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Ist es Liebe?

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
16.09.2015
12.09.2016
4
9.237
12
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12.09.2016 2.886
 
ELLEN
Es klingelt und ich zwinge mich, nicht sofort die Gegensprechanlage zu betätigen sondern ein paar Sekunden zu warten.
„Ja?“, sage ich. Oh Ellen, als ob Nikolas dir das Theater abnimmt.
„Hallo“
Heldt glänzt gerade auch nicht durch Kreativität.
„Ich bin’s, Heldt“, schiebt er hinterher.
„Ok“
Ich höre seine Schritte auf der Treppe und öffne die Tür. Ist es jetzt ein gutes Zeichen, dass er da ist? Ich sollte mir keine zu großen Hoffnungen machen, vielleicht ist er auch einfach nur gekommen, um es mir ins Gesicht zu sagen: „Ellen, du hast es verbockt, ich sehe keine Chance für uns.“
Er trägt noch dieselben Kleidungsstücke wie im Präsidium, anscheinend war er noch nicht zu Hause.
„Hi“ Im Ernst jetzt? Hi? Bin ich ein Teenie?
Nikolas grinst mich an, anscheinend macht er sich über meine Wortwahl lustig.
„Kann ich auch rein kommen oder wollen wir es uns im Flur gemütlich machen?“
Oh man, Ellen. Ich könnte genauso gut Türsteher werden.
„Bitte“, erwidere ich und schlage in dem Versuch, eine einladende Geste zu machen gegen die Kante der Tür. Vielleicht doch nicht. Ich glaube, die Kernkompetenz eines Türstehers ist präzises Zuschlagen.
Nikolas betritt meine Wohnung und lehnt sich gegen die Wand. „Ellen“, beginnt er und lächelt dabei ganz und gar nicht mehr. Immerhin haben wir es weit gebracht, vom Hausflur in den Wohnungsflur!
Okay. Ich habe verloren. „Nikolas, ich...“ Naja, was soll ich dazu noch sagen? Nikolas, ich habe einen Fehler gemacht? Wissen wir beide. Nikolas, es tut mir leid! Weiß ich auch.
„Ellen, wie Ernst ist es dir? Bin ich morgen wieder Kommissar Heldt, weil du dich doch für den sicheren Weg entscheidest?“
„Nein. Verdammt, Nikolas ich habe Mist gebaut und war unfair zu dir, ich hatte einfach Angst davor, was passiert, wenn...“
„Wenn?“ Er sieht mir in die Augen und kommt näher.
„Wenn ich mich auf dich einlasse, dass ich die Kontrolle verliere“ So wie jetzt. Alleine seine Anwesenheit reicht meistens aus, um meine Konzentration schwinden zu lassen. Und sobald er sich mir auf weniger als einen Meter nähert... nun, sagen wir mal, es hilft nicht gerade, dass ich weiß, wie es sich anfühlt ihn zu küssen, zu berühren, ihm nah zu sein.
„Worüber?“ Seine Frage unterbricht meinen Gedankenfluss.
„Über mein Leben. Meinen Job. Mein Herz. Meinen Körper. Meine Tochter.“
Er schaut mich immer noch abwartend an.
„Was?“ Oh Gott. Ich hasse es zu warten, zu bitten und nicht das Zepter in der Hand zu haben.
„Du hattest Angst oder du hast Angst?“
„Ich habe, aber vor etwas Anderem“
Nikolas runzelt die Stirn und sieht mich besorgt an. „Wovor?“
„Es nicht hinzubekommen, dich zu verlieren. Beziehungsfähigkeit steht nicht gerade an erster Stelle der trotzdem langen Liste meiner Qualitäten“
Seine Besorgnis weicht und stattdessen fängt er an zu lachen.  „Du stehst vor der beziehungsunfähigsten Person in ganz Bochum, Ellen“
Jetzt muss ich auch lachen und sehe ihm wieder in die Augen. „Naja, wir können ja vielleicht zusammen beziehungsunfähig sein?“
Kann es tatsächlich so einfach sein? Einfach so?

NIKOLAS
Ich glaube, ich hätte sie nicht so lange warten lassen dürfen. So kenne ich Ellen überhaupt nicht, so ängstlich und unsicher.
„Ellen, es tut mir leid“, beginne ich. Ich muss es ihr sagen, doch in dem Moment, als ich beginne zu reden, kehrt die Besorgnis zurück in ihr Gesicht. Was tut ihm leid? Diese Frage steht ihr quer über das Gesicht geschrieben.
