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Waiting on an Angel

von MariaAust
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Robert Chase OC (Own Character)
15.09.2015
15.06.2018
12
27.076
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Dieses Kapitel
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12.03.2016 2.791
 
Hallo ihr Lieben :)
Es tut mir aufrichtig leid, dass ihr so lange auf das nächste Kapitel warten musstet, aber ich habe neben dem Studium echt keine Kreativität zusammenraufen können! Ich hoffe, dass sich das nächstes Semester ändert, bin aber zuversichtlich.
Hier ist also das neue Kapitel, ich hoffe es gefällt euch!!!!
Liebe Grüße
Maria :)






Kapitel 5: Geheimnisse und wilde Spekulationen

Leider hatte sich Dafne den Weg nicht gemerkt. Sie stand also vor Voglers Büro und wusste nicht so recht, wohin sie jetzt gehen musste, aber das war nicht weiter schlimm. Immerhin musste sie nicht mehr mit ihm in einem Raum sein. Sie schüttelte den Kopf, um das Gespräch ganz schnell wieder zu vergessen und machte sich auf den Weg. Unterwegs müsste ihr ja etwas bekannt vorkommen.
Nach mehreren Minuten des Herumirrens kam sie schließlich beim Eingang an. So weit, so gut. Jetzt war es nicht mehr schwer, die Diagnostik zu finden. Sie ging also zum Treppenhaus und machte sich an den Aufstieg. Fahrstühle mochte sie noch nie, sie waren viel zu eng und oft viel zu voll.

„Irgendetwas muss doch aber passiert sein!“, beharrte Chase und setzte sich neben Cameron an den Besprechungstisch. „Du meinst doch hoffentlich den Patienten, oder?“, fragte Foreman und klatschte ihm die Akte auf die Tischplatte.
„Was? Ach so…“
„Chase, wir sollten uns nicht in Wilsons Angelegenheiten einmischen.“
„Aber es war schon komisch. Hast du nicht gesehen, wie aufgeregt er war?“
„Vielleicht versagt sein Herz“, mischte Cameron sich ein.
„Wilsons Herz?“, fragten die anderen beiden Ärzte synchron und ziemlich erstaunt. „Nein!“, rief Cameron aus. „Das des Patienten. Hört auf über das Privatleben anderer Leute zu spekulieren! Besonders du, Chase.“
„Ich mein ja nur, irgendetwas stimmt da nicht“, sagte Chase und sah sich endlich die Akte an, die Foreman ihm zugeworfen hatte.
„Die Herz-Theorie können wir vergessen, er ist alt, da passiert so etwas wie ein Herzinfarkt schon mal und außerdem hatte er Stress, da passiert so etwas noch schneller“, meinte Foreman. Chase gab sich schließlich geschlagen und widmete sich nun auch dem Fall. Doch dann kam ihn ein neuer Einfall.
„Sie ist adoptiert!“, sagte er und schaute seine Kollegen an. „Das würde alles erklären. Wilson wollte es ihr sagen, daraufhin hatte ihre Adoptivmutter den Kontakt zu ihm abgebrochen, weil sie nicht wollte, dass er ihr das sagt.“ Cameron stöhnte genervt. „Chase, du wirst schon wie House!“
„Das glaube ich eher nicht“, sagte Foreman. „Aber trotzdem sieht sie ihm überhaupt nicht ähnlich.“ Chase nickte. „Haben wir nicht Zugang zu ihrer Akte? Immerhin sind wir Ärzte.“
„Ihr könnt doch nicht wirklich ihre Akte lesen wollen!“, mischte sich Cameron aufgebracht ein.
In diesem Moment wurde die Tür zum Zimmer aufgestoßen und Dafne trat ein. Schlagartig verstummte die Diskussion und alle Blicke hefteten sich auf sie. Verwundert blieb sie mitten in der Bewegung stehen. „Ist was?“, fragte sie verunsichert. Cameron hatte sich als erstes gefangen. „Nein, wir diskutieren nur den Fall. Wie war dein Gespräch mit Vogler?“ Dafne zuckte mit den Schultern und setzte sich an den Tisch. „Komisch. Er ist total unfreundlich und er kann sich meinen Namen nicht merken. Außerdem wollte er, dass ich ihn über House informiere“, schob sie hinterher.
„Er wollte was?“, fragte Foreman und legte dafür sogar die Akte beiseite. „Er wollte, dass ich ihn auf dem Laufenden halte über alles, was House macht. Regelverstöße, Illegales, das volle Programm“, erklärte Dafne ausführlicher. „Was für ein Widerling!“, empörte sich Cameron. „Er will dich ausnutzen als Spion, damit House seinen Job verliert!“
„Was hast du gesagt?“, fragte Foreman und sah das Mädchen eindringlich an. „Nichts“, sagte sie. „Ich habe zugestimmt, was sollte ich denn anderes tun? Aber ich werde ihm nichts sagen.“ Foreman nickte. Chase war seltsam still geworden und wandte sich als erster wieder dem Fall zu.
„Also schließen wir ein kaputtes Herz aus?“, fragte er und holte so die Aufmerksamkeit der anderen wieder zu dem Patienten zurück. „Vielleicht solltest du wirklich einen Praktikumsbericht schreiben“, meinte Cameron noch. „Vogler wird ihn sicher lesen wollen, jetzt da er denkt, dass du einen schreiben wirst.“ Entgeistert sah Dafne die junge Ärztin an.
Das kann jetzt nicht ihr Ernst sein. Die anderen beiden Ärzte stimmten ihr auch noch zu.
„Aber… aber“, Dafne fiel keine Begründung ein, es nicht zu tun, außer, dass sie keine Lust dazu hatte. „Gut“, gab sie sich murrend geschlagen, ließ sich ein paar Zettel und einen Stift geben. Dann fing sie tatsächlich an, einen Praktikumsbericht zu schreiben.

House und Wilson hatten House‘ Büro erreicht. „Sag es ihr endlich“, sagte House. „Sie ist zweiundzwanzig. Wie lange willst du sie noch hinhalten?“
„Es ist nicht an mir, es ihr zu sagen, House“, meinte Wilson und ließ sich auf den Stuhl vor House‘ Schreibtisch fallen. House schüttelte den Kopf. „Wenn du es nicht machst, dann wird es niemand tun. Denkst du etwa, deine Schwester sagt es ihr?“ Wilson wusste, dass sein Freund Recht hatte, aber er wollte es sich nicht eingestehen. Nein, ihre Mutter wird es ihr nicht sagen. Wilson seufzte. „House, ich habe nicht das Recht dazu.“
„Nicht das Recht? Du warst ihr mehr ein Elternteil als ihre Eltern“, erinnerte ihn House. Wilson fuhr sich übers Gesicht. „Ich weiß doch“, sagte er niedergeschlagen. „Ich weiß.“
„Wilson, jetzt hör mir mal zu. Sie hat die Wahrheit verdient. Sieh dir nur an, wohin diese ganzen Lügen geführt haben und jetzt hast du sie wieder angelogen! Du weißt ganz genau, weswegen deine Schwester vor zehn Jahren den Kontakt abgebrochen hat!“
„House, ich weiß, du musst mir das nicht sagen!“, beschwerte sich Wilson, der nichts mehr davon hören wollte. Aber House kam gerade erst richtig in Fahrt. So leicht wollte er seinen Freund nicht davon kommen lassen.
„Oh nein, du wirst mir jetzt schön zuhören!“, prophezeite der Diagnostiker und wedelte mit seinem Stock in der Luft. „Dafne sitzt da drinnen, nichts ahnend und denkt sonst etwas über ihre Mutter! Ich meine, nicht, dass ich etwas dagegen habe, deine Schwester ist furchtbar, aber du musst das begradigen!“
Mit einem traurigen Blick schaute Wilson durch die Glastür zu dem Besprechungstisch, an dem seine Nichte saß. „Du hast Recht, House. Ich sag es ihr, heute noch.“

„Wir schauen noch mal nach dem Patienten, du kannst einfach hier bleiben“, meinte Chase freundlich an Dafne gewandt. Diese nickte und sah unzufrieden zu ihrem Praktikumsbericht. Auch, wenn es total irrelevant war, wollte sie eine gute Arbeit abliefern. Sie war nun mal eine Perfektionistin. Auch wenn sie den Praktikumsbericht nicht schreiben wollte, war es ihr wichtig, dass er gut war. Sie wollte gut sein in dem , was sie tat. Auch, wenn es ihr keine Freude bereitete.
Als die Ärzte den Raum verließen, fingen sie wieder an zu spekulieren. „Ich glaube nicht, dass sie adoptiert ist“, meinte Foreman, als sie gerade um eine Ecke bogen, zum  Zimmer des Patienten hin. „Ach nein? Ich bleibe dabei. Was denkst du?“, fragte Chase.
„Ich denke, da steckt mehr dahinter, irgendetwas Dramatisches. Nur weil man sie adoptiert hat, bricht man doch nicht gleich den Kontakt ab, das wäre Übertrieben.“ Sie waren beim Patientenzimmer angelangt, Foreman öffnete die Tür und trat ein. Cameron ging zu den Geräten, die den Mann im Koma am Leben erhielten. „Vielleicht hat sie ja Krebs und wird bald sterben“, beendete Foreman seine Spekulation. Doch Chase war nicht überzeugt. „Er ist Onkologe, er hätte ihr das gesagt.“
„Genau!“, sagte Foreman. „Und ihre Mutter wollte das eben nicht. Sie wollte nicht, dass ihr Kind den Rest ihres Lebens im Krankenhaus verbringt und hat deswegen den Kontakt abgebrochen. Oder vielleicht glaubt sie ja an diesem Homöopathie-Quatsch.“
„Ich bleibe bei der Adoptionsgeschichte“, meinte Chase.
„Könnt ihr jetzt mal aufhören!“, fuhr Cameron dazwischen. „Das ist ja furchtbar! Es geht uns überhaupt nichts an und Vermutungen darüber aufzustellen, was vor den zehn Jahren passiert ist, ist total unangebracht! Wenn ihr es unbedingt wissen wollt, dann geht doch zu Wilson und fragt ihn. Aber können wir uns jetzt bitte mal auf die Arbeit konzentrieren? Wir sind Ärzte und dieser todkranke Mann braucht unsere Hilfe!“ Aufgebracht stand sie neben den piependen Apparaturen und schaute ihre Kollegen wütend an.
„Ich wette zwanzig Dollar, dass du unrecht hast“, sagte Foreman. „Abgemacht“, kam es von Chase. Jetzt widmeten sich die Ärzte tatsächlich ihrer Arbeit.

„Hey Dafne“, Wilson trat von House‘ Büro in das Besprechungszimmer. „Was machst du da?“, fragte er, als er näher trat. „Ich schreibe meinen Praktikumsbericht“, sagte sie entgeistert und zeigte ihm den beschriebenen Zettel. „Deinen was?“, fragte ihr Onkel verwirrt.
„Ich bin ja House‘ Praktikantin und Vogler wird wahrscheinlich einen Bericht erwarten und jetzt werde ich einen schreiben.“
Wilson sah amüsiert zu ihr herunter, dann setzte er sich ebenfalls an den Tisch, überflog ihr Geschriebenes. „Hört sich doch ganz gut an“, meinte er und gab ihr den Zettel zurück. Dafne nickte dankbar. „Alles okay?“, fragte sie. „Du wirkst etwas bedrückt.“
Wilson winkte mit der Hand ab. „Ein harter Tag heute“, meinte er. „Sehen wir uns heute Abend noch?“
„Na ja, ich bin doch eh bei House, wenn du vorbei kommen willst, dann komm vorbei“, sagte Dafne und lachte. Irgendwas stimmt nicht mit ihm. „Ja“, sagte Wilson etwas zerstreut. „Das werde ich tun, dann sehen wir uns später?“
„Ja, bis dann!“ Schon stand er auf und verließ den Raum in Richtung seines Büros.
Dafne, die wirklich keine Lust mehr hatte, den Bericht weiter zu schreiben, holte ihr Handy aus ihrer Hosentasche hervor. Ein Dutzend verpasste Anrufe ihrer Mutter. Seufzend rief sie zurück. Irgendwann muss ich sie ja anrufen.
„Dafne?“, hörte sie die Stimme ihrer Mutter an der anderen Leitung.
„Ja, hi.“
„Dafne, wo bist du? Geht es dir gut?“
„Ich hab dir doch gesagt, dass ich bei James bin.“
„Dafne, komm nach Hause!“
„Nein, ich bleibe hier.“
„Um Himmels willen! Du willst das doch nicht wirklich durchziehen!“
„Doch.“
„Schätzchen, ich bitte dich!“
„Nein.“
„Dafne, wieso tust du das?“
„Du hast mich zehn Jahre lang grundlos angelogen.“
„Nein, das stimmt so nicht.“
„Ach, und was stimmt daran nicht?“
„Dafne, bitte!“
„Nein.“
Ein Seufzen kam von der anderen Leitung, aber ihre Mutter blieb stumm.
