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Ist es Liebe?

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
16.09.2015
12.09.2016
4
9.237
12
Alle Kapitel
20 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
11.10.2015 2.059
 
Hallo ihr Lieben!
Nach etwas längerer Pause geht es heute auch weiter!
Vielen Dank für eure Reviews, habe mich sehr gefreut!! :)
Hoffe, das Kapitel gefällt euch!

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Am nächsten Morgen schwänzt Heldt die Besprechung. Weder Grün noch Korthals sind sonderlich verwundert, die Chance steht so ziemlich 50/50, dass er auftaucht. Dr. Holle jedoch scheint zu ahnen, dass etwas im Busch ist.
Ich bin nicht vollkommen bei der Sache, meine Gedanken sind bei Nikolas und bei meiner Rede, die ich vorbereitet habe. Ich muss es schaffen, dass er mir zuhört. Ich brauche Zeit und Ruhe, mit ihm zu reden.
Aber er kommt nicht. Die einzige Person, die ich wirklich gerne hier hätte, ist nicht da. Wer weiß, wo er ist. Vielleicht ist er gestern Nacht auch verunglückt. Vielleicht liegt er betrunken in irgendeiner Ecke? Vielleicht ist er auch gegangen?
„Frau Bannenberg?“
Verdammt. Anscheinend hat Grün etwas gefragt, das nicht mit ja, nein oder mh zu beantworten ist.
„Entschuldigung, wie bitte?“ Contenance, Ellen. Du hast hier einen Job zu erledigen.

Am Ende der Besprechung frage ich scheinbar nebensächlich: „Hat jemand von Ihnen Heldt heute schon gesehen?“
„Herr Heldt, in seinem unkonventionellen Verständnis von Pünktlichkeit und Disziplin wird sich vermutlich zu ihm gegeben erscheinender Zeit einfinden“
„Aha“ So sehr ich Grün auch schätze als zuverlässigen, berechenbaren Kollegen, so sehr geht er mir mit seiner Ausdrucksweise auf die Nerven. Besonders jetzt.
Dr. Holle lässt sich einige Zeit damit, ihre Unterlagen zusammen zu suchen. Als die Kommissare mein Büro verlassen haben, sieht sie mich an.
„Was ist denn da los mit Heldt und Ihnen?“
„Nichts“
„Nichts, Heldt randaliert gestern in meiner Pathologie und Sie sehen aus, als hätten Sie nicht viel Schlaf bekommen, um das etwas euphemistisch auszudrücken.  Ich dachte, Sie hätten Ihr Tête-à-Tête genutzt?“
„Wir haben uns gestritten, gestern Abend. Ich glaube, ich hab es völlig verbockt. Es hat einfach keinen Sinn, es funktioniert nicht“
„Werfen Sie immer so schnell die Flinte ins Korn?“
„Es ist einfach so. Sie haben ihn nicht gesehen, er ist so wütend auf mich“, sage ich resigniert. Je länger ich Nikolas nicht sehe, desto pessimistischer werde ich.
„Sie können in Ihrem Job analysieren wen, was und wieviel Sie wollen, aber Heldt funktioniert anders“
Dr. Holle greift nach ihren Unterlagen und wendet sich zur Tür.
„Und im Endeffekt  ist er auch nur ein Mann“
Mit diesem kryptischen Kommentar verlässt sie mein Büro.


HELDT

Ich fahre in aller Frühe in das Einkaufszentrum, in dem gestern der Anschlag verübt wurde, um den Techniker zu befragen. Alles ist besser, als im Präsidium rum zu sitzen und Ellen zu begegnen.  Ich überlege sogar, ein paar Tage Urlaub zu nehmen, aber ich bin nicht der Typ, der wegrennt.
Ach nein? Was hast du denn bisher immer gemacht, wenn es annähernd ernst wurde mit einer Frau?

Der Techniker verstrickt sich in Widersprüche und ich nehme in mit ins Präsidium zum weiteren Verhör.  
Präsidium. Verdammt. Ich hoffe, ich kann die Leitung des Verhörs an Grün abgeben und schnell wieder verschwinden.
Grün ist jedoch nirgendwo aufzufinden, also bleibt mir nichts anderes übrig, als Mario zu Frau Bannenberg zu schicken, damit sie als Leiterin der Ermittlung dabei ist.

Die Tür zum Verhörraum öffnet sich und ich weiß, dass Ellen darin steht. Der Duft ihres Parfüms umfängt mich, als sie sich neben mir auf den Stuhl setzt.
Ich springe auf und verfolge das Verhör von der Wand. Dabei sehe ich Ellen an. Wenn man genau hinschaut, dann wirkt sie müde und angespannt.  Oberflächlich betrachtet sieht sie aus wie immer.  Ihre Haare sind offen, sie trägt dezenten Lippenstift und einen Hosenanzug.
Vielleicht hätte ich sie gestern nicht einfach stehen lassen sollen. Verdammt. Aber was hätte ich sonst machen sollen?

Als sie das Verhör beendet, verlasse ich sofort den Verhörraum. Ich brauche etwas Süßes und garantiert keine Predigt, warum ich nicht bei der Besprechung heute Morgen war. Und auch keine Diskussionen über Themen, die ich nicht bereit bin zu diskutieren. Genau genommen brauche ich einfach meine Ruhe.

Natürlich und wie sollte es anders sein, kommt Grün gerade den Flur entlang und hält mich auf. Im Grunde sitzt er immer hinter seinem Schreibtisch, nur wenn er es mal wirklich sollte natürlich nicht. Er labert irgendwas, das ich nicht hören will und gibt Ellen damit genug Zeit, mich einzuholen.
„Heldt, ich möchte Sie sprechen. Unter vier Augen“
„Später, ich muss…“ Mir fällt erstens nichts ein, das ich müsste und zweitens unterbricht sie mich.
„Das kann warten oder Herr Grün erledigt es. Also?“ Mit verschränkten Armen steht Ellen vor mir und ich weiß genau, dass ich aus dieser Nummer nicht wieder raus komme. Sie hat ihren  fordernden Tonfall drauf, den tu-es-oder- ich-schreie-Blick.
„Natürlich“
Was glaubt sie eigentlich, mich abzukommandieren wie einen Praktikanten?  Ich folge ihr in das Büro und mache direkt deutlich, dass ich keinesfalls die Absicht habe, diese Besprechung irgendwie auszudehnen, in dem ich in der offenen Tür stehen bleibe.
„Schließen Sie bitte die Tür und setzen Sie sich“
Ich schließe die Tür doch bleibe stehen.
„Nikolas, setz dich“
„Frau Bannenberg, ich führe keine privaten Unterhaltungen während der Dienstzeit. Wenn es um einen Fall geht, bitte. Ansonsten gehe ich.“


ELLEN

Verdammt. Ich sehe nichts als Distanziertheit in seinen Augen. Sein Gesicht ist hart und verschlossen und er steht an der Tür, als wäre er bereit zu flüchten.
Ist er vermutlich auch.
Ich stehe wieder auf und gehe auf ihn zu.
„Nikolas. Gib mir fünf Minuten. Danach kannst du immer noch gehen“ Ich weiß zwar nicht, was ich dann machen soll, aber ich kann ihn ja auch schlecht zwingen und einsperren.
„Nein, kein Bedarf“
Er greift nach der Türklinke doch ich bin schneller. Mit dem Mut der Verzweiflung schließe ich die Tür ab und werfe den Schlüssel hinter mich in den Raum.
„Du bleibst hier und hörst mir zu“ Meine Stimme ist fester und sicherer als ich mich fühle. Nikolas sieht mich an, als sei ich irre.
„Was soll das werden, eine dienstliche Anordnung?“
„Nein, eine private Bitte“
„Ellen, es gibt nichts zu sagen“
„Doch“ Es macht mir Mut, dass er mich bei meinem Vornamen nennt.
„Ich habe Fehler gemacht und Scheiße gebaut.“
„Das  sind ja ganz neue Töne“ Nikolas ist so sarkastisch, aber immerhin hört er mir zu.
„Ich möchte eine Chance, ein Abendessen, irgendwas“
„Ich…“ Nikolas greift sich mit beiden Händen in die Haare, das tut er nur, wenn er nicht mehr weiter weiß.
Und ich weiß es auch nicht. Meine schöne Rede ist weg, mein Kopf leer und ich bin am Rande der Verzweiflung.
Wenn er jetzt geht, dann war es das. Ich habe meine Chance nicht genutzt, ihn für zu selbstverständlich gehalten. Er muss bleiben. Er muss einwilligen, mir eine Chance zu geben.
„Bitte“ Ich sehe ihn an. Seine braunen Augen. Seine Lippen. Sein kratziger fünf Tage Bart. Die Lachfältchen unter seinen Augen. Es gibt keine andere Option mehr, als volles Risiko zu gehen. All in.
„Ich werde dich küssen, Nikolas. Wenn es wirklich nichts mehr zwischen uns zu sagen gibt, dann sieh es als Abschied. Aber wenn du nur einen Bruchteil von dem fühlst, das ich empfinde, dann warte ich heute Abend auf dich“ Oder auch länger.
Nikolas sieht mich reglos an.
Langsam gehe ich auf ihn zu. Schritt für Schritt. Ich muss die Panik unterdrücken, die in mir aufsteigt.  Immerhin weicht er nicht zurück. Zögerlich hebe ich meinen Kopf, ich traue mich nicht, ihn anzufassen.
Meine Lippen treffen seine und noch immer ist er reglos. Ich könnte heulen. Schreien. Am liebsten würde ich auf ihn einprügeln bis er versteht, dass es noch nicht vorbei ist.  Dass es noch nicht vorbei sein DARF.
Jäh spüre ich seine Hände auf meinen Hüften und ich reiße die Augen auf, sehe in seine braunen und spüre, wie Nikolas aus seiner Reglosigkeit erwacht.
Ich drücke ihn an mich, ich muss ihn spüren. Wenn es das letzte Mal ist… nein. Daran darf ich nicht denken.
Sein Geruch umfängt mich, ich versuche, ihn zu memorieren. Alles, was jetzt zählt, ist das Gefühl,  in seinen Armen zu sein, dieses Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit.
Ich kann nicht sagen, ob es nach einer Stunde oder auch nur nach einer Sekunde ist, als wir schwer atmend voneinander lassen.
Ich habe versucht, alles zu sagen, dass ich ihm nie gesagt habe. Mehr kann ich nicht tun.  Unsere Blicke treffen sich und ich versuche, in seinen Augen zu lesen. Habe ich noch eine Chance?
„Ich weiß es nicht“ Nikolas‘ Stimme ist brüchig.  


HELDT

Seit Ellens Geständnis sind fast sechs Stunden vergangen. Ich sitze im Carlos am Tresen, trinke Espresso und bediene mich an den Nüssen.
„Kommst du jetzt immer nur noch hier hin um zu schweigen und dich auf meine Kosten durchzufuttern?“
Carlo mustert mich. Ich weiß, dass er sich Sorgen um mich macht. Hat er immer gemacht.
„Nee. Hab ein paar Probleme“
„Beruflich?“
„Privat, du Affe“
„Die du heute mal nicht in Alkohol ersäufst?“
„Hat ja gestern auch nicht geklappt und du schreibst es alles auf meinen Deckel“
„Willst du drüber reden?“
„Soll ich mich vielleicht auch noch auf die Couch legen?“
„Ich mein ja nur“ Abwehrend hebt Carlo die Hände und poliert weiter Gläser.
„Ich weiß einfach nicht, ob es das Richtige ist“
„Junge, was nicht? Lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen“
„Ellen, alles. Was, wenn ich es versaue?“
„Was, wenn du es hinbekommst?“
„Carlo, mal ehrlich. Wann habe ich jemals was mit irgendeiner Frau hinbekommen?“
„Da ist es ja schon mal gut, dass deine Staatsanwältin nicht irgendeine Frau ist“
„Toll. Das hilft mir echt weiter“
„Nikolas, du bist so ein Sturkopf.  Wie lange kennt ihr euch jetzt?“
„Keine Ahnung, etwas über zwei Jahre“
„Du hast sie in dieser Zeit schon mit so ziemlich jeder Scheiße konfrontiert, die man sich so ausdenken kann und sie hat es immer ausgebügelt. Sie hat immer zu dir gehalten, weil sie in dir mehr sieht“
„Ja und?“
„Mensch, denk doch mal nach!“
„Was wird das jetzt, ne Gardinenpredigt? Noch ein Espresso. Und hast du Schokolade?“
„Wenn du mal deinen Deckel zahlst, kann ich ne Kreuzfahrt durch die Karibik machen“
„Und wenn du mal anständiges Essen servierst, kannst du es auch von den Einnahmen durch die anderen Gäste“
„Jaja“
Ich bin keinen Schritt weiter als vorher. Fahre ich zu ihr? Versetze ich sie?
„Sie hat gesagt, sie wartet heute Abend auf mich“
Achmed, der gerade durch die Tür kommt, hat nur die letzten Fetzen aufgeschnappt. „Wer wartet auf dich?“
„Ellen“
„Und du sitzt hier weil…? Alter wenn die mir sagen würde, dass sie auf mich wartet, dann hätte aber das Warten ein Ende bevor sie damit überhaupt angefangen hat“
„Er sitzt hier weil er sich nicht ganz sicher ist“  Danke Carlo.
„Worauf wartest du denn eigentlich noch? Soll sie dir ne schriftliche Einladung übergeben?“
„Achmed…“
„Heldt. Sie liebt dich. Du liebst sie. Der Rest ergibt sich schon“
Ich sehe Achmed zweifelnd an. Warum ist es für die beiden so logisch?  Warum für mich nicht?
Meine Gedanken springen zurück in die Vergangenheit. Egal was ich gemacht habe, sie hat es hingebogen. Sie ist neben Carlo die einzige Person, der ich blind vertraue. Sie bringt mich runter, wenn ich mich verrenne, bietet mir Paroli und in ihrer Gegenwart bin ich einfach gut drauf. Wird es bei einem Einsatz mal brenzlig, ist sie die erste Person, nach der ich mich umschaue. Und ich habe sie schon mit so viel Scheiße aus meinem Leben konfrontiert, trotzdem ist sie noch da.


ELLEN

Es ist mittlerweile zwanzig Uhr dreiundzwanzig. Seit halb sieben ist Emily weg, ich habe ihre Papa Phase einfach ein bisschen vorverlegt.
Seit halb sieben warte ich, schrecke bei jedem Geräusch hoch. Kommt er? Kommt er nicht? Ich habe Angst. Was soll ich machen, wenn er nicht kommt? Emily ahnt, dass etwas im Busch ist, denn ich halte mich normalerweise penibel an die Termine mit ihrem Vater.
Aber ich habe auch Angst, dass er kommt. Was, wenn er mir sagt: „Ellen, es tut mir leid, aber es geht nicht“?

Ich werde noch verrückt, hier auf ihn zu warten. Minütlich sehe ich auf mein Smartphone, hat er geschrieben? Angerufen? Natürlich nicht.
Wie kann eigentlich ein einziger Mann so mein Leben durcheinander wirbeln? Genau das sollte nie passieren.
Auf der Straße bremst ein Auto. Eine Tür wird zugeschlagen und ich stelle mich seitlich ans Fenster.  Mein Herz beginnt zu rasen als ich sehe, dass es tatsächlich Nikolas ist.
Ein letzter Blick in den Spiegel, dann gehe ich zur Wohnungstür.
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