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Waiting on an Angel

von MariaAust
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Robert Chase OC (Own Character)
15.09.2015
15.06.2018
12
27.076
2
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
11.10.2015 3.012
 
Hallo ihr Lieben :)
Hier ist das nächste Kapitel!
Ich wollte mich mal bei allen Lesern bedanken und besonders bei Ramona, für ihre ganzen lieben Reviews!!! <3
Ich hoffe, das Kapitel gefällt euch :)
Liebe Grüße, Maria :)






Kapitel 3: Aussprache

So kam es also, dass ein total entnervter House endlich seine Wohnung betrat, begleitet von Dafne, die nicht so recht wusste, was sie von dieser Situation eigentlich halten sollte. Deswegen blieb sie auch gleich im Eingang stehen und musterte erst einmal die Wohnung. Sie war geschmackvoll eingerichtet, schlicht gehalten. Bücherregale an der Wand, eine dunkle Couch. Dann fiel ihr Blick auf die Ecke mit dem Flügel und den Gitarren. „Wow“, kommentierte sie.
„Spielen Sie Klavier?“, fragte Dafne und nickte in Richtung des schwarzen Flügels. House, der seinen Stock an einen Vorsprung über der Tür gehangen hatte, drehte sich zu ihr um. „Meinst du, der Flügel da bedeutet etwas anderes, als dass ich Klavier spiele?“, fragte er ironisch und drehte sich schon wieder um. „Dass Ärzte zu viel Geld haben vielleicht?“, erwiderte Dafne leise.
„Was sagst du?“, fragte House und fuhr wieder herum. „Nichts, schon gut“, nuschelte sie. Sie hatte keine Lust, sich auf eine weitere Diskussion einzulassen, davon hatte sie im Auto schon mehrere durchlebt. Ein Grinsen huschte über House‘ Gesicht, dann ließ er sich auf seinem Sofa nieder. Dafne stand immer noch mit ihrer Tasche vor der Tür und wusste nichts mit sich anzufangen. Der Arzt stöhnte auf. „Willst du da noch lange stehen bleiben?“, fragte er grob.
„Hm, ne“, gab Dafne zurück, stellte ihre Tasche in eine Ecke und ging weiter in den Raum hinein. „Diese Ecke“, er deutete auf die Instrumente, „Ist tabu für dich.“
Verwundert sah Dafne zu ihm rüber. Er schaute ernst vom Sofa zu ihr herauf und legte seine Füße auf dem Tisch vor sich ab. „Befürchten Sie, ich mache etwas kaputt?“, fragte Dafne. Ich hatte ja gar nicht vorgehabt, mich sofort an den Flügel zu setzten! Doch auf diese Antwort hätte sie lange warten können, House blieb stumm.
Mit einem Seufzen ließ sie sich neben ihn auf das Sofa fallen, jedoch immer auf einen gewissen Sicherheitsabstand bedacht. Kurze Zeit schwiegen sie beide.
„Wilson müsste gleich kommen“, meinte House und sah auf sein Handy. Keine Nachricht von Wilson. „Und was machen wir bis dahin?“, fragte Dafne und sah sich weiterhin um. Hinter dem Wohnzimmer war gleich die Küche und der Flur ganz rechts musste wohl zum Schlafzimmer und zum Bad führen.
House zuckte mit den Schultern. „Essen?“, schlug er vor. Oh, ich dachte schon, er fragt nie mehr danach! Begeistert nickte sie. Den ganzen Tag hatte sie keinen Bissen runterbekommen und so langsam machte sich ihr Magen bemerkbar.
„Ich habe nichts hier“, meinte House und sah Dafne interessiert an. Die Enttäuschung stand ihr ins Gesicht geschrieben und wie zur Verdeutlichung gab ihr Magen ein Knurren von sich. „Das hört sich nicht gesund an“, sagte er. Zweifelnd sah er Dafne an, die neben ihm saß und ihre Hände auf den Bauch gepresst hatte, um das Knurren zu unterdrücken. Ich hasse es, wenn mir das bei anderen Leuten passiert!
„Können wir nicht eine Pizza bestellen oder so?“, fragte sie hoffnungsvoll. „Kannst du dich nicht mit ein paar Krümeln aus meinem leeren Kühlschrank begnügen?“, fragte House ironisch, stand dann aber unter einem Stöhnen auf und humpelte in die Küche.
Nach ein paar Momenten des Kramens kam er mit einer Broschüre wieder und warf sie Dafne entgegen, die diese natürlich nicht auffing. „Gut gefangen“, kommentierte House knapp und ließ sich wieder auf Sofa fallen, während Dafne sich hinkniete und die Karte von darunter hervorholte. „Soll ich anrufen?“, fragte sie, da sie von House höchstwahrscheinlich kein Entgegenkommen erfahren würde, was das Beschaffen von Essen anging. Er nickte nur und gab ihr das Telefon.

„Hier einmal eine Pizza Funghi, eine Pizza Rustica und eine Salame.“ Der Lieferant drückte ihr drei große Pizzakartons in die Hand und wartete auf sein Geld. „House?“, Dafne drehte sich mit den Kartons um und erblickte eine leere Wohnung. „Kann gerade nicht“, hörte sie seine Stimme aus dem Badezimmer. „Der Mann will bezahlt werden“, rief sie ihm zu in der Hoffnung, er würde ihr einfach sagen, wo sein Geld lag. Doch als Antwort bekam sie nur unverständliche Wortfetzten. War ja klar.
„Einen Moment bitte.“ Sie stellte die Kartons auf dem Sofatisch ab und ging zu ihrer Tasche. „Stimmt so“, sagte sie und drückte dem geduldigen Lieferanten sein Geld in die Hand. Dieser bedankte sich und verschwand wieder.
Genau in diesem Moment saß der Arzt schon wieder auf dem Sofa und schnappte sich seinen Karton. „Ich glaube, das liegt in der Familie, dass mir jemand der Wilsons mein Essen bezahlt“, sagte er nachdenklich und biss dann ab. „Na gut“, sagte er mit vollem Mund. „Auf seine Ex-Frauen trifft das leider nicht zu.“
„Ex-Frauen? Da gibt es mehrere?“, fragte Dafne und sah von ihrer Pizza auf. House nickte. „Das wusstest du nicht?“
„Nein“, antwortete Dafne. „Der Kontakt ist vor zehn Jahren abgebrochen, aber da ist seine erste Ehe in die Brüche gegangen.“
„Hm“, House zuckte mit den Schultern. „Und die nächste ist es auch. Es wird nicht mehr lange dauern und seine jetzige erfährt dasselbe Schicksal.“

In diesem Moment wurde die Tür geöffnet und ein geschaffter Wilson trat ein. Er legte seine Tasche in eine Ecke, warf seine Jacke über die Garderobe und schmiss sich neben Dafne aufs Sofa. Er sah müde aus. Wortlos gab Dafne ihm seinen Pizzakarton, den er dankbar öffnete.
Mit einem zweifelnden Blick zu House meinte er dann zu Dafne gewandt: „Ich geb dir das Geld noch.“ Dann biss er ab. „Das passt schon“, entgegnete Dafne.
Sein Job ist bestimmt nicht einfach als Onkologe. Er sieht so fertig aus und auf einmal noch viel älter. Ein unbehagliches Gefühl breitete sich in ihr aus. Ganz so, wie sie es auf dem Weg ins Krankenhaus hatte. Ist das wirklich richtig?
Sie wandte ihren Blick von Wilson ab und widmete sich ihrem Pizzastück, was ihr jetzt deutlich schlechter gelang mit diesem drückenden Gefühl in der Magengegend. Schweigend aßen sie weiter.
Als sie fertig waren, brachte House die leeren Kartons in die Küche und keiner der anderen beiden missverstand seine Geste. Er gab ihnen Zeit, allein zu sein, damit sie endlich reden konnten. „So viel Empathie hätte ich ihm gar nicht zugetraut“, sagte Dafne überrascht.
„House ist gar nicht so übel“, meinte Wilson. „Er zeigt es bloß zu selten.“ Dann sah er Dafne an und lächelte. „Du bist groß geworden.“
„Nicht wirklich, nein“, entgegnete sie und musste anfangen zu lachen. Ein kleines Stückchen der Nervosität fiel von ihr ab. „Erzähl mir was von dir, wir haben uns zu lange nicht gesehen.“ Sie atmete kurz durch, ehe sie antwortete.
„So viel ist auch wieder nicht passiert“, meinte sie und erntete einen skeptischen Blick seitens Wilson.
„Ich spiele immer noch Klavier und mit Oboe habe ich vor neun Jahren angefangen. Ich studiere jetzt Kunst des Mittelalters, habe bereits meinen Bachelor gemacht. Mein erster Freund hat sich als totaler Idiot herausgestellt. Ich habe mit dem Reiten aufgehört und stattdessen mit Fechten angefangen. Meine beste Freundin ist immer noch Susan.“
Damit schloss sie ihren Bericht. Es war unglaublich schwer, zehn Jahre zusammenfassen zu wollen. Anscheinend genügte Wilson ihre Antwort auch nicht.
„Es ist schlimmer geworden mit Mom“, sagte sie dann etwas leiser. Wilson nickte nur und gab ihr alle Zeit, die sie brauchte, um weiter zu erklären.
„Du weißt ja, wir hatten nie ein sehr gutes Verhältnis. Und dann als du nicht mehr warst, haben wir uns fast täglich gestritten. Aber keine kleine Meinungsverschiedenheit, sondern ein richtiger Streit. Bin mit achtzehn dann endlich ausgezogen.“
Wilson legte einen Arm um sie und bedachte seine Nichte mit einem besorgten Blick. „Geht es dir gut?“, fragte er schließlich. Sie nickte kurz. Sie wollte jetzt nicht darüber reden, obwohl das genaugenommen schon etwas mit ihrer momentanen Situation zu tun hatte.
„Was hat sie gemacht vor zehn Jahren?“, fragte er sanft. Dafne verschränkte ihre Finger vor ihrem Magen ineinander und wandte ihren Blick auf den Flügel. Ich kann ihn dabei nicht ansehen.

„Sie hatte telefoniert. Ich war solange in meinem Zimmer und habe gelesen. Die Unendliche Geschichte. Ich war gerade an der Stelle, wo fast ganz Phantasien zerstört war. Komisch, dass ich das noch weiß, oder? Jedenfalls kam sie zu mir ins Zimmer und meinte, du hättest angerufen. Weißt du, ich war einen Tag vorher ja bei dir gewesen nach der Schule.“ Sie brach ab. Wilson nah seinem Arm von ihr und setzte sich so hin, dass er sie direkt ansah. Wie soll ich das jetzt nur sagen?
„Sie hatte gesagt, dass du mit ihr über mich geredet hast.“ Sie schluckte schwer. Wilsons verwunderten Blick bemerkte sie gar nicht. „Sie sagte, du wolltest mich nicht mehr sehen. Überhaupt nicht mehr.“ Sie drehte sich zu ihm um.
„Sie hat mir noch ein paar genauere Gründe genannt, doch die habe ich gar nicht mehr mitbekommen. Das war alles. Kein Kontakt mehr. Du hättest es so gewollt, meinte sie. Nie wieder.“
Wilsons sah sie sprachlos an. „Sie meinte, es wäre dir alles zu viel, du würdest meine Anwesenheit nicht mehr ertragen und so etwas.“
„Was?“ Endlich hatte der Arzt seine Sprache wiedergefunden. „Und das hast du ihr geglaubt?“ Er stand vom Sofa auf und ging ein paar Schritte im Raum herum. Dafne blieb sitzen. Ihre Beine fühlten sich viel zu weich zum Stehen an und sie zitterte.
„Ja, habe ich“, gestand sie. „James, ich war zwölf. Du weißt, was für ein mickriges Selbstvertrauen ich damals hatte! Wenn deine Mutter dann zu dir kommt und dir sagt, dass dein Onkel, der zu dir war wie ein Vater, dich nicht mehr sehen will, glaubst du es ihr. Wieso sollte deine eigene Mutter dich denn auch belügen? Ich verstand bloß nie deinen Grund.“
Aufgebracht fuhr Wilson herum und starrte Dafne an. „Du hast dich nie gefragt, ob das alles stimmt?“ Was will er denn hören? Jetzt stand auch Dafne auf. „Nein, ich habe ihr geglaubt! Es gab auch keinen Grund, das nicht zu tun! Ich hatte geglaubt, dass du wirklich einen Grund dafür hattest. Ich habe ihn bloß nicht gewusst.“
„Wieso hast du dich denn nie gemeldet und danach gefragt?“ Wilson fuhr durch sein Haar. Macht er mir gerade wirklich Vorwürfe?
„Ist das dein Ernst?“, fuhr Dafne ihn an. „Du bist sauer auf mich, weil ich mich als verletztes, unsicheres, zwölfjähriges Mädchen nicht bei meinem Onkel gemeldet habe, der angeblich nichts mehr von mir wissen wollte?“
„Hey, was ist denn hier los?“, fragte House, der ins Wohnzimmer trat. „Ihr beide wolltet euch doch aussprechen und nicht streiten!“
„Verschwinde House“, wies Wilson ihn an. House hob seine Hände als unterwürfige Geste und verschwand wieder in die Küche, schloss sogar die Tür.
Dafne verschränkte ihre Arme vor der Brust. „Ich bin bestimmt nicht den Weg von Washington hierher nach New Jersey gekommen, damit du mir Vorwürfe machst! Immerhin habe ich endlich den Mut gefunden, dich zu suchen. Ganz im Gegensatz zu dir!“
Wilson lachte kurz auf, er wandte sich ab und sah zum Bücherregal. „Hast du eine Ahnung, was deine Mutter mir am Telefon gesagt hat?“
„Ja, sie meinte, sie hätte dir erzählt, dass ich nicht mehr zu dir gehen wollte.“ Trotzig sah sie Wilson an. Was war denn sein Problem?
„Das war alles? Dann hat sie dich sogar beim Wahrheit sagen belogen. Das war bei weitem noch nicht alles.“ Langsam verlor Dafne die Geduld. Was ist denn so schlimm? Wieso sagt er nicht einfach, was Mom ihm gesagt hat?
Wilson fuhr sich wieder durchs Haar, ging ein paar Schritte auf und ab. So aufgebracht hatte sie ihn selten gesehen. Dafne lockerte ihre Haltung ein wenig. Sie war nicht hergekommen, um mit ihm zu streiten. House hatte Recht.
„James, was ist los? Wieso hat sie mich nochmal belogen?“
„Als sie vor zehn Jahren telefoniert hat, da hat sie mir gesagt, dass du mit ihr über mich geredet hast. Sie meinte, du würdest dich unwohl bei mir fühlen. Unwohl in meiner Nähe. Du hättest Angst gehabt, mit ihr darüber zu reden, weil du dachtest, ich könnte es herausfinden. Anscheinend sollte das so schon mehrere Monate gegangen sein. Sie meinte, dass ich…“ Doch er sagte nichts mehr und drehte sich mit dem Rücken zu ihr. Wie vom Blitz geschlagen stand Dafne einfach nur da und starrte zu Wilson. Sie hat was? Das kann sie nicht getan haben. Sie tat vorsichtig ein paar Schritte auf ihn zu, blieb dann aber doch stehen.
Er atmete schnell, hatte seine Hände in die Hüften gestützt, ließ den Kopf hängen.
„James?“, fragte seine Nichte leise. Als er nicht antwortete, redete sie weiter. „Es tut mir Leid. Ich hätte dich früher aufsuchen sollen.“ Er drehte sich um, in seinen Augen sah sie nichts als Schmerz.
„Nein, es ist nicht deine Schuld. Ich kenne meine Schwester, ich hätte mit dir reden sollen, aber ich hatte Angst. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Und dann seid ihr im nächsten Monat auch noch nach Washington gezogen. Ich hatte dich ganz verloren.“
Dafne schüttelte den Kopf. „Hast du nicht.“ Ein schwaches Lächeln huschte über sein Gesicht.

„Wieso das alles?“, fragte er schließlich, nachdem die beiden lange Zeit nichts gesagt, sondern einfach nur in House‘ Wohnzimmer gestanden hatten. „Sie meinte, du wärst ein schlechter Einfluss. Deine kaputte Ehe, deine sterbenden Patienten und die Last, die das mit sich führt. Sie wollte, dass ich behütet aufwachse ohne die ganzen Probleme, die ich später noch haben werde.“ Sie zuckte die Schultern. „So hat sie mir das gesagt“, schob sie hinterher. So ganz hatte sie es nicht verstanden. Sicher, ihre Mutter war schon immer übertrieben besorgt gewesen, aber so etwas hätte sie ihr nicht zugetraut.
„Du kennst sie doch“, sagte Dafne. „Sie hat ständig meine Hausaufgaben kontrolliert, sogar in der High School. Ich durfte nichts ohne ihre Erlaubnis machen, musste immer um zehn zu Hause sein. Sie war über jede Minute meines Lebens informiert, weil sie nicht wollte, dass mir etwas passiert.“
„Und ich habe nicht ein dein Leben gepasst“, schlussfolgerte Wilson. „In das Leben, dass sie für mich geplant hatte“, korrigierte Dafne.
Sie setzten sich wieder auf das Sofa. „Ich glaube das alles nicht!“, brachte Wilson hervor und fuhr sich über sein Gesicht. „Wieso hat sie dir das auf einmal gesagt?“
Dafne atmete tief durch, ehe sie antwortete. „Das Wochenende über war ich wieder mal zu Hause. Ich habe da so einen Film gesehen und da sah ein Schauspieler aus wie du, da musste ich an dich denken. Schließlich habe ich Mom gefragt, ob sie irgendetwas von dir weiß. Ich habe öfter mal an dich gedacht, aber den Gedanken, Kontakt zu dir aufzunehmen, sofort wieder verworfen. Dann hat sie es mir gesagt, einfach so. Ohne irgendeinen ersichtlichen Grund.“
So gesehen, war es vollkommen grundlos geschehen. All die Jahre hatte ihre Mutter das Geheimnis bewahrt und plötzlich hatte sie es ihr gesagt. „Deine Mutter würde nie etwas ohne Grund machen“, sagte Wilson. „Es muss einen gegeben haben.“
Dafne zuckte nur mit den Schultern. Was soll ich dazu noch sagen?
„Ist doch auch egal“, sagte sie, doch Wilson schüttelte den Kopf. „Was ist danach passiert?“, fragte er.
„Ich habe ihr zuerst nicht geglaubt“, antwortete Dafne. „Wieso hätte ich das auch tun sollen? Aber so langsam dämmerte es mir dann, dass es wahr sein musste, was sie mir gerade gebeichtet hatte. Wir haben uns gestritten, was denkst du denn? Dass ich einfach so hinnehme, dass meine Mutter mich zehn Jahre lang belogen hatte?“
„Rede mit ihr.“
„Was? Nein, bestimmt nicht! Wieso sollte ich jetzt auch noch auf sie zugehen?“
„Bitte“, beharrte Wilson. „Mach es für mich.“ Murrend willigte Dafne ein, obwohl sie den Grund nicht verstand. Aber sie hatte auch keine Lust, mit Wilson zu streiten. Er legte wieder einen Arm um sie. „Es tut mir Leid, Dafne. Du hattest Recht, niemand in deiner Situation hätte anders gehandelt. Es war an mir, einen Schritt auf dich zu zutun, aber das habe ich nicht getan.“
„Ist doch auch egal“, meinte Dafne. „Jetzt hat sich ja alles geklärt.“ Sie lächelte.

„Was für ein herzzerreißender Anblick!“, sagte House und kam ins Wohnzimmer gehumpelt, nur um sich genau zwischen Dafne und Wilson zu quetschen. Ein hatte eine gigantische Schüssel Popcorn dabei. „Ist es nicht schön, wenn der Familienfrieden wieder hergestellt ist?“, fragte er und sah die beiden euphorisch an. Wilson stöhnte genervt auf, doch Dafne musste lachen. Sie konnte einfach nicht anders. Sie war einfach glücklich, da zu sein.
„Also, wie wäre es mit einer Pyjama-Party?“, fragte House, der den Fernseher einschaltete und seine Beine auf dem Tischchen ablegte.

Sie verbrachten den Abend noch zusammen, aßen Popcorn und machten sich über eine viel zu kitschige Schnulze lustig. Als es später wurde, verabschiedete sich Wilson dann von ihnen. Er musste nach Hause und seiner Frau mitteilen, dass er eine Nichte hatte. Dafne blieb dafür die Nacht bei House, bis sich alles weitere geklärt hatte.
Sie breitete gerade eine Decke über dem Sofa aus, als House noch einmal ins Wohnzimmer kam. „Wie geht es dir?“, fragte er und schaute zur ihr herunter. „Gut“, antwortete Dafne. „Danke nochmal, dass ich hier sein kann.“
„Ist doch selbstverständlich, du gehörst ja zur Familie. Nenn mich einfach Onkel Greg“, er grinste frech. „Nein danke“, meinte Dafne, „Ich bleibe bei House, wenn es Ihnen nichts ausmacht.“ Die Vorstellung diesen misanthropischen und sarkastischen Menschen Onkel Greg zu nennen, war einfach zu abstrus. „Okay, aber dann lass bitte das förmliche Sie weg“, verlangte er.
„Ja gut. Ist noch was?“, fragte sie dann, als House nicht gehen wollte, sondern einfach nur da stand. „Ich bin froh, dass du hier bist. Es war nicht leicht für ihn“, sagte er schließlich.
Dafne nickte. So etwas von House zu hören, war anders als bei normalen Menschen. „Ich bin auch froh“, sagte sie ihm und sah in seine blauen Augen. Er sorgt sich um Wilson. „Keine Sorge“, versuchte sie, ihn zu beruhigen. „Es wird schon alles gut werden am Ende.“
Er lächelte noch kurz, wünschte dann eine gute Nacht und verschwand in seinem Zimmer. Dafne legte sich auf das Sofa, das doch bequemer war, als sie zuvor gedacht hatte und starrte an die Decke.
Sie war glücklich.
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