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Frei

OneshotFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Jem Carstairs Magnus Bane Tessa Gray Will Herondale
19.09.2015
19.09.2015
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19.09.2015 2.027
 
Hier eine kurze Geschichte in der Tessa Magnus etwas erzählt, was sie schon immer hatte sagen wollen...
Ich hoffe es gefällt euch, eigentlich war das hier nur eine kleine Schreibübung, aber dann wollte ich es irgendwie hier hochladen... Ich habe einen etwas anderen Stil benutzt als sonst, ich hoffe, es stört euch nicht.
Viel Spaß!

~~~~~~~

„Tessa, Liebes, du musst langsam darüber hinwegkommen. Ich kann ja verstehen, was die beiden mit dir angerichtet haben, aber dein Leben geht weiter, und ihres…“

Stille.

„Ich weiß, Magnus, ich weiß es, verdammt noch mal! Du hast es mir ja oft genug gesagt. Und ja, ich weiß, dass Will tot ist und nie mehr zurückkehren wird und ich weiß, dass Jem ein Bruder der Stille ist und ich ihn nur noch selten sehen kann, und ich weiß auch, dass mein Leben weitergeht, bis ins Unendliche, genau wie deins.

Sie holte tief Luft.

„Aber weißt du was? Es geht hier nicht um mich. Nicht um mich, nicht um mein Leben, nicht um meine Trauer. Es geht um zwei Männer. Beste Freunde. Parabatai. Mehr als Brüder.“

In ihren Augen standen Tränen, die Hände hatte sie zu Fäusten geballt, während sie ihr Gegenüber trotzig anblickte.

Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern:

„Nein, Magnus, es geht nicht um mich, auch wenn Will und Jem das wohl beide so sehen, genau wie du und überhaupt jeder, den ich kenne. Ihr denkt, meine Trauer muss so groß sein, dass ich das nicht allein verarbeiten kann und wollt mir helfen. Und vielleicht stimmt das auch. Vielleicht ist meine Trauer riesig und vielleicht bin ich euch dankbar für eure Hilfe, aber nur weil ich mich in einen Engel verwandelt und Mortmain besiegt habe, heißt das nicht, dass es in dieser Geschichte nur um mich geht.“

Ein zaghaftes Lächeln zupfte an ihren Mundwinkeln, während die Tränen stumm über ihre Wangen liefen. Mit einem beinahe verträumten Blick sah sich zu Boden, lächelnd und weinend zugleich und Magnus wusste, dass sie gerade ganz woanders war.

„Erzähl mir die Geschichte.“

Seine Stimme war sanft und als Tessa überrascht aufblickte, sah sie ihn warm lächeln.

„Warum?“

Ein Lachen.

„Weil ich sie hören will, Darling, darum. Du sagtest, es geht nicht um dich, es geht um Will und Jem. Und es würde dich nerven, dass alle immer dich für die Heldin halten. Aber damit sie das nicht tun, musst du ihnen schon erzählen, was wirklich war, sonst wird sich das nie ändern. Also leg los. Erzähl mir, warum es um diese beiden geht. Sag mir, warum du so denkst, erklär alles aus deiner Sicht.“

Verblüffte Blicke.

Ein aufmunterndes „Na los!“.

Und sie legte los. Mit dem Gesicht zur Decke und geschlossenen Augen ließ sie sich im Schneidersitz auf den Teppich sinken und legte los.

„Will und Jem waren immer mehr als Freunde oder Parabatai. So viel mehr. Und manchmal- als ich noch bei ihnen war- da glaubte ich, ich würde ihr Band zueinander zerstören, ich würde sie auseinander bringen, aber irgendwann, ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann in diesem ganzen Schalmassel, habe ich erkannt, dass nichts die beiden trennen kann. Auch ich nicht. Schon gar nicht ich. Denn auch wenn sie immer behaupteten, mich zu lieben, so habe ich doch genau gesehen, dass sie einander viel mehr liebten, viel inniger liebten, als sie mich jemals lieben könnten.“

Sie stoppte kurz, ein Lächeln auf dem Gesicht. In Wirklichkeit wusste sie genau, wann sie das erkannt hatte, aber diesen Moment, so wie sie ihn erlebt hatte, diesen einen Augenblick würde sie niemals hergeben, nicht aussprechen, nicht in Worte fassen, dieser eine kleine Moment gehörte ganz ihr. Nicht einmal Will und Jem selbst hatte sie erzählt, dass sie es gesehen hatte.


*




„Du bist ein Bastard, Will!“ Jem klang aufgebracht. Sein Gesicht war wie versteinert. Will starrte ihn an. Starrte ihn einfach nur an. Tessa konnte verstehen, warum. Wo war der ruhige Ton geblieben, mit dem Jem Will gegenüber immer sprach, wo seine unerschütterliche Geduld, wo sein Blick, der mit Zuneigung normalerweise getränkt war?
All das ließ er vermissen und nicht nur das, er sah tatsächlich so aus, als wäre er… sauer. Auf Will. Tessa hätte nie gedacht, dass Jem jemals sauer auf Will sein könnte, auch wenn sie es natürlich vollkommen verstehen konnte. Will hatte sich wie ein Idiot verhalten und Jem extrem gekränkt, indem er Yin fen einnahm, aber… es war Jem!
Der Jem, der die einzige Person war, die Will nicht zur Weißglut treiben konnte, die einzige Person, auf die Will hörte... und vermutlich auch die einzige Person, die es jemand gewagt hatte, William Herondale eine Backpfeife zu verpassen.
Will schien genauso überrascht wie Tessa, die sich noch näher an den Türspalt drückte, um alles gut zu sehen und zu hören. Der Schwarzhaarige machte einen Schritt vorwärts und bedachte seinen Parabatai mit einem intensiven Blick. Jem zuckte nicht mit der Wimper.
„Du bist wirklich wütend auf mich“, stellte Will halb erstaunt, halb zufrieden fest. „Und ich dachte schon, ich würde dich nie dazu bringen können. Schön zu sehen, dass du auch nur ein Mensch bist.“ „Das ist nicht witzig, Will“, fauchte Jem zurück, etwas Mondlicht, das durch einen Spalt zwischen seinen Vorhängen fiel, tauchte ihn in sein Licht und ließ ihn komplett silbern schimmern, seine Haare, seine Augen, sogar seine Haut, alles schien wie mit einer dünnen Schicht Silber überzogen zu sein.
Will seufzte. „Hör mir zu, James, ich weiß, was ich getan habe, war nicht richtig, aber du verstehst das nicht… Was du wissen musst, ist, dass ich dich niemals verletzen wollte. Ich wollte nur… Ich brauchte… Es tut mir leid.“ Und in diesem Moment konnte Tessa ganz genau hören, dass Will es genauso meinte, wie er sagte. Unglaublich. Will Herondale hatte sich entschuldigt.
Einige schwarze Locken hingen ihm in die Stirn und seine Augen schienen im Mondlicht noch größer zu sein, sie schimmerten in einem silbrigen Blau, sodass sie selbst wirkten wie zwei kleine Monde. In diesem Moment wirkte Will unschuldig, fast schon kindlich. Und vor allem sah er tatsächlich so aus, als ob es ihm leid tun würde.
Jem schien noch kurz zu überlegen, doch schließlich gab er nach: „Du weißt, dass ich dir nicht lange böse sein kann“, lächelte er und der sanfte Tonfall war in seine Stimme zurückgekehrt. Will lächelte auch. Dann beugte er sich vor und küsste Jem kurz auf die Lippen. „Bis morgen“, flüsterte er, aber Tessa verstand es trotzdem. Sie sah noch das kurze Lächeln auf Jems Gesicht, bevor sie Will zur Tür gehen sah und schnell um die nächste verschwand, damit er sie nicht sah.
Dort sank sie dann zu Boden und lehnte ihren Rücken an die kalte Steinwand. Sie konnte nicht glauben, was sie gerade gesehen hatte. Sie schüttelte den Kopf und versuchte die Gedanken zu verscheuchen, die ihr durch den Kopf schwirrten.
Etwas war seltsam an diesem Kuss gewesen. Er wirkte so… brüderlich. Aber das war Quatsch, dachte Tessa, welche Brüder küssten sich denn? Andererseits… Es waren Will und Jem! Den beiden würde sie eigentlich alles zutrauen, sogar, dass sie sich als Zeichen ihrer Zuneigung küssten und das diese Küsse nichts mit körperlicher Liebe zu tun hatten.
Sie dachte sich, dass es so sein musste, war sich sogar ziemlich sicher, aber die Zweifel blieben. Die Zweifel blieben und fraßen sie innerlich auf, ließen sie all die Jahre misstrauisch sein, die Liebe, die ihr geschenkt wurde, nicht richtig annehmen. Sie konnte sich weder Will noch Jem bedingungslos hingeben, da ihr immer nur vier Worte auf der Zunge lagen, sobald sie mit einem der beiden zusammen war. Du hast ihn geküsst!



*



„Aber das ist nicht alles.“

Magnus’ leicht belustigt klingende Stimme erinnerte sie daran, dass sie ihm gerade eine Geschichte erzählte. Die Geschichte zweier Jungen, die sich in dasselbe Mädchen verliebten und doch nicht aufhören wollten einander zu lieben.

„Nein“, gab sie zu.

Es war bei weitem nicht alles, doch alles konnte man nicht in Worte fassen.

„Ich… ich finde es viel beeindruckender, einen Menschen so zu lieben, so sehr zu lieben, dass nichts diese Liebe schwächen kann, als mit Hilfe eines Engels Mortmains Armee zu besiegen. Denn so war es. Ich habe die Hilfe eines Engels benötigt, um eine Heldin zu sein, während Will und Jem… sich einfach lieben.
