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Da geht noch was

von KBRC87
GeschichteDrama, Humor / P16 / Het
Kate Beckett Richard Castle
13.09.2015
08.01.2019
7
9.794
8
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
08.09.2018 1.923
 
Dieser Oneshot fügt sich nahtlos an das Ende der Folge 3x19 - Tod eines Geschworenen (Law & Murder) an.

Viel Spaß!


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Alarm im Weltall

Mal wieder war ein Mordfall aufgeklärt. Und abermals war der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Castle von Detective Beckett für die Nacht verabschieden musste. Den ganzen Tag über hatte der Schriftsteller überlegt, wie er Kate überreden konnte, mit ihm ins Kino zu gehen, um sich einen seiner Lieblingsfilme anzusehen. Aber es hatte sich nie wirklich eine Gelegenheit zum Fragen ergeben. Jetzt hatte er nur noch eine Chance.

„Und, Pläne mit Josh heute Abend?“ Castle stöhnte innerlich auf und schüttelte über sich selbst den Kopf. Gute Idee, die Frau, mit der man den Abend verbringen wollte, nach ihrem Freund zu fragen.

„Nein, er hat Nachtschicht“, antwortete Beckett. „Ich hatte eigentlich vor, ins Angelika zu gehen, da läuft Alarm im Weltall.“

Castle war so überrascht, dass er für einen Augenblick sprachlos war. Das war genau der Film, den er sich mit Kate zusammen anschauen wollte und nun hatte sie selbst die Sprache darauf gebracht. Jetzt bloß keinen Fehler machen.

Einer plötzlichen Eingebung folgend, beschloss Rick vorzugeben, er würde den Film nicht kennen. Sofort fing Beckett an zu schwärmen, wie toll Alarm im Weltall war, dass der Film die Inspiration für spätere Science-Fiction-Filme gewesen war und Leslie Nielsen in seiner ersten großen Filmrolle zeigte, bevor er zum Komikergenie wurde. Sie lud Castle spontan ein und meinte, er würde diesen Film auf jeden Fall lieben. Wenn Beckett wüsste.

„Ich habe schon Pläne für heute Abend“, behauptete Rick gespielt gleichgültig. Martha wäre stolz auf seine Schauspielkünste.

„Jetzt nicht mehr“, konterte Kate resolut und schnappte sich ihre Autoschlüssel.

„Na gut“, gab Castle schnell nach und folgte ihr lächelnd zum Aufzug.

