwas ahnen könnten. Aber sie werden euren menschlichen Freunden nichts sagen, das überlassen wir Euch." lautete die Antwort "Und wann sagen wir es unseren menschlichen Freunden?" fragte Selvaggia mit einem Anflug eines Lächelns. Er zuckte mit den Schultern. "Ich denke ich bitte Tilly mit mir mal wieder ein leckeres Menü zu kochen für alle, die freut sich auch und dann... müssen wir es ihnen wohl sagen. Ich sage einfach... vielleicht so erst mal... wir haben schon so lange nicht mehr alle zusammen gegessen." Er nickte. "Mach das, das ist eine gute Idee, meine süße Hexe." Er gab ihr einen liebevollen Kuss.

"Wobei... Tilly wird es merken und..." Belial lachte leise. "Dann drohe ihr, dass ich sie mit einem Schweigezauber belege wenn sie es ausplaudern will." meinte er mit einem Zwinkern. "Ich muss nach Paris und dann hat Kat gestern Nacht noch angerufen - oder war es irgendwann kurz nach Mitternacht, keine Ahnung. Ich gestehe, Süße, in deinen Armen verliere ich das Zeitgefühl." Selvaggia schnaubte leise und gab ihm einen nicht gerade als zärtlich zu bezeichnenden Rippenstoß. Er lachte, gab ihr einen Kuss und fuhr fort: "Sie meinte es spuke im Legat. Ich habe sie zwar an ihre anderen Paten verwiesen, will aber trotzdem nach dem Rechten sehen." Selvaggia lächelte. "Wie immer, bei all deinen drei Patenkindern." flüsterte sie. "Du wirst ein so wundervoller Vater sein..." Er grinste. "Ja, einer der dafür sorgen kann, dass du auch ausschlafen kannst, weil ich ihn füttern und wickeln kann, unseren kleinen Luciano. Wobei ich mit Sandalephon - denn der wird ja wohl himmlischerseits Pate werden - mal über den zweiten Namen reden muss, denn Luciano-Sandalero oder sowas - dafür würde ich den Kerl erwürgen!"

In diesem Moment betraten Nick und Alex mit Samantha die Küche. "Hab ich das gerade richtig verstanden und ihr diskutiert über einen Namen für euer erstes Kind?" fragte die hübsche Afroamerikanerin. Belial seufzte leise. "Und ich dachte, die drei schlafen noch!"

"Wir wissen es auch erst seit eben wenn der Test richtig ist und wollten es euch und der Raynefamilie und den Engel die noch nichts ahnen eigentlich erst heute Abend bei einem gemeinsamen Essen im Boulevard sagen." erklärte Selvggia. Nick und Alex grinsten. "Wir werden nichts verraten." versprachen sie.

Selvaggia stand auf und servierte zusammen mit Alex das Frühstück, während Nick sich um das Essen für seine Tochter kümmerte, knuddelte Lucifer die kleine Samantha liebevoll und spielte etwas mit ihr. Anschließend säuberte Lucifer die Küche mit einem Fingerschnippen und kehrte gemeinsam mit Selvaggia und den Boyles zurück in den Boulevard. 

"Wir gehen dann mal ins Quartier Latin, bis heute Abend. Wir freuen uns schon." grinsten die beiden und verließen den Boulevard. "Ich rede dann mal mit Tilly." Lucifer nickte. "Und ich sehe nach was im Legat vor sich geht. Bis später, ich liebe dich und pass auf unseren Kleinen auf." flüsterte er lächelnd und gab ihr noch einen Abschiedskuss. Dann verschwand er.

Selvaggia betrat die Küche in der Mathilde sich eben einen Kräutertee kochte. "Hallo Selvi, möchtest du auch einen Tee? Oder Frühstück?" Sie lächelte ihre Freundin an. "Tee gerne, Frühstück nein danke, wir haben noch in Venedig ausgiebig gefrühstückt, bevor wir hergekommen sind." "Es war die letzten Tage so langweilig hier als ihr alle in Venedig gewesen seid." sagte die Köchin des Boulevards als sie eine Teetasse vor Selvaggia auf den Tisch stellte und sich selbst setzte. "Wie wäre es dann, wenn wir zusammen einkaufen gehen und anschließend mal wieder ein tolles und leckeres Menü für alle kochen?" Mathilde sah begeistert aus. "Alex und Nick haben wir heute schon eingeladen, die Raynes samt Julien wird Lucifer einladen, da er ohnehin gerade im Legat ist." Sie beobachte ihre Freundin aufmerksam. "Sag mal hat das Essen einen bestimmten Grund?" "Nein, wir wollten nur mal wieder alle zusammen zum Essen haben, die Famile, sozusagen und..." Tilly unterbrach ihre Freundin. "Das glaube ich dir nicht! du siehst glücklicher aus, seit du wieder aus Venedig zurück bist. Was ist... bist du etwa... schwanger?" Das letzte Wort flüsterte die Köchin. Selvaggia grinste und nickte schnell. "Aber kein Wort zu niemandem, wir wollen es heute Abend sagen. Lucifer wird dich mit einem Schweigezauber belegen solltest du es sagen wollen!" lachte Selvi. "Das ist ja wunderbar! Ich freu mich so für euch! Aber ich dachte unser Herr wollte jetzt noch kein Kind?" "Es war ja auch nicht geplant und wäre noch nicht passiert, wenn Gott nicht an unserer  Verhütung manipuliert hätte. Er hat es Lucifer gegenüber ganz offen zugegeben." erklärte sie der anderen Hexe.

Im Legat wurde er von einem begeisterten "Lufi!" begrüßt und seine kleinen Patenkinder stapften ihm ein wenig unsicher entgegen. Mit einem leisen Lachen hob er die zwei auf den Arm. "Na, meine Engelchen? Wie geht es euch heute? Sind die Mama und der Papa und Kat und Julien ebenfalls da?" fragte er. "Mama hamham." nuschelte Lucas-Lucian, was Belial mit "Mama ist in der Küche und kocht Essen" interpretierte. "Dada lese Abasima." informierte Christina-Luciana ihn - und er übersetzte das für sich mit "Papa liest im Arbeitszimmer." Seine Patentochter drückte ihm einen feuchten Kuss auf die Wange. Er grinste. "Na gut, und wo ist eure große Schwester?" fragte er. "Ate Bibidek, Huu au da!" murmelte das kleine Mädchen auf seinem Arm. "Ah, gut, Katherine und Julien sind in der Bibliothek?" fragte er nach. Christina-Luciana überlegte kurz, dann nickte sie. "Habt ihr zwei eigentlich etwas gehört als es dunkel gewesen ist?" Erneutes Nicken, diesesmal von beiden. "Nis Mama, nis Dada, nis Huu nis Ate." informierte die Kleine ihn. "Ihr habt also Stimmen gehört und das waren nicht die von eurer Mama, dem Papa, Katherine oder Julien?" fragte er nach. Beide Kinder nickten. 

