Und er krächzt sein heiseres... Nimmermehr...

KurzgeschichteMystery, Horror / P16
19.09.2015
19.09.2015
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Willkommen!
Dies ist nicht direkt eine Songfiction, aber doch stark mit einem Lied verbunden, und zwar Finster Finster von Subway to Sally. Ich habe ein paar Zeilen daraus und die Stimmung benutzt.
Ich würde sehr empfehlen, das Lied beim Lesen zu hören; tut der Stimmung sehr gut! ;)
Es kann aber natürlich auch ohne das Lied gelesen werden.  

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Finster...
Finster...

Finster...

»Finster…« flüstert Sam.

Finster, Finster!

»Hahahahaha…«
Mit einem erschreckten Keuchen wirbelt Sam herum, doch er sieht nichts. Nichts. Nichts. Nichts.
Nur Nebel. Nebel, überall um ihn herum, dick wie Suppe, und undurchdringlich. Schaudernd heftet Sam seinen Blick wieder auf den Pfad, auf dem seine Füße wandeln.
Was hatte ihn nur dabei geritten, mitten in der Nacht die Abkürzung durchs Moor zu nehmen?

Finster!
Finster!

Finster!

Sams Atem beschleunigt sich merklich. Sein Herz rast.
»Das ist alles nur in meinem Kopf«, wispert er sich selbst zu, um sich zu beruhigen. Sein Atem hallt laut über das in tiefschwarze Nacht getauchte Moor.
Er war ein Idiot, solch ein Idiot! Idiot! Idiot! Idiot! scheint es über das Moor zu hallen, von überall und gleichzeitig nirgendwo.  
Wild leuchtet Sam mit seiner kleinen Taschenlampe durch die Gegend, doch der Nebel reflektiert das Licht und sendet es zurück wie eine weiße Wand.
Wie ein Gefängnis…
Nein!

Komm her, mein Kleiner…

Zitternd setzt Sam seinen Weg fort. Nur noch ein halber Kilometer, dann ist er Zuhause… Dort vorne kann er schon die knorrige Silhouette eines alten, toten Baumes erkennen, der die Weggabelung markiert, wo er abbiegen muss.
Warum waren seine Eltern auch ausgerechnet an den Rand eines gruseligen Moors gezogen? Hier gibt es nichts, nur undurchdringlicher Nebel, der zu den unmöglichsten Zeiten aus dem Boden aufsteigt… fast willkürlich, als wäre er an kein Naturgesetz gebunden.

»Kraah!«

Heftig zuckt Sam zusammen und macht einen Satz zur Seite, um den flatternden Flügelschlägen eines Raben auszuweichen. Eine tiefschwarze Feder schwebt langsam neben ihm zu Boden. Tief einatmend, um seinen rasenden Herzschlag zu beruhigen, bückt Sam sich, um sich die Feder genauer anzusehen.
Sie war wirklich tiefschwarz und schien das Licht seiner Taschenlampe zu verschlucken. Einen kurzen Moment lang glaubt Sam, wie Schatten an der Feder haften und um sie herum wabern, doch im nächsten Augenblick ist es nur noch eine ganz normale Feder.
Von einem Vogel, der hier nichts zu suchen hat, besonders nicht um diese Uhrzeit…

Finster!
Finster!

Finster!

Finster, Finster…

Ein leises Schluchzen dringt aus Sams Kehle und er springt auf. Wild dreht er sich im Kreis. Wo war der Baum, der seine Abzweigung anzeigte? Wo war er hin?! Wo war der Weg?!?
Er steht mitten im Moor, keine Spur von dem Pfad unter seinen Füßen.
Sams Atem kommt keuchend und halb in Panik versucht er, den Nebel vor seinen Augen beiseite zu wischen. Doch er wird nur immer dichter, immer dichter…

Komm zu mir… Komm…

Was war das für ein Flüstern? Das konnte nicht echt sein!
»Das ist nur in meinem Kopf«, wiederholt Sam leise und schluckt. Verzweifelt versucht er, die Geschichten aus seinem Kopf zu verbannen, die in der Schule über dieses Moor erzählt wurden. Seine Mitschüler hatten ihm erzählt, in hier seinen bereits viele, viele Menschen verschwunden…
Und nie wieder gefunden worden.
»Hör auf, Sam«, flüstert er und packt nervös seine Taschenlampe mit einer schweißfeuchten Hand fester.
Komm!

Nein…

Finster… Finster…
Stück für Stück…

Kehrt das Grauen zu mir zurück!

Wie hypnotisiert folgt Sam der leisen Stimme, die ihn ruft. Er muss ihr folgen, sie wird ihn führen…
Wird ihm den Weg hier raus zeigen, wenn er ihr nur folgt…
Er muss ihr nur folgen…
Folgen…
Komm…

»Kraaah…«

Dort der Rabe, schwarz wie Teer
Schaut mit leeren Augen her

Und krächzt sein heiseres…

»KRAAH!«

Nimmermehr
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