Den ganzen Weg bis zum Kino erzählte Beckett immer wieder von der Handlung des Films und auf welche Dialoge und Szenen Castle besonders achten sollte. Rick hörte nur mit einem Ohr zu, denn er war zu abgelenkt von der Begeisterung, die Kate für diesen Film an den Tag legte. Ihre Augen leuchteten und sie strahlte über das ganze Gesicht. Rick freute sich so sehr auf den Abend mit seiner Partnerin, dass er am liebsten laut jauchzend in die Luft gesprungen wäre, aber er riss sich zusammen und versuchte aufmerksam Becketts Ausführungen zu folgen.

~~~


Natürlich wollte Castle bezahlen, aber Beckett kam ihm zuvor und schob ihre Kreditkarte über den Tresen, um die beiden Kinokarten und die Snacks zu bezahlen. „Ich habe doch gesagt, dass ich Sie heute Abend einlade“, sagte sie vorwurfsvoll.

„Ist ja gut“, meinte Castle resignierend und steckte seine Geldbörse wieder in die Gesäßtasche. Er griff nach dem großen Becher mit Popcorn und den beiden Getränkeflaschen. „Ich bezweifele, dass die Cola Light die extra Butter auf dem Popcorn wieder wettmacht. Wo lassen Sie das bloß alles, Beckett?“, fragte er und musterte seine Partnerin schmunzelnd von oben bis unten.

„Wenn Sie so weitermachen, beende ich den Abend hier auf der Stelle“, antwortete Kate und stemmte dabei theatralisch die Hände in die Hüften. „Und Sie bekommen keine von meinen Junior Mints ab.“ Sie schüttelte die Packung mit den Schokolinsen und ging herausfordernd grinsend an ihm vorbei. „Wollten Sie nicht auch unbedingt Süßigkeiten und Popcorn?“

„Ich habe ja eine süße Begleitung“, murmelte Castle leise und beeilte sich, hinter Beckett herzukommen. Denn er trug zwar das Popcorn und die Getränke, aber sie hatte die viel wichtigeren Eintrittskarten.

Die Vorstellung war nicht wirklich gut besucht, nur circa ein Drittel der Plätze waren belegt. Deshalb war Castle überrascht, als Beckett sich auf dem rechten Platz eines Loveseats in einer der hinteren Reihen niederließ.

Ohne die Platzwahl weiter zu kommentieren, reichte Rick seiner Partnerin die Cola Light und stellte sein alkoholfreies Bier in den Getränkehalter auf seiner Seite. Er setzte sich links neben Beckett und überlegte, was er mit dem Popcorn machen sollte. Oh, vielleicht hatte sie den Zweiersitz ohne Armlehne ausgewählt, damit der große Becher zwischen ihnen stehen konnte und sie beide guten Zugriff darauf hatten. Castle setzte seine Erkenntnis in die Tat um und Beckett langte sofort in den Becher. Rick beobachtete, wie sich Kate zwei oder drei Stücke Popcorn in den den Mund steckte, eine Schokolinse hinterherschob und genüsslich kaute.

„Wenn Sie so einen Hunger haben, hätten wir vielleicht vorher zu Remy's gehen sollen“, bemerkte Castle und nahm sich ebenfalls Popcorn.

„Ich habe keinen Hunger“, erklärte Beckett. „Aber die dunkle Schokolade mit der cremigen Minzfüllung und dazu das salzige, buttrige Popcorn... mmh... das ist der perfekte Geschmack.“ Kate reichte ihm die Junior Mints. „Probieren Sie mal.“

„Okay“, sagte Castle skeptisch, nahm sich eine Schokolinse und steckte sie zusammen mit etwas Popcorn in den Mund. „Oh, wow, eine echte Geschmacksexplosion“, bestätigte er begeistert mit vollem Mund. „Darf ich noch eins haben?“

„Sicher.“ Beckett hielt Rick genau in dem Moment die Schachtel hin, als das Licht komplett ausging und der Hauptfilm begann.

Castle wurde von dem Film sofort wieder in den Bann gezogen, obwohl er ihn schon viele Male gesehen hatte. Er ertappte sich dabei, wie er einzelne Dialoge mitsprach und vor besonders spannenden Szenen in seinem Sitz nach vorne rutschte. Vorsichtig schielte er zu seiner Partnerin rüber, aber die hatte ihren Blick starr auf die Leinwand gerichtet und Rick redete sich ein, dass sie nichts gemerkt hatte.

Anfangs war Castle noch darauf bedacht, nicht gleichzeitig mit Kate ins Popcorn zu greifen, aber im Laufe des Filmes wurde das immer schwieriger, denn sobald Rick sich Popcorn nahm, war auch Becketts Hand in dem Becher. Konnte das noch Zufall sein?

Jedes Mal, wenn ihre Hände sich berührten, fühlte der Schriftsteller ein Kribbeln in den Fingerspitzen, fast wie ein leichter Stromschlag. Wäre das Popcorn nicht schon aufgepoppt, würde es jetzt explodieren. Wieder blickte Rick zu Kate rüber, aber immer noch hielt sie ihren Blick geradeaus gerichtet. Vielleicht bildete er sich das Ganze auch nur ein.

Irgendwann war der Film zu Ende, das Popcorn und die Junior Mints waren aufgegessen, die Getränke ausgetrunken und das Licht ging wieder an.

„Wollen wir noch zu Remy's?“, fragte Castle unsicher, denn er wollte sich seiner Partnerin nicht unnötig aufdrängen. „Ich bin eigentlich satt nach dem vielen Popcorn.“

„Ich auch“, bestätigte Beckett. „Aber ich würde gerne noch einen Milchshake trinken.“ Sie sah ihn herausfordernd an, während sie sich zwischen den Sitzreihen dicht an ihm vorbeidrückte. „Und außerdem müssen Sie mir unbedingt noch erklären, warum Sie mich angelogen haben.“

Sofort schoss Castle der Schweiß aus sämtlichen Poren seines Körpers. Shit, sie hatte ihn durchschaut. Zögerlich erhob er sich aus dem Kinosessel und stolperte hinter Beckett her zum Ausgang.

~~~


Beckett blickte sich nicht um, während sie zügig aus dem Kino Richtung Auto ging. Sie wusste, dass Castle ihr folgte und ein paar Sekunden später hörte sie, wie er sie stöhnend eingeholt hatte. Es war so einfach, ihn in Atemnot zu bringen.

Die kurze Fahrt zu Remy's verlief schweigend. Beckett hielt ihren Blick eisern auf die Straße gerichtet, sah aber aus den Augenwickeln, wie Castle unruhig im Beifahrersitz hin und her rutschte, als würde er fieberhaft überlegen, was er sagen könnte. Kate war nicht wirklich sauer darüber, dass Rick geflunkert hatte, sie verstand nur nicht, warum er es gemacht hatte.

Im Diner angekommen setzten sie sich gegenüber an ihren üblich Tisch. Beckett bestellte wie immer einen Erdbeermilchshake und Castle, auch wie immer, einen mit Schokoladengeschmack. Kate musste ihr Schmunzeln unterdrücken, als sie die Schweißperlen auf Castles Stirn sah. Sollte er ruhig noch etwas zappeln und denken, er wäre in argen Schwierigkeiten.

Aber er kam ihr zuvor. „Es tut mir sehr, sehr leid“, sagte Rick mit ernstem Gesichtsausdruck, lehnte sich etwas über den Tisch und umschloss mit beiden Händen ihre Hand, die gerade nach dem soeben gelieferten Milchshake greifen wollte.

Beckett wollte ihre Hand nicht wegziehen, aber sie konnte nichts gegen den Reflex machen. Wie von selbst zuckte ihre Hand ein paar Millimeter zurück und Castle nahm das leider als Zeichen, dass seine Berührung unerwünscht war. Abrupt ließ er sie wieder los. Mist, die Wärme seiner Hände war angenehm gewesen, wenn vielleicht auch etwas schwitzig.

„Warum haben Sie behauptet, Sie würden den Film nicht kennen, obwohl Sie ihn eindeutig schon des öfteren gesehen haben?“ Kate umfasste mit beiden Händen ihr Glas und senkte enttäuscht ihren Blick.

„Ich weiß auch nicht, was sich mein krankes Schriftstellerhirn dabei gedacht hat“, verteidigte sich Castle. „Vorhin im Revier schien es eine gute Idee zu sein.“

„War es definitiv nicht“, bemerkte Beckett und blickte ihn vorwurfsvoll an.

„Ich weiß und ich kann mich nur noch mal dafür entschuldigen“, sagte Castle leise. Er saugte schlürfend den Milchshake durch den Strohhalm in seinen Mund und Beckett konnte nur mit den Augen rollen.

„Aber hätten Sie weiterhin so begeistert von dem Film geschwärmt, wenn Sie gewusst hätten, das ich ihn schon kannte?“, fragte er, nachdem er sein Glas mit einem lauten Peng abgestellt hatte. „Ich wollte Ihren entzückenden Enthusiasmus einfach nicht unterbrechen.“

Sein Gesicht verzog sich zu einem schelmischen Grinsen und Beckett spürte, wie sie rot wurde. Verdammt, wieso war Castle immer so schnell in der Lage, den Spieß umzudrehen? „Ich habe weder geschwärmt, noch bin ich entzückend“, behauptete sie vehement und lehnte sich mit verschränkten Armen auf der Bank zurück.

„Doch, sind Sie!“, meinte Castle heftig nickend. „Und für diese Aussage werde ich mich nicht entschuldigen.“

„Okay, okay!“ Beckett lehnte sich wieder nach vorne und diesmal legte sie ihre Hand tätschelnd auf seine. „Aber dann war es genauso entzückend, wie Sie fast jeden Satz des Filmes mitgesprochen haben.“

„Damit kann ich leben“, sagte Castle lächelnd und wurde dann wieder ernst. „Also sind Sie mir nicht mehr böse?“

„War ich nie wirklich“, meinte Kate. „Aber machen Sie das nicht noch einmal.“

„Werde ich nicht, Kate.“ Rick drehte seine Hand unter ihrer um, sodass sich ihre Handflächen berührten. Beckett spürte sofort wieder dieses Kribbeln, wie schon im Kino, als sie gleichzeitig nach dem Popcorn gegriffen hatten. Und Ricks heißer Blick war ebenfalls zum Dahinschmelzen.

Nach ein paar Momenten, in denen sie intensive Blicke tauschten, räusperte sich Beckett. „Ich sollte gehen. Es ist spät und ich muss morgen wieder früh raus.“

„Klar!“ Noch bevor Beckett ihre Hand wegziehen konnte, hatte Castle sie umfasst und zog sie, während er aufstand, mit hoch. „Ich würde dich gerne nach Hause bringen, aber wir sind mit deinem Auto hier.“

Beckett musste lachen. Natürlich war ihr aufgefallen, dass er sie einfach duzte und dass er noch immer ihre Hand hielt, während er zum Tresen ging und der Kellnerin einen Geldschein gab, aber es war ihr egal, weil es einfach passte und es ihr zugleich auch gefiel.

„Das war ein schöner Abend, danke“, sagte Castle, während sie Hand in Hand zu ihrem Auto schlenderten. „Vielleicht können wir das mal wiederholen, wieder Kino oder Theater oder irgendwas ähnliches?“

„Das können wir gerne machen“, hörte sich Beckett sagen. „Ich fand den Abend auch schön!“ Sie waren am Auto angekommen und Kate blickte ihn an. Ein Kuss wäre nicht schlecht. Noch bevor sie den Gedanken zu Ende denken konnte, spürte sie Castles Hand an ihrem Hinterkopf und seine Lippen auf ihren. Wow!

Castle beendete den Kuss schnell. Viel zu schnell. „Ich nehme ein Taxi, dann brauchst du keinen Umweg fahren.“ Er wandte sich von ihr ab, hob seinen Arm in die Luft und sofort hielt ein Wagen am Straßenrand. „Ich wünsche dir eine gute Nacht, Kate, und bis morgen“, rief er ihr über seine Schulter hinweg zu.

Beckett stand noch Minuten später da und blickte dem längst außer Sichtweite gelangten Taxi hinterher. Das Kribbeln in ihrem Bauch wollte einfach nicht aufhören. Verdammt, sie war verliebt in Richard Castle.
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