Eigentlich will ich auch nicht mehr reden. Ich will sie küssen, sie spüren und mit ihr die ganze verrückte Welt vergessen.
„Was?“, wispert sie und packt das Revers meiner Lederjacke.
„Ich saß ewig im Carlos herum und wusste nicht, was ich machen sollte. Ellen. Du bist nicht die Einzige, die Angst hat, es zu versauen“
Sie atmet erleichtert aus, aber ihre Augen sehen mich immer noch besorgt an, so als würde sie das Schlimmste erwarten, jede Sekunde damit rechnen, dass ich mich umdrehe, rufe „zack, verarscht“ und gehe. Wie kann ich ihr nur klarmachen, dass ich hier bin, weil ich mich für sie entschieden habe?
Wir stehen bewegungslos voreinander. Meine Gedanken rasen. Mein Herz rast. Wer macht welchen Schritt zuerst? Was passiert danach? Könnten wir nicht auch einfach hier stehen bleiben? Alle und alles ignorieren, die Welt dreht sich auch von alleine.
Können wir nicht. Ellen erwacht aus ihrer Starre und lächelt mich an, so umwerfend, so voller Vertrauen, Liebe und Zuversicht.
„Ellen“ Meine Stimme klingt völlig ungläubig, belegt, schwach als ich ihren Namen sage.
„Richtig, so heiße ich. Und ich werde jetzt dafür sorgen, dass du diesen Namen so schnell nicht mehr aus dem Kopf bekommst“
„Ist das eine Drohung?“ Müder Versuch, einen Witz zu reißen.
„Nikolas Heldt, halt die Klappe“
Ich grinse sie provokant an. Keine Ahnung, wie das möglich ist, aber die Stimmung zwischen uns ist so schnell umgeschlagen, von Unsicherheit und Verwirrung, zu nichts als einer völlig verrückten Begierde.
Ellen zieht mich an meiner Jacke durch den Flur und sieht mich mit diesem Blick an.  So hat sie mich in diesem verdammten Pool angesehen, im Lift und jetzt tut sie es wieder.
„Wo ist Emily?“ Ich kratze mühsam die letzten Reste Verstand zusammen. Passiert das hier gerade wirklich?
„Bei ihrem Vater“ Ellen greift in die Tasche meiner Lederjacke und nimmt mein Handy heraus.  „Kein Kind. Kein Handy“, sagt sie und entfernt kurzerhand den Akku.
Sie zieht mich hinter sich her in ihr Schlafzimmer und gibt mir einen Schubs, sodass ich auf ihrem Bett lande. Erst jetzt nehme ich bewusst wahr, was sie trägt. Ein Kleid, schwarz, eng, höllisch. Es verrät nichts und trotzdem auf eine unfassbar attraktive Weise alles.  Oh Ellen
Ohne den Blickkontakt abzubrechen beginnt sie, den Reisverschluss an ihrem Rücken herunter zu ziehen, ich höre das leise Geräusch und springe vom Bett auf.
„Nikolas“, sagt sie noch, überrascht von meinem Aktionismus, bevor ich sie an mich ziehe und endlich, endlich küsse. Ich dachte, ich wäre vorbereitet auf dieses Gefühl, diesen unfassbaren Mix aus Lust und Liebe, aber es wirft mich fast um, sie hier in meinen Armen zu haben, zu spüren, wie sich ihre Bauchmuskeln anspannen während sie stoßweise ein- und ausatmet, zu hören, wie sie leise stöhnt, von ihrem Geruch umfangen zu werden und einfach zu wissen, dass wir es endlich hinter uns gebracht haben und die Fronten geklärt sind.

ELLEN
Ich wache auf, denn die Sonne scheint mir direkt ins Gesicht. Warum habe ich die Fensterläden nicht zugemacht? Die Antwort liegt nicht auf der Hand, dafür aber auf mir. Nikolas.
Er schläft tief und fest und sieht so unfassbar ruhig und zufrieden aus. Am liebsten würde ich ein Foto von ihm machen, stattdessen schaue ich ihn einfach an und lasse meine Hand durch seine Haare wandern.
In meinem Schlafzimmer liegen überall unsere Klamotten herum, die Zeitschriften sind von meiner Kommode gefegt und das Bett ist völlig zerwühlt.
Doch anscheinend bin ich nicht nur von der Sonne wachgeworden. Im Flur höre ich die Stimmen meines Ex’ und meiner Tochter, die mir einen Realitätsschock verpassen.
