Masquerade

GeschichteRomanze, Familie / P12
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy
12.09.2015
12.09.2015
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HYA liebe Freunde!

Mein erster Post auf Livs und meinem Gemeinschaftsccount. Dieser Oneshot ist schon ungefähr ein Jahr alt aber euch zu Ehren, haben wir ihn wieder ausgegraben und salonfähig gemacht *lach*

Kurz gesagt geht es hier um einen Fitzwilliam Darcy, der das ungewohnte Gefühl der Sehnsucht verspürt. Das Ganze in für mich ungewöhnlich kurzen 1559 Wörtern! Liv hat es gefallen, deshalb hoffe ich, es geht euch ähnlich.


Viel Spaß und viele liebe Grüße


Eure Sandra (colasun)

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Masquerade



Fitzwilliam Darcy lauerte in einer Nische im Hause seines Freundes Charles Bingley. Unter normalen Verhältnissen hätte er sich nie auf das Niveau eines, er vermochte es kaum zu denken, Voyeurs, eines heimlichen Beobachters herabbegeben. Doch Frauen brachten bekanntlich das Beste und das Schlechteste in den Männern zum Vorschein. Für keine andere als seine geliebte Eliesabeth drückte er sich nun in dieser einsamen Ecke herum und wartete auf den richtigen Augenblick. Bald stand die Hochzeit ins Haus und Elisabeths Mama war ihr in den letzten Tagen kaum von der Seite gewichen. Was genau ihr Misstrauen geweckt hatte, konnte er nicht benennen, gleichwohl spielten die Vertrautheit zwischen ihm und seiner Braut hierbei wohl eine gewichtige Rolle. Es fiel ihm schwer, sich nun, da sie einander versprochen, von dem Wesen seiner schlaflosen Nächte fernzuhalten. Oder angemessen, wie es die gesellschaftlichen Gepflogenheiten von einem unverheirateten Mann und seiner Braut erwarteten, zu verhalten. Sittsam, wie ein Gentleman, in der Öffentlichkeit galt es ohnehin sogar schon als Fauxpas wenn sie ihn liebevoll William, oder was er fast noch lieber mochte, Will nannte. Wie es ihn danach dürstete sie erneut in seinen Armen zu halten, zu spüren wie sie sich an ihn schmiegte und sei es nur für einen flüchtigen Kuss, eine Umarmung, eine Zärtlichkeit, um die verbleibende Verlobungszeit ertragen zu können. Unter den wachsamen Augen der Gesellschaft war dies leider nicht möglich. Einerseits bedauerte er dies, doch anders betrachtet war er froh, dass ihre Privatsphäre gewahrt blieb. Schätzte die kostbare Intimität, welche nur unter vier Augen stattfinden konnte und sollte.

Bingley, der viel zu gutmütige, etwas jüngere Mann, veranstaltete heute Abend einen Ball auf seinem Anwesen. Die creme de la creme des hiesigen Adels vergnügte sich hier nun auf seine Kosten und er lächelte vergnügt in die Runde, hatte vermutlich tatsächlich Spaß an derlei Kindereien. Er hatte ihn gebeten doch auch hinunterzukommen und mitzufeiern, es würde sicher lustig. Seine Antwort war deutlich gewesen und an Charles Gesicht hatte er ablesen können, wie wenig überrascht dieser doch war. Sie kannten sich eben schon eine Weile. Auf gar keinen Fall würde er an dieser Posse teilnehmen, sich mit Menschen unterhalten, die zwar reich an Geld, doch arm im Geiste waren. Natürlich wurde er dann von allen Seiten bestürmt doch nachzugeben. Nicht nur, dass seine Eliesabeth ihn zu überreden versuchte, auch seine Schwester Georgiana wollte dem Vergnügen eines geselligen Abends nicht entsagen. Sogar Anne, seine Cousine, der er wirklich alles Glück dieser Welt gönnte, unternahm einen zaghaften Versuch in dieses sinnlose Unterfangen mit einzustimmen. Als er schon fast soweit war nachzugeben, wie hätte er diesen herzerweichenden Blicken auch standhalten können ohne ein Herz aus Stein zu haben, verplapperte sich Georgiana, die erstaunlich gut informiert war. Ein Maskenball solle es werden. Selbstverständlich war er dem mehr als abgeneigt, da half auch alles Bitten der holden Weiblichkeit nichts. So hatten sich sein Vetter und Charles bereiterklärt, ein wachsames Auge auf ebenjene zu haben, sofern er ihnen gestattete zu gehen. Leider lag es nicht in seinem Ermessen über den Aufenthaltsort Elisabeths zu verfügen, da wäre ihm zuweilen ein besserer als der Ballsaal eingefallen. Ihm schwante allerdings, dass sich seine hochgeschätzte künftige Schwiegermutter diese Gelegenheit ihre unverheirateten Töchter erneut wie auf einem Viehmarkt anzuprangern, nicht entgehen lassen würde. Mister Bennett gebot dem seiner Meinung nach nicht genügend Einhalt. Wie dem auch sei, es hatte damit geendet, dass er allein in seinen Räumlichkeiten saß und liegengebliebene Korrespondenz zu erledigen gedachte.

Nur schwirrten seine Gedanken fast ausschließlich um seine Verlobte und weil auch er nur ein Mann war, wie er sie doch einmal ohne ihren Wachhund erwischen konnte. Schließlich wollte er seiner und ihrer Familie keine Schande bereiten. Ein kleiner Kuss, ein paar Minuten allein, konnten doch nicht so tragisch sein. Obwohl er sich verbot, solcherlei Gedanken nachzuhängen, schließlich war er anständig erzogen worden, kam er kaum darum herum. Aber wie konnte er seine Liebste nur von dieser Maskerade weglotsen, ohne aufzufallen? Oder sie überhaupt erkennen?

Wie auch immer er das später vor sich selbst rechtfertigen würde, jetzt wartete er im Schatten einer breiten, tragenden Säule. Kein Vorbeikommender bemerkte ihn und er hoffte einfach darauf, dass Fortuna ihm heute hold war. Und so war es dann auch, er konnte kaum fassen, dass sein dilettantischer Plan aufgegangen war.

Elisabeths spitzer Schrei, der ihre Überraschung widerspiegelte, kam kaum dazu sich ihrer Kehle zu entringen, da presste sich schon eine Hand auf ihren Mund. Eine Hand, die ihr wohlig bekannt vorkam, genau wie die Stimme, die sie zu beruhigen suchte. „Schhht, Elisabeth. Ich bin es.“ Als er sich sicher war erkannt worden zu sein, ließ er sie auf ihre eigenen Füße hinunter und zog sie mit sich in den tiefen Schatten. Wenn Elisabeth gewusst hätte, dass hier draußen jemand Bestimmtes auf sie wartete, wäre ihr schon eher der Einfall gekommen frische Luft zu benötigen. Tatsächlich hatte sie sich auf dem Weg nach draußen die Maske vom Gesicht gezogen, sie fühlte sich auf Dauer unwohl darin und wollte den Wind auf ihrem Gesicht spüren. Nicht wissend, dass sie Fitzwilliam Darcy, diesem Lüstling, direkt in die Karten gespielt hatte. Doch war sie froh darum, denn auch sie hatte ihren Verlobten vermisst. Ihre Mama hatte über sie gewacht, als wüsste sie mehr als sie zugab. Die Verlobungszeit hatte sie sich irgendwie weniger anstrengend vorgestellt. Dauernd vereinbarte Mrs. Bennett irgendwelche höchstwichtigen Termine für sie, welche sie selbstverständlich begleitete. Die Schneiderin, dieses und jenes, freundlich lächeln, nicken und einfach nicht widersprechen. Sie hatte sich zuweilen schon sehr auf die Zunge beißen müssen und nur im äußersten Notfall ihr Veto eingelegt. Gefolgt von einer Standpauke über ihre Undankbarkeit und die armen Nerven ihrer Mutter.

„Will!“ Ihr mädchenhaftes Gekicher, ihre Überraschung über sein ungehöriges Verhalten, welches sie zweifelsfrei niemals von ihm erwartet, welches er ja noch nicht einmal von sich selbst erwartet hatte, war viel zu verräterisch. „Schhhhht.“ Mahnend legte er den linken Zeigefinger auf seine Lippen, schließlich wollte er ungebetenen Besuch vermeiden. Gleichwohl zog er seine Liebste mit dem anderen Arm näher, unschicklich dicht an sich. „Fitzwilliam Darcy! Was tust du hier? Ich dachte du wärest einem Maskenball mehr als abgeneigt.“, zitierte sie flüsternd seinen Aussage. Ihre Nachahmung seines arroganten Tonfalls misslang kläglich und entlockte ihm ein schelmisches Lächeln. Dann, ohne Vorwarnung, stahl er sich einen viel zu keuschen Kuss, dem sie natürlich überhaupt nicht abgeneigt war. Wie weich sich seine Lippen auf den ihren anfühlten, es erstaunte sie jedes Mal aufs Neue. Sein sonst so strenger Ausdruck ließ nichts dergleichen vermuten. Eher als wüsste er nicht einmal wie man Spaß buchstabiert. Und dessen war er sich bewusst. Nur schwerlich lösten sich ihre Münder wieder voneinander, selbst in der Dunkelheit bemerkte William die zarte Röte auf den Wangen seiner Liebsten. Das allein war diesen kleinen Ausbruch aus dem Korsett ihrer moralischen Verpflichtungen schon wert.

„Ich vermisste meine Verlobte. Willst du, dass ich wieder gehe?“ Die Frage war nicht wirklich ernst gemeint. Trotzdem trat er einen Schritt zurück, löste sich dabei halb von ihr, ehe Elisabeth ihn mit einem geflüsterten „NEIN!“ an seiner Hand zurückzog. Wie konnte er nur solch eine absurde Frage stellen? „Bleib!“ Als ein paar kichernde Mädchen den Gang entlangschlenderten, wich sie unbewusst dichter in den Schatten, obwohl dies kaum noch ging, wurde dabei aber von starken Armen umschlossen. Entspannt, nur für diesen Augenblick, erlaubte sie sich diesem wunderbar warmen Gefühl nachzugeben. „Auch auf der dunklen Seite von Derbyshire gibt es solch unerträgliche Dinge wie Sehnsucht, ob du es glauben magst, oder nicht.“ Sie schmunzelte an seiner Brust. Wie oft er ihr dies wohl noch vorhalten mag? Elisabeth ging nicht darauf ein, sie würde ihm so aus Versehen vielleicht noch Munition gegen sie liefern und er wusste sowieso schon viel zu viel verräterische Dinge, derer er nicht müde wurde mitleidig zu erwähnen. Natürlich nur wenn sie allein waren.

„Ich muss wieder rein, Will. Mama vermisst mich bestimmt schon, sie kennt unsere Kostüme, du weißt wie gern sie alles unter Kontrolle hat.“ Und so ungern er das auch zugab, dieses eine Mal war es ihm mehr als recht, dass sie ihre verlobte Tochter vor Aufdringlichkeiten bewahrte. Es erstaunte ihn ohnehin, wie ruhig es bisher hier war und die Stimme Mrs. Bennetts noch nicht sein Ohr erreicht hatte. Wir sollten unser Glück nicht herausfordern, schoss es durch seine Gedanken. Der Geist war so willig, wenn das Fleisch nur nicht so schwach wäre, seine Elisabeth sich nicht so gut in seiner Umarmung anfühlen würde, dann wäre es so viel leichter sie wieder gehen zu lassen. Ihre sanften Augen sahen in die seinen und er musste sich nicht lange fragen, was ihn außer ihrem herzensguten Charakter anzog. Wenn nur seine Eltern den Tag seiner Hochzeit mit dieser Frau beiwohnen könnten. Sei es wie es sei, bedacht beendeten sie ihre Zweisamkeit mit einem Kuss, der nach Sehnsucht und Vorfreude schmeckte. Elisabeth zog sich erneut die Maske über, auch wenn sie mehr denn je frische Luft brauchte, würde ihre lange Abwesenheit ihre Mutter nur misstrauisch machen und sie traute ihr durchaus zu sie künftig bei den privatesten Erledigungen begleiten zu wollen.

Fitzwilliam Darcy hingegen, sah seiner Angebeteten wie ein unreifer Schuljunge hinterher. Wie er sie seiner als unwürdig betrachten konnte, würde ihm auf ewig ein Rätsel bleiben. Keine andere Frau gehörte auf diese Weise an seine Seite. Mrs. Elisabeth Darcy. Er konnte sich niemals glücklicher schätzen, als in dem Augenblick, da sie ja zu ihm sagen würde. Auf leisen Sohlen schlich er zurück in sein Gemach.

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Hach , ich finde diesem herrischen Mann steht diese weiche Seite sehr gut. Was sagt ihr?
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