"Du fragst wirklich die beiden?" Ein erstaunter Hagiel wurde sichtbar. Belial zog eine Augenbraue hoch. "Natürlich. Wir drei verstehen uns wunderbar, wie du siehst. Rachel ist in der Küche und kocht, Derek liest im Arbeitszimmer und Kat und Julien sind in der Bibliothek und meine beiden Spätzchen hier haben gestern Nacht fremde Stimmen gehört." Jetzt war Hagiel erst recht sprachlos. "Stimmt - mit den Aufenthaltsorten. Ich bin echt beeindruckt." murmelte er. "Was machst du eigentlich hier?" "Ach, da ich auf Kat aufpasse - eigentlich - und sie und Julien jederzeit in "Engel-Modus" schalten dürfen, falls es Probleme gibt, ist jetzt sozusagen offiziell genehmigt, habe ich angeboten auf die zwei hier mit aufzupassen. Gabriel hat ja noch immer keinen neuen Schreiber und Euangelion ist ja immer noch Rachels Schutzengel." Belial lachte leise. "Aber wohl unsichtbar und unhörbar? Ich vermute, sonst wäre sie außer sich - weiß sie das überhaupt?" "Erstens: ja, zweitens: Nein. Sie hat keine Ahnung."

"Hast du eine Ahnung was hier vorgeht?" fragte Belial. Hagiel schüttelte den Kopf. "Nicht die Geringste. Aber Julien meinte es wäre zwischen Mitternacht und Eins gewesen als sie die Stimmen gehört haben - sprich Geisterstunde." Belial nickte nachdenklich. "Wie ist es, gehen wir zusammen in die Bibliothek?" Seine Patenkinder nickten begeistert und Hagiel stimmte lächelnd zu.

Als sie zu viert leise eintraten, hörte Kat sofort ihre Geschwister. "Onkel Belial!" rief sie begeistert, nickte ihrem anderen Paten zu und begrüßte ihn ebenfalls mit "Hallo Hagiel. Schön dich mal wieder zu sehen." 

"So, nun erzählt mal, was ist passiert und wer von Kats Paten hilft euch? Ich sehe nur Hagiel und der war unten bei den Zwillingen!" "Onkel Satanael ist vor einer halben Stunde wieder gegangen." erklärte Kat. Belial konnte sich ein zufriedenes Grinsen in Hagiels Richtung nicht verkneifen. Die beiden informierten ihn über die Stimmen. "Und wir sind uns ziemlich sicher, dass das Meiste hier aus der Bibliothek kam. Darum haben wir auch die Bücher durchgesehen. "Hier stehe ich! ich kann nicht anders!" steht in der Luther-Biographie, auch zwei oder drei andere Zitate haben wir gefunden. Allerdings sind wir noch nicht wegen der Grimoires fündig geworden in denen wohl die Rezepte für Flugsalbe stehen." informierte Julien ihn.

Nachdenklich ließ Belial seine Augen über die Regale schweifen. "Derek hat ja zwei oder drei Grimoires hier rumfliegen. Habt ihr die kontrolliert? Eigentlich hatte jede Hexe ihr Rezept für Flugsalbe." "Ja, die haben wir zuerst kontrolliert, aber die beiden Rezepte haben wir nicht gefunden. Das eine war eine Version die sich auch mit dem Fett eines schwarzen Hahnes zufrieden gegeben hätte, die andere war die Black Sabbath-Version mit Menschenfett." Sie erschauerte sichtlich. "Du weißt aber schon, dass die Version in deinem Grimoire steht?" fragte Belial sanft. Kat nickte. "Aber die Stimmen haben sich unterschieden, also waren es vermutlich die Stimmen der Personen, die die Bücher geschrieben haben oder der Personen über die berichtet wurde - und es war weder deine noch Selvaggias Stimme, auch die von Alex war es nicht." "Gut, wenn das der Fall ist, dann wäre zumindest das eine Flugsalbenrezept in meiner oder Selvis Stimme zu hören gewesen." stimmte Belial zu. "Ich würde vorschlagen, dass ich mir das heute Abend mal persönlich anhöre, aber für heute Abend wollte ich euch alle zum "Familienessen" im Boulevard einladen. Haben wir lange nicht mehr gemacht und Selvi fehlt es ein wenig. Ihr wisst doch, sie hat gern alle Kinder um sich." Er grinste. Kat lächelte. "Gern. Hört sich gut an." meinte sie. 

"Lufi? Elvi Pa-is?" fragte Christina-Luciana. Belial lachte leise. "Ja, Tante Selvaggia ist in Paris bei Tante Mathilde, Herzchen. Soll ich dich gleich mitnehmen wenn ich deine Mama um Erlaubnis gefragt habe?" Die kleine nickte. Hagiel lächelte. "Und, Lucas-Lucian, willst du nachher mit den anderen und mir mitkommen?" fragte er. Der kleine Bursche sah ihn einen Augenblick an, dann nuschelte er: "Lu-Luan de Hail." "Heißt: Lucas-Lucian geht mit Hagiel." übersetzte Belial überrascht. "Scheint, der kleine Racker mag dich." "Er ist ja auch süß und ich habe bei ihm ein- oder zweimal Windeln gewechselt. Rachel war so nett es mir zu zeigen." Er wandte sich an den Kleinen und murmelte "Muddu neues Windeli habi?" was ihm ein verärgertes: "Hör auf so bescheuert mit meinem Patensohn zu reden! Der ist klug und versteht jedes Wort! Ich rede auch normal mit den beiden, mach also keinen Blödsinn indem du Babysprache nuschelst die du gar nicht verstehst!" Überrascht sah Hagiel ihn an. "Meinst du das ist nicht gut?" "Genau das meine ich! Bei so einem "Haddu dudu muddu"-Mist verblöden die beiden doch!" wies Belial den Engel zurecht.

"Ich gehe dann mal mit Christina-Luciana in die Küche und begrüße Rachel." sagte er dann und erhob sich. Im Korridor überlegte er es sich allerdings kurzerhand anders und klopfte gleich darauf an die Tür von Dereks Arbeitszimmer. Auf dessen "Herein!" betrat er es. "Hallo Cousin." begrüßte er den Praeceptor mit einem freundlichen Lächeln. "Belial, komm rein. Bist du also dann doch gekommen? Kat und Julien haben irgendwas von Stimmen aus der Bibliothek gesagt." Belial nickte. "Ja, ich habe gerade mit den beiden und Hagiel darüber diskutiert. Ich werde heute Abend - zur Geisterstunde - hier sein und das kontrollieren mit den beiden. Aber dazu hätte ich euch auch gern aus der "Schusslinie" gemeinsam mit den Zwillingen. Außerdem hat meine Selvi ein "Familienessen" für heute Abend in Paris angedacht und ich habe es übernommen euch einzuladen." "Ja, gern. Weiß Rachel schon davon? Ich glaube, sie kocht gerade." "Ja, das hat mir Lucas schon gesagt." Belial grinste. "Und dieser kleine Spatz hat mir gesagt wo ich dich finde." Derek schüttelte lachend den Kopf. "Ich finde deinen Umgang mit den beiden Kindern phantastisch! Die beiden lieben dich über alles und du... also wenn du meine Meinung hören willst: Du solltest wirklich schon früher an eigene Kinder denken. Auch wenn du Selvi und unsere Kinder hast, glaub mir, eigene Kinder bereichern das Leben um eine wunderbare Note." Belial räusperte sich. "Ja, mal sehen..." murmelte er, stand abrupt auf und meinte: "Ich werde dann mal Rachel informieren, dass ihr in Paris erwartet werdet." 

Er verließ das Arbeitszimmer. Er sah zärtlich auf die sein T-Shirt besabbernde Christina-Luciana. "Na, was meinst du, würdest du dich über deinen Cousin Luciano freuen?" fragte er leise. "Lufi Dada?" fragte sie. "Ja, in sieben Monaten ist dein Onkel Lucifer Papa. Tante Selvaggia bekommt einen kleinen Jungen den wir Luciano nennen wollen." flüsterte er. "Tia-Lusi luckich fu Lufi." murmelte sie. Belial lächelte und gab ihr einen Kuss auf die Wange. "Du bist glücklich für mich? Nicht eifersüchtig? Wobei ich für dich und deinen Bruder natürlich auch immer Zeit haben werde." Sie schüttelte energisch den Kopf.

In der Küche setzte er sich leise an den Tisch und sah Rachel zu, die ihn erst bemerkte als ihre Tochter leise kicherte. "Lufi Dada!" rief sie vergnügt. Rachel drehte sich überrascht um. "Huch, du warst mit deinem Onkel Lucian bei deinem Papa?" fragte sie mit einem Lächeln. Belial grinste. "Ja, klar, wir haben den Papa ja zum Abendessen eingeladen, nicht wahr, Spätzchen? Die Tante Selvaggia will euch ja alle wieder mal um sich haben." Er lächelte und atmete innerlich auf, dass Rachel die Worte ihrer Tochter missverstanden hatte. "Und wir beide wollten dich fragen ob Christina-Luciana schon mit mir nach Paris darf." Rachel lachte leise. "Ja, na klar darf sie. Ich koche nur eben schnell fertig und stelle es dann in den Kühlschrank. Und dann komme ich nachher mit den anderen." Belial nickte ihr zu, umarmte sie kurz und verschwand in den Boulevard Haussmann 13 in Paris wo er sich in der Küche mit seiner Patentochter auf dem Arm materialisierte. 

Als Rachel, Derek, Kat, Julien und Hagiel mit Lucas-Lucian auf dem Arm im Boulevard ankamen, waren Alex und Nick schon da. Die beiden begrüßten ihre Freunde herzlich und begleiteten sie in die Küche wo der Tisch schon fertig gedeckt war. Rachel und Derek lächelten als sie ihre Freunde erblickten: Belial, der ihre lachende Tochter auf dem Schoß hatte und Selvi die neben ihm saß, die kleine Samantha auf dem Arm. "Hallo, wir füttern die beiden gerade da sie Hunger hatten und wir dachten dann können wir nachher alle in Ruhe essen, wenn die Kleinen schon satt sind." sagte Selvaggia. "Das ist toll, Lucian hat auch schon gegessen. Ich denke du wirst mal eine tolle Mutter Selvi, du kannst ebenso wie Belial sehr gut mit Kindern umgehen." 

Belial sah seine Freundin mit einem inneren Lächeln an. Die Hexe lächelte. "Danke Rachel, das hört sich im Moment sehr ermutigend an." sagte sie immer noch mit einem glücklichen Lächeln. Rachel sah ihre neue Freundin überrascht an. "Weshalb ermutigt dich das denn?" Jetzt musste Belial lachen. Rachel und Derek warfen sich kurz einen Blick zu und sahen dann fragend Selvaggia und Lucifer an. "Werdet ihr Eltern?" fragten sie wie aus einem Mund. Selvaggia nickte und wirkte dabei überglücklich. Rachel umarmte sie sofort, ebenso Belial. "Das freut uns sehr für euch, ihr  werdet tolle Eltern sein da bin ich mir sicher." sagte Rachel erfreut. "Dann hieß das "Lufi Dada" von Christina-Luciana vorhin also nicht, dass ihr beide vorher bei Derek gewesen seid sondern, dass du Papa wirst?" fragte sie mit einem leisen Lachen. Belial errötete leicht. "Ertappt Schwesterherz." murmelte er. Derek gratulierte ebenfalls sehr erfreut. Kat und Julien starrten die beiden erst überrascht an, bis sie dann auch gratulierten. 

"Wolltet ihr, beziehungsweise du, Lucifer, nicht noch warten?" fragte Kats Schutzengel ebenfalls überrascht, der sich gerade sichtbar gemacht hatte. "Eigentlich ja, aber da hat unser werter Vater seine Finger im Spiel - das hat er mir selbst gesagt." antwortete Belial mit einem leisen Seufzen, legte jedoch zärtlich einen Arm um Selvaggia. Seraphiel lachte. "Der kann es wohl nicht abwarten Enkel zu bekommen?" Lucifer sagte nichts darauf und übergab seine Patentochter an Derek, der sie in den Laufstall legte der hier im Boulevard stand, wenn die Zwillinge hier waren. 

Sie genossen das leckere Abendessen und das lockere Zusammensein. "Ich hoffe wir machen so etwas in Zukunft wieder öfter?" fragte Selvaggia allgemein in die Runde. "Aber sicher, das hat die letzte Zeit sehr gefehlt." stimmten die anderen einstimmig zu. "Übrigens sind Selvi und ich uns einig, dass wir dich für unseren Luciano gern als Paten hätten, Derek." sagte Belial. Seine Freundin stimmte nickend zu und sah den guten Freund, den "Cousin" ihres Ehemannes erwartungsvoll an. "Sehr gern. Ich freue mich und hoffe, dass ich meinen Job wenigstens halb so gut mache wie du bei unseren Kindern, Belial." antwortete der überrascht. Der werdende Vater grinste. "Du hast "Doppelpack-Erfahrung" und ich bin sicher, unser kleiner wird dich lieben." Er klopfte Derek auf die Schulter.

Etwa fünfzehn Minuten vor Mitternacht begab sich Lucifer mit Kat, Julien, Seraphiel und Metatron da die beiden Erzengel als Schutzengel von Kat und Julien agierten ins Legat um den Stimmen auf den Grund zu gehen.

„So, ich denke, wir verteilen uns am besten.“ schlug Belial vor. Die anderen nickten. „Ich schlage vor, ich gehe in die Bibliothek, Seraphiel, du bleibst vielleicht im Treppenhaus, Metatron, du nimmst dir bitte die Küche vor. Ich will wissen ob auch aus Rachels Kochbüchern irgendwas kommt. Julien, du gehst mit Kat ins Spielzimmer von Christina-Luciana und Lucas-Lucian!“ Metatron zog belustigt eine Augenbraue hoch. „General Lucifer hat gesprochen...“ spottete er freundlich. Seraphiel grinste. „Ist aber eine logische Aufteilung, denn ich höre hier aus welchen Richtungen etwas kommt und Kat und Julien meinten es käme aus der Bibliothek – womit Lucifer an der Quelle wäre – und im Spielzimmer dürften Kats alte Kinderbücher sein. Und es kann nie schaden wenigstens das eine oder andere Kochrezept zu kennen, wenn man irgendwann mal „menschlich“ spielen muss.“ Belial warf Metatron einen finsteren Blick zu, schwieg jedoch und verschwand in der Bibliothek.

Die anderen verteilten sich wie er es angeordnet hatte. Zehn Minuten später ging es los, allerdings kamen die Stimmen zu Kats und Juliens Überraschung aus dem Zimmer von Rachel und Derek. Eine sinnliche Frauenstimme stöhnte leise und flüsterte: „Mach es mir, Charles, pfähle mich mit deiner starken Lanze!“ Julien steckte sich andeutungsweise einen Finger in den Hals als er die schmalzigen Worte hörte, während Kat kicherte. Eine männliche Stimme zitierte aus der Bibel – allerdings in Koiné-Griechisch, dem folgte etwas aus einem offenbar psychologischen Fachbuch. Gleich darauf erklang Dereks Stimme. Julien runzelte die Stirn. „Das ist aus seinem neuen Script für die Vorlesung in Christologie, die Erzbischof Bryce ihn gebeten hat hier in San Francisco zu halten. Er hat mit mir drüber gesprochen, daher weiß ich das.“

Kat nickte ihm zu und schlich in das Zimmer ihrer Eltern. „Dad? Mum?“ fragte sie vorsichtig. Keine Antwort. Doch als sie sich umsah, erblickte sie Schattengestalten. Erschrocken schrie sie auf – und die Schatten waren verschwunden. Seraphiel tauchte hinter ihr auf. Sie merkte, wie er seine Gedanken mit ihren Verband und so wusste, was geschehen war. Auch Metatron, Belial und Julien – oder besser Juliel standen im nächsten Moment neben ihr. Seraphiel brachte die drei auf den Stand dessen, was er Kats Erinnerungen entnommen hatte. „In der Bibliothek war nur ein Murmeln zu hören – fast unverständlich und jedes Mal wenn ich nach dem entsprechenden Buch greifen wollte, verstummte es.“ berichtete Belial frustriert. „In der Küche habe ich nur einige Zutaten vernehmen können.“ sagte Metatron. „Im Treppenhaus habe ich nichts gehört.“ fügte Seraphiel hinzu. „Könnte das daran liegen, dass ihr drei Seraphim seid – durch und durch? Kat ist es ja nur „bei Bedarf“ genauso wie ich „bei Bedarf“ zum Engel werden kann.“ 

Nachdenklich nickte Belial. „Würde für mich bedeuten, dass Morgen Hagiel und Kerubiel vielleicht mit Satanael nach dem Rechten schauen?“ fragte er in die Runde. „Die Cherubim sind uns allerdings schon recht ähnlich, irgendwie...“ gab Metatron zu bedenken. „Vielleicht würde Hamaliel übernehmen wenn ich auf Samantha-Amélie aufpasse?“ schlug Seraphiel vor. Belial nickte nachdenklich. „Vielleicht keine schlechte Idee, wenn Hagiel, Hamaliel, Satanael und vielleicht noch Paymon oder Gadreel übernehmen.“ stimmte er zu.

Er wandte sich an Kat und Julien. „Ihr zwei kommt mit nach Paris. Da weiß ich euch in Sicherheit. Außerdem bleiben auch erstmal eure Eltern dort, mit den Kindern. Ich will meine Familie in Sicherheit wissen! Ihr beide kommt Morgen um Mitternacht wieder mit den anderen Engeln her!“ Er schubste sie fast durch das Portal. Derek hatte noch gewartet und saß in der Küche, wo er mit Mathilde bei einer Tasse Tee plauderte. Mit finsterem Gesicht berichtete Belial seinem „Cousin“ was geschehen war und stellte klar, dass er nicht wollte, dass die Familie zur Geisterstunde im Legat war. „Und Rachel sollte wirklich aufhören so widerliche Liebesschnulzen zu lesen!“ schnaubte er. „Mach ihr lieber noch ein, zwei Kinder, dann hat sie das nicht nötig!“ Derek lachte auf. „Die liest sie zum Abschalten. Und ich bin nicht der Typ, der seiner Frau vorschreibt, was sie zu lesen oder nicht zu lesen hat!“

Seraphiel und Metatron grinsten einander vielsagend an, bevor Kats Schutzengel erklärte: „Ich rede mit Hagiel, Hamaliel und Kerubiel, Lucifer. Du müsstest das dann bitte mit Satanael, Gadreel oder Paymon abklären.“ Belial nickte. „Ist schon passiert. Satanael und Paymon kommen mit Kat und Julien mit! Samyaza hat sich ebenfalls angeboten, den ziehe ich aber nicht vom Samantha-Amélie ab. Die Kleine braucht wenigstens einen ihrer vertrauten Schutzengel um sich und da Samyaza sowieso ihr Lieblingsonkel ist...“ Derek lachte leise. "Das glaubst auch nur du, das Kind liebt "Samsa" und "Alali" beide gleich - ist zumindest meine Meinung. Als ich die beiden das letzte Mal mit ihr gesehen habe haben die zwei gemeinsam mit ihr gespielt und Samyaza durfte ihr beim Trinken helfen während Hamaliel sie füttern musste."

Sariel tauchte in der Küche des Boulevards auf. "Guten Abend zusammen! Freut mich euch alle mal wieder zu sehen." richtete er seinen letzten Satz an die menschlichen Anwesenden. "Und habt ihr schon etwas herausgefunden wegen der Stimmen im Legat?" erkundigte sich der Erzengel Sariel. "Nicht wirklich, immer wenn wir etwas unternehmen wollten, verstummten die Stimmen. Julien stellte die Vermutung auf dass es daran liegen könnte dass wir alle drei Seraphim sind." antwortete Metatron. "Weshalb denn nur drei, ich dachte Kat ist auch eine Seraphim?" wunderte sich der Präceptor. "Das schon Derek, aber nicht so wie Seraphiel, Metatron und ich. Sie ist nur zur Hälfte eine Seraphe und auch nur wenn sie sich in ihrer Engelsgestalt befindet." Derek nickte. 

"Dann werde ich das unserem Vater fürs erste so ausrichten. Das war der erste Punkt weshalb ich euch besuche. Und dann bin ich hauptsächlich hier um nach Dir zu sehen, Selvaggia, beziehungsweise nach eurem Baby. Ihr habt euch sicherlich schon gedacht, dass der himmlische Vater uns schickt um regelmäßig nach euch zu sehen." Selvaggia nickte. "Ihm liegt offenbar sehr viel daran, dass er einen gesunden "Enkel " bekommt." Er wendete sich kurz an Lucifer der sich gerade an der Kaffeemaschine zu schaffen machte. "Ach unser Vater erwähnte übrigens auch  du hättest  heute in Gedanken lästerlich mit ihm geflucht?" sagte Sariel belustigt. 

Der Höllenfürst seufzte. "Ja, das habe ich, denn er hat mich vor vollendete Tatsachen gestellt. Und hat damit sogar in zweifacher Hinsicht  meinen "freien Willen" gebrochen, den ich ja noch habe. Denn er hat gezaubert was Selvis Schwangerschaft angeht, obwohl er wusste, dass ich noch warten wollte. Aber gut... jetzt ist es so, ich hätte nur gerne noch etwas Zeit mit Selvi allein gehabt. Und zweitens will er nicht akzeptieren, dass ich nicht reden will! Er hetzt mir Seraphiel auf den Hals." 

Dieser sah ihn scharf an. "Ich dachte das hätten wir vorhin geklärt?" "Haben wir ja auch, es geht nur um unseren alten Herrn, der im Moment ständig meinen Willen bricht!" Sariel sah den Höllenfürsten lächelnd an. "Er sorgt sich um dich, Lucifer. Er ist irgendwie froh, dass er nach all der Zeit wieder mit dir in Kontakt steht und dich vor allem auch wieder mal sehen konnte. Er möchte nur nicht, dass du wegen deines starken, freien Willens und den dadurch stärkeren Gefühlen die du hast - im Gegensatz zu uns - verbitterst, wenn du deinen Frust und deine Sorgen in dich hineinfrisst. Nur deshalb macht er es." erklärte Sariel.

"Gut! Reden wir! Hier und jetzt!" sagte er gereizt. "Seraphiel, es tat richtig gut heute... so konnte ich wenigstens ein wenig Frust abbauen." Seraphiel lächelte "Ja hat irgendwie Spaß gemacht, dir mal in den Hintern zu treten, Großer." "Ts wer es glaubt, ich habe dir gezeigt wo der Hammer hängt und hätte Vater nicht eingegriffen... aber lassen wir das... Ihr wollt ja Klartext." Er seufzte. "Also, fangen wir an. Metatron: Ich könnte dir manchmal echt eine reinhauen, wegen deiner Art wie du mich angehst, mit deinen altklugen Sprüchen. Beispielsweise als du in meinem Arbeitszimmer kurz nachdem ich zusammen mit Kat Lilith in den Tartaros verbannt habe, den Spruch rausgehauen hast, bei dem Derek dann darauf gekommen ist das ich gelogen habe was Kat angeht... du glaubst gar nicht was ich in solchen Momenten für ein Wut auf dich habe! Oder bei der Befragung von Lilith, dein Spielchen... das war widerlich!" 

"Aber es hat doch funktioniert!" warf Metatron ein. "Das schon nur hast du eine Ahnung welch Überwindung mich das gekostet hat? Mir war ganz schlecht! Dieses Miststück hat mich so angewidert nach dem was sie mir angetan hat. Ich musste mich regelrecht beherrschen dir nicht vor ihr eine reinzuhauen! Und das staut sich dann als Wut in mir, die ich einfach schlucke. Die maßlose Enttäuschung über einige meiner Untergebenen, die mich lieber tot gesehen hätten, ist wohl verständlich, dass mich das beschäftigt, aber was will ich darüber reden? Was bringt das? Und nun zu dem was mich momentan wohl am härtesten trifft, wann immer ich mal wieder daran denke. Derek, Rachel ihr und eure ganze Familie, zu der auch du für mich gehörst Julien... ihr wisst wie ich mittlerweile für euch empfinde und was ihr  mir bedeutet. Und mir wurde vor kurzem schmerzlich bewusst... dass ich irgendwann... meine einzigen und besten Freunde, die mir sogar Familie geworden sind... verlieren werde, auch wenn es noch lange dauert bis dahin, aber da ich nicht sterben werde, denke ich darüber eben nach." Er schluckte. 

Seine Stimme klang mittlerweile sehr traurig. "Und ich wüsste nicht was es bringen sollte darüber weiter zu reden, da es nichts ändert. Aber vielleicht ist unser Vater ja jetzt zufrieden! Und jetzt lasst mich endlich damit in Ruhe!" rief er fast aggressiv und verließ die Küche. Kat sah ihm traurig nach bis er die Tür zu seinem Arbeitszimmer mit einem lauten Knall zuschlug. Die anderen noch in der Küche verbliebenen Engel und Menschen zuckten zusammen.

"Was der braucht ist eher mal etwas zum Aggressionen abbauen!" murmelte Metatron. "Wir müssen  ihm irgendwie helfen." meinte Kat etwas traurig. Metatron schnaubte verächlich. Selvaggia sah betroffen zu Boden. "Komm mit Selvaggia wir heitern ihn jetzt etwas auf. Ich habe eine Überraschung für euch!" sagte Sariel freundlich und lächelte die schwangere Hexe an. Selvaggia stand auf und folgte dem Erzengel in Lucifers Arbeitszimmer. "Kannst du nicht anklopfen, bevor du anderer Leute Räume betrittst? fauchte Belial Sariel immer noch sichtlich wütend an. "Ach "Bruderherz" sei doch nicht so garstig mit mir! Und außerdem wirst du mir gleich bestimmt nicht mehr böse sein, wenn du siehst was ich für auch habe." 

Er zauberte mit ein paar Handbewegungen eine Liege her, neben der ein Gerät mit einem Monitor stand. "So, auch wenn Selvaggia nicht zum Frauenarzt gehen muss, so gönnen wir euch dennoch das Vergnügen euer Kind sehen zu können - wie normale Sterbliche." Sariel bat sie sich hinzulegen und begann sie kurz zu untersuchen. Die werdenden Eltern waren sichtlich begeistert als sie ihr Kind im Ultraschall sehen konnten. "Lucifer! Das ist wunderbar, es bewegt sich schon, siehst du?" sagte Selvaggia mit Tränen der Freude in den Augen. Ihr Partner nickte nur und drückte zärtlich ihre Hand. Sariel zeigte mit dem Finger auf eine  ständig pulsierende Stelle auf dem Monitor. "Das ist das Herz. Hört sich alles gut an. Ach ja, meinen Glückwunsch übrigens. In vier Wochen kommt Raphael zum nachschauen. Wir wechseln uns immer ab, und bist du noch böse auf mich Lucifer?"

Dieser schüttelte den Kopf. "Nein Sariel, ich war nie böse auf dich, sorry, dass ich dich angeschnauzt habe, aber ich kann einfach manchmal nicht anders." entschuldigte er sich aufrichtig bei Sariel. "Metatron meinte eben als du raus bist und so mit der Türe geknallt hast... du bräuchtest etwas um deine Wut abzubauen." Der Höllenfürst lächelte. "Da hat der Kerl ausnahmsweise mal recht. Nur an wem oder was? An IHM? grinste er frech. Sariel musste lachen.

"Ich lass euch jetzt für einen Moment allein, macht es gut ihr beiden." verabschiedete er sich und verschwand und mit ihm die Arztliege und das Ultraschallgerät. 

"Ist das nicht wunderschön Lucifer? Kannst du dir eigentlich vorstellen wie glücklich ich darüber bin endlich ein Kind zu bekommen?" Er nahm sie zärtlich in den Arm und küsste sie während er eine Hand auf ihrem Bauch hatte. "Nachdem du mir heute Morgen erzählt hast, dass es dein sehnlichster Wunsch ist, ja, kann ich. Und glaub mir ich bin auch glücklich - auch wenn ich eigentlich noch warten wollte und es den anderen gegenüber nicht so zeige." sagte er liebevoll und streichelte mittlerweile über ihren noch schlanken Bauch. "Das weiß ich doch." lächelte sie und wurde dann aber sichtlich ernst. "Du Lucifer?" "Ja, mein süßes Hexchen?" "Ich finde aber auch, dass Metatron recht hat. Du wirkst manchmal tatsächlich sehr wütend und..." Er legte ihr einen Finger auf den Mund. "Ich weiß und ja mir ist auch bewusst, dass ich mal irgendwo richtig Dampf ablassen sollte, die Frage ist nur wo oder bei wem?" antwortete er lächelnd.

Sie streichelte sanft über seine Wange. "Und dir sollte doch eigentlich klar sein dass du Kat und Julien nicht wirklich verlieren wirst... Dein... der Himmlische Vater hat einige Engel verloren, durch diesen Verrat an dir und... er wird auf die beiden sicher nicht verzichten. Und die beiden werden Kinder haben in denen sie weiterleben und selbst wenn Derek und Rachel irgendwann gehen... ich bin mir sicher, ihre Seelen werden unser Leben irgendwann wieder bereichern - vielleicht als einer ihrer Urenkel und seiner Frau, die auch im Legat leben... Er wird sie uns nicht nehmen. Und unser kleiner Luciano... er wird mit den Zwillingen und Samantha-Amélie so wundervolle Spielkameraden haben." Sie grinste schelmisch. "Und wenn es nach mir geht: Dem Metatron kannst du gern eine reinhauen. Ich habe auch rein gar nichts dagegen, wenn du dieser Lilith - beziehungsweise diesem Baum - ab und zu mal ein Messer durch die Rinde ziehst..." Er sah sie verblüfft an. "Hexlein, das sind ja ganz rachsüchtige Töne, die kenne ich ja gar nicht von dir." Um seine Mundwinkel zucke es jedoch.

Sie seufzte. "Ja... na ja... ich meine... dieses Miststück hat dir so weh getan und hat es doch echt verdient - und dieser Metatron ist immer arrogant. Seraphiel oder auch Michael oder Sariel trinken ab und zu mal einen Tee - der guckt mich immer nur abschätzig an als würde ich ihm irgendein Gift kredenzen wollen!" Jetzt konnte Belial nicht mehr an sich halten und musste lachen. "Süßes rachsüchtiges Hexlein." Sie boxte ihn neckend. "Aua..." murmelte er lachend. "Du kannst ja auch unten im Fechtsaal deines Palazzos...." "Deines Palazzos, meine Süße! Erinnerst du dich: Ich habe ihn dir geschenkt, meine Schöne." unterbrach er sie mit einem Grinsen. Sie errötete und murmelte dann: "Na gut, unseres Palazzos, also im Fechtsaal kannst du diesem eitlen Kerl ja mal mit einem Säbel oder einem Florett den Hintern versohlen!" Er grinste. "Ich denke, da hätte ich mit Michael mehr Spaß. Abgesehen davon habe ich mich gerade mit Seraphiel geprügelt, das war schon recht... befreiend."

"Jetzt mal kurz was anderes Lucifer. Kannst oder könntest du theoretisch... Auto fahren?" kicherte sie fast. Er sah die dunkelhaarige Schönheit in seinen Armen etwas verwirrt an. "Ja, ich kann Autofahren. Aber wieso interessiert dich das, jetzt?" Sie grinste ihn etwas verlegen an. "Nun ja, ich... war ja zu Lebzeiten, also als ich noch richtig gelebt habe ein Mensch und... fände es zwischendrin ganz nett auch mal so leben und auch mal mit dem Auto ins Theater zu fahren oder  so. Und mal ganz von unserer Zukunft abgesehen, weil wir mit unseren Kindern hier auf der Erde leben... wenn  sie erst mal in Kindergarten und Schule gehen. Dann kannst du dich auch nicht mit ihnen in den Kindergarten zaubern und so." Er schwieg eine Weile und Selvaggia erkannte, dass er nachdachte. "Du kommst auf Ideen! Gut im Prinzip hast du recht. Aber erstens: Ist es bis dahin noch eine Weile und zweitens: Was heißt jetzt Kinder? Lass uns erst mal das eine bekommen bitteschön - und dann hätte ich aber wirklich gerne meine zwei bis drei Jahre dazwischen bis das nächste kommt." Beim Schluss des Satzes sah er nach oben. Selvaggia wusste sofort an wen die Worte gerichtet waren. Er schnippte kurz mit den Fingern. "Aber gut um mal wie Menschen mit dem Auto irgendwo hinzugehen..." Er zeigte auf seinen Schreibtisch. 

Selvaggia lief hin und setzte sich in Lucifers Chefsessel während sie sich den Ausweis und Führerschein ansah. Als Name stand Lucian B. Rayne darauf. Sie grinste.  "Du bist verrückt Selvi!" lachte er liebevoll. "Nein Liebster, nur immer noch irgendwie allzu menschlich. Und ich denke vor, denn wenn wir mit Kind ein Leben unter Menschen führen wollen, dann geht Zauberei oft nicht." "Gut, Punkt für dich!"

 Er küsste sie zärtlich. "In Venedig haben wir übrigens ein Boot, ich habe auch einen Bootsführerschein und ich habe einen Gondoliere eingestellt und da in Venedig Autofahren nicht geht... unser Lambhorgini und unser Porsche und dein Smart stehen im Parkhaus. Außerdem habe ich dich schon zur Fahrschule hier in Paris angemeldet, Hexlein!" Sie grinste.

"Wir sollten wieder zu den anderen gehen, wer weiß was die sonst denken." schlug die Hexe vor. "Ist mir eigentlich  sch...egal was die denken!" Streckte ihr aber seine Hand hin, er zog sie sanft mit sich in die Küche als sie sich erhob. 

Durch die Zeitverschiebung Paris/San Francisco war es in Paris schon wieder nachmittags. Selvaggia und Mathilde bereiten in der Küche alles für den Kaffeetisch vor, da Sariel vorher noch gesagt hatte, dass später Michael, Gabriel und Raphael und weitere Engel kommen würden, da der himmlische Vater wollten, dass sie besprechen wie es mit den Untersuchungen im Legat weiterginge.

Während die beiden Hexen in der Küche arbeiteten, saßen die Boyles und Raynes im Salon des Boulevard und unterhielten sich. Kat und Julien hatten von Rachel und Derek die Erlaubnis bekommen einen kleinen Stadtbummel in Paris zu unternehmen, Metatron und Seraphiel waren als unsichtbare Schutzengel mit dabei. 

Lucifer hatte sich mit Zustimmung der Eltern mit seinen beiden Patenkinder und Samantha in sein Arbeitszimmer zurückgezogen. Er hätte eigentlich noch etwas seines Krams erledigen wollen, aber die Zwillinge und Samantha hielten ihn ganz schön auf Trab nachdem sie aufgewacht waren. Nach einer Weile erschien Samyaza und wurde sofort freudig von seinem Patenkind begrüßt. "Hallo Chef, wie geht's? Ich habe schon gehört, dass Selvi ein Kind bekommt. Mein Glückwunsch... ich freu mich für euch." Belial lächelte. "Danke. Möchtest du ein Antwort auf deine Frage?"  Er sah seinen Chef fragend an. "Samy, Samy... ganz schön daneben." scherzte er. "Ist auch besser so, da ich diese Frage ohnehin nicht beantworten  werde." Er ließ seinen Freund das Gespräch von vorhin in der Küche,  kurz über seine Gedanken lesen. "Und wie gedenkst du deinen Frust abzuladen?" erkundigte sich Samyaza besorgt um seinen Freund und Herrn. "Wenn ich das nur wüsste!" seufzte der Fürst der Finsternis. "Du wirst ein toller Vater, so liebevoll und geduldig wie du mit den Kindern umgehst." Belial lächelte. 

"Schatz, ich mache mir langsam wirklich etwas Sorgen um Belial. Er ist nicht mehr .. wie soll ich sagen? So fröhlich und ungezwungen wie wir ihn kennengelernt haben und er zieht sich oft zurück. So wie jetzt auch. Und lässt im Prinzip nur noch die Kinder  an sich ran." Derek nickte. "Auch wenn ich Metatron nicht mag in dem Punkt, dass Belial mal richtig Frust abbauen muss hat er ausnahmsweise mal recht." "Nur wie und wo?" überlegte Alex. "Schenken wir ihm doch einen Boxsack, an dem er seine Aggressionen auslassen kann." lachte Nick. "Vielleicht sollten wir mal mit Gabriel und Raphael reden. Zu den beiden habe ich nach wie vor immer noch am meisten Vertrauen und ich bin mir sicher dass sie Belial mögen." schlug Derek vor. "Stimmt. Und es ist eh noch ein Familientag mit den beiden himmlischen Paten unserer Kinder offen. Wir sollten sie mal einladen, wenn Belial mit Selvi unterwegs ist, dann können wir auch ungestört reden.

Zur vereinbarten Zeit trafen nach und nach alle in dem großen Esszimmer des Boulevards ein. Man hatte das Treffen diesmal dorthin verlegt, da einige Personen mehr anwesend waren als bisher. 

Als die Menschen aus dem Salon in das Esszimmer traten waren, Michael, Gabriel, Raphael,  Kerubiel, Hagiel und Hamaliel bereits anwesend.

Kurz danach betraten Lucifer mit Luciana, Samyaza mit Samantha und Gadreel mit Lucian auf dem Arm, gefolgt von Satanael und Paymon, den Raum. Zuletzt aber immer noch pünktlich kamen Metatron und Seraphiel mit Kat und Julien aus der Stadt zurück. Selvaggia und Mathilde servierten den Tee und Kaffee. Rachel und Alex halfen den beiden das von Mathilde gebackene Gebäck herein zutragen. Lucifer schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe als er sah welch geringschätzigen Blick Metatron seinen höllischen Vertrauten zukommen ließ.

"Lufi, Samy... lala." babbelten alle drei Babys auf einmal. "Nein, jetzt nicht ihr Süßen! Wir haben euch bis eben was vorgesungen." erklärte Samyaza liebevoll. Samantha  erblickte Hamaliel und rief entzückt: "Alali - Samada Alali!" Mit einem Lächeln wandte der Engel sich an Samyaza. "Darf ich die Kleine halten?" Der höllische Pate nickte und reichte sie ihm hinüber. Liebevoll zauberte er ihr einen Schnuller und hielt sie sicher und bequem.

Michael ergriff das Wort. "Sariel hat berichtet, ihr vermutet, dass wir Seraphim den Fall im Legat nicht persönlich untersuchen können, da der Spuk immer dann ein Ende hatte wenn jemand von den Seraphim aufgetaucht ist?" fragte er nochmal genauer nach. "Ja, immer wenn ich einen Raum aus dem Stimmen kamen betreten habe, verstummten sie sofort." berichtete Seraphiel. "Ich konnte Dereks Bücher in der Bibliothek nicht lesen. Sobald ich das entsprechende Buch herausgenommen habe, verstummten die Stimmen ebenfalls." berichtete Lucifer. "Nur in dem Raum in dem ich mich befand verstummten sie nicht, als ich mich kurz in meine Engelsgestalt verwandelte." sagte Julien. "Und ich konnte es auch hören, solange ich nicht verwandelt war, doch sobald ich es gemacht habe... weg. Deshalb denken wir ja, dass es an den Seraphim liegt." Michael nickte. "Mir gefällt das nicht! Die mächtigsten Engel können den Fall nicht richtig untersuchen. Nun gut, dann gehen um Mitternacht Kerubiel, Hagiel und Hamaliel von der himmlischen Seite ins Legat. Von der höllischen gehen Satanael, Gadreel und Paymon mit nehme ich an, da Samyaza dann auf die kleine Samantha aufpasst?" fragte Michael an Lucifer gerichtet. 

Dieser nickte. "Gut ich würde auch vorschlagen, dass Katherine und Julien mitgehen, da sie sich im Legat auskennen. Katherine du bleibst in deiner menschlichen Gestalt, da es nichts bringt wenn du dich in eine Seraphe verwandelst." Das Mädchen nickte. "Hagiel du gehst dann zusammen mit Katherine die Räume inspizieren, zum Schutz da sie sich nicht verwandeln soll. Der Rest kann sich vor Ort beraten wer mit wem oder allein wo hingeht. Julien du kannst auch als Engel gehen, du bist ja kein Seraph." auch er nickte zur Bestätigung. Ich werde so lange mit Lucifer, Metatron und Seraphiel hier warten bis ihr wieder kommt und möchte gleich euren Bericht hören. Und anschließend wird entschieden ob schon mal eine himmlische Konferenz mit unserem Vater angesetzt wird, je nachdem was ihr herausfindet. Die gefallenen Engel und Dämonen die mit von der Partie sind dürfen auch mit nach oben und DU, LUCIFER wirst von unserem Vater AUSDRÜCKLICH! gebeten mitzukommen." Der Höllenfürst grinste.

Anschließend genossen die Engel und die anderen Anwesenden Mathildes leckeres Gebäck und tranken Kaffee und Tee, je nach Belieben. Es war fast wie ein geselliges Beisammensein einer großen Familie. Gabriel und Raphael spielten mit ihren beiden Patenkinder, die sichtlich begeistert waren, dass ihre himmlischen Paten auch mal Zeit für sie hatten.

Es war erneut kurz gegen Mitternacht in San Francisco als Kat und Julien mit Hamaliel, Hagiel, Kerubiel, Satanael und Paymon im Legat auftauchten. „Paymon und ich werden Kat vielleicht am besten in die Bibliothek begleiten. Satanael, nimm du bitte das Kinderzimmer der Zwillinge, Kerubiel, du könntest das ganze im Treppenhaus koordinieren und Hamaliel nimmt sich mit Julien das Erdgeschoss vor?“ schlug Hagiel vor. Alle nickten zum Einverständnis und verteilten sich. Wieder – genau um Mitternacht – ging es los.  

