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Ist es Liebe?

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
16.09.2015
12.09.2016
4
9.237
12
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.09.2015 2.004
 
Hallo ihr Lieben!
Da bin ich wieder mit dem zweiten Kapitel! Vielen Dank für eure Kommentare, ich bin mega gespannt, wie euch dieses Kapitel gefällt. Es war ganz anders geplant, aber hat sich dann beim Schreiben verselbstständigt :)

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ELLEN

Jäh fällt helles Licht in die Aufzugkabine. Ich kehre ins Hier und Jetzt zurück und sehe, dass die Türen von außen aufgestemmt wurden. Zu allem Überfluss blicke ich direkt in die Augen von Dr. Holle. Sie kann sich das Grinsen nicht verkneifen.
„Stören wir?“
„Gar nicht“, sagt Nikolas, sagt HELDT ironisch.
Ich bin nicht bereit, ihn loszulassen. Ich weiß genau, was passieren wird, wenn wir diesen Aufzug verlassen und ich schwanke zwischen Erleichterung und dem Gefühl der Einsamkeit, das mich dann überkommen wird.
„Na wollen Se heute noch hier raus oder watt?“, fragt der eine Techniker. Frau Dr. Holle stößt ihn in die Seite.
Ich sehe Nikolas in die Augen und küsse ihn ein letztes Mal, dann stehe ich auf. Die Techniker ziehen zuerst mich raus, dann Heldt. Anscheinend gab es einen Anschlag auf das Einkaufszentrum, in dessen Folge die ganze Technik zum Erliegen gekommen ist.

Auf dem Rückweg zum Auto sprechen wir kein Wort. Das ist auch gut so, die Zeit hilft mir, mich wieder zu sammeln und zu beruhigen. Die Eskapade im Lift schiebe ich in den letzten Winkel meines Gehirns.
„Heldt, ich möchte, dass Sie Herrn Grün bei den Ermittlungen zu dem Anschlag unterstützen. Da muss ja irgendwas dahinter stecken, mehr als ein dummer Jungen Scherz“
„Ellen!“
Ich höre Nikolas die Fassungslosigkeit an.
„Heldt, diese Eskapade gerade war ein einmaliger Ausrutscher. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“
„Natürlich Frau Staatsanwältin Bannenberg. Ganz wie Sie meinen“

Im Präsidium begegne ich Herrn Grün. „Frau Bannenberg, ich bin höchst erfreut, dass Sie aus Ihrer misslichen Lage mit dem Herrn Heldt so glimpflich entkommen sind. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss, mit ihm mehrere Stunden auf engstem Raum eingesperrt zu sein“
„Nein, das können Sie wohl wirklich nicht“
Mich überkommt die Erinnerung, in seinen Armen, das Gefühl der Sicherheit und so begehrt zu werden, wie ich bin.
Schluss damit! Ich atme tief durch, ziehe meinen Blazer glatt und gehe hoch in mein Büro, wo ich Gott sei Dank noch Wechselkleidung habe.


HELDT

Ich kann nicht glauben, was hier passiert. Eben küsst sie mich, hält mich und lässt mich glauben, dass es auch für mich ein Licht am Ende des Tunnels geben könnte und dann ist sie wieder Frau Bannenberg. Korrekt. Distanziert. Kühl.
Ich könnte alles kurz und klein schlagen, Frau Holle verfluchen und schreien.
Aber all das bringt mir nichts. Vielleicht muss ich einsehen, dass wir einfach nicht  zusammen passen.
Auf dem Flur treffe ich Grün, ausgerechnet Grün.
„Der Herr Heldt. Wie ich mich bereits überzeugen konnte, hat Frau Bannenberg durch Ihr Intermezzo im Lift ja keine bleibenden Schäden davon getragen. Ich gehe daher davon aus, dass auch Sie sich mit ganzer Kraft den Ermittlungen widmen werden“
Was weiß der schon von Ellen. Und warum fragt eigentlich niemand, was Ellen mit mir macht?!
„Bitte gehen Sie zu Frau Dr. Holle und erfragen Sie den aktuellen Stand der kriminaltechnischen Untersuchungen“
„Ja natürlich“
„So fügsam? Sollte Ihr Intermezzo sich etwa positiv auf Ihre Arbeitsweise ausgewirkt haben?“
Ich ignoriere seine dämliche Bemerkung und betrete das Büro, das ich mir mit Korti teile.
Schnell wechsle ich mein T-Shirt und vermeide Marios Blick. Ich weiß ganz genau, dass er hofft, irgendetwas Interessantes zu erfahren.
„Bin bei Dr. Holle“, murmle ich und reiße die Tür wieder auf.  In letzter Sekunde kann ich mich bremsen, nicht Ellen umzulaufen, die vor der Tür steht.
Unsere Blicke treffen sich und ich glaube in ihrem etwas Entschuldigendes zu erkennen.  Ist mir egal.
Ich gehe weiter ohne sie noch eines Blickes oder Kommentars zu würdigen.  Dr. Holle ist erwartungsgemäß in ihrem Büro.
Sie schaut auf, als ich den Raum betrete.
„Gibt’s schon was Neues zur Explosion?“, frage ich und lehne mich am Türrahmen an.
„Bisher noch nicht, aber wir sind noch dabei, alle Spuren auszuwerten. Ich fürchte, Sie müssen sich bis morgen gedulden, dann kann ich Ihnen aber den vollständigen Bericht zukommen lassen“
„Danke“
Dr. Holle steht von ihrem Schreibtisch auf und kommt auf mich zu.
„Es tut mir leid“
„Sie arbeiten ja so schnell Sie können“ Natürlich war ihre Entschuldigung nicht auf die Verzögerung des Berichtes bezogen aber ich bin wirklich nicht in der Stimmung, irgendwas zu diskutieren, das in diesem verdammten Aufzug vorgefallen ist. Außer mit Ellen.
„Bleiben Sie am Ball. Lassen Sie ihr Zeit“
„Das hat doch keinen Sinn! Verdammt nochmal!!“ Ich schlage mit der Faust auf einen der Metalltische.
„Heldt! Was auch  immer zwischen Ihnen und Frau Bannenberg vorgefallen ist oder eben auch nicht, in meiner Pathologie wird nicht randaliert!“
„Tschuldigung“, sage ich und gehe raus.


ELLEN

Ich hole Emily von einer Freundin ab, sie sitzt hinten im Auto und erzählt mir von ihrem Tag. Ich sage aha und ja und nein. Keine Ahnung wozu.
„Mama ich hab Hunger“
„Ja Emily“
„Boah Maamaaaaa! Wir müssen noch einkaufen hast du gesagt!“
„Emily, boah sagt man nicht“
Manchmal verfluche ich mich selbst. Die Tatsache, dass ich ein Kind von einem Mann habe, der einfach nicht zu mir gepasst hat. Dass ich alleinerziehend bin und vor allem alleine stehe.
„Wir bestellen Pizza“, erkläre ich.
„Kommt Nikolas auuuuch?“ Emily strahlt und freut sich. Toll. Jetzt kann ich auch noch meinem Kind die gute Laune verderben.
„Nein, warum sollte denn Nikolas kommen?“
„Wir bestellen nur Pizza wenn Nikolas kommt, Mama!“
„Nikolas kommt aber nicht“
„Aber kann er denn nicht kommen? Ich kann ihn fragen, er hat bestimmt Zeit!“
„Nikolas muss heute Abend arbeiten“
„Kann er dann morgen kommen?“
„Nein. Nikolas kommt nicht. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht übermorgen! Und jetzt Schluss damit!“
Emily ist daraufhin tatsächlich leise.
Ganz toll gemacht. Wirklich, ganz große  pädagogische Leistung.

Wir essen zusammen Pizza und ich schaue mir Emilys Hausaufgaben an. Ich zwinge mich dazu, fröhlich und aufmerksam zu sein, wie sonst eben. Emily kann ja nichts dafür, dass ich mich nicht im Griff habe.
Als sie um neun ins Bett geht, setze ich mich mit einem Glas Weißwein vor den Fernseher und zappe durch die Programme.
Ich kann mich auf keine Sendung konzentrieren. Meine Gedanken schweifen immer wieder ab zu Nikolas. Im Flur sah er wütend aus, wütend und abweisend. Das kenne ich überhaupt nicht von ihm. Er ist häufiger impulsiv, manchmal auch gereizt aber nie abweisend.
Muss ich mich jetzt darauf einstellen? Ist das der Preis für mein Verhalten?
Unweigerlich denke ich an unseren ersten Kuss zurück. Ich war wie so oft zwiegespalten, einerseits musste ich ihn küssen, was hätte sonst Martin Walden von uns gedacht? Andererseits wollte ich es auch, ich wollte wissen, wie es sich anfühlt.  Und ich hatte Angst. Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, nicht mehr Herrin der Lage zu sein.
Heute im Lift dachte ich, ich wüsste worauf ich mich einlasse. Ich dachte, ich hätte es unter Kontrolle. Ich dachte, ich könnte mir endlich beweisen, dass ich über dem ganzen stehe.
Einen Scheiß tue ich.
Nikolas‘ Nähe macht mich glücklich, seine Albernheiten bringen mich zum Lachen und wenn er nicht da ist, freue ich mich auf den Moment, in dem er durch die Tür platzt, mir von Fortschritten im Fall erzählt und mir irgendwelche von seinen Süßigkeiten anbietet.

Ich glaube, es ist Zeit, dass ich es mir selber eingestehe. Ich bin verliebt. In Nikolas Heldt.


HELDT

Ich sitze im Carlos und halte mich an meinem fünften Bier fest.  Carlo und Achmed werfen mir immer häufiger besorgte Blicke zu.
Scheiß drauf.  Ich trinke den Rest des Biers in einem Zug, rutsche vom Barhocker und will nach meinen Schlüsseln greifen.
„Du fährst ganz bestimmt kein Auto mehr!“ Carlo sieht mich an. Ich weiß genau, dass er darauf wartet, dass ich ihm eine Erklärung liefere.
Aber was soll ich sagen? Im Grunde ist es nicht anders als sonst. Machen Ellen und ich einen Schritt aufeinander zu, dann macht sie kurz darauf zwei Schritte zurück.
Ich bin es einfach satt, hinter ihr her zu laufen. Immer gut drauf zu sein, egal ob sie mir mal wieder zu verstehen gegeben hat, nicht gut genug für sie zu sein, mich mit irgendwelchen Disziplinarmaßnahmen bedenkt oder sich wahrscheinlich hinter meinem Rücken mit Spießern wie Grün über mich lustig macht.
„Dann fährst du mich halt“
„Und meine Kneipe führt sich von allein?“
Ich drehe mich zu Achmed und in dem Moment sehe ich sie.  Jeans, Turnschuhe und ein Sweatshirt, die Haare trägt sie offen.
„Frau Bannenberg“
„Hallo Herr Funke. Heldt, ich möchte kurz mit Ihnen sprechen“
„Morgen früh um neun, Frau Staatsanwältin. Ich bin außer Dienst und außerdem auf dem Weg nach Hause. Achmed, Carlo“ Ich klopfe auf den Tresen und gehe an ihr vorbei.
„Nikolas! Verdammt nochmal!“ Ellen verlässt hinter mir das Carlos.
„Ach was, jetzt bin ich auf einmal wieder Nikolas?“
Sie sieht mich stumm an. „Kann ich Sie mitnehmen?“
„Danke, ich laufe“
„Heldt, machen Sie sich nicht lächerlich. Es regnet, Sie wohnen nicht gerade um die Ecke und sind wahrscheinlich triefend nass bis Sie zuhause sind“
„Na und? Was kümmert es Sie?“
„Ich will Ihnen doch nur helfen“
„Dann gehen Sie nach Hause, kümmern sich um Emily und lassen mich in Ruhe“
Ich kann sie nicht ansehen oder ihr näher kommen. Sie riecht schwach nach ihrem Parfum und ich weiß, wenn ich sie jetzt ansehe, bin ich verloren.
Dann werde ich sie wieder küssen und alles wird solange in Ordnung sein, bis sich Ellen wieder verschließt.
Ihre Beine kommen in mein Blickfeld und gezwungenermaßen schaue ich hoch.  Ich glaube, sie könnte alles tragen und wäre immer noch die attraktivste Frau überhaupt.
„Nikolas was soll das?“ Sie greift nach dem Revers meiner Jacke, hält mich fest, ist so nah vor mir und trotzdem war sie mir nie ferner.
„Was das soll? Ich habe keine Lust auf eine weitere „Eskapade“. Ich bin es leid, einen Schritt vor zu machen und du gehst zwei Schritte zurück“
Ich drehe mich auf dem Absatz um und lasse sie stehen.


ELLEN

Ich weiß nicht, wie lange ich im Regen vor dem Carlos stand und Nikolas nachgesehen habe. Meine Gedanken rasen und die Angst, es vollkommen versaut zu haben, schnürt mir den Hals ein.
Plötzlich steht Herr Funke neben mir. „Frau Bannenberg, kommen Sie rein, er ist lange weg und kommt auch nicht zurück“  
Ich setze mich drinnen in einen Sessel und Nikolas‘ Freund serviert mir Schnaps.  Der Alkohol wärmt mich und treibt mir gleichzeitig die Tränen in die Augen. Wie bezeichnend.
Funke sieht mich lange an, ohne etwas zu sagen, wartet darauf, dass ich den Anfang mache.
„Ich hab es versaut“ Alkohol lockert bekanntlich die Zunge und drei Schnaps sind drei mehr als ich trinken sollte.
„Weshalb?“ Ihm ist nicht anzumerken, was er von meiner Aussage hält. Was hat Nikolas erzählt? Hat Carlo ihm vielleicht geraten, mich abzuweisen?
„Hat er Ihnen erzählt was passiert ist?“
„Was ist denn Ihre Version?“ Kein ja, kein nein. Verdammt.
„Wir sind im Aufzug stecken geblieben, uns näher gekommen und als wir wieder draußen waren, ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte und hab ihn abblitzen lassen“
Funke schweigt lange. Unerträglich lange. Ich bin kurz davor aufzustehen, als er fragt: „Lieben Sie ihn?“
„Ja“ Ich konnte es mir eingestehen, dann kann ich es auch aussprechen.
„Liebe ist nicht selbstverständlich, gerade für Nikolas nicht“
„Ich weiß“, flüstere ich.
„Seien Sie ehrlich zu sich und zu Nikolas. Reden Sie mit ihm“
Ich nicke stumm. Im Moment würde ich am liebsten weinen, meinen Kopf unter die Bettdecke stecken und mich verkriechen.
„Ich sollte fahren, Emily ist alleine zuhause“
„Sie fahren nirgendwo hin. Nikolas würde mich umbringen, wenn ich Ihnen erst Schnaps gebe und dann Auto fahren lasse“
„Das heißt, es ist noch nicht zu spät?“ Funkes Satz lässt mich hoffen.
„Das heißt, dass Nikolas ein großes Herz hat und ich nicht möchte, dass er verletzt wird. Den Rest müssen Sie untereinander klären“
Das war eindeutig eine Warnung, aber es lässt mich hoffen.



Was denkt ihr? Hat Ellen Grund zur Hoffnung? Freue mich auf eure Reviews ;)
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