Und meine Gabe hatte ich von Anfang an, sie war mir angeboren, aber die beiden haben sich ihre Liebe und Zuneigung, ihre Treue und Freundschaft, all das haben sie sich selbst geschaffen. Es war nicht von Anfang da, es musste erst noch entstehen. Und das erfordert viel Ausdauer und Mühe, es bedeutet, dass man auch Opfer bringen muss, aber sie haben es trotzdem geschafft. Und das ist weit heldenhafter als ich es jemals sein könnte.
Sie haben sich einfach niemals aufgegeben. Nicht einmal, als er am eigenen Körper den Schmerz ertragen musste, den es mit sich bringt, wenn der Parabataibund reißt, hat Will Jem nicht aufgegeben. Ist das nicht eine viel beeindruckendere Sache- bedingungslose Liebe- als etwas zu tun, das man schon von Geburt an kann?“

Etwas zittrig atmete sie aus.

Sie hatte es noch genau vor sich, als wäre es auf die Innenseite ihrer Lider gebrannt: Will und Jem, Rücken an Rücken in ihrer letzten Schlacht. Selbst nachdem sie keine Parabatai mehr gewesen waren, schienen sie einander auch ohne Worte zu verstehen. Sie wirkten wie ein Körper, wie eine Person, jede Bewegung perfekt aufeinander abgestimmt.

Sie seufzte leise.

Zu viele Erinnerungen strömten auf sie ein, Erinnerungen an die beiden Männer, die sie geliebt hatte, die sie noch immer liebte.

Wenn sie ehrlich war, dann hatte sie von Anfang an gewusst, dass Jem sie nicht sosehr lieben konnte, wie er Will liebte und dass Will sie nicht so sehr lieben konnte, wie er Jem liebte. Das war sie immer gewesen, die Wahrheit.

Sie hatte es gesehen an dem warmen Blick, den Will einzig und allein Jem schenkte und sie hatte es gehört an der Art, wie Jems Stimme immer um einiges sanfter wurde, wenn er mit Will sprach. Sie hatte es gerochen, sobald sie in Wills Nähe war, der süßliche Geruch von Jem, der ihn immer umgab, der Geruch nach Yin fen und noch etwas anderem, und sie hatte es geschmeckt, sobald sie Jem geküsst hatte, den unverkennbaren Geschmack von Will auf seinen Lippen.
Aber vor allem hatte sie es gespürt, wenn sie in der Nähe der beiden war. Es war fast wie eine Aura, die sie unablässig umgab, eine Aura aus Glück und Liebe und Zuneigung, sobald sie gemeinsam in einem Raum waren.

Die Bilder hinter ihren Augen verblassten. Langsam schlug sie die Lider wieder auf. Tränen waren ihre nassen Wangen herunter gelaufen, Tränen, von denen sie schon immer wusste, dass sie sie in sich hatte, aber sie hatte sie nie vergossen.

Jetzt war es also geschehen.

Sie fühlte sich, als wäre sie durch diese Tränen nun endlich befreit worden, befreit von dieser Trauer um die beiden, befreit von dieser Angst, dass sie sie nie geliebt hatten. Irgendwie, nachdem sie das alles gesagt hatte, war ihr klar geworden, dass die beiden sie geliebt hatten, nur war es keine so innige Liebe gewesen, wie sie einander entgegenbrachten, aber dennoch ehrliche und aufrichtige Liebe.

Und zum ersten Mal seit ziemlich langer Zeit war Tessa glücklich, wirklich glücklich.

Sie sah Magnus an, der sie anlächelte.

„Danke“, wisperte sie.

Jetzt war es vorbei, dieser Albtraum aus Verlust und Schmerz und Trauer war vorbei und sie konnte wieder zu Wills Grab gehen, ohne diesen Stich im Herzen zu fühlen und diese Stimme in ihrem Kopf zu hören, die ihr einredete: Er hat dich nie wirklich geliebt. Niemand hat das. Und sie konnte Jem gegenüber treten ohne den Wunsch zu verspüren, laut los zu schreien und ihn mit allem zu konfrontieren, was sie damals gesehen hatte.

Jetzt war sie frei.

„Gerne doch, Liebes“, flüsterte Magnus zurück, setzte sich zu ihr auf den Boden und nahm sie in den Arm.

~~~~~~~~~

Sooo... Wie fandet ihr es? War magnus etwas ooc oder kam das nur mir so vor? Tut mir leid, falls ich ihn (oder auch Tessa) nicht ganz so gut getroffen habe.
Das hier war eigentlich nur ein kleines Experiment, also seid nicht zu streng mit mir ; )
Konstruktive Kritik ist natürlich trotzdem ausdrücklich erwünscht!
Ich freue mich über Reviews!
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