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Waiting on an Angel

von MariaAust
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Robert Chase OC (Own Character)
15.09.2015
15.06.2018
12
27.076
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27.11.2015 3.225
 
Kapitel 4: Vogler

Dafne wachte auf und wusste im ersten Moment nicht genau, wo sie war. Verschlafen blickte sie sich im dämmrigen Raum um. Als ihr Blick auf den Flügel fiel, kamen mit einem Schlag die Erinnerungen an den gestrigen Abend wieder. Ich habe mit James geredet. Müde richtete sie sich auf und streckte sich.
Das Sofa war leider doch unbequemer gewesen als anfangs gedacht. Mit einem tiefen Gähnen schwang sie ihre Beine vom Sofa und stand auf. Tapsend ging sie zu den Fenstern und zog die Vorhänge beiseite. Der nächste Morgen begrüßte sie mit warmen Sonnenstrahlen, die sich so gut es ging durch den Novembernebel kämpften. Als sie sich wieder umdrehte, stand House im Türrahmen.
„Morgen“, grunzte er und verschwand dann in der Küche. „Guten Morgen“, rief Dafne hinterher, auf dessen Gesicht sich ein Grinsen breitgemacht hatte. Passt ja, dass er ein Morgenmuffel ist. Sie folgte ihm in die Küche. House war gerade damit beschäftigt, Kaffee zu kochen, doch anscheinend wollte die Maschine nicht ganz so wie er wollte.
„Braucht da jemand Hilfe?“, fragte Dafne freundlich. Mit einem vernichtenden Blick drehte House sich zu ihr um. „Du trinkst doch nicht mal Kaffee“, sagte er und wandte sich wieder der Maschine zu, die ungesunde Laute von sich gab. „Öh, ja, wieso weißt du das?“, fragte Dafne etwas verwundert.
„Du siehst nach einem Tee-Menschen aus“, sagte House und kippte das Pulver in den Filter. „Hm“, war alles, was Dafne dazu von sich gab. Er hatte Recht. Manchmal war seine gute Menschenkenntnis unheimlich.
„Gut geschlafen?“, fragte Dafne, die versuchte, ein unbeschwertes morgendliches Gespräch anzufangen. Doch als Antwort bekam sie nur unverständliche Wortfetzen, weil die Kaffeemaschine nicht das tat, was sie eigentlich tun sollte. Genervt warf House den Filter samt Pulver in den Mülleimer und drehte sich zu Dafne um. „Ich hole mir einen unterwegs. Zieh dich an, wir fahren in fünf Minuten.“ Dann verschwand er ins Bad. Perplex blieb Dafne in der Küche stehen. „Aber, wieso muss ich denn mit?“
„Du bist meine Praktikantin“, erklang House‘ Stimme. „Ich kann doch nicht ohne dich aufkreuzen oder soll ich etwa gefeuert werden?“ Die Tür vom Bad schwang auf und Dafne kam ins Wohnzimmer. „Aber nein, bin ich nicht. Das ist bescheuert!“, beschwerte sie sich. „Ich wollte mir hier eigentlich eine neue Uni suchen, um meinen Master zu machen. Ich will keine Praktikantin im Krankenhaus sein.“
„Zieh dich an, wir fahren gleich los“, sagte House nur und verschwand dann in seinem Schlafzimmer. „Das war mein Ernst!“, rief er noch hinterher, denn wie vermutet hatte Dafne keine Anstalten gemacht, seinem Befehl nachzukommen. Doch nachdem sie eingesehen hatte, wie sinnlos es wäre, House zu trotzen, zog sie sich schnell was an und verschwand dann ins Bad. Natürlich länger als es House lieb war.
„Ich bin eine Frau, ich brauche meine Zeit!“, rief sie ihm durch die Tür entgegen.

House wartete schon am Auto. Etwas gehetzt warf sie die Tür hinter sich zu und lief ihm entgegen. „Na endlich“, knurrte er und schob sie durch die geöffnete Beifahrertür. Unterwegs machten sie kurz Halt an einem Café, damit Dafne Kaffee holen konnte und für sich einen Tee.
„Wie meinst du geht das jetzt weiter mit dir und Wilson?“, fragte House und bog um eine Ecke ab. Dafne atmete tief durch. „Ich weiß es nicht genau, so weit habe ich gar nicht gedacht“, gab sie zu. „Ich dachte ja es scheitert schon beim Versuch, mit ihm zu reden.“ Sie zuckte mit den Schultern und nahm einen Schluck von ihrem Tee. House sah kurz zu ihr hinüber und hielt dann ruckartig vor einem Zebrastreifen, um das ältere Ehepaar nicht zu überfahren. Dafne hätte dabei fast ihren Tee verschüttet. „Pass mir ja auf, dass nichts auf die Polster kommt“, ermahnte House sie und fuhr wieder an.
„Ja, ja“, gab Dafne zur Antwort. „Ich muss mal schauen, wollte eigentlich hier bleiben oder wenigstens in der Nähe.“ Leise fügte sich noch hinzu: „Ich will nicht mehr nach Hause.“
House sah sie von der Seite an, sagte nichts mehr.

„Aufgepasst“, rief House uns ließ sein Ärzteteam hochfahren, das um den Tisch versammelt war. Sie alle sahen müde und geschafft aus. „Ihr seht ja furchtbar aus“, kommentierte House und ließ seinen Rucksack geräuschvoll auf den Boden neben dem Schreibtisch etwas weiter hinten im Besprechungsraum fallen. Genervtes Stöhnen seitens der Ärzte. Dafne schloss widerwillig die Tür hinter sich und ging Richtung Tisch.
„Sie ist immer noch hier?“, fragte Foreman verblüfft und schlagartig starrten die anderen beiden Ärzte sie auch an. Wow, das ist unangenehm. „Natürlich ist sie noch hier!“, entgegnete House. „Sie ist unsere Praktikantin.“
„Sie ist Kunststudentin“, erwiderte Foreman sachlich.
„Auch Kunststudenten dürfen sich für Medizin interessieren“, kam es sarkastisch von House der auf den Tisch zu gehumpelt kam. „Und das tut Dafne.“ Alle Blicke folgen zu ihr. „Wenn ich jetzt nein sage, darf ich dann gehen?“, fragte sie, wagte aber nicht zu hoffen. Ein vernichtender Blick House‘ beantwortete ihr die Frage.
Foreman und Chase mussten schmunzeln, doch Cameron wollte sich damit nicht abfinden. „House, das geht doch nicht!“
„Aber wieso denn nicht?“, fragte er trotzig und verschränkte die Arme vor der Brust. „Vogler will einen Praktikanten, Vogler bekommt einen Praktikanten.“
„Aber das ist nicht fair!“, meinte Cameron wieder. „Es ist nicht fair all den Bewerbern gegenüber!“
„Was für Bewerber?“, fragte Dafne irritiert.
„Die, die sich für deine Stelle beworben haben“, antwortete Cameron und deutete auf einen gigantischen Stapel voller Bewerbungsmappen, die auf dem Schreibtisch lagen. „Es gibt Bewerber?“, fragten House und Dafne gleichzeitig. Dann sahen sie sich beide erstaunt an.
„Ja! Und aus denen sollten Sie einen auswählen!“, beharrte Cameron. Dafne nickte bekräftigend. Ich will hier nicht arbeiten! Was ist sein Problem, dass er nicht einfach jemanden nimmt, der das tatsächlich will?
„Weil es genau das ist, was Vogler will“, erklärte House und warf dadurch nur noch mehr Fragen auf.
„Aber was bringt Ihnen das? Vogler denkt doch, dass Sie seinem Befehl nachgekommen sind und jemanden eingestellt haben“, meldete sich Chase jetzt zu Wort. Foreman blätterte hingegen in einer Patientenakte.
House stöhnte genervt und ließ sich auf einen Stuhl fallen, legte seine Füße auf der gläsernen Tischplatte ab. „Vogler denkt, dass ich seinem Befehl gehorche, aber das tue ich eben nicht!“ Er zog verschwörerisch die Augenbrauen hoch und blickte sein Team an. Cameron schüttelte den Kopf, Chase blickte etwas verwirrt drein und Foreman betrachtete immer noch die Akte. Dafne hingegen war etwas enttäuscht, dass sie hier noch weiter bleiben musste. Ist das idiotisch.

„Wie geht es unserem Todespatienten?“, fragte House nach einer Weile.
„Wir haben keinen“, entgegnete Foreman, der nicht von seiner Akte aufblickte. „Ach ja? Und bei wem waren sie dann die ganze Nacht?“, entgegnete House.
„Der alte Mann ist nicht krank!“, sagte Cameron. „Wir haben die Nacht damit verbracht, uns beleidigen zu lassen und nichts ist dabei rausgekommen!“
„Alles ganz normal“, sagte jetzt Chase und legte ein paar Blätter mit Diagrammen und Zahlen vor House hin. „Nichts zu entdecken. Der Mann stirbt nicht.“
House beachtete die Blätter gar nicht, sondern sah auf seine Uhr. „Er müsste gleich einen Herzinfarkt erleiden“, sagte er nüchtern. „Was?“, entfuhr es Dafne. „Woher willst du das denn wissen?“ Doch bevor er ihr antworten konnte, gingen die Pieper der Ärzte los. Verwundert schauten sie darauf, dann richtete sich ihr Blick geschockt auf House. „Der Mann hat einen Herzinfarkt“, sagte Chase und starrte House an. „Sag ich ja“, erwiderte House. „Wollen sie nicht zu ihm gehen?“, schob er hinterher, als niemand sich rührte. Nach einer weiteren Sekund des Wunderns, realisierten die Ärzte langsam die Situation und rannten aus dem Zimmer.
„Willst du nicht hinterher?“, fragte House an Dafne gewandt, die diesen Zufall erst einmal verdauen musste. Das gibt es doch nicht! „Es war kein Zufall“, meinte House, als hätte er ihre Gedanken gelesen. „Ich bin eben ein guter Arzt und jetzt geh deine Arbeit machen.“
„Wie lange muss ihr als deine Praktikantin herhalten?“, fragte sie und erhob sich langsam von ihrem Stuhl. „Ein Monat müsste genügen“, antwortete House. Das geht ja noch.
Dann ging auch Dafne aus dem Raum und ließ House allein zurück, der sich auf den Weg in sein Büro nebenan machte.

„Hast du einen Moment?“, fragte Wilson und schob sich durch die Tür, hinein in House‘ Büro. House, der mit geschlossenen Augen auf seinem Schreibtischstuhl saß und die Beine auf dem Schreibtisch vor sich abgelegt hatte, schien davon aber nicht gerade begeistert. „Nein, geh wieder raus“, meinte er und bewegte sich nicht.
Wilson setzte sich jedoch auf den Stuhl vor dem Schreibtisch und redete einfach weiter. „Es geht um Dafne“, sagte er unbeirrt und musterte House. Dieser öffnete widerwillig seine Augen und sah Wilson an. „Bist du hergekommen, um mir Recht zu geben?“, fragte House, der schon ahnte, worum es ging.
„House, es ist mir wirklich ernst“, meinte Wilson und fuhr sich nervös übers Gesicht. House hievte sein kaputtes Bein von der Tischplatte, dann sein anderes und setzte sich aufmerksam hin. „Sag es ihr.“
Wilson schüttelte den Kopf. „Das ist nicht so leicht, wie du denkst.“ Genervt verdrehte House die Augen, schnappte sich seinen Stock und ging Richtung Tür. „Wo gehst du denn jetzt hin?“, rief Wilson ihm hinterher, als er schon die Hand an der Klinke hatte.
„In die Kantine, ich habe Hunger“, rief House zurück. Wilson sah ihm kurz verdattert nach, dann folgte er ihm. Er konnte gerade noch so in den Fahrstuhl huschen, als sich die Tür hinter ihm auch schon schloss. „Oh gut“, kommentierte House. „Ich dachte schon, ich muss mir mein Essen beim wem anders besorgen.“ Jetzt war es an Wilson, genervt die Augen zu verdrehen.
„House bitte“, sagte er eindringlich, als sie den Fahrstuhl wieder verließen. „Ich brauche deinen Rat!“
„Den hast du bereits vor zehn Jahren bekommen“, sagte House und stieß die Tür zur Kantine mit seinem Stock auf. Die beiden Ärzte stellten sich in die Schlange und Wilson belud sein Tablett. „Da war es noch viel zu früh“, sagte Wilson, als sie zur Kasse kamen. „Meinst du, ich sollte es ihr überhaupt sagen?“
„Nein, lüg sie nur weiter an, genau wie deine Schwester es tut“, sagte House nüchtern und setzte sich Wilson gegenüber, schnappte sich sofort eine Sandwichhälfte.
„House, kannst du nicht einmal aufhören, sarkastisch zu sein?“, fragte Wilson verzweifelt. „Ich weiß wirklich nicht, wie ich das anstellen soll! Wie soll ich ihr das schonend beibringen?“
„Gar nicht, du sagst es ihr einfach.“
„Das kann ich nicht.“
„Dann sag ich es ihr!“
„Nein!“
„Doch, ich werde jetzt zu Dafne gehen und ihr die Wahrheit sagen.“
„HOUSE!“
Doch House war schon aufgestanden und durchquerte die Kantine. „House! HOUSE!“, rief Wilson ihm hinterher, der sein Tablett irgendwie loswerden musste, um seinem Freund nachzurennen. Er drückte es einfach einer sehr verwirrten Krankenschwester entgegen und lief House nach. Jedoch war er zu langsam gewesen, denn House verschwand gerade im Fahrstuhl.
„Verdammt“, fluchte Wilson und rannte zu den Treppen, damit er vor House ankam. Wo auch immer House hinwollte.

„Sinusrhythmus ist wieder hergestellt“, sagte Foreman und legte den Defibrillator bei Seite. „Ja, aber dafür liegt unser Patient jetzt im Koma“, kommentierte Chase und schickte die Krankenschwestern aus dem Zimmer. „House hatte wohl doch recht“, meinte Cameron und las sich die Akte noch einmal durch.
Dafne stand etwas abseits des Bettes und konnte nicht fassen, was sie da gerade mit angesehen hatte. „Der Mann war tot“, sagte sie, mehr zu sich selbst, als zu den Ärzten. Überrascht drehten sie sich zu ihr um, als hätten sie sie erst jetzt bemerkt. „Ja, das passiert meistens bei einem Herzinfarkt“, meinte Foreman knapp und sah auf die Monitore, die beständig piepten. Gerade kamen die Krankenschwestern wieder, um den Patienten für das Koma auszurüsten. Sie legten eine Sauerstoffmaske auf sein Gesicht und schlossen ihn zusätzlich noch an ein paar Geräte an.
„Ist alles okay?“, fragte Chase, der Dafne am nächsten stand. Er sah das Mädchen besorgt an. Sie war blass geworden und sah zudem etwas verstört aus. „Ja, alles gut“, sagte sie und schüttelte kurz den Kopf, um ihre Gedanken zu verscheuchen. Ihr Herz raste wie verrückt, aber sie beruhigte sich langsam, versuchte ihre zitternden Hände unter Kontrolle zu bekommen. Cameron und Foreman kümmerten sich derweil um den komatösen Patienten.
„Sicher?“, fragte Chase eindringlich. „Ja“, antwortete Dafne nun überzeugter. „Das war gerade nur extrem krass. Ihr erlebt das ja öfter, aber für jemanden wie mich ist das schon heftig, wenn man sieht, wie jemand gerade stirbt.“ Sie sah ihm in die Augen und zuckte dann mit den Schultern. „Aber jetzt lebt er ja wieder oder so etwas Ähnliches“, schob sie hinterher.
Chase nickte gedankenversunken. „Du hast Recht. Daran habe ich gar nicht gedacht.“
„Wir sollten die neuen Symptome besprechen“, unterbrach Cameron das Gespräch von Dafne und Chase. Foreman nickte und wollte gerade als erster durch die Tür gehen, als diese sich öffnete.
Ein dunkelhäutiger, großer, breiter Mann in einem Anzug trat herein und bedachte das Team mit einem strengen Blick. Dann fiel sein Blick auf Dafne, die immer noch etwas verschreckt aussah. „Guten Tag“, begrüßte er alle. „Wer ist das?“
„Dafne Mayburn“, antwortete Chase. „House‘ Praktikantin.“ Verblüfft zog der Mann die Augenbrauen hoch. „So? Wirklich?“, fragte er und trat etwas näher an Dafne heran, streckte ihr seine rechte Hand entgegen. „Vogler“, stellte er sich vor. „Dafne“, erwiderte sie und ließ sich ihre Hand fast zerquetschen.
„Dafne!“, House kam ins Patientenzimmer gestürmt und wäre fast in Vogler gerannt, hätte er nicht vorher gerade noch so abgebremst.  So schnell habe ich ihn ja noch nie gesehen! Was er wohl von mir will?
„House“, begrüßte Vogler den Arzt.
„Vogler“, erwiderte House kühl.
Stille trat ein. Foreman musste sich ein Grinsen verkneifen, Cameron wurde zunehmend unruhiger und Chase wartete gespannt darauf, wie es jetzt wohl weiterging. Die einzigen Geräusche im Raum waren einmal  das Piepen der Geräte und dann noch House‘ Atem, der sich langsam beruhigte.
„Sie wollten gerade mit ihrer Praktikantin reden?“, brach Vogler das Schweigen und sah skeptisch zu House hinunter, was nicht viele Leute taten. „Ja, du wolltest mir deinen Praktikumsbericht von gestern noch liefern“, sagte House an Dafne gewandt. Meinen was?
„Ach ja? Ich dachte, den wollten Sie erst nächste Woche haben?“, fragte Dafne etwas verunsichert, weil sie leider keinen Praktikumsbricht von gestern dabei hatte. Oder überhaupt einen hatte. „So?“, fragte House mit einem Seitenblick auf Vogler, der die ganze Situation gespannt beobachtete. „Dann nächste Woche am Montag, von der ganzen Woche“, bestimmte House und nickte.
„Und was wollen Sie bei meinem Patienten?“, fragte House an Vogler gewandt. „Ich wollte nur sehen, ob Sie schon einen Praktikanten eingestellt haben“, antwortete Vogler. „Ich bin sehr überrascht, Doreen hier zu sehen.“
„Dafne“, korrigierte Dafne.
„Genau“, sagte Vogler und wandte seinen Blick dabei nicht von House ab. Ist das unangenehm. Die beiden hassen sich ja wie die Pest.
„Darleen, darf ich mal allein mit dir sprechen?“
„Dafne, aber ja“, korrigierte sie Vogler wieder, rührte sich aber nicht von der Stelle. Was will der nur von mir?
„Darf man wissen, wieso?“, fragte House abschätzend und stellte sich neben Dafne, drängte Chase dabei zur Seite. „Weil ich ihr Vorgesetzter bin, House und machen kann, was ich möchte“, antwortete Vogler  mit einem widerlichen Lächeln und einem Ton in der Stimme, der einem einen Schauer über den Rücken jagt. Einen kurzen Augenblick starrten die beiden Männer sich noch hasserfüllt an, dann wandte sich Vogler an Dafne.
„Bitte, komm doch mit in mein Büro.“
Sie nickte und dann folgte sie ihm aus dem Zimmer hinaus, noch einen letzten verzweifelten Blick auf House werfend.

„Was war das denn gerade?“, fragte Chase und sah seinen Chef an, der immer noch auf die Tür starrte. „Das endet nicht gut“, meinte Foreman und sah zu House. „Sie hätten gleich einen richtigen Praktikanten einstellen sollen!“, belehrte ihn Cameron.
Doch House hörte gar nicht richtig zu, sondern machte sich auf den Weg Richtung Tür, als Wilson gerade hineingestürmt kam.
„House!“, rief er und sah sich gehetzt um. Als er merkte, dass Dafne nicht da war, wurde er leichenblass. „Du  hast doch nicht etwa..?“, fragte er geschockt und sah seinen Freund an. „Vogler“, brachte House zähneknirschend hervor.
„Vogler?“
„Ja, Vogler.“
„Was ist mit Vogler?“
„Er hat sie mitgenommen! Er will allein mit ihr reden.“ Langsam begriff Wilson, was gerade passiert war. „Oh Gott sei Dank“, brachte er hervor und die Anspannung wich langsam.
„Tja, House, das kommt davon, wenn man keinen richtigen Praktikanten einstellt.“ Dann schüttelte er den Kopf und strich sich seinen Kittel glatt. „Sie wird dich schützen“, schob er hinterher. „Sie mag dich, weshalb auch immer.“
„Wir müssen reden“, meinte House knapp und ging in Richtung seines Büros. Wilson, der wusste, dass das Gespräch aus der Kantine noch nicht beendet war, ließ den Kopf hängen und trottete hinter ihm her.
Die drei Ärzte blieben im Zimmer zurück und sahen sich verwundert an. „Was war das denn bitte?“, fragte Cameron. „Ich verstehe gar nichts mehr“, meinte Chase und sah zu Foreman, der nur mit den Schultern zuckte. „Das ist nicht unsere Angelegenheit“, sagte dieser. „Jetzt lasst uns erst einmal herausfinden, was mit dem Mann hier nicht stimmt“, er bedachte den komatösen Herrn mit einem Seitenblick, dann machten sich die drei auf ins Besprechungszimmer.

„Also Dorothy“, sagte Vogler und verschränkte seine Hände auf seinem Schreibtisch. „Erzähl mir was von dir.“
„Ich heiße Dafne“, sagte sie inzwischen ziemlich genervt davon, dass er sich nicht einmal ihren Namen merken konnte. „Du studierst also Medizin?“, fragte er, als hätte er ihren Einwurf gar nicht wahrgenommen.
„Nein“, antwortete Dafne.
„Wieso machst du dann hier ein Praktikum?“, fragte Vogler interessiert. Mist. „Ich, ähm, noch nicht, meinte ich“, versuchte Dafne, sich herauszureden. „Ich möchte Medizin studieren, aber vorher muss man ein Praktikum machen und das mache ich ja jetzt.“ Sie nickte bekräftigend.
Verwundert zog Vogler seine Augenbrauen hoch. „So, du bist also schon fertig mit der Schule?“, fragte er. „Ich dachte, du wärst gerade mal in der achten Klasse. Du siehst so jung aus!“ Er fing an zu lachen und Dafne viel mit ein. „Ahaha, ja das sagen mir viele“, sagte sie und setzte ein freundliches Lächeln auf. Idiot. Aber denken, ich studiere Medizin?
„Na gut“, sagte Vogler und sein Lächeln verschwand schlagartig. „Und House hat dich also eingestellt?“
Sie nickte.
„Er hat dich eingeladen zu einem Vorstellungsgespräch?“
Sie nickte wieder.
„Und dann hat er dich im Krankenhaus herumgeführt und dir alles gezeigt?“
Erneutes Nickten seitens Dafne.
„Das kann ich mir bei ihm gar nicht vorstellen“, sagte Vogler skeptisch und lehnte sich etwas weiter nach vorn. „Er war nicht sehr gut gelaunt dabei“, sagte Dafne, die ihre Geschichte ja schließlich realistisch belassen wollte, „Aber er hat es gemacht, sein Vorgesetzter habe ihn dazu gezwungen.“
„Das hört sich schon eher nach ihm an“, gab sich Vogler zufrieden. Glück gehabt. „So, Diana.“
„Dafne.“
„Genau. Ich würde dich bitten, mich über House‘ Verhalten auf dem Laufenden zu halten.“ Er sah sie eindringlich an. Was?
„Ich verstehe nicht so ganz“, gab sie zu und ließ sich etwas mehr in die Lehne fallen, um Vogler nicht mehr so nahe zu sein.
„Ich möchte alles wissen“, erklärte dieser und lehnte sich noch etwas weiter nach vorne. Doch leider hatte Dafne keinen Platz mehr, um nach hinten ausweichen zu können. „Regelverstöße, Unachtsamkeiten, illegales Verhalten. Alles.“
„Ja klar“, sagte Dafne ironischer als beabsichtig war. „Natürlich“, schob sie rasch etwas ernster hinterher. Pff, denkste. Von mir wirst du nichts erfahren!  „Danke“, sagte Vogler, nickte und schickte sie aus seinem Büro.
Dafne schloss die Tür hinter sich und atmete erst einmal tief durch.
Das war ja furchtbar.
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