Smallville in zwanzig Geschichten - und sehr viel Unsinn

von Fleys
KurzgeschichteAbenteuer, Humor / P12
20.09.2015
26.05.2016
6
14578
2
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Hier ist ein kleiner Beitrag zu dem Projekt Sag mal, WAS hast du genommen? von DeepSilence und Enari.

Ziel ist es zwanzig Kurzgeschichten zu vorgegebenen Aufgabenstellungen zu schreiben, in denen acht vorher gewählte Chars eine Rolle spielen.
Hier ist die Liste meiner Charaktere:

1. Lois Lane
2. Lex Luthor
3. Kara Kent
4. Dr. Swann
5. Oliver Queen
6. Chloe Sullivan
7. Jimmy Olsen
8. Clark Kent

Thematisch werde ich so ziemlich alles behandeln, über lustig, dramatisch, ein bisschen gruselig bis hin zu traurig – vor allem aber eher im lustigen Bereich. Die Kurzgeschichten werden sich sowohl auf Ereignisse aus der Serie beziehen als auch auf davon losgelöste, komplett ausgedachte Situationen. Wer also noch nicht alle Staffeln kennt, muss an der einen oder anderen Stelle mit seichten Spoilern rechnen – wie das eben meistens bei einer Fanfiction der Fall ist. Es sei aber dennoch an dieser Stelle erwähnt.

Disclaimer: Alle Rechte an Personen, Orten und Story-Ideen, die in der Serie vorkommen, gehören den Rechtsinhabern und nicht mir. Ich verdiene kein Geld damit.

Und jetzt hoffentlich viel Spaß :)

Aufgabe 1:
Nr. 1 & 8 müssen zusammen kochen/einen Kuchen backen/Pralinen machen.

Ein mehliges Ereignis

„Oh Gott, Smallville! Was machst du denn da?“, rief Lois entsetzt und sprang mit erstaunlicher Flinkheit über die unförmigen Heuballen, die wie hin und her geworfene Eiswürfel den Boden der Scheune bedeckten. Mit dem Rücken zu der herannahenden Frau verdrehte Clark die Augen. Was hatte er aus General Lois Sicht dieses Mal falsch gemacht? Die energische junge Frau riss ihm förmlich die Zuckerrose aus der Hand, die er gerade auf der Torte hatte anbringen wollen und warf ihm aus ihren großen Augen einen empörten Blick zu
„Lois!“,protestierte er.
Mit fast verzweifeltem Gesichtsausdruck umrundete die vollauf beschäftigte Reporterin die dreistöckige Torte und jammerte leise vor sich hin. „Nein, nein, nein... Clark!“ Sie hielt inne und blickte ihn empört an. „So dekoriert man doch keine Hochzeitstorte! Habt ihr Farmerjungen etwa noch nie stilvolles Gebäck gesehen? Sieh dir das an! Die Rosen sind schief, die Schrift unleserlich, die Figur von unserem Traumpaar ein lächerlicher Abklatsch ihrer Liebe.“
„Ein lächerlicher Abklatsch ihrer Liebe? Das ist eine Torte, Lois. Nicht irgendeine Art Liebesbeweis.“
Lois schüttelte den Kopf als hätte Clark etwas sehr Dummes und Naives gesagt. „Smallville, die Hochzeitstorte drückt den Grad der Vertrautheit der Heiratenden aus. Es ist die ultimative Inkarnation ihres Eheversprechens, ein Spiegel ihrer Gefühle. Wenn die Torte nicht absolut perfekt ist, muss man damit rechnen, dass die Ehe scheitern wird. Es ist ein schlechtes Omen!“ Verzweifelt versuchte sie einen Zuckerschuh zurecht zu zupfen. „Oh, oh, oh. Da können wir wohl nichts mehr retten“, sagte sie und funkelte Clark wütend an. „Vielen Dank auch, Smallville. Erinnere mich das nächste Mal daran dir keine Aufgaben zu geben die deinen Sinn für Eleganz und Stil überschreiten.“
Clark seufzte und legte den Pinsel mit der rosafarbenen Lebensmittelfarbe aus den Händen. In seinen Augen war die Torte durchaus gelungen – nicht das Ergebnis eines Profis, aber durchaus akzeptabel. Außerdem wusste er, dass es Chloe ziemlich egal war wie ihre Hochzeitstorte aussah, schließlich hatte sie nur Augen für Jimmy. Ein feines Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
General Lois diskutierte lautstark mit jemandem am anderen Ende ihres Handys – hatte sie schon die ganze Zeit telefoniert, während sie ihm einen Vortrag zum Thema Kuchen gehalten hatte? – und schaltete das Gerät schließlich aus. „Also gut, Samllville. Machen wir uns an die Arbeit.“
„Ähm... was?“, entfuhr es Clark, als Lois an ihm vorbei stiefelte. „Was genau für eine Arbeit?“
Lois blieb stehen und drehte sich mit wirbelnden Haaren zu ihm um. Ihre Augen blitzten energisch, ihre Lippen zeigten den üblichen Ich-interessiere-mich-so-was-von-gar-nicht-was-du-jetzt-machen-willst.-Folg-mir-gefälligst-und-stell-keine-Fragen – Zug. „Welche Arbeit? Welche Arbeit? Die Torte, Farmerjunge! Du hast sie ruiniert, also wirst du mir auch helfen eine neue zu backen.“
Clark blinzelte. „Bitte?“
Ohne auf seinen Protest zu achten, packte sie ihn am Kragen und schleifte ihn aus der geschäftigen Scheune, in der hunderte übereifrige Dekorateure versuchten aus dem Kuhstall ein traumhaftes Liebesmärchen zu machen. Mit einer schwungvollen Bewegung stieß sie die Tür des Kenthauses auf und bugsierte Clark auf einen Stuhl. Hechelnd kam ihnen Krypto entgegen und bellte vergnügt.
„Also, wo sind die Zutaten?“, fragte Lois und stupste den Hund aus dem Weg.
Schweigen zog Clark Mehl, Butter, Zucker und Eier hervor. „Das ist alles, was wir haben“, sagte er trocken. „Sollten wir nicht besser eine Torte bestellen?“
„Unsinn!“ Lois schnappte sich das Mehl und schnüffelte daran. „Wenn du willst, dass etwas gut gemacht wird, dann erledige es selber. Nichts geht über das uralte Lane-Hochzeitstorten-Familienrezept. Chloe wird begeistert sein.“ Sie grinste Clark an und warf ihm die Schlüssel zu ihrem Wagen zu. „Na hopp, Smallville. Im Handschuhfach meines Wagens ist ein kleines braunes Buch, in dem das Rezept steht. Geh und kauf die restlichen Zutaten ein.“
Clark zog die Augenbrauen hoch und schlüpfte eilig aus der Küche. Er warf einen kurzen prüfenden Blick in den kitschig blauen Himmel. Zu Fuß wäre er um einiges schneller als mit Lois Wagen. Mit einem kurzen Anflug von amüsierter Zuneigung zu der lautstark singenden Frau, die hinter ihm Mehl, Eier und Zucker durch das Kenthaus warf, schnappte er sich das Notizbuch und beschleunigte seine Schritte bis er den menschlichen Geschwindigkeitsbereich überwand und mit fliegenden Füßen auf die Straße nach Metropolis einbog. Schade, dass ich nicht wirklich fliegen kann. Das wäre jetzt ziemlich praktisch, dachte er fast wehmütig.

Das letzte Stück des Rückweges ging er zu Fuß, um nicht zu früh wieder zurück zu sein. Obwohl er es nur selten zugab, wusste er, dass Lois einen herausragenden Instinkt hatte. Schon die kleinsten Unaufmerksamkeiten, die winzigsten Ungereimtheiten oder schlecht erklärten Zufälle lösten etwas in ihr aus, der insgeheim als das Lois-Rottweiler-Syndrom bezeichnete. Wenn sie sich erst einmal in etwas festgebissen hatte, gab es niemanden mehr, der ihr den Schinken vor der Nase wegschnappen konnte – selbst wenn dieser jemand so stark wie zehn Dampflokomotiven war.
„Lois?“, rief er, während er versuchte die Tür mit dem Rücken aufzustemmen, damit die beiden Tüten in seinen Händen keinen Schaden nahmen. Er hatte herzlich wenig Lust noch einmal nach Metropolis rennen zu müssen, weil das Blatt einer Zuckerrose leicht angeknickt war. „Ein bisschen Hilfe wäre hier nett.“
„Äh... Clark“, drang die Stimme der Reporterin verdächtig unsicher zu ihm hinaus. „Warte noch einen Augenblick.“
„Warum?“, fragte der Kryptonier leicht schmunzelnd und drehte sich im Türrahmen um, sodass er in die Küche schauen konnte. „Möchtest...“ Die restlichen Worte blieben ihm im Hals stecken.
Lois warf ihm ein Lächeln zu, in dem ein Anflug von Panik zu sehen war. „Überraschung...“, sagte sie in einem unbeholfenen Versuch die Katastrophe zu überspielen, die sich vor Clarks Augen ausbreitete. „Zu meiner Verteidigung: Krypto ist daran Schuld!“, fügte sie schnell hinzu.
„Lois, was...?“ Clark stellte die Tüten mit einem Rumps neben den Tisch. Eine feine Staubwolke aus Mehl stieg empor und kitzelte in seiner Nase.
Die Küche und sogar Teile des Wohnzimmers sahen aus als wären sie gepudert worden – was zu einem gewissen Grad auch stimmte. Irgendjemand oder irgendetwas hatte mit sauberer Präzession eimerweise Mehl über den Möbeln, dem Boden, den Geräten und den Büchern und Bildern geleert. Wirre Fuß- und Pfotenabdrücke zogen sich durch das staubige Chaos, hinterließen verdächtige Spuren, umgekippte und zersprungene Gläser, einen Haufen an nassen Blumen, die in einer Vase neben dem Herd gestanden hatten und zerrissene, unbrauchbar gewordene Tisch- und Zierdecken.
Ein Brocken Mehl fiel Clark auf den Kopf und zerstob zu einer Rauchwolke, die über seine Schultern hinab auf den ohnehin schon weißen Boden rieselte.
Lois zupfte ein Taschentuch hervor und wischelte über Clarks dunkle Haar, um das Mehl zu entfernen. „Ähm... nach einer guten Dusche siehst du wieder so schneidig aus wie zuvor.“ Sie zupfte an seinem Kragen. „Und außerdem sind diese Holzfällerhemden doch sehr robust, oder?“ In dem Versuch locker zu wirken grinste sie ihn an, dann schlug sie die Hände gegeneinander. „Tjaaa... ich such dann mal nach einem Besen.“
„Dritte Tür rechts“, murmelte Clark tonlos.
Wuff!“, machte etwas auf dem Boden und als Clark nach unten sah, schaute ihm mit wedelndem Schwanz, treuherzigen Augen und gut gepudertem Fell Krypto entgegen. Zwischen seinen Pfoten hingen die Überreste der Schachtel, in der das Mehl gelagert hatte. Vergnügt machte sich der Hund wieder daran die Schachtel zu einem unappetitliche Klumpen Brei zu zerkauen.
„Er scheint Pappe zu mögen“, kommentierte Lois und schwang den Besen, den sie geholt hatte, wie einen mittelalterlichen Speer. „Ich war nur zwei Sekunden weg, um den Mann vom Blumenladen anzuschreien... ähm zu sagen wie wenig mich seine Lieferstörungen interessieren und dass die Rosen gefälligst in drei Stunden hier zu sein haben und schon...“ Hilflos hob sie die Arme. „Woher hätte ich wissen sollen, dass dieser Köter die Mehlpackung aufreißt und durch das ganze Haus schleift? Er ist dir inzwischen viel zu ähnlich, Smallville.“ Staubwolken aus Mehl wirbelten auf, während sie wie besessen den Boden bearbeitete und das Chaos dadurch mit leidenschaftlicher Präzession noch zusätzlich verschlimmerte.
Stöhnend sank Clark auf das mehlige Sofa und schüttelte langsam den Kopf. Es gab einfach Dinge im Leben gegen die selbst ein Kryptonier machtlos war.
Und Lois Lane stand ganz oben auf der Liste dieser Dinge.
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