In den Armen von Bitterkeit und Liebe

von Fleys
KurzgeschichteFantasy / P16
19.09.2015
19.09.2015
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Hier ist ein kleiner Beitrag zu dem Projekt 2 Sätze von Fredi Ann.
Meine Vorgaben von Enjolras sind diese beiden Sätze:

1. "Du trinkst dich noch zu Tode."
2. "Ich werde dich immer lieben und für dich da sein."

Zeitlich gesehen spielt diese OS [Spoiler] nachdem Kara Smallville und Clark verlassen hat, um in der großen weiten Welt zu sich selber zu finden. Es kommen keine Spoiler vor! Naja, abgesehen von dieser Bemerkung...

Disclaimer: Alle Rechte an Personen, Orten und Story-Ideen, die in der Serie vorkommen, gehören den Rechtsinhabern und nicht mir. Ich verdiene kein Geld damit.

In den Armen von Bitterkeit und Liebe

Der Stein pulsierte in einem kitschigen Grün, das entfernt an Smaragde erinnerte.
Entfernt. Ganz weit entfernt.
Eigentlich kam die Farbe nicht mal ansatzweise den schönen Edelsteinen nahe, die Kara-El so gerne bewunderte. Ja, in mancher Hinsicht war sie eben doch eine Frau – wenn auch eine außergewöhnlich starke, schnelle, unverwundbare und vor allem fliegende Frau. Aber all diese Dinge waren in diesem Augenblick nicht mehr als eine ferne Erinnerung; eine Erinnerung, die von brennendem Schmerz überdeckt wurde. Stöhnend versuchte sie sich in die Richtung des Kryptonitbrockens auszustrecken, der neben ihrem Knöchel lag, doch die Pein, die der radioaktive Stein – ein lächerliches Überbleibsel der Heimat, die sie einst so geliebt hatte – durch ihren Körper jagte, machte es ihr unmöglich ihre Glieder zu bewegen. Keuchend verharrte sie in einer unbequemen, gekrümmten Körperhaltung und zuckte mit dem Kopf als könne sie dadurch den Schmerz vertreiben. Ihre Hände öffneten und schlossen sich wie die Flügel sterbender Kolibri, während ihr Herz zu flattern begann. Ihre Augenlider wurden schwerer und schwerer, ihre Lungen trocken. Sie konnten nicht mehr genug Sauerstoff in ihren ächzenden, stöhnenden Körper pumpen, konnten ihren unregelmäßigen Herzschlag nicht länger aufrecht erhalten.
Soll das das Ende sein?, fragte sie sich müde. Jetzt, ohne getan zu haben, was ich tun wollte? So voller Hoffnung hatte sie Clark verlassen, weg in die weite Welt. Um den Menschen zu helfen. Um das zu tun, was auch seine Bestimmung war: Um zu retten! Und jetzt war ihr Ende ein Brocken Kryptonit, der auf einer Gasse von Star City herum lag, in die sie einen Serienmörder verfolgt hatte? Erbärmlich!, fauchte sie sich selber zu.
„Oh, Junge!“, hallte ein Kreischen durch die schmale Gasse, in der Karas Herz bebend vor Schwäche um das Überleben der Kryptonierin kämpfte. „Leg endlich die Flasche weg. Du trinkst dich noch zu Tode!“
„Lasssss miii – Hicks“, lallte eine helle, jungenhafte Stimme durch die Dunkelheit der Nacht. Etwas Kleines zerschellte klirrend auf dem Bordstein.
„Siehst du?“, fauchte die erste Stimme. „Jetzt ist sie kaputt. Selber Schuld!“ Schritte trampelten über die den Bürgersteig. Schritte, die näher kamen. Kara keuchte laut – die einzige Art, auf die sie sich noch verständigen konnte.
„Kapuuutt?“, fragte der Mann unverständlich. „Aber... aber Hicks.“
„Gott, sieh mich bloß nicht an. Du stinkst furchtbar. Wann hast du das letzte Mal geduscht?“
„Kapuuutiiiii“, sang der Mann fröhlich. Ein kurzes Gerangel wurde laut, dann torkelten zwei ineinander verkeilte Personen in die Gasse, in der Kara lag. Eine Frau ächzte und verpasste der anderen Gestalt einen gut platzierten Tritt in den Schritt. Der Mann stöhnte wie ein weidwundes Tier und klappte zusammen.
„Hmpf“, machte die Frau und schwang eine monströse Tasche auf ihren Rücken. „Hör auf mit dem Unsinn.“
Der Mann grummelte etwas vom Boden hinauf und richtete sich schwankend auf. „´Tschuldige“, murmelte er und versuchte weiterzugehen. Unter Keuchen brach er erneut zusammen.
Die Frau beugte sich zu ihm herab. „Hab ich... ich wolle nicht...“, sagte sie offensichtlich mit schlechtem Gewissen. Der Mann krächzte und klopfte ihr auf den Arm, dann stand er in dem Versuch standhafte Manneskraft zu beweisen wieder auf und nickte ihr zu.
Erleichtert zog die Frau an den Gurten ihrer Tasche.
Kara versuchte so laut wie möglich zu keuchen, aber die beiden waren so damit beschäftigt einander anzustarren, dass sie es zunächst nicht bemerkten. Dann runzelte die Frau die Stirn und fuhr sich mit perfekt manikürten Fingern durch die blond gefärbten Haare.
„Hast du das gehört?“, fragte sie ihren Begleiter. Der Mann grunzte nur. Langsam drehte sich die Frau im Kreis. „Hier ist doch... oh, Gott!“ Sie rannte auf Kara zu. „Miss? Ist alles in Ordnung? Hören Sie mich?“
Der Mann torkelte heran und sank neben Kara zu Boden. Eine intensive Alkoholfahne wehte zu ihr hinüber und selbst im Griff des Todes fühlte sie sich angeekelt. „Stein“, krächzte sie und zuckte in einem Akt größter Anstrengungen mit dem Fuß, neben dem das Kryptonit lag. „Weg...“, stöhnte sie.
Verwirrt blinzelte die Blondine in die Richtung des Steins. „Der Stein?“, fragte sie ohne zu verstehen, warum ein Mensch am Boden sich um einen Stein Gedanken machen sollte. Sie sah Kara noch einen Moment an, zuckte dann mit den Schultern, nahm das Kryptonit und warf es mit einer überraschend kraftvollen Bewegung in hohem Bogen fort.
Augenblicklich fühlte Kara die starke Hand, die ihr Herz zu zerquetschen gedroht hatte, verblassen. Ihre Lungen arbeiteten fieberhaft, um ihren starken Körper wieder auf das normale Niveau herunter zu fahren. Wieder einmal war sie überaus dankbar für die Kraft der gelben Sonne, die ihr solche erstaunlichen Regenerationsfähigkeiten verlieh. Sie spürte bereits wie ihr Blut langsamer wurde, ihre Sicht sich klärte, ihr Herz regelmäßiger schlug und ihre Glieder zu zittern aufhörten.
Mit einem energischen Ruck richtete sie sich auf. „Danke“, sagte sie in die Richtung der Frau. „Ihr habt etwas gut bei mir.“
Fassungslos kämpfte sich die Frau, die mindestens einen Kopf kleiner als Kara war, wie diese feststellte, auf die Beine und musterte die überraschend schnell genesene Blondhaarige. Ihre intensiven blauen und roten Kleidungstücke leuchteten förmlich in der Dunkelheit. „Kein Problem“, murmelte die Frau. „Aber dürfte ich wissen wer Sie sind?“
Kara lächelte. „Niemand. Ich bin nur auf der Durchreise.“
„Sie sind nicht von hier?“
Das brachte die Kryptonierin zum Lachen. Das Adrenalin leistet immer noch ganze Arbeit. „Nein, das bin ich wirklich nicht.“ Mehr als du ahnst, Mensch.
„Achso.“ Die Frau beäugte sie immer noch und ignorierte ihren nuschelnden Begleiter, der versuchte sich vom Boden hoch zu stemmen. „Sind Sie gestürzt?“
„So etwas in der Art.“ Kara blickte sich verstohlen in der Gasse um. Es schien ihr als sei der Serienmörder, den sie verfolgt hatte, endgültig entkommen. Eine tiefe brodelnde Wut stieg in ihr auf. Wie viele Menschen würde dieser Kerl noch umbringen, weil sie über diesen Stein gestolpert war? Warum war sie nicht einfach geflogen?
Ein trockenes Rascheln lenkte sie ab. War da nicht...? Ein Schatten huschte durch die Gasse. Kara riss die Augen auf, als sie ihren Fehler erkannte. Dumm! Dumm! Dumm! Es gab genug Verstecke hier!
Eine verschwommene Gestalt sprang schnaubend hinter einem Müllcontainer hervor. Ein Blitzen wurde im silbrigen Mondlicht sichtbar. Noch während sich Karas unerwartete Retterin verwundert zu dem Schnaublaut umdrehte, erklang ein scharfes Zischen, als das Mordinstrument die Luft durchtrennte. Der Mund der Blondine klappte auf, der Mann am Boden gab ein entsetzten Kehllaut von sich, konnte aber unmöglich schnell genug aufstehen.
Mit der Schnelligkeit einer Kryptonierin und den Reflexen einer Katze packte Kara ihre Retterin am Arm und zog die hinter sich. Wie durch Wackelpuddig torkelte das Messer des Serienmörders auf sie zu. Sie nahm sich kurz Zeit, um die seltsam gebogene Form der Waffe zu begutachten, dann nahm sie sorgfältig den Arm hoch, vergewisserte sich, dass keine der Splitter die Frau treffen würde und kehrte in den Geschwindigkeitsbereich der Menschen zurück.
Klirrend zerschellte das Messer an Karas unverwundbarem Arm. Die Kryptonierin packte den Serienmörder am Kragen und hob ihn in die Luft. „Versteckt hinter einem Müllcontainer? Wie armselig!“, sagte sie düster, schwang den Arm nach hinten und warf den Meuchelmörder wie eine Puppe durch die Luft. Mit einem dumpfen Laut traf der Mann gegen eine Wand und sank stöhnend an ihr herab. Blut sickerte aus einer Platzwunde an seiner Stirn, aber Kara konnte seinen Herzschlag hören – klar und regelmäßig. In ein paar Tagen würde er wieder auf den Beinen sein. Bald genug, um seinen Prozess noch mitzuerleben. Ein schmales Grinsen stahl sich auf ihre Lippen. Einer weniger, Cousin, um den du dich kümmern musst.
„Das... das... zersprungen! Messer an Ihrem Arm...“, stammelte die Blondine, die sie gerade davor bewahrt hatte filetiert zu werden.
Kara drehte sich um und lächelte die Menschenfrau warmherzig an. „Es wäre besser Sie würden nichts davon der Polizei erzählen.“
Die Augen der Frau wurden groß und sie wich zitternd einen Schritt zurück. „Natürlich... Ich werde Sie nicht vertraten! Bitte, glauben Sie mir! Meine Lippen sind versiegelt.“
Das Lächeln auf Karas Gesicht wurde schmaler, als ihr klar wurde, dass die Menschenfrau sie missverstanden hatte. Sie dachte, sie hätte ihr drohen wollen, aber nichts lag ihr ferner. Sie öffnete den Mund um sich zu erklären, doch als sie die wässrigen Augen der Blondine sah, wurde ihr klar, dass diese ihre Erklärungen nicht verstehen würde. Unwillkürlich erinnerte sich Kara an ein Gespräch mit ihrem Cousin Kal-El; er hatte von Anfang an gewusst wie die Menschen auf das Unbekannte reagierten.
Sie verstanden es nicht. Sie fürchteten sich davor. Und egal wie oft man ihnen es erklärte – sie würden es niemals wirklich begreifen.
Mit einem kurzen Blick auf die völlig aufgelöste Frau drehte sie sich um und streckte einen Arm in die Luft. Mit befreiender Leichtigkeit spürte sie wie sich ihre Füße vom Boden lösten und die zaghaften Luftströmungen über Star City ihren Körper umschlossen. Freiheit legte sich um ihren Geist und trieb die Sorgen und den Schmerz fort.
Während sie durch die nebligen Wolken flog und zu den schimmernden Sternen hinauf blickte, zu der Stelle, an der einst ihre Heimat gewesen war, schlich sich dennoch eine tiefe Bitterkeit in ihre Gedanken. Die Bitterkeit der Einsamkeit, des Alleinseins.

Unter ihr warf sich die schluchzende Frau in die Arme ihres weißgesichtigen Begleiters und fing an hemmungslos zu weinen. Mit fahrigen, unsicheren Bewegungen fuhr der Mann seiner verängstigten Gefährtin über den Rücken.
„Alles gut, Schatz“, nuschelte er. Die Wirkung des Alkohols hatte sich durch den Schock zu einer dumpfen Übelkeit verflüchtigt. Ihm war egal wie seltsam diese fliegende Frau gewesen war. Er hätte fast seine Liebe verloren! „Es tut mir leid...“, murmelte er, standhaft versuchend die Tränen zurück zu halten. Nicht hier und jetzt. Schließlich brauchte seine Freundin seinen Schutz. „Wär ich doch nüchtern gewesen!“, keuchte er. „Er hätte dich... weil ich...“
Seine Freundin löste sich schniefend aus der Umklammerung und legte ihm eine kalte Hand an die Wange, sodass sein Herz sich krampfhaft zusammenzog. „Ich werde dich immer lieben und für dich da sein!“, sagte sie leise. „Auch wenn du mit einer Flasche unterwegs bist.“
Der Mann schluckte. Sein Hals fühlte sich plötzlich ausgedörrt. Sollte es nicht anders herum sein? Aber als er in ihre Augen schaute, war ihm das egal.

Über dem Paar lächelte Kara. Mochten die Menschen sie auch nicht verstehen und sich sogar vor ihr fürchten – es war egal. Es war egal solange ihre Existenz etwas so Reines bewirken konnte, wie das Gefühl, das die beiden Menschen in der Gasse unter ihr gerade teilten.
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