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Meeting

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Jin Yuichi
12.09.2015
27.11.2017
34
94.875
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12.09.2015 3.472
 
>> Second Meeting <<



Etwas kitzelt an deiner Nase. Du hebst deine Hand an und fasst nach dem etwas. Weich und stabil fühlt es sich an. Langsam beginnst du deine Augen zu öffnen. Doch kneifst sie wieder zusammen, als die Sonne dir ins Gesicht scheint. Deine andere Hand legt sich über deine Augen und du versuchst erneut deine Augen zu öffnen. Noch leicht unklar ist deine Sicht und du blinzelst mehrmals bis du die Hand vor deinen Augen gut erkennen kannst. Schließlich lässt du deinen Blick nach unten schweifen, um das Etwas in deiner anderen Hand zu erkennen.

Grüne Stängel ragen aus deiner Hand empor. Gras. Du lässt es los und stehst langsam auf, dabei stützt du dich an dem großen Baum hinter dir ab. Du beginnst dich zu strecken, deine Gelenke knacken laut und ein gequältes Stöhnen entkommt dir. Das hattest du nun davon, wenn du im Wald auf dem Boden übernachtest.

Seufzend senkst du deine Arme und drehst dich zu dem Baum um. Deine Hand legt sich auf den Stamm, uneben und rau ist dieser, ganz anders als die Grashalme. Deine Augen blicken den mächtigen Stamm hinauf zu der prächtigen, grünen Krone des Baumes, in welchem du vereinzelte blaue Blüten ausmachen kannst.

Deine Gedanken beginnen abzuschweifen und Erinnerungsfetzen machen sich breit.

„Was hab ich bloß geträumt?“, murmelst du zu dir selbst, während du weiter in deinen Erinnerungen suchst. Du warst am Fluss und bist dort jemanden begegnet. Einem... Jungen?

Deine linke Hand findet zu deinem Kopf, der leicht zu schmerzen beginnt.

Da ist doch noch etwas...

Doch es fällt dir nichts mehr ein. Du versuchst den Gedanken abzuschütteln. Sich über einen seltsamen Traum Gedanken zu machen, bringt auch nichts. Wobei du dir nicht sicher bist, ob dieser Traum nicht von der Baumgottheit, bei der du genächtigt hast, stammt. Aber wenn du dich nicht daran erinnerst...

Du schüttelst den Kopf und lenkst deine Schritte in die Richtung in der deine Hütte steht. Leichtfüßig kletterst du über Stock und Stein und die riesigen Wurzeln der Bäume, die aus dem Boden ragen. Endlich kommt deine Holzhütte in Sicht, die neben dem Berg, der hinter ihr aufragt, noch kleiner wirkt als sie eigentlich ist. Deine Füße tragen dich über die Schwelle und ein einzelner, relativ großer Raum, der nur durch Tücher untertrennt ist, erstreckt sich vor dir. Dein Blick schweift suchend umher und entdeckt dann den kleinen Korb. Schnell greifst du nach ihm, doch musst du enttäuscht feststellen, dass sich nichts mehr in ihm befindet. Ein Seufzen verlässt deine Lippen. Da musst du wohl Beeren und Obst sammeln gehen, um deinen Hunger zu stillen. Du packst den Korb und machst dich wieder auf den Weg in den Wald.

Deine Füße tragen dich über den Waldboden, bis du vor einem kleineren Busch stehen bleibst. Sogleich machst du dich daran die runden, rosa Früchte zu pflücken, wobei du nicht wiederstehen kannst und ab und an auch ein paar der handgroßen Früchte isst.

Schließlich entscheidest du, dass du genug von ihnen gesammelt hattest und gehst weiter deines Weges. Das Plätschern des Flusses dringt an deine Ohren und kurzerhand begibst du dich zu dem Störmenden Wasser. In der Nähe des Ufers gibt es nämlich diese gelben Beeren, die zu deinen Lieblingsspeisen zählen. Die Erde unter deinen Füßen weicht langsam kleinen Steinchen und du erreichst das Ufer. Dein Blick wandert zuerst über die Büsche mit den gelben Beeren, ehe er nochmal über den Fluss streift. Doch kaum ist dein Blick zum Fluss gelangt, fixiert er sich auf eine Gestalt, die noch halb im Wasser liegt. Sofort stellst du deinen Korb ab und eilst zu der Person.