„Emily, geh doch schon mal in dein Zimmer und such deinen Schulrucksack, ich schaue solange, ob Mama schon wach ist“
Bevor ich irgendwas tun kann, klopft es dezent und die Tür öffnet sich. Mein Ex schaut herein, sieht dasselbe, das ich zwei Minuten zuvor auch gesehen habe und grinst. „Ereignisreiche Nacht gehabt?“
„Was machst du hier??“, zische ich. Erstens hätte er durchaus auf ein „Herein“ warten können und zweitens fehlt es mir gerade noch, jetzt einfach von meiner Tochter überrascht zu werden, wie ich nackt in meinem Bett liege, zusammen mit einem nicht weniger nackten Mann.
„Emily hat ihren Schulrucksack gestern hier vergessen und ohne den kann sie ja schlecht in die Schule gehen“
Ich höre Emilys Schritte näherkommen und signalisiere Tom panisch, die Tür zu schließen. Ich brauche ein bisschen Zeit und einen Plan, wie ich Emily erkläre, dass es jetzt Nikolas gibt und der ein wenig öfter da sein wird als nur, wenn mal wieder irgendein Spinner Emilys oder meine Sicherheit gefährdet. UND ich muss ihr dringend erklären, dass damit auch die Tradition stirbt, dass es jedes Mal Pizza gibt, wenn Nikolas kommt.
„Ist Mama schon waaaaach?“, fragt sie.
„Nein, sie schläft noch“
„Mit Nikolas?“
Verdammt. Vor diesem Kind kann man wirklich nichts geheim halten. Wie kommt sie ausgerechnet auf Nikolas? Und warum denkt sie nicht einfach, ich schlafe noch?
Nikolas ist mittlerweile aufgewacht und ich kann spüren, dass er lacht.
„Wie kommst du darauf, Emily?“ Tom bemüht um einen ernsthaften, pädagogischen Tonfall aber ich höre genau, wie seine Stimme zittert und kann mir sehr lebhaft vorstellen, wie er jetzt vor der Tür steht und sich mehr schlecht als Recht Kommentare verkneift.
„Weil Nikolas’ Auto vor der Tür steht und außerdem sehen sie sich immer so komisch an, wenn sie glauben, keiner guckt“
Die Wohnungstür fällt ins Schloss und Nikolas kann sich nicht mehr halten. Er setzt sich auf, lacht und steckt mich damit an.
„Ich würde sagen, sie hat uns durchschaut“
Ich finde das dennoch nur so halb witzig: „Wenn es so weitergeht, weiß es heute Abend sogar Herr Korthals. Vermutlich sogar ganz Bochum, vielleicht auch Dortmund?“
„Naja, ich würde sagen, bisher weiß es nur dein Ex und deine Tochter, da ist noch viel Luft nach oben. Außerdem hast du gerade ein drängenderes Problem“, Nikolas lacht immer noch.
„Das da wäre?“, zicke ich.
„Es ist viertel vor acht“, erwidert er und liegt seelenruhig dabei im Bett.
„Scheiße.“

NIKOLAS
Ellen ist heute Morgen ins Präsidium gesprintet und seitdem habe ich sie nur bei der Besprechung um 9 gesehen, bei der die halbe Abteilung anwesend war und sie am anderen Ende des Tisches saß.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mir eigentlich jeder ansehen muss, dass ich die Nacht mit Ellen Bannenberg verbracht habe und versuche, nicht allzu grinsend durch das Präsidium zu laufen. Dummerweise ist heute einer dieser Tage, an denen nichts passiert, nichts passiert ist und wohl auch bis zum Feierabend nichts passieren wird und den ich dazu nutzen sollte, liegen gebliebenen Papierkram aufzuarbeiten.
Aber wie?
Mario beobachtet mich zunehmend misstrauisch von seinem Schreibtisch gegenüber aus. „Nikolas, seit wann machen dir Akten solchen Spaß?“
„Machen sie doch gar nicht, wie kommst du darauf?“ Jedes Mal, wenn Ellens Name in einer Akte auftaucht sehe ich sie vor mir und kann einfach nicht nicht an unsere gemeinsame Nacht denken.
„Ich mein ja nur, du grinst so“
„Kümmere du dich lieber um deine Akten“
„Jaja, du kannst dich aber auch gar nicht entscheiden, die letzten Tage warst du ja ungenießbar, heute grinst du wie ein Honigkuchenpferd“
„Da kannst du mal sehen, Korthi, wie viel Freude man aus der intensiven Aktenarbeit gewinnen kann“
Passenderweise kommt auch noch Grün ins Büro und mustert mich ähnlich wie Korthi.
