Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Waiting on an Angel

von MariaAust
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Dr. Robert Chase OC (Own Character)
15.09.2015
15.06.2018
12
27.076
2
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
26.09.2015 3.998
 
Hallo, ihr Lieben :)
Hier ist das zweite Kapitel und dieses Mal geht es auch mit der Handlung weiter!
Vielen Dank für die positive Rückmeldung :)
Viel Spaß beim Lesen und liebe Grüße!






Kapitel 2: Von Zufällen, Regelverstößen und schimpfenden Patienten

„Okay, genug mit der Gefühlsduselei. Hast du keinen weiteren Patienten für heute?“
„House, jetzt seien Sie nicht so unhöflich, die beiden haben sich lange nicht gesehen!“, fuhr Cameron ihn an. „Wieso sind Sie alle eigentlich noch hier? Habe ich Ihnen etwa keine Arbeit zugewiesen?“, entgegnete er und sah die Kids an. Daraufhin verließen die drei den Raum. Wilson und Dafne hingegen lösten sich endlich voneinander. „Er hat Recht“, sagte Wilson. „Ich habe noch ein paar Patienten. Danach reden wir, ja?“ Dafne nickte nur.
„Ach ja und wo wollt ihr reden?“, gab House zu bedenken. „Wohl kaum bei dir zu Hause Wilson, deine Frau weiß nicht einmal, dass du eine Nichte hast“, schob der Diagnostiker hinterher. „Ja gut, ihr könnt zu mir“, beantwortete er selbst seine Frage und machte eine aufopfernde Geste.
„Danke House.“ Mit aufrichtiger Dankbarkeit sah Wilson seinen Freund an.
„Kann sie hier warten?“, fragte er dann. House sah Wilson irritiert an. „Nein, sehe ich aus wie ein Babysitter?“ Dafne kam ihm zur Hilfe. „Ich habe mir hier ein Zimmer ganz in der Nähe genommen, da kann ich warten.“
„Du musst doch nicht extra Geld dafür rauswerfen, du kannst gern hier warten“, meinte Wilson und sah House tadelnd an.
„Das Geld habe ich doch schon längst rausgeworfen“, merkte Dafne an. „Siehst du!“, beharrte House.
„Komm schon House, was ist denn schon dabei, wenn sie hier einfach wartet?“, fragte Wilson. Das war ihm House schuldig. Er hielt es immerhin jeden Tag mit dessen Launen aus.
„Bitte!“, setzte er nach. Mit einem genervten Schnauben ließ House sich schließlich erweichen. Wilson nickte dankbar. „Dann sehen wir uns später“, meinte er an Dafne gewandt und verließ den Besprechungsraum.
„Dann sind es nur noch zwei“, meinte House bitter und drehte sich zu Dafne, die knappe dreißig Zentimeter kleiner als er war. „Du bist klein für den Alter“, merkte er an. Genervt verdrehte sie die Augen. „Ja toll, das weiß ich. Kommt davon, wenn man in der siebten Klasse mit dem Wachsen aufhört.“ Amüsiert sah House sie an. So etwas musste sie wahrscheinlich oft hören.
„Ich gehe jetzt Leben retten und meine Lakaien nerven, du bleibst hier“, stellte er klar und humpelte zur Tür. „Und nichts anfassen!“, warnte er noch und erhob seinen Stock zur Verdeutlichung seiner Worte. Dafne hob unschuldig die Hände, wobei ihre linke Augenbraue genervt nach oben schnellte. Dann war der Arzt auch schon auf dem Flur verschwunden und Dafne saß in einem der Stühle am Tisch.

Sie schaute ihm noch kurz nach, vergrub dann das Gesicht in ihren Händen und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. All diese Gefühle, die auf sie einströmten. Diese Freude, Erleichterung. Alle Anspannung war von ihr Abgefallen, die Nervosität, die Zweifel, die Angst. Endlich konnte sie erleichtert aufatmen. Er glaubt mir. Es wird alles gut. Sie lachte kurz. Das war alles noch so unwirklich.  Ich habe es geschafft. Ein breites Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie ließ sich in den Stuhl zurückfallen, sah an die weiße Decke. Wieder musste sie lachen. Ihr Herz kribbelte wie es das immer tat, wenn sie einfach nur unheimlich glücklich war. Lächelnd sah sie sich um. Ich bin wirklich im Krankenhaus. Ich habe wirklich mit James gesprochen. Sie konnte es immer noch nicht fassen. „Wow“, brachte sie lächelnd hervor. Sie fühlte sich federleicht. All das Negative, das sie die letzten Tage herunter gezogen hatte, war verschwunden, hatte sich aufgelöst.
Immer noch in ihre fröhlichen Gedanken versunken, merkte sie gar nicht, dass jemand das Zimmer betrat und verwundert vor ihr stehen blieb. „Entschuldigung?“, fragte eine Frau mit dunklen Haaren. Sie trug ein dunkelrotes Kostüm und darüber einen Arztkittel.
„Oh hallo“, gab Dafne zurück und richtete sich auf. „Hat House Ihnen gesagt, dass Sie hier bleiben sollen?“, fragte die Ärztin und schaute sich suchend um. Dafne nickte nur. Was soll ich Ihr nur sagen, wenn sie fragt, wer ich bin? Es ist bestimmt nicht erlaubt, Verwandte hier warten zu lassen.
„Dann sind Sie anscheinend die neue Praktikantin“, schlussfolgerte die Frau und sah tatsächlich erleichtert aus und überrascht. „Öhm, ja genau“, antwortete Dafne, bevor sie überhaupt nachdenken konnte. Mist! Ich muss das sofort aufklären. Gerade, als Dafne sagen wollte, dass sie ja doch keine Praktikantin war, redete die Frau schon weiter.
„Er hat es wirklich getan“, sagte sie und lächelte verwundert.
„Ach, hat er?“, hakte Dafne nach, die nicht genau verstand, wovon die Frau da eigentlich sprach.
„Ich bin froh, dass er Sie aufgenommen hat“, erklärte die Ärztin. „Und Vogler wird das auch freuen. Ich werde ihm sofort davon berichten. Er dachte, House würde sich widersetzten und ehrlich gesagt, habe ich das auch gedacht.“ Dafne wollte ja alles richtig stellen, aber andererseits wollte sie die Frau auch nicht in ihren halben Selbstgesprächen stören. Das wäre ihr unhöflich vorgekommen. Also saß sie einfach da, fühlte sich etwas unwohl in ihrer Haut und beobachtete sie. Sie war bestimmt Mitte dreißig, hatte einen schlanken Körperbau und einen tiefen Ausschnitt.
„Wieso sind Sie nicht bei House?“, riss sie Dafne aus ihren Gedanken. „Ich, ähm. Sollte ich etwa bei ihm sein?“, entgegnete sie. Langsam nickte die Frau. „Ich bin Dr. Cuddy, die Vorgesetzte von House. Ich hatte ihn gebeten, einen Praktikanten einzustellen, weil der Vorgesetzte des Krankenhauses, Mister Vogler, das so wollte. Aber wieso sitzen Sie hier und arbeiten nicht?“
„Ich habe noch keine Kleidung bekommen“, sagte Dafne unbeholfen. Ihr war diese Situation gar nicht geheuer, aber sie wollte House auch nicht reinreiten. Was ist, wenn er schon einen Praktikanten gefunden hatte? Diesen unliebsamen Gedanken verdrängte sie sofort und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf Cuddy.
„Oh okay, dann besorgen wir jetzt welche für Sie“, bestimmte Cuddy und winkte die junge Frau nach draußen. Mit einem flauen Gefühl im Magen, setzte sich Dafne in Bewegung und ging hinter Cuddy her. Sie kamen an mehreren Patientenzimmern vorbei, bis sie schließlich vor einer Art großem Umkleideraum standen. „Hier sind die Schließfächer der Schwestern“, erklärte Cuddy und kramte in einem großen Schrank. „Hier bitte“, sagte sie und hielt der verunsicherten Dafne Krankenschwesterkleidung entgegen. Zögernd nahm sie sie entgegen. „Sie können sich hier umziehen“, sagte Cuddy. Dafne gehorchte und zog sich um. Die Kleidung passt ihr einigermaßen, war nur etwas zu groß. Dass Dafne aussah als wäre sie in einen rosafarbenen Kartoffelsack gekleidet, war eine ganz andere Sache. Sie bedankte sich bei der Ärztin und wartete ab, was jetzt wohl passieren würde.
„Wo wollte House denn hingehen?“, fragte Cuddy. Als Antwort bekam sie nur ein Schulterzucken. Dafne war gerade viel zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, als sich noch zu fragen, wo House gerade war. „Sie sind nicht sonderlich gesprächig, oder?“, setzte Cuddy nach und schaute Dafne kritisch an. Ist doch meine Sache? Um etwas zu provozieren, schüttelte sie nur den Kopf und sah Cuddy weiterhin stumm an. Diese atmete tief durch, holte dann ihren Pieper heraus. „Kommen Sie“, schnaufte Cuddy und ging voraus auf den Korridor.

Nach ein paar Minuten des Wartens hörten die beiden schon House über den Flur kommen. Er bedachte Cuddy mit einem genervten Gesichtsausdruck. Als sein Blick dann zu Dafne wanderte, verlangsamte sich für einen Augenblick sein Tempo etwas, nur um dann schneller zu werden als vorher. „Was soll das?“, fuhr er Cuddy an und nickte in Richtung Dafne. „Das sollte ich wohl eher Sie fragen, House. Es überrascht mich ja positiv, dass sie sich Voglers Anweisungen beugen, aber dann lassen sie ihre Praktikantin nur im Besprechungszimmer? House, so war das nicht gemeint. Sie soll hier tatsächlich arbeiten, deswegen ist sie hier.“
Verdutzt sah House zu Dafne runter, die mit den Schultern zuckte und ein tonloses „Sorry“, mit den Lippen formte. House, der langsam verstand, was wohl vorgefallen sein musste, nickte nur. „Ich hatte eigentlich gehofft, sie verstecken zu können“, gab er ehrlich zu. „Aber damit ist jetzt wohl Schluss. Komm Dafne“, sagte er an Wilsons Nichte gerichtet und wollte sich schon wieder umdrehen, als Cuddys Worte ihn zurück hielten.
„House, seien Sie nett und behandeln Sie sie wie eine richtige Praktikantin. Vogler wird ihnen öfter einen Besuch abstatten.“ Sie bedachte House mit einem ernsten Blick, nickte Dafne zu und ging dann. House schaute noch kurz ihrem Hinter hinterher, typisch Mann, löste dann jedoch seinen Blick und sah Dafne vorwurfsvoll an. „Ist es so schwer einfach ruhig und leise auf einem Stuhl zu sitzen, ohne dass gleich meine Chefin reinkommt und dich in den Betrieb des Krankenhauses aufnimmt?“
„Tut mir Leid, ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Und sie hat mir eine gute Vorlage gegeben“, rechtfertigte sich Dafne. „Außerdem hätten Sie doch eh wen einstellen müssen.“
„Ja, aber das hatte ich nicht vor!“
„Ich kann ja nach einem Tag wieder gehen“, schlug Dafne vor.
„Nein“, brummte House. „Dann brauche ich ja wen Neues. Vogler wird nicht locker lassen. Wie ich diesen Kerl nicht ausstehen kann!“ Schweigend stand Dafne neben House und hörte sich eine Menge unfreundliche Schimpfwörter an, die sie teils noch nie in ihrem Leben gehört hatte und diese auch nie hören wollte, mit denen House diesen Vogler bedachte. Währenddessen gingen die beiden den Flur entlang.
„Und was ist jetzt genau?“, fragte Dafne, nachdem sich der Arzt wieder etwas beruhigt hatte. „Vogler wird mich wahrscheinlich feuern, wenn ich keinen Praktikanten habe. Du bleibst“, schob er missmutig hinterher. Überrascht blieb Dafne stehen. Was? Nein!
„Das geht nicht!“, erklärte sie, während sie zu House aufschloss, der unbeeindruckt weiter gegangen war. „Du willst es tatsächlich verantworten, dass ich meinen Job verliere?“, fragte House gespielt geschockt und sah Dafne mit großen Augen an.
„Suchen Sie sich doch einfach einen Praktikanten, der hier auch wirklich arbeiten will. Davon gibt es bestimmt viele“, meinte Dafne.
„Ich will aber keinen Praktikanten“, beschwerte sich House kindisch und sah Dafne trotzig an. Kann er nicht einmal ernst bleiben? So langsam tat Cuddy ihr Leid. Sie hatte bestimmt einiges zu tun mit House.
„Würden Sie deswegen ihre Arbeit aufs Spiel setzen?“, fragte Dafne ungläubig. So stur konnte doch niemand sein!
„Nein, deswegen wirst du ja auch bleiben“, beschloss House und öffnete eine Tür zu seiner rechten, winkte Dafne hindurch. Sie achtete gar nicht auf das, was wohl hinter der Tür war und sprach einfach weiter mit dem Arzt. „Das geht aber nicht. Ich habe nicht die geringste Ahnung von Medizin!“, merkte Dafne an und sah zu House. Der machte nur eine abfällige Handbewegung und ging weiter in den Raum hinein, der dunkler war als der Flur. Dafne drehte sich um und erblickte die drei Ärzte von vorhin.

Cameron saß vor einem Bildschirm, den sie angestrengt beobachtete. Foreman saß neben ihr und unterhielt sich mit Chase, der auf einer Kommode hinter Cameron saß. Als House und Dafne eintraten, unterbrachen sie ihr Gespräch. Nur Cameron schaute weiter auf den Bildschirm. Dahinter war eine große Glasfront eingebaut worden, von der aus man in einem Raum mit einem MRT-Gerät sehen konnte.
„Wieso ist sie hier?“, fragte Foreman und deutete auf Dafne. „Sie ist unsere neue Praktikantin“, freute sich House und schob Dafne auf einen Stuhl zwischen Foreman und Cameron, die jetzt erst aufschaute. „Aber das geht nicht!“, protestierte diese. „Sie hat sich gar nicht beworben. Und außerdem, vielleicht bleibt sie gar nicht so lange hier. Sie kann jeder Zeit wieder nach Hause. Was soll das, House?“
„Vogler will, dass ich einen Praktikanten einstelle“, erklärte House seinem verwirrten Team. „Und hier ist sie.“ Er zeigte mit einer ausladenden Geste auf Dafne. „Problem gelöst“, schloss er seinen Vortrag. Foreman schüttelte lächelnd den Kopf und sah dann auf einen weiteren Monitor. Cameron hingegen wollte House‘ Regelverstoß nicht so einfach hinnehmen.
„Das ist gegen die Vorschrift“, erklärte sie. „Wenn Vogler das erfährt, werden sie gefeuert!“ Besorgt sah sie ihren Chef eindringlich an. „Dann darf es eben niemand erfahren“, fuhr House sie an. Gerade als die gewissenhafte Ärztin etwas erwidern wollte, brachte er sie mit einem kalten Blick zum Schweigen.
„Studierst du wenigstens etwas, das annähernd in die Richtung von Medizin geht?“, fragte Chase. „Falls du überhaupt studierst und keine Ausbildung machst“, schob er vorsichtig nach.
„Kunst des Mittelalters und der frühen Renaissance“, antwortete Dafne und sah einen überraschten Chase an. „Das ist wohl das Gegenteiligste, was du hättest tun können!“, lachte er. Foreman schüttelte wieder einmal den Kopf. „House, das wird nicht gut gehen“, merkte er an. Cameron verkniff sich jeden weiteren Kommentar.
„Das wird schon irgendwie“, versicherte Dafne. „Solange einer von euch Ärzten in meiner Nähe ist, sollte das doch eigentlich kein Problem sein.“ Sie hatte eingesehen, dass es keinen Zweck machte, weiter mit House darüber zu diskutieren. Und so ergebe ich mich willenlos meinem Schicksal.
„Was ist mit Cuddy?“, fragte Cameron schließlich, ohne jemanden dabei anzusehen. „Was soll mit ihr sein?“, fragte House pampig.
„Weiß sie von Dafne?“
„Sie weiß von meiner Praktikantin.“ Cameron verdrehte die Augen, stand dann auf um den Patienten aus der Röhre zu holen. Chase half ihr dabei. „Das MRT war unauffällig, House“, merkte Foreman an. „Da ist nichts.“
House jedoch schüttelte nur den Kopf und nickte dann. Er verschwand abrupt aus dem Zimmer. „Was war das denn gerade?“, fragte Dafne ihren neuen Kollegen verwirrt. „Nicht wundern“, antwortete dieser. „Das ist House. So etwas wird noch öfter passieren.“ Er zuckte mit den Schultern. „Komm mit“, sagte er. „Wir gehen ins Besprechungszimmer.“ Gemeinsam verließen sie den Raum.

Es dauerte nicht lange und Chase kam mit Cameron zusammen durch die Glastür. Beide setzten sich zu Dafne und Foreman an den Tisch. Nur von House fehlte jede Spur. Dann fingen die  Ärzte damit an, den Fall zu diskutieren. Unbeteiligt saß Dafne da und hörte den Ärzten zu, wobei sie nicht gerade viel verstand.
„Das MRT zeigte keine Fachwort“, sagte Foreman. Zustimmend nickten seine Kollegen. „Kein Fachwort und auch kein Fachwort." Wovon reden die nur? Hätte ich mal Latein gelernt in der Schule.
„Was sieht House da nur?“, fragte Cameron und ließ sich seufzend gegen die Lehne fallen. „Ich habe gerade die Laborwerte geholt“, sagte Chase und breitete mehrerer Blätter auf dem Tisch aus. „Die Fachwort-Werte sind erhöht.“
„Das kann an der OP liegen“, meinte Foreman und sah sich das genauer an. „Könnte“, entgegnete Chase und redete weiter. „Oder aber er leidet an Fachwort."
"Fachwort?", fragte Cameron aufmerksam. „Aber das würde ja heißen, er hätte eine Fachwort, was ein Fachwort hervorrufen könnte."
Foreman nickte langsam. „Das ist gar nicht so abwegig.“
„Aber das würde ja bedeuten, dass er vorher ein Fachwort gehabt hätte, was dann zu einem Fachwort wurde. Das ist höchst unwahrscheinlich“, gab Cameron zu bedenken.
In diesem Moment kam ein kauender House ins Büro, eine Sandwichhälfte in der Hand haltend. „Und, was haben Sie gefunden?“, fragte er schmatzend und stellte sich vor den Tisch.
„Wir vermuten ein Fachwort-Leiden“, antwortete Chase. „Hm, interessant“, House schluckte und biss erneut in sein Sandwich. „Interessant? Das ist alles?“, wollte Chase wissen, der mehr erwartet hatte.
„Was sagt denn unsere Praktikantin dazu?“, fragte House neckisch und wandte sich zu Dafne. „Ja“, begann diese zögerlich. „Hört sich alles sehr wissenschaftlich an. Medizinkram und so. Die machen gute Arbeit“, fügte sie hinzu. Wieder biss er ab.
„Woher haben Sie denn auf einmal das Sandwich?“, fragte Chase. „Sie haben doch nie Essen dabei.“
„Ist von Wilson“, nuschelte House zwischen Brot und Putenbrust. Er klaut ihm sein Essen? „Was ist mit den Fachwort?“, fragte er. Cameron schüttelte den Kopf. „Alles unauffällig.“
„Ja dann“, sagte House und schluckte seinen letzten Bissen hinunter. „Machen Sie eine Fachwort und nehmen Sie nochmal Blut ab für einen Fachwort-Test."
"Was? Aber das ergibt überhaupt keinen Sinn", warf Foreman in die Runde.
"Ein Fachwort-Test bringt doch gar nichts“, mischte sich Cameron ein.
„Tun sie’s oder lassen sie den Mann sterben“, fuhr House seine Ärzte an. „Und nehmen Sie Dafne mit“, fügte er hinzu und verschwand durch eine angrenzende Glastür in seinem Büro.
„Gut, dann gehen wir mal“, sagte Foreman und sah die Kunststudentin auffordernd an. „Ich komme mit, habe gerade eh nichts zu tun“, sagte Chase. Cameron wollte hingegen noch weiter in der Patientenakte lesen.

„Guten Tag Mr. Moore.“ Foreman nickte höflich und schob dann die Tür hinter seinen Kollegen zu. Im Patientenbett lag ein mindestens neunzig jähriger Mann. Sein Gesicht war von Falten durchzogen, seine wenigen schneeweißen Haare standen ihm wirr vom Kopf ab und seine Hände waren fast so knochig wie die eines Skeletts. In dem Raum lag der Geruch von alten Menschen, weswegen Chase zum Fenster ging und es auf Kipp stellte. Der Mann stirbt doch eher an Altersschwäche, als an irgendeiner anderen Krankheit.
„Was haben Sie gesagt?“, krächzte der alte Mann und hielt sich eine Hand ans Ohr. Foreman stöhnte kurz auf, wiederholte sich dann aber etwas lauter.
„Dieser Tag ist alles andere als gut!“, erwiderte der Kranke. „Wieso bin ich noch hier? Ich will nach Hause!“ Motzig verschränkte er die Arme vor der Brust. Dafne konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Genauso stur wie House.
„Wir denken, Sie haben etwas Schlimmeres“, versuchte Foreman zu erklären, doch der Alte unterbrach ihn. „Ich habe nichts!“, schimpfte er. „Mein ständig entzündeter Blinddarm ist draußen! Lassen Sie mich jetzt endlich nach Hause gehen, dort warten meine Blumen auf mich, die gegossen werden wollen.“ Der Arzt beachtete ihn erst gar nicht, sondern holte eine Nadel, sowie ein paar Fläschchen aus einer Kommode.
„Wir nehmen Ihnen Blut ab“, sagte Foreman und stellte sich links neben das Patientenbett. „Was wollen Sie?“, fragte der Alte, doch als er die Nadel sah, verstand er.
„Nichts da!“, rief er und fuchtelte mit den Armen. „Sie haben mir schon einmal Blut abgezapft. Den Rest behalte ich lieber für mich!“
„Das ist eine reine Routineuntersuchung“, log Foreman. „Nach der OP wird das immer gemacht.“ Das schien den Mann etwas zu beruhigen und er hörte auf, sich wehren zu wollen. Guter Plan.
Chase trat in der Zwischenzeit auf die andere Seite des Bettes. „Gibt es irgendwelche chronischen Krankheiten in Ihrer Familie?“, fragte dieser.
„Wer ist das?“, fragte der alte Mann, fixierte Dafne mit seinem Blick und machte keine Anstalten, Chase zu antworten. „Das ist unsere Praktikantin, Dafne.“
„Ach ja? Sie studieren Medizin?“, fragte er und sah sie skeptisch an. Dafne, die relativ nah am Eingang des Zimmers stehen geblieben ist, trat ein paar Schritte ans Bett. „Noch nicht“, sagte sie zögerlich. „Das ist mein Praktikum vor dem Studium, das ich absolvieren muss.“
Geschockt drehte sich der Patient zu Chase. „Sie lassen hier eine Unwissende zu mir ins Zimmer? Sie hat doch keine Ahnung von dem, was Sie hier tun!“, schimpfte er.
„Keine Sorge“, sagte Dafne etwas angesäuert. „Ich werde nur zusehen. Bei allem.“ Sie müssen ja nicht gleich so unhöflich sein. Ich will genauso wenig hier sein, wie Sie mich hier wollen.
Der Mann wollte gerade etwas entgegnen, als Foreman ihm die Nadel in den Arm schob.
„HE!“, rief der Mann. „Seien Sie gefälligst vorsichtig! In meinem Alter steckt man das nicht mehr so leicht weg, wenn einem eine Nadel in den Arm gerammt wird!“
Foreman schnaufte leise und ignorierte den Mann. Dieser verstand dessen Geste wahrscheinlich als stille Scham, weswegen er nichts mehr sagte.
„Was tun Sie hier eigentlich?“, fuhr er Chase an, der die Szene gerade belustigt mit angesehen hatte. Sofort wurde sein Gesicht wieder ernst. „Ich wollte Sie nach ihrer medizinischen Vorgeschichte fragen“, antwortete er.
„Die habe ich dieser anderen Schwester schon längst gegeben, vor der OP“, sagte der alte Mann. „Hapert es hier an der Kommunikation? In was für einem Saftladen bin ich eigentlich gelandet? Nichts klappt! Nicht einmal richtig Blutabnehmen können Sie hier!“
Foreman zog rasch die Nadel aus seinem Arm und wandte sich an seinen Kollegen. „Wir gehen“, sagte er knapp und machte sich auf Richtung Tür. Chase nickte und folgte ihm. Dafne verabschiedete sich noch und trat dann ebenfalls hinaus auf den Korridor.
„So wird House also in fünfzig Jahren sein“, meinte Foreman. „Ich bringe das ins Labor und lasse es auf Fachwort testen.“
„Okay, wir gehen wieder“, sagte Chase nickend. „Komm mit“, meinte er an Dafne gewandt. So gingen die beiden wieder zurück und Foreman steuerte das Labor an.

„Wieso studiert man Kunst des Mittelalters?“, fragte der blonde Arzt nach ein paar Schritten. Ein Lächeln huschte über Dafnes Gesicht. Und wieder einer! „Das fragen mich erstaunlich viele“, sagte sie. Erwartungsvoll sah er sie an.
„Ich finde Kunst einfach faszinierend. Im Allgemeinen, wegen ihrer Lebendigkeit. Man kann so viel über Bilder ausdrücken. Mit Musik verhält es sich ähnlich, aber über Bilder wird man auf eine andere Art und Weise angesprochen. Diese Bilder halten Augenblicke eines Lebens fest, die dadurch unsterblich werden. Sei es etwas Mythologisches, das dort eingefangen wird auf der Leinwand oder aber etwas Religiöses. Oder auch nur eine Familie beim Essen, ein Priester, ein Stillleben. Der Maler bringt so viel von sich selbst in das Bild mit ein, seine Persönlichkeit, seine Gefühle. Das ist unglaublich, so etwas nach und nach zu entdecken. Außerdem ist das Mittelalter eine so spannende Epoche!“ Sie sah ihn mit strahlenden Augen an und er kam nicht umhin, zu lächeln. In ihrer Stimme spiegelten sich ihre ganzen Emotionen, die er in ihren Augen sah. Freude, Faszination und auch etwas Sehnsucht. Er lächelte sie weiterhin an. „Das hast du schön gesagt“, meinte er nur und wäre dabei fast in eine Krankenschwester gelaufen, die ebenfalls nicht auf den Weg geachtet hatte.
„Entschuldigung“, rief er ihr hinterher, dann wandte er sich wieder an die Studentin.
„Ich denke, ich verstehe, was du meinst“, sagte er dann. Dafne nickte, immer noch lächelnd. „Und was machst du dann am Ende mit deinem Studium?“, fragte er und hielt ihr die Tür zum Besprechungsraum auf. Dafne bedankte sich und huschte hinein, nahm auf einem Stuhl Platz. Chase setzte sich ihr Gegenüber neben Cameron, die über der Patientenakte brütete. „Ich würde liebend gern Ausstellungen planen und begleiten“, antwortete sie. „Oder restaurieren, das kann ich mir auch gut vorstellen. Ich weiß es noch nicht genau.“
„Nicht schlecht“, meinte Chase.
„Leben retten aber auch nicht“, entgegnete Dafne und lachte.
Foreman kam gerade in den Raum. „Der Fachwort-Test dauert vierundzwanzig Stunden, wir haben also Zeit“, berichtete er, schnappte sich seine Jacke von einem Stuhl, dann noch seine Tasche und ging Richtung Tür. „Wir sehen uns dann morgen“, sagte er und verabschiedete sich. In diesem Moment kam House aus seinem Büro. „Alles erledigt?“, fragte er und schaute Foreman nach, der gerade um eine Ecke bog und aus seinem Blickfeld verschwand. „Ja, ganz wie Sie es wollten“, sagte Chase und lehnte sich zurück.
„Gut“, murmelte House in Gedanken. „Dann bleiben Sie und Cameron hier, zur Überwachung des Patienten. Dafne und ich werden gehen.“
„Wieso müssen wir hier bleiben?“, mischte Cameron sich jetzt ein. „Es ist doch gar nichts mit ihm!“
Auch Chase stöhnte genervt auf. „Haben Sie eine Ahnung, wie anstrengend und nervig dieser Patient ist? Ständig meckert er an uns rum.“ House verzog das Gesicht zu einer traurigen Grimasse. „Oh nein, das tut mir aber Leid, wenn das so ist, dann gehen Sie nur nach Hause und weinen sich aus! Der Patient liegt ja nur gerade im Sterben!“, sagte er sarkastisch und erntete dafür einen zornigen Blick von Chase.
Doch davon ließ er sich gar nicht beeindrucken. „Wir gehen“, sagte er an Dafne gewandt, schulterte seinen Rucksack und verließ den Raum. Dafne stand auf, verabschiedete sich von den Ärzten, wünschte noch eine angenehme Arbeit und lief dann House hinterher, der schon am Fahrstuhl stand. „Ich brauche noch meine Sachen!“, sagte sie und flitzte ohne eine Antwort abzuwarten zum Umkleideraum. Dort angekommen zog sie sich rasch um und ging dann wieder zu House, der genervt auf sie wartete.
„Was kann ich dafür, dass Sie mich eingestellt haben?“, fragte sie vorwurfsvoll. „Oh und wir müssen auch noch zu meinem Hotel, meine Sachen holen und ich muss auschecken.“ House sagte nichts mehr und betrat den eben angekommenen Fahrstuhl. „Wilson ist was dazwischen gekommen“, sagte House. „Er wird sofort danach zu mir nach Hause kommen. In der Zwischenzeit erledigst du deinen Kram.“  Na, das kann ja lustig werden mit House allein zu sein.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast