Ist es Liebe?

GeschichteRomanze / P16
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
16.09.2015
12.09.2016
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16.09.2015 2.288
 
Hallo ihr Lieben!
Ich habe vor kurzem angefangen, Heldt zu schauen und seitdem juckt es mir in den Fingern, mal wieder etwas zu schreiben.  Aus einer spontanen Eingebung heraus ist dann dieses erste Kapitel entstanden, im Moment denke ich, dass die gesamte Geschichte ca. 5 Kapitel lang werden wird.
Ich hoffe, es gefällt euch und ich freue mich natürlich über eure Reviews :)

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ELLEN

Seit Stunden sitze ich an meinem Schreibtisch und versuche irgendwie, die Akten abzuarbeiten. Bei mindestens jeder dritten  muss ich nochmal mit Grün und Heldt sprechen, um eine irgendwie gerichtsfeste Version der Ereignisse zu konstruieren. Ich kann ja schlecht mit geklauten Daten, vorgetäuschten Entführungen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen abgelegten Geständnissen vor Gericht erscheinen.
Und jeder dieser Vorfälle führt zwangsläufig dazu, über Heldt nachzudenken.  
Seit diesem verdammten Kuss in der Paartherapie hat sich unser Verhältnis… ja was eigentlich? Ich tue Tag für Tag so, als wäre er mir völlig gleichgültig, der Kuss nur zur Aufrechterhaltung unserer Tarnung gewesen. Und dann, völlig aus dem Blauen heraus, entstehen irgendwelche Situationen, die ich nicht vorhersehen konnte, die ich nicht kontrollieren kann und die es mir immer schwerer machen, die Distanz zu Heldt aufrecht zu erhalten.
Mit einem Ruck öffnet sich meine Bürotür und ich muss nicht mal aufsehen um zu wissen, wer darin steht.
„Heldt“, seufze ich. „Möchten Sie mir mitteilen, dass Sie irgendeine Ermittlung zu Ende gebracht haben, ohne dass irgendetwas explodiert ist, ohne, dass ich mal wieder zu sehr weiten Auslegungen der Gesetzestexte greifen muss? Oder verzichten Sie auf Süßigkeiten?“
„Weder noch und außerdem, wer wenn nicht Sie kann Gesetzestexte  so schön auslegen? Wenn ich schon alle Fälle löse, irgendwas müssen Sie ja auch tun“
„So? Muss ich das?“ Heldt sitzt mittlerweile auf meiner Schreibtischkante und ich stehe auf.
„Jetzt mal im Ernst, ich habe einen Zeugen für den Überfall auf den Drogeriemarkt, allerdings müssten wir ihn im Einkaufszentrum befragen“
„Wir?“
„Sie leiten doch die Ermittlungen. Und wer, wenn nicht die Staatsanwältin höchstpersönlich, könnte dafür sorgen, dass alles ordnungsgemäß abläuft?“
Heldt sieht mich grinsend an, sein Blick ist herausfordernd.
„Na gut, wann?“ Ich lehne mich an meinen Schreibtisch und Heldt dreht sich zu mir.
„Maintenant, mon général“
„Ich habe eine Stunde, danach habe ich einen Termin mit Kriminalrat Holzwedel“
„Den wollen wir natürlich nicht warten lassen“
Schon wieder dieser Spott.   Er greift nach meinem Blazer und hilft mir hinein, als könne ich das nicht selbst.
„Danke, Heldt. Wenn ich mal einen Personal Assistant brauche, werde ich mich vertrauensvoll an Sie wenden“ Ich drehe mich um und will nach meiner Handtasche greifen. Doch da steht Heldt. Ich pralle gegen ihn und er legt seine Hände auf meinen Rücken, als wolle er mich stützen.
„Uuuups“, sagt er und grinst.
Es klopft am Türrahmen und als ich den Kopf drehe sehe ich Dr. Holle  ebenso grinsend da stehen.  „Störe ich?“
„Nein, Herr Heldt versucht sich gerade in einer neuen Rolle, aber ich glaube er füllt sie nicht ganz aus“ Ich sehe ihm selbstzufrieden in die Augen und gehe zur Tür. Na, das war doch gar nicht so dramatisch.
„Vielleicht muss er noch üben“
„Hahaha“
Im Vorbeigehen drückt Dr. Holle mir eine Akte in die Hand, ich nehme mir vor, sie auf der Fahrt zu überfliegen. Oder auch nicht, denn das würde bedeuten, mit Heldts fahrendem Müllmobil unterwegs zu sein.
Besser nicht.
„Ihrer oder meiner?“, fragt er, als wir vor der Tür stehen.
„Meiner, damit kommen wir wenigstens an“

Das Einkaufszentrum ist nicht gerade klein und der „Zeuge“ natürlich im obersten Stockwerk.  „Rolltreppe oder Lift?“
„Lift, das geht schneller“
Wir stehen vor dem Lift und ich will den Knopf drücken. Heldt anscheinend auch, denn unsere Hände berühren sich und jagen mir einen Schauer über den Rücken.
Zum Glück sind es nur sechs Stockwerke, das sollte selbst für diesen klapprigen Lift innerhalb von dreißig Sekunden zu machen sein.
Wenn ich nur wüsste, was ich mit diesem Mann machen soll. Es geht einfach nicht, dass ich Gefühle für ihn entwickle, ich bin seine Vorgesetze und er ist unerträglich und kindisch.
„Achja?“, meldet sich die kleine, fiese Stimme in meinem Kopf. „Als du ihn geküsst hast, damals bei eurer „Paartherapie“, da fandest du ihn wohl eher heiß und konntest deine Finger gar nicht wieder von ihm lassen“
„Nach Ihnen“, Heldt lässt mir den Vortritt, als der Lift sich öffnet.
Außer uns steigt niemand ein, ich drücke die sechs und die Türen schließen sich.
Nach einigen Sekunden, zwischen Stockwerk 3 und 4 gibt es plötzlich einen Ruck und die Beleuchtung geht aus, nur die Notbeleuchtung sorgt noch für dürftiges Licht.
Ich drücke erneut die 6, nichts passiert. „Das darf doch nicht wahr sein!“, fluche ich und hämmere auf alle Tasten ein.
„Lassen Sie mich mal“ Heldt nähert sich mir und drückt auf den Notrufknopf. Nichts passiert.
„Das kann doch jetzt einfach nicht wahr sein!“
„Immer mit der Ruhe, wir kommen hier schon raus. Früher oder später“
„Heldt, sparen Sie sich die Puste für nützliche Kommentare!“
Ich schlage gegen die Türen des Lifts. „Hiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiilfeeee!“, rufe ich laut.
„Und was bringt uns das, außer nem Tinnitus?“
Was mir das bringt? Dann muss ich ihn nicht ansehen. Auf diesen verdammten vier oder fünf Quadratmetern mit ihm eingesperrt zu sein ist…
Ich kann ihn einfach nicht ignorieren. Schon gar nicht hier und bestimmt nicht, wenn alles, woran ich heute denken kann, dieser verdammte Kuss vor ein paar Wochen ist.  Ich habe heute Nacht sogar von ihm geträumt! Und dann diese Eskapade im Büro eben. Jedes Mal wenn er mir körperlich näher kommt, setzt es bei mir mehr und mehr aus und das darf nicht passieren.
Ich hab Verantwortung, nicht nur für mich, sondern auch für Emily.
„Die Nikolas super findet, ganz schwache Argumentation“  Es wird Zeit, diese verdammte Stimme ganz nach hinten in meinem Kopf zu verbannen.
„Helfen Sie mir mal!“
„Was haben Sie denn vor?“ Heldt nähert sich mir schon wieder.
„Die Türen auseinander ziehen, was sonst?“
„Haben Sie zufällig ein Brecheisen in Ihrer Handtasche?“
Ich stecke meine Finger in den Spalt, bekomme aber keinen richtigen Halt und rutsche ab, als ich Kraft aufwende.
„Sie sollten Kampfsport betreiben, Ihre Aggressionen rauslassen“
„Heben Sie mich lieber mal hoch, anstatt sich Gedanken um meine Gefühlswelt zu machen“
Nikolas sieht mich verwirrt an. Nein, Heldt. Heldt sieht mich verwirrt an.
„Da oben ist eine Luke! Vielleicht können wir die aufstoßen!“
Heldt streckt den Arm hoch aber kommt nicht dran. Er springt und der ganze Lift wackelt.
„HELDT! Verdammt ich habe keine Lust hier wegen Ihrer pubertären Mätzchen abzustürzen!“
„Wie Madame wünschen“
Heldt geht leicht in die Knie und legt seine Arme um meine Oberschenkel, hebt mich an und ich schlage gegen die Luke, suche einen Hebel, irgendwas um sie zu öffnen. Nichts.
„Das wird hier eh nichts, Sie können mich jetzt einfach los lassen“ Bloß nicht noch mehr Körperkontakt.
„Niemals“, entgegnet Heldt. Vorsichtig lässt er mich herunter und ich spüre ihn überdeutlich. Seine Wärme, seinen Körper, seine Arme, die langsam an mir hochgleiten.
Ich stehe wieder auf eigenen Füßen, meine Hände sind auf seinen Schultern und ich sehe in seine braunen Augen.  
Es wäre so einfach, nur ein paar Zentimeter und dann…
Ja genau. Dann was?

HELDT

Ich muss hier raus. Warum konnten wir nicht Rolltreppe fahren? Ellen steht vor mir und ich habe wieder mal das Gefühl, von dem Blick aus ihren strahlenden, blauen Augen geröntgt zu werden.  So wie sie hier steht,  so weich und mal nicht die toughe Staatsanwältin, Vorgesetze und ohne ihre kühle Distanz, es wäre nur ein kleiner Schritt, eine winzige Bewegung und ich wäre am Ziel meiner Träume.
Aber ich darf sie nicht überrumpeln, nicht ausnutzen.
Leichter gesagt als getan, die Erinnerung an sie in diesem Pool und unseren Kuss drängen sich in meinen Kopf.
Ich räuspere mich, trete einen Schritt zurück und setze mich auf den Boden.
„Was machen wir jetzt?“
„Warten. Irgendjemand wird uns schon vermissen“
Ellen sieht mich irgendwie enttäuscht an. Hat sie etwa erwartet, dass ich sie küsse? Oder wollte sie einfach nur einen Masterplan hören, wie wir hier raus kommen?

Ab und an wechseln wir ein paar Worte. Es wird warm im Lift und immer mehr Zeit vergeht ohne dass sich der Lift wieder in Bewegung setzt.  Unser Gespräch ist größtenteils belanglos und mit jeder Minute zieht Ellen sich weiter in sich zurück, setzt wieder ihre Maske auf, spielt auf Sicherheit.
Wie kann ich sie dazu bringen, sich mir wieder zu öffnen?
Ich hole einen Ball hervor, irgendeine Reaktion wird es geben, wenn auch nur eine genervte. Aber alles ist besser als dieses Schweigen.

ELLEN

Ich muss mich beherrschen, Heldt nicht anzuschreien, als er anfängt, auch noch Ball zu spielen. Das monotone Knallen des Balles macht mich irre.  Ich fange den Ball ab. „Haben Sie eigentlich in jeder Hose irgendein Spielzeug?“
„Vielleicht, ich muss doch meinem Ruf als Kindskopf und Spielkind gerecht werden“
Er grinst mich wieder an und ich werfe den Ball gegen die Aufzugwand, fange ihn, werfe ihn.
„Mein Spielzeug“, Nikolas sieht mich schmollend an.
„Ich dachte du hast die Plüschhandschellen eingesteckt?“ Verdammt. Was hab ich da gesagt? Warum hab ich ihn geduzt? Und eine bessere Steilvorlage kann ich ihm wohl kaum geben.
„Ich glaube meine Chefin wäre nicht so begeistert, wenn ich damit Verhaftungen vornehmen würde, was meinen Sie?“
Ich bin völlig verwirrt. Nikolas bleibt beim Sie und keine Anzüglichkeiten?
„Wer weiß?“


HELDT

Was will sie mir damit sagen? Ellen rutscht doch nicht einfach irgendwas raus.  Oder doch?
Vielleicht… vielleicht ist das jetzt meine Chance. Aber wie?  Das schlimmste wäre, sie haut mir eine runter. Oder schreit mich an. Sie kann meinen Nachnamen bemerkenswert laut schreien.
„Würden Sie mir eine reinhauen, wenn ich jetzt versuchen würde, Sie zu küssen?“
Ihre Augen blitzen und ich bin mir plötzlich nicht mehr sicher, ob sie nicht doch mal Kickboxerin war.


ELLEN

Das kann nicht sein Ernst sein. Es geht einfach nicht.  Wieso stellt er mir so eine Frage? Warum macht er es nicht einfach???
„Ich denke, manche Sachen muss man einfach ausprobiert haben“
Worauf lasse ich mich hier nur ein? Ich muss von allen guten Geistern verlassen sein.  Oder vielleicht ist es einfach nur vernünftig? Ich werde merken, dass ich mir das im Grunde alles nur einbilde. Diesen einen Kuss verkläre zu etwas, das er nie war und nie sein wird. Es wird mir helfen, wieder zu einem vernünftigen beruflichen Verhältnis zurück zu kehren. Professionelle Distanz, kollegiales Verhalten.  Und Nikolas wird das auch merken. Er wird merken, dass es einfach nicht funktionieren kann. Und da nichts ist. Nichts.
Wir sehen uns in die Augen und ganz langsam treffen sich unsere Lippen. Zögerlich, wie Teenies beim ersten Kuss, ängstlich darauf bedacht, nichts falsch zu machen.
Ich atme ein und sein Geruch lässt mich schwach werden. Sein Bart kratzt, er bringt meine Haut zum kribbeln und seine perfekten, weichen Lippen liegen sanft auf meinen.
Ich nehme seine Hand, verschränke unsere Finger und rutsche noch näher an ihn heran.  Wenn dieser verdammte Lift jetzt weiter fährt oder jemand die Tür aufstemmt, ich glaube ich würde anfangen zu schreien.
Ich streichle mit den Fingerspitzen der anderen Hand über seine Wange, seinen Bart und ziehe ihn näher zu mir heran. Es gibt keine andere Umschreibung, ich brauche Nikolas in diesem Moment einfach.
Ich küsse seine Lippen mit etwas mehr Druck und bin überrascht, wie drängend Nikolas mir entgegen kommt. Dieser Kuss zieht mir mit jeder Sekunde, die er länger andauert, mehr und mehr den Boden unter den Füßen weg. Ich bin wie berauscht, berauscht von ihm, davon, was er mit mir macht.
Irgendwann löse ich mich völlig atemlos aus diesem Kuss und lege meine Stirn an seine.
„Und jetzt?“, fragt er und legt den Finger in die Wunde.
Ja Ellen, was jetzt?


HELDT

Ich glaube, Ellens Augen waren nie blauer und intensiver als in diesem Moment. Mein Herz schlägt und ich atme schwer, als hätte ich einen Hundert Meter Sprint hingelegt.  Ich kann sie nicht loslassen, nicht nach diesem Kuss.
Wie sollen wir jemals wieder zur Tagesordnung übergehen? Wie soll ich jemals wieder so tun als sei nichts?
Ihre Lippen, dieser süßliche Geschmack nach Zimtsirup, den sie immer in ihren Kaffee tut. Einfach Ellen. Sie ist mir ein einziges Rätsel. Ich war mir nicht sicher, ob sie mich nicht tatsächlich schlägt, alles was ich weiß, ist dass ich alles daran setzen werde, dass sie sich nicht wieder in die kühle Staatsanwältin zurück verwandelt.  
Sie legt mir einen Finger auf die Lippen und kniet neben mir. „Nicht reden, Nikolas. Nicht denken“
Ich nicke.
„Augen zu“, flüstert sie.
Langsam schließe ich meine Augen und Ellen nimmt meinen Kopf in ihre Hände. Federleicht küsst sie meine Augenlider. Ihre zarten Berührungen jagen mir kalte Schauer über  den  Rücken und erwecken in mir den drängenden Wunsch nach mehr. Viel mehr.  Ich traue mich nicht, die Augen zu öffnen, aus Angst, dass ich träume.
Ellen bewegt sich, schwingt ein Bein über meine und ist plötzlich direkt vor mir. Ihre Hände gleiten auf meine Schultern.
„Sieh mich an“, ihre Stimme ist kaum hörbar, doch ich schlage die Augen auf und sehe in ihr Gesicht, in ihrem Blick spiegelt sich mein Gefühlschaos wider. Zuneigung. Verlangen. Angst.
Ich ziehe sie zu mir heran, spüre ihren Oberkörper an meinem, ihr schlagendes Herz, jeden einzelnen Atemzug.
Ellen küsst mich, nicht zaghaft, nicht abwartend. Sie öffnet ihren Mund, neckt mich und presst sich an mich.
Ich vergrabe meine Hände in ihrem langen, blonden Haar und in meinem Kopf ist nur noch Platz für ein Wort.
Ellen



Ich hoffe, der Auftakt hat euch gefallen.  Ich werde mich nicht mehr wirklich an den Verlauf der Serie halten, aber ab und an vielleicht Szenen herausgreifen.  Lasst mich wissen, was ihr denkt :)
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