„Herr Heldt, sind Sie gesundheitlich wohlauf? Eine solche Aussage aus Ihrem Munde scheint mir bemerkenswert und besorgniserregend zugleich. Sollten Sie schlussendlich doch die Vorzüge präziser und solider Polizeiarbeit erkannt haben?“
„Natürlich, Herr Grün. Es geht nichts über eine solide Aktenbearbeitung“
Dabei wandern meine Gedanken direkt wieder ab zu Ellen, wie sie an ihrem Schreibtisch sitzt und wahrscheinlich wirklich die Vorzüge solider Aktenbearbeitung genießt. Oder vielleicht auch etwas Anderes.
„Nichtsdestotrotz möchte ich Sie bitten, Dr. Holle in der Pathologie aufzusuchen, sie hat einige toxikologische Gutachten für Sie, die ihrem Aktenstudium weiteren Auftrieb geben dürften.“
„Nichts könnte mir mehr Freude bereiten“
Ironie muss Grün echt noch lernen.

Ich gehe die Treppen hinunter zu Frau Dr. Holle und biege in ihr Büro ab. Doch anstelle von Hanna Holle sitzt da Ellen Bannenberg. Anscheinend wartet sie auch auf Dr. Holle.
„Frau Staatsanwältin“
„Herr Heldt“
„Immer eine Freude, Sie zu sehen“
Ellen steht aus dem Stuhl auf und geht auf mich zu. Mit jedem Schritt, den sie näherkommt, werden die Erinnerungen an die vergangene Nacht präsenter.
„Wollten wir nicht noch besprechen, was wir im Präsidium machen?“, frage ich. Super Versuch, Nikolas. Wirklich gelungen. Ablenken kann ich.
„Gut, dass Sie es ansprechen. Wissen Sie, es gibt hier zum Beispiel Polizisten, deren Aufgabe ist es, Straftaten zu ermitteln und aufzuklären“ Während sie spricht sieht sie mich schelmisch an und küsst sanft meinen Hals, genau wissend, dass sie mich damit verrückt macht.
„Und dann gibt es Staatsanwältinnen“, murmle ich.
„Wirklich? Und was machen die?“ Ich höre förmlich, wie sie grinst. Mich fasziniert diese verspielte Seite an ihr und die Geschwindigkeit, mit der sie die gegen ihre spröde Staatsanwältinnen Art eintauscht unheimlich.
„Die lenken hart arbeitende Polizisten ab“
„Vielleicht ist es aber auch umgekehrt und die Polizisten lenken die hart arbeitenden Staatsanwältinnen ab?“
„Gerüchte, das müssen Sie schon gerichtsfest beweisen, Frau Staatsanwältin“
Ellen kichert.
Moment, sie  kichert?
Ich nehme ihren Kopf in meine Hände und küsse sie auf die Lippen, ganz zart und unschuldig gedacht, aber weniger so ausgeführt. Und vielleicht auch doch nicht unschuldig gedacht.
Wenn mir vorgestern jemand gesagt hätte, dass ich heute seelenruhig in der Pathologie stehen, dabei Ellen Bannenberg küssen und dass es mir vorkommen würde als sei es das normalste der Welt, ich hätte die Person in die Ausnüchterungszelle verfrachtet.
„Nun, ich würde zu der Erkenntnis gelangen, dass Sie sich gegenseitig ablenken“
Hanna Holle.
„Was machen Sie denn hier?“, frage ich und fühle mich semi- ertappt.
„Arbeiten Heldt, es gibt neben sich gegenseitig ablenkenden Berufsgruppen auch noch uns hier unten und wir werden selten durch unsere Untersuchungsgegenstände abgelenkt“
Sie steht im Rahmen der Tür und wirkt wie ein Kind, das gerade ein Bonbon gefunden hat.
„Frau Dr. Holle, bitte...“
„Frau Bannenberg, ich höre bekanntermaßen schlecht und im Alter lässt auch die Sehfähigkeit nach. Aber mich würde schon interessieren, was Sie beide auf den Pfad der Erleuchtung geführt hat? Der ja offensichtlich auch noch ziemlich hell scheint.“
Das ist eigentlich eine ziemlich gute Frage.
„Ich würde sagen Beharrlichkeit und gute Ratschläge von guten Freunde“
Hanna Holle strahlt uns beide an. Im Grunde wusste sie seit Ewigkeiten Bescheid, schon lange, bevor sie uns im Lift gesehen hat. Und vermutlich kann ich sie auch getrost zu den Freunden mit den guten Ratschlägen zählen.
„Aber da Sie beiden ja nun auf dem Weg der Erleuchtung sind, die muss ja nicht zwangsweise in meiner Pathologie stattfinden, denke ich?“
„Ich denke, das lässt sich einrichten“, Ellen lächelt und streicht sich eine Strähne aus dem Gesicht, was sie immer tut, wenn sie nicht ganz genau weiß, wie sie mit einer Situation umgehen soll oder ihr etwas peinlich ist.
„Ich bin eigentlich auch nur hier, um Gutachten für die Akten abzuholen“, murmle ich.
„Akten?“ Die beiden Damen gucken mich unisono und völlig verwirrt an als hätte ich gerade das Unwort des Jahres hervorgebracht.
„Das Aufbereiten und gründliche Studieren von Akten zählt für jeden Polizisten zum Einmaleins der Ermittlungsarbeit“
Ellen legt mir die Hand an die Stirn. „Hast du Fieber?“
„Würdest du dich dann um mich kümmern?“ Ich grinse sie herausfordernd an.
„Raus aus meiner Pathologie mit Ihnen!“ Hanna Holle stemmt ihre Hände in die Hüften und sieht uns tadelnd an.

ELLEN
Seit einer Stunde sitze ich wieder in meinem Büro und versuche, Akten durchzugehen für einen Prozess, der bald ansteht. Ich könnte genauso gut die Präambel der japanischen Verfassung lesen und sie ins altgriechische übersetzen, die Produktivität wäre vermutlich gleich hoch.
Ich könnte jedoch auch... nein, Ellen! Könntest du nicht! In mir streiten sich Engel und Teufel.
Du könntest jedoch auch Heldt eine SMS schicken.
-Ja, aber du könntest auch endlich professionell sein und arbeiten. Wolltest du nicht genau solche Situationen vermeiden?
Einmal ist keinmal und du bist danach mit Sicherheit viel konzentrierter!
-Jaja, einmal, zweimal, dreimal. Das fängt ja schon gut an! Du solltest auch so konzentriert sein!
Ist dir aufgefallen, wie gut er heute riecht? Und er wäre innerhalb von ein paar Minuten da.
Heldt. Habe Probleme mit einer Akte. Haben Sie als Experte Zeit, mir zu helfen?
Der Teufel gewinnt. Mal sehen, wie Nikolas auf meine Nachricht reagiert.
Keine zwei Minuten später klopft es an der Tür und Heldt betritt den Raum, geht auf meinen Schreibtisch zu. „Wo brennt’s denn?“
Ich ziehe ihn an mich heran und küsse ihn drängend anstelle ihm eine Antwort zu geben. Meine Hände finden ihren Weg in seine Haare, ich spüre, wie er schneller atmet und schließe die Augen.
„Ellen!“ Seine Stimme schwankt zwischen Ungläubigkeit und Verlangen, das langsam spürbar wird.  Er drückt mich an sich und öffnet meinen Zopf, sodass meine Haare über meinen Rücken fallen.
„Nikolas, bitte... Ich kann mich nicht konzentrieren“ Ich stoße an meinen Schreibtisch an und er hebt mich darauf, öffnet die ersten Knöpfe meiner Bluse auf und ich schlinge meine Beine um ihn. Es ist so verrückt, so surreal, so  richtig.
Wie habe ich es so lange geschafft, ihn von mir fern zu halten? Nikolas ist wie meine Droge, mein Körper, mein Gehirn, mein Herz, alles schreit nach mehr.
„Worauf kannst du dich nicht konzentrieren?“ Seine Lippen wandern sanft über meinen Hals, sein Dreitagebart hinterlässt ein süßes Kribbeln und ich bekomme eine Gänsehaut.
„Auf meine Arbeit, ich saß eine Stunde an diesem Schreibtisch und alles, woran ich denken konnte warst du“
Nikolas zieht sich ein paar Zentimeter von mir zurück und ich öffne meine Augen, sehe sein spitzbübisches, selbstzufriedenes Grinsen
„Ich hoffe, es waren angenehme Gedanken, Frau Staatsanwältin?“
„So sehr, dass ich mich dazu entschlossen habe, zu überprüfen, wie praktikabel sie in der Realität sind“
"Ich glaube, ich kann Ihnen in diesem Fall ausnahmsweise nicht widersprechen"
"Das ist auch besser so", murmle ich, bevor ich Nikolas küsse und damit bis auf Weiteres unsere Unterhaltung beende.
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