Mit einem Ruck drehst du den Jungen auf den Rücken und packst ihn kurzerhand unter den Armen. Mühsam ziehst du ihn über die kleinen Steinchen, damit er nicht mehr halb im Wasser liegt. Du fährst mit deiner Hand durch deine Haarpracht und beugst dich über ihn, um nach seinem Atem zu horchen, wobei du ebenfalls auf das Heben und Senken seiner Brust achtest. Das starke Rauschen im Hintergrund macht es schwer für dich seinen Atem zu hören, doch das Heben und Senken seiner Brust ist eindeutig. Erleichtert atmest du aus.

Deine Augen huschen über seine Gestalt, seine seltsame Kleidung sieht ein wenig mitgenommen aus, verdreckt und hier und da eingerissen. Doch du kannst keine größere Menge Blut ausmachen, was dich ungemein erleichtert. Dein Blick klettert weiter, bleibt schließlich an seinem Gesicht hängen. Das braune, noch leicht nasse Haar fällt ihm zum Teil in sein Gesicht, sodass es halb verdeckt wird.

Irgendwie kommt er dir bekannt vor. Allem voran diese seltsame Kleidung. Doch du schüttelst den Gedanken ab, die Gesundheit des Jungen steht jetzt erst mal im Vordergrund.

Du legst seinen rechten Arm um deinen Nacken und hebst ihn dabei an, sodass deine freie Hand sich um seinen Oberkörper schlingt, damit du ihn vom Boden hoch ziehen kannst. Ein Keuchen entkommt dir und du machst einen Ausfallschritt nach vorne, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Gerade leicht ist er nicht, aber er ist auch ein Junge und sonderlich stark bist du auch nicht. Du sammelst einen kurzen Moment deine Kräfte, dein Griff um ihn verfestigt sich und langsam gehst du los.

Nach vielen Pausen kommt endlich dein Ziel in Sicht und du bündelst deine letzten Kräfte, um ihn in deine kleine Hütte zu tragen. Mit einem lauten Schnaufen lässt du deinen Findling auf das Bett fallen, das deinem verstorbenen Vater gehörte.

Und was mache ich jetzt mit ihm?

Seufzend massierst du deinen Nacken und deine Arme. Hoffentlich gehen die Schmerzen bald wieder weg. Ein Seufzen verlässt deine Lippen und deine geschlossen Augen öffnen sich. Wie von alleine legen sie ihre Aufmerksamkeit auf den Jungen. Warum nur kommt er dir so bekannt vor? Ob du ihn vielleicht erkennen würdest, wenn sein Gesicht nicht so verdeckt wäre?

Vorsichtig schiebst du die braunen Strähnen von seinem Gesicht. Du runzelst die Stirn. Schließlich legst du deinen Handrücken an seine Wange, ehe du sie auch auf seine Stirn ablegst. Gleichzeitig legt sich deine andere Hand auf deine Stirn. Er ist warm, definitiv. Wie lange er wohl schon am Flussufer gelegen hat?

Du erhebst dich zügig und eilst in deine „Küche“. Während du in einigen Schränken kramst, bearbeitest du mit deinen Zähnen deine Unterlippe. Wenn er jetzt auch noch hohes Fieber bekommen würde, wäre es ziemlich schlecht. Vermutlich hatte der Fluss ihn ausgekühlt. Und er hatte auch noch nasse Kleidung an! Mit der du ihn auch noch ins Bett gelegt hast!

Über dich selbst Fluchend, stolperst du über die abstehende Holzdiele und beinahe wären dir die Schüssel und der Lappen aus den Händen gefallen. Jedoch kannst du dich fangen und läufst schnell aus deiner Hütte hinaus. Einige Meter entfernt hatte sich ein kleiner Teich gebildet und du tauchst die Schüssel in das kalte Gebirgswasser ein, die sich sofort füllt. Nachdem du diese an die Seite gestellt hast, packst du den Lappen und tauchst ihn ebenfalls ins das kalte Nass. Schmutz und Dreck löste sich, der sich dort angesammelt hatte. Einigermaßen zufrieden mit dem „sauberen“ Lappen und der vollen Schüssel Wasser gehst du zurück zu deinem Findling.

Die Schüssel platzierst du auf dem Tisch, der in der Nähe der „Küche“ steht, und der Lappen landet kurzerhand in der Schüssel. Mit in den Hüften gestemmten Armen drehst du dich zu dem Jungen um. Egal wie du es drehst und wendest, er muss aus seiner Kleidung raus und aus dem Bett. Denn beides ist nun nass und nicht weiter förderlich für seine Gesundheit.

Abermals seufzt du und fährst dir mit den Fingern durch deine Haare. Schon der Gedanke jemanden auszuziehen, den du nicht kennst, lässt dein Blut in deine Wangen schießen. Dass es auch noch ein fremder Junge ist, macht es nicht besser. Zumal du nicht sonderlich viel Erfahrung in diesem Bereich hast.

Du schüttelst deinen Kopf, versuchst nicht daran zu denken. Es geht um die reine Gesundheit!

Deine Hände packen seine Schultern und du hebst ihn an, schnell setzt du sich hinter ihn und lehnst seinen Körper gegen deinen. Irgendwie schaffst du es ihn von diesem blauen etwas zu befreien, das er trägt und wirfst es ein wenig achtlos auf den Boden. Zum Teil ist es auch noch feucht. Dann schiebst du deine Finger vorsichtig unter das weiße Hemd. Seine Haut fühlt sich kalt an. Das ist kein gutes Zeichen. Du versuchst dich ein wenig zu beeilen, um das Kleidungsstück zu entfernen, doch es ist weiterhin seltsam einen Fremden zu entkleiden. Außerdem fühlt sich dein Gesicht ziemlich warm an.

Erleichterung durchflutet dich, als du seinen nackten Oberkörper auf dem Bett ablegen kannst. Doch noch im selben Moment wird dir klar, dass nun seine Hose dran ist und du ihn danach ihn dein Bett tragen wirst, das immerhin trocken ist.

Du atmest tief durch, ehe du ihm seine Stiefel ausziehst und den Gürtel seine Hose öffnest.

Ich will das nicht machen!

Jedoch trieft seine Hose nur so von Wasser, also muss er da raus. Deine Augen zusammenkneifend ziehst du ihm die Hose vom Leib. Deine Wangen fühlen sich immer heißer an, vermutlich bist schon leuchtend rot im Gesicht.

Du zwingst dich deine Augen zu öffnen, mit geschlossen Augen kannst du ihn nie und nimmer heil in dein Bett bringen. Dein Blick gleitet über ihn. Im Vergleich zu deinem Vater ist er eher schmächtig und schmal gebaut, dafür zeichnen sich seine Bauchmuskeln ab.

Schnell schüttelst du deinen Kopf. Du kennst ihn überhaupt nicht und doch starrst du seinen fast nackten Körper – er trägt zu deinem Glück noch eine Hose – an. Eilig hebst du ihn wieder an und bringst ihn in dein Bett, wobei du gleich zwei Decken um seinen Körper legst. Dann holst du die Schüssel mit dem Lappen und stellst diese auf deinen Nachtschrank. Den Lappen ringst du gründlich aus, ehe du ihn auf seine warme Stirn legst.

Du wendest dich von ihm ab und sammelst seine Kleidung auf, die du auf die Leine hängst, die vom einen Ende der Hütte zum anderen gespannt ist. Ebenfalls findet das Laken und das darunter liegende Tierfell von dem Bett deines Vaters einen Weg auf die Leine. Prüfend lässt du deine Hände über die Matratze gleiten, sie ist nur ganz leicht feucht. Also dürfte sie relativ schnell trocken sein.

Deine Augen finden ihren Weg zu der hängenden Kleidung und du kommst nicht umhin, das blaue Kleidungstück näher zu betrachten. Auf diesem ist ein Wappen zu erkennen und du bist dir ziemlich sicher es schon einmal gesehen zu haben. Doch es fällt dir einfach nicht ein.

Seufzend wendest du dich davon ab und blickst ziellos in deiner Hütte umher.

Was sollst du jetzt tun? Kannst du noch etwas für ihn tun? Dein Vater und du wart selten krank, sodass du nicht wirklich Ahnung hast, was zu tun ist.

Der Korb! Du hast ihn ganz vergessen! Abermals gleitet dein Blick zu deinem Findling. Du wirst ihn zumindest für einen kleinen Augenblick alleine lassen können, oder? Zumal du eh nichts für ihn tun kannst.

Deine Beine tragen dich wieder zum Fluss, wobei du ein eiliges Tempo an den Tag legst. Dabei fällt dir etwas Glitzerndes auf, das ungefähr an derselben Stelle ist, wo du den Jungen aus dem Wasser gezogen hast. Neugierig gehst du näher heran und erkennst dort eine Brille. Behutsam hebst du sie auf. Eins der Gläser ist beschädigt und das Gestell scheint verbogen zu sein. Dennoch nimmst du sie mit, wenn sie dem Jungen gehört, wird er sie bestimmt haben wollen. Dann packst du deinen Korb und machst dich auf den Rückweg, wobei du noch einige Früchte und Kräuter sammelst, die noch nützlich sein können. Als du wieder in der Hütte ankommst, schaust du sofort nach dem Jungen. Das Tuch tauchst du nochmal in das kühle Wasser und legst es ihm auf die Stirn. Deine Finger fühlen seine Wangen ab. Er ist immer noch warm!

Du wendest dich ab und schenkst deine Aufmerksamkeit den Zutaten deines Korbs. Du sortierst dein Gesammeltes in verschiedene Schüsseln und Behälter, bis deine Finger die gefundene Brille berühren. Du nimmst sie in die Hand und runzelst deine Stirn. Wohin solltest du sie nun tun? Dein Blick schweift umher, ehe er sich auf die aufgehängten Kleidungsstücke legt. Du trittst näher an sie heran. Hatte das blaue Kleidungsstück nicht sowas wie Taschen gehabt?

Deine Finger untersuchten es kurz, ehe du die Taschen findest und die Brille kurzerhand hinein legst. Dein Findling würde sie dann schon finden.

Dann entfachst du ein Feuer an der Feuerstelle, über Nacht wird es immer ein wenig kalt. Zudem hast du vor eine Suppe zu kochen, die du deinem Findling irgendwie einflößen willst. Vielleicht wird es ihm dann morgen schon besser gehen.

So beginnst du Kräuter und Beeren dementsprechend zu bearbeiten und die Suppe köchelt schnell gemütlich vor sich hin. Nach einiger Zeit probierst du kurz, würzt noch etwas nach und fertig ist deine Suppe.

Du schöpfst ein wenig in eine Schüssel, schnappst dir einen Löffel und begibst dich zu dem Jungen. Vorsichtig setzt du ihn auf, wobei du ihn an dich lehnst. Deine Wangen fühlen sich dabei wieder sehr heiß an, doch du versuchst es krampfhaft zu ignorieren und ihm einfach irgendwie diese Suppe einzuflößen.

Bald ist die Schüssel leer und du brauchst dir zumindest keine Gedanken darum zu machen, dass er verhungern könnte. Danach flößt du ihm noch ein wenig Wasser ein, das du zuvor von draußen geholt hast und legst ihn wieder ordentlich hin. Dass diese Prozedur nicht einfach und ziemlich kräftezehrend ist, merkst du erst als du dich kurz auf einem deiner Stühle niederlässt. Du nimmst nun selbst eine Schüssel von deiner Suppe und isst auf. Das Feuer prasselt fröhlich vor sich hin und deine Augenlider werden immer schwerer. Mehr im Halbschlaf legst du noch einen Scheitel Holz ins Feuer und wirfst ein Laken über die nackte Matratze, ehe du darauf fällst.

Hoffentlich geht es ihm morgen besser.

Deine Augen fallen zu und der Schlaf breitet seine warmen Schwingen um dich aus.



Langsam schlägst du deine Augen auf und stehst nach kurzem Warten aus dem Bett auf. Schnell reibst du dir den Schlaf aus den Augen und begibst dich zu dem Jungen. Deine Augen huschen über seine Gestalt. Er liegt ruhig da, wobei der Lappen ihm ein wenig von der Stirn gerutscht ist. Behutsam legst du deine Hand an seine Wange. Sie fühlt sich schon deutlich kühler an, als gestern. Du würdest schon fast sagen, dass sie wieder eine normale Temperatur hat.

Er wird bestimmt bald aufwachen!

Du ziehst deine Hand wieder zurück. Plötzlich wird sie jedoch umgriffen und du stockst in deiner Bewegung. Die Augenlider des Jungen öffnen sich langsam und seine freie Hand reibt über seine Augen, als würden sie den Schlaf entfernen. Dann allerdings entfernt er seine Hand von seinem Gesicht und er blickt zu dir. Leuchtendes Blau, wie die Farbe des Himmel, sieht dir entgegen, doch du kannst nicht lange den Anblick bewundern, denn fast sofort kneift er seine Augen wieder zusammen und legt seine Hand – schon fast schützend – wieder über seine Augen. Die gerunzelte Stirn seinerseits entgeht dir dennoch nicht.

Ob er Schmerzen hat?

„Ist alles in Ordnung? Hast du Schmerzen?“, fragst du ihn und du siehst wie sein Blick den deinen sucht. Du meinst Verwunderung in den klaren Seelenspiegeln zu erkennen.

„Mein Kopf tut nur weh“, gibt er gequält von sich, dann beginnt er sich aufzusetzen.

„Vielleicht solltest du erst noch liegen bleiben“, setzt du sofort an und drückst ihn an den Schultern wieder nach unten.

„Vielleicht hast du recht“, seine Hand umfasst seinen Kopf und sein Gesicht verzieht sich vor Schmerzen.

„Warte kurz, ich hole dir etwas zu trinken und zu essen“, du wirst den Jungen einen sorgenvollen Blick zu, ehe du davon eilst. Im Vorbeigehen schnappst du dir einen Krug und läufst nach draußen zu dem Teich um frisches Wasser zu holen. Als du wieder in der Hütte ankommst, holst du noch schnell einen Becher und bringst beides zu deinem Findling. Du füllst den Becher mit dem Wasser und reichst ihm den Jungen.

„Danke“, er richtet sich ein wenig auf und trinkt ein paar Schlucke. Währenddessen machst du das Feuer unter der Suppe von gestern an.

„Die Suppe braucht noch einen Moment.“

„Kein Problem.... Sag mal, wo bin ich hier eigentlich? Und wer bist du? Und warum hab ich kaum was an?“, seine blauen Augen liegen auf dir und scheinen dich zu mustern.

„Äh... Du bist in Olmoona, in den Bergen und nun ja“, deine Augen brechen den Blickkontakt zu ihm und du spürst wie das Blut in deine Wangen schießt, „also ich hab dich halb im Fluss liegend gefunden, dementsprechend ist deine Kleidung nass und du hattest schon eine leicht erhöhte Temperatur. Aber dein restlicher Körper ist sonst ziemlich kalt gewesen und damit du nicht noch kränker wirst hab ich… hab ich… hab ich dem halt vorgebeugt.“

Dein Atem ging stoßweise, du hast einfach viel zu schnell gesprochen und deine Hände samt Arme finden nun wieder den Weg an deine Seite, da du mit ihnen wild herumgefuchtelt hast. Außerdem bist du bestimmt feuerrot im Gesicht, so heiß wie es sich gerade anfühlt.

„Dann vielen Dank. Aber deinen Namen hast du mir immer noch nicht verraten“, seine Mundwinkel ziehen sich immer höher und seine Augen funkeln belustigt.

Du hast das Gefühl, noch mehr Blut würde in deinen Kopf transportiert werden und du senkst deinen Blick, um dem seinen Auszuweichen, auch um ein wenig dein rotes Gesicht zu verstecken. Schließlich murmelst du deinen Namen.

„Und du bist?“, du blickst ihn von unten herauf.

„...Jin Yuichi...“, blaue Augen treffen auf deine und dein Herz setzt für einen Moment aus.

Du hast den Namen schon einmal gehört.

Du hast diese blauen Augen schon einmal gesehen.

Du hast ihn schon einmal gesehen.

„Wir sind uns im Traum begegnet!“, rufst du deinen Gedanken aus, als du dich endlich an diese seltsame Begegnung erinnerst. Das dir das nicht eher eingefallen ist!

Doch komisch bleibt es allemal: Du hast ihn im Traum getroffen und auch mit ihm geredet. Dabei seid ihr euch noch nie begegnet. Außerdem hat das Ganze an einem Fluss gespielt und du hast ihn an einem solchen gefunden.

Dennoch, du hast unter einem der Götterbäume geschlafen, die nicht umsonst ihren Namen besitzen. In der Nähe von solchen Bäumen passieren allerhand komische Dinge, das hat dir dein Vater früher erzählt. Durch einen der Götterbäume hat er auch deine Mutter getroffen, die leider einige Jahre nach deiner Geburt gestorben ist.

„Traum? Also kennst du mich?“, du kannst den Blick nicht definieren, den er dir zuwirft.

„Kennen wäre übertrieben...“, du weichst seinem Blick aus, und trittst von einem Fuß auf den anderen. Dein Blick schweift an ihm vorbei und du wendest dich schließlich ab, „die Suppe müsste gleich warm genug sein.“

Deine Aufmerksamkeit legt sich auf den Topf, dessen Inhalt vor sich hin köchelt. Du rührst noch einmal um, dann schöpfst du ein paar Löffel voll in eine Schüssel und gehst wieder zu deinem Findling herüber.

„Hier“, ohne ihn wirklich anzusehen, reichst du ihm die Schüssel und einen Löffel.

„Danke“, er nimmt es entgegen und fängt sogleich an zu Essen. Unsicher siehst du ihn an, du weist einfach nicht was du tun sollst. Eigentlich kennst du ihn überhaupt nicht. Rein theoretisch kann er dir sonst etwas antun. Aber irgendwie hast du einfach nicht das Gefühl, als ob er so etwas tun würde. Ob das an dem Traum lag?

Ein Klappern reist dich wieder zurück und überrascht blickst du ihn an.

„Weißt du... Ich kann mich an nichts außer meinem Namen erinnern...“, murmelt er, wobei sein Blick auf der Schüssel in seinen Händen gilt. Deine Augen werden groß. Er kann sich an nichts erinnern? Weiß er deswegen von dem Traum nichts?

„Du kommst nicht von hier. Das sagtest du jedenfalls in dem Traum...“, kommen dir die Worte einfach über deine Lippen.

„Was für ein Traum?“, neugierig mustern dich seine Augen, doch gleichzeitig hast du das Gefühl er würde die Antwort schon kennen. Aber das kann nicht sein.

„Nun ich habe letzte Nacht unter einem Götterbaum geschlafen und die sind dafür bekannt, dass seltsame Dinge um sie herum passieren... Jedenfalls hatte ich einen Traum und in diesem habe ich dich getroffen, du sagtest du würdest von Drüben kommen...“, dein Blick ist in die Ferne geschweift.

„Hm“, er schließt seine Augen.

„Du solltest dich noch ein wenig ausruhen“, rätst du ihm und stehst auf, prüfst kurz den Trockenheitszustand seiner Kleidung, „Schon fast alles trocken, nur noch ganz leicht feucht.“

Du blickst über deine Schulter und dein Blick scheint förmlich von ihm gefangen zu werden.

„Ich… Ich bin dann draußen“, du musst dich nahezu losreißen und läufst eilig hinaus.

Sanft empfängt dich eine angenehme Brise und lässt die Blätter der Bäume rascheln. Tief atmest du durch und blickst hinauf zum Himmel. Genauso blau wie seine Augen.

Du schüttelst deinen Kopf und versuchst den Gedanken zu vertreiben.

Warum nur wirst du das Gefühl nicht los, einen riesigen Stein ins Rollen gebracht zu haben?
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