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Im Zwielicht gibt es keine Schatten

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P12 / Gen
Japan OC (Own Character) Russland
13.09.2015
12.02.2022
9
25.115
4
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Dieses Kapitel
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13.09.2015 1.185
 
Hallo und herzlich Willkommen zu dieser FF!
ja, liebe Leser... ich kann mir euer Gesicht lebhaft vorstellen. 'Was denn, noch 'ne FF???' Ja, noch eine neue FF. Es tut mir leid, aber ich brauche einfach eine Pause von Bleach und WaCa. Es tut mir leid. Dafür kam mir Hetalia grade recht. Der Plot steht; vorgeschrieben ist momentan bis Kapitel 4. Nur dieses Kapitel ist so kurz, da es sich um den Prolog handelt. Der Rest wird zunehmend länger.
Anmerkung für alle Leser: Googelt es nicht. Das wird euch den Spaß an der FF versauen, glaubt es mir.
Für die korrekte Verwendung historischer Eigennamen/Orte/etc. übernehme ich keine Garantie. Die so auftretenden Akteure/Schauplätze/usw. haben langfristig gesehen keine Bedeutung für die Geschichte. Sollte es zu Komplikationen kommen oder ich unwissentlich ein zu sensibles Thema aufgreifen - es wäre lieb, mich darauf hinzuweisen. Danke.
Aber genug der Vorrede. Viel Spaß beim Lesen dieser FF!
Freundliche Grüße,
Soul


Russischer Winter auf der Insel… deiner Insel…dir? Schnaubend vor Vergnügen stießest du einige Atemwolken aus wie eine stockende Dampflok. Die Eiseskälte kroch in deine Kleidung hinein. An deinen Strümpfen entlang, in den weiten Rock langsam immer höher. Entspannt schlossen sich deine Augen. Frostiger Nordwind verwirbelte deine Haare. Väterchen Frost hatte sich dieses Jahr nicht lumpen lassen, hatte nicht an Eis und Schnee gespart. Sanft rieselten noch die letzten weißen Flocken vom Himmel herab, bedeckten die schlechten Verkehrswege mit ihrem unschuldigen Antlitz. Im Licht der altmodischen Straßenlaterne wirkte die Landschaft unwirklich; fast als sei sie soeben einem Traum entsprungen. Ihr blasser Schein wirkte tröstlich in der kalten Nacht, in der nur die Sterne ihr schwaches Glimmern entsandten, so unglaublich weit entfernt. Langsam schrittest du durch die Finsternis hindurch. Einmal kreuzte ein weißer Hase deinen Weg, doch er verschwand schleunigst wieder, kaum dass er das Knarzen deiner Stiefel vernommen hatte. Dein Weg durch die Stadt wurde von niemanden bemerkt. In den kleinen Hütten brannte Licht und aus den Schornsteinen stiegen Rauchwolken auf. Irgendwo schlug eine Turmuhr zwölf.
„С Рождеством Христовым“, murmeltest du. Frohe Weihnachten. Aber niemand vernahm deine Worte; der Wind trug die Laute fort. Für einen Augenblick spürtest du einen schmerzhaften Stich der Einsamkeit in deiner Brust, weil niemand da war, mit dem du das Fest feiern konntest. Zuhause war niemand, der auf sich wartete. Da war niemand, der dich begrüßte, wenn du die Schwelle übertratst. Du warst alleine. Schon sehr lange alleine. Im Stillen beschlosst du, deiner Verwandtschaft auf dem Festland eine Karte zu schreiben, ahntest aber bereits jetzt schon, dass es bei dem Gedanken bleiben würde. Langsam gingst du weiter. Die Stadt, deine Stadt versprühte einen winzigen Hauch des Mitwinter-Charmes, aber war so einem verschlafenen Nest des vergangenen Jahrhunderts gleich. Kleine Hütten aus unbehauenen Holz gezimmert lagen dicht aneinander gedrängt; an ihren kleinen Fenster blühten Eisblumen. Nun im Jahre 1904 wirkte die Ortschaft verloren in der schier unendlichen Düsternis. Es war so, als hätte hier nie die Industrialisierung Einzug gehalten. Die meisten die hierher kamen, dich besuchten, verließen dich wieder mit einem geschockten Ausdruck, nachdem sie gesehen hatten, was hier alles geschehen war.
Deine nicht allzu ruhmreiche Vergangenheit haftete dir einfach an wie andere Leuten einen besonderen Mantel trugen. Darum war es auch ausgerechnet dieser Augenblick, der sich für immer in dein Gehirn brennen sollte. Es war der 8. Januar des Jahres 1904 kurz nach zwölf, als eine friedliche Stimmung über deiner Heimat lag, während du dir schworst, dass du eines Tages stark sein würdest. Im tiefsten Schnee allein auf der Straße hatte dein Leben innerhalb eines Atemzuges eine Wendung genommen, wie du sie nie für möglich gehalten hättest. Du hattest keine Ahnung, was in naher Zukunft passieren sollte. Du hattest überhaupt keine Vorstellung von den Dingen, die bereits jetzt weit entfernt von dir geschahen. Die besorgten Gesichter sahst du nicht einmal. Die Gewitterwolke, die gemächlich den Küstenstreifen entlangschwebte, bemerktest du kaum. Sie wirkte so belanglos, nur störend in dem wunderschönen Wunderland um dich herum. Dass sie sich bald entladen würde, konntest du dir nicht vorstellen. Dass sie überhaupt eine Gefahr darstellte ebenso wenig. Aber sie würde es tun.
Nur warst du zu beschäftigt in deiner Welt. Prächtige Weihnachtsumzüge, lauthals geschmetterte Volkslieder, lachende Gesichter füllten langsam die Straßen. Es herrschte eine glückliche Stimmung, denn es war ja Weihnachten. Ein Fest, wo es keine trüben Gedanken gab. Ein leicht seliges Lächeln legte sich auf deine Lippen. Du spaziertest scheinbar unbeteiligt zwischen ihnen durch, doch dabei vergaßest du völlig, dass du dir all diese Dinge nur einbildest. Sie waren nur Fantasiewesen. Dies wurde dir schmerzlich bewusst, als du die Straße herabblicktest. Fast konntest du es immer noch hören, das Rasseln der Ketten. Das Ächzen der Menschen, die hier geschuftet hatten. Ein weiteres Fragment aus deiner Geschichte. Ein einziges Wort: Strafkolonie.
Es waren keine Menschen auf den Straßen zu sehen. Niemand war da außer du. Irgendwo in der Ferne bellte heiser ein Hund. Für einen weiteren Moment überschwappte dich eine Welle der Melancholie, doch kaum einen Schlag deiner von Eis verkrusteten Wimpern später strafftest du deine Schultern wieder entschlossen. „Давай“, sagtest du mehr zu dir selbst im vollen Bewusstsein, dass nur du anwesend warst. Los. Es war an der Zeit zu gehen. Also setztest du deinen Weg durch das Schweigen der Welt fort. An manchen Stellen der Straße hatten sich Pfützen gebildet, waren gefroren und hatten eine spiegelgatte Eisfläche hinterlassen. Ihr Glitzern schimmerte im Schein der Laternen. Aus einigen Häusern kamen Geräusche. Mal ein raues Lachen, doch der Nordwind übertünchte alles mit seinem schrillen Geheul. Du frösteltest ein wenig. Deine Nase durfte inzwischen eingefroren sein und deine Finger spürtest du auch längst nicht mehr. Etwas Warmes wäre jetzt schön. Der Saum deiner Kleidung saugte sich langsam mit Wasser voll, zog dich ein bisschen herunter.
Eine Ladung Schnee rutschte ein Dach herunter und fiel zu Boden, wobei tausende funkelnde Partikel aufstoben, sich tanzend wieder zur Ruhe betteten. Es würden noch einige Monate ins Land ziehen, bis endlich die Schmelze einsetzte. Eine kräftige Windbö wehte dir ins Gesicht, verwirbelte deine Haare und brannte schmerzhaft auf der Haut. Es war jedes Jahr dasselbe. Du seufztest leise. Dein Atem schien zu gefrieren. Aber dann… dann geschah etwas, was dich für lange Zeit beschäftigen sollte. Eine einzelne Träne bildete sich in deinem linken Auge, rollte langsam deine Wange herunter und hinterließ eine dünne Spur, ehe sie kurz danach auf deiner Haut gefror. Es kribbelte ein bisschen.
Warum du flenntest, das wusstest du selber nicht. Doch diese eine Träne hatte etwas Tröstliches in der Leere hier. Niemand bemerkte dich, wie du dort standst, allein in der Dunkelheit, lächelnd und weinend zugleich, hätte dich niemand für das gehalten, was du in Wahrheit warst. Kein Mensch, aber auch kein Gott. Kein Tier, aber ein Lebewesen. Etwas was niemand für wirklich möglich gehalten hätte. Und du selber wusstest nur eines: Dass du an den Namen glaubtest, den dir einer deiner Verwandten vor einer langer Zeit mal gegeben hatte. Etwas anderes hättest du nie für möglich gehalten. Erst recht nicht, dass demnächst etwas gesehen sollte, was deine ganze Welt zum Einsturz bringen und dich in die Tiefe reißen würde.
Und dein Name ist Sachalin.
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