„Mama?“
„Es war nicht grundlos.“
„Ach nein? Das glaube ich kaum.“
„Dafne… bitte….“
„Nichts bitte. Natürlich war es grundlos. Was hat James dir denn getan?“
„Dafne, du verstehst das nicht!“
„Weil ja auch niemand mit mir redet!“ Wütend stand sie auf. wohlwissend, dass das nichts ändern würde.
„Ich wollte nur das Beste für dich!“
„Das Beste? Mich anlügen ist das Beste?!“
„Dafne, ich kann es dir jetzt nicht erklären.“
„Du meinst, du willst es mir jetzt nicht erklären.“
„Nicht so.“
„Ach, aber ein andermal?“
„Dafne, ich möchte in Ruhe mit dir reden! Mich mit dir aussprechen!“
„Nein, entweder du sagst es mir jetzt oder nie.“ Sie wollte nicht länger hingehalten werden, wenn es etwas gab, dass ihre Mutter ihr sagen wollte, dann sollte sie es jetzt tun.
„Du bist noch nicht bereit!“
„Bereit wozu?“
„Dafne, komm nach Hause.“
„Bereit wozu?“
„Das ist doch jetzt egal.“
„Bereit. Wozu?“
„Ach Dafne… Ich wollte es dir unter anderen Umständen sagen…“
„Mir was sagen?“
„… Du bist adoptiert.“
„Ich bin was?“
„Adoptiert.“
„Ich. Bin. Adoptiert.“
„Ja, ich wollte es dir wirklich unter schonenderen Umständen sagen. Weißt du, James wusste davon und er meinte, du seist alt genug, es zu erfahren. Aber ich hatte Angst davor, es dir zu sagen. Ich hatte Angst, dich damit zu verlieren. Dabei habe ich dich auch jetzt verloren, eben weil ich es dir nicht gesagt habe. Ich weiß, es war nicht richtig, es dir so lange vorzuenthalten, aber ich wusste einfach nicht, was das Richtige war in dieser Situation. Dafne, ich hoffe, du kannst mich verstehen. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber eines Tages. Ich wollte dich beschützen.“ Fassungslosigkeit erschütterte Dafne.
„Wer… sind meine Eltern?“
„Ein Ehepaar, das bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist, du warst gerade mal sechs Monate alt und hast nur eine Gehirnerschütterung davon getragen. Sie hatten keine Verwandten mehr und deswegen wurdest du zur Adoption gegeben.“
„Danke.“ Dann legte sie auf.
Ihre Hand zitterte, als sie das Handy wieder in ihre Tasche schob. Das kann doch nicht wahr sein. Das kann nicht wahr sein. Aber sie hatte es gerade eben von ihrer Mutter gehört. Von meiner Adoptivmutter. Sie konnte es nicht fassen, dass man es ihr so lange nicht gesagt hat. Gerade von Wilson hätte sie es nie erwartet.
Ruckartig stand sie auf, ihr Herz schlug schnell gegen ihre Brust und sie zitterte immer noch.
Ich werde James zur Rede stellen. Spätestens gestern hätte er mir sagen müssen, dass ich adoptiert bin.
Sie verließ den Raum und wollte schon zu Wilsons Büro gehen, als sie geradewegs in Chase lief. „Oh tut mir leid“, sagte dieser. „Ich hab nicht nach vorn geschaut.“
„Alles gut, ich ja auch nicht“, meinte Dafne ganz verwirrt. Damit hätte sie als letztes gerechnet. „Hey, was ist denn los?“, fragte Chase und sah Dafne genauer an. „Du wirkst total fertig, ist etwas passiert?“
Und dann kam es über sie, ganz plötzlich. Dafne hasste solche Situationen, ihr Gehirn war noch ganz vernebelt und sie in keiner Verfassung, in der es ihr gelungen wäre, ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. Dafne stand einfach da und fing an zu weinen. Chase riss verwundert die Augen auf, damit hätte er nicht gerechnet. Schnell schob er die Akte unter seinen Arm und legte eine Hand auf Dafnes Schulter. Verunsichert darüber, was jetzt am schlausten war, blieb er stumm.
Dafne vergrub derweil das Gesicht in den Händen, jetzt zitterte sie am ganzen Körper. Sie wollte nicht weinen, auf gar keinen Fall und dann schon gar nicht vor Chase, aber in diesem Moment ging es einfach nicht anders. Sie hatte gar keine Kontrolle mehr über irgendetwas, was sie selbst anging. Also ließ sie es einfach über sich ergehen, was blieb ihr schon übrig? Dann spürte sie seine Hand auf ihrer Schulter. Sie zuckte etwas zusammen, sagte aber nichts.
Chase war immer noch überfordert mit dieser bizarren Situation. „Lass uns doch ins Besprechungszimmer gehen“, meinte er und schob sie, ohne eine Antwort abzuwarten, darauf zu. Dafne protestierte nicht. Wieder im Zimmer angekommen, setzte er sie auf einen Stuhl und warf die Akte auf den Tisch, dann setzte er sich ebenfalls. „Die anderen haben noch was zu tun, sie kommen sobald nicht wieder“, sagte er, um das peinliche Schweigen zu unterbrechen, in dem man nur Dafnes Schluchzen hörte.
„Es tut mir leid“, sagte sie mit erstickter Stimme und wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht, sah ihn direkt an. „Aber ich kann gerade nicht aufhören, das ist mir total peinlich!“
„Das musst dir doch nicht peinlich sein!“, sagte Chase und kramte in seinem Kittel nach einem Taschentuch, hielt es ihr hin. Dankbar nahm sie es entgegen, wischte sich das Gesicht trocken und putze sich anschließend die Nase.
„Geht wieder“, kommentierte sie und steckte das Taschentuch in ihre Hosentasche. Chase sah sie eindringlich an. „Möchtest du darüber reden?“, fragte er vorsichtig.
Dafne schüttelte den Kopf. „Okay“, sagte Chase einfühlsam.
„Ich bin adoptiert“, platze es aus ihr heraus. Erschrocken und verwundert sah er die junge Frau vor ihm an, die sich über die geröteten Augen fuhr. „Ich dachte, du wolltest nicht drüber reden?“, fragte er vorsichtig. „Ja“, antwortete Dafne. „Will ich auch nicht, aber mein Gehirn gehorcht mir nicht mehr, als quasi sich selbst nicht.“ Einen Moment sah sie verwirrt drein, dann legte sich ein neuer Tränennebel über ihre Augen. Wortlos gab Chase ihr ein weiteres Taschentuch, nur zur Vorsicht.
„Ich will auch nicht darüber reden, es gibt ja auch nicht mehr zu sagen. Meine Mutter hat mir gerade gesagt, dass ich adoptiert wurde, weil meine leiblichen Eltern bei einem Autounfall gestorben sind. Ich hab überlebt. Ist ja logisch, sonst wäre ich nicht hier.“ Wieder hielt sie kurz inne. „Und sie hat damals den Kontakt mit James abgebrochen, weil er wollte, dass sie es mir sagt, aber sie wollte das eben nicht“, fuhr sie fort und wischte sich mit dem neuen Taschentuch übers Gesicht. „Ja und jetzt wollte ich gerade zu ihm und mit ihm darüber reden und dann warst du im Weg.“ Sie atmete tief durch.
„Jetzt geht es mir tatsächlich besser“, sagte sie und lächelte kurz in Chase‘ Richtung. Dieser saß einfach da und nickte langsam. Diese ganze Situation kam ihm total verrückt vor, geradezu irreal.
„Ich werde jetzt zu ihm gehen“, sagte Dafne entschlossen und stand auf. „Danke fürs Zuhören.“ Dann war sie auch schon aus dem Zimmer verschwunden.
Chase lehnte sich zurück. Mit so einem Gefühlsausbruch hätte er nicht gerechnet, aber sie hatte sich erstaunlich schnell wieder gefangen. Er hoffte nur, dass es ihr nach der Aussprache mit Wilson besser ging. Schwermütig sah er ihr hinterher, als seine Kollegen gerade den Raum betraten.
„Was ist denn mit Dafne?“, fragte Cameron. „Sie sah nicht gut aus.“ Besorgt sah sie zu Chase. Die beiden waren früher da, als er gedacht hatte.
„Ich hab die Wette gewonnen“, sagte er monoton und sah zu Foreman.
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