In der Bibliothek erklangen Bibelzitate – immer mit der gleichen Stimme. „Hm... klingt für mich nach Saulus – oder Paulus, besser gesagt...“ murmelte Hagiel überrascht. Gleich darauf zischte eine Stimme: „Bilsenkraut!“ König Paymon sah überrascht in die Richtung des Regals mit den Grimoires. „Klang für mich nach Wanda Moshagler... eine von den Schülerinnen von einem... gefallenen Engel der... unseren Herrn verraten hat.“ erklärte er und ging zielstrebig zu dem Regal und griff nach einem Buch. Sofort als er es öffnete erschien eine geisterhafte Gestalt einer alten hässlichen Frau. „Sie schaden vielfaltig, also sollen sie getötet werden, nicht allein, weil sie schaden, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Satan haben.“ erklang eine barsche Männerstimme. „Martin Luther...“ murmelte der Dämon. „Weiche, Wanda Moshagler! Im Namen deines Herrn Lucifer!“ befahl er der geisterhaften Gestalt. „Dies befiehlt dir König Paymon, loyaler Diener des Fürsten der Hölle!“ Die Gestalt zuckte zusammen, krümmte sich und wurde wieder in das aufgeschlagene Grimoire gesogen. Gleichzeitig ging ein Raunen und Murmeln in der Bibliothek los.

„Beachte beim Backen den Stand des Mondes...“ flüsterte es. Kat drehte sich überrascht um. „Tilly?“ rief sie. Sofort verstummten alle Stimmen. „Was ist los?“ sie wandte sich ihren Paten zu. Hagiel legte ihr eine Hand auf die Schulter. „Du bist innerlich zur Seraphe geworden, meine Liebe.“ antwortete ihr höllischer Pate mit einem Seufzen. „Wobei es interessant ist, dass dein Vater offenbar Tillys Hexenbackbuch oder Rezeptesammlung hier hat.“ meinte Hagiel. König Paymon seufzte. „Es ist ihr Grimoire. Du vergisst, dass sie für die Mästung der Opfer zu ihrer Zeit zuständig war!“ Der Engel zuckte kurz, meinte dann jedoch: „Ich werde es ihr trotzdem mitnehmen und Derek fragen ob sie es zurückhaben kann, wenn sie will.“ Er ging auf das entsprechende Regal zu, suchte kurz und entnahm ein Buch.  

„Wir sollten schauen wie erfolgreich die anderen gewesen sind.“ schlug König Paymon mit einem belustigten Lächeln in Kats Richtung vor als er sah, wie vorsichtig Hagiel Mathildes Grimoire handhabte. Er zwinkerte ihr zu und wies fast unmerklich auf den Engel, was die Patentochter beider zu einem Grinsen veranlasste.

Im Treppenhaus sah Kerubiel fragend zu den drei „Bibliotheks-Forschern“. „Es war plötzlich still bei euch.“ Hagiel nickte, erklärte ihm kurz was geschehen war und erkundigte sich nach Kerubiels Eindrücken. Der Cherub sah zum Zimmer der Zwillinge. „Von dort kamen Abzählreime und seltsamerweise hatte ich den Eindruck Gabriel zu hören, der dieses Lied mit den 14 Engeln aus Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ sang. Aus Rachels und Dereks Zimmer kamen neben Passagen aus theologischen und psychologischen Abhandlungen einige Abschnitte aus den wohl... recht erotischen Liebesromanen, die Rachel gern zu lesen scheint. Von Hamaliel und Julien habe ich vernommen, dass in der Küche Paul Bocuse und Alfons Schuhbeck nebst anderen Kolleginnen und Kollegen der menschlichen Kulinarik über ihre Rezepte streiten und im Wohnzimmer zitieren verschiedene Redakteure der drei oder vier Zeitungen, die Derek liest, ihre Artikel.“  

Hamaliel und Julien kamen in diesem Moment die Treppe hoch und Satanael kam aus dem Kinderzimmer. „Es war auf einen Schlag vorbei. Was ist passiert?“ fragte er.  „Kat hat die „Nerven“ verloren.“ murmelte Paymon und nahm sie beruhigend in den Arm. „Vielleicht sollten wir das Morgen Abend ohne Kat nochmals versuchen?“ schlug Hamaliel vor. „Wir reden mit Michael und den anderen darüber. Wobei es sicher gut wäre, wenn Kat in Sicherheit ist. Sie werden es gutheißen!“  

Bevor Kat protestieren konnte, tauchten ihre Paten und Hamaliel wieder im Boulevard Haussmann mit ihr auf. Hagiel und Hamaliel erstatteten den bereits wartenden Engeln und gefallenen Engeln Bericht, wobei sie ab und zu von Satanael und König Paymon ergänzt wurden. 

In diesem Moment betrat Mathilde mit einem Teewagen das Wohnzimmer. „Ich habe gedacht, Kaffee oder Tee könnte gewünscht sein.“ sagte sie mit einem Lächeln. Belial lächelte seiner Frau zu und wandte sich mit einem Grinsen an die Küchenhexe: „Wie immer kannst du offenbar Gedanken lesen, Tilly!“ Sie errötete und reichte ihm einen Becher mit dampfendem, gesüßtem Kaffee, ihrer Freundin Selvaggia eine Tasse Tee und wandte sich dann an Hagiel: „Was möchtest du... ich meine...?“ Der Engel lächelte. „Einen Tee bitte – und einen von diesen köstlich aussehenden Lebkuchen.“ Mathilde errötete. „Aber gern.“ antwortete sie. Kat sah erstaunt auf Mathilde, deren Hand ein wenig zu zittern schien als sie Hagiel das Gewünschte reichte. Michael und Gabriel baten ebenfalls freundlich um eine Tasse Tee, Raphael nahm einen Kaffee mit viel Milch und Seraphiel tat es ihm gleich, griff jedoch mit einem nonchalanten Zwinkern auch nach einem der Lebkuchen. Auch Kerubiel schloss sich an und nahm einen Tee. „Tilly, die Lebkuchen sind köstlich!“ lobte Hagiel die Hexe, was sie bis unter die Haarwurzeln erröten ließ als sie sich schüchtern bedankte, während sie Rachel und Derek ebenfalls bediente. „Wobei... Derek... Ich habe in deiner Bibliothek etwas... entdeckt und eingesteckt, weil ich dich fragen wollte, ob ich es jemandem mit deinem Einverständnis zurückgeben darf?“ Mit diesen Worten zog Hagiel das Grimoire Mathildes hervor. „Das ist Tillys...“ erklärte er.  

Der Praeceptor runzelte die Stirn, doch dann lächelte er. „Aber natürlich. Wenn Tilly es wiederhaben möchte, sehr gern. Schön, dass du es entdeckt hast.“ Hagiel dankte ihm mit einem Nicken, wandte sich zu Mathilde um und reichte ihr das Buch. „Das war in der Bibliothek des Legates auf Angel Island, kleine Küchenzauberin.“ sagte er freundlich. Schüchtern bedankte sie sich und huschte aus dem Raum.  
 
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