Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Da geht noch was

von KBRC87
GeschichteDrama, Humor / P16 / Het
Kate Beckett Richard Castle
13.09.2015
08.01.2019
7
9.794
8
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
19.12.2017 1.379
 
Dieser Oneshot spielt in Folge 4x20 - Der Brite und erzählt einen alternativen Verlauf der Geschehnisse im Hotelzimmer von Colin Hunt.

Viel Spaß!

--x--x--

Der Handkuss

Im Grunde wusste Castle, dass er sich unfair gegenüber Beckett benahm. Aber er konnte irgendwie nicht anders. Er war einfach enttäuscht von ihr. Die ganze Zeit über hatte er gedacht, sie wären auf der gleichen Wellenlänge, dass ihre Freundschaft sich unvermeidlich irgendwann in eine Beziehung verwandeln würde, die weit über die berufliche Partnerschaft hinausging. Castle träumte jede Nacht davon.

Und dann hatte er beim letzten Mordfall durch Zufall erfahren müssen, dass Beckett ihn seit fast einem Jahr anlog. Sie hatte sein Liebesgeständnis auf Montgomerys Beerdigung mitbekommen. Oder zumindest hatte sie das einem Verdächtigen im Verhör erzählt. Castle hatte gehört, wie Beckett sagte, sie erinnere sich an alles, nachdem sie angeschossen worden war und um ihr Leben kämpfte. Natürlich wusste der Schriftsteller, dass der Detective im Verhörraum eine gute Schauspielerin war und Sachen sagte, die den Verdächtigen zum Reden bringen sollten. Aber ihre Aussage war so überzeugend gewesen, dass Rick es nur glauben konnte.

Die ganze Sache ließ für Castle nur einen Schluss zu ... Beckett liebte ihn nicht!

Warum er nicht einfach ging und die Zusammenarbeit mit dem NYPD beendete, wusste er nicht. Vielleicht aus Gewohnheit. Vier Jahre waren eine lange Zeit. Er wusste nicht, was er machen sollte. Aber er wusste, dass es nicht so weitergehen konnte. Also verbrachte Castle ein ausgelassenes Wochenende in Las Vegas.

Als er Beckett am nächsten Tatort wiedersah, bereute er es sofort, dass er mit dem Ferrari und der kichernden, blonden Flugbegleiterin auf dem Beifahrersitz vorfuhr. Denn Kate sah genauso enttäuscht aus, wie er sich immer noch fühlte. Eigentlich wollte er seine Partnerin nicht verletzen, obwohl er genau das gerade getan hatte.

Aber etwas Gutes schien seine Aktion jedoch gehabt zu haben ... Kate Beckett zeigte ihm gegenüber so was wie Gefühle. Sie fragte Castle, ob es ihm gut ginge und er hörte, wie Lanie in einem Gespräch mit ihr seinen Namen erwähnte. Warum sollte sich Beckett mit ihrer besten Freundin über ihn unterhalten, wenn er ihr egal war?

~~~

Kate Beckett war verwirrt. Ihr Partner Rick Castle benahm sich seit dem letzten Mordfall äußerst merkwürdig. Er war schnippisch, meinte, sie hätten schon besser zusammen gearbeitet und ließ immer wieder Bemerkungen fallen, die aussagten, dass man manche Menschen niemals wirklich kennenlernen würde. Irgendetwas musste sie gemacht haben, was ihm gegen den Strich ging. Aber Beckett wusste beim besten Willen nicht, was es war. Und immer wenn sie mit Castle darüber sprechen wollte, hatte er eine Ausrede, die neuste war eine blonde Stewardess.

Vielleicht hatte Lanie doch recht und Castle hatte es aufgegeben, auf sie zu warten. Aber warum kam er dann immer noch ins Revier und wollte unbedingt über neue Entwicklungen im Fall auf dem Laufenden gehalten werden? Wenn Kate ehrlich mit sich war, musste sie sich eingestehen, dass sie auch genug vom Warten hatte. Sie wollte eine Beziehung mit Castle, sie liebte ihn schließlich. Aber sie hatte immer noch zu viel Angst, dass sie das verlieren könnte, was sie mit Rick verband … ihre Freundschaft und Partnerschaft.

Doch wie es im Moment aussah, würde genau das passieren, wenn sie nichts unternahm. Kate würde Castle für immer verlieren. Und noch schlimmer, sie würden vielleicht im Streit auseinandergehen. Sie durfte die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Schriftsteller immer noch so was wie Liebe für sie empfand. Und wenn sie ihn irgendwo festketten musste, Kate würde zeitnah mit ihm darüber sprechen.

Natürlich war das leichter gedacht als getan. Der Fall erforderte ihre volle Aufmerksamkeit und Castle hatte ein Date mit Jacinda. Aber gerade als Ryan herausgefunden hatte, wo der Verdächtige sich aufhielt, tauchte der Schriftsteller wieder auf. Also fuhr Beckett zusammen mit Rick zu dem Hotel, in dem Colin Hunt abgestiegen war, um ihn zum Mordfall zu befragen.

~~~

Der Hotelmanager zeigte ihnen das von Hunt gebuchte Zimmer und gab Beckett eine Schlüsselkarte. Sie öffnete und betrat das Zimmer mit gezogener Waffe, gefolgt von Castle. Colin Hunt kam geradewegs aus dem Badezimmer, ein Handtuch um die Hüften geschlungen.

„NYPD. Hände hoch“, rief Beckett energisch.

„Sie machen einen Fehler“, erwiderte Hunt, während er das Handtuch in Position hielt.

„Wie oft habe ich das schon gehört“, meinte Beckett sarkastisch. „Und jetzt Hände hoch!“

„Wie Sie wollen.“ Der Mann streckte seine Hände in die Höhe, während das Handtuch nach unten rutschte. „Ich stelle mich mal vor. Mein Name ist Detective Inspector Colin Hunt, Scotland Yard“, erklärte er seelenruhig mit britischem Akzent.

Überrascht und geschockt von dem Anblick des nackten Mannes vor ihnen, riss Castle seine Hand hoch und bedeckte seine Augen. Dann fiel ihm ein, dass Beckett ja keine Hand frei hatte, da sie mit ihrer Waffe auf Hunt zielte. Deshalb hielt er ihr seine Hand vor die Augen. Nun hatte er aber wieder freie Sicht auf den Unbekleideten, was seine andere Hand instinktiv nach oben vor sein Gesicht schnellen ließ. Und um sicher zu gehen, kniff er zusätzlich noch die Augen zu.

Plötzlich spürte Castle, dass seine Hand, die vor Becketts Gesicht schwebte, etwas berührte. Er riss seine Augen auf und schielte an seiner anderen Hand vorbei. Da er etwas hinter seiner Partnerin stand, sah er, dass sie sich leicht auf die Zehenspitzen gestellt hatte und ihren Mund gegen seine Handfläche drücke.

Beckett küsste ihn … na ja, seine Hand.

Castle versuchte, seine Hand still zu halten, denn Kate machte keine Anstalten, ihren Mund zurückzuziehen. Und er würde den Teufel tun und derjenige sein, der den Kuss beendete. Als Beckett sich nach einer gefühlten Ewigkeit doch von seiner Hand zurückzog, zögerte Castle nicht lange. Er ließ seine Hände sinken, drehte sich zu Beckett und küsste sie auf die Wange.

„Soll ich Ihnen mein Zimmer vielleicht für eine Stunde oder zwei überlassen?“, fragte Hunt grinsend. Er hatte, unbemerkt von Beckett und Castle, angefangen sich anzuziehen.

„Sie bleiben wo Sie sind“, befahl Beckett und wandte sich dann an Castle. „Rick, später, okay?“

„Okay“, bestätigte er lächelnd.

Sie erwiderte Castles Lächeln genauso liebevoll und fing dann mit der Befragung von Hunt an.

***

Erst am nächsten Tag, nachdem sie unter Colins Mithilfe, Biggie Slim als Mörder und Nigel Wyndham als Waffenhändler entlarvt hatten, konnte Beckett ihr Vorhaben, mit Castle in Ruhe zu sprechen, in die Tat umsetzen. Sie nahm sich den Rest des Tages frei und lud ihn zu einem späten Mittagessen zu sich nach Hause ein. Castle meinte zwar, sie müsste seinetwegen keinen Urlaub opfern, er könnte auch bis nach ihrem Feierabend warten, aber er sollte merken, wie ernst es ihr war und dass sie nicht mehr warten wollte.

Castle war überpünktlich und hatte ihren Lieblingswein, einen trockenen Rotwein, mitgebracht. Seine blauen Augen leuchteten und ein breites Lächeln lag auf seinem Gesicht. Dieses Lächeln, das nur für sie reserviert war, hatte Kate seit Wochen nicht mehr gesehen. Dass es jetzt wieder da war, bestätigte ihr, dass ihre spontane Aktion, seine Hand zu küssen, richtig gewesen war.

„Hey!“, sagte er zur Begrüßung und stand unschlüssig an der Tür herum. Beckett konnte sehen, dass er genauso nervös war wie sie.

„Hey!“, antwortete sie und nahm ihm den Wein ab. „Danke. Setz dich doch. Das Essen ist fertig.“

Zunächst aßen sie schweigend und je länger die Stille andauerte, umso unsicherer wurde Beckett. Irgendwann hielt sie es nicht mehr aus.

„Es tut mir leid“, stieß sie hervor.

Ihre Blicke trafen sich und sie brachen in schallendes Gelächter aus, denn Castle hatte zum selben Zeitpunkt genau das Gleiche gesagt.

Nun war der Bann gebrochen und alle Fragen, Vorwürfe, Missverständnisse und Sorgen, die sich angestaut hatten, wurden besprochen. Nichts wurde ausgelassen und bald wurde ihnen endgültig klar – obwohl sie das eigentlich schon immer gewusst hatten – dass sie sich gegenseitig liebten.

***

Stunden später war Kate emotional erschöpft und müde vom vielen Reden, aber sie wollte nicht, dass Rick ging, obwohl er es anbot. Sie wollte nicht riskieren, dass sich wieder alles änderte, wenn er von ihr getrennt war.

„Möchtest du heute Nacht hierbleiben?“, fragte sie schüchtern.

„Klar“, antwortete er. „Ich könnte auf dem Sofa schlafen.“

Beckett lächelte und schüttelte den Kopf. Sie nahm Castle bei der Hand und zog ihn mit sich in ihr Schlafzimmer. Als sie dann nebeneinander in ihrem Bett lagen, war Kate auf einmal gar nicht mehr so müde ...

--x--x--

AN: Der Oneshot wurde inspiriert von diesem Post auf